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1. Überblick

Mediziner bezeichnen alle bösartigen Geschwulste, die im Knochengewebe vorkommen, als Knochenkrebs. Dank moderner Therapieverfahren kann man Knochenkrebs in vielen Fällen heilen. Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser ist auch die Chance, wieder gesund zu werden.

Zu den wichtigsten Symptomen von Knochenkrebs gehören Schwellungen, Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen an der Stelle der Geschwulst (Tumor). Diese Beschwerden können aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten und sind damit kein sicherer Hinweis auf Knochenkrebs.

Formen von Knochenkrebs sind zum Beispiel das Osteosarkom und das Ewing-Sarkom. Das Osteosarkom ist bei Erwachsenen sowie Kinder und Jugendlichen gleichermassen der häufigste Knochenkrebs. Bei Kindern steht das Ewing-Sarkom an zweiter Stelle, bei Erwachsenen kommt es dagegen nur selten vor. Die Ursachen für Knochenkrebs sind bisher nicht geklärt. Experten vermuten, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Um bei Knochenkrebs die Diagnose zu stellen, ordnet der Arzt zunächst nach einer ausführlichen Befragung (Anamnese) eine Röntgenuntersuchung und ein Blutbild an. Erhärtet sich dabei der Verdacht auf Knochenkrebs, kommen meist weitere Untersuchungsverfahren zum Einsatz, zum Beispiel eine Magnetresonanztomographie (MRT), eine Ultraschalluntersuchung oder eine Szintigraphie. Um Knochenkrebs sicher festzustellen und gutartige Knochentumoren auszuschliessen, ist eine Gewebeprobe (Biopsie) notwendig.

Knochenkrebs behandelt der Arzt in der Regel mit einer Kombination aus Chemotherapie, Operation und Strahlentherapie. Die genaue Behandlung ist jedoch von Fall zu Fall verschieden. Sie hängt zum Beispiel von der Art, der Lage und der Grösse des Tumors ab, aber auch davon, wie weit die Erkrankung bereits vorangeschritten ist.

2. Definition

Unter Knochenkrebs versteht man per Definition bösartige Geschwulste (Tumoren), die im Knochengewebe vorkommen. Bösartige Tumoren bestehen aus entarteten Zellen, die sich anders und schneller teilen als normale Zellen und dabei gesundes Gewebe zerstören. Einige der Krebszellen wandern von ihrem Ursprungsort aus über das Blut oder das Lymphsystem in andere Organe und vermehren sich dort als Tochtergeschwulste (Metastasen). Bei Knochenkrebs unterscheidet man primäre und sekundäre Tumoren.

Primäre Knochentumoren treten selten auf. Sie entwickeln sich direkt aus Zellen, die in den Knochen, im Knorpel oder im Knochenmark vorkommen.

Bei den sekundären Knochentumoren handelt es sich nicht um Knochenkrebs im eigentlichen Sinne, denn sie entwickeln sich als Folge einer anderen Krebserkrankung. Sekundäre Knochentumoren entstehen dann, wenn ein entfernter Tumor zum Beispiel der Brustdrüse oder der Lunge ins Knochengewebe streut und Tochtergeschwulste im Knochen (Knochenmetastasen) bildet. Sekundäre Knochentumoren können bereits vorhanden sein, wenn der Krebsherd im Ursprungsorgan noch keine oder kaum Beschwerden verursacht.

Das Wort Tumor («Schwellung») steht nicht nur für bösartige Neubildungen: Neben den bösartigen Knochentumoren – also dem Knochenkrebs – gibt es noch die wesentlich häufigeren, gutartigen Knochentumoren. Dabei handelt es sich nicht um Krebs. Darüber hinaus gibt es Geschwulste, die weder der einen noch der anderen Gruppe angehören. Diese heissen daher auch semimaligne Tumoren (halb bösartige Tumoren). Diese Tumoren bezeichnen Mediziner auch als potenziell bösartig, das heisst, es kann sich aus der Geschwulst Knochenkrebs entwickeln. Ein Knochentumor, der als semimaligne gilt, ist das sogenannte Chondrom, das sich aus Knorpelzellen entwickelt.

Formen von Knochenkrebs

Es gibt verschiedene Formen von Knochenkrebs. Mediziner teilen die Tumoren, die den Knochenapparat befallen, nach dem Gewebe ein, aus dem sie entstehen. Dementsprechend können im Skelett Tumoren vorkommen, die vom Knochen, vom Knorpel oder vom Knochenmark ausgehen.

Zwei Formen von Knochenkrebs sind das Osteosarkom und das Ewing-Sarkom. Beide Krebsarten treten bevorzugt bei Kindern und Jugendlichen auf. Das Osteosarkom ist ein Tumor, der aus entarteten Knochenzellen entsteht. Das nach dem Pathologen John Ewing benannte Ewing-Sarkom ist ein bösartiger Bindegewebe-Tumor, der vom Knochenmark ausgeht und vorwiegend die grossen Knochen wie Oberschenkel- oder Schienbeinknochen befällt.

Muttergewebe gutartige (benigne) Tumoren bösartige (maligne) Tumoren
Knorpel Osteochondrom Chondrosarkom  
  Chondrom    
  Chondroblastom    
  Chondromyxoid
fibrom
   
Knochen Osteom Osteosarkom
  Osteoid-Osteom  
  Osteoblastom  
Knochenmark Eosinophiles Granulom Ewing-Sarkom
    Retikulumzell-Sarkom  
    Plasmozytom  
Ungeklärt Riesenzell-Tumor Riesenzell-Tumor  

Während einige Formen von Knochenkrebs das Knochengewebe zerstören (sog. osteolytische Tumoren), bauen andere Knochengewebe auf (sog. osteoplastische Tumoren). Auch Mischformen kommen vor.

Einige Erkrankungen täuschen Tumoren vor (sog. tumorartige Läsion, englisch: tumor-like lesion). Hierzu zählen beispielsweise bestimmte Fehlbildungen der Knochen (sog. fibröse Dysplasie) oder Zysten.

Häufigkeit

Bei Knochenkrebs hängt die Häufigkeit vom Alter der Erkrankten ab. Bei Kindern und Jugendlichen gehört Knochenkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen. Bei Erwachsenen kommt Knochenkrebs dagegen nur sehr selten vor und macht weniger als 1 Prozent aller Krebserkrankungen aus.

Osteosarkom

Das Osteosarkom ist der häufigste Knochenkrebs im Kindesalter. Die meisten Betroffenen sind zwischen 10 und 20 Jahre alt. Jungen erkranken häufiger als Mädchen.

Ewing-Sarkom

Das Ewing-Sarkom, welches das bindegewebige Knochenmarkgerüst befällt, ist der zweithäufigste Knochenkrebs bei Kindern. Die meisten Menschen erkranken zwischen dem 10. und dem 15. Lebensjahr. Bei Personen, die älter als 20 Jahre sind, tritt das Ewing-Sarkom nur selten auf.

3. Ursachen

Bei Knochenkrebs sind die Ursachen weitgehend ungeklärt. Zwei Formen von Knochenkrebs, das Osteosarkom und das Ewing-Sarkom, treten bevorzugt bei Kindern und Jugendlichen auf. Experten vermuten, dass möglicherweise genetische Faktoren eine Rolle spielen..

Das Osteosarkom kommt gehäuft bei Menschen mit sogenannter Osteodystrophia deformans vor. Diese auch als Morbus Paget oder Paget-Krankheit bezeichnete Erkrankung des Skeletts hat vermutlich genetische Ursachen. Auch bei einer bestimmten Erbkrankheit – dem multiplen Osteochondrom – treten Osteosarkome gehäuft auf. Diese Erkrankung ist durch eine Vielzahl von gutartigen Tumoren aus Knorpel- und Knochengewebe gekennzeichnet.

Ausserdem können vorangegangene Strahlen- oder Chemotherapien bei Knochenkrebs die Ursachen sein: Menschen, die in ihrer Kindheit bereits Krebs hatten und eine Chemo- oder Strahlentherapie erhalten haben, erkranken häufiger an Knochenkrebs als andere Personen.

4. Symptome

Bei Knochenkrebs hängen die Symptome von der Art, der Grösse und der Lage des Tumors ab. Meist sind Schmerzen an der betroffenen Stelle das erste Anzeichen für Knochenkrebs. Weitere häufige Symptome sind Schwellungen, die die Beweglichkeit der Gelenke einschränkt.

Symptome eines Osteosarkoms

Das Osteosarkom ist die häufigste Form von Knochenkrebs. Es entsteht überwiegend in den Knochen der Arme oder Beine, zwischen dem Ende eines Gelenks und dem Schaft eines Röhrenknochens. Zu den Röhrenknochen zählen lange Knochen wie der Oberarmknochen oder der Oberschenkelknochen. Ein typisches Symptom des Osteosarkoms ist eine schmerzhafte Schwellung (z.B. im Bereich des Knies), unter der auch die Beweglichkeit leidet. Selbst leichte Einwirkungen von aussen können einen Knochenbruch nach sich ziehen.

Symptome eines Ewing-Sarkoms

Das Ewing-Sarkom ist eine seltene Form von Knochenkrebs bei Erwachsenen. Bei Kindern und Jugendlichen ist es dagegen der zweithäufigste Knochentumor. Knochenkrebs-Symptome sind beim Ewing-Sarkom das gemeinsame Auftreten von Schmerzen, Schwellung und Fieber. Die Betroffenen fühlen sich krank. Ein Ewing-Sarkom wird aufgrund dieser Symptome häufig mit einer Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) verwechselt. Im fortgeschrittenen Stadium, wenn der Krebs bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) entwickelt hat, verlieren die Betroffenen an Gewicht und fühlen sich müde.

Das Ewing-Sarkom entsteht meist im Schaft der langen Röhrenknochen, bevorzugt im Bein. Auch in den Beckenknochen kann ein Ewing-Sarkom als Form von Knochenkrebs entstehen und dort Symptome verursachen.

5. Diagnose

Um bei Knochenkrebs die Diagnose zu stellen, befragt der Arzt die betroffene Person (bzw. die Eltern) zunächst nach ihren Beschwerden. Schmerzhafte Schwellungen im Bereich der Arme, der Beine oder des Beckens, die innerhalb kurzer Zeit auftreten, können Anzeichen für Knochenkrebs sein. Je früher man Knochenkrebs erkennt und behandelt, desto besser ist auch die Prognose.

Bei Verdacht auf Knochenkrebs fertigt der Arzt zur Diagnose in der Regel eine Röntgenaufnahme des betroffenen Körperbereichs an.

Bei Knochenkrebs können zudem weitere Verfahren zur Diagnose hilfreich sein, so zum Beispiel:

  • Ultraschall (Sonographie)
  • Computertomographie (CT)
  • Skelettszintigraphie (bei Verdacht auf Knochenmetastasen)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)

Darüber hinaus kann der Arzt im Blut Hinweise auf Knochenkrebs finden. So sind beim Osteosarkom, der häufigsten Form von Knochenkrebs, die Werte eines bestimmten Enzyms (alkalische Phosphatase) im Blut erhöht.

Generell gilt jedoch: Bei Knochenkrebs gibt letztlich nur die Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie) Gewissheit. Hierbei entnimmt der Arzt mit einer Nadel eine Probe aus dem Knochen, welche dann im Labor untersucht wird.

Vermutet der Arzt, dass ein Ewing-Sarkom vorliegt, bestimmt er die Werte zweier Enzyme: Die sogenannte Laktat-Dehydrogenase (LDH) ist wichtig zur Beurteilung der Prognose, die neuronenspezifische Enolase (NSE) erlaubt es, Knochenkrebs von anderen Weichteil- und Knochentumoren abzugrenzen.

6. Therapie

Bei Knochenkrebs richtet sich die Therapie nach der Art und Ausbreitung des Tumors. In der Regel werden mehrere Behandlungsformen miteinander kombiniert, wobei Chemotherapie, Operation und Strahlentherapie zur Verfügung stehen.

Therapie des Osteosarkoms

Bei einem Osteosarkom, der häufigsten Form von Knochenkrebs, ist die Therapie der Wahl die Operation. Osteosarkome sind bösartige Tumoren, die in den langen Röhrenknochen vorkommen. Die Operation wird mit einer Chemotherapie kombiniert. Zum Teil erhalten Betroffene die Chemotherapie bereits vor der Operation, um den Tumor zu verkleinern. Das Osteosarkom reagiert nur wenig auf ionisierende Strahlen, so dass eine Strahlentherapie nur selten infrage kommt.

Osteosarkom ohne Tochtergeschwulste

Beim Osteosarkom hängt die Therapie von der Ausbreitung des Tumors ab. Wenn der Arzt noch keine Tochtergeschwulste (Metastasen) gefunden hat, leitet er vor der geplanten Operation eine Chemotherapie ein. Sie soll den Knochenkrebs verkleinern und eventuell doch vorhandene, nicht sichtbare Tochtergeschwulste (sog. Mikrometastasen) beseitigen. Im Anschluss entfernt der Chirurg den Tumor. Heutzutage versucht man, Amputationen weitgehend zu vermeiden, ohne dadurch den Erfolg der Behandlung einzuschränken. Nach der Knochenkrebs-Operation führt der Arzt die Chemotherapie fort und setzt je nach Fall weitere Substanzen ein.

Therapie des Ewing-Sarkoms

Das Ewing-Sarkom ist bei Kindern und Jugendlichen der zweithäufigste Knochenkrebs. Im Gegensatz zum Osteosarkom ist es strahlenempfindlich ein mögliche Therapie ist also eine Strahlentherapie. In der Regel führt der Arzt jedoch zunächst eine Chemotherapie durch.

Mithilfe einer Bestrahlung oder einer Operation kann der Arzt das Wachstum des Krebses im Knochenmark kontrollieren. Allerdings bilden sich beim Ewing-Sarkom meist sehr früh Tochtergeschwulste bevorzugt in der Lunge.

Osteosarkom mit Tochtergeschwulsten

Auch wenn das Osteosarkom bereits gestreut hat, beginnt die Knochenkrebs-Therapie mit einer Chemotherapie. Das weitere Vorgehen hängt vom Ergebnis der Chemotherapie ab. Bilden sich der Tumor und die Tochtergeschwulste (Metastasen) vollständig zurück, muss der Patient regelmässig zur Kontrolle gehen. Ist die Chemotherapie nur zum Teil oder gar nicht wirksam, entfernt der Chirurg sowohl den Tumor als auch die Tochtergeschwulste operativ. Anschliessend wird die Chemotherapie weitergeführt.

Wenn das Osteosarkom trotz Chemotherapie weiter wächst, versucht der Arzt, auf andere Chemotherapeutika zurückzugreifen.

7. Verlauf

Bei Knochenkrebs hängen Verlauf und Prognose von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel der Art des Tumors, seiner Grösse sowie der Ausbreitung.

Verlauf des Osteosarkoms

Bei einem Osteosarkom ist der Verlauf vor allem davon abhängig, ob bereits Metastasen vorhanden sind. Hat der Tumor noch keine Tochtergeschwulste entwickelt, leben fünf Jahre nach der Diagnose noch etwa 60 bis 80 Prozent der Betroffenen. Bei sehr früh erkannten, kleinen Tumoren wird der Grossteil der Betroffenen wieder gesund. Wenn sich der Krebs bereits ausgebreitet hat, verschlechtern sich die Prognose und der Verlauf – insbesondere, wenn bereits Tochtergeschwulste vorliegen.

Verlauf des Ewing-Sarkoms

Das Ewing-Sarkom ist eine Form von Knochenkrebs, bei der sich ein bösartiger Tumor im Knochenmark gebildet hat. Dank moderner Chemotherapien hat sich bei diesem Knochenkrebs der Verlauf deutlich gebessert: Nach der Diagnose leben 50 bis 60 Prozent der Betroffenen länger als 5 Jahre. Je früher das Ewing-Sarkom festgestellt und behandelt wird, desto besser ist die Prognose.

8. Vorbeugen

Knochenkrebs können Sie nicht vorbeugen. Allerdings können Sie einiges tun, um das allgemeine Risiko für eine Krebserkrankung zu senken. Wer auf eine gesunde Ernährung achtet, auf Nikotin möglichst verzichtet und Alkohol nur in Massen geniesst, hat schon eine Menge getan, um die Wahrscheinlichkeit für Krebs zu verringern.

Je früher Knochenkrebs erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Daher sollten Sie auch anfangs unscheinbare, länger anhaltende Beschwerden nie auf die leichte Schulter nehmen. Vor allem wiederholte, zunehmend stärker werdende Schmerzen in Armen oder Beinen können ein erstes Warnsignal sein. In den meisten Fällen entpuppen sich derartige Beschwerden als harmlos. Dennoch sollten Sie sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen, wenn sie Beschwerden haben. Dadurch können Knochentumoren oft frühzeitig entdeckt und behandelt werden – so können Sie zumindest schweren Verläufen von Knochenkrebs vorbeugen.