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1. Überblick

In fast jedem Gebiss gibt es Zähne, die ein wenig schief erscheinen. Eine leichte Kieferfehlstellung (Dysgnathie) oder Zahnfehlstellung muss jedoch nicht bedeuten, dass diese auch behandelt werden muss. Nur wenn die Gesundheit der Zähne durch die Zahn- oder Kieferfehlstellung gefährdet ist, ästhetische Verbesserungen gewünscht werden oder Schwierigkeiten beim Kauen und Sprechen auftreten, sollte ein Spezialist eine Behandlung durchführen.

Während das Wachstum des Unterkiefers stark von erblichen Faktoren abhängt, wird die Form des Oberkiefers eher von gewohnheitsmässigen Tätigkeiten wie Mundatmung, Zungen- oder Lippenpressen, Nuckeln oder Lutschen beeinflusst. Durch Kontrollen der Zahndurchbrüche, der Zahnanzahl, der Zahn- und Bissposition diagnostiziert der Zahnarzt eine Kieferfehlstellung beziehungsweise Zahnfehlstellung und überweist den Betroffenen, wenn es erforderlich ist, zum Kieferorthopäden.

Entsprechend des Schweregrads der Zahnfehlstellung beziehungsweise Kieferfehlstellung beginnt die Therapie schon im frühen Kindesalter, meist jedoch um das elfte Lebensjahr herum. Über einige Jahre trägt das Kind herausnehmbare Zahnspangen oder festsitzende Apparaturen. Die Art der kieferorthopädischen Apparatur und die Tragedauer hängen individuell von der Ausgangssituation des Gebisses und dem voraussichtlichen Wachstum ab. Der Betroffene selbst kann seine Behandlung und deren Erfolg durch regelmässige, intensive Mitarbeit bestimmen. Nach dem Entfernen der Apparaturen sind Nachkontrollen nötig, um die individuelle, funktionell und ästhetisch optimale Kiefer- und Zahnstellung zu erhalten.

Da viele Formen der Zahnfehlstellung und Kieferfehlstellung erblich bedingt sind, ist ein Vorbeugen schwer möglich. Konsequentes Tragen der Spange und gute Mitarbeit kann den Erfolg der kieferorthopädischen Behandlung jedoch positiv beeinflussen.

Schon im Kindesalter helfen gute Mundhygiene und Zahnpflege einer Zahnfehlstellung vorzubeugen. Die Zerstörung oder der vorzeitige Verlust von Milchzähnen ist ein häufiger Grund für Kiefer- und Zahnfehlstellungen.

2. Definition

Alle Strukturen im Mundraum stehen in ihren Formen und Funktionen in einer natürlichen Kombination zueinander, so dass das Gebiss optimal und beschwerdefrei funktioniert. Oft bilden sich jedoch durch erbliche oder entwicklungsbedingte Einflüsse eine Kieferfehlstellung (Dysgnathie) beziehungsweise eine Zahnfehlstellung aus. Nur jeder Zwanzigste verfügt hierzulande über ein von Natur aus «perfektes Gebiss».

Die Frage, ob eine Behandlung notwendig ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Immer kommt es auf die einzelne Person, ihre ästhetischen Ansprüche und den Grad der Fehlstellung an.

Im Wesentlichen werden drei Behandlungsbereiche unterschieden:

 

  • Die komplexe Funktionskieferorthopädie verändert die Kieferform mithilfe von Muskelreizen.
  • Die zahnärztliche Orthopädie korrigiert die Lage der Kiefer zueinander durch Veränderungen des Kieferknochens.
  • Die Orthodontie korrigiert die Fehlstellung einzelner Zähne in ihrem Knochenfach.

Funktionskieferorthopädie und zahnärztliche Orthopädie korrigieren Fehlstellungen, indem sie auf die Wuchsrichtung von Zahn und Kiefer einwirken. Sie werden daher nur in der Wachstumsphase des Gebisses in der Kindheit und Jugend angewandt. Die Orthodontie kann ein Kieferorthopäde während des ganzen Lebens durchführen.

3. Ursachen

Eine Zahnfehlstellung oder Kieferfehlstellung kann erblich bedingt sein oder äussere Einflüsse als Ursachen haben. Ähnliche Gebissformen kommen in Familien ebenso vor wie bestimmte Formen von Nase oder Augen. Prägnante Zahnstellungen der Frontzähne fallen beim Vergleich zwischen Eltern und Kind häufiger auf. Oft handelt es sich jedoch nicht allein um eine einzelne Zahnfehlstellung, sondern um komplexe Gebissanomalien (Unregelmässigkeiten der Zähne oder des Kiefers), die sich schon während der Entwicklung im Mutterleib und im späteren Kieferwachstum ausprägen.

Während das Wachstum des Unterkiefers stark von erblichen Faktoren abhängt, wird die Form des Oberkiefers eher von gewohnheitsmässigen Tätigkeiten wie Mundatmung, Zungen- oder Lippenpressen, Nuckeln oder Lutschen beeinflusst.

Verschachtelt stehende Zähne beruhen häufig auf Platzmangel, also einem zu kleinen Kiefer im Verhältnis zur Zahngrösse oder Zahnzahl. Stehen bereits die Milchzähne sehr eng nebeneinander, ist für das bleibende Gebiss meist nicht ausreichend Platz im Kiefer und Zahnfehlstellungen können auftreten. Auch äussere Reize können die Fehlstellung einzelner Zähne oder Zahngruppen bedingen. So kann zum Beispiel ein zu früher Milchzahnverlust einen Platzmangel für die bleibenden Zähne zur Folge haben. Ein lang anhaltendes und ausgeprägtes Daumenlutschen kann eine Auswärtskippung der oberen Frontzähne hervorrufen («Hasenzähne»).

Verletzungen im Kindesalter führen möglicherweise dazu, dass sich der Zahnkeim verlagert oder beschädigt wird, so dass der entsprechende Zahn nicht harmonisch und zeitlich verspätet in die Mundhöhle durchbricht. Der gleiche Effekt tritt auf, wenn ein Milchzahn zu lange an seinem Platz verbleibt und der nachfolgende Zahn ausweichen muss. Ab und zu können Hindernisse beim Zahndurchbruch bewirken, dass der Zahnkeim seinen Weg in den Mundraum gar nicht findet und quer im Knochen liegen bleibt.

Im Rahmen einiger komplexer Krankheitsbilder kommt es ebenfalls zu Auffälligkeiten im Bereich des Gebisses – so können zum Beispiel Down-Syndrom, Dysostosis cleidocranialis und die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte bei einer Zahnfehlstellung beziehungsweise einer Kieferfehlstellung als Ursachen vorliegen.

4. Symptome

Eine Zahn- oder Kieferfehlstellung ruft besonders beim Kauen Symptome hervor. Um optimal kauen zu können, ist eine symmetrische Anordnung der Zähne notwendig, die wiederum eine normale Ausprägung und Stellung der Kiefer voraussetzt. Bei Fehlstellungen kommt es zu Problemen. So können die Schneidezähne nur richtig abbeissen, wenn sie wie eine Schere übereinander greifen. Um die Nahrung zu zerkleinern, sollten die Backenzähne wie zwei Zahnräder zusammenpassen.

Schiefe und engstehende Zähne bilden Nischen mit Zahnbelag und erschweren die Zahnpflege.

Oft lassen sich Verspannungen im Kiefergelenks-, Schulter- und Nackenbereich auf Fehlstellungen der Zähne zurückführen. Auch für eine normale Sprache, insbesondere für S- und Z-Laute, ist eine einigermassen gerade Frontzahnreihe notwendig.

Die regelrechte Atmung soll durch die Nase und nicht durch den Mund erfolgen. Wenn vorstehende Schneidezähne oder ein zurückliegender Unterkiefer den Schluss der Lippen erschweren, wird jedoch die Mundatmung gefördert. Dies kann eine erhöhte Infektanfälligkeit zur Folge haben.

Somit ist neben dem rein ästhetischen Aspekt eine kieferorthopädische Behandlung für die Gesundheit und die Lebensqualität sehr wichtig.

5. Diagnose

Bei einer Zahnfehlstellung oder auch Kieferfehlstellung stellt der Zahnarzt die Diagnose durch Kontrollen der Zahndurchbrüche, der Zahnanzahl, der Zahngrösse, der Zahnform, der Zahn- und Bissposition, der Kieferverhältnisse sowie der Lippen- und Profilverläufe. Ein verfrühter oder verspäteter Zahndurchbruch, eine Zahnfehlstellungen oder auffallende (prägnante) Formen der Kieferfehlstellung sind meist schon mit dem blossen Auge deutlich erkennbar. Ein unharmonisches Profil ist häufig Zeichen einer Fehlstellung im Kieferbereich.

Der Kieferorthopäde klärt anhand von Gebissmodellen, frontalen und seitlichen Röntgenaufnahmen des Schädels, sowie Fotografien des Gesichts die Behandlungsnotwendigkeit und den Behandlungsablauf. Auch Sprechstörungen und Hals-Nasen-Ohren-Problematiken werden genau untersucht.

6. Therapie

Damit bei einer Kieferfehlstellung oder einer Zahnfehlstellung die Therapie gelingen kann, sind vor allem der zeitliche Ablauf der kieferorthopädischen Behandlung und die intensive Mitarbeit des Betroffenen von grosser Bedeutung.

Der erste Besuch beim Kieferorthopäden kann beim Kind bereits mit fünf oder sechs Jahren erfolgen. Der Beginn einer kieferorthopädischen Behandlung ist zwar erst etwa zwischen dem 9. und 14. Lebensjahr sinnvoll – also vor Abschluss des Kieferknochenwachstums und während des Zahnwechsels – frühzeitig erkannten Fehlstellungen kann aber bereits mit einfachen Methoden wie spielerischen Muskelübungen entgegengewirkt werden. In Ausnahmefällen, bei einer besonders schweren Zahn- oder Kieferfehlstellung (z.B. Kreuzbiss, Unterkiefer-Vorbiss, offener Biss, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte) beginnt die Therapie schon im Milchzahngebiss.

Bei Erwachsenen kann zwar die Kieferform nicht mehr beeinflusst werden, die Stellung der Zähne in ihrem Knochenfach dagegen schon. Eine kieferorthopädische Behandlung ist in jedem Lebensalter möglich, solange die Zähne kariesfrei sind und der Zahnhalteapparat entzündungsfrei ist.

Herausnehmbare Apparaturen (Zahnspangen)

Zahnspangen sollten mindestens 14 Stunden täglich getragen werden, können aber zum Essen und bei bestimmten Aktivitäten heraus genommen werden. In ihnen integrierte Schrauben dehnen den Kiefer, integrierte Klammern bewirken die Bewegung (Verschiebung) der zu behandelnden Zähne und fixieren die Apparatur im Mund.

Es gibt ausserdem Kunststoffblöcke, welche die obere mit der unteren Zahnreihe verbinden und die der Kieferorthopäde im Sinne einer Funktionskieferorthopädie einsetzt. Man bezeichnet diese Blöcke als Aktivatoren oder Bionatoren. Zu den herausnehmbaren Therapiegeräten zählen zudem die Kopf-Kinn-Kappe oder die Aussenspange (Headgear), mit der die gesamte Zahnreihe nach hinten verlagert werden kann.

Festsitzende Apparaturen

Eine festsitzende Multibandapparatur bewegt die Zähne über viele Monate konstant. Ein Multiband besteht aus Metallplättchen, den sogenannten Braquets, die mittels Kunststoff als Kleber in bestimmten Winkeln auf den Zähnen fixiert sind und über Drähte miteinander verbunden sind. Ihr grosser Vorteil ist die 24-stündige Tragedauer. Jedoch muss das Gebiss meist zuerst mithilfe von herausnehmbaren Apparaturen auf die Multibandbehandlung vorbereitet werden. Ausserdem ist eine intensive und spezielle Zahnpflege nötig, da das Risiko von Karies und Parodontose aufgrund der vielen Stellen, an denen sich Nahrungsreste sammeln, stark steigt. Der Kieferorthopäde oder sein Prophylaxehelfer demonstrieren die korrekte Putztechnik bei festsitzenden Spangen. Zusätzlich sind die regelmässige professionelle Zahnreinigung und die Versiegelung der Zähne mit durchsichtigen Kunststofflacken sinnvoll.

Die kieferorthopädische Erwachsenenbehandlung führen Kieferorthopäden fast ausschliesslich mit festsitzenden Spangen durch, da eine Zahnverschiebung ohne Unterstützung des Knochenwachstums mit herausnehmbaren Apparaturen kaum möglich ist.

Tipps für den Umgang mit der Zahnspange

 

  • Optimalerweise sollte die herausnehmbare Zahnspange 24 Stunden am Tag getragen werden. Dies ist im Alltag jedoch schwierig und nicht immer möglich.
  • Um auf die mindestens notwendige Tragedauer von 14 Stunden zu kommen, sollte die Spange nur zu folgenden Aktivitäten aus dem Mund genommen werden: Beim Essen, Sport und bei speziellen Sprachübungen, wie dem Erlernen von Fremdsprachen oder Gesangsunterricht.
  • Wenn sich die Spange gerade nicht im Mund befindet, sollte sie geschützt in einer dafür vorgesehenen Dose aufbewahrt werden. Sie gehört auf keinen Fall in die Hosentasche! Viel zu leicht könnte sie dabei verbiegen, zerbrechen oder verloren gehen.
  • Mindestens einmal pro Tag sollte die herausnehmbare Apparatur mit einer weichen Zahnbürste und Zahnpasta gesäubert werden.
  • Eine desinfizierende Reinigung mithilfe von Brausetabletten, wie man sie auch für Prothesen verwendet, ist alle zwei Wochen sinnvoll. Die tägliche Anwendung ist eher ungünstig, da sie den Kunststoff schädigen kann.
  • Das Sprechen mit einer neuen Zahnspange fällt mitunter schwer. Einige Sprachübungen, wie das laute Vorlesen, können schnell Abhilfe schaffen.
  • Zahnspangen sollte der Kieferorthopäde regelmässig kontrollieren und nachstellen. Auch wenn die Spange zwischendurch vielleicht nicht mehr richtig sitzt oder gar drückt, empfiehlt es sich, den Kieferorthopäden aufzusuchen.
  • Das regelmässige Tragen der Zahnspange sollte nicht über einen längeren Zeitraum unterbrochen werden, da sich Zähne und Kiefer sehr rasch wieder in die alte Stellung zurückschieben.
  • Ist die Zahnspange längere Zeit nicht getragen worden, darf man nicht versuchen, sie mit Gewalt in den Mund zurückzusetzen. Der Druck auf die Zähne kann immens sein und mehr schaden als nutzen. Der Kieferorthopäde muss die Spange erst wieder an die aktuelle Situation im Mund anpassen.

Materialien der festen Spange

Vor allem Erwachsene scheuen oft die deutlich sichtbaren Stahl-Braquets im Mund. Für sie gibt es inzwischen Alternativen aus durchsichtigem Fiberglas oder Keramik, die kaum noch auffallen. Auch Miniatur-Braquets oder goldfarbene Braquets stehen zur Auswahl.

Stahl gilt als optimales Material – abgesehen von der Farbe. Kunststoff-Braquets verformen sich eher. Keramik-Braquets sind zwar optisch am schönsten, aber spröde und können leicht brechen, was neue Kosten verursacht.

Chirurgische Korrekturen

Eine sehr ausgeprägte Kieferfehlstellung können kieferorthopädische Spangen häufig nicht allein beheben. Auch nach Abschluss des Knochenwachstums ist eine solche Einflussnahme kaum noch durchführbar. Hier besteht die Möglichkeit, den Kiefer oder Kieferabschnitte operativ zu verlagern. Diese Eingriffe nehmen Kieferorthopäden und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen in enger Zusammenarbeit vor. Ob eine Operation wirklich notwendig ist, muss anhand der möglichen Vorteile und Risiken des Eingriffs sorgfältig abgewogen werden.

Risiken der kieferorthopädischen Behandlung

Obwohl die Behebung der Zahnfehlstellung das Kiefergelenk eigentlich entlasten sollte, treten in seltenen Fällen während der Behandlung Gelenkschäden auf. Der Grund für diese eigentlich paradoxe Therapie-Nebenwirkung ist noch nicht restlos geklärt.

Das Tragen der Apparaturen schädigt den Zahnschmelz grundsätzlich nicht. Die Drähte der herausnehmbaren Zahnspangen können unter Umständen jedoch leichte Abschilferungen des Schmelzes bewirken, was aber nur selten vorkommt und aufgrund der Dicke des Schmelzes keine grösseren Schäden hinterlässt. Der Kunststoff, der für das Fixieren der Braquets bei festsitzenden Apparaturen benutzt wird, lässt sich nach der Behandlung problemlos und ohne Verletzung des Zahns wieder vollständig entfernen.

Kosten der Behandlung

Das gesamtschweizerisch gültige Krankenversicherungsgesetz (KVG) verpflichtet die Krankenkassen im Rahmen der obligatorischen Grunddeckung nur bei einigen, genau definierten Krankheitsbildern zur Übernahme der Kosten einer kieferorthopädischen Behandlung. Die Kostenübernahme bei Erwachsenen ist durch die Krankenversicherung nur in seltenen Fällen möglich.
 

7. Verlauf

Ob sich die Kieferfehlstellung oder eine Zahnfehlstellung durch die Therapie im Verlauf ganz beheben lässt, ist schwer vorauszusagen. Neben dem Geschick des Kieferorthopäden und der guten Mitarbeit des Betroffenen hängt der Erfolg vor allem von der Art der Fehlstellung und dem Schweregrad ab.

Wenn die kieferorthopädische Behandlung aber zum richtigen Zeitpunkt erfolgt und auch die notwendige Nachbetreuung wahrgenommen wird, so kann bei fast jedem Gebiss eine hohe Regelmässigkeit herbeigeführt und erhalten werden.

Erfolge nach der Behandlung sichern

Nach der Entfernung der kieferorthopädischen Apparatur ist die Behandlung noch lange nicht abgeschlossen, denn die Zähne bewegen sich auch nach ihrer Korrektur noch weiter. Je umfangreicher die Korrektur war, desto mehr neigen die Zähne dazu, sich in ihre alte Position zurückzubewegen.

Um die in der Therapie erreichte ideale Stellung zu erhalten, werden manchmal sogenannte Retainer eingesetzt. Herausnehmbar oder festsitzend sichern sie den Behandlungserfolg. Festsitzende Retainer sind nicht sichtbar an der Zungen- beziehungsweise Gaumenseite angebracht; herausnehmbare Versionen halten mit einem dünnen Drahtgestell im Mund. In regelmässigen Kontrollen werden der Behandlungserfolg und der Sitz des Retainers überprüft.

8. Vorbeugen

Da viele Formen der Zahnfehlstellung und Kieferfehlstellung erblich bedingt sind, ist ein Vorbeugen schwer möglich. Konsequentes Tragen der Spange und gute Mitarbeit kann den Erfolg der kieferorthopädischen Behandlung jedoch positiv beeinflussen.

Falls Zahnarzt oder Kieferorthopäde auf schädigende Gewohnheiten hinweisen, zum Beispiel das Daumenlutschen, empfiehlt es sich für die Betroffenen, sich diese Gewohnheiten bewusst zu machen – und dann gezielt zu vermeiden. Durch Daumenlutschen oder Fingerlutschen werden die oberen Zähne nach vorne, die unteren nach hinten verdrängt. So entsteht ein offener Biss, der später das Abbeissen und die Lautbildung erschwert. Auch durch Nuckelflaschen kann bei dauerhafter, stundenlanger Verwendung eine Kieferfehlstellung entstehen. Speziell geformte Beruhigungssauger bilden die Form der Brustwarze nach und ermöglichen eine ungestörte Zahnentwicklung. Sie sind später auch leichter abzugewöhnen, als der Daumen. Der Zahnarzt oder Kieferorthopäde beraten gerne, welcher Nuckel in welchem Alter geeignet ist.

Schon im Kindesalter helfen gute Mundhygiene und Zahnpflege, einer Zahnfehlstellung vorzubeugen. Die Zerstörung oder der vorzeitige Verlust von Milchzähnen ist ein häufiger Grund für Zahnfehlstellungen. Ist einer oder sind mehrere der Milchzähne nicht mehr vorhanden, gerät das gesamte Gebiss aus dem Gleichgewicht. Nachbarzähne wandern in die Lücke, kippen nach vorne oder hinten und nehmen den bleibenden Zähnen den Platz.