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1. Überblick

Kieferzysten sind Hohlräume im Ober- oder Unterkiefer, die im Rahmen von Entzündungen oder Entwicklungsstörungen entstanden sind. Kieferzysten zählen zu den häufigen Erkrankungen im Mundraum. Oft sind Männer mittleren Alters betroffen.

Zysten sind von einer Bindegewebskapsel umgeben und mit breiigem oder flüssigem Inhalt gefüllt. Mediziner unterscheiden mehrere Arten von Kieferzysten – je nachdem, woraus und wie die Zyste entstanden ist. Häufigste Formen sind die follikuläre Kieferzyste, die aus fehlentwickeltem Zahngewebe entstammt, und die entzündlich-bedingte radikuläre Kieferzyste.

Meist verursachen Kieferzysten keinerlei Beschwerden. Erst wenn sie nach und nach grösser werden, können durch Druck auf benachbartes Gewebe Schmerzen und Schäden entstehen.

Da Symptome selten sind, werden Zysten oft zufällig auf Röntgenaufnahmen entdeckt. Wenn Kieferzysten eine bestimmte Grösse erreichen, kann sie der Betroffene oder der Zahnarzt als markante Vorwölbung des Knochens erstasten. Um was für eine Zyste es sich genau handelt, lässt sich dadurch noch nicht eindeutig bestimmen. Bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder eine Ultraschalluntersuchung können dazu Hinweise liefern. Letztendlich klärt sich diese Frage aber erst dann, wenn ein Gewebespezialist entnommenes Zystengewebe mikroskopisch untersucht.

Die Therapie besteht in der operativen Entfernung der Zyste (Zystektomie). In manchen Fällen kann auch eine sogenannte Zystostomie sinnvoll sein. Dabei schneidet der Kieferchirurg die Zyste nicht komplett heraus, sondern nur ein, damit der Inhalt abfliessen kann und die Zyste ausheilt. Dieser kleinere Eingriff bietet sich zum Beispiel bei geschwächten Patienten an.

Vorbeuge-Massnahmen gibt es bei Kieferzysten nicht. Bei Kiefer- oder Zahnschmerzen sollten Sie generell Ihren Zahnarzt aufsuchen, damit er abklären kann, was zu den Symptomen führt. Auch ohne Beschwerden sollten Sie regelmässig Ihr Gebiss beim Zahnarzt kontrollieren lassen.

2. Definition

Kieferzysten sind Hohlräume im Ober- oder Unterkiefer, die im Rahmen von Entzündungen oder Entwicklungsstörungen entstanden sind. Zysten sind generell mit breiigem oder flüssigem Inhalt gefüllt. Sie grenzen sich durch eine Kapsel aus Bindegewebe, die sogenannte Zystenwand, vom umliegenden Gewebe ab. Bei echten Zysten kleidet eine spezielle Zellschicht – das Epithel – die Zystenwand von innen aus. Bei sogenannten Pseudozysten fehlt dieses Epithel.

Eine Zyste nimmt an Grösse zu, je mehr Flüssigkeit sich in ihrem Inneren ansammelt. Zysten sind meist gutartig. Sie vergrössern sich nur langsam, verdrängen aber die angrenzenden Gewebe. Im Mundraum fallen Zysten wie Kieferzysten manchmal als schmerzlose Schwellungen auf. Häufigste Formen sind die radikuläre und die follikuläre Kieferzyste.

Häufigkeit

Kieferzysten zählen zu den häufigen Erkrankungen im Zahn- und Kieferbereich. Sie treten vorwiegend im mittleren Erwachsenenalter auf, wobei Männer insgesamt häufiger Zysten bekommen als Frauen. Meist ist eher der Oberkiefer als der Unterkiefer betroffen. Von den verschiedenen Zystenarten sind sogenannte radikuläre Zysten am meisten verbreitet. Am zweithäufigsten folgen dann sogenannte follikuläre Zysten. Alle anderen Kieferzysten kommen eher selten vor.

3. Ursachen

Bei Kieferzysten kommen als Ursachen Entwicklungsstörungen oder Entzündungen infrage. Je nachdem, aus welchem Gewebe Kieferzysten entstehen, unterscheiden Mediziner verschiedene Zystenarten. Die Mehrzahl der im Kiefer vorkommenden Zysten entsteht aus Gewebe des Zahnsystems (odontogene Zysten), sie können aber auch aus anderen Strukturen hervorgehen (nicht-odontogene Zysten).

Folgende Kieferzysten haben Fehlentwicklungen von Geweben als Ursachen:

  • Keratozyste: Sie entsteht aus Zahnanlagen, noch bevor sich der eigentliche Zahn entwickelt. Anstelle des Zahns befindet sich dann eine Kieferzyste im Knochen.
  • Gingivale Zyste: Sie kann im Kindes- und Erwachsenenalter an unteren Eckzähnen als bläuliches, festes Knötchen vorkommen.
  • Eruptionszyste: Sie wölbt oberflächlich die Schleimhaut über den noch nicht durchgebrochenen Milchzähnen hervor.
  • Seitliche Parodontalzyste: Sie kommt im Bereich des Zahnhalteapparats (sog. parodontaler Spalt) noch nicht vollständig durchgebrochener Weisheitszähne vor.
  • Follikuläre Zyste: Sie umgibt die Krone eines noch nicht durchgebrochenen Zahns im Kiefer. Es ist möglich, dass der Zahn nicht vollständig entwickelt ist.

Folgende Kieferzysten entwickeln sich aufgrund einer Entzündung:

  • Radikuläre Zyste: Sie entwickelt sich im Zahnhalteapparat besonders im Bereich entzündeter oder gereizter Zahnwurzeln.
  • Residualzyste: Dies sind radikuläre Zysten, die nach der Entfernung des Zahns zurückgeblieben sind.

Folgende Zysten des Kiefers entstehen nicht aus Zahngewebe:

  • Nasopalatinale Zyste: Sie entsteht meist in der Mitte des Gaumens aus Geweberesten, die sich während der Kiefer- und Schädelentwicklung nicht vollständig zurückgebildet haben.
  • Nasolabiale Zysten: Sie entwickelt sich hoch im Gaumen neben der Nase und besteht ebenfalls aus entwicklungsbedingten Geweberesten.

Folgende Kieferzysten sind sogenannte Pseudozysten ohne Bindegewebskapsel:

  • Einfache Knochenzyste: Ihre Entstehung ist nicht eindeutig geklärt. Sie kommt meist im Unterkiefer vor, kann schmerzhaft sein und eine Überempfindlichkeit von Zähnen verursachen.
  • Aneurysmatische Knochenzyste: Auch ihre Entstehung ist ungewiss. Sie wächst rasch, ist schmerzhaft und kann zum Kippen der Zähne führen.

4. Symptome

Da Kieferzysten oft keine Symptome hervorrufen, entdeckt sie der Zahnarzt meist zufällig bei einer Röntgenaufnahme oder im Rahmen einer Zahnoperation. Schmerzen verursachen die langsam wachsenden Hohlräume nur sehr selten.

Wenn Kieferzysten eine bestimmte Grösse erreichen, werden sie als markante Vorwölbung des Knochens tastbar. Wenn man mit dem Finger auf die Zyste drückt, kann ein Knistern hörbar sein.

Wenn die Kieferzyste weiter wächst, entstehen Symptome durch Schäden an benachbartem Gewebe (z.B. Nerven), Verformung des Knochens, Knochenbrüchen oder Infektionen.

5. Diagnose

Die Kieferzysten-Diagnose stellt der Zahnarzt fast immer über eine Röntgenaufnahme. Um welche Zystenart es sich genau handelt, kann der Arzt aber nur bedingt aus dem Röntgenbefund und der Lage der Kieferzyste im Kieferknochen schliessen. Eine sichere Diagnose ist erst nach dem Entfernen der Zyste möglich. Ein Gewebespezialist untersucht dazu die entnommene Kieferzyste unter dem Mikroskop.

In manchen Fällen entnimmt der Arzt schon vor der operativen Entfernung der Kieferzyste eine Gewebeprobe (Biopsie) und lässt sie mikroskopisch beurteilen. Auch eine Ultraschalluntersuchung, Computertomographie und Szintigraphie können weiteren Aufschluss über die Art der Zyste geben.

6. Verlauf

Prognose

Kieferzysten sind in der Regel gutartig – entsprechend günstig sind Verlauf und Prognose. Die Zysten wachsen meist sehr langsam und bedeuten keine Gefahr für die Zähne, solange sie noch klein sind. Auch stellt die Entfernung der Zyste meist kein Problem dar – selbst bei grösseren Operationen bleiben normalerweise keine Beschwerden zurück.

Manche Patienten, die einen Zahnersatz tragen, benötigen nach einer Kieferzysten-Operation möglicherweise eine neue Prothese, die an das veränderte Gebiss optimal angepasst ist.

Komplikationen

Bei jeder Operation – also auch beim Entfernen von Kieferzysten – zählen Nachblutungen oder Infektionen der Operationswunde zu den möglichen Komplikationen. Selten kann es bei dem Eingriff zu Schädigungen des Nachbargewebes kommen. Vor jeder Operation informiert der Arzt den Betroffenen genau über die möglichen Risiken und holt dazu das schriftliche Einverständnis ein.

In manchen Fällen kann es nach der Operation zu einem erneuten Auftreten der Kieferzyste kommen (sog. Rezidiv). Wenn zum Beispiel kleinste Gewebeteile im Knochen zurückbleiben, kann sich daraus wieder eine Zyste bilden.

7. Therapie

Operation

Die Kieferzysten-Therapie liegt meist in den Händen eines Kieferchirurgen. Er entfernt die Zyste operativ. Nach einer lokalen Betäubung (seltener auch in Vollnarkose) schneidet der Arzt das Zahnfleisch ein und klappt es zur Seite. Dann eröffnet er den Knochen und räumt die gesamte Kieferzyste aus. Dieser Eingriff heisst Zystektomie. Bei dieser Operation entfernt der Kieferchirurg auch Zähne, die nicht mehr zu erhalten sind. Wenn die Zyste bereits sehr gross gewachsen ist, können grössere Knochendefekte zurückbleiben. Diese füllt der Chirurg bei der Operation mit Knochenersatzmaterial auf.

In manchen Fällen kann es auch günstiger sein, die Kieferzyste nur einzuschneiden und ausheilen zu lassen. Der Fachbegriff für diesen Eingriff lautet dann Zystostomie. Diese Kieferzysten-Therapie ist vor allem bei Menschen sinnvoll, die unter einer schweren Allgemeinerkrankung leiden, oder wenn die Zyste besonders gross ist.

8. Vorbeugen

Es sind keine Massnahmen bekannt, wie man der Entstehung von Kieferzysten vorbeugen kann. Bei Kiefer- oder Zahnschmerzen sollten Sie Ihren Zahnarzt aufsuchen, damit er abklären kann, was zu den Beschwerden führt. Generell sollten Sie regelmässig Ihr Gebiss beim Zahnarzt kontrollieren lassen. Tast- oder sichtbare Kieferzysten fallen dann frühzeitig auf, bevor sie Beschwerden verursachen.