1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt)

Von
Veröffentlicht am 12.02.2020

1. Überblick

Magen-Darm-Infekte kommen relativ häufig vor. Meist verlaufen sie harmlos. Gefährlich werden sie vor allem bei Kindern und älteren Menschen.

Als Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) bezeichnen Mediziner eine Entzündung der Schleimhäute des Magens und des Dünndarms, die üblicherweise mit Durchfall und/oder Erbrechen einhergeht. Als Auslöser solcher Durchfallerkrankungen kommen in der Schweiz vor allem Viren, seltener auch Bakterien und Parasiten infrage.

Eine Magen-Darm-Grippe wird meist durch Schmierinfektion übertragen: Die Erreger gelangen aus Stuhl und Erbrochenem des Erkrankten auf Gegenstände und Oberflächen. Bei mangelnder Hygiene können die Erreger von dort über die Hände in den Mund und so auch in Magen und Darm einer anderen Person gelangen, die sich auf diesem Weg ansteckt. Dies nennen Mediziner fäkal-orale Übertragung. Vor allem bei schlechten hygienischen Bedingungen, etwa in Entwicklungsländern, verbreiten sich die Erreger der Magen-Darm-Grippe häufig auch über Trinkwasser oder mit Keimen verunreinigte Lebensmittel.

Sehr häufig sind bei Erwachsenen Noroviren und bei Kindern Rotaviren die Ursache einer Magen-Darm-Grippe. Die Symptome der Gastroenteritis beginnen meist recht plötzlich, typischerweise treten auf:

Die Beschwerden einer Magen-Darm-Grippe unterscheiden sich von Erreger zu Erreger und können recht milde oder sehr heftig sein. Der Durchfall kann Blut und Schleim enthalten.

Anzeige
Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.

Die Therapie einer Gastroenteritis beschränkt sich bei ansonsten gesunden Erwachsenen in aller Regel darauf, die durch den Brechdurchfall verlorene Flüssigkeit, die Elektrolyte und die Nährstoffe zu ersetzen. Wichtig ist, viel zu trinken, am besten Mineralwasser oder ungesüsste Kräutertees. Das Hausmittel «Cola und Salzstangen» ist generell wenig empfehlenswert – für Kinder ist Cola bei einem Magen-Darm-Infekt völlig ungeeignet, da der viele Zucker den Durchfall verschlimmern kann und das Koffein dem Körper zusätzliches Kalium entzieht! Bei einer bakteriell bedingten Magen-Darm-Grippe müssen Betroffene mitunter gezielt Medikamente gegen die Erreger, also Antibiotika, einnehmen.

In den meisten Fällen überwindet man einen Magen-Darm-Infekt recht schnell und ohne Komplikationen: Das Erbrechen lässt häufig innerhalb von ein bis zwei Tagen nach, der Durchfall klingt nach etwa zwei bis sieben Tagen ab. Eine durch Viren bedingte Gastroenteritis verläuft in der Regel leichter als eine durch Bakterien ausgelöste.

Um zu verhindern, dass sich die Viren oder Bakterien weiter ausbreiten, sollten Betroffene und ihre Kontaktpersonen bestimmte Hygienemassnahmen wie häufiges Händewaschen einhalten.

Auch wenn der Name es vielleicht vermuten lässt: Mit der klassischen Grippe (Influenza) hat die Magen-Darm-Grippe nichts zu tun.

Anzeige

2. Definition

Der Fachbegriff für die umgangssprachliche Bezeichnung «Magen-Darm-Grippe» lautet Gastroenteritis. Gastroenteritis steht für eine Entzündung ("-itis") des Magens (Gaster) und des Darms (Enter-). Die echte Grippe (Influenza) steht in keinem Zusammenhang mit diesem Krankheitsbild.

Es gibt eine Reihe weiterer Namen für eine Magen-Darm-Grippe:

  • Magen-Darm-Infekt
  • Brechdurchfall
  • Darmgrippe
  • Magen-Darm-Katarrh

Häufigkeit

Im Säuglings- und Kindesalter tritt die Gastroenteritis sehr häufig auf: In den ersten drei Lebensjahren erkrankt jedes Kind etwa zwei- bis dreimal jährlich an einer Magen-Darm-Grippe.

Auch als Reisedurchfall ist die Gastroenteritis weit verbreitet: Sie gilt als die häufigste Infektionskrankheit bei Fernreisenden. In Gebieten mit besonders hohem Ansteckungsrisiko, wie Mittelamerika, Zentralafrika oder Südasien, bekommen bis zu 50 Prozent der Reisenden eine Magen-Darm-Grippe. In anderen Gebieten (zum Beispiel in China oder der Karibik) beträgt die Ansteckungsrate schätzungsweise bis zu 15 Prozent. Pro Jahr gibt es weltweit insgesamt rund 40 Millionen Fälle von Reisedurchfall.

Anzeige

3. Ursachen

Für eine Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) kommen viele Ursachen in Betracht. Oftmals steckt ein Magen-Darm-Virus hinter einer Durchfallerkrankung, aber auch viele Bakterien und manche Parasiten lösen eine Gastroenteritis aus.

In Europa kommen vor allem folgende Erreger als Ursache einer Magen-Darm-Grippe infrage:

  • Noroviren
  • Rotaviren
  • Campylobacter
  • Salmonellen

Bei Säuglingen und Kleinkindern stehen Rotaviren unter den Ursachen einer Gastroenteritis auf Platz 1, gefolgt von Noroviren. Bei Erwachsenen verursachen Noroviren etwa die Hälfte aller Brechdurchfälle. Durchfallerkrankungen durch Noroviren treten während des gesamten Jahrs auf, gehäuft allerdings in den Monaten Oktober bis März.

Anzeige
Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.

Neben Viren sind es vor allem Bakterien, die zu Durchfall führen. Besonders Reisedurchfall hat meist eine bakterielle Ursache. Wissenschaftler unterscheiden dabei drei verschiedene Arten, wie ein Erreger den Durchfall verursacht:

  1. Sekretionstyp: Die Bakterien schädigen die Schleimhautzellen des Darms und bewirken eine Abgabe (Sekretion) von Elektrolyten in das Innere des Darms (Darmlumen). Um die höhere Konzentration von Elektrolyten im Darmlumen auszugleichen, folgt Wasser nach – wässriger Durchfall setzt ein.
  2. Invasionstyp: Die Bakterien gelangen ins Innere der Darmzellen, vermehren sich dort und zerstören sie letztlich. Eine eitrige Infektion ist die Folge. Die Durchfälle sind blutig-schleimig und gehen mit krampfartigen Bauchschmerzen einher.
  3. Penetrationstyp: Die Bakterien zerstören die Zellen nicht, lösen aber eine Entzündung aus. Warum und wie es genau zu dem Durchfall kommt, ist noch unklar.

Häufige bakterielle Erreger sind:

  • Sekretionstyp: Vibrio cholera (Krankheit: Cholera), EPEC , ETEC
  • Invasionstyp: Shigellen (Krankheit: Ruhr bzw. Shigellose), Campylobacter, Clostridium difficile, EIEC, EHEC, Entamoeba histolytica
  • Penetrationstyp: Salmonellen (Krankheiten: Salmonellose bzw. Salmonellen-Enteritis) und Yersinien

Die Abkürzungen EPEC, ETEC, EIEC und EHEC stehen für krankheitserregende (pathogene) Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli (E. coli, EC).

Neben Viren und Bakterien verursachen auch bestimmte Parasiten, sogenannte Protozoen, eine Magen-Darm-Grippe. Typische Erreger sind:

  • Giardia intestinalis oder Giardia lamblia (Krankheit: Giardiasis bzw. Lambliasis, Lamblienruhr)
  • Entamoeba histolytica (Krankheit: Amöbenruhr)

Parasiten sind besonders in warmen Ländern häufig. Je länger eine auf Fernreisen aufgetretene Magen-Darm-Grippe dauert, desto eher stecken Parasiten dahinter. Spätestens nach zwei Wochen andauernder Krankheit sind sie als Ursache in Betracht zu ziehen.

Anzeige

Ansteckung

Bei einer Magen-Darm-Grippe erfolgt die Ansteckung meist über Schmierinfektionen direkt von einer Person auf die nächste: An einem Magen-Darm-Infekt Erkrankte scheiden die Erreger über den Stuhl und das Erbrochene aus und verteilen sie unbemerkt in ihrer Umwelt, etwa auf Gegenstände oder Oberflächen.

Letztlich gelangen die Erreger zu einer anderen Person, über deren Hände erst in den Mund und dann in Magen und Darm. Auf diesem Weg erfolgt die Ansteckung (fäkal-orale Übertragung). Manche Viren, so zum Beispiel das Norovirus, sind so ansteckend, dass bereits eine sehr geringe Menge von 10 bis 100 Viren reicht, um weitere Personen zu infizieren.

Ebenfalls können sich winzige virushaltige Tröpfchen beim Erbrechen über die Luft direkt auf andere Personen übertragen (Tröpfcheninfektion). Dies ist ein Grund dafür, warum sich Infektionen mit solchen Viren mitunter sehr rasch ausbreiten, zum Beispiel in Kindergärten, Spitälern, Alters- oder Pflegeheimen.

Weiterhin ist eine Ansteckung über kontaminierte Nahrungsmittel, vor allem Fisch und Meeresfrüchte, oder Getränke (verunreinigtes Wasser!) möglich. Dies trifft eher auf Länder der tropischen und subtropischen Regionen zu. Die Amöbenruhr – Erreger ist der Parasit Entamoeba histolytica – verbreitet sich zum Beispiel häufig durch Abwasser oder verunreinigtes Trinkwasser.

Für Noroviren gilt, dass die Betroffenen andere Menschen anstecken können, solange

  • akute Krankheitssymptome bei ihnen auftreten sowie
  • mindestens noch weitere 48 Stunden, nachdem sie wieder abgeklungen sind.

Da Noroviren aber noch nach Wochen ausgeschieden werden, kann auch später eine Ansteckung möglich sein.

Anzeige

4. Symptome

Bei einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) setzten die Symptome plötzlich (akut) und heftig ein. Typische Symptome sind

Durchfall und Erbrechen sind zwar die häufigsten Symptome einer Magen-Darm-Grippe. Sie treten aber nur in zehn Prozent der Fälle gemeinsam auf. In 80 Prozent der Fälle tritt nur Durchfall und kein Erbrechen auf.

Durchfall besteht, wenn jemand zu häufig einen zu breiigen oder zu flüssigen Stuhl ausscheidet. Laut Definition ist das der Fall, wenn es mehr als dreimal täglich zu dünnflüssigem Stuhl kommt. Oft ist dabei auch die Menge des Stuhls erhöht.

Sehr heftiger oder lange andauernder Brechdurchfall kann zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust führen. Der Flüssigkeitsverlust schwächt den Betroffenen zusätzlich zu der Infektion und führt zu Kreislaufproblemen. Besonders Säuglinge, Kleinkinder und alte Menschen reagieren darauf sehr empfindlich. Deshalb steht bei einer Magen-Darm-Grippe im Vordergrund, den Flüssigkeitsverlust möglichst schnell auszugleichen – in der Regel bei leichten Verläufen meist durch vermehrtes Trinken.

Wird der Flüssigkeitsverlust nicht ausreichend kompensiert, können die Symptome einer Austrocknung (Exsikkose) auftreten:

  • trockene, belegte Zunge
  • eingesunkene Augen
  • klanglose Stimme
  • Blutdruckabfall
  • Wadenkrämpfe

Bei einer Magen-Darm-Grippe sind weitere Symptome möglich. Dazu gehören:

Fieber entwickelt sich bei einer Magen-Darm-Grippe eher selten, die Körpertemperatur kann aber etwas erhöht sein. Je nach Erreger und allgemeinem Gesundheitszustand des Betroffenen sind auch sehr milde Verläufe möglich – manchmal treten gar keine Symptome auf. Im Extremfall sind auch schwerwiegende Magen-Darm-Beschwerden (wie blutiger Durchfall) und andere schwere Krankheitszeichen (wie hohes Fieber) möglich. Meistens ist ein Magen-Darm-Infekt aber selbstlimitierend - die Symptome verschwinden also schnell von alleine wieder.

Anzeige

5. Diagnose

Bei einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) erfolgt die Diagnose meist anhand der typischen Beschwerden. Es ist wichtig, festzustellen, wie viel Flüssigkeit der Erkrankte durch den Brechdurchfall verliert, ob Komplikationen vorliegen und welche anderen Diagnosen eventuell noch in Betracht kommen, etwa Nahrungsunverträglichkeiten wie eine Laktoseintoleranz.

Meist heilt eine Magen-Darm-Grippe von alleine. Wenn eines der folgenden Anzeichen zutrifft, sollte man aber auf jeden Fall zum Arzt gehen!

In aller Regel reicht es aus, wenn der Arzt die Krankengeschichte (Anamnese) erfragt und den Betroffenen körperlich untersucht. Der Betroffene sollte angeben,

  • seit wann der Brechdurchfall oder Durchfall besteht,
  • wie oft er auftritt,
  • welche Beschaffenheit der Stuhl hat und ob Schleim oder Blut beigemengt ist,
  • welche Beschwerden sonst noch aufgetreten sind, zum Beispiel Bauchkrämpfe, Fieber oder Gliederschmerzen.

Auch die Art und Menge der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme in den zurückliegenden Stunden spielt eine Rolle. Denn diese Informationen helfen dem Arzt dabei, den derzeitigen Zustand des Flüssigkeits- und Energiehaushalts des Patienten einzuschätzen. Auch ein zurückliegender Auslandsaufenthalt, eingenommene Medikamente (z.B. Antibiotika) und andere Krankheiten (etwa Darmerkrankungen oder Erkrankungen des Stoffwechsels) sind von Interesse.

Nur in bestimmten Situationen erfordert eine Magen-Darm-Grippe weiterführende Untersuchungen, um die Diagnose zu sichern. So zum Beispiel, wenn

  • die Gastroenteritis sehr schwer verläuft und/oder der Stuhl Blut enthält,
  • Komplikationen auftreten (z.B. eine Blutvergiftung),
  • bedeutsame Begleiterkrankungen vorliegen, besonders wenn eine Immunschwäche besteht (z.B. AIDS),
  • der Durchfall schon länger als vier Wochen anhält,
  • ein Säugling im Alter unter 3 Monaten oder ein Mensch hohen Alters betroffen ist,
  • sich der Betroffene kürzlich in einem «Risikoland» aufgehalten hat,
  • der Betroffene in einer Gemeinschaftseinrichtung oder beruflich mit Lebensmitteln arbeitet,
  • Zweifel an der Diagnose bestehen oder
  • Symptome bei mehreren Personen in Gemeinschaftseinrichtungen, z.B. einem Kindergarten, auftreten.

Um die Erreger einer Magen-Darm-Grippe zu ermitteln, wird eine Stuhlprobe in einem Labor untersucht. Gegebenenfalls kann zusätzlich eine Blut- und Urinuntersuchung erfolgen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann es bei einer Gastroenteritis in seltenen Fällen dazu kommen, dass sich ein Teil des Darms nach innen stülpt (Invagination) – dies kann der Arzt mittels einer Sonographie nachweisen. In Einzelfällen erfordert die Magen-Darm-Grippe eine Endoskopie, um die Auslöser der Erkrankung ausfindig zu machen. Nicht selten wird der Beginn einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung als eine wiederholte Magen-Darm-Grippe missdeutet.

Anzeige

6. Therapie

In den meisten Fällen reicht bei einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) eine Therapie aus, die den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust sowie die verlorengegangenen Nährstoffe ausgleicht. Ein Magen-Darm-Infekt verläuft bei ansonsten gesunden Erwachsenen häufig so, dass sich die Symptome von selbst bessern und der Körper den Brechdurchfall ohne spezielle Medikamente überwindet.

Zur Behandlung leichter Fälle einer Gastroenteritis gehören

  • Flüssigkeits- und Elektrolyteaufnahme,
  • Nährstoffaufnahme und
  • körperliche Schonung bzw. Bettruhe.

Da eine solche Therapie nicht gezielt die Ursache der Krankheit ausschaltet, also den Erreger, sprechen Mediziner von einer symptomatischen Therapie: Sie bessert die Beschwerden und überbrückt die Zeit bis zur Genesung. Je nachdem, wie stark die Symptome einer Magen-Darm-Grippe ausgeprägt sind, kann eine Therapie im Spital erforderlich sein. Dort bekommt der Betroffene bei grossem Flüssigkeitsverlust oder in Fällen, in denen er nicht ausreichend trinkt oder trinken kann, die erforderlichen Stoffe über eine Vene als Infusion oder über eine Nasensonde in den Magen verabreicht.

Bei Säuglingen, Kleinkindern und alten Menschen – vor allem wenn Vorerkrankungen bestehen – bringt eine Gastroenteritis gewisse Risiken mit sich. Eine angemessene Therapie durch einen Arzt ist bei diesen Personengruppen daher wichtig. Nicht geeignet für Säuglinge und Kleinkinder sind Säfte und Cola-Getränke. Der Grund: Ihr sehr hoher Zuckeranteil fördert mitunter die bei Durchfall ohnehin schon gesteigerte Wasserabgabe aus dem Körper ins Darminnere.

Anzeige
alt

Viel trinken ist wichtigster Teil der Therapie gegen eine Magen-Darm-Grippe.

Quelle: Thinkstock Kollektion

Da Kinder weitaus empfindlicher auf Flüssigkeitsverluste reagieren als Erwachsene (je jünger sie sind, desto ausgeprägter), ist dieser Wasserverlust gefährlich. Das in der Cola enthaltene Koffein verstärkt zudem den bereits bestehenden Kaliumverlust. Auch selbst hergestellte Mischungen aus Saft, Salz, Zucker und Wasser sind ungeeignet, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

Vielmehr sollte das Kind bei leichter Magen-Darm-Grippe mehr zu trinken bekommen als sonst, geeignet sind je nach Alter und bisheriger Gewohnheit Muttermilch, Säuglingsmilch, Wasser oder ungesüsster Kräutertee. Soweit es möglich ist, sollte das Kind – je nach dem – gestillt werden oder normal gefüttert werden oder essen. Längere Nahrungspausen oder eine spezielle «Schon- oder Aufbaukost» sind nicht nötig. Bei starkem Flüssigkeitsverlust muss eine spezielle Elektrolytlösung die Verluste ausgleichen (Wirkstoff Dinatriumhydrogencitrat).

Eine solche Elektrolyt-Zucker-Lösung heisst fachsprachlich orale Rehydratationslösung, abgekürzt ORL. Sie eignet sich besonders gut, den Flüssigkeitsverlust von Säuglingen, Kleinkindern und alten, kranken Menschen auszugleichen und einer «Austrocknung» (Dehydratation) entgegenzuwirken oder sie zu verhindern. Die Lösung enthält genau die Mischung, die der Körper braucht: in Wasser gelöste Elektrolyte wie Kochsalz (NaCl), Kaliumchlorid (KCl) oder Natriumcitrat sowie Traubenzucker als Nährstoff.

Erwachsenen mit Magen-Darm-Grippe und leichtem Durchfall schadet das Hausmittel «Cola und Salzstangen» als Therapie zwar nicht unbedingt – empfohlen wird es aber auch nicht. Salzstangen liefern vor allem Natrium, doch der Körper braucht ebenso Kalium. Am besten isst man deshalb zusätzlich Bananen, da sie viel Kalium enthalten. Achten Sie darauf, viel zu trinken, etwa Mineralwasser oder ungesüsste Kräutertees. In schwereren Fällen können Betroffene sich Elektrolyt-Präparate aus der Apotheke besorgen.

Anzeige

Medikamente

Nur in bestimmten Fällen erfordert eine Magen-Darm-Grippe eine Therapie mit Medikamenten, die gezielt die Erreger angreifen. Im Fall von bakteriellen Infektionen sind das Antibiotika. Dies gilt zum Beispiel für manche Formen des Reisedurchfalls, der häufig durch Bakterien wie Salmonellen, Shigellen, Yersinien oder krankheitserregende (pathogene) Stämme von Escherichia coli (E. coli) verursacht wird. Diese Medikamente sollten aber nur bei schwerem Krankheitsverlauf zum Einsatz kommen, weil der Infekt unter einer Antibiotika-Behandlung oft nicht ganz ausheilt. Betroffene können so dauerhaft ansteckend bleiben, auch wenn sie keine Symptome mehr haben. Antibiotika können auch selbst Durchfall als Nebenwirkung auslösen. In dem Fall sollte man die Weiterführung der Therapie mit dem Arzt besprechen.

Antibiotika wirken nicht gegen Viren – sie scheiden daher für die Behandlung einer viralen Gastroenteritis (z.B. durch Rotaviren oder Noroviren) aus.

Gegen starken Durchfall gibt es zudem Medikamente, die nicht direkt gegen die Erreger wirken, sondern die Symptome lindern sollen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche davon in Ihrem Fall zweckmässig sind – für einige Substanzen fehlen bislang klare Belege, dass sie auch helfen. Beispiele für Wirkstoffe gegen Durchfall sind:

  • Opioide: Der Wirkstoff Loperamid hemmt die Darmbeweglichkeit (Motilitätshemmer) und senkt somit die Häufigkeit des Durchfalls. Loperamid eignet sich nicht bei Durchfall, der durch Bakterien vom Invasionstyp (z.B. Shigellen) verursacht wird, da die Ruhigstellung des Darms begünstigt, dass die Bakterien Giftstoffe bilden bzw. diese Giftstoffe langsamer ausgeschieden werden. Ebenfalls darf Loperamid nicht bei Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt werden und sollte auch bei Erwachsenen nicht über mehrere Tage hinweg eingenommen werden. Bei schweren Magen-Darm-Infekten (zum Beispiel mit blutigem Durchfall oder Fieber) sind Motilitätshemmer ebenfalls nicht empfohlen.
  • Aktivkohle (Carbo medicinalis, medizinische Kohle): Sie zählt zu den sog. Adsorbenzien; das sind Substanzen, die andere Stoffe binden können.
  • Racecadotril: hemmt das Enzym Enkephalinase in der Dünndarmschleimhaut. Dieses Enzym kann Eiweisse abbauen, die die Abgabe von Wasser in den Darm hemmen. Letztlich gelangt durch den Wirkstoff weniger Wasser in den Darm.
  • Quellstoffe: z.B. Pektin
  • Adstringenzien: gerbstoffhaltige Präparate; sie «verdichten» die Darmschleimhaut, wodurch weniger Wasser ins Darminnere abgegeben wird.

Muss sich der Betroffene sehr heftig übergeben, können Mittel gegen Erbrechen (sog. Antiemetika) die Beschwerden mildern, zum Beispiel der Wirkstoff Ondansetron. Um Schmerzen und Bauchkrämpfe zu lindern, eignen sich Paracetamol, Opioide sowie Butylscopolamin. Acetylsalicylsäure (ASS), nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und COX-2-Hemmer (wie Etoricoxib) sollten bei einer Gastroenteritis hingegen nicht eingenommen werden.

Anzeige

Ernährung

Viele schwören bei Magen-Darm-Grippe auf magenschonende Kost wie Reis, Bananen, Apfelmus, Zwieback oder Toast. Manche verzichten auch auf Milchprodukte, um zusätzliche Magen-Darm-Beschwerden infolge einer Laktoseintoleranz zu vermeiden (eine Gastroenteritis kann vorübergehend zu einem Laktasemangel führen und damit die Möglichkeit zur Milchverdauung verringern). Kaffee, Fruchtsäfte, Limonaden, Alkohol und fettige Speisen gelten ebenfalls als eher ungeeignet, weil sie den Darm zusätzlich reizen können.

Dass sich diese klassische Durchfalldiät positiv auf den Verlauf der Magen-Darm-Grippe auswirkt, ist jedoch nicht bewiesen.

Allgemein kann alle Nahrung zu sich genommen werden, die gut verträglich ist. Längere Nahrungspausen oder eine spezielle Schon- oder Aufbaukost sind bei Magen-Darm-Grippe nicht nötig. Auch Kinder mit Gastroenteritis sollen, soweit möglich, mit verträglicher Kost normal ernährt werden.

Probiotika können die Dauer des Durchfalls potenziell verkürzen. Probiotika sind Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, die probiotische Mikroorganismen enthalten - zum Beispiel Milchsäurebakterien in Naturjoghurt oder Hefen. Sie sollen die Erreger im Darm verdrängen und so den Körper bei der Bekämpfung der Gastroenteritis unterstützen. Wer ein stark geschwächtes Immunsystem oder schwere Vorerkrankungen hat, sollte seine Magen-Darm-Grippe aber besser nicht mit Probiotika behandeln. Die probiotischen Mikroorganismen können in diesen Fällen selbst zu einer Infektion führen.

7. Verlauf

Eine Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) verläuft meist ohne Komplikationen und Betroffene werden recht schnell wieder gesund. Trotzdem treten auch schwere Formen der Gastroenteritis auf – vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und alten Menschen kann der Flüssigkeitsverlust kritische Ausmasse annehmen, die eine gezielte und schnelle Therapie erfordern. Eine Magen-Darm-Grippe dauert in der Regel zwei bis sieben Tage.

Bei einer Infektion mit dem Norovirus ist besondere Vorsicht bei alten Menschen geboten, die bereits vorher unter verschiedenen anderen Erkrankungen litten.

Das Gefährliche an dem Brechdurchfall ist der Flüssigkeits- und Elektrolytverlust, der so ausgeprägt sein kann, dass Organe in Mitleidenschaft geraten (z.B. Nierenversagen).

Anzeige

Komplikationen

Vor allem bei Babys, Kleinkindern und alten Menschen kann der Verlust an Flüssigkeit und Elektrolyten kritische Ausmasse annehmen. Mögliche Anzeichen einer Austrocknung des Körpers und dadurch verursachte Komplikationen sind:

  • Störung des Mechanismus des menschlichen Körpers, der den Blutdruck reguliert, wenn man vom Stehen ins Sitzen oder Liegen wechselt oder umgekehrt (orthostatische Dysregulation), kann auch zu Stürzen führen,
  • Schock durch Volumenmangel (hypovolämischer Schock; durch den grossen Flüssigkeitsverlust nimmt die Menge des zirkulierenden Blutes stark ab),
  • Bewusstseinsstörungen, akuter Verwirrtheitszustand (Delir),
  • Nierenfunktionsstörungen bis hin zum akuten Nierenversagen,
  • starke Muskelschmerzen durch Auflösung quergestreifter Muskelfasern (Rhabdomyolyse),
  • erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle,
  • erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Dekubitus (Wundliegen).

Weitere mögliche Komplikationen einer Magen-Darm-Grippe sind:

  • Unterzuckerung (Hypoglykämie),
  • Darmdurchbruch (Darmperforation) und
  • bei begünstigenden individuellen Faktoren eine Blutvergiftung (Sepsis).

Bei gesunden Menschen sind Komplikationen infolge einer Magen-Darm-Grippe eher selten. Komplizierte Verläufe kommen vor allem bei Menschen vor, die Begleiterkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem haben. Dies trifft zum Beispiel zu bei Nierenschwäche, Einnahme von Immunsuppressiva, Krebs mit Chemotherapie oder HIV mit fortgeschrittener Immunschwäche.

Diesen Komplikationen lässt sich durch eine geeignete Therapie gut vorbeugen – vorausgesetzt, es besteht eine gute medizinische Versorgung. In Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung zählen Durchfallerkrankungen zu den häufigen Gründen für Krankheit und Tod: In Entwicklungsländern sterben jedes Jahr bis zu 600'000 Kinder im Alter bis zu fünf Jahren allein an den Folgen einer Rotavirus-Gastroenteritis.

8. Vorbeugen

Einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis, Magen-Darm-Infekt) können Sie vorbeugen, indem Sie Hygiene-Regeln einhalten, beispielsweise nach Toilettenbesuchen oder einem Windelwechsel bei Ihrem Kind sowie vor jedem Essen die Hände waschen und im Umgang mit Kranken besonders achtsam sind. Im Krankhaus gelten spitalhygienische Massnahmen, die unbedingt befolgt werden sollten, um eine weitere Verbreitung der Erreger zu vermeiden.

Da eine Ansteckung mit Bakterien über verunreinigte Nahrungsmittel und Getränke erfolgen kann, sollten Sie alle Speisen, insbesondere Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, gut durchgaren. Bei der Zubereitung von Lebensmitteln sollte sauber gearbeitet werden. Bei Reisen in warme Länder sollte auf rohes, ungeschältes Obst und Gemüse verzichtet werden und nur abgekochtes Wasser getrunken werden.

In manchen Fällen kann eine Impfung gegen Erreger der Magen-Darm-Grippe vor der Erkrankung schützen. So gibt es seit 2006 eine Impfung gegen Rotaviren. Europäische Fachgesellschaften empfehlen diese Schluckimpfung für alle Säuglinge, auch Frühgeborene. Gegen das Norovirus steht bisher kein Impfschutz zur Verfügung.

Wer eine Gastroenteritis zu Hause auskuriert, kann das Ansteckungsrisiko für andere Haushaltsmitglieder gering halten, indem man sich möglichst oft gründlich die Hände wäscht, Kleidung und Bettwäsche bei mindestens 60 Grad reinigt, in der Küche verstärkt auf die Hygiene achtet und kein Essen für andere zubereitet, sowie falls vorhanden ein separates WC verwendet.

Um die Magen-Darm-Grippe nicht weiterzuverbreiten, sollte man nach Möglichkeit zu Hause bleiben, solange man ansteckend ist. Kinder mit einer ansteckenden Gastroenteritis dürfen erst wieder in die Kinderkrippe oder Schule gehen, wenn sie zwei Tage keinen Durchfall mehr hatten.

Anzeige
Videos
loading...
Dr. med. Claudia Twerenbold erklärt, ob Masken wirklich schützen – und worauf man bei selbstgemachten Modellen achten sollte.
Quelle: Beobachter Bewegtbild

Coronavirus

Wie hilfreich sind Schutzmasken?

Coronavirus

Wie hilfreich sind Schutzmasken?

Coronavirus

Wie schützt sich Spitalpersonal vor Infektion?

Coronavirus

Wie sieht ein schwerer Verlauf aus?

Coronavirus

An Covid-19 erkrankt – was nun?