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  4. Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur)

Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Der Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) ist eine häufige Sportverletzung (z.B. beim Fussball oder Skifahren) – dabei ist ein Kreuzband im Kniegelenk angerissen oder sogar vollständig gerissen. Die Folge: Das Knie ist instabil und der Gang insgesamt unsicher.

Die beiden Kreuzbänder – ein vorderes und ein hinteres Kreuzband – verbinden im Kniegelenk den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Schienbein (Tibia). Kommt es zur Kreuzbandruptur, ist dies im Knie deutlich spürbar und auch als knackendes Geräusch zu hören. Als nächste Symptome für den Kreuzbandriss entstehen Schmerzen im Knie und das Knie schwillt an. Oft bildet sich auch ein Gelenkerguss. Das Knie ist durch den Kreuzbandriss instabil, was sich durch folgende Symptome zeigen kann:

  • Gangunsicherheit, spontanes Wegknicken im Gelenk
  • Gefühl, dass sich der Oberschenkel gegen den Unterschenkel verschiebt

Ausserdem kann eine Kreuzbandruptur zu einem Leistungsverlust (der verzögert auftreten kann) und einer Streck- und Beugehemmung des Kniegelenks führen. Kreuzbandrisse sind meist Teil einer umfassenderen Knieverletzung, können aber auch isoliert auftreten. Dabei ist ein vorderer Kreuzbandriss wesentlich häufiger ist als ein hinterer Kreuzbandriss.

Wie die gegen einen Kreuzbandriss eingesetzte Behandlung aussieht, hängt unter anderem davon ab, ob die Betroffenen sportlich aktiv sind, ob weitere Strukturen im Knie ausser dem Kreuzband verletzt sind und welches (vorderes oder hinteres Kreuzband) gerissen ist. Neben einer konservativen Behandlung mit Muskelaufbau und Kältetherapie kommt nach einem Kreuzbandriss vor allem für Menschen eine Operation zur Therapie infrage, die aktiv Sport treiben und eine vordere Kreuzbandruptur haben: Hierbei erhalten die Betroffenen eine intakte Sehne als Transplantat, um das gerissene Band zu ersetzen. Nach einem Zeitraum von bis zu 16 Wochen nach der Operation ist meist wieder die volle Leistungsfähigkeit erreicht.

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2. Definition

Ein Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) ist eine Unterbrechung eines Kreuzbands durch Krafteinwirkung auf das Kniegelenk: Kreuzbandrisse entstehen häufig als Sportverletzung bei Sportarten wie Fussball oder Skifahren. Dabei kann das betroffene Kreuzband vollständig gerissen oder nur angerissen sein. Ein Kreuzbandriss kann isoliert auftreten, ist jedoch oft Teil einer umfassenderen Knieverletzung.

Kreuzbänder

Ein Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) kann an verschiedenen Stellen auftreten: In jedem Kniegelenk befinden sich innerhalb der Gelenkkapsel zwei Kreuzbänder – ein hinteres und ein vorderes Kreuzband. Ein hinterer Kreuzbandriss ist allerdings wesentlich seltener als ein vorderer Kreuzbandriss.

Bei einem Kreuzbandriss ist das betroffene Knie instabil, denn: Die intakten Kreuzbänder verbinden im Knie den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Schienbein (Tibia) und sind massgeblich an der richtigen Bewegung des Kniegelenks beteiligt. Sie verhindern, dass die Oberschenkelgelenkflächen von den flachen Gelenkpfannen des Schienbeins abgleiten, und sorgen für den Zusammenhalt des Gelenkkörpers.

3. Ursachen

Einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) liegen als Ursachen Krafteinwirkungen auf das Kniegelenk zugrunde, z.B. durch übermässige Streckung, Beugung oder Verdrehung des Kniegelenks:

  • Ein vorderer Kreuzbandriss entsteht oft ohne äussere Einwirkungen – zum Beispiel wenn man das Kniegelenk bei angespannten Oberschenkelmuskeln überstreckt oder gewaltsam beugt. Häufig tritt die vordere Kreuzbandruptur bei Sportarten wie Fussball oder Skifahren auf, wenn sich das Bein bei angespannten Muskeln und Bändern verdreht.
  • Ein hinterer Kreuzbandriss kann seine Ursache darin haben, dass eine direkte äussere Gewalt auf das gebeugte Knie einwirkt (z.B. durch einen Aufprall bei einem Verkehrsunfall) oder dass man das Gelenk gewaltsam überstreckt. Das hintere Kreuzband reisst wesentlich seltener als das vordere.

Jedes Kreuzband kann isoliert reissen. Häufiger hat ein Kreuzbandriss seine Ursachen aber in einer umfassenderen Knieverletzung, bei der weitere Strukturen im Kniegelenk in Mitleidenschaft gezogen sind: So ist zum Beispiel bei einer vorderen Kreuzbandruptur in vielen Fällen zusätzlich der Innenmeniskus oder das Innenband betroffen. Sind vorderes Kreuzband, Innenband und Innenmeniskus im Knie gleichzeitig verletzt, liegt eine sogenannte Unhappy Triade vor. Und eine vollständige Verrenkung (Luxation) des Kniegelenks führt meist zu einer Ruptur beider Kreuzbänder, wobei auch die restlichen Bänder der Kniegelenkkapsel gerissen sein können.

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4. Symptome

Ein Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) verursacht zunächst folgende Symptome:

  • Der Kreuzbandriss selbst – also der Moment, in dem das Band reisst – ist deutlich zu spüren, gleichzeitig ist ein knackendes Geräusch zu hören.
  • Direkt nach dem Kreuzbandriss entstehen als erste Symptome eine Schwellung sowie Schmerzen im Knie.
  • In manchen Fällen entwickelt sich ein schnell nachlaufender, blutiger Erguss im Gelenk. Dieses Symptom kann aber auch verzögert auftreten.

Normalerweise stabilisieren die Kreuzbänder das Knie und sind entscheidend für die richtige Bewegung des Kniegelenks. Bei einem Kreuzbandriss ist das betroffene Knie entsprechend instabil. Weitere typische Symptome für einen Kreuzbandriss sind daher:

  • das Gefühl, dass sich der Oberschenkel gegen den Unterschenkel verschiebt,
  • eine ausgeprägte Gangunsicherheit und ein spontanes Wegknicken im Gelenk,
  • ein Leistungsverlust (dieses Anzeichen tritt manchmal verzögert auf) und
  • eine Streck- und Beugehemmung oder Pseudoblockade im Gelenk.

Die bei einem Kreuzbandriss auftretenden Symptome hängen teils davon ab, welches Kreuzband betroffen ist: Kennzeichnend für eine hintere Kreuzbandruptur ist, dass sich das Schienbein gegenüber dem Oberschenkel nach hinten verschieben lässt (sog. hinteres Schubladen-Zeichen). Bei einem vorderen Kreuzbandriss kann man es hingegen nach vorne verschieben (sog. vorderes Schubladen-Zeichen).

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5. Diagnose

Bei einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) kann der Arzt die Diagnose äusserlich anhand folgender Kniebeschwerden stellen: Knieschwellung, Gelenkerguss und eingeschränkter Bewegungsumfang. Der Gang ist unsicher, die Gelenke knicken weg und das Knie ist instabil, was verschiedene Bewegungstests zeigen können.

So zeigt zum Beispiel das sogenannte Schubladen-Zeichen, ob eine vordere oder hintere Kreuzbandruptur vorliegt: Wenn es möglich ist, das Schienbein gegenüber dem Oberschenkel nach hinten zu verschieben (= hinteres Schubladen-Zeichen), ist das hintere Kreuzband gerissen. Lässt sich das Schienbein hingegen nach vorne verschieben (= vorderes Schubladen-Zeichen), liegt ein vorderer Kreuzbandriss vor. In der akuten Phase kann ein Kreuzbandriss allerdings so starke Schmerzen verursachen, dass die Diagnose mithilfe solcher Tests erschwert ist.

Zur weiteren Diagnose kommt bei einem Kreuzbandriss eine Röntgenuntersuchung des Knies zum Einsatz: Anhand von Röntgenaufnahmen kann der Arzt vor allem Frakturen ausschliessen, das gerissene Kreuzband selbst ist so jedoch nicht darstellbar. Bei einer vorderen Kreuzbandruptur ist nur in Einzelfällen (v.a. bei Kindern) der knöcherne Ansatzpunkt des Kreuzbands ausgerissen, was dann im Röntgenbild zu sehen ist. Um den Kreuzbandriss selbst nachzuweisen, ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) geeignet. Mögliche Begleitverletzungen kann man bei dieser Untersuchung ebenfalls diagnostizieren.

Eine Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) kommt bei einem Kreuzbandriss selten nur zur Diagnose zum Einsatz, sondern erfolgt in der Regel zusammen mit einer gleichzeitigen Behandlung.

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6. Therapie

Bei einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) zielt die Therapie darauf ab,

  • das Gelenk zu stabilisieren,
  • Schwellungen und Schmerzen im Knie zu verringern,
  • die Berufs- und Sportfähigkeit wiederherzustellen,
  • die Lebensqualität zu steigern.

Als Erstversorgung direkt nach dem Kreuzbandriss ist es ratsam, dass Sie das Bein schonen und hoch lagern und das Knie kühlen. Gegen die Schmerzen helfen verschiedene Schmerzmittel, kortisonfreie Entzündungshemmer, direkt per Spritze in das Gelenk verabreichte Kortisonpräparate und SYSADOA (Symptomatic Slow Acting Drugs in Osteoarthritis). Aus welchen Massnahmen die anschliessende Therapie besteht, hängt von verschiedenen Faktoren ab – zum Beispiel davon, wie alt Sie sind, ob Sie sportlich aktiv sind und ob Ihr vorderes oder Ihr hinteres Kreuzband gerissen ist.

Konservative Therapie

Wenn das Ausmass der Knieverletzung es erlaubt, können nach einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) konservative (d.h. nicht-operative) Massnahmen zu Therapie ausreichen: Die rein konservative Therapie kommt zum Beispiel dann infrage, wenn Sie sportlich nicht aktiv sind oder eine Operation aus Altersgründen nicht ratsam ist. Ausserdem ist allgemein bei einem hinteren Kreuzbandriss die konservative Behandlung gebräuchlicher als bei vorderen Kreuzbandrupturen. Wenn Ihr hinteres Kreuzband gerissen ist oder wenn Sie körperlich wenig aktiv sind, können Sie durch gezieltes und konsequentes Aufbautraining der Oberschenkelmuskulatur nach dem Kreuzbandriss eine so gute Führung und Stabilität des Kniegelenks erreichen, dass die Knieverletzung ohne Operation zu handhaben ist.

Die gegen einen Kreuzbandriss eingesetzte konservative Therapie beginnt sofort nach dem ursächlichen Unfall. Neben dem Muskelaufbau umfasst die Behandlung eine Kältetherapie. Um das Kniegelenk während der Heilung zu entlasten, können Sie bei Bedarf Unterarmgehstützen und Knieschienen verwenden, bis Sie keine Schmerzen mehr haben. Es ist jedoch wichtig, dass Sie – sobald es möglich ist – das betroffene Knie beim Gehen wieder normal belasten. Zusätzlich ist bei einer Kreuzbandruptur eine Physiotherapie ratsam, unterstützend kann auch eine Ultraschalltherapie hinzukommen.

Operation

Bei einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) besteht die Therapie meist in einer Operation, wenn Sie körperlich aktiv sind und Ihr vorderes Kreuzband gerissen ist. Ist Ihr hinteres Kreuzband gerissen, erfolgt eine Operation meist erst dann, wenn die konservative Behandlung versagt hat und Ihr Knie fortdauernd instabil bleibt.

Wenn Ihr Kreuzbandriss eine operative Therapie notwendig macht, kann die Operation sofort (innerhalb der ersten Stunden nach dem Unfall) oder später (nach Abklingen der Entzündungsphase, wenn Sie das Knie wieder ganz strecken und einigermassen beugen können) erfolgen. In den meisten Fällen findet die Operation zwei bis vier Wochen nach dem Kreuzbandriss statt. Nachteile einer operativen Behandlung der Kreuzbandruptur sind die lange Dauer der Reha und der Arbeitsunfähigkeit (etwa 16 Wochen) nach dem Kreuzbandriss.

Da es nicht den nötigen Erfolg verspricht, den Kreuzbandriss zu nähen, besteht die Therapie in der Regel darin, das gerissene Kreuzband im Knie durch ein Transplantat zu ersetzen. Zur Operation sind nur kleine Schnitte nötig: Der Operateur bringt das Sehnentransplantat mithilfe einer Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie) im Verlauf des Kreuzbands über Bohrkanäle im Oberschenkelknochen und Schienbein an und befestigt es dort (z.B. mit Schrauben).

Als Sehnentransplantat eignet sich besonders ein Teil der Sehne zwischen Kniescheibe und Schienbein (Patellasehne) für die operative Therapie nach einem Kreuzbandriss. Daneben kommen auch häufig die Semitendinosussehne (vom Oberschenkel) oder selten Spendersehnen zum Einsatz. Der Vorteil bei der Semitendinosussehne besteht vor allem darin, dass die Entnahmestelle weniger schmerzhaft verheilt als die der Patellasehne. Kommt ein Transplantat zum Einsatz, entfallen diese Schmerzen aufgrund der fehlenden Entnahme ganz, allerdings kann es hier zu Abstossungsreaktionen kommen.

Bei einem vorderen Kreuzbandriss erzielt die operative Therapie in der Regel erfreuliche Ergebnisse: Die Chancen, dass Sie anschliessend wieder uneingeschränkt Sport treiben können, stehen gut. Bei der hinteren Kreuzbandruptur sind die Erfolgsaussichten der Kreuzbandrekonstuktion zwar geringer, dennoch ist das Knie nach der Operation meist wieder ausreichende stabil.

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Nachbehandlung

Bei einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) ist im Anschluss an die operative Therapie eine Nachbehandlung erforderlich, um den Behandlungserfolg zu gewährleisten: Da Sie nach der Operation das vom Kreuzbandriss betroffene Kniegelenk nicht sofort vollständig belasten dürfen, legt der Arzt Ihnen eine spezielle Schiene an. Diese Knieschiene müssen Sie – je nach Stabilität des Kreuzbandersatzes – sechs bis zwölf Wochen tragen. Begleitend dazu erfolgt eine Krankengymnastik nach operativ behandeltem Kreuzbandriss, bei der Sie vor allem die Oberschenkelmuskulatur trainieren und das Knie schrittweise immer häufiger und mehr belasten.

7. Verlauf

Bei einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) hängt der Verlauf von verschiedenen Faktoren wie dem Alter und der sportlichen Aktivität der Betroffenen sowie von der eingesetzten Therapie ab.

Prognose

Ein konsequent behandelter Kreuzbandriss nimmt meist einen guten Verlauf. Allerdings ist es für die Prognose sowohl bei operativer als auch bei konservativer Therapie der Kreuzbandruptur wichtig, ausdauernd die Beinmuskulatur zu trainieren, um einem verfrühten Gelenkverschleiss (Arthrose) vorzubeugen.

Die Prognose der Kreuzbandoperation ist auf lange Sicht günstig. Nach einem Verlauf von 12 bis 16 Wochen ist meist die volle körperliche Leistungsfähigkeit wieder erreicht und auch später nicht eingeschränkt. Ohne Behandlung kann ein Kreuzbandriss auf Dauer zu einem Meniskus- und Knorpelschaden im Gelenk führen.

Komplikationen

Die gegen einen Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) eingesetzte Operation führt in ihrem Verlauf selten zu allgemeinen operativen Komplikationen wie Blutungen, Gelenkinfektionen, Thrombosen, Nervenverletzungen und Gefässverletzungen.

Auch postoperative Komplikationen sind bei einem Kreuzbandriss selten: Die meisten Menschen vertragen das im Verlauf der Operation eingesetzte Transplantat, das ihr gerissenes Kreuzband im Knie ersetzen soll, sehr gut, wenn es aus körpereigenem Gewebe (Sehne) besteht – die Heilung verläuft dann problemlos. In Einzelfällen kann es nach der Kreuzbandoperation zu Bewegungseinschränkungen, einer Lockerung des Transplantats, einem Meniskusschaden oder einem Bruch der Kniescheibe kommen. Doch nur in Ausnahmefällen ist das Kniegelenk nach einer operativ behandelten Kreuzbandruptur bleibend oder zunehmend instabil.

8. Vorbeugen

Einem Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) können Sie bedingt vorbeugen, indem Sie Ihre Muskulatur jedes Mal, bevor Sie Sport treiben, gut aufwärmen. Ausserdem sind eine Sprungschulung und Lauftraining hilfreich, um Ihre Koordinationsfähigkeit zu verbessern und Ihr Verletzungsrisiko zu mindern. Auch durch gut trainierte Beinmuskeln, eine optimale Sportausrüstung und ein vorsichtiges sportliches Verhalten können Sie sich vor einem Kreuzbandriss schützen.

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