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1. Überblick

Wer kurzsichtig (myop) ist und keine Sehhilfe trägt, kneift beim Blick in die Ferne häufig seine Augenlider zusammen und blinzelt, weil dies die Bildschärfe verbessert. Daher bezeichnet man die Kurzsichtigkeit auch als Myopie: «Myops» kommt aus dem Griechischen und bedeutet «Blinzelgesicht».

Kurzsichtigkeit ist eine Sehstörung, die durch unscharfes Sehen in der Ferne gekennzeichnet ist: Der Fernpunkt des Auges liegt bei Kurzsichtigen nicht im Unendlichen wie bei Normalsichtigen, sondern nahe am Auge – bei einer Kurzsichtigkeit von -2,0 Dioptrien zum Beispiel in 50 Zentimetern Abstand, bei einer Myopie von -10,0 Dioptrien in zehn Zentimetern Abstand.

Kurzsichtigkeit kann verschiedene Ursachen haben:

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  • Am häufigsten ist die Achsenmyopie, der ein zu langer Augapfel zugrunde liegt. Die Ursache hierfür ist meist Vererbung, aber auch bei einer Frühgeburt ist das Risiko erhöht. Die Kurzsichtigkeit entwickelt sich vor allem in den ersten drei Lebensjahrzehnten, wobei sich das Auge nach und nach übermässig verlängert.
  • Seltener ist die Brechungsmyopie, die durch eine zu hohe Brechkraft der Hornhaut oder Linse entsteht: Dies ist der Fall, wenn Hornhaut oder Linse vermehrt gekrümmt sind beziehungsweise wenn der Linsenkern trüb ist (für Letzteres kann z.B. ein grauer Star verantwortlich sein).

Bei einer beginnenden Kurzsichtigkeit bemerken die Betroffenen die ersten Symptome vor allem nachts, aber nur beim Sehen in die Ferne: In der Nähe sehen kurzsichtige Menschen auch ohne Korrektur der Fehlsichtigkeit ausgezeichnet (oft sogar besser als Normalsichtige, wenn nicht gleichzeitig ihre Makula verändert ist). Ob die Sehprobleme durch eine Kurzsichtigkeit bedingt sind, kann der Augenarzt durch einen einfachen Test (Sehtest) feststellen.

In erster Linie kommen eine Brille oder Kontaktlinsen zum Einsatz, um eine Kurzsichtigkeit zu korrigieren. Neben diesen Sehhilfen besteht auch die Möglichkeit, die Kurzsichtigkeit durch eine Augenoperation (z.B. mit einem Laser) zu verbessern: Manche Betroffene entscheiden sich vor allem aus kosmetischen Gründen, ihre Augen lasern zu lassen. Aus medizinischen Gründen erfolgt eine operative Korrektur der Myopie eher selten.

Da bei einer Kurzsichtigkeit das Risiko einer Netzhautablösung erhöht ist und Kontaktlinsen die Hornhaut schädigen können, ist es für alle Betroffenen ratsam, die Augen regelmässig vom Augenarzt kontrollieren zu lassen.

2. Definition

Der Begriff Kurzsichtigkeit – auch Myopie genannt – bezeichnet per Definition eine Fehlsichtigkeit, bei welcher der Brennpunkt parallel einfallender Lichtstrahlen vor der Netzhaut liegt, so dass ein unscharfes Bild entsteht. Nur die Strahlen von nahe gelegenen Objekten vereinigen sich im kurzsichtigen Auge auf der Netzhaut und ergeben so ein scharfes Bild.

Man unterscheidet zwei Formen von Kurzsichtigkeit, die sich in der Entstehung des Sehfehlers unterscheiden:

  • Achsenmyopie: Das Auge ist von der Hornhaut bis zur Netzhaut (= Augenachsenlänge) im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu lang.
  • Brechungsmyopie: Die Brechkraft der Hornhaut oder der Linse ist zu hoch.


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Bei einer Kurzsichtigkeit liegt der Fernpunkt des Auges nicht im Unendlichen wie bei einem Normalsichtigen, sondern nahe am Auge (bei einer Kurzsichtigkeit von -2,0 Dioptrien zum Beispiel in 50 Zentimetern Abstand, bei einer Kurzsichtigkeit von -10,0 Dioptrien in zehn Zentimetern Abstand). Kurzsichtigkeit hat also eine unscharfe Abbildung von in der Ferne liegenden Gegenständen auf der Netzhaut zur Folge. Dabei entstehen sogenannte Zerstreuungskreise. Kurzsichtige können diese Zerstreuungsphänomene verringern (und somit die Bildschärfe verbessern), indem sie die Lider stark zusammenkneifen und blinzeln. Ein solches Blinzeln ist bei Kurzsichtigen häufig zu beobachten. Daher leitet sich auch die Bezeichnung Myopie ab: Der Begriff Myops kommt aus dem Griechischen und bedeutet Blinzelgesicht.

3. Ursachen

Bei der Kurzsichtigkeit (Myopie) sind je nach Ursachen grundsätzlich zwei Formen der Fehlsichtigkeit zu unterscheiden: die sogenannte Brechungsmyopie bei normaler Augenlänge, aber zu starker Brechkraft, und die sogenannte Achsenmyopie bei normaler Brechkraft, aber zu langer Augenachse.

  • Eine Achsenmyopie ist wesentlich häufiger als eine Brechungsmyopie. Diese Form der Kurzsichtigkeit hat oft erbliche Ursachen. Ausserdem ist sie bei Frühgeburten deutlich häufiger anzutreffen als bei Normalgeburten. Die Achsenmyopie entwickelt sich vor allem in den ersten drei Lebensjahrzehnten. Dabei verlängert sich das Auge allmählich übermässig. Ob äussere Einflüsse, wie beispielsweise intensive Arbeit im nahen Augenbereich oder viel Lesen (vor allem bei schlechtem Licht), als Grund für die Myopie eine Rolle spielen, ist umstritten. Eine schlechte Bildqualität auf der Netzhaut kann jedoch (zumindest beim noch im Wachstum befindlichen Augapfel) die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit fördern.
  • Für eine Brechungsmyopie kommen als Ursachen eine vermehrte Krümmung der Hornhaut oder der Linse und auch eine erhöhte Brechzahl der Linse infrage, wenn der Linsenkern getrübt ist: Ein grauer Star beziehungsweise ein Katarakt führt zu einer durch die Linse verursachten Kurzsichtigkeit (sog. Linsenmyopie).

4. Symptome

Eine Kurzsichtigkeit (Myopie) äussert sich nur beim Sehen in der Ferne durch Symptome einer Fehlsichtigkeit. In der Nähe sehen kurzsichtige Menschen auch ohne Korrektur ausgezeichnet – oft sogar besser als Normalsichtige, sofern nicht zusätzlich Veränderungen an der Makula (Gelber Fleck) vorliegen. Erstes Anzeichen einer beginnenden Kurzsichtigkeit ist häufig schlechtes Sehen in der Ferne bei Nacht, zum Beispiel beim Autofahren.

In der Regel gelingt es bei Kurzsichtigkeit, diese Symptome zum Beispiel durch eine Brille oder Kontaktlinsen zu verbessern oder ganz abzustellen. Wer sehr stark kurzsichtig ist, bei dem kann es jedoch zu Verdünnungen und Veränderungen an der Netzhaut und im Bereich der Makula kommen. In einem solchen Fall ist die Sehschärfe auch mit bester Korrektur der Myopie deutlich herabgesetzt.

Bei einer Kurzsichtigkeit können neben der verringerten Sehschärfe weitere Symptome auftreten – je nachdem, welche Form der Myopie vorliegt: Bei der durch einen zu langen Augapfel bedingten Achsenmyopie, wächst das Auge zwar in seiner Länge übermässig, doch der Glaskörper im Auge kann nicht mitwachsen. Daher verflüssigt sich der Glaskörper schneller als normal. Die Betroffenen nehmen diese störenden, aber harmlosen Glaskörperveränderungen als sogenannte fliegende Mücken wahr.

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5. Diagnose

Bei der Kurzsichtigkeit (Myopie) erfolgt die Diagnose mit einem Sehtest, bei dem sich die Sehschärfe ermitteln lässt. Die Stärke der Kurzsichtigkeit kann der Augenarzt durch eine sogenannte Refraktionsmessung bestimmen, bei der er die Brechkraft des Auges misst.

6. Therapie

Bei der Kurzsichtigkeit (Myopie) zielt die Therapie meist nicht darauf ab, die Sehschwäche im klassischen Sinn zu heilen. Ziel der Behandlung von Kurzsichtigkeit ist es, den zugrunde liegenden Brechungsfehler so zu korrigieren, dass der Brennpunkt parallel einfallender Lichtstrahlen nicht mehr vor, sondern auf der Netzhaut liegt und ein scharfes Bild entsteht.

Ein Augentraining als Therapie gegen Kurzsichtigkeit ist nicht erfolgversprechend und daher nicht zu empfehlen.

Brille oder Kontaktlinsen

Kurzsichtigkeit (Myopie) kann man durch Zerstreuungslinsen (Linsen mit negativer Brechkraft) ausgleichen, wobei eine Brille oder Kontaktlinsen zum Einsatz kommen können. Wenn Sie stark kurzsichtig sind und entsprechend starke Brillengläser benötigen, verkleinert eine Brille das Bild auf der Netzhaut. Kontaktlinsen bieten den Vorteil, dass die optische Abbildung exakter ist, die Linsen das Bild dabei weniger stark verkleinern und Ihr Gesichtsfeld in geringerem Mass einschränken als eine Brille.

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Bei Kurzsichtigkeit stehen zur Korrektur grundsätzlich harte und weiche Kontaktlinsen zur Verfügung. Harte Kontaktlinsen sind für das Auge besser, obwohl sie einer längeren Eingewöhnungszeit bedürfen und zunächst ein Fremdkörpergefühl verursachen können. Anders als eine Brille beeinträchtigt allerdings jede Kontaktlinse den Hornhautstoffwechsel, was die Hornhaut unumkehrbar schädigen kann. Daher ist es sehr wichtig, dass Kontaktlinsenträger Tragepausen einlegen (z.B. nachts) und die Hornhaut regelmässig durch den Augenarzt kontrollieren lassen. Ausserdem ist sorgfältige Hygiene im Umgang mit Kontaktlinsen besonders wichtig, da verunreinigte Linsen eine ständige Infektionsgefahr darstellen.

Eine Alternative zur üblichen Korrektur der Kurzsichtigkeit mit Kontaktlinsen ist die sogenannte Orthokeratologie: ein Verfahren, bei dem spezielle nachts getragene, formstabile und hoch-sauerstoffdurchlässige Kontaktlinsen (OK-Linsen, Nachtlinsen) die Form der Hornhaut vorübergehend abflachen. Die Wirkung hält eine Weile an, so dass die Kurzsichtigkeit tagsüber ausgeglichen ist. OK-Linsen sind alternativ zu herkömmlichen Kontaktlinsen vor allem dann für Sie geeignet, wenn Sie beispielsweise tagsüber berufsbedingt einer hohen Staubentwicklung ausgesetzt sind. Diese Methode ist allerdings nur möglich, wenn Sie nicht allzu kurzsichtig sind (d.h. bei einer Myopie bis etwa -4,5 Dioptrien), und erfolgt am besten unter strenger augenärztlicher Kontrolle.

Augenoperation

Bei Kurzsichtigkeit (Myopie) kommen zur Therapie zunehmend eine Augenoperation mit dem Laser (Augenlaser-Operationen, Lasik) oder andere Verfahren zum Einsatz. All diese Eingriffe sind jedoch meistens kosmetischer Natur, da dann zum Beispiel keine Brille mehr nötig ist.

Aus medizinischen Gründen erfolgt eine Augenoperation zur Therapie einer Kurzsichtigkeit eher selten. Jeder operative Eingriff, auch durch Lasern, kann zu Komplikationen führen, durch die Sie im schlimmsten Fall ein Auge oder zumindest einen Teil ihrer Sehschärfe verlieren können. Ausserdem lässt sich vor allem dann, wenn die Augen stark kurzsichtig sind, die angestrebte Normalsichtigkeit nicht immer genau berechnen.

Grundsätzlich ist es wie folgt möglich, eine Kurzsichtigkeit bei einer Augenoperation zu beheben:

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  • durch Veränderung der Brechkraft der Hornhaut – entweder über radiäre Einschnitte, über Gewebeabtragung mit dem Laser oder mit einem in die Hornhaut eingesetzten Kunstoffring
  • durch Veränderung der Brechkraft der Linse – entweder durch Entfernen der Linse wie bei der Katarakt-Operation (einschliesslich aller möglichen Komplikationen) oder über eine vor die natürliche Linse eingesetzte künstliche Linse (mit einer Brechkraft, welche die Myopie entsprechend korrigiert)

7. Verlauf

Kurzsichtigkeit (Myopie) nimmt typischerweise einen fortschreitenden Verlauf, der aber meist jenseits des 30. Lebensjahrs ganz zum Erliegen kommt – oder die Zunahme der Kurzsichtigkeit verläuft nur noch sehr langsam. Eine sehr starke Kurzsichtigkeit kann sich allerdings auch im höheren Alter schnell und stetig verstärken.

Komplikationen

Eine Kurzsichtigkeit kann im weiteren Verlauf mit verschiedenen Komplikationen verbunden sein: Wenn der Augapfel sehr lang ist, kann es zu Verdünnungen und Veränderungen an der Netzhaut und im Bereich der Makula (Gelber Fleck) kommen:

  • Wenn Augen extrem kurzsichtig sind und auch Veränderungen im Bereich der Makula aufweisen, vermindert sich die Sehschärfe – teilweise sogar zunehmend. In einem solchen Fall ist die Sehschärfe auch mit bester Korrektur der Kurzsichtigkeit deutlich herabgesetzt.
  • Allgemein besteht bei einer Myopie ein höheres Risiko, dass sich die Netzhaut ablöst, was unbehandelt zur Erblindung führt. Eine Netzhautablösung lässt sich jedoch mit guter Prognose operativ beheben – wenn man sie früh genug entdeckt. Um diese Komplikationen zu vermeiden, ist es daher für Kurzsichtige ratsam, dass sie ihre Netzhaut regelmässig augenärztlich kontrollieren lassen und – unabhängig von diesen Kontrollterminen – bei den ersten Anzeichen einer sich ablösenden Netzhaut sofort einen Augenarzt aufsuchen.
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8. Vorbeugen

Einer Kurzsichtigkeit (Myopie) können Sie nicht vorbeugen. Dennoch ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen darauf zu achten, dass die Abbildungsqualität auf der Netzhaut möglichst optimal ist. Dies können Sie beispielsweise durch eine gute Beleuchtung beim Lesen oder Arbeiten erreichen.

Bei einer bestehenden Kurzsichtigkeit können Sie jedoch möglichen Komplikationen vorbeugen:

  • Wenn Sie wegen Ihrer Kurzsichtigkeit Kontaktlinsen tragen, können Sie einer Hornhautschädigung vorbeugen, indem Sie Tragepausen einlegen (z.B. nachts), die Hornhaut regelmässig durch den Augenarzt kontrollieren lassen und auf sorgfältige Hygiene im Umgang mit Kontaktlinsen achten.
  • Wenn Ihre Kurzsichtigkeit mit einem erhöhten Risiko für eine Netzhautablösung verbunden ist, die unbehandelt zur Erblindung führt, ist es ratsam, vorbeugend Ihre Netzhaut regelmässig augenärztlich kontrollieren zu lassen und – unabhängig von diesen Kontrollterminen – bei den ersten Anzeichen, dass sich die Netzhaut ablöst, sofort einen Augenarzt aufsuchen:
    • Oft gehen einer Netzhautablösung Ausdünnungen und Löcher in der Netzhaut voraus. In diesem Stadium ist manchmal noch eine Behandlung mit dem Laser ausreichend. Achten Sie daher unbedingt auf erste Symptome wie Lichtblitze oder schwarze Punkte beziehungsweise Russregen im Auge.
    • Ein deutliches Alarmzeichen der Netzhautablösung ist ein eingeschränktes Gesichtsfeld. Dies äussert sich beispielsweise als aufsteigende Mauer oder als Vorhang von oben oder von der Seite.
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