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Veröffentlicht am 28. Oktober 2021 - 14:46 Uhr

1. Überblick

Flüssigkeit in der Lunge kann tödlich enden. Rechtzeitig erkannt lässt sich ein Lungenödem hingegen meist gut behandeln. Welche Symptome sind typisch dafür?

Unter einem Lungenödem versteht man die krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit zwischen den Zellen des Lungengewebes (sog. Interstitium) und/oder den Lungenbläschen. Umgangssprachlich wird das Lungenödem deshalb auch als «Wasser in der Lunge» bezeichnet. Das Ödem kann sich schnell und plötzlich entwickeln oder allmählich.

Diese Flüssigkeitsansammlung kann als Folge verschiedener Grunderkrankungen auftreten. Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist die häufigste Ursache eines Lungenödems. Aber auch Nierenerkrankungen, schwere allergische Reaktionen (anaphylaktischer Schock) oder Giftstoffe können zu «Wasser in der Lunge» führen.

Beim Lungenödem handelt es sich um ein ernstes und potenziell tödliches Krankheitsbild. Typische Symptome eines plötzlich auftretenden Lungenödems sind Atemnot und Kurzatmigkeit. Bei einem sich langsam entwickelnden Lungenödem sind die Beschwerden zunächst nicht so stark.

Als allgemeine Therapie-Massnahmen sollten Betroffene ihren Oberkörper hoch und die Beine tief lagern. Zusätzlich erhalten sie Sauerstoff über eine Nasensonde oder ein Beatmungsgerät. Die weitere Therapie des Lungenödems und auch die Prognose bei «Wasser in der Lunge» sind von der zugrunde liegenden Erkrankung abhängig.

Eine Frau hält sich mit beiden Händen am oberen Brustbereich.

Ein Lungenödem zeigt sich meist durch Atemnot und Kurzatmigkeit – allerdings nicht immer gleich stark.

Quelle: Getty Images
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2. Definition von Lungenödem

Unter einem Lungenödem versteht man eine plötzlich auftretende oder langsam entstehende Ansammlung von Blutflüssigkeit im Lungengewebe. Die Flüssigkeit sammelt sich zwischen den Zellen des Lungengewebes und breitet sich dann bis in die Lungenbläschen und Bronchien aus. Die Lunge kann dadurch deutlich weniger Luft aufnehmen. Schliesslich kommt es zum Atem- und Kreislaufstillstand.

3. Ursachen von Lungenödem

Bei einem Lungenödem kommen verschiedene Erkrankungen als Ursachen infrage. Die häufigste Ursache für ein Lungenödem ist eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz), ausgelöst durch Herzerkrankungen wie

Ist das Herz zu schwach, um das Blut vollständig in den Körper weiterzupumpen, staut sich das Blut von der linken Herzkammer zurück – bis in die Lunge. Dadurch erhöht sich der Druck im Inneren der Blutgefässe der Lunge. So wird die Flüssigkeit aus den Gefässen ins Lungengewebe und in die Lungenbläschen gepresst.

Ein Lungenödem kann aber auch durch Erkrankungen entstehen, die nicht vom Herzen ausgehen – zum Beispiel:

  • Nierenerkrankungen
  • Höhenkrankheit (Höhenlungenödem)
  • schwere allergische Reaktionen (anaphylaktischer Schock)
  • Giftstoffe wie Stickoxide oder Chlorgas, die die kleinsten Blutgefässe in der Lunge schädigen und durchlässiger machen

Wie gelangt das Wasser in die Lunge?

Ein Lungenödem entsteht, wenn die Druckverhältnisse in der Lunge aus dem Gleichgewicht geraten. Genauer gesagt: wenn der Druck im Inneren der Blutgefässe ansteigt oder der Gegendruck, der das Blut in den Gefäßen hält, abfällt.

Den Druck, der vom Inneren der Blutgefässe nach aussen gerichtet ist, nennt man hydrostatischen Druck. Er ist eigentlich so hoch, dass er die flüssigen Bestandteile des Blutes durch die Gefässwände ins Lungengewebe pressen könnte – wäre da nicht der Gegendruck, der das Blut in den Gefässen zurückhält.

Letzteren bezeichnet man als onkotischen Druck. Er wird von den Bluteiweissen erzeugt und sorgt bei gesunden Menschen dafür, dass nur wenig Flüssigkeit aus den Blutgefässen ins Lungengewebe austritt.

Wenn aber der hydrostatische Druck ansteigt oder der onkotische sinkt, kann Flüssigkeit ungehindert aus den Gefässen austreten. Sie staut sich dann zunächst zwischen Blutgefässen und Lungenbläschen und behindert somit den Gasaustausch zwischen Blut und Atemluft. Schreitet die Erkrankung fort, tritt die Flüssigkeit auch in die Lungenbläschen ein, wodurch die Lunge deutlich weniger Luft aufnehmen kann als nötig.

4. Symptome von Lungenödem

Das Lungenödem kann sich schnell und plötzlich entwickeln oder allmählich. Typische Symptome eines plötzlich auftretenden Lungenödems sind:

Bei einem sich langsam entwickelnden Lungenödem sind die Beschwerden zunächst nicht so stark. Die Betroffenen können die meiste Zeit noch normal atmen und haben anfangs nur im Liegen Atemnot.

Wie kommt es zu den Symptomen?

«Wasser in der Lunge» ist eine missverständliche Formulierung: Als hätte sich jemand beim Trinken verschluckt und versehentlich einen Schluck Wasser eingeatmet. In Wirklichkeit gelangt die Flüssigkeit, die sich bei einem Lungenödem in der Lunge sammelt, keineswegs von aussen in den Körper: Es handelt sich um Blutflüssigkeit, die aus den Lungengefässen austritt und sich im Lungengewebe sammelt – mit gefährlichen Folgen.

Denn je mehr Raum das Ödem fordert, umso weniger Platz bleibt für eingeatmete Luft. Das heisst: Die Atmung kann ihren Zweck nicht mehr vollständig erfüllen. Das Blut erhält zu wenig Sauerstoff und kann nicht mehr genügend Kohlendioxid an die Luft abgeben. Die Betroffenen atmen dann meist flacher und schneller, um den Sauerstoffmangel auszugleichen. Zudem kann sich das Lungenödem in weiteren Symptomen wie Husten und Angst äussern.

5. Therapie von Lungenödem

Ein schweres Lungenödem kann tödlich enden, wenn es nicht rechtzeitig behandelt wird. Darum sollte man bei den genannten Symptomen sofort den Notruf wählen. 

Die erste Sofortmassnahme lautet: Oberkörper hoch, Beine tief lagern. Dadurch sinkt der Druck in den Lungengefässen und es wird weniger Flüssigkeit aus den Gefässen ins Lungengewebe gepresst. 

Im Krankenhaus bekommt die oder der Betroffene zunächst Sauerstoff über eine Nasensonde zugeführt. Bei starker Atemnot erhält sie oder er ein Beatmungsgerät. Gegen die Angst kann ein Beruhigungsmittel (Diazepam oder Morphin) helfen. Das kommt aber nur infrage, wenn die oder der Betroffene keinen zu niedrigen Blutdruck hat und nicht zu flach atmet.

Die weiteren Schritte der Behandlung orientieren sich an der Ursache des Lungenödems: Betroffene mit einer Herzschwäche (Linksherzinsuffizienz) bekommen über eine Spritze in die Vene Furosemid sowie Nitroglycerin verabreicht. Furosemid bewirkt, dass der Körper vermehrt Flüssigkeit ausschwemmt. Nitroglycerin hat eine gefässerweiternde Wirkung und sorgt somit dafür, dass der Druck in den Lungengefässen nachlässt.

Haben Giftstoffe das Lungenödem verursacht, erhält die oder der Erkrankte Glukokortikoide – entweder zum Inhalieren oder in schwereren Fällen als Injektion in die Vene verabreicht.

Auch die langfristige Therapie richtet sich nach der Ursache. Chronische Erkrankungen, beispielsweise eine Herz- oder Niereninsuffizienz, erfordern eine dauerhafte Behandlung. Bei Menschen mit Nierenerkrankungen kann es erforderlich sein, dass das Blut maschinell gereinigt wird, zum Beispiel durch Dialyse («Blutwäsche»).

6. Verlauf von Lungenödem

Das Lungenödem lässt sich je nach Schweregrad in vier Stadien einteilen:

Stadium I: Die Flüssigkeit fliesst ins Lungengewebe, genauer gesagt in die Räume zwischen den Zellen des Lungengewebes.

Stadium II: Die Flüssigkeit gelangt in die Lungenbläschen und – im fortgeschrittenen Stadium – auch in die Bronchien.

Stadium III: Bei grossen Flüssigkeitsmengen staut sich die Flüssigkeit bis weit in die Bronchien hinein und ein weisslicher Schaum bildet sich. Betroffene mit Lungenödem husten diesen Schaum ab.

Stadium IV: Durch unzureichende Sauerstoffversorgung des Körpers kommt es zum Atem- und Kreislaufstillstand.

Wie sich ein Lungenödem auf die Lebenserwartung auswirkt, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt vor allem von der Ursache ab – und davon, wie schnell das Ödem behandelt wird. In den meisten Fällen tritt das Lungenödem als Folge einer Herzschwäche auf. Bei dieser hängt die Lebenserwartung wiederum von verschiedenen Faktoren ab – etwa vom sonstigen Gesundheitszustand und vom Alter der oder des Betroffenen.

 

 

«Wissen, was dem Körper gut tut.»
Chantal Hebeisen, Redaktorin
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