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Invagination

(Darmverschluss bei Kleinkindern)
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1. Überblick

Eine Invagination führt zu einem Darmverschluss (Ileus) bei Kleinkindern. Bei einer Invagination stülpt sich ein Stück Darm ein. Die Ursache ist in den meisten Fällen unbekannt. Durch die Einstülpung kann der Darminhalt nicht mehr ungehindert passieren und staut sich auf.

Ein Darmverschluss durch Invagination kommt bei Kleinkindern vor allem im Alter bis zu einem oder zwei Jahren vor. Er tritt dann relativ plötzlich bei bis dahin gesunden Babys auftritt.

Die Symptome dieser Einstülpung des Darms sind heftige, in Wellen verlaufende Bauchschmerzen, Erbrechen, Abgang eines blutigen Schleims, Blässe und Unruhe. Das Kind wirkt schwer krank und schreit in manchen Fällen aufgrund der starken Schmerzen.

Bei einem Darmverschluss durch Invagination muss die Behandlung unverzüglich im nächsten Spital erfolgen. Zur Diagnose tastet der Arzt zunächst den Bauch des Kindes vorsichtig ab. Die Invagination lässt sich häufig bereits ertasten. Eine Röntgen-Untersuchung des Bauches hilft, die Einstülpung deutlich zu erkennen. Im Frühstadium kann der Arzt die Invagination oft durch einen Einlauf lösen und selten sogar allein durch eine Bauchmassage rückgängig machen. Gelingt dies nicht, so ist eine Operation erforderlich. Bei dieser legt der Chirurg den eingestülpten Darm in seine ursprüngliche Position zurück.

Bei einem Darmverschluss durch Invagination ist die Verdauung blockiert – Verdauungsbrei staut sich auf und schädigt die Darmwand. Treten Bakterien aus dem Darm in den Bauchraum über, ist unter anderem eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung (Peritonitis) möglich. Auch ist der Dickdarm dafür zuständig, dem Verdauungsbrei Flüssigkeit zu entziehen und ins Blut zu überführen. Beim Darmverschluss kann der Darm diese Aufgabe nicht mehr entsprechend erfüllen – Austrocknung (Exsikkose) und Kreislaufversagen können mögliche Folgen sein.

Ohne eine entsprechende Behandlung kann der Darmverschluss tödlich enden. Eine schnelle Therapie bessert jedoch die Prognose deutlich.

2. Definition

Unter einem Darmverschluss (Ileus) bei Kleinkindern versteht man eine Unterbrechung der Darmdurchgängigkeit. Bei einem Darmverschluss kann der Darminhalt den Verdauungstrakt nicht weiter passieren. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Hauptursache im Kindesalter ist eine Invagination, eine plötzlich auftretende Einstülpung des Darms. Am häufigsten tritt diese am Dünndarm auf, der sich in den Blinddarm oder in den aufsteigenden Dickdarm stülpt.

Häufigkeit

Ein Darmverschluss – oft durch Invagination – kommt bei Kleinkindern mit einer bestimmten, eher geringen Häufigkeit vor. Eine Einstülpung des Darms, die Invagination, tritt bei Kleinkindern in den meisten Fällen im zweiten Lebenshalbjahr. Bei Säuglingen in den ersten drei Lebensmonaten sowie bei Kindern nach dem dritten Geburtstag kommt ein Darmverschluss durch Invagination nur extrem selten vor.

3. Ursachen

Ein Darmverschluss (Ileus) kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. Es handelt sich bei ihm um keine selbstständige Erkrankung, sondern eine unspezifische Antwort des Magen-Darm-Trakts auf verschiedenste Störungen, wie beispielsweise:

 

  • Mechanische Hindernisse im Darm, welche die Passage des Verdauungsbreis unterbrechen, etwa verschluckte Fremdkörper, Tumoren, Würmer, Kotballen oder Gallensteine
  • Verwicklungen der Darmschlingen im weiteren Sinn wie der sogenannte Volvulus oder die Invagination. Bestimmte entzündliche oder angeborene Veränderungen wie Polypen oder Darmausstülpungen (z.B. ein Meckel-Divertikel) begünstigen eine solche Invagination.
  • Einklemmung von Darmschlingen als Komplikation von «Verwachsungsbäuchen» – dies kann als Folge von Operationen oder Bauchwandbrüchen (Hernien) vorkommen.
  • Selten sind angeborene Anomalien der Darmentwicklung (Malrotation) Ursachen für den Darmverschluss.

Durch die mechanische Behinderung der Darmpassage entsteht ein sogenannter mechanischer Ileus – der Darminhalt kann nicht mehr weiter transportiert werden und staut sich auf.

Bei der Invagination wird ausserdem durch die normale Darmbewegung das eingestülpte Darmstück, das sogenannte Invaginat, noch weiter nach vorne geschoben und damit vergrössert. Gleichzeitig werden die den Darm versorgenden Blutgefässe abgeknickt. Einerseits wird dadurch die Darmwand nicht oder nicht mehr ausreichend durchblutet – das betroffene Gewebe erhält zu wenig Sauerstoff (Ischämie). Andererseits führt die Behinderung des Blutabflusses dazu, dass sich Venenblut aufstaut und es zu Blutungen der Darmschleimhaut kommt.

4. Symptome

Kommt es infolge einer Invagination zu einem Darmverschluss bei Kleinkindern sind typische Symptome plötzlich auftretende heftige Bauchschmerzen. Die Kinder krümmen sich vor Schmerzen (Darmkoliken) und erbrechen zuerst den Mageninhalt, später Gallenflüssigkeit und noch später Stuhl. Die Haut ist von kaltem Schweiss bedeckt, sie sind blass und zeigen einen ängstlichen Gesichtsausdruck. Anfangs treten die Schmerzattacken wehenartig, also in einem wellenförmigen Verlauf auf. Die Schmerzen beim Darmverschluss können zeitweilig so stark sein, dass das Kind neben Erbrechen auch die Symptome eines Schocks zeigen kann. Zwischenzeitlich sind auch Phasen völliger Schmerzfreiheit möglich.

Bei einer Invagination stülpt sich ein Stück Darm ein, wodurch der Darminhalt nicht mehr ungehindert passieren kann und sich aufstaut. Durch die überblähten Darmschlingen beim Darmverschluss wird der Bauch aufgetrieben und als Symptome treten auffällige Darmgeräusche auf, die im späteren Verlauf ausbleiben. Zu den Spätsymptomen gehört ein himbeergeleeartiges Sekret, welches dem Arzt bei der rektalen Untersuchung auffällt. Im Extremfall lässt sich ein Teil der Darmeinstülpung ertasten.

5. Diagnose

Bei einem Darmverschluss bei Kleinkindern aufgrund einer Invagination erhebt der Arzt im Rahmen der Diagnose zunächst die Krankengeschichte (Anamnese). Dabei erkundigt er sich besonders nach dem Verlauf der Schmerzen – charakteristisch sind häufig abwechselnd schmerzhafte und schmerzfreie Phasen. Die geschilderten Symptome sind meist typisch und ergeben so bereits den Verdacht auf eine Invagination. Bei der anschliessenden körperlichen Untersuchung kann der Arzt das betroffene Darmstück häufig ähnlich einer Walze im rechten Unterbauch tasten. Nach der Austastung des Enddarms über den After zeigt sich oft blutiger Schleim am Fingerling. Ausserdem kann teilweise die äusserste Spitze des Invaginats ertastet werden.

Bei einem Darmverschluss durch Invagination gelingt eine eindeutige Diagnose in der Regel durch eine Ultraschall-Untersuchung.

6. Therapie

Bei einem Darmverschluss bei Kleinkindern aufgrund einer Invagination umfasst die Therapie im Anfangsstadium zunächst äussere Massnahmen. Häufig kann der Arzt den Darmverschluss entweder durch eine spezielle Massage oder durch einen Einlauf mit Kochsalzlösung lösen. Dabei wird durch den hydrostatischen Druck der Flüssigkeit, die für den Einlauf verwendet wird, der eingestülpte Darm zurückgeschoben. Der Einlauf wird unter Ultraschallkontrolle durchgeführt, um zu überprüfen, ob der entsprechende Darmabschnitt wieder durchgängig ist.

Gelingt es dem Arzt nicht, die Invagination von aussen zu lösen, entscheidet er sich rasch zur Durchführung einer Operation. Nur dadurch lässt sich letztlich vermeiden, dass das schlecht durchblutete Darmstück abstirbt (Gangrän, Nekrose). Meistens kann der Darm bei der Operation vollständig erhalten werden. Ist der Darmverschluss bereits fortgeschritten und der Darm bereits geschädigt, ist jedoch eine Darmresektion erforderlich, also die Entfernung des betroffenen Darmstücks. Besteht gar eine Bauchfellentzündung als Folge der Invagination, so verabreicht der Arzt zur Therapie Infusionen, die den Kreislauf stabilisieren und Keime abtöten sollen.

7. Verlauf

Bei einem Darmverschluss bei Kleinkindern ist bei rechtzeitig einsetzender ärztlicher Behandlung der Verlauf und damit die Prognose meist gut.

Wird das Passagehindernis, das durch die Invagination entstand, allerdings nicht rasch beseitigt, können nicht mehr ausreichend durchblutete Darmschlingen absterben. In der Folge kann es zu einer schweren Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Wie beim Blinddarmdurchbruch verschlechtert sich bei einem Darmverschluss durch Invagination innerhalb weniger Tage der Zustand des Kindes dramatisch. Ohne rechtzeitige Behandlung nimmt ein Darmverschluss durch Invagination einen lebensgefährlichen Verlauf.