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1. Überblick

Unter Lebermetastasen versteht man Lebertumoren, die als Absiedlungen (Metastasen, Tochtergeschwulste) von anderen bösartigen Tumoren wie dem Darmkrebs entstanden sind. Die Krebszellen sind über die Blut- oder Lymphgefässe in die Leber gelangt, wo sie sich in Form einer Lebermetastase weiter vermehren.

Bei Krebserkrankungen der Leber handelt es sich nicht grundsätzlich um «echten» (primären) Leberkrebs. Häufig sind bösartige Tumoren in diesem Organ dadurch entstanden, dass ein Krebsherd im Körper in die Leber gestreut hat. Mediziner bezeichnen diesen Krebsbefall der Leber als «sekundären» Leberkrebs. Neben Darmkrebs können auch andere Tumoren des Magen-Darm-Trakts Tochtergeschwulste in der Leber bilden. Aber auch andere Krebserkrankungen wie Brustkrebs oder Lungenkrebs können zu Lebermetastasen führen. Wenn ein Tumor Metastasen gebildet hat, ist das ein Kriterium dafür, dass die Erkrankung ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat.

Lebermetastasen führen in der Regel erst spät zu Beschwerden. Durch die Grössenzunahme kann es zu Schmerzen (sog. Kapselschmerz) kommen. Allgemeine Symptome wie Gewichtsverlust sind typisch für Krebs und es lässt sich oft nicht eindeutig abgrenzen, ob die Lebermetastasen oder die Grunderkrankung dazu führen.

Die Diagnose erfolgt mittels bildgebender Verfahren wie Ultraschall, Computer- oder Kernspintomographie. In manchen Fällen entdeckt der behandelnde Arzt die Lebermetastasen früher als den zugrundeliegenden Krebs – zum Beispiel im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs. Dann gilt es, den Ursprungstumor rasch zu finden und die weitere Diagnostik und Therapie genau darauf abzustimmen. Manchmal gelingt es nicht, herauszufinden, welcher Krebs die Lebermetastasen hervorgerufen hat (sog. CUP-Syndrom)

Die Behandlung und die Prognose von Lebermetastasen hängen von der Anzahl und Grösse der Tochtergeschwulste, von der Art und Ausbreitung des Ursprungstumors sowie vom allgemeinen gesundheitlichen Zustand des Patienten ab. Infrage kommen zum Beispiel eine Operation oder Chemotherapie.

2. Definition

Lebermetastasen entstehen dann, wenn bösartige (maligne) Tumoren wie Darmkrebs in die Leber «streuen». Lebermetastasen sind also Absiedlungen (Tochtergeschwulste) von Tumoren, die sich in einem anderen Organ – also zum Beispiel im Darm – befinden.

Entsteht eine Krebsgeschwulst in der Leber direkt aus entarteten Leberzellen, handelt es sich nicht um eine Lebermetastase sondern um einen primären Leberkrebs – auch Leberkarzinom genannt.

3. Ursachen

Verschiedene Krebserkrankungen kommen bei Lebermetastasen als Ursachen infrage. Ein bösartiger Krebsherd an anderer Stelle im Körper, zum Beispiel im Darm, ist dann verantwortlich für diese auch «sekundärer Leberkrebs» genannten Tumoren.

Typische Merkmale für bösartige (maligne) Tumoren sind:

  • Ausbreitung auf andere Organe und Gewebe (sog. infiltratives Wachstum)
  • Bildung von Metastasen (Tochtergeschwulsten)

Entstehen die Metastasen in der Leber, spricht man von Lebermetastasen. Etwa 45 Prozent aller bösartigen Tumoren der Leber sind Lebermetastasen. In etwa zwei Dritteln der Fälle handelt es sich bei den Lebermetastasen-Ursachen um Tumoren aus dem Magen-Darm-Trakt wie:

 

  • Darmkrebs (Dickdarm- und Enddarmkrebs, kolorektale Karzinome)
  • Magenkrebs
  • Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)

Aber auch andere bösartige Tumoren wie:

 

  • Eierstockkrebs
  • Gebärmutterkrebs
  • Schilddrüsenkrebs
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)
  • Lungenkrebs
  • Brustkrebs (Mammakarzinom)
  • schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom)

können Metastasen in der Leber bilden.

4. Symptome

Lebermetastasen machen sich durch Symptome meist erst spät bemerkbar. Ausserdem sind die Frühsymptome relativ unspezifisch – das heisst, es handelt sich um Beschwerden, die auch im Rahmen anderer Erkrankungen vorkommen können. Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, starkes nächtliches Schwitzen und Übelkeit können Hinweise auf Lebermetastasen geben, aber auch durch die zugrundeliegende (primäre) Krebserkrankung verursacht sein.

Lebermetastasen äussern sich gelegentlich auch durch folgende Symptome: Druckschmerzen im rechten oder mittleren Oberbauch, Gelbsucht und eventuell auch Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall.

5. Diagnose

Stellt der Arzt Lebermetastasen im Rahmen der Diagnose einer Krebserkrankung fest, ist dies ein Zeichen dafür, dass der Krebs bereits fortgeschritten ist. Bei vielen bösartigen Tumoren treten erst im späten Stadium – wenn sich bereits Metastasen gebildet haben – erste typische Beschwerden auf. Deshalb sind Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig, um Krebs rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

Wer an einem bösartigen Tumor leidet, wird während der Behandlung, und anschliessend im Rahmen der Nachsorge, regelmässig untersucht. Wenn der Verdacht auf eine Beteiligung der Leber besteht, sind einige gezielte Untersuchungen ratsam. Dazu zählen Blutuntersuchungen, eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) und eine Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie der Leber.

Wenn der Ursprungstumor (Primärtumor) der Lebermetastasen nicht bekannt ist, sind für die Diagnose verschiedene Untersuchungen nötig. Der Arzt kann den Primärtumor zum Beispiel mittels Darmspiegelung (Koloskopie) finden, weil Darmkrebs die häufigste Ursache von Lebermetastasen ist. Ausserdem kann der Arzt aus dem Tumor in der Leber eine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen und untersuchen lassen.

In seltenen Fällen gelingt es nicht, den zugrundeliegenden Tumor zu finden. Mediziner sprechen dann von einem CUP-Syndrom. CUP steht für «cancer of unknown primary» – zu deutsch: Krebserkrankung mit unbekanntem Primärtumor.

6. Therapie

Die Lebermetastasen-Therapie hängt in erster Linie davon ab, ob nur einzelne (solitäre) Metastasen vorliegen, oder ob die Leber mit vielen (multiplen) Metastasen durchsetzt ist.

Es gibt verschiedene Therapieansätze: Eine kurative Therapie verfolgt das Ziel der Heilung, eine palliative Behandlung hingegen soll in erster Linie die Beschwerden mindern, die Lebensqualität des Betroffenen verbessern und die Überlebenszeit verlängern, wenn eine Heilung der Krebserkrankung nicht mehr möglich ist.

Operation

Bei einzelnen Lebermetastasen bietet die Operation eine Aussicht auf Heilung. Der Chirurg entfernt dazu die Lebermetastase vollständig aus dem Lebergewebe. Wenn sich Metastasen auf einzelne Lebersegmente beschränken, ist eine Teilentfernung der Leber (sog. Leberteilresektion) sinnvoll.

Chemotherapie

Die Medikamente, die bei einer Chemotherapie zur Behandlung einer Krebserkrankung eingesetzt werden, nennt man Zytostatika. Es handelt sich hierbei um Wirkstoffe, die das Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen stoppen. Zur palliativen Behandlung von Lebermetastasen, die das Lebergewebe verstreut durchziehen und sich deshalb nicht operativ entfernen lassen, steht die Chemotherapie im Vordergrund. Welches Schema am ehesten geeignet ist – das heisst, welche Zytostatika in welcher Dosis und welchem zeitlichen Abstand verabreicht werden sollen – richtet sich nach dem Ursprungstumor. Die Zytostatika gelangen als Infusion über die Vene in den Körper. In manchen Fällen können die Medikamente aber direkt in die Blutgefässe geleitet werden, welche die Leber versorgen. Sie entfalten ihre Wirkung dann nicht im ganzen Körper (systemisch) sondern vorwiegend im betroffenen Gebiet (regional).

Lokale Therapieverfahren

Zusätzlich oder alternativ zur Operation kommen bei der Lebermetastasen-Therapie in bestimmten Fällen (z.B. wenn nur wenige Leberherde vorhanden sind) sogenannte lokale Behandlungsverfahren infrage. Auf diese Weise kann man das Tumorgewebe direkt und gezielt bekämpfen und das umliegende gesunde Gewebe weitestgehend schonen. Zu diesen Methoden zählen die Kryotherapie (Vereisung), die interstitielle Laserkoagulation (Hitze durch Laser), die perkutane Ethanol-Injektion (PEI) und die Radio-Frequenz-Ablation (RFA).

Weitere Behandlungen

Wenn Lebermetastasen vorliegen, kann die Gewebekapsel, welche die Leber umgibt, gespannt sein und starke Schmerzen verursachen. Diesen sogenannten Kapselschmerz können Schmerzmittel lindern. Eine sorgfältige und individuell auf den Betroffenen abgestimmte Schmerztherapie ist bei Krebserkrankungen sehr wichtig – insbesondere dann, wenn eine komplette Heilung nicht möglich ist (sog. palliative Therapie).

7. Verlauf

Prognose

Bei Lebermetastasen hängen Verlauf und Prognose – und damit auch die Lebenserwartung – zum einen von der zugrundeliegenden Krebserkrankung ab. Zum anderen ist ausschlaggebend, wie sehr die Leber von Metastasen durchsetzt ist. Einzelne Metastasen, die der Chirurg komplett entfernen kann, haben die beste Prognose. Je ausgedehnter die Leber befallen ist, umso schlechter ist die Aussicht auf Heilung.

Nachsorge

Nach abgeschlossener Behandlung sind regelmässige Nachsorgeuntersuchungen bei Lebermetastasen wichtig. Die Nachsorge-Termine richten sich unter anderem auch nach den Ursprungstumoren. Sie beinhalten zum Beispiel eine gründliche körperliche Untersuchung, eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs, eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs sowie gegebenenfalls verschiedene Blutuntersuchungen.

8. Vorbeugen

Spezielle Massnahmen, mit denen Sie Lebermetastasen vorbeugen können, sind nicht bekannt. Eine gesunde Lebensweise mit abwechslungsreicher, fettarmer Ernährung, Verzicht auf Nikotin und Alkohol sowie regelmässigem Sport unterstützt die Körperabwehr und hilft, das allgemeine Krebs- und Krankheitsrisiko zu senken.