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1. Überblick

Die Leberzirrhose ist ein weit fortgeschrittenes Stadium oder Endstadium verschiedener Lebererkrankungen, in deren Verlauf die Leberstruktur zunehmend zerstört ist. Wegen der stetigen Schädigung des Lebergewebes verhärtet die Leber zunehmend, vernarbt und schrumpft. Dieser auch als Schrumpfleber bezeichnete Zustand ist in der Regel nicht umkehrbar.

Eine Leberzirrhose kann die unterschiedlichsten Ursachen haben:

  • Am häufigsten (in mehr als der Hälfte aller Fälle) entsteht die Leberzirrhose durch übermässigen Konsum von Alkohol.
  • Weitere häufige Auslöser sind durch Viren bedingte Entzündungen der Leber wie die Hepatitis B, C oder D.
  • In seltenen Fällen tritt die Leberzirrhose zum Beispiel auch im Rahmen von erblichen Stoffwechselerkrankungen auf wie bei:
    • der Eisenspeicherkrankheit namens Hämochromatose
    • Morbus Wilson, bei dem die Kupferausscheidung gestört ist
    • Mukoviszidose, die mit vermehrter Schleimbildung einhergeht
  • Auch Schädigungen der Leber durch Medikamente oder Chemikalien sind mögliche Ursachen für Leberzirrhosen.

Bei einer Leberzirrhose können die Symptome sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein oder sogar fehlen. Als typische Anzeichen der Leberzirrhose gelten Allgemeinsymptome wie:

  • Leistungsminderung
  • Konzentrationsschwäche
  • Müdigkeit

Oft verursacht eine Leberzirrhose zudem ein Druck- oder Völlegefühl im Bereich oberhalb des Bauchnabels. Zusätzlich können die sogenannten Leberhautzeichen auftreten, die sich unter anderem durch punktförmige, rote Gefässknötchen (Gefässspinnen), rot gefärbte Daumen- und Kleinfingerballen (Palmarerythem) und knallrote, glänzende Lippen und Zunge (sog. Lacklippen und Lackzunge) bemerkbar machen. Eine gelbliche Verfärbung des Augenweiss und der Haut (Gelbsucht bzw. Ikterus) zählt nicht zu den klassischen Hautzeichen der Leberzirrhose und tritt in der Regel erst auf, wenn die Leber nicht mehr ausreichend funktioniert.

Eine Leberzirrhose kann man mithilfe einer klinischen Untersuchung (Tasten der Leber und der Milz), Labortests und einer Ultraschalluntersuchung feststellen. Zudem sind zur Diagnose Informationen zu Beruf, Lebensgewohnheiten und Medikamenteneinnahme hilfreich. Daraus ergeben sich mögliche Risikofaktoren für eine Lebererkrankung. Um die genaue Ursache der Leberzirrhose zu ermitteln, kommen mitunter spezielle Diagnoseverfahren zum Einsatz.

Der Schweregrad der Leberzirrhose bemisst sich nach dem Child-Pugh-Score, auch Child-Pugh-Klassifikation genannt. Sie ermöglicht es, die Leberfunktion zu bewerten und eine Prognose zur Leberzirrhose zu erstellen: Das Ergebnis Child A hat die beste, Child C die schlechteste Prognose.

Die gegen eine Leberzirrhose eingesetzte Therapie umfasst Allgemeinmassnahmen wie den Verzicht auf leberschädigende Substanzen (Alkohol, bestimmte Medikamente) und richtet sich darüber hinaus nach der genauen Ursache der Erkrankung.

2. Definition

Eine Leberzirrhose ist ein krankhafter Zustand der Leber, der durch eine zerstörte Gewebe- und Gefässstruktur des Organs gekennzeichnet ist. Die Leber verhärtet sich zunehmend und schrumpft, wobei sich ihre ursprüngliche Struktur verändert: Mit der Zeit wandelt sich die Leber immer mehr in narbiges Bindegewebe um. Diesen Zustand bezeichnet man auch als Schrumpfleber. Durch die Veränderungen sind die normalen Leberfunktionen derart eingeschränkt, dass es im weiteren Verlauf und mit zunehmender Verschlechterung zu teilweise lebensbedrohlichen Komplikationen kommen kann.

Die Leberzirrhose kann in drei verschiedenen Typen auftreten, die sich im Aussehen der Leber voneinander unterscheiden: als

  • kleinknotiger Typ,
  • grossknotiger Typ oder
  • Mischtyp, der sowohl klein- als auch grossknotige Anteile aufweist.

Bei Alkoholmissbrauch entsteht meist die kleinknotige Form der Leberzirrhose, bei einer Virushepatitis die grossknotige oder gemischte Form.

Häufigkeit

Die Leberzirrhose weist in Europa und in den USA eine Häufigkeit von jährlich etwa 250 Fällen pro 100'000 Menschen auf. Männer sind doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

3. Ursachen

Eine Leberzirrhose ist die Folge verschiedener Lebererkrankungen, deren Ursachen sehr unterschiedlich sein können. Die häufigste Ursache für Leberzirrhosen ist Alkohol: Die meisten Fälle von Leberzirrhose  entstehen durch Alkoholmissbrauch. Am zweithäufigsten steckt eine Hepatitis B, Hepatitis C oder Hepatitis D hinter der Leberzirrhose.

Nur in wenigen Fällen hat eine Leberzirrhose ihre Ursachen weder in Alkoholmissbrauch noch in einer Virushepatitis. Mögliche seltene Auslöser einer Zirrhose der Leber sind beispielsweise bestimmte vererbbare Stoffwechselerkrankungen wie:

  • Morbus Wilson, bei dem die Kupferausscheidung gestört ist,
  • die Hämochromatose, die mit einer vermehrten Speicherung von Eisen einhergeht, oder
  • die Mukoviszidose, die mit vermehrter Schleimbildung einhergeht.

Darüber hinaus kann eine Leberzirrhose ihre Ursachen vereinzelt auch in Schäden durch Medikamente, Chemikalien oder Tropenerkrankungen (z.B. Amöbenruhr o. Cholera) haben.

4. Symptome

Eine Leberzirrhose ruft verschiedene Symptome hervor, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. In bis zu 25 Prozent der Fälle fehlen sie sogar ganz. Dies bezeichnen Mediziner als latente Leberzirrhose. Dagegen ist eine sogenannte manifeste Leberzirrhose durch deutliche Anzeichen der Leberschädigung oder der zugrunde liegenden Erkrankung gekennzeichnet.

Unabhängig davon, was die Leberzirrhose verursacht hat, treten folgende eher allgemeine Symptome auf:

  • Die Betroffenen fühlen sich meist müde und abgeschlagen,
  • sie verspüren ein Druck- oder Völlegefühl im Bereich oberhalb des Bauchnabels (Oberbauch),
  • ihnen ist übel,
  • sie verlieren an Gewicht und
  • sie sind vermindert leistungsfähig.

Weitere charakteristische Symptome einer Leberzirrhose sind die Leberhautzeichen. Dazu gehören:

  • Gefässspinnen (Spider naevi), die besonders am Oberkörper, Hals und Gesicht auftreten und aus punktartigen Gefässknötchen bestehen, von denen sich kleine Gefässe wie ein Spinnennetz nach aussen ziehen
  • deutlich rot gefärbte Daumen- und Kleinfingerballen (Palmarerythem)
  • auffallend glänzende und gerötete Lippen und Zunge (Lacklippen und Lackzunge)
  • Juckreiz
  • totale Weissfärbung der Nägel (Weissnägel)
  • Geldscheinhaut – die Haut ist sehr dünn und wirkt knittrig, Gefässe zeichnen sich deutlich ab.

Hinweis: Diese Symptome deuten nicht zwangsläufig auf eine Leberzirrhose hin – so bilden sich zum Beispiel in etwa der Hälfte aller Schwangerschaften Gefässspinnen und ein Palmarerythem aus, die meist nach der Schwangerschaft wieder verschwinden. Auch die Geldscheinhaut findet man oft unabhängig von einer Lebererkrankung.

Zusätzliche mögliche Symptome einer Leberzirrhose sind Schmerzen in der Lebergegend und Fieber. Zudem bilden sich vermehrt blaue Flecken und Blutungen – auch eine Wasseransammlung in Beinen (sog. Ödem) oder Bauch (sog. Aszites) ist häufig. Darüber hinaus können bei Männern mit Leberzirrhose wegen hormoneller Störungen Potenzprobleme und ein veränderter männlicher Behaarungstyp auftreten – hierbei entsteht unter anderem eine sogenannte Bauchglatze. Eventuell kann sich die Brustdrüse des Mannes vergrössern (sog. Gynäkomastie). Bei Frauen mit Leberzirrhose treten manchmal Unregelmässigkeiten bei der Regelblutung auf ( Menstruationsstörungen).

Eine deutliche Verschlechterung der Leberfunktion bei Leberzirrhose zeigt sich durch folgende Symptome:

  • Gelbfärbung des Augenweiss und der Haut (Gelbsucht bzw. Ikterus)
  • gestörte Blutgerinnung
  • starker Gewichtsverlust
  • erhöhter Blutdruck im Leberkreislauf (sog. Pfortaderhochdruck) und dessen Folgen wie Krampfadern der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) oder Milzvergrösserung (Hypersplenie)
  • die hepatische Enzephalopathie, die entsteht, wenn die Leber ihre Entgiftungsfunktion nicht mehr ausreichend wahrnehmen kann und sich für das Nervengewebe giftige Stoffe in hoher Konzentration im Blut sammeln

5. Diagnose

Besteht der Verdacht auf eine Leberzirrhose, klärt der Arzt bei der Diagnose stets auch die zugrunde liegende Erkrankung ab. In einigen Fällen ist es jedoch schwierig, den Auslöser für den krankhaften Zustand der Leber zu finden.

Eine Leberzirrhose, die durch Alkoholmissbrauch, Medikamente oder giftige Stoffe (z.B. Chemikalien) entstanden ist, kann der Arzt meist bereits anhand der Angaben zur Vorgeschichte der Beschwerden diagnostizieren. Daneben kommen laborchemische Untersuchungen zum Einsatz, um eine Leberzirrhose festzustellen. Auch bildgebende Verfahren (z.B. zur Untersuchung des Blutflusses in der Leber) können hilfreich sein. Um die Diagnose zu sichern und die bei einer Leberzirrhose typischen Veränderungen aufzuzeigen, kann eine Leberbiopsie erforderlich sein: Hierbei punktiert der Arzt die Leber mit einer Nadel und gewinnt so eine Probe des Lebergewebes.

Wenn der Leberzirrhose eine chronische Virushepatitis zugrunde liegt, finden sich entsprechende Antikörper gegen diese Viren und sogenanntes aktives Virusmaterial im Blut. Um bei der Diagnose festzustellen, ob eine Hepatitis vorliegt, sind also Blutuntersuchungen geeignet.

6. Therapie

Bei einer Leberzirrhose setzt sich die Therapie aus allgemeinen Massnahmen gegen die Leberzirrhose und aus der Behandlung der ursächlichen Erkrankung zusammen. Darüber hinaus sind eventuell auftretende Komplikationen rechtzeitig zu behandeln. Unabhängig von der Ursache für den krankhaften Zustand Ihrer Leber ist es wichtig, dass Sie auf jeden Fall folgende Massnahmen ergreifen:

  • Meiden Sie leberschädigende Substanzen wie Alkohol und bestimmte Medikamente.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen, eiweiss- und vitaminreich. Ausnahme: Wenn das Gehirn aufgrund der unzureichenden Entgiftungsfunktion der Leber bei Leberzirrhose geschädigt ist (sog. hepatische Enzephalopathie), ist bei der Ernährung weitgehend auf Eiweiss zu verzichten.
  • Fördern Sie Ihren Stuhlgang, um die Entgiftungsfunktion zu unterstützen.
  • Beheben Sie vorliegende Störungen im Elektrolythaushalt (wie Kaliummangel) und im Säure-Basen-Haushalt.

Treten im Zusammenhang mit einer Leberzirrhose Komplikationen wie zum Beispiel neurologische Symptome (hepatische Enzephalopathie) oder eine Blutung aus Krampfadern der Speiseröhre auf, ist sofort eine Therapie einzuleiten.

In schweren Fällen hilft bei einer Leberzirrhose nur eine Therapie: die Lebertransplantation. Diese Operation erfolgt nur dann, wenn die von einem Transplantationszentrum festlegten Kriterien für eine Transplantation erfüllt sind.

Alkohol und Toxine

Neben den allgemeinen Behandlungsmassnahmen gegen die Leberzirrhose besteht die Therapie vor allem darin, die Ursache der Erkrankung auszuschalten. Wenn Ihre Leberzirrhose durch Alkohol, Medikamente oder giftige Stoffe (Toxine) entstanden ist, ist es für eine erfolgreiche Behandlung unerlässlich, dass Sie diese Auslöser vollständig meiden. Haben Sie eine alkoholische Leberzirrhose, verzichten Sie also am besten konsequent auf Alkoholkonsum. Gelingt die vollständige Meidung der auslösenden Stoffe, ist die Leber in der Lage, sich zu erholen.

Hepatitis

Liegt Ihrer Leberzirrhose eine chronische, durch Viren ausgelöste Hepatitis (z.B. Hepatitis B oder C) zugrunde, richtet sich die Therapie der Virushepatitis nach bestimmten Kriterien: Eine Hepatitis-Behandlung ist nur dann empfehlenswert, wenn:

  • die Entzündung Ihrer Leber fortbesteht und
  • die Konzentration an Viren in Ihrem Blut (sog. Viruslast) hoch ist.

In dem Fall erhalten Sie zur ursächlichen Behandlung der Leberzirrhose ein Medikament, das die Vermehrung der Hepatitisviren hemmt. Mögliche Nebenwirkungen dieser Hepatitis-Therapie sind ein vorübergehend verändertes Blutbild, grippeähnliche Symptome und erhöhte Leberwerte.

Andere Ursachen

Bei einer Leberzirrhose kommen zur Therapie speziellere Massnahmen zum Einsatz, wenn andere Ursachen als Gifte oder Lebererkrankungen für den krankhaften Zustand der Leber verantwortlich sind:

  • Wenn Ihre Leberzirrhose durch vermehrte Eisenaufnahme und -speicherung entstanden ist (deren Ursache die Erbkrankheit namens Hämochromatose ist), ist es zur Behandlung notwendig, das überschüssige Eisen durch Aderlässe aus dem Körper zu entfernen.
  • Liegt Ihrer Leberzirrhose die Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson zugrunde, zielt die Behandlung darauf ab, die Kupferaufnahme zu vermindern und die Kupferausscheidung zu erhöhen. Dies gelingt mit dem Wirkstoff D-Penicillamin, der das überschüssige Kupfer im Blut bindet – Ihr Körper scheidet es dann über den Urin aus.

7. Verlauf

Bei einer Leberzirrhose hängt der Verlauf von den Ursachen für den krankhafter Zustand der Leber sowie von einer angemessenen und rechtzeitigen Therapie ab: Bei entsprechend behandelter Leberzirrhose kann sich die Leber zumindest anteilig erholen. Ist für die Zirrhose der Leber beispielsweise ein übermässiger Alkoholkonsum verantwortlich, führt zukünftiger Verzicht auf Alkohol (Abstinenz) zu einer guten Prognose. Es genügen bereits 15 Prozent gesundes Lebergewebe, um alle Funktionen der Leber aufrechtzuerhalten. Es ist jedoch nicht möglich, die entstandenen Schäden ganz zu beheben, sodass eine Leberzirrhose nicht völlig heilbar ist.

Um den Schweregrad einer Leberzirrhose (und somit ihr Verlauf bzw. ihre Prognose) einschätzen zu können, ist der sogenannte Child-Pugh-Score (auch: Child-Pugh-Klassifikation) hilfreich: Er ermöglicht es, die Leberfunktion anhand von fünf Kriterien zu bewerten, für die man nach einem festen Schema Punkte vergibt. Je nach Punktwert lautet das Ergebnis Child A, Child B oder Child C. Liegt Child A vor, ist die Prognose der Leberzirrhose am günstigsten.

Komplikationen

Bleibt eine Leberzirrhose unbehandelt, schränkt dies die Funktionsfähigkeit der Leber im weiteren Verlauf immer mehr ein, was sich negativ auf die Lebensqualität und Lebenserwartung der Betroffenen auswirkt. In fortgeschrittenen Stadien können bei einer Leberzirrhose verschiedene Komplikationen auftreten, wodurch sich die Prognose deutlich verschlechtert. Zu den häufigsten Komplikationen der Leberzirrhose zählen:

  • Stoffwechselstörungen
  • Ansammlung von Flüssigkeit im Bauch ( Aszites)
  • Blutungen in den Verdauungstrakt, meist als Blutungen aus Krampfadern der Speiseröhre (sog. Ösophagusvarizen)
  • Gehirnerkrankung infolge der unzureichenden Entgiftungsfunktion der Leber (sog. hepatische Enzephalopathie)

Die Leberzirrhose kann im weiteren Verlauf auch zu Leberkrebs und zu Leberversagen führen. In schweren Fällen sind die Veränderungen des Lebergewebes bei Leberzirrhose im Endstadium so weit fortgeschritten, dass die Leber ihre Funktion nicht mehr erfüllen kann. Letztlich endet die Leberzirrhose durch diese Komplikationen tödlich.

8. Vorbeugen

Wenn Sie einer Leberzirrhose vorbeugen möchten, meiden Sie am besten alles, was eine Lebererkrankung auslösen könnte. Das bedeutet zum Beispiel:

  • Verzichten Sie auf Alkohol oder konsumieren Sie ihn nur in Massen.
  • Lassen Sie sich gegebenenfalls gegen Hepatitis B impfen.
  • Vermeiden Sie ungeschützten Kontakt mit Lösungsmitteln.

Gegen Hepatitis C gibt es bisher keine Impfung. Sie können einer Ansteckung mit Hepatitis-C-Viren (wie auch Hepatitis-B-Viren) und einer nachfolgenden Leberzirrhose jedoch vorbeugen, indem Sie allgemeine hygienische Massnahmen ergreifen (z.B. beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden, bei der Versorgung von Verletzten Handschuhe tragen usw.). Liegen vererbbare Erkrankungen vor, die mit einer Leberschädigung einhergehen könnten, empfiehlt sich vorbeugend eine genetische Beratung und eine frühzeitige Untersuchung.