Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Nach Hautverletzungen oder Erkrankungen können sich leicht die Lymphbahnen entzünden – dann liegt eine sogenannte Lymphangitis vor. Rechtzeitig und ausreichend behandelt sind ihre Heilungschancen gut.

Für eine Lymphangitis kommen als Ursachen zum einen benachbarte Gewebeentzündungen infrage, die auf die Lymphbahnen übergreifen: So kann zum Beispiel bei einer Insektengiftallergie eine Lymphangitis im Rahmen einer gesteigerten örtlichen Reaktion auf einen Insektenstich entstehen. Zum anderen können in die Lymphbahnen eindringende Erreger für eine Lymphgefässentzündung verantwortlich sein: Die häufigsten Auslöser der Lymphangitis sind Bakterien (v.a. Staphylokokken u. Streptokokken). Die Lymphangitis kann akut oder chronisch verlaufen, was entsprechend unterschiedliche Symptome hervorruft:

  • Eine akute Lymphangitis kann allgemeine Symptome wie Fieber und Schüttelfrost verursachen. Kennzeichnend für die akute Lymphangitis ist jedoch ein roter Streifen, der in Richtung Herz wandert. Umgangssprachlich bezeichnet man diese Form fälschlicherweise häufig als Blutvergiftung. Dies ist aber irreführend, da es sich nicht um die eigentliche Blutvergiftung (Sepsis) handelt, bei der kein roter Strich auf der Haut erscheint.
  • Eine wiederholt auftretende oder chronische Lymphangitis kann dazu führen, dass sich im entzündeten Gebiet eine grosse Schwellung entwickelt – ein sogenanntes Lymphödem.

Lymphangitiden kommen recht häufig vor und sind in der Regel leicht zu diagnostizieren. Die gegen eine Lymphangitis eingesetzte Therapie richtet sich teils nach der Entzündungsursache: In der Regel erfolgt eine Antibiotika-Behandlung, da überwiegend Bakterien für die Entzündung der Lymphbahnen verantwortlich sind. Darüber hinaus ist es bei einer Lymphgefässentzündung ratsam, den betroffenen Körperteil ruhig zu stellen und desinfizierende, feuchte Umschläge anzuwenden. Meistens bekommt man die Lymphangitis so schon nach kurzer Dauer in den Griff. Eine mögliche Komplikation besteht jedoch darin, dass sich die Entzündung über den Blutweg ausbreitet und somit eine Blutvergiftung entstehen kann.

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2. Definition

Eine Lymphangitis ist eine Entzündung der Lymphbahnen. Lymphbahnen sind Gefässe, in denen eine hellgelbe Flüssigkeit – die Lymphe – im Körper fliesst. Diese Flüssigkeit enthält Lymphplasma und weisse Blutkörperchen (Lymphozyten) und fliesst in den Bahnen zu den einzelnen Lymphknoten. In den Lymphknoten erfolgt eine Reinigung der Lymphe von Bestandteilen, die für den Körper schädlich sind: Dabei entzieht der Körper der Lymphflüssigkeit beispielsweise Mikroorganismen oder Gifte (Toxine). Sehr wichtige und von aussen zu tastende Lymphknoten liegen zum Beispiel in der Leiste, unter den Achseln oder am Hals.

Die Lymphangitis tritt in zwei verschiedenen Formen auf:

  1. Akute Lymphangitis: Kennzeichnend für die akute Form der Lymphgefässentzündung ist der in Richtung Herz wandernde rote Streifen. Umgangssprachlich spricht man bei der akuten Lymphangitis häufig von einer Blutvergiftung. Das ist aber irreführend, denn: Bei der Lymphangitis handelt es sich nicht um die auch als Blutvergiftung bezeichnete Sepsis. Bei dieser eigentlichen Blutvergiftung tritt kein roter Strich auf.
  2. Chronische Lymphangitis: Kennzeichnend für die chronische Form ist das eher schleichende Auftreten der Veränderungen an den Lymphgefässen oder ein wiederholtes Auftreten der ursprünglichen akuten Entzündung.

Häufigkeit

Die Lymphangitis tritt mit recht grosser Häufigkeit auf, da sie sich im Rahmen von (auch banalen) Hautverletzungen oder Erkrankungen entwickeln kann.

3. Ursachen

Einer Lymphangitis liegen als Ursachen entweder benachbarte Gewebeentzündungen zugrunde, die auf die Lymphbahnen übergreifen, oder in die Lymphbahnen eindringende Erreger. Für eine Entzündung der Lymphbahnen der Arme oder Beine ist meistens eine offene Wunde verantwortlich, in die Erreger gelangt sind. Die Lymphgefässentzündung kann unter Beteiligung der Lymphknoten ablaufen und akut oder chronisch verlaufen.

Akute Lymphangitis

Für eine akute Lymphangitis kommen als Ursachen vor allem sich rasch ausbreitende Infektionen durch Bakterien infrage, die im Bereich der Haut, der Muskulatur des Bindegewebes und der einzelnen Organe entlang der Lymphgefässe liegen. Häufigste Auslöser für die akute Lymphangitis sind Streptokokken oder Staphylokokken.

Der bakterielle Infektionsherd in der Haut ist meist eine Ansammlung von Eiter (sog. Abszess) oder eine örtliche Entzündung, wie zum Beispiel beim Furunkel. Auch infolge einer Schwangerschaft kann eine akute Lymphangitis auftreten: So kann es zum Beispiel bei einer Bauchhöhlenschwangerschaft, bei der Entbindung selbst oder durch eine Fehlgeburt zu Infektionen mit akuter Lymphangitis kommen. Oft können Menschen mit einer akuten Lymphangitis ein sogenanntes vorheriges Ereignis (z.B. eine Verletzung) benennen, in dem die Ursachen für die Entzündung der Lymphbahnen zu finden sind. Dazu zählen auch Verstauchungen, Verdrehungen oder Zerrungen der Extremitäten (Distorsionsverletzungen).

In seltenen Fällen kann eine akute Lymphangitis einen Pilzbefall als Ursache haben. Die verantwortlichen Pilze wachsen meist zwischen den Zehen, weshalb man sie «interdigitale Fussmykosen» nennt. Eine akute Lymphangitis kann aber auch nicht-infektiöse Ursachen haben: So kann zum Beispiel bei einer Insektengiftallergie eine Lymphangitis im Rahmen einer gesteigerten örtlichen Reaktion auf einen Insektenstich entstehen.

Chronische Lymphangitis

Das chronische Stadium der Lymphangitis ist dadurch gekennzeichnet, dass die Veränderungen an den Lymphgefässen mehr schleichend auftreten oder die ursprüngliche akute Lymphgefässentzündung immer wiederkehrt. Für die chronische Lymphangitis kommen drei Ursachen infrage:

  1. Operative Eingriffe (häufigste Ursache): Entfernt der Operateur beispielsweise bei der operativen Behandlung einer Krebserkrankung das Tumorgewebe vollständig, kann dies zu einer Unterbrechung der Lymphbahnen führen. Dann können Stauungen der Lymphflüssigkeit und nachfolgend eine chronische Lymphangitis entstehen. Meist entfernt der Operateur bei einem Krebsbefall auch noch die umliegenden und für das Krebsgebiet zuständigen Lymphknoten. Aufgrund der daraus folgenden Umverteilungsvorgänge im noch erhaltenen restlichen Lymphsystem entstehen häufig krankhaft erweiterte Lymphgefässe, die den Mehrtransport von Lymphflüssigkeit übernehmen müssen. Diese Lymphgefässe bezeichnet man auch als Lymphangiektasien.
  2. Defekter Klappenapparat der Lymphbahnen: In den Lymphgefässen befinden sich Klappen, mit deren Hilfe der Körper die Lymphflüssigkeit in eine Richtung durch die Lymphbahnen transportiert. Wenn dieser Klappenapparat nicht mehr richtig funktioniert und sich die Lymphflüssigkeit somit nicht mehr ausreichend durch die Lymphbahnen pumpen lässt, liegt eine sogenannte Insuffizienz vor. Diese mangelhafte Funktion des Klappenapparats kann angeboren oder erworben sein.
  3. Schlecht ausgeheilte akute Lymphangitis, die sich zur chronischen Form auswächst.

4. Symptome

Eine Lymphangitis kann unterschiedliche Symptome zeigen, die zum einen von der Verlaufsform und zum anderen vom Stadium der Lymphgefässentzündung abhängen.

Akute Lymphangitis

Plötzlich auftretende Lymphangitis-Symptome deuten auf eine akute Lymphangitis hin. Typisches Anzeichen für die akute Lymphangitis ist ein roter Streifen, der in Richtung Herz wandert. Bei diesem roten Streifen handelt es sich um das unter der Haut sichtbar gewordene entzündete Lymphgefäss. Es ist überwärmt und schmerzt bei Druckeinwirkung. Die in seiner unmittelbaren Nähe gelegenen Lymphknoten sind angeschwollen. Diese Lymphknotenschwellungen sind ebenfalls schmerzhaft.

Achtung: Die umgangssprachlich häufig auch Blutvergiftung genannte Lymphangitis ist von der eigentlichen Blutvergiftung (Sepsis) zu unterscheiden. Bei der Sepsis tritt kein roter Streifen auf; sie ist stattdessen durch Symptome einer Entzündungsreaktion gekennzeichnet, die den gesamten Organismus erfasst und eine Vielzahl an Beschwerden auslösen kann (z.B. Herzrasen, niedriger Blutdruck, Fieber, Schmerzen, beschleunigte Atmung, Verwirrtheit, Benommenheit bis hin zum Koma).

Häufig löst eine akute Lymphangitis auch allgemeine Symptome wie Fieber und Schüttelfrost aus. In der Folge können sich in den geschwollenen Lymphknoten Abszesse ausbilden.

Chronische Lymphangitis

Von einer chronischen Lymphangitis spricht man, wenn immer wieder Symptome der ursprünglichen akuten Lymphgefässentzündung auftreten oder wenn sich die Veränderungen an den Lymphgefässen mehr schleichend entwickeln. Eine chronische Lymphangitis geht oft mit einem Lymphödem einher. Der Grund: Im fortgeschrittenen Stadium der Lymphangitis können durch die Entzündungsvorgänge Lymphbahnverschlüsse (sog. obliterierte Lymphgefässveränderungen) entstehen, durch die der Lymphdruck in den betroffenen Gefässen zunimmt. Typische Anzeichen hierfür sind eine Schwere und ein Spannungsgefühl in den betroffenen Extremitäten. Mit der Zunahme des Drucks tritt Flüssigkeit aus den Lymphbahnen in das umliegende Gewebe aus, was eine sichtbare Schwellung der betroffenen Region verursacht. Gewöhnlich zeigt dieses Lymphödem keine besonderen Verfärbungen und ist nicht schmerzhaft.

Eine chronische Lymphangitis verursacht meist auch Hautveränderungen: Die betroffene Haut juckt, ist flächenhaft gerötet und meist mit Bläschen, Krusten oder Schuppen übersät (Ekzeme). Im Anschluss an diese Symptome treten meist stoffwechselbedingte Störungen des Gewebes auf. Dabei kann es zur Zerstörung der obersten (Erosion) und schliesslich der tiefer gelegenen Hautschichten (Ulkus) kommen.

5. Diagnose

Bei einer Lymphangitis gelingt die Diagnose meist anhand der vorliegenden Symptome. Um festzustellen, ob Wunden oder andere Verletzungen die Entzündung der Lymphbahnen ausgelöst haben könnten, fragt der Arzt nach den Begleitumständen und nach möglichen vorherigen Ereignissen (Anamnese). Bei Verdacht auf eine Lymphgefässentzündung ist es ausserdem wichtig, den Körper genau zu betrachten und das Blut auf verschiedene Entzündungsmarker zu untersuchen.

Bei der Lymphangitis-Diagnose kann auch eine Lymphabflussszintigraphie zum Einsatz kommen: Mit ihrer Hilfe kann der Arzt überprüfen, ob und wie das Lymphsystem geschädigt ist. Diese Untersuchung erfolgt meist, um die chronische Verlaufsform der Lymphangitis zu beurteilen.

Wenn die Betroffenen über 40 Jahre alt sind und eine Krebserkrankung als Ursache für die Lymphangitis nicht auszuschliessen ist, kommen zur weiteren Diagnose folgende Untersuchungen zum Einsatz, um das geschädigte Lymphsystem genau beurteilen zu können:

  • gynäkologische und urologische Untersuchung
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
  • Computertomographie (CT)
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6. Therapie

Bei einer Lymphangitis hängt die Therapie von der Ursache der Lymphgefässentzündung ab: Die meisten Lymphangitiden sind die Folge einer Infektion mit Bakterien. Ist dies auch bei Ihnen der Fall, erhalten Sie Antibiotika. In der Regel zeigt diese antibiotische Lymphangitis-Behandlung schon nach kurzer Dauer eine ausreichende Wirkung. Die weiteren Massnahmen bestehen – unabhängig von der Ursache – darin, die betroffene Extremität oder das betroffene Gebiet ruhig zu stellen und desinfizierende, feuchte Umschläge anzuwenden. Unter Umständen kann es erforderlich sein, die von der Lymphgefässentzündung betroffenen Lymphbahnen und Lymphknoten operativ zu entfernen.

Wenn die Lymphangitis bei Ihnen ein chronisches Stadium erreicht hat und bereits ein Lymphödem besteht, ist es neben der Therapie wichtig, bestimmte Verhaltensregeln zu beachten: angeschwollene Körperteile hoch lagern, keine enge oder einschnürende Kleidung tragen und auch kleine Verletzungen nach Möglichkeit vermeiden.

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7. Verlauf

Bei einer Lymphangitis hängt der Verlauf von den Ursachen der Lymphbahnentzündung sowie von einer rechtzeitigen Behandlung ab. Im Allgemeinen wirkt sich eine Lymphangitis nicht einschränkend auf die Lebenserwartung aus. Wenn man die ursächlichen Erreger (meist Bakterien) durch entsprechende Medikamente erfolgreich bekämpfen kann, ist die Prognose der Lymphangitis sehr gut.

Wenn es jedoch nicht gelingt, wiederkehrende bakterielle Hautinfektionen zu verhindern, verschlimmert sich die Lymphangitis. Deshalb ist es für den weiteren Verlauf wichtig, solche Infektionen mit Antibiotika zu behandeln und jegliche Verletzungen – einschliesslich Bagatellverletzungen der Haut – zu vermeiden.

Komplikationen

Eine Lymphangitis führt in ihrem Verlauf vor allem dann zu Komplikationen, wenn keine ausreichende Behandlung erfolgt. In dem Fall kann die Entzündung der Lymphbahnen zum Beispiel zu Lymphfisteln führen – neu entstandenen Verbindungen zwischen Lymphbahnen, welche die Lymphflüssigkeit über neue Wege leiten. Diese Lymphfisteln kann man mit einer gezielten Kompressionstherapie und vorbeugend mit Antibiotika behandeln.

Eine weitere mögliche Komplikation der Lymphangitis ist die Blutvergiftung (Sepsis). Sie entsteht, wenn die ursächlichen Mikroorganismen (wie Bakterien oder Pilze) im Verlauf der Lymphangitis in die Blutbahn gelangen: So kann sich die Entzündung über den Blutweg ausbreiten. Die Blutvergiftung ist äusserst gefährlich und erfordert eine intensivmedizinische Behandlung.

Führt die Lymphangitis im fortgeschrittenen Verlauf zu einem Lymphödem im Bein und ist durch dieses Übergewicht das Fussskelett falsch oder übermässig belastet, können als Komplikationen starke und schubartige Schmerzen auftreten. Daher ist es wichtig, die betroffene Region während dieses Stadiums der Erkrankung unbedingt ruhig zu halten.

8. Vorbeugen

Einer Lymphangitis können Sie nur indirekt vorbeugen. Die hierzu geeigneten Massnahmen bestehen darin, mögliche ursächliche Erkrankungen zu vermeiden. Es ist deshalb ratsam, jede Entzündung der Haut ärztlich abklären und behandeln zu lassen.

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