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Veröffentlicht am 16. Juni 2021 - 11:00 Uhr

1. Überblick

Keuchhusten ist eine bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege mit Hustenanfällen. Bei Säuglingen können auch lebensbedrohliche Atempausen auftreten.

Keuchhusten (Pertussis) ist eine akute bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege. Ausgelöst wird Keuchhusten durch das Bakterium Bordetella pertussis. Keuchhusten ist längst keine reine Kinderkrankheit mehr: Zunehmend erkranken Jugendliche und Erwachsene. Zwar sind mittlerweile etwa 90 Prozent der schulpflichtigen Kinder geimpft. Wer jedoch nicht rechtzeitig an eine Auffrischimpfung denkt, ist nicht mehr ausreichend geschützt.

Keuchhusten wird als Tröpfcheninfektion übertragen, so zum Beispiel durch Niesen oder Husten. Wer an Keuchhusten erkrankt ist, leidet zunächst an Symptomen, die einer Erkältung ähneln: Schnupfen, Niesen, Heiserkeit und leichter Husten gehören zum Krankheitsbild. Nach etwa ein bis zwei Wochen treten die für Pertussis charakteristischen Hustenanfälle auf. Die Erkrankung klingt erst nach mehreren Wochen langsam ab. Im Herbst und Winter erkranken etwas mehr Menschen an Keuchhusten als im Frühjahr und Sommer.

Nach Beginn der Keuchhusten-Therapie mit Antibiotika dauert es etwa drei bis sieben Tage, bis der Erkrankte nicht mehr ansteckend ist.

Mithilfe einer Impfung kann man sich effektiv gegen Keuchhusten schützen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt fünf Keuchhusten-Impfungen während der Kindheit, zuletzt als Jugendliche im Alter zwischen 11 und 15 Jahren im Rahmen der Diphtherie- und Tetanus-Impfung. Jugendliche sind nach den jüngeren Kindern am häufigsten von Keuchhusten betroffen. Weiter wird Schwangeren empfohlen, sich impfen zu lassen. Jugendliche und Erwachsene sollten rechtzeitig an eine Impfauffrischung denken, denn der Pertussis-Impfschutz hält nur etwa 4 bis 12 Jahre lang an. Nach einer natürlichen Erkrankung ist man für etwa 4 bis 20 Jahre lang immun.

Ein halbjähriger Säugling wird geimpft.

Impfungen schützen gut gegen Keuchhusten – müssen aber regelmässig aufgefrischt werden.

Quelle: Getty Images
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2. Definition von Keuchhusten

Keuchhusten (Pertussis) ist eine akute bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege, die durch das Bakterium Bordetella pertussis hervorgerufen wird. Er geht mit charakteristischen, lebensbedrohlichen Hustenanfällen einher und ist hoch ansteckend. Bei Säuglingen in den ersten Lebensmonaten können auch Atempausen auftreten, die manchmal lebensbedrohlich sind.

Häufigkeit

In den letzten Jahren erkranken in den Industrienationen wieder mehr Menschen an Keuchhusten, insbesondere Jugendliche und Erwachsene. Zwar sind mittlerweile etwa 90 Prozent der schulpflichtigen Kinder gegen Pertussis geimpft, an eine Auffrischimpfung denken jedoch nur wenige Personen. Somit spielen Erwachsene als potenzielle Überträger von Keuchhusten eine immer grössere Rolle.

Eine Auffrischimpfung für Pertussis wird im Alter zwischen 5 und 6, zwischen 9 und 17 sowie zwischen 26 und 28 Jahren empfohlen, jedoch nehmen viele Menschen diese nicht wahr. Da die Immunität nach einer Erkrankung oder nach einer Impfung nur über mehrere Jahre hinweg gegeben ist, können sich Erwachsene erneut infizieren.

3. Ursachen von Keuchhusten

Erreger

Die Ursache von Keuchhusten (Pertussis) ist eine Infektion mit dem Bakterium Bordetella pertussis. Dieses vermehrt sich auf den Schleimhäuten der menschlichen Atemwege und setzt unter anderem ein spezifisches Gift frei: das Pertussis-Toxin (PT). Es löst die Krankheitssymptome aus. Das Gift zerstört die Schleimhäute, schädigt umliegendes Gewebe und schwächt die Abwehrkräfte.

Infektionen mit dem Bakterium Bordetella parapertussis oder Bordetella holmesii können ebenfalls zu keuchhustenähnlichen Symptomen führen. Die Erkrankung verläuft jedoch in der Regel milder und kürzer als Keuchhusten. Bordetella parapertussis kann neben dem Menschen auch Schafe infizieren.

Übertragungsweg

 

Keuchhusten überträgt sich durch Tröpfcheninfektion. Die Ansteckung geschieht also über winzige Tropfen, in denen die Krankheitserreger enthalten sind und die – zum Beispiel durch Niesen oder Husten – aus den Atemwegen der Infizierten in die Luft gelangen. Auch beim Küssen und über gemeinsam genutztes Geschirr oder Besteck kann sich Bordetella pertussis verbreiten.

Keuchhusten ist sehr ansteckend: Fast alle nicht geimpften Menschen, die mit dem Bakterium Bordetella pertussis in Kontakt kommen, erkranken daran.

Doch wer einmal Keuchhusten hatte oder ausreichend geimpft wurde, ist anschließend mehrere Jahre lang immun dagegen. Der Schutz vor einer erneuten Ansteckung hält aber nicht lebenslang an, sodass eine Auffrischimpfung gegen Pertussis sinnvoll ist.

Wenn sich ausreichend geimpfte Menschen Bordetella pertussis einfangen, sind sie selbst zwar weitgehend vor Keuchhusten geschützt. Jedoch können sie für kurze Zeit den Erreger trotz Impfung weiterverbreiten.

Inkubationszeit

Nach der Ansteckung dauert es etwa 7 bis 20 Tage, bis die ersten Symptome auftreten. Nach Ende dieser Inkubationszeit ist die Gefahr, andere anzustecken, am grössten. Sie sinkt nach der sechsten Erkrankungswoche langsam ab.

Wer bereits Keuchhusten hatte, ist anschliessend mehrere Jahre lang gegen die Erkrankung immun. Der Schutz hält jedoch nicht lebenslang an, so dass eine Auffrischimpfung sinnvoll ist.

4. Symptome von Keuchhusten

Keuchhusten (Pertussis) wird anhand der Symptome in drei Stadien eingeteilt. Insgesamt dauert die Krankheit mehrere Wochen bis Monate.

Erkältungsartiges Stadium (Stadium catarrhale)

Das Stadium catarrhale dauert etwa ein bis zwei Wochen an. Während dieser Zeit zeigen die Erkrankten Beschwerden, die einer Erkältung ähneln, so zum Beispiel:

 

Während dem Stadium catarrhale ist Keuchhusten besonders ansteckend. Ein gewisses Ansteckungsrisiko kann aber noch bis zu drei Wochen nach Beginn des nächsten Stadiums bestehen.

Anfallsstadium (Stadium convulsivum)

Das Stadium convulsivum kann drei bis sechs Wochen andauern. Typische Beschwerden dieses Stadiums sind:

 

  • für Keuchhusten typische Hustenanfälle (sog. Stakkatohusten) mit anschliessendem Keuchen beim Einatmen
  • zäher, glasiger Auswurf
  • Erbrechen des hochgewürgten Auswurfs
  • nächtliche Häufung der Beschwerden
  • selten Fieber

Die für Keuchhusten typischen Hustenanfälle treten vor allem bei Kindern auf. Dabei husten sie mit vorgestreckter Zunge mehrfach schnell hintereinander (Stakkatohusten). Oft atmen sie anschliessend keuchend oder juchzend ein.

Etwa die Hälfte aller Kinder beginnen am Ende eines Hustenanfalls zu keuchen, weshalb der Begriff Keuchhusten entstanden ist. Das keuchende Geräusch kommt durch das plötzliche Einatmen gegen die geschlossenen Stimmlippen (Glottis) zustande.

Je nach Alter können die bei Keuchhusten auftretenden Symptome aber unterschiedlich ausfallen.

Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen macht sich oft nur durch lang anhaltenden, trockenen Husten bemerkbar, ohne dass es zum Stadium convulsivum kommt.

Auch Keuchhusten beim Baby entspricht nicht immer dem typischen Bild des Stadium convulsivum. In den ersten Lebensmonaten verläuft die Pertussis allerdings häufig besonders schwer: Die Hustenanfälle sind zwar oft weniger stark, es können aber Atemstillstände (Apnoen) auftreten. Ausserdem können gerade Babys mit Keuchhusten eher Komplikationen entwickeln, wie:

Erholungsstadium (Stadium decrementi)

Das Stadium decrementi ist die letzte Phase der Erkrankung, in welcher die Symptome langsam immer schwächer werden. Dieses Stadium bezeichnet man auch als Rekonvaleszenzstadium (lat. convalescere = kräftig werden, erstarken). Innerhalb von sechs bis zehn Wochen klingen die Beschwerden allmählich ab.

5. Diagnose von Keuchhusten

Bei Keuchhusten (Pertussis) ergibt sich die Diagnose meist bereits aus den charakteristischen Symptomen.

Im Anfangsstadium der Infektion kann der Arzt das Bakterium Bordetella pertussis, welches die Ursache für Keuchhusten ist, durch einen Rachenabstrich nachweisen. Allerdings ist diese Methode nicht immer erfolgreich, da der Erreger sehr empfindlich ist, so dass er im Labor möglicherweise nicht nachgewiesen werden kann.

Im Sekret des Nasen-Rachen-Raums kann der Erreger auch mithilfe einer speziellen Methode erkannt werden: der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Dabei kann die DNA des Erregers vervielfältigt und untersucht werden. Dieses Verfahren ist allerdings sehr aufwändig und mit hohen Kosten verbunden.

Im weiteren Verlauf von Keuchhusten kann man den Erreger auch durch Antikörper im Blut nachweisen. Dies ist jedoch frühestens ab dem Anfallsstadium (Stadium convulsivum) möglich.

6. Therapie von Keuchhusten

Bei Keuchhusten (Pertussis) ist eine frühzeitige Therapie mit einem Antibiotikum angezeigt, so zum Beispiel mit den Wirkstoffen Azithromycin und Cotrimoxazol. Je früher der Betroffene das Antibiotikum einnimmt, umso schneller und unkomplizierter ist der Heilungsprozess.

Antibiotika bewirken, dass der Keuchhusten schneller und unkomplizierter ausheilt. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Behandlung früh genug beginnt – das heisst spätestens zwei Wochen nach Beginn der Hustenanfälle.

Zudem sorgen Antibiotika dafür, dass der Keuchhusten weniger lange ansteckend ist: Nach etwa drei- bis siebentägiger Behandlung besteht keine Ansteckungsgefahr mehr. Die Medikamente tragen also dazu bei, die Verbreitung der Pertussis einzudämmen.

Was kann man bei Keuchhusten selber tun?

Zu Hause können einfache Massnahmen die mit Keuchhusten verbundenen Beschwerden lindern – sinnvoll sind vor allem:

  • eine ruhige Umgebung
  • viel Flüssigkeit und häufige kleine Mahlzeiten
  • kühle und feuchte Raumluft (z.B. durch das Aufhängen feuchter Handtücher im Zimmer)

Ein Kind mit Keuchhusten braucht zudem viel Zuneigung. Es ist wichtig, es während der Hustenanfälle zu beruhigen.

Bei Keuchhusten im Säuglingsalter muss das Kind zur Behandlung allerdings ins Krankenhaus. Dort wird seine Atmung mit einem Monitor überwacht. Ausserdem können Babys Schleim häufig nicht selbstständig abhusten, sodass man ihn absaugen muss.

7. Verlauf von Keuchhusten

Keuchhusten (Pertussis) ist typischerweise langwierig: Mit dem ein- bis zweiwöchigen Anfangsstadium, dem vier- bis sechswöchigen Anfallsstadium und dem sechs- bis zehnwöchigen Erholungsstadium zieht sich die Erkrankung über Monate hin.

Wie sich Pertussis entwickelt, hängt jedoch in hohem Mass vom Alter der Betroffenen ab:

  • Keuchhusten bei Jugendlichen und Erwachsenen äussert sich oft nur durch lang anhaltenden Husten.
  • Dagegen nimmt Keuchhusten bei Kindern im Säuglingsalter oft einen besonders schweren Verlauf – obwohl die Hustenanfälle in dem Alter weniger stark ausgeprägt sind.

Denn Keuchhusten kann beim Baby Atemstillstände (Apnoen) auslösen. Ausserdem können bei Pertussis gerade im ersten Lebensjahr gehäuft Komplikationen auftreten, zum Beispiel:

  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • krankhafte Ausweitungen von Teilen des Bronchialsystems (Bronchiektasen)
  • Entzündung des Gehirns mit Krampfanfällen (zerebrale Krampfanfälle)

8. Vorbeugen gegen Keuchhusten

Keuchhusten (Pertussis) können Sie wirksam nur mit einer Schutzimpfung vorbeugen. Ausserdem sollten Sie Kontakt zu infizierten Personen meiden, um die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung zu verringern.

Schutzimpfung

Um gegen Keuchhusten geschützt zu sein, ist zunächst eine sogenannte Grundimmunisierung nötig, die aus mehreren Impfdurchgängen besteht.

In der Regel kombiniert die Ärztin die Impfung sowie die Auffrischungen mit einer Impfung gegen Tetanus und Diphtherie.

  • 1. - 3. Impfung: Die ersten drei Keuchhustenimpfungen sollten im Alter von 2, 4 und 6 Monaten erfolgen.
  • 1. Auffrischung: Zur vollständigen Grundimmunisierung wird im Alter von 15 bis 24 Monaten eine weitere Impfung notwendig.
  • 2. Auffrischung im Alter von 4 bis 7 Jahren.
  • 3. Auffrischung im Alter von 11 bis 15 Jahren.

Besondere Empfehlungen gelten für den Kontakt mit Kleinkindern: Enge Haushaltskontaktpersonen (Eltern, Geschwister) und Betreuer (zum Beispiel Tagesmutter, Grosseltern, Babysitter) eines Neugeborenen sollten 4 Wochen vor Geburt des Kindes eine Dosis Pertussis-Impfstoff erhalten, sofern sie in den letzten zehn Jahren nicht gegen Pertussis geimpft worden sind. Für Schwangere wird eine Impfung im zweiten Trimester empfohlen.

Ausserdem sollte Personal im Gesundheitsdienst sowie in Gemeinschaftseinrichtungen eine Dosis Pertussis-Impfstoff erhalten, wenn in den letzten zehn Jahren keine Impfung gegen Keuchhusten stattgefunden hat.

Wann immer bei Erwachsenen eine Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie ansteht (auch im Verletzungsfall), sollte dies Anlass sein, über eine kombinierte Pertussis-Auffrischung nachzudenken. Die Impfung schützt für etwa 4 bis 12 Jahre, eine durchgemachte Erkrankung höchstens für 20 Jahre.

Ohne rechtzeitige Impfauffrischung können sich Jugendliche und Erwachsene also grundsätzlich wieder anstecken. Erwachsene spielen als potenzielle Überträger von Keuchhusten eine immer größere Rolle. Darum gilt für alle Erwachsenen die Empfehlung, die nächste fällige Impfung gegen Tetanus und Diphtherie einmalig als eine Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (Tdap-Impfung) durchzuführen. Eine Auffrischungsimpfung im Alter von 25 bis 29 Jahren wird empfohlen.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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