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1. Überblick

Karies ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten der industrialisierten Welt. Fast jeder Mensch ist in seinem Leben einmal davon betroffen.

In den frühen Phasen der Menschheitsentwicklung spielte die Erkrankung kaum eine Rolle. Mit der Änderung der Ernährungsweise stieg die Kariesrate aber stetig an.

Ausgelöst wird die Erkrankung von Bakterien, die sich auf den Zähnen ansiedeln und durch ihre sauren Stoffwechselprodukte den Zahnschmelz schädigen. Schreitet die Karies fort, werden auch das Zahnbein (Dentin) und schliesslich der Zahnnerv befallen. Im schlimmsten Fall droht der Verlust des Zahns.

Karies ist eine Erkrankung, die in jedem Alter auftreten und jeden Zahn betreffen kann. Auch gefüllte oder überkronte Zähne können zum Beispiel an einer anderen Stelle erneut erkranken. Gerade die Ränder von Füllungen und Kronen sind bei ungenügender Zahnpflege besonders anfällig für eine erneute Karies.

Zu Beginn sind lediglich helle oder bräunliche Stellen als Karieszeichen sichtbar, später dunkle bis schwarze Flecken – das sind Zahndefekte, die bereits schmerzhaft sein können. Schreitet der Zahnarzt frühzeitig ein, kann die Remineralisierung des Zahns den Krankheitsprozess noch stoppen. Sind bereits tiefere Zahndefekte vorhanden, hilft nur noch das Entfernen der kariösen Stellen mit dem Bohrer.

Die nach dem Bohren zurückbleibenden Löcher werden mit plastischen Füllmaterialien oder mit vorgefertigten Einlagen (Inlays) aus zum Beispiel Metall oder speziellen Kunststoffen verschlossen. Welche Füllung im Einzelfall die beste Wahl ist, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Zahnarzt besprechen.

Karies ist zwar sehr häufig, eine korrekt durchgeführte Prophylaxe kann diese Erkrankung der Zähne aber effektiv verhindern. Dazu gehören eine sorgfältige Zahnpflege (regelmässiges Zähneputzen und Mundspülungen), Fluoridierung der Zähne, regelmässige Zahnarztbesuche und eine zahngesunde Ernährung.

2. Definition

Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet caries Morschsein und Fäulnis. Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Kariesbakterien zerstören die Zahnhartsubstanz durch chemische Entkalkungs- und Auflösungsprozesse.

Die Oberfläche des Zahns ist stetig äusseren Einflüssen ausgesetzt – vor allem der Schmelz im Zahnkronenbereich sowie der Wurzelzement im freiliegenden Zahnwurzelbereich. Für die Zahnsubstanz spielen dabei zwei Vorgänge eine wesentliche Rolle: Entmineralisierung durch Säuren im Mundraum und Remineralisierung durch Mineralien, die sich im Zahnschmelz einlagern. Geraten diese sich abwechselnden, dynamischen Vorgänge aus dem Gleichgewicht, zerstört die Säure, welche die Kariesbakterien bilden, schliesslich den gesamten Zahn.

Häufigkeit

Karies ist eine der häufigsten Zivilisationskrankheiten. In den frühen Phasen der Menschheitsentwicklung spielte die Erkrankung kaum eine Rolle. Mit der Änderung der Ernährungsweise stieg die Kariesrate aber stetig an. In der Antike war Karies bereits verbreitet. Im Mittelalter waren 25 Prozent der Zähne von Karies befallen. Die veränderte Ernährung in den industriell weiter entwickelten Ländern führte im 19. Jahrhundert letztlich zu einem explosionsartigen Anstieg der Kariesrate – auf nahezu 100 Prozent der Bevölkerung.

Die feinere Aufbereitung der Nahrung und ein geringerer Anteil an härteren, abschleifenden (abrasiven) Bestandteilen sorgte dafür, dass besonders die Zahnoberfläche und Einziehungen im Zahnrelief (sog. Fissuren oder Grübchen) nicht gefährdet sind. Karies betrifft daneben aber auch die Zahnhalsregion und Zahnzwischenräume. Heutzutage hat auch der Befall des kindlichen Milchzahngebisses zugenommen – sowie die Zahnwurzelkaries bei Menschen höheren Alters.

3. Ursachen

An der Mineralisierung des Zahns sind viele verschiedene Mechanismen beteiligt. Einer dieser Faktoren allein ist nicht in der Lage, einen kariösen Schaden hervorzurufen. Karies ist daher als ein multifaktorieller Prozess anzusehen.

Folgende Faktoren sind an der Entstehung von Karies beteiligt:

  • Zahnsubstanz
  • Mikroorganismen (Bakterien vergären Kohlenhydrate zu Säuren)
  • Nahrung (insbesondere bestimmte Kohlenhydrate, wie z.B. Glukose)
  • Zeit (zur Bakterienansiedlung und -vermehrung sowie der Bildung von Plaque)

Wenn zuckerhaltige Speisen lange Zeit auf bakterienbesiedelten Zähnen kleben, sind beste Voraussetzungen für Karies geschaffen. Die Menge und Zusammensetzung des Mundspeichels sind weitere Faktoren, welche die Kariesausbreitung beeinflussen: Eine erhöhte Speichelmenge bewirkt eine Verdünnung und einen verbesserten Abtransport der Speisen. Die Bestandteile des Speichels sind von entscheidender Bedeutung für die Neutralisation der Säuren im Mund, die antibakterielle Wirkung und die Remineralisation der Zähne.

Karies ist nicht erblich. Nur die Anfälligkeit, bedingt durch Zahnform, schlechte Ess- und Zahnpflegegewohnheiten, zeigt familiäre Häufungen. Auch ein geschwächtes Immunsystem ruft keine Karies hervor, bewirkt aber einen schwereren Verlauf.

4. Symptome

Karies kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen: Kariesbedingte weisse Entkalkungszonen, bräunliche Schmelzflecken, dunkle Verfärbungen oder Zahndefekte sind im Gebiss sichtbar. Ebenso kann Karies der Grund für die Lockerung oder den Verlust von bereits vorhandenen Füllungen sein. Stetig andauernde oder sporadische Schmerzen sowie extreme Zahnempfindlichkeit bei süssen, heissen oder kalten Speisen sind Begleiterscheinungen von voranschreitender Karies. Häufig zeigen sich allerdings sehr lange keine oder nur geringe schmerzhafte Symptome.

5. Diagnose

Oft kann der Zahnarzt die Karies-Diagnose schon beim ersten Blick in den Mund anhand ihrer sichtbaren Zeichen stellen. Bei der zahnärztlichen Untersuchung kann auch eine spezielle Beleuchtung oder ein Röntgenbild auf die Krankheit aufmerksam machen.

Anhand der Lokalisation und Tiefe des Zahndefekts werden verschiedene Formen der Karies unterschieden.

Beginnende, sogenannte Initialkaries mit intakter Oberfläche (Entkalkungsbeginn):

  • Weisser, lichtundurchlässiger (opaker) Fleck auf dem Zahnschmelz
  • Bräunlicher Schmelzfleck


Fortgeschrittene, sogenannte etablierte Karies mit Zahndefekten:

  • Caries superficialis: Defekt nur im Schmelz
  • Caries media: Defekt bis zum Zahnbein (Dentin)
  • Caries profunda: Karies im nervnahen Bereich
  • Caries sicca: Alte, dunkle, harte, zum Stillstand gekommene Karies

Die Initialschäden sind mithilfe von Mineralien regenerierbar, etablierte Schäden muss der Zahnarzt mechanisch säubern und mit einer Füllung versorgen.

6. Therapie

Der Zahnarzt hat je nach Ausdehnung, Lokalisation und Beschwerdebild der Karies verschiedene Therapie-Möglichkeiten, die Karies zu entfernen und so den betroffenen Zahn zu behandeln und seine Form und Kaufunktion wieder herzustellen.

Wenn möglich, entfernt er den Kariesherd mittels eines Bohrers. Hierzu ist, bis auf Ausnahmen bei rein oberflächlichen Defekten, zumeist eine örtliche Betäubung des Zahnnervs (Lokalanästhesie) empfehlenswert. Ein schmerzreduziertes Karies-Entfernen ist hingegen in jüngster Zeit bei kleinen Zahndefekten durch die moderne, vermehrt eingesetzte Lasertechnik möglich.

Bei nervnaher Karies bedarf es oft aufwändigerer Therapie-Massnahmen, die den Nerv zusätzlich schützen. Sollte das Nervengewebe bereits in Mitleidenschaft gezogen sein, muss der Arzt zunächst den Zahnnerv mit einer Wurzelfüllung (Füllung der Zahnwurzelkanäle) behandeln.

Der durch die Bohrung entstandene Defekt der Zahnkrone wird entsprechend seiner Ausdehnung und Lage ebenfalls mit einer Füllung versorgt. Dies stellt die Stabilität des Zahns, die Kaufunktion und die Ästhetik wieder her. Hierfür stehen verschiedene plastische, zunächst verformbare oder gegossene vorgeformte Füllmaterialien zur Verfügung.

Der Zahnarzt berät über die jeweiligen Vor- und Nachteile der verschiedenen Versorgungsformen und Materialien. Patient und Arzt fällen dann gemeinsam die Entscheidung für die jeweils passende Füllung.

7. Verlauf

Beim Karies-Verlauf spielt neben der gewählten Therapie auch das eigene Mitwirken an der Zahngesundheit eine Rolle. Wenn Sie auf eine gute Mundhygiene achten, zu regelmässigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt erscheinen und Ihre alten Kariesdefekte optimal versorgt sind, kann der Zahnarzt Ihre Zähne langfristig in ihrem vorliegenden Zustand erhalten. Eine weitere Voraussetzung dafür ist allerdings, dass keine Zahnbetterkrankung (Parodontitis) vorliegt.

Karies ist eine Erkrankung, die in jedem Alter auftreten und jeden Zahn betreffen kann. Auch gefüllte oder überkronte Zähne können zum Beispiel an einer anderen Stelle erneut erkranken. Ist die gleiche Stelle wieder befallen, spricht man von einem Rezidiv. Gerade die Ränder von Füllungen und Kronen sind bei ungenügender Zahnpflege besonders anfällig für eine erneute Karies.

Für die Bevölkerung ergibt sich in Bezug auf die Kariesentstehung mit all ihren Folgen eine gute Prognose. Dies spiegelt sich in der zunehmenden Anzahl erhaltener Zähne im Alter wieder – immer seltener kommt die in den letzten Jahrzehnten noch übliche Alterszahnlosigkeit vor. Nur ein geringer Anteil der Bevölkerung hat kariesfreie, naturgesunde Zähne, allerdings wird dieser Anteil stetig grösser.

8. Vorbeugen

Bei Karies ist vorbeugen wichtig, denn ist Karies erst einmal entstanden, kann er nicht geheilt werden, ohne dabei durch Bohren den Zahn zu schädigen. Diese Kariesprophylaxe besteht hauptsächlich aus einer regelmässigen Zahnreinigung. Hierfür ist es wichtig, die richtige Zahnbürste zu verwenden, und diese auch nur für etwa drei Monate. Hinzu kommen die richtige Zahnputztechnik sowie das Verwenden von Mundspülungen, die zweimal täglich nach dem Zähneputzen für etwa 30 Sekunden gegurgelt werden.

Regelmässige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt, ausreichende Fluoridierung der Zähne und zahngesunde Ernährung runden die Kariesprophylaxe ab.

Eine Impfung gegen Kariesbakterien hat sich bisher als nicht möglich erwiesen.