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1. Überblick

Bei einer Kontaktallergie (Kontaktdermatitis, allergisches Kontaktekzem) reagiert die Haut auf direkte Berührung mit einem bestimmten Stoff überempfindlich. Typisches Beispiel hierfür ist die weit verbreitete Nickelallergie.

An der Kontaktstelle kommt es infolge der Kontaktallergie zu einer Entzündungsreaktion. Diese äussert sich unter anderem durch Rötung, Schwellung und Bläschen. Neben Nickel lösen auch andere Metalle wie Chromate besonders oft eine Kontaktdermatitis aus. Weitere häufige Auslöser für allergische Hautreaktionen sind Konservierungsstoffe, Desinfektionsmittel, Gerbstoffe und Duftstoffe.

Für die Diagnose einer Kontaktallergie ist der Epikutan-Test von grösster Bedeutung: Hierbei lässt sich mithilfe von Pflastern prüfen, ob die vorher auf die Pflaster geträufelten Testsubstanzen eine allergische Reaktion der Haut auslösen.

Bei der Therapie einer Kontaktallergie ist es besonders wichtig, den verantwortlichen Stoff – das sogenannte Kontaktallergen – zu meiden. In erster Linie erfolgt gegen die für eine Kontaktallergie typischen Kontaktekzeme eine äusserliche Behandlung. Dazu kommen Glukokortikoide zum Einsatz. Chronische Kontaktekzeme bedürfen einer besonderen Hautpflege, um die bei einer Kontaktdermatitis gestörte Barrierefunktion der Haut wiederherzustellen.

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2. Definition

Eine Kontaktallergie (Kontaktdermatitis, allergisches Kontaktekzem) ist eine allergische Entzündungsreaktion. Sie tritt auf, wenn die Haut auf direkte Berührung mit einem bestimmten Stoff überempfindlich reagiert. Typischerweise bleibt die allergische Reaktion bei einer Kontaktallergie genau auf die Hautstellen begrenzt, die mit dem allergieauslösenden Stoff (dem Allergen) direkt in Berührung kamen.

Die Kontaktallergie ist eine Allergie vom Typ IV. Bei diesen Allergien vermitteln nicht – wie bei den anderen Allergietypen – Antikörper, sondern T-Zellen (eine Untergruppe der weissen Blutkörperchen) die allergische Reaktion. Ausserdem treten allergische Reaktionen bei Allergien vom Typ IV verzögert auf. Daher bezeichnet man sie auch als Spättyp. Ein allergisches Kontaktekzem macht sich frühestens 12 Stunden nach Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff bemerkbar.

Häufigkeit

Die Kontaktallergie (Kontaktdermatitis, allergisches Kontaktekzem) weist eine recht grosse Häufigkeit auf. Vor allem die zu den Kontaktallergien zählende Nickelallergie ist weit verbreitet: Nickel löst bei bis zu 10 Prozent der Frauen und etwa 1 Prozent der Männer eine allergische Reaktion aus. Insgesamt sind etwa 15 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens von einer Kontaktallergie betroffen.

3. Ursachen

Einer Kontaktallergie (Kontaktdermatitis, allergisches Kontaktekzem) liegen als Ursachen Überempfindlichkeitsreaktionen auf bestimmte Stoffe zugrunde. Ein Stoff, der allergische Reaktionen auslöst, ist ein sogenanntes Allergen.

Die bei einer Kontaktallergie bestehende Überempfindlichkeit gegen einen bestimmten Stoff entwickelt sich im Lauf der Zeit durch wiederholten Kontakt mit diesem Stoff: Es erfolgt eine sogenannte immunologische Sensibilisierung. Auslöser für eine Kontaktdermatitis können Nickelsulfat und Kobaltchlorid, Chromsalze, Duftstoffe und Aromastoffe in Kosmetika, Haarfärbemittel mit Phenylendiamin, Konservierungsmittel, Gummihilfsstoffe, Salbengrundlagen (Wollfett) und Gerbstoffe sein. Weitere mögliche Ursachen einer Kontaktallergie sind Epoxidharze (Lösungsmittel, Härter), Reinigungsmittel, Arzneimittel und Pflanzen (Ringelblumen, Arnika, Chrysanthemen).

Bei einer Kontaktallergie ist meistens Nickel das ursächliche Kontaktallergen. Vor allem Modeschmuck wie zum Beispiel Ohrringe oder Uhren enthalten es häufig und können so eine Nickelallergie auslösen. Auch in Kleidung und Kosmetikartikeln ist Nickelsulfat zu finden. Neben Nickelsulfat sind Duftstoffe aus Kerzen, Kosmetikartikeln und Nahrungsmitteln besonders häufige Ursachen für ein allergisches Kontaktekzem.

Kontaktallergien treten gehäuft in bestimmten Berufsgruppen auf: Durch den häufigen Kontakt mit bestimmten Stoffen entwickeln die Betroffenen eine Überempfindlichkeit gegen diese Stoffe. Zu den Menschen, die besonders oft eine Kontaktallergie haben, gehören:

 

  • Bäcker: Kontaktallergie gegen Mehl
  • Coiffeure: allergische Kontaktekzeme durch Shampoos, Haarsprays, Haartönungen und -färbungen
  • Maurer, Maler, Fliesenleger: Kontaktallergie gegen Cadmium und Chromate im Zement, Kleber aus Epoxid-Kunstharz, Farben
  • Maschinenpersonal: allergische Reaktionen auf Kühlschmierstoffe
  • Reinigungspersonal: Kontaktdermatitis durch Haushaltsreiniger

Vor allem Coiffeure und Reinigungspersonal haben oft eine Kontaktallergie: Ursache hierfür ist, dass bei ihnen der ständige Kontakt mit Wasser und Reinigungsmitteln den Fett- und Säureschutzmantel der Haut schädigt. Als Folge entstehen Risse in der Oberhaut, durch die allergieauslösende Stoffe leichter eindringen und ein allergisches Kontaktekzem verursachen können.

Doch nicht für jedes Kontaktekzem kommen als Ursachen allergische Reaktionen infrage: Bei Berührung einer Brennnessel oder einer Nesselqualle beispielsweise entsteht bei jedem Menschen eine direkte Hautreizung mit Ausschlag oder Ekzem. In diesem Fall reagiert die Haut jedoch auf die giftig oder ätzend wirkenden Reizstoffe. Die Reaktion tritt sofort beim ersten Kontakt auf. Bei einer Kontaktallergie hingegen entwickelt sich die Überempfindlichkeit erst nach wiederholtem Kontakt – und die Hautreaktion tritt verzögert ein (allergische Reaktion vom Spättyp).

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4. Symptome

Eine Kontaktallergie (Kontaktdermatitis, allergisches Kontaktekzem) äussert sich durch vielfältige Symptome. Durch intensiven Kontakt mit dem auslösenden Stoff (Allergen) tritt die akute Kontaktallergie auf. Dabei entsteht eine meist unscharf begrenzte, stark ausgeprägte Rötung der Haut mit Bläschenbildung. Häufiges Anzeichen der Kontaktdermatitis ist ein starker Juckreiz (Pruritus), der zu zusätzlichen Schäden durch Aufkratzen der Haut führen kann.

Wirkt eine geringere Menge des auslösenden Stoffs über eine längere Zeit auf die Haut, entsteht eine subakute Kontaktallergie. Diese äussert sich durch eine juckende und nässende Rötung. Daneben kann ein gröberes Hautbild mit Hautschuppung entstehen. Typischerweise zeigen sich die Symptome der Kontaktallergie auf der Hautstelle, die mit dem allergieauslösenden Stoff in Kontakt kam (z.B. Hände, Gesicht, Dekolleté).

Bei ständigem Kontakt mit einer geringen Menge des auslösenden Stoffs entsteht eine chronische Kontaktallergie. Diese ist durch ein trockenes allergisches Kontaktekzem mit einem ausgeprägt groben Hautbild und starker Hautschuppung gekennzeichnet. Das Ekzem kann sich dabei auch weit über den Bereich ausbreiten, der in direktem Kontakt zu dem auslösenden Stoff stand: Dann treten die Hautveränderungen zusätzlich an ganz anderen Körperstellen auf. Nur in sehr seltenen Fällen reagieren auch die Schleimhäute allergisch. Ebenso selten können bei einer Kontaktallergie Asthmaanfälle auftreten.

Ein allergisches Kontaktekzem ist im Normalfall scharf begrenzt. Stäube (Zement, Holz, trockene Pflanzenteile) oder Duftstoffe (Sprays, Dämpfe, Parfüm), die allergieauslösende Stoffe enthalten, können bei einer Kontaktallergie jedoch vor allem im Gesicht verstreute Ekzeme hervorrufen.

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5. Diagnose

Bei Verdacht auf eine Kontaktallergie (Kontaktdermatitis, allergisches Kontaktekzem) sind für die Diagnose Informationen zur Krankheitsgeschichte und zu den Lebensgewohnheiten der Betroffenen wichtig (Anamnese). Wichtig ist dabei zum Beispiel die Frage, mit welchen allergieauslösenden Stoffen (Allergenen) Menschen mit Hautreaktionen möglicherweise im beruflichen oder privaten Umfeld in Berührung kommen. Darüber hinaus prüft der Arzt anhand der vorliegenden Symptome, ob es sich um eine Kontaktallergie handeln könnte.

Das wichtigste Verfahren zur Diagnose einer Kontaktallergie ist der Epikutan-Test. Dieser Test besteht darin, Pflaster mit einer Testsubstanz zu beträufeln, die einen möglichen auslösenden Stoff enthält, und sie anschliessend auf Rücken oder Oberarm zu kleben. In der Regel testet man dabei gleichzeitig die Reaktion auf mehrere Stoffe. Nach 48 und 72 Stunden lässt sich überprüfen, ob und in welchem Ausmass es zu allergischen Hautreaktionen kam. Der Epikutan-Test erfolgt erst dann, wenn das Kontaktekzem vollständig abgeheilt ist.

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6. Therapie

Bei einer Kontaktallergie (Kontaktdermatitis, allergisches Kontaktekzem) besteht die wichtigste Grundlage der Therapie darin, die allergieauslösenden Stoffe (Kontaktallergene) zu meiden.

Sind bereits Symptome einer Kontaktallergie aufgetreten, erfolgt dagegen in erster Linie eine äusserliche Behandlung. Dazu kommen Glukokortikoide wie zum Beispiel Hydrokortison oder Antihistaminika in Form von Salben oder Cremes zum Einsatz. Diese sorgen dafür, dass der für ein allergisches Kontaktekzem typische Juckreiz schnell verschwindet und die Haut abheilt. Eine akute Kontaktdermatitis können Sie durch Kühlen sowie durch feuchte Umschläge lindern.

Haben Sie infolge einer Kontaktallergie chronische Ekzeme gebildet, ist eine zusätzliche Pflege der Haut nötig, um die gestörte Barrierefunktion wiederherzustellen. Dazu sind spezielle Hautpflegemittel verfügbar. Auch eine UV-Therapie kann Ihnen in diesem Fall weiterhelfen.

Um gegen die Ursachen einer Kontaktallergie – die Überempfindlichkeit gegenüber einem bestimmten Stoff – vorzugehen, ist zur Therapie eine sogenannte Hyposensibilisierung geeignet.

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7. Verlauf

Die Kontaktallergie (Kontaktdermatitis, allergisches Kontaktekzem) zeigt – verglichen mit anderen Allergietypen – einen verzögerten Verlauf, da sie zu den Allergien vom Typ IV gehört: Die Überempfindlichkeitsreaktion tritt bei Kontaktallergien frühestens 12 Stunden nach Kontakt mit dem auslösenden Stoff auf, meist erst 24 Stunden danach. Manchmal vergehen auch bis zu 72 Stunden, bevor die allergische Reaktion zu sehen ist. Die Prognose ist dabei günstig: In der Regel lässt sich eine Kontaktdermatitis gut behandeln und schnell zum Abklingen bringen. Ein allergisches Kontaktekzem heilt dann meist wieder vollständig ab, ohne Spuren auf der Haut zu hinterlassen.

In seltenen Fällen kann sich infolge einer Kontaktallergie ein chronisches Ekzem bilden. Dieses macht eine fortwährende Behandlung (spezielle Hautpflege, UV-Therapie) notwendig.

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8. Vorbeugen

Einer Kontaktallergie (Kontaktdermatitis, allergisches Kontaktekzem) können empfindliche Menschen und solche mit bekannter Kontaktallergie vorbeugen, indem sie:

 

  • den Kontakt mit dem auslösenden Stoff (Allergen) konsequent vermeiden (dies kann einen Arbeitsplatzwechsel oder den Verzicht auf ein bestimmtes Hobby bedeuten),
  • individuelle Schutzmassnahmen ergreifen (z.B. Schutzhandschuhe, Hautschutzschaum oder Hautschutzsalben einsetzen), die einen direkten Kontakt mit einem auslösenden Stoff verhindern,
  • zur Hautpflege seifenfreie Waschlösungen (pH-Wert zwischen 5 und 6,5) und rückfettende Bäder verwenden,
  • nach jedem Waschvorgang den Schutzmantel der Haut durch entsprechende Pflegemassnahmen (rückfettende Öle, Salben usw.) wiederherstellen,
  • Reinigungsmittel sparsam verwenden,
  • möglichst auf Desinfektionsmittel, Weichspüler und unnötige Duftstoffe verzichten.
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