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1. Überblick

Man bückt sich oder hebt etwas Schweres – und plötzlich tut der Rücken im unteren Bereich weh. Wenn diese Schmerzen bis ins Bein ausstrahlen, handelt es sich wahrscheinlich um einen Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie).

Der Ischiasschmerz ist ein Nervenschmerz (Neuralgie), der durch eine Schädigung des Ischiasnervs (Nervus ischiadicus) bedingt ist. Ischiasschmerzen entstehen vor allem dadurch, dass der Ischiasnerv im Bereich zwischen dem vierten Lendenwirbel (L4 = Lumbalwirbel vier) und dem zweiten Kreuzbeinwirbel (S2 = Sakralwirbel zwei) der Wirbelsäule eingeklemmt ist. Eine mögliche Ursache für Ischias ist beispielsweise ein Bandscheibenvorfall.

Die für Ischias typischen Symptome (die bis ins Bein ziehenden Schmerzen) verstärken sich durch Husten oder Pressen. Ausserdem kann eine Ischialgie von Gefühlsstörungen und Lähmungen begleitet sein. Zur Ischias-Behandlung kommen zunächst unter anderem schmerz- und entzündungshemmende Medikamente sowie krankengymnastische Übungen zum Einsatz, um zu versuchen, die Schmerzen zu lindern. Unter Umständen ist auch eine Operation notwendig. Doch nicht immer ist ärztliche Hilfe bei Ischiasschmerzen nötig: Meist lassen die Schmerzen nach ein paar Tagen bis höchstens sechs Wochen von selbst nach.

Langfristig ist es bei Rückenproblemen wie dem Ischias empfehlenswert, sich ausreichend und regelmässig zu bewegen und die Rückenmuskulatur zu stärken. Dies ist auch als vorbeugende Massnahme empfehlenswert. Daneben ist es ratsam, auf eine rückenfreundliche Lebensweise zu achten, um Ischiasschmerzen zu vermeiden. Dazu gehört zum Beispiel:

  • nichts Schweres (z.B. einen Kasten Wasser) aus dem Rücken heraus zu heben, sondern aus den Knien, und
  • eine falsche Haltung und falsches Sitzen zu vermeiden, da dies auf Dauer die Bandscheiben verschleissen und zu Ischias führen kann.
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2. Definition

Der Begriff Ischias ist die Kurzform für Ischiasschmerzen oder Ischialgie und bezeichnet einen Nervenschmerz (= Neuralgie), der durch den Ischiasnerv (= Nervus ischiadicus) bedingt ist.

Ischiasschmerzen treten im Versorgungsgebiet des Ischiasnervs auf: Seinen Ursprung hat der Ischiasnerv im Rückenmark im Bereich zwischen dem vierten Lendenwirbel (L4 = Lumbalwirbel vier) und dem zweiten Kreuzbeinwirbel (S2 = Sakralwirbel zwei) der Wirbelsäule. Von dort zieht der Nerv ins Bein. Demnach äussert sich Ischias durch Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich, die bis ins Bein ausstrahlen.

Anders als beim Ischias bleiben die Schmerzen beim Hexenschuss (Lumbago) auf den Rücken begrenzt. Wenn ein Hexenschuss und Ischiasschmerzen gemeinsam auftreten, liegt eine sogenannte Lumboischialgie vor.

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3. Ursachen

Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie) kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel:

  • muskuläre Verspannungen,
  • Blockierungen der Wirbelkörper oder
  • eine Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) beziehungsweise
  • einen Bandscheibenvorfall (Prolaps).

Dabei haben die für Ischias typischen Schmerzen ihre Ursachen oft darin, dass der Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) eingeklemmt ist – beziehungsweise seine Nervenwurzeln im Rückenmark in Höhe des vierten Lendenwirbels (L4 = Lumbalwirbel vier) und des zweiten Kreuzbeinwirbels (S2 = Sakralwirbel zwei) der Wirbelsäule.

Die häufigsten Ursachen von Ischias sind degenerative Veränderungen der beiden unteren Bandscheiben der Lendenwirbelsäule (zwischen L4 und L5 sowie L5 und S1). Die Bandscheiben liegen wie Stossdämpfer zwischen den Wirbelkörpern in der Wirbelsäule. Wirkt ein erhöhter Druck auf sie (etwa beim Bücken), kann sich die Bandscheibe oder Bandscheibenmaterial vorwölben und Schmerzen auslösen. Diese Bandscheibenvorwölbung ist eine Vorstufe des Bandscheibenvorfalls. Der Bandscheibenvorfall in Höhe der Wurzel des Ischiasnervs verursacht neben den für die Ischialgie typischen Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich auch im Bein Schmerzen und möglicherweise Gefühlsstörungen sowie Lähmungen.

Darüber hinaus kommen für Ischias einige seltene Ursachen infrage, wie Verengungen im Wirbelbereich durch Tumoren sowie Nervenentzündungen und andere entzündliche Prozesse.

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4. Symptome

Die für Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie) typischen Symptome sind Rückenschmerzen im unteren Rücken (in Höhe der Lendenwirbelsäule), die bis ins Bein ausstrahlen. Der ins Bein ausstrahlende Ischiasschmerz verstärkt sich durch Husten oder Pressen.

Ist die Ischialgie durch einen Bandscheibenvorfall bedingt, bei dem der Ischiasnerv eingeklemmt ist, treten die Symptome meist plötzlich und sehr heftig auf; ausserdem sind die für Ischias typischen Schmerzen dann ziehend oder reissend.

Die ins Bein ausstrahlenden Ischiasschmerzen sind nicht immer das einzige Anzeichen für einen geschädigten Ischiasnerv: Zusätzlich zu den Schmerzen können bei Ischias neurologische Symptome wie Gefühlsstörungen (Taubheitsgefühl, Kribbeln, sog. Ameisenlaufen) oder Lähmungen auftreten. Bei einer schweren Ischialgie kommt es darüber hinaus zu Blasen- oder Darmstörungen (Inkontinenz).

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5. Diagnose

Bei Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie) gelingt die Diagnose meist rasch anhand der typischen Beschwerden: Ein eingeklemmter oder auf andere Weise geschädigter Ischiasnerv verursacht Rückenschmerzen im unteren Bereich des Rückens, die ins Bein ausstrahlen.

Neben der körperlichen Untersuchung sind für die Ischias-Diagnose Angaben dazu wichtig, wann und bei welchem Ereignis (z.B. beim Heben eines schweren Gegenstands) die Rückenschmerzen aufgetreten sind, wo genau sich die Schmerzen befinden, ob sie ins Gesäss oder ins Bein ausstrahlen, ob Darm oder Blasenstörungen (Inkontinenz) vorliegen und ob Rückenprobleme, eine Ischialgie oder ein Bandscheibenvorfall bereits früher einmal aufgetreten sind. Bei der Untersuchung überprüft der Arzt unter anderem das Gefühlsempfinden (Sensibilität), die Bewegungsfähigkeit (Motorik) und die Reflexe.

Um einen Ischias erfolgreich behandeln zu können, ist es wichtig, bei der Diagnose seine Ursache herauszufinden. Hierzu kommen meist weitere Untersuchungen zum Einsatz. Dies ist vor allem dann notwendig, wenn der Verdacht besteht, dass ein Bandscheibenvorfall für die Ischiasschmerzen verantwortlich ist. Zur weiteren Diagnostik sind beispielsweise folgende Untersuchungen geeignet:

  • Röntgenaufnahmen
  • Computer- und Kernspintomographie (CT und MRT)
  • Ultraschalluntersuchungen
  • Blutuntersuchungen
  • Liquorpunktion (Untersuchung der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit)
  • weitere neurologische Untersuchungen
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6. Therapie

Bei Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie) zielt die Therapie darauf ab, die Schmerzen schnell zu beseitigen und ihre Ursache zu beheben. Gegen den akuten Ischiasschmerz können Ihnen direkt in die Rückenmuskulatur gespritzte Schmerzmittel (z.B. Diclofenac), Mittel für die örtliche Betäubung (sog. Lokalanästhetika) sowie muskelentspannende und entzündungshemmende Mittel (wie Kortison) helfen. Wenn Sie Schmerztabletten gegen den Ischias nehmen möchten, tun Sie dies lieber nur nach ärztlicher Absprache und nur über einen kurzen Zeitraum.

Neben der akuten Schmerzbehandlung sind – je nachdem, was den Ischias verursacht – zunächst Bettruhe, Schonung und Wärme eine wohltuende Hilfe. Als langfristige Therapie ist es bei Rückenproblemen wie der Ischialgie empfehlenswert, für ausreichende und regelmässige Bewegung zu sorgen und die Rückenmuskulatur zu stärken. Darüber hinaus sind bei wiederholt auftretenden Ischiasschmerzen und Rückenschmerzen zur Behandlung unter anderem standardisierte Schulungsprogramme (Rückenschule), Krankengymnastik, Chirotherapie, Massagen und Akupunktur hilfreich.

Unter Umständen kann ein Ischias zur Behandlung eine Operation notwendig machen, zum Beispiel wenn Sie:

  • starke oder wiederholt Bandscheibenvorfälle haben,
  • zunehmend motorische Störungen aufweisen,
  • ein sogenanntes Caudasyndrom entwickeln, das mit einer verminderten Sensibilität im Bereich der inneren Oberschenkel, Genitalien und des Afters (sog. Reithosenanästhesie), Blasen- und Mastdarmstörungen und beidseitigem Fehlen des Achillessehnenreflexes einhergeht.
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7. Verlauf

Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie) nimmt meist einen günstigen Verlauf: Die Schmerzen können nach ein paar Tagen bis höchstens sechs Wochen von selbst verschwinden. Auch wenn der Ischiasnerv durch einen Bandscheibenvorfall eingeklemmt ist, ist ein solcher Verlauf mit Spontanheilung des Ischias möglich.

Allgemein ist es bei Ischias für den weiteren Verlauf wichtig, die Rückenmuskulatur zu stärken (z.B. durch krankengymnastische Übungen, Rückenschule und Sport) und sich rückenschonend zu verhalten (z.B. nichts Schweres aus dem Rücken heraus heben). Wenn Ischiasschmerzen öfter durch wiederholt auftretende Bandscheibenvorfälle entstehen oder ein eingeklemmter Ischiasnerv dauerhaft Schmerzen bereitet, empfiehlt sich eine Operation, um längerfristig beschwerdefrei zu sein.

Prognose

Bei Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie) hängen der weitere Verlauf und die Prognose entscheidend vom Ausmass des ursächlichen Bandscheibenvorfalls und der Nervenschädigung sowie von den einzelnen Umständen ab. Mit einer operativen Ischias-Behandlung kann man gute Ergebnisse erzielen, wenn

  • die Betroffenen jünger sind als 35 Jahre,
  • die Zeitspanne zwischen Ischias und Operation kurz ist,
  • ein grosser Bandscheibenvorfall mit klaren neurologischen Ausfällen vorliegt.

Die langfristige Prognose von Ischias hängt unter anderem davon ab, in welchem Ausmass die Bandscheiben geschädigt sind.

8. Vorbeugen

Wenn Sie einem Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie) vorbeugen möchten, ist eine rückenfreundliche Lebensweise empfehlenswert:

  • Um Bandscheibenprobleme und Rückenschmerzen zu vermeiden, achten Sie am besten darauf, dass Sie zum einen nichts Schweres (z.B. einen Kasten Wasser) aus dem Rücken heraus heben, sondern aus den Knien.
  • Zum anderen ist es wichtig, dass Sie eine falsche Haltung und falsches Sitzen vermeiden, da dies auf Dauer die Bandscheiben verschleissen und zu Ischias führen kann.
  • Zudem können Sie durch regelmässige Bewegung und Sport sowie durch gezielte Rückengymnastik Erkrankungen von Muskulatur und Wirbelsäule vorbeugen, die zu Ischiasschmerzen führen können.
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