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Kokzygodynie

(Schmerzen in der Steissbeingegend)
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1. Überblick

Die Kokzygodynie ist eine schmerzhafte Erkrankung im unteren Teil der Wirbelsäule. Der Name leitet sich vom medizinischen Begriff der schmerzenden Knochengruppe ab, in diesem Fall dem Os coccygis. Dazu gehören die Knochen, die man als Steissbein oder auch als Kuckucksbein bezeichnet.

Eine Kokzygodynie kann spontan auftreten und sich wieder zurückbilden. Das Steissbein oder die Weichteile dieser Region reagieren auf Druck mit einem scharfen, stechenden oder ziehenden Schmerz.

Von einer Kokzygodynie sind Frauen häufiger als Männer betroffen. Ursache der Kokzygodynie sind in der Regel chronische Mikrotraumen, also winzige Verletzungen im Gewebe, etwa durch zu langes Sitzen. Seltener sind Nervenschmerzen (Neuralgie) oder eine Verletzung des Beckens die Ursache. Meist dauert eine Kokzygodynie einige Tage bis mehrere Wochen an, sie kann jedoch auch über Jahre hinweg bestehen und chronisch werden. Eine andere Bezeichnung für Kokzygodynie ist Steissbeinneuralgie.

2. Definition

Eine Kokzygodynie ist eine schmerzhafte Erkrankung im unteren Teil der Wirbelsäule. Zum Teil ist sie auch als Steissbeinneuralgie bekannt. Der Ausdruck Kokzygodynie leitet sich vom wissenschaftlichen Begriff der schmerzenden Knochengruppe ab (Os coccygis): dem Steissbein oder auch Kuckucksbein. Das Steissbein bildet das untere Ende der Wirbelsäule. Es besteht aus drei bis fünf verkümmerten Wirbeln, die miteinander verschmolzen sind.

Häufigkeit

Eine Kokzygodynie tritt relativ selten auf. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer.

3. Ursachen

Eine Kokzygodynie kann verschiedene Ursachen haben, häufig kann jedoch keine genaue Ursache für die Kokzygodynie gefunden werden.

Mögliche Auslöser sind chronische Mikrotraumen, also winzige Gewebeverletzungen über einen längeren Zeitraum. Solche Mikrotraumen entstehen zum Beispiel bei starken mechanischen Belastungen wie zu langem Sitzen – insbesondere auf härteren Unterlagen (z.B. Stühle, Velosattel). Zum Teil können auch Verletzungen im Beckenbereich zu einer Kokzygodynie führen.

Weitere mögliche Ursachen für eine Kokzygodynie sind:

  • Lumbalgien (z.B. Hexenschuss)
  • Wurzelreizsyndrom (Lumboischialgie)
  • Tumoren im Bereich des Steissbeins
  • Bandscheibenvorfall
  • Fehlstellungen des Steissbeins
  • gynäkologische Erkrankungen
  • Stürze, bei denen das Steissbein gestaucht wurde
  • chirurgische Eingriffe
  • Entbindungen
  • Neuralgie der Nerven, welche die Haut zwischen Steissbein und Anus versorgen (Nervi anococcygei)

Vereinzelt kann eine Kokzygodynie auch psychosomatische Ursachen haben. Dass heisst seelische Befindlichkeiten, Probleme oder Krankheiten äussern sich in dann in den Beschwerden einer Kokzygodynie. Manchmal steht eine Kokzygodynie auch in Verbindung mit einer Depression.

4. Symptome

Bei einer Kokzygodynie kommt es zu Symptomen wie ziehenden, stechenden und brennenden Schmerzen im Bereich des Steissbeins. Dabei sind die Schmerzen nicht auf die Steissbeinregion begrenzt, sondern können bis in die Anal- und Lendenregion sowie in die Hüfte ausstrahlen. Die Schmerzen dauern in der Regel einige Tage bis zu mehreren Wochen an, manchmal auch länger. Häufig treten sie im Sitzen oder auch beim Aufstehen aus einer sitzenden Position auf – zum Teil machen sie das Sitzen sogar unmöglich. In manchen Fällen kommt es durch die Kokzygodynie auch zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie bei der Stuhlentleerung.

5. Diagnose

Um bei einer Kokzygodynie die Diagnose zu stellen, ist der erste Schritt eine allgemeine körperliche Untersuchung und ausführliche Befragung (Anamnese) des Betroffenen. Um die Ursache der Kokzygodynie genauer zu bestimmen, können eine Ultraschalluntersuchung des Beckens, eine Computertomographie (CT) und eine Magnetresonanztomographie (MRT) hilfreich sein. Besteht der Verdacht auf eine Entzündung oder einen Tumor, nutzt der Arzt für diese bildgebenden Untersuchungen Kontrastmittel, um den betroffenen Körperbereich noch detaillierter darzustellen. Eine Röntgenuntersuchung bringt in der Regel keinen Befund. Bei psychosomatisch Erkrankten wird in einem ausführlichen Gespräch versucht, die Ursache herauszufinden.

6. Therapie

Bei einer Kokzygodynie die passende Therapie zu finden, ist oft nicht leicht. Vor allem, wenn keine organische Ursache gefunden wurde. In den meisten Fällen besteht die Behandlung deshalb darin, die Symptome zu lindern:

  • Zur Therapie einer Kokzygodynie können in die schmerzhafte Stelle Lokalanästhetika gespritzt werden, welche die Region am Steissbein und den angrenzenden Weichteilen örtlich betäuben.
  • Auch physiotherapeutische Massnahmen oder eine Mobilisation beziehungsweise Manipulation des Steissbeins (z.B. durch einen Osteopathen oder Chiropraktiker) sowie Akupunktur können hilfreich sein.
  • Lindernd können ebenfalls allgemeine Massnahmen zur Entspannung, Wärmebehandlung oder Sitzbäder wirken.
  • Schmerzerleichterung bringt ein weiches Sitzkissen sowie ein Sitzring beziehungsweise ein Sitzkeil.

Bei der psychosomatischen Behandlung einer Kokzygodynie kommt es darauf an, den Erkrankten mit seinem ganz real empfunden Schmerz ernst zu nehmen. Dabei soll versucht werden, deutlich zu machen, dass die Kokzygodynie in diesem Fall keine organische Ursache hat. Ziel ist es hier, eine psychologische Sicht auf die Erkrankung zu bieten. Als weiterführende Massnahme kommt eine Psychotherapie infrage.

7. Verlauf

Der Verlauf einer Kokzygodynie ist individuell verschieden und hängt davon ab, ob die Ursache erkannt werden kann. Manchmal bessert sich eine Kokzygodynie sehr schnell. Nimmt die Kokzygodynie einen chronischen Verlauf, wird die Behandlung schwieriger.

8. Vorbeugen

Um einer Kokzygodynie vorzubeugen, sollten Steissbeinverletzungen nach einem Sturz sofort behandelt werden. Damit der Schmerz nicht chronisch wird, werden Schmerzmittel und lindernde Salben verabreicht. Regelmässige Früherkennungsuntersuchungen helfen, eine schwere organische Erkrankung im Beckenbodenbereich zu verhindern. Schwere psychologische Konflikte können mit fachärztlicher Hilfe gelöst werden.