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  4. Kinderkrankheit: Windpocken (Wilde Blattern)

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1. Überblick

Diese Viruserkrankung ist hochansteckend: Die Viren werden quasi mit dem Wind verbreitet – deshalb der Name Windpocken –, es braucht dazu keinen direkten Kontakt. Windpocken (auch: Wilde Blattern) müssen in der Regel nicht schulmedizinisch behandelt werden. Die Gefahr von Komplikationen ist klein. Oft genügen Hausmittel wie Bäder oder Tees oder homöopathische Mittel.

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2. Symptome

Es bilden sich rote Pünktli auf der Haut, die zu sekretgefüllten, stark juckenden Bläschen werden, aufplatzen und dann verkrusten – zunächst im Gesicht, an Oberkörper und Rumpf, später auch an Armen und Beinen, auf dem Haarboden und manchmal im Mund und an den Geschlechtsteilen. Bis zu einer Woche lang entste- hen immer wieder neue Bläschen, die nach und nach verkrusten. Manche Kinder sind zu Beginn der Krankheit unleidig oder müde, manche haben Fieber. Andere sind fast gar nicht beeinträchtigt. Zuweilen stört der Juckreiz den Schlaf. Erwachsene mit Windpocken sind meist deutlich mehr beeinträchtigt. Nach etwa zehn Tagen ist die Krankheit vorbei.

3. Hintergrund

Die Krankheit wird durch ein Herpes-Virus, das Virus Varizella-Zoster, verursacht. Sie heisst deshalb medizinisch Varizellen. Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt etwa zwei Wochen. Andere Kinder (selten Erwachsene) können schon vor Auftauchen der ersten Bläschen angesteckt werden. Nach Verkrustung aller Bläschen ist die Ansteckungsgefahr vorüber. Kinder mit Windpocken sollten zuhause bleiben und nicht in die Schule, in den Kindergarten, zu Gspänli oder in die Krippe gehen. Ein Trost: Hat Ihr Kind die Windpocken überstanden, ist es für den Rest des Lebens dagegen immun. Bei ungefähr jedem fünften Menschen, der einmal Windpocken hatte, rufen die Varizella-Zoster-Viren im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter eine Gürtelrose hervor. Typische Symptome hierfür sind ein brennendes Gefühl und später ein Hautausschlag in gürtelförmigen Hautarealen am Rumpf. Windpocken kann eventuell mit einer Impfung vorgebeugt werden. Auch geimpfte Kinder können zuweilen erkranken. Der Krankheitsverlauf ist aber in der Regel weniger schwer.

4. Behandlung

Zink-Calendula

Um Hautentzündungen und Narben vorzubeugen, können Sie auf die Bläschen am Körper dünn Zinksalbe (Drogerie/ Apotheke) auftragen. Noch besser wirkt diese, wenn Sie etwas Calendulatinktur (Ringelblumentinktur) dazumischen: Drücken Sie 2 cm Zinksalbe aus der Tube, mischen Sie die Salbe mit zwei Tropfen Calendulatinktur und bewahren Sie die Salbe in einem kleinen Töpfchen im Kühlschrank auf. Oder verwen- den Sie käufliche Zinkoxid-Calendula-Schüttelmixtur.

Kühlende Waschungen und Auflagen

Den Juckreiz lindern Waschungen mit kaltem Zitronenwasser (1 Spritzer Zitronensaft auf 2 dl Wasser). Auf die betroffenen Hautstellen können Sie aber auch eine Quarkauflage machen. Oder waschen Sie sie mit verdünnter Calendulatinktur (1 TL Tinktur auf 2,5 dl kaltes Wasser).

Sitzbad mit Eichenrinde

Wenn sich Bläschen in der Windelregion infizieren: Bereiten Sie dem Kind ein Sitzbad mit Eichenrinde.

Beruhigende und hautfreundliche Bäder

Ein warmes Fussbad kann das vom Juckreiz geplagte Kind beruhigen. Um die Heilung der Haut zu beschleunigen, können Sie Ihrem Kind ein (kurzes!) Vollbad mit Molke oder Weizenkleie zubereiten. Oder ein Kamillenbad: 2 EL Kamillenblütenköpfe mit kochendem Wasser übergiessen, Tee 10 Minuten ziehen lassen, absieben und dem Badewasser zugeben. Wichtig: Das Kind soll nur wenige Minuten baden, und in höchstens 37 Grad warmem Wasser, ansonsten besteht die Gefahr, dass die Bläschen zu stark aufweichen, platzen und sich Narben bilden. Nach Baden oder Waschen die Haut jeweils gut trocken tupfen.

Beruhigende Tees

Wenn das Kind starken Juckreiz hat und nicht schlafen kann, beruhigen Tees aus folgenden Heilkräutern: Orangenblüten, Lavendelblüten, Passionsblumenkraut, Melissenblätter. Bereiten Sie den Tee mit 1 TL Pflanzenteilen und 2,5 dl kochendem Wasser zu. 3–10 Minuten ziehen lassen.

5. Hilfe für das Kind

Die Haut schützen

Damit das Kratzen möglichst wenig schadet: Schneiden Sie die Fingernägel des kleinen Patienten, der kleinen Patientin möglichst kurz. Lassen Sie das Kind öfters die Hände waschen, um bakteriellen Entzündungen vorzubeugen.

Nicht zu warm, nicht zu sauer!

Ziehen Sie dem Kind lockere, nicht zu warme Kleidung an: Wärme kann den Juckreiz verstärken. Falls Ihr kleiner Windpockenpatient Bläschen im Mund hat: Geben Sie ihm keine Fruchtsäfte oder saure Speisen!

6. Homöopathie

Aconitum (Blauer Eisenhut) D12

Bei plötzlichem hohen Fieber ohne Schwitzen, beim ängstlichen, unruhigen Kind.

Belladonna (Tollkirsche) D12

Das Kind hat plötzlich hohes Fieber, ein rotes Gesicht, entzündete Augen und pulsierende Kopfschmerzen.

Sulfur (Schwefelblüte, Schwefel) D6

Bei starkem Juckreiz und heisser, trockener Haut fördert Sulfur die Abheilung des Hautausschlags.

Rhus tox (Giftsumach) D12

Bei eiter- oder wassergefüllten Bläschen, brennendem Juckreiz und roter Zungenspitze.

7. Für das Baby

Plütteln lassen!

Falls es die Jahreszeit erlaubt: Lassen Sie Ihr Baby öfters unten ohne rumkrabbeln oder rumrennen. Und wechseln Sie seine Windeln möglichst oft: So können Sie – insbesondere bei Kindern mit Neigung zu Neurodermitis – Komplikationen durch Sekundärinfektionen am Popo verhindern. Bei Juckreiz dürfen Sie Babys Haut mit Kamillentee (1 TL Blüten auf 2,5 dl Wasser) waschen. Wichtig: Keine ätherischen Öle verwenden! Anschliessend die Haut gut trocken tupfen.

8. Zum Arzt, wenn ...

 

  • ein Säugling unter 6 Monaten Windpocken hat.
  • sich Bläschen entzünden (Gefahr der Narbenbildung).
  • das Kind sehr starken Juckreiz hat.
  • Sie nicht sicher sind, ob es sich tatsächlich um Windpocken handelt.
  • das Kind hohes Fieber hat oder sich die Krankheit verschlimmert.