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Isolierte Lissenzephalie

(Lissenzephalie, isolierte)
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1. Überblick

Die isolierte Lissenzephalie ist eine Entwicklungsstörung des Gehirns, die bei Neugeborenen körperliche Behinderungen verursacht. Die Erkrankung gehört in die Gruppe der Lissenzephalien.

Lissenzephalie ist der Oberbegriff für eine Reihe von Entwicklungsstörungen des Gehirns. Allen Lissenzephalie-Formen gemeinsam ist eine sogenannte Migrationsstörung: Sie entsteht um den dritten und vierten Schwangerschaftsmonat und verursacht beim Kind eine Fehlverschaltung der Nervenzellen. Die Folge dieser Störung ist eine glatte (lissos) Oberfläche der Grosshirnrinde (Kortex) – normalerweise hat der Kortex viele Furchen.

Mediziner teilen die Lissenzephalien in fünf verschiedene Unterformen ein. Eine davon – die klassiche Lissenzephalie (früher: Typ-1-Lissenzephalie) – wird je nach genetischer Ursache wiederum in Einzelerkrankungen unterteilt: Liegt zum Beispiel eine Veränderung (Mutation) des sog. LIS1-Gen vor, handelt es sich um eine isolierte Lissenzephalie. Da die Genmutation auf dem Chromosom 17 liegt, hat diese Form der Lissenzephalie auch den Namen isolierte Lissenzephalie Sequenz 17, kurz ILS17.

Manchmal liegt diese Lissenzephalie-Form allerdings nicht isoliert vor. Tritt eine LIS1-Genmutation in Kombination mit anderen Schädigungen auf, handelt es sich um das sogenannte Miller-Dieker-Syndrom. In manchen Fällen liegt eine isolierte Lissenzephalie auch ohne den Gendefekt vor. Bevor Ärzte diese Diagnose stellen, müssen sie aber die anderen möglichen Lissenzephalie-Formen ausschliessen. Lissenzephalie-Formen sind generell seltene Erkrankungen.

Kinder, die an einer Lissenzephalie erkrankt sind, bleiben fast alle auf der geistigen Entwicklungsstufe eines Säuglings stehen. Ihre Lebenserwartung ist reduziert; durch intensive Betreuung und Vermeiden von Komplikationen (z.B. Lungenentzündungen) kann die Lebenserwartung aber gesteigert werden. Sie bleiben lebenslang schwere Pflegefälle mit starken intellektuellen und körperlichen Defiziten: Typische Symptome sind Schluckstörungen und Störungen der Nahrungsaufnahme. Ausserdem sind die Muskeln der betroffenen Kinder entweder besonders schlaff (sog. hypotoner Muskeltonus) oder im späteren Verlauf der Erkrankung dann stark angespannt (sog. hypertoner Muskeltonus). Auch Krampfanfälle (Epilepsie) können auftreten.

Eine Therapie, mit der Ärzte ein Kind mit Lissenzephalie heilen können, gibt es nicht. Die Behandlung der Lissenzephalie-Patienten zielt darauf ab, die Symptome zu lindern.

2. Definition

Die isolierte Lissenzephalie ist eine spezielle Ausprägung der Lissenzephalie #8211, einer Entwicklungsstörung des Gehirns, bei der die natürlichen Falten des Hirngewebes abgeflacht sind. Schwere geistige und körperliche Beeinträchtigungen sind die Folgen.

Die isolierte Lissenzephalie gehört zur sogenannten klassichen Lissenzephalie – früher Typ-1-Lissenzephalie genannt. Ihr liegt eine Veränderung des Erbguts zugrunde: Das LIS1-Gen weist eine Mutation auf, die letztlich zu der Störung führt. Da die Genmutation auf dem Chromosom 17 liegt, hat diese Form der Lissenzephalie auch den Namen isolierte Lissenzephalie Sequenz 17, kurz ILS17.

In manchen Fällen liegt eine isolierte Lissenzephalie auch ohne einen Gendefekt vor. Bevor Ärzte diese Diagnose stellen, müssen sie aber ausschliessen, dass das betroffene Kind nicht an einer anderen Lissenzephalie-Form leidet.

Die Lebenserwartung ist bei Kindern mit Lissenzephalie reduziert.

Häufigkeit

Die isolierte Lissenzephalie gehört zur Gruppe der Lissenzephalien. Es handelt sich dabei um Erkrankungen, die mit einer Häufigkeit von circa 1:100.000 auftreten – also sehr selten sind.

3. Ursachen

Für die isolierte Lissenzephalie kann es genetische und nicht genetische Ursachen geben.

Genetische Ursachen

Als genetische Ursache gilt ein autosomal-rezessiver Erbgang. Autosomal bedeutet, dass nicht die Geschlechtschromosomen betroffen sind. Die Informationen in der Erbsubstanz sind jeweils durch Genpaare kodiert – ein Gen des Paars erbt man von der Mutter, das andere vom Vater. Bei rezessiven Erkrankungen müssen beide Gene geschädigt sein, damit die Krankheit ausbricht. Vater und Mutter müssen beide ein defektes Gen besitzen, das sie an ihre Kinder weitergeben können. Wie die Abbildung zeigt, haben Kinder solcher Eltern ein 25-prozentiges Risiko, dass sie von beiden Elternteilen das kranke Gen erben und somit an der rezessiven Erkrankung leiden – ein 25-prozentiges Risiko bedeutet, dass im Mittel eines von vier Kindern dieses Elternpaars erkrankt.

Experten vermuten, dass auch eine Spontanmutation – also eine neu aufgetretene Veränderung – auf dem Chromosom 17 eine isolierte Lissenzephalie auslösen kann. In diesem Fall fehlt ein kleiner Teil einer bestimmten DNA-Sequenz auf diesem Chromosom. Dabei stammen die fehlenden DNA-Sequenzen aus dem gleichen Teil des Chromosoms 17 wie bei dem Miller-Dieker-Syndrom – einer anderen Form der Lissenzephalie.

Nicht genetische Ursachen

In manchen Fällen lassen sich bei einer isolierten Lissenzephalie keine genetischen Ursachen nachweisen. Die isolierte Lissenzephalie unklaren Ursprungs gilt auch als eigene Unterform der Lissenzephalien. Allerdings stellen Ärzte diese Diagnose nur dann, wenn sie sicher ausgeschlossen haben, dass keine andere Lissenzephalieform vorliegt.

4. Symptome

Kinder mit isolierter Lissenzephalie bleiben meist auf dem Entwicklungsstadium eines Kleinkindes. Sie können weder laufen noch sprechen und müssen lebenslang gefüttert werden. Kinder mit isolierter Lissenzephalie zeigen daneben auch folgende Symptome:

  1. Schluckstörungen
  2. Fütterungsprobleme
  3. Neigung zu Lungenentzündungen, vor allem durch die Schluckstörungen, die dazu führen, dass die Kinder Nahrungsbestandteile einatmen.
  4. Erbrechen
  5. Gewichtsverlust
  6. Krampfanfälle, epileptische Anfälle
  7. Schlaffe Muskulatur, bei älteren Kindern häufig Verkrampfung der Muskeln (Spastik)

5. Diagnose

Bei Verdacht auf eine genetisch bedingte isolierte Lissenzephalie kann der Arzt die Diagnose schon vor der Geburt des betroffenen Kindes mithilfe einer Fruchtwasseruntersuchung und einer anschliessenden Untersuchung der kindlichen Zellen stellen. Auch Ultraschalluntersuchungen während der Schwangerschaft können Hinweise liefern.

Ein erster Verdacht beim Neugeborenen ergibt sich aus Auffälligkeiten wie Entwicklungsverzögerung, abnorme Haltung und Beweglichkeit, Krampfanfälle. Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) können bei Lissenzephalie-Verdacht die Diagnose absichern. Ausserdem kann der Arzt eine Chromosomenanalyse durchführen, die Veränderungen auf dem Chromosom 17 deutlich machen kann.

6. Therapie

Es gibt für eine isolierte Lissenzephalie keine Therapie, welche die Ursachen beseitigt und die Erkrankung heilt. Die Lissenzephalie-Therapie beschränkt sich also darauf, die Symptome zu lindern und Komplikationen wie Lungenentzündungen zu vermeiden. Krankengymnastik und Beschäftigungstherapie können verkrampfte Muskeln lockern und Gelenkschäden vorbeugen.

7. Verlauf

Die isolierte Lissenzephalie ist eine schwere Erkrankung mit ungünstigem Verlauf. Viele der betroffenen Kinder sterben in den ersten Lebensjahren. Dank einer intensiven Betreuung haben Kinder mit isolierter Lissenzephalie mittlerweile eine höhere Lebenserwartung – besonders weil dadurch lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Sepsis (Blutvergiftung) wirksam vermieden werden.

8. Vorbeugen

Derzeit sind keine Massnahmen bekannt, die einer isolierten Lissenzephalie vorbeugen. Wenn Sie sich Kinder wünschen, aber aufgrund von Lissenzephalie-Fällen in Ihrer Verwandtschaft verunsichert sind, können Sie sich bei Ihrem Arzt über ein möglicherweise erhöhtes Lissenzephalie-Risiko beraten lassen.