1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Hüftdysplasie (Hüftluxation)

Hüftdysplasie

(Hüftluxation)
Von

1. Überblick

Die Hüftdysplasie ist eine Fehlbildung (= Dysplasie) am Hüftgelenk, die zusätzlich zur Hüftluxation führen kann (Luxation = Verrenkung). 2 bis 5 Prozent der Neugeborenen haben eine Hüftgelenksdysplasie, die damit eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen ist. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen.

Die angeborene Hüftdysplasie und Hüftluxation entstehen meist durch ein Zusammenspiel mehrerer (äusserer und innerer) Faktoren. Begünstigend wirkt dabei aus, dass das Hüftgelenk in der zweiten Schwangerschaftshälfte noch wenig formstabil ist. Zu den möglichen Ursachen für die Entstehung einer Hüftgelenksdysplasie und Hüftgelenksluxation gehören:

 

  • Platzmangel in der Gebärmutter (Uterus) – Risikofaktoren hierfür sind:
    • Erstschwangerschaft (60% der Hüftluxationen treten bei Erstgebärenden auf)
    • Steisslage (50% der Babys mit Hüftluxation befanden sich in Beckenendlage)
    • geringe Fruchtwassermenge (sog. Oligohydramnion, d.h. weniger als 200-500 ml Fruchtwasser)
    • Bluthochdruck der Mutter während der Schwangerschaft
  • Hormone, die während der Schwangerschaft im Blut zirkulieren und dafür sorgen, dass der Beckenring der Mutter gelockert ist: Die Hormone wirken – bei weiblichen Föten – auch an der Hüftgelenkkapsel, wodurch das Hüftgelenk des Kindes schlaff ist und zur Luxation neigt
  • Erblich bedingte Veranlagung
  • Frühzeitige, häufige Streckung des Hüftgelenks bei Babys, die das Nachreifen des bei der Geburt unreifen Hüftgelenks stört (z.B. durch häufige Bauchlage oder durch Binden auf ein Wickelbrett, wie es in manchen Völkern Tradition ist)

Zunächst zeigen viele Kinder mit angeborener Hüftdysplasie keine Symptome einer Hüftgelenksluxation: Die meisten Hüftluxationen entwickeln sich erst nach der Geburt. Erstes Anzeichen für eine Hüftdysplasie bei neugeborenen Kindern ist oft nur ein instabiles Hüftgelenk. Dieses bildet sich in 80 Prozent der Fälle von selbst zurück und das Hüftgelenk entwickelt sich normal weiter.

Wenn die Instabilität bestehen bleibt oder sich Hüftdysplasie und Hüftluxation verschlimmern, ist eine frühe Behandlung wichtig, um Folgeschäden zu verhindern. Die eingesetzten Massnahmen richten sich nach dem Alter der Kinder und dem Schweregrad der Fehlbildung: Die Therapie der Hüftdysplasie und Hüftluxation kann krankengymnastische Übungen, eine Spreizhose oder seltener einen Gips (sog. Fettweisgips) sowie eine Operation beinhalten.

Um zu verhindern, dass sich nach der Geburt eine Hüftdysplasie und Hüftluxation ausbilden, ist es ratsam, sein Baby

 

  • in einem Tragetuch zu tragen,
  • so zu wickeln, dass sein Hüftgelenk gebeugt ist,
  • nicht zu früh und häufig in Bauchlage zu legen.

2. Definition

Die Hüftdysplasie oder Hüftgelenksdysplasie ist eine Fehlanlage oder Fehlentwicklung (Dysplasie = Fehlbildung) der Hüftgelenkspfanne (Pfannendysplasie). Hierbei kann zusätzlich eine als Hüftluxation oder Hüftgelenksluxation bezeichnete Fehlstellung entstehen (Luxation = Verrenkung): Bei einer luxierten Hüfte ist der Hüftkopf teils oder vollständig aus der Hüftpfanne verschoben, so dass der Hüftkopf nicht richtig in der Hüftpfanne liegt.

Häufigkeit

Hüftdysplasie und Hüftluxation sind die häufigsten angeborenen Fehlbildungen. In Mitteleuropa beträgt die Häufigkeit der Hüftdysplasiecirca 3 Prozent. Mädchen sind etwa 6-mal häufiger betroffen als Jungen. Echte angeborene Hüftluxationen entstehen eher ab dem vierten Schwangerschaftsmonat, selten früher.

Meist bildet sich die Hüftluxation bei einer angeborenen Hüftdysplasie erst nach der Geburt aus. Mit besonderer Häufigkeit ist die Hüftgelenksdysplasie mit Hüftluxation bei Völkern zu beobachten, die schon ihre Neugeborenen zum Tragen auf sogenannte Wickelbretter binden. Der Grund: Das Hüftgelenk ist bei der Geburt noch unreif; damit es richtig weiterreifen kann, muss ein Baby seine Beine und somit sein Hüftgelenk weiterhin in der Beugestellung halten, die es schon im Bauch der Mutter eingenommen hat. Frühes und häufiges Strecken des Hüftgelenks (wie es auch bei einem Baby in Bauchlage der Fall ist) fördert also eine Hüftgelenksluxation. Bei Völkern, die traditionell Tragetücher für ihre Babys verwenden, sind Hüftdysplasien und Hüftluxationen hingegen so gut wie gar nicht zu finden.

3. Ursachen

Für die Hüftdysplasie und Hüftluxation kommen als Ursachen innere (endogene) und äussere (exogene) Faktoren infrage. Die meisten Dysplasien und Luxationen der Hüfte sind auf ein Zusammenspiel mehrere Faktoren zurückzuführen. Begünstigend wirkt sich dabei aus, dass das Hüftgelenk in der zweiten Schwangerschaftshälfte noch wenig formstabil ist.

Ein wichtiger äusserer Faktor bei der Entstehung einer Hüftdysplasie und Hüftluxation ist der Platzmangel in der Gebärmutter (Uterus): Wenn sich durch die eingeschränkte Beweglichkeit des Kindes der Hüftkopf in der Hüftpfanne verschiebt und über längere Zeit gegen den Hüftpfannenrand drückt, so dass sich dieser verformt, kann eine Hüftluxation entstehen. Zu den möglichen Ursachen dafür, dass sich eine Raumnot entwickelt, gehören:

 

  • Erstschwangerschaft (60% der Hüftluxationen treten bei Erstgebärenden auf)
  • Steisslage (50% der Babys mit Hüftluxation befanden sich in Beckenendlage)
  • geringe Fruchtwassermenge (sog. Oligohydramnion, d.h. weniger als 200-500 ml Fruchtwasser)
  • Bluthochdruck der Mutter während der Schwangerschaft

Bei der Entstehung einer Hüftdysplasie und Hüftluxation können als innere Ursachen bestimmte Hormone beteiligt sein, die während einer Schwangerschaft im Blut zirkulieren: Diese sorgen dafür, dass der Beckenring der Mutter gelockert ist. Die Hormone wirken jedoch nicht nur am Becken der Mutter, sondern auch an der Hüftgelenkkapsel weiblicher Föten. Die Folge: Das Hüftgelenk des Kindes ist schlaff und neigt zur Luxation. Aus diesem Grund sind Hüftluxationen bei Mädchen rund 6-mal häufiger als bei Jungen.

Für eine Hüftdysplasie und Hüftluxation kommen auch erbliche Ursachen infrage: Da Hüftdysplasien in manchen Familien gehäuft auftreten, ist es wahrscheinlich, dass zumindest in manchen Fällen eine erbliche Veranlagung als innerer Faktor bei der Entstehung der Hüftgelenksdysplasie und Hüftgelenksluxation eine Rolle spielt.

Allerdings kann es auch erst nach der Geburt zur Hüftdysplasie und Hüftluxation kommen. Ursachen hierfür können mechanische Faktoren sein, die das bei der Geburt unreife Hüftgelenk in seiner Nachreifung stören: Das Hüftgelenk kann nur dann richtig weiterreifen, wenn ein Neugeborenes die während der Schwangerschaft eingenommene Beugestellung von Beinen und Hüfte auch weiterhin einnehmen kann. Ist das Hüftgelenk jedoch frühzeitig oft gestreckt (z.B. durch frühe und häufige Bauchlage oder durch Binden auf ein Wickelbrett, wie es in manchen Völkern Tradition ist), fördert dies die Entstehung einer Hüftluxation.

Wenn eine Hüftdysplasie Erwachsene betrifft, spricht man auch von einer Restdysplasie, denn: Eine Hüftdysplasie bei Erwachsenen hat ihre Ursachen meist darin, dass die angeborene oder erworbene Fehlform des Hüftgelenks nach Abschluss der Wachstumsphase bestehen bleibt.

4. Symptome

Eine angeborene Hüftdysplasie kann mit oder ohne Symptome einer Hüftluxation vorliegen: Symptome einer Hüftgelenksluxation entwickeln sich meistens erst nach der Geburt. Eine echte angeborene Hüftluxation ist also deutlich seltener als die angeborene Hüftgelenksdysplasie.

Beide Fehlstellungen können bei der Geburt nur leichte oder schon vollständig ausgeprägte Symptome zeigen. Die für eine Hüftluxation und Hüftdysplasie typischen Symptome sind:

 

  • Instabilität des Hüftgelenks (Ortolani-Zeichen)
  • Aus- und Einrenken des Hüftkopfs (Barlow-Zeichen)
  • Abspreizhemmung des betroffenen Hüftgelenks
  • Faltenasymmetrie an den hinteren Oberschenkeln
  • scheinbare Verkürzung des betroffenen Beins

Meistens (zu ca. 60%) bilden sich die Hüftdysplasie und Hüftluxation einseitig aus; die Symptome der Fehlbildungen können aber auch beidseitig auftreten. Erstes Anzeichen für eine Hüftdysplasie bei Kindern ist zunächst häufig nur ein instabiles Hüftgelenk (Ortolani-Zeichen). Dieses bildet sich bei 80 Prozent der Neugeborenen von selbst zurück und das Hüftgelenk entwickelt sich normal weiter. Wenn von aussen weiter Druck auf den Hüftkopf und somit auf die knorpeligen Pfannenränder wirkt (z.B. beim Wickeln in Streckstellung der Hüftgelenke), kann dies die Pfanne verformen und das Gelenk zerstören. Befindet sich der Hüftkopf in einer Fehllage, verkürzt sich die Muskulatur. Dies erschwert die Stabilisierung des Gelenks und es entsteht eine Hüftluxation.

5. Diagnose

Bei Verdacht auf eine Hüftdysplasie und Hüftluxation erfolgt zur Diagnose zunächst eine körperliche Untersuchung. Bleibt der Verdacht bestehen, schliesst sich eine Ultraschalluntersuchung an: Im Ultraschall kann der Arzt das Verhältnis zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne sehen und die knorpeligen Pfannendachanteile beurteilen.

Eine Röntgen-Untersuchung von Kindern mit Hüftdysplasie und Hüftluxation ist nur dann zur Diagnose erforderlich, wenn eine Behandlung nötig ist. Bei einer behandlungsbedürftigen Hüftgelenksluxation kommt auch nach der Behandlung immer eine abschliessende Röntgenuntersuchung zum Einsatz, um einen Gelenkabbau (Hüftkopfnekrose) auszuschliessen.

6. Therapie

Bei einer Hüftdysplasie und Hüftluxation ist die Therapie davon abhängig, wie ausgeprägt die Symptome sind und wie alt das Kind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist. Allgemein gilt: Je jünger die Betroffenen sind, umso einfacher ist es, Hüftdysplasien und Hüftluxationen erfolgreich zu behandeln.

Häufig ist bei einer angeborenen Instabilität des Hüftgelenks – also im frühen Stadium der Hüftdysplasie und Hüftluxation – gar keine Therapie nötig: Wenn sich die Bewegungsabläufe normal entwickeln, bildet sich die Instabilität in 4 von 5 Fällen von Hüftdysplasie ohne Behandlung innerhalb von 2 Monaten von selbst zurück. Diese spontane Heilung der Hüftdysplasie können Sie fördern, indem Sie Ihr Baby so wickeln, dass seine Hüfte gebeugt ist, es im Tragetuch tragen und konsequent ein frühzeitiges Strecken seiner Hüfte vermeiden (legen Sie Ihr Baby also nicht ständig in Bauchlage).

Wenn die Hüftdysplasie beim Baby über die zweite bis vierte Lebenswoche hinaus bestehen bleibt, ist zur Therapie eine sogenannte Spreizhose geeignet. Wenn das Baby die Beine bereits nicht mehr abspreizen kann und die Muskulatur verkürzt ist, kommen zur Hüftdysplasie-Behandlung muskelentspannende Übungen (Physiotherapie ) zum Einsatz. Dann ist bei einer Hüftdysplasie mit Hüftluxation zur Therapie eine Reposition nötig, um den Hüftkopf zurück in die Pfanne zu verlagern – dies kann manuell oder mithilfe von Bandagen oder Apparaturen (Pavlik-Bandage, Extensions-Repositionsgerät) erfolgen. Anschliessend ist dafür zu sorgen, dass der Hüftkopf nicht wieder aus der Pfanne springt. Dies geschieht ebenfalls mithilfe von Bandagen oder Schienungen (Abspreizschienen, Laufschienen). Bei Instabilität ist es unter Umständen nötig, das Gelenk vorübergehend im Gipsverband (sog. Fettweisgips) ruhig zu stellen.

Bei einer Hüftdysplasie und Hüftluxation führt die nicht-operative Behandlung meistens im ersten Lebensjahr zum Erfolg. Wenn trotz Hüftdysplasie-Therapie eine leichte Fehlstellung bestehen bleibt, kann diese auch noch von selbst heilen. Gleiches gilt für eine erst spät entdeckte Hüftgelenksdysplasie, bei der noch keine Fehlstellung vorliegt.

Wenn sich Hüftdysplasie und Hüftluxation trotz Behandlung verschlechtern oder wenn sie zu lange unerkannt bleiben, kann sich das Gelenk im weiteren Verlauf verändern. Häufig macht die Hüftluxation und Hüftdysplasie dann eine Operation zur Therapie nötig: Nur ein solcher Eingriff kann die mit der Hüftdysplasie und Hüftluxation verbundenen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen beheben und weitere Gelenkzerstörungen verhindern.

7. Verlauf

Bei der Hüftdysplasie und Hüftluxation hängt der Verlauf in hohem Mass davon ab, wie ausgeprägt Fehlbildung und Fehlstellung sind und wie lange sie unbehandelt bestehen: Die beste Prognose hat eine direkt nach Geburt erkannte und behandelte Instabilität des Hüftgelenks: Dann beträgt die Heilungschance praktisch 100 Prozent. Wenn schon bei der Geburt eine Hüftluxation besteht, ist die Prognose ungünstiger. Allgemein gilt also:

Je später die Luxation auftritt und je früher die Behandlung einsetzt, desto besser sind die Behandlungserfolge.

In den meisten Fällen heilt eine angeborene Hüftdysplasie im frühen Stadium – ohne Hüftluxation – sogar ohne Behandlung innerhalb von zwei Monaten von selbst, wenn sich die Bewegungsabläufe normal entwickeln. Den Verlauf der Heilung einer Hüftdysplasie kann man durch einfache Maßnahmen fördern (z.B. Baby in Hüftbeugestellung wickeln und im Tragetuch tragen).

Eine länger bestehende Hüftdysplasie und Hüftluxation kann in ihrem Verlauf zu Durchblutungsstörungen des Hüftkopfs führen, was Komplikationen nach sich zieht: Nachfolgend bildet sich eine Hüftkopfnekrose aus – das heisst, das Gewebe des Gelenkkopfs stirbt ab. Dies kann dauerhafte Behinderungen nach sich ziehen. Infolge einer Hüftgelenksdysplasie und Hüftgelenksluxation entwickeln Erwachsene nicht selten schon früh eine Arthrose.

8. Vorbeugen

Einer Hüftdysplasie mit oder ohne Hüftluxation können Sie zwar nicht vorbeugen, da es sich um eine angeborene Fehlstellung handelt. Meist bildet sich die Hüftgelenksdysplasie mit Hüftgelenksluxation jedoch erst nach der Geburt aus. Dies können Sie durch einfache Massnahmen weitgehend verhindern:

Wenn Sie einer Hüftdysplasie und Hüftluxation bei Ihrem Baby vorbeugen möchten, ist es vor allem wichtig, das Hüftgelenk Ihres Babys nicht frühzeitig zu strecken. Der Grund: Das Hüftgelenk ist bei der Geburt noch unreif; damit es richtig weiterreifen und keine Hüftdysplasie mit Hüftluxation entstehen kann, muss ein Baby sein Hüftgelenk weiterhin in der Beugestellung halten können, die es schon im Bauch der Mutter eingenommen hat. Dass eine frühzeitige Streckung des Hüftgelenks die Hüftgelenksluxation fördert, sieht man bei Völkern, die schon ihre Neugeborenen zum Tragen auf sogenannte Wickelbretter binden: Dort kommen Hüftluxationen besonders oft vor. Bei Völkern, die traditionell Tragetücher für ihre Babys verwenden, finden sich hingegen so gut wie gar keine Hüftdysplasien und Hüftluxationen.

Wenn Sie einer Hüftdysplasie und Hüftluxation vorbeugen möchten, ist also Folgendes empfehlenswert:

 

  • Tragen Sie Ihr Baby in einem Tragetuch.
  • Wickeln Sie Ihr Baby so, dass sein Hüftgelenk gebeugt ist.
  • Vermeiden Sie es, Ihr Baby frühzeitig und zu oft in Bauchlage zu legen.