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Impetigo contagiosa

(Eiterflechte)
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1. Überblick

Eiterbläschen, Pusteln, gelbe Krusten: Die Impetigo contagiosa ist die häufigste bakterielle Hauterkrankung bei Kindern. Sie ist hochinfektiös – aber wenig problematisch. Die befallene Haut (meist am Kopf und an den Händen) sieht unappetitlich aus, und die Therapie ist aufwändig. Eine behandelte Impetigo contagiosa heilt in der Regel aber komplikationslos und narbenfrei ab.

Wenn Ihr Kind von einer Impetigo contagiosa (auch Grindflechte, Eiterflechte oder Borkenflechte genannt) betroffen ist, müssen Sie auf strenge Hygiene achten. Über Hautkontakt, aber auch über Gegenstände und Textilien, die vom Infizierten berührt wurden, kann sich die Infektion schnell ausbreiten. Darum dürfen Kinder mit Impetigo contagiosa keinen Kontakt zu anderen Kindern (z.B. in Schule oder Kindergarten) haben, bis die Erkrankung abgeheilt ist.

Anfällig für eine Impetigo contagiosa sind besonders Kinder, deren Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise durch einen Schnupfen. Aber auch mangelnde Hygiene und feuchtwarmes Klima unterstützen eine Infektion mit den bakteriellen Erregern. Seltener sind Erwachsene von der Grindflechte betroffen.

Es gibt drei Formen der Grindflechte:

  • die kleinblasige Impetigo contagiosa
  • die grossblasige Impetigo contagiosa
  • die nicht-bullöse Impetigo contagiosa

Die ersten beiden äussern sich durch eitergefüllte Bläschen, die aufplatzen und eine gelbliche Kruste hinterlassen. Die kleinblasige Impetigo beschränkt sich meistens auf das Gesicht (besonders Mund und Nase), die grossblasige Impetigo befällt eher den Bauch und andere Körperstellen. Bei der nicht-bullösen Impetigo contagiosa sind die Bläschen nicht bis kaum zu erkennen, sie fällt meist erst durch die geblichen Krusten auf und kann alle Körperstellen befallen, die bei den ersten beiden Formen betroffen sind.

Eine Impetigo contagiosa wird mit Antiseptika und Antibiotika behandelt. Ist die Eiterflechte schwach ausgeprägt, reicht es aus, die Krusten mit desinfizierenden Mitteln aufzuweichen und mit antibiotischen Salben zu behandeln. Ist die Impetigo contagiosa stärker ausgeprägt, kann eine Therapie mit Antibiotika-Tabletten nötig werden. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie sich gründlich und häufig die Hände waschen und Textilien (z.B. Handtücher) nicht gemeinsam mit Ihrem infizierten Kind benutzen.

Die Impetigo contagiosa verläuft behandelt fast immer ohne Komplikationen und hinterlässt in der Regel keine Narben.

2. Definition

Per Definition ist die Impetigo contagiosa eine bakterielle, durch Staphylokokken oder Streptokokken herbeigeführte, hochinfektiöse Hauterkrankung bei Kindern. Sie wird aufgrund ihres Erscheinungsbildes unter anderem auch Eiterflechte, Pustelflechte oder Borkenflechte genannt.

Es gibt drei Formen der Impetigo contagiosa:

  • Die kleinblasige Impetigo contagiosa (auch Grindflechte oder Impetigo vulgaris) ist die häufigste Infektion der Haut bei Kindern. Sie befällt vorwiegend das Gesicht, die Kopfhaut und die Hände.
  • Die grossblasige Impetigo contagiosa (auch Impetigo bullosa) breitet sich am Bauch, unter den Achseln, am Hals oder im Genitalbereich aus.
  • Die nicht-bullöse Impetigo contagiosa bildet nur sehr kleine Bläschen aus, die nicht bis kaum zu sehen sind; hier überwiegen die gelblichen Krusten. Sie kann an allen Hautstellen auftreten, die bei den ersten beiden Formen betroffen sind.

Häufigkeit

Die Impetigo contagiosa ist die häufigste bakterielle Hauterkrankung bei Kindern. Erwachsene sind seltener betroffen, Frauen häufiger als Männer. Im Frühling und Sommer infizieren sich durch das feuchtwarme Klima besonders viele Kinder. Insgesamt erkranken in Europa jährlich etwa 2 von 100 Personen an einer Impetigo contagiosa.

3. Ursachen

Ursachen der Impetigo contagiosa sind bakterielle Erreger. Am häufigsten ist Staphylococcus aureus für eine Impetigo contagiosa verantwortlich, es kommen aber auch andere Staphylokokken, Streptokokken sowie eine gleichzeitige Infektion mit verschiedenen Erregern in Frage. Je nach Erreger kommt es zu einer speziellen Form der Impetigo contagiosa:

  • grossblasige Impetigo contagiosa: Ursache überwiegend Staphylokokken, besonders Staphylococcus aureus
  • kleinblasige Impetigo contagiosa: Ursache überwiegend Streptokokken
  • nicht-bullöse Impetigo contagiosa: als Ursache sowohl Streptokokken, Staphylokokken als auch eine Mischinfektion möglich

Die Bakterien werden über Hautkontakt, aber auch über Gegenstände und Textilien, die vom Infizierten berührt wurden, übertragen. Darum breitet sich die Impetigo contagiosa besonders schnell in Kindergruppen – wie im Kindergarten oder der Schule – aus.

Am häufigsten treten die Erreger über verletzte Hautstellen (Abschürfungen, Insektenstiche) in die Haut ein. Das Kind überträgt sie von dort durch Kratzen und Reiben an andere Stellen (Schmierinfektion).

Wärme fördert eine Infektion. Darum infizieren sich die meisten Kinder im Frühling oder Sommer mit einer Impetigo contagiosa, wenn das Klima feuchtwarm ist. Aber auch mangelnde Hygiene kann eine Infektion mit Staphylokokken oder Streptokokken unterstützen. Nicht zuletzt infizieren sich Kinder schneller, deren Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise durch einen Schnupfen (besonders weil hier die Nase durch häufiges Putzen und Reiben zusätzlich gereizt wird) oder deren Haut aufgrund einer chronischen Hauterkrankung (z.B. Neurodermitis) dauerhaft gereizt ist.

Ursachen der nicht-bullösen Impetigo contagiosa können auch andere Erkrankungen oder Infektionen der Haut sein. Die nicht-bullöse Eiterflechte kann dann an den betroffenen Hautstellen als Sekundärinfektion auftreten. Ursächliche Erkrankungen können sein:

  • Herpes-simplex-Infektion (Lippenherpes, Genitalherpes)
  • Varizelleninfektion (Windpocken)
  • Ekzeme (z.B. seborrhoisches Ekzem)
  • entzündete Insektenstiche

4. Symptome

Die Impetigo contagiosa zeigt bei allen drei Formen einige einheitliche Symptome: die Bläschen (bei der nicht-bullösen Form nicht bis kaum zu sehen) und die gelblichen Krusten, die nach dem Aufplatzen der Bläschen entstehen. Oft kommt ein Juckreiz hinzu. Selteneres Symptom der Impetigo contagiosa ist Fieber. Die Haut kann in kleinen Arealen befallen sein. Bei einem schweren Befall breitet sich die Impetigo contagiosa aber grossflächig aus. Das Allgemeinbefinden ist bei einer Impetigo contagiosa selten beeinträchtigt.

In den weiteren Symptomen unterscheiden sich die verschiedenen Formen der Impetigo contagiosa leicht:

Kleinblasige Impetigo contagiosa: Die Bläschen sind klein, eitergefüllt und platzen schnell auf, weil sie eine sehr dünne Wand haben. Die kleinblasige Impetigo contagiosa tritt vorwiegend unter der Nase und um den Mund herum auf, kann aber auch die Kopfhaut und Hände und Füsse befallen. Seltener breiten sich die Bläschen in den Ohren oder der Nase aus.

Grossblasige Impetigo contagiosa: Die Bläschen sind grösser als bei der kleinblasigen Impetigo (bis zu mehreren Zentimetern Durchmesser) und haben eine dickere Wand. Sie bestehen daher länger, bevor sie platzen. Die Blasen sind erst klar, dann trüben sie nach und nach ein. Die grossblasige Impetigo contagiosa befällt vorwiegend Bauch, Hals, Achseln und den Genitalbereich.

Nicht-bullöse Impetigo contagiosa: Hier sind die Bläschen nur schwach oder gar nicht ausgeprägt. Die nicht-bullöse Impetigo contagiosa fällt meistens erst auf, wenn sich die typischen gelblichen Krusten bilden. Sie kann an allen Stellen der gross- und kleinblasigen Impetigo auftreten.

5. Diagnose

Die Diagnose der Impetigo contagiosa wird zunächst über das Erscheinungsbild des Patienten gestellt. Ausserdem wird der Arzt eine Anamnese vornehmen, das heisst, er wird den Betroffenen nach seiner Krankengeschichte und möglichen infizierten Personen aus seinem Umfeld befragen.

Um die Diagnose Impetigo contagiosa stellen zu können, muss der Arzt ausserdem andere Erkrankungen, die ein ähnliches Erscheinungsbild haben, ausschliessen. Dazu gehören:

  • Herpes simplex (Lippenherpes, Genitalherpes)
  • Akne vulgaris
  • Follikulitis (Entzündung an behaarten Körperstellen, ausgelöst durch Staphylococcus aureus)

Sobald der Arzt anhand der Symptome die Diagnose Impetigo contagiosa gestellt hat, wird er die Therapie einleiten. Zusätzlich wird er einen Abstrich von den betroffenen Hautstellen machen, um den Erreger bestimmen zu lassen. Das ist zum einen nötig, um für den weiteren Verlauf die richtige Therapie wählen zu können. Sind Streptokokken für die Impetigo contagiosa verantwortlich, muss ausserdem regelmässig der Urin kontrolliert werden, um Folgeerkrankungen an den Nieren ausschliessen beziehungsweise rechtzeitig behandeln zu können.

Über den Abstrich wird zusätzlich ein Antibiogramm erstellt, um mögliche Resistenzen des Erregers gegen Antibiotika feststellen und die Therapie entsprechend anpassen zu können.

6. Therapie

Der Arzt wird die Therapie der Impetigo contagiosa einleiten, sobald er über das Erscheinungsbild die Diagnose gestellt hat. Im weiteren Ablauf kann die Therapie der Impetigo contagiosa dann angepasst werden, etwa wenn eine Resistenz des Erregers gegen bestimmte Antibiotika festgestellt wird.

Die ersten Schritte in der Therapie der Impetigo contagiosa bestehen darin, bestehende Krusten abzutragen. Dafür weicht der Arzt die betroffenen Hautstellen beispielsweise mit einer Lösung aus Salicylsäure oder Clioquinol auf und löst die Krusten anschliessend vorsichtig ab. Der Arzt wird die von Impetigo contagiosa betroffenen Hautstellen dann mit antiseptischen Lösungen (z.B. Chinolinol oder Jodlösung) waschen und mit antiseptischen Salben (z.B. Zinkpaste) oder einem lokalen Antibiotikum (Wirkstoffe z.B. Mupirocin, Fusidinsäure oder Gentamicin) bestreichen.

Anschliessend wird der Arzt die Haut, wenn möglich, mit einem leichten Verband abdecken. Wichtig ist hierbei, dass der Verband nicht mit einem Pflaster auf der Haut befestigt werden darf, um die Haut nicht noch mehr zu reizen.

Das können Sie in der Therapie der Impetigo contagiosa selber tun (zweimal am Tag):

  • Waschen Sie sich gründlich die Hände und ziehen Sie dann Einmalhandschuhe über.
  • Entfernen Sie den Verband.
  • Lösen Sie die Krusten mit einer antiseptischen Lösung.
  • Tragen Sie antiseptische Salbe oder ein lokales Antibiotikum auf.
  • Legen Sie einen neuen Verband auf.
  • Waschen Sie sich erneut gründlich die Hände.

Wenn grössere Hautareale betroffen sind, können desinfizierende Bäder mit Kaliumpermanganat oder Polyvidon-Jod-Lösung die Therapie der Impetigo contagiosa unterstützen. Ausserdem wird der Arzt bei grossflächigem Befall der Haut oder langem Krankheitsverlauf ein Antibiotikum in Tablettenform (je nach Erreger Cephalosporine oder Clindamycin, wenn eine Allergie gegen Penicillin vorliegt) verschreiben.

Geht die Impetigo contagiosa mit störendem Juckreiz einher, kann Ihnen der Arzt ausserdem ein Antihistaminikum (zum Beispiel mit dem Wirkstoff Clemastin oder Dimetinden) verschreiben.

Damit die Therapie der Impetigo contagiosa wirksam sein kann, sollten Sie ausserdem strikte Hygienemassnahmen einhalten!

Hygienemassnahmen bei Impetigo contagiosa:

  • Häufiges Händewaschen, gründlich und mit Seife – sowohl des infizierten Kindes als auch von Personen im direkten Umfeld.
  • Das betroffene Kind sollte nicht gemeinsam mit anderen Familienmitgliedern baden.
  • Halten Sie die Fingernägel des infizierten Kindes kurz.
  • Sorgen Sie für eine eindeutige Trennung der Handtücher von infizierten und nicht-infizierten Familienmitgliedern.
  • Verzichten Sie auf engen Körperkontakt zum betroffenen Kind – machen Sie den restlichen Familienmitgliedern klar, dass diese Massnahme momentan leider nötig ist.
  • Infizierte Kinder dürfen während der Erkrankung die Schule oder den Kindergarten nicht besuchen und keinen Kontakt zu anderen Kindern haben, bis der Arzt Entwarnung gibt.

7. Verlauf

Im Verlauf der Impetigo contagiosa kommt es selten zu Komplikationen. Es kommt vor, dass die Grindflechte spontan abheilt, aber auch ein mehrwöchiger Verlauf ist möglich, während dem sich die Impetigo contagiosa an weiteren Hautarealen ausbreitet. Wird die Impetigo contagiosa behandelt, heilt sie aber meist ohne Folgen und narbenlos aus.

Typischer Verlauf der Impetigo contagiosa (zeitliche Abfolge):

  • gerötete Hautstellen, meistens um Mund und Nase herum
  • eitergefüllte Bläschen, die meist schnell platzen
  • gelbliche Krusten

Komplikationen

Komplikationen sind bei der Impetigo contagiosa selten. Bleibt sie unbehandelt, kann sich die Infektion aber ausbreiten und andere Körperregionen befallen. Folgeerkrankungen können sein:

Ist Staphylococcus aureus der Erreger, kann es im Verlauf einer unbehandelten Impetigo contagiosa zu einer Entzündung der Lymphbahnen (Lymphangitis) oder einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Sind Streptokokken für die Grindflechte verantwortlich, können diese in seltenen Fällen die Nieren schädigen (sog. nephritogene Streptokokken). Um diese Erreger rechtzeitig zu erkennen, ist es notwendig, dass im Verlauf der Impetigo contagiosa regelmässig der Urin kontrolliert wird, um rechtzeitig eingreifen und eine Entzündung der Nieren (sog. postinfektiöse Glomerulonephritis) verhindern zu können.

8. Vorbeugen

Einer Impetigo contagiosa können Sie relativ gut vorbeugen: Achten Sie auf eine sorgsame Hygiene bei Ihrem Kind! Tägliches gründliches Waschen, besonders der Hautfalten, gehört ebenso dazu wie regelmässiges Händewaschen mit Seife. Die Fingernägel sollten kurzgehalten und sauber sein. Besonderen Wert sollten Sie auf die Hygiene legen, wenn das Immunsystem Ihres Kindes durch einen Schnupfen oder andere Hauterkrankungen bereits geschwächt ist. Auch bei feuchtwarmem Klima (Sommer, warme Urlaubsländer) ist Hygiene ein Muss.

Wenn gerötete Hautstellen auftreten, versuchen Sie Ihr Kind vom Kratzen abzuhalten. Ist das nicht möglich, sollte es sich noch häufiger die Hände waschen und, nachdem es sich gekratzt oder die betroffenen Hautstellen berührt hat, nicht mit den Händen an andere Körperteile fassen.

Besteht bereits eine Impetigo contagiosa, so können Sie mit denselben Hygienemassnahmen verhindern, dass sie sich ausbreitet. Achten Sie ausserdem darauf, dass mögliche Geschwisterkinder keinen Hautkontakt zum infizierten Kind haben. Textilien wie Handtücher dürfen SIe jetzt nicht gemeinsam verwenden. Gegenstände, die das infizierte Kind häufig verwendet, sollten nicht von den anderen Familienmitgliedern verwendet beziehungsweise häufiger gereinigt werden.