Von

1. Überblick

Ein Klumpfuss ist eine angeborene, komplexe Fussverformung. Jungen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. Ein Klumpfuss kann ein- oder beidseitig auftreten und unterschiedliche Schweregrade aufweisen.

Warum der Klumpfuss genau entsteht, ist bisher nicht vollständig geklärt. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Entwicklung des Fusses in einem frühen Entwicklungsstadium stehen bleibt. Ausserdem scheinen sich bei Betroffenen mit Klumpfuss Bindegewebe und Muskulatur nicht im richtigen Verhältnis zu bilden. Dies beeinträchtigt auch das Wachstum der Knochen.

Der Klumpfuss hat ein typisches Erscheinungsbild – Betroffene haben einen Spitz-, Sichel- und Hohlfuss sowie O-Beine. Die Ferse zeigt dabei nach innen. Die Betroffenen gehen auf dem Fussaussenrand, in schweren Fällen sogar auf dem Fussrücken. In extremen Fällen eines Klumpfusses kann die Fusssohle nach oben gerichtet sein.

Die Diagnose stellt der Arzt meist direkt nach der Geburt anhand der typischen Fehlbildungen des Fusses. Zusätzlich kann eine Röntgenuntersuchung die Diagnose sichern und im weiteren Verlauf den Erfolg einer Therapie dokumentieren.

Bei einem Klumpfuss ist es wichtig, frühzeitig mit einer Therapie zu beginnen und diese kontinuierlich fortzuführen. So lassen sich gute Behandlungsergebnisse erzielen. Die Therapie sollte möglichst direkt nach der Geburt einsetzen. Ziel der Klumpfuss-Therapie ist es, die Fussfehlstellungen und -verformungen auszugleichen. Dies geschieht vor allem durch bestimmte Gipsverbände, sogenannte Redressionsverbände. Physiotherapeutische Massnahmen unterstützen die Behandlung.

Wird mit der Behandlung frühzeitig begonnen und wird sie konsequent fortgeführt, kann der Klumpfuss ausgeglichen werden. Ohne Behandlung bleibt der Klumpfuss bestehen – Betroffene können dann nur unter Schmerzen gehen und stehen.

2. Definition

Der Klumpfuss ist eine komplexe Fehlbildung des Fusses. Sie ist angeboren und lässt sich passiv – etwa durch Druck auf den Fuss oder Einlagen – nicht ausgleichen. Ein Klumpfuss kann bei einem oder beiden Füssen vorkommen und unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Meist handelt es sich um eine Kombination von mehreren Fussfehlbildungen und gleichzeitig nach innen gedrehten Fersen. Zusätzlich ist die Wadenmuskulatur häufig unterentwickelt.

Häufigkeit

Nach der Hüftgelenksfehlstellung (Dysplasie) ist der Klumpfuss die zweithäufigste angeborene Missbildung. Jungen sind doppelt so häufig betroffen wie Mädchen. In der Hälfte der Fälle sind beide Füsse betroffen.

3. Ursachen

Der angeborene Klumpfuss ist erblich bedingt – Ursachen sind damit veränderte Gene. Ein Klumpfuss kann alleine oder kombiniert mit anderen Fehlbildungen vorkommen. Besteht die entsprechende Veranlagung, können verschiedene Faktoren begünstigen, dass ein Klumpfuss auftritt. Dazu gehört zum Beispiel das Rauchen während der Schwangerschaft. Möglicherweise gibt es noch weitere Klumpfuss-Ursachen.

Wie die Fehlbildung genau entsteht, ist bisher jedoch nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass sich während der Entwicklung Muskeln und Bindegewebe nicht im richtigen Verhältnis ausbilden. Als Folge entsteht durch den hohen Anteil von Bindegewebe (Fibrose) ein Muskelungleichgewicht. Dadurch ist auch das Knochenwachstum verändert. Es kommt zu Fehlentwicklungen und damit zum Klumpfuss.

Möglich ist auch, dass die Fussentwicklung in einer embryonalen Entwicklungsstufe stoppt, wenn die Muskelentwicklung noch nicht abgeschlossen ist. So ähnelt der Klumpfuss von der Form her dem frühembryonalen Fuss.

In manchen Fällen sind bei einem Klumpfuss Nervenerkrankungen die Ursachen.

4. Symptome

Beim Neugeborenen sind die Symptome des angeborenen Klumpfusses eindeutig. Die Fehlbildung kann ein- oder beidseitig auftreten und hat in der Regel vier Komponenten.

  1. Spitzfuss: Steilstellung im oberen Sprunggelenk, Hochstand des Fersenbeins bei verkürzter Achillessehne
  2. nach innen geneigter Rückfuss: extreme O-Stellung des unteren Sprunggelenks, die Ferse zeigt nach innen
  3. Sichelfuss: Der Mittelfuss und die Zehen sind einwärts gedreht
  4. Hohlfuss: Die Längswölbung des Fusses ist erhöht

Die Betroffenen gehen auf dem Fussaussenrand, in schweren Fällen sogar auf dem Fussrücken. In extremen Fällen des Klumpfusses ist die Fusssohle nach oben gerichtet.

Beim Klumpfuss handelt es sich jedoch nicht nur um eine Fehlstellung der Gelenke, sondern um eine schwere komplexe Fehlbildung des gesamten Fusses. Besonders betroffen sind die knöchernen Fusswurzeln, die Bänder und Sehnen sowie einzelne Muskeln.

Im Gegensatz zu einer der Form ähnlichen, jedoch harmlosen Gewohnheitshaltung des Fusses von Säuglingen, ist der Klumpfuss in der Regel weitgehend versteift.

5. Diagnose

Der Arzt kann bei einem angeborenen Klumpfusses die Diagnose unmittelbar nach der Geburt sehr leicht anhand der eindeutigen klinischen Erscheinung stellen. Auffallend ist zusätzlich eine sehr dünne, verkürzte Wade (Klumpfusswade).

In vielen Fällen begutachtet der Arzt die knöchernen Fehlstellungen mit einer Röntgenuntersuchung. Die Röntgenaufnahme ist bei einem Klumpfuss zur Diagnose in der Regel zwar nicht zwingend erforderlich, hilft jedoch, den Krankheitsverlauf beim Klumpfuss zu beurteilen.

6. Therapie

Entscheidend für die erfolgreiche Behandlung ist beim Klumpfuss die rechtzeitige und konsequente Therapie, die unmittelbar nach der Geburt beginnen, im Verlauf kontrolliert und gegebenenfalls fortgeführt werden sollte, bis das Wachstum abgeschlossen ist.

Das Behandlungsprinzip besteht darin, die Fussfehlstellung über längere Zeit hinweg zu korrigieren. Zunächst bringt ein Physiotherapeut die Füsse von Hand in die richtige Position. Später helfen dabei Gipsverbände – sogenannte redressierende Oberschenkelgipsverbände. Sie werden zunächst täglich, später in wöchentlichen Abständen gewechselt und die Fusshaltung dadurch immer weiter korrigiert (Etappengipsbehandlung). Krankengymnastische Übungen dehnen und kräftigen die Muskulatur und ergänzen die Klumpfuss-Therapie.

Nach Abschluss der Gipstherapie ist es wichtig, die korrigierte Fussstellung mit Apparaten, Nachtschienen und Einlagen längere Zeit zu erhalten. Regelmässige Kontrollen während der ersten Lebensjahre, zum Teil bis zum Ende der Wachstumsphase, sind notwendig, um Rückschritte möglichst frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Wenn der Klumpfuss trotz einer vorherigen Therapie bestehen bleibt oder später wieder auftritt (sog. Rezidiv), können verschiedene Operationen sinnvoll sein.

  • Spitzfuss: operative Achillessehnenverlängerung im Alter von etwa sechs Monaten
  • Rebellischer Klumpfuss (spricht kaum auf die Therapie an und tritt nach erfolgreicher Therapie häufig erneut auf): Kapselentfernung
  • Rezidiv im Wachstumsalter: Sehnenverlängerungen und Operationen, bei denen Ärzte die Lage der Knochen korrigieren

7. Verlauf

Bei einem Klumpfuss hängt der Verlauf wesentlich davon ab, ob er rechtzeitig und ausreichend behandelt wird. Unbehandelt bleibt ein Klumpfuss bestehen oder die Fehlbildung verstärkt sich im Laufe des Wachstums noch weiter. Die Gelenke rutschen dann aus ihrer normalen Position heraus und die Knochen wachsen stark verformt. Die Weichteile verhärten zunehmend, so dass der Fuss vollständig versteift. Betroffene haben Schmerzen beim Gehen und Stehen.

Bei konsequenter und sofort nach Geburt einsetzender Therapie sind bei einem Klumpfuss im Verlauf jedoch gute Resultate mit vollständiger Heilung möglich.

Trotz intensiver Verbandstherapie ist es in vielen Fällen notwendig, die Achillessehne operativ zu verlängern.

Sehr wichtig ist die Suche nach weiteren Fehlbildungen, wie der Hüftgelenksdysplasie, einer Spina bifida oder anderen neurologischen Defekten. Etwa fünf Prozent der Betroffenen mit Klumpfuss haben solche zusätzlichen Fehlbildungen.

8. Vorbeugen

Da der Klumpfuss eine angeborene Fehlstellung ist, gibt es keine Massnahmen zum Vorbeugen. Es ist jedoch wichtig, einen Klumpfuss frühstmöglich zu behandeln.