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Magenübersäuerung

(Hyperazidität)
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1. Überblick

Die Magenübersäuerung (Hyperazidität) ist die übermässige Produktion von Magensäure, die im Rahmen verschiedener Erkrankungen vorkommen und typische Beschwerden hervorrufen kann.

Im Magen sind spezielle Zellen, die Belegzellen, für die Produktion von Magensäure zuständig. Es handelt sich dabei um Salzsäure (HCl). Die Magensäure hat wichtige Funktionen: Sie tötet zum Beispiel die mit der Nahrung aufgenommenen Krankheitserreger ab. Ausserdem ist das saure Milieu im Magen eine Voraussetzung dafür, dass die Verdauungsenzyme die Nahrung optimal aufspalten können. Die Belegzellen schütten deshalb nicht kontinuierlich dieselbe Menge an Magensäure aus, sondern reagieren auf bestimmte Reize, die mit der Nahrungsaufnahme in Zusammenhang stehen: So stimulieren zum Beispiel der Anblick oder der Duft von Essen, die Dehnung der Magenwand durch den Speisebrei oder darin enthaltenes, bereits angedautes Eiweiss die Magensäurebildung. Bei diesen Prozessen spielen neben Nervenimpulsen auch Hormone wie das Gastrin eine wichtige Rolle.

Es gibt viele Ursachen für die Magenübersäuerung, unter anderem:

  • Stress
  • ungesunde Ernährung
  • Nikotin
  • Koffein
  • übermässiger Konsum von Alkohol
  • bestimmte Medikamente
  • Infektionen mit Bakterien
  • Lebensmittelvergiftung
     

Eine kurzfristige Störung des Säurehaushalts im Magen bleibt in der Regel ohne Folgen. Dauerhaft und besonders im Zusammenspiel mit einer Infektion der Magenschleimhaut durch das Bakterium Helicobacter pylori kann die Magenübersäuerung Schäden am Magen (z.B. Magenschleimhautentzündung und Magengeschwür) oder am oberen Abschnitt des Dünndarms (z.B. Zwölffingerdarmgeschwür) hervorrufen. Auch an der Speiseröhre (z.B. bei der Refluxkrankheit) kann übermässiger Kontakt mit Magensäure zu Schäden an der Schleimhaut führen.

Patienten, die an einer Magenübersäuerung leiden, klagen oft über Symptome wie:

 

Medikamente, welche die Produktion von Magensäure drosseln und somit einer Magenübersäuerung entgegenwirken (Protonenpumpenhemmer), spielen eine wichtige Rolle in der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen. In manchen Fällen ist es auch notwendig, Lebensgewohnheiten, die eine Magenübersäuerung fördern können, umzustellen, zum Beispiel indem man den Alkoholkonsum einschränkt und/oder auf fette und scharf gewürzte Speisen verzichtet.

2. Definition

Magenübersäuerung (Hyperazidität) ist keine eigenständige Krankheit sondern bezeichnet den erhöhten Gehalt an Salzsäure im Magensaft. Ursache dafür ist die übermässige Produktion von Salzsäure durch bestimmte Zellen in der Magenschleimhaut – den Belegzellen.

Verschiedene gesundheitliche Störungen und Verhaltensweisen wie ungesunde Ernährung oder Rauchen fördern die Magenübersäuerung.

Zu den typischen Beschwerden, die im Rahmen der Magenübersäuerung auftreten können, zählen Völlegefühl, saures Aufstossen, Sodbrennen, Magenschmerzen oder Übelkeit. Sie können auf Erkrankungen wie Magenschleimhautentzündung, ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, einen Reizmagen oder eine Refluxkrankheit hinweisen.

Physiologische Grundlagen

Im Durchschnitt werden im Magen täglich circa zwei Liter Magensaft gebildet. Der Hauptbestandteil des Magensafts ist die Magensäure, die von speziellen Zellen in der Magenschleimhaut, den Belegzellen, gebildet wird. Chemisch handelt es sich bei der Magensäure um Salzsäure (HCl). Je nachdem, ob man etwas gegessen hat oder nicht, läuft die Säureproduktion unterschiedlich schnell ab: Zwischen den Mahlzeiten produzieren die Belegzellen der Magenschleimhaut eine kontinuierliche Grundversorgung mit Salzsäure. Kurz vor beziehungsweise während der Nahrungsaufnahme verstärken dann verschiedene Faktoren die Säurebildung im Magen:

  • Psychisch bzw. nervlich gesteuerte Einflüsse: Z.B. der Anblick oder der Geruch von Speisen – auch bereits der Gedanke ans Essen kann die Säurebildung steigern.
  • Lokale Einflüsse: z.B. die Dehnung der Magenwände durch den Speisebrei, einzelne Nahrungsbestandteile wie z.B. Koffein, Alkohol oder bereits angedautes Eiweiss (Peptide)
  • Hormon-Einfluss: Vor allem das Hormon Gastrin spielt bei der Stimulation der Belegzellen eine wichtige Rolle. Auch der Botenstoff Histamin regt die Säureproduktion an.

Die Magensäure hat zwei wichtige Funktionen: Zum einen zerstört sie den überwiegenden Teil der mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien. Eine der wenigen Ausnahmen unter den Krankheitserregern, die den Kontakt mit der Magensäure überleben, sind die Tuberkelbakterien, die Erreger der Tuberkulose, und Helicobacter pylori. Zum anderen wandelt die Magensäure Enzym-Vorstufen, die für die Verdauung wichtig sind, in ihre aktiven Formen um (z.B. Pepsinogen in Pepsin).

3. Ursachen

Eine Magenübersäuerung (Hyperazidität) kann unterschiedliche Ursachen haben, da die produzierte Menge und Zusammensetzung des Magensafts mehreren Mechanismen unterliegt. Sie wird zum einen durch die Nahrung und das Essverhalten bestimmt. Zum Beispiel können grosse und schnell verspeiste Mengen an sehr fettreichem Essen den Magen überlasten. Zum anderen steigern Alkohol-, Nikotin- und Kaffeekonsum die Bildung von Salzsäure und begünstigen eine Magenübersäuerung. Auch emotionale Einflüsse wie Stress oder Ärger wirken sich auf die Magensäureproduktion aus.

Auch manche Medikamente kommen bei einer Magenübersäuerung als Ursachen infrage. Sogenannte nicht-steroidale Antiphlogistika wie Acetylsalicylsäure gehören dazu. Ist eine lang andauernde Einnahme dieser Substanzen nicht zu vermeiden, verschreibt der Arzt zusätzlich Säureblocker (z.B. Protonenpumpenhemmer), die einer Magenübersäuerung entgegenwirken.

Ebenso zählt eine krankhafte Überproduktion des Hormons Gastrin (Zollinger-Ellison-Syndrom) bei Magenübersäuerung zu den Ursachen. Beim Zollinger-Ellison-Syndrom handelt es sich um einen seltenen hormonproduzierenden Tumor, der meist in der Bauchspeicheldrüse auftritt.

Als ursächlicher Auslöser einer Magenübersäuerung kommt auch die Besiedelung der Magenschleimhaut durch den Erreger Helicobacter pylori infrage. Dabei handelt es sich um ein Bakterium, das in vielen Fällen für die Entstehung von Zwölffingerdarmgeschwüren und chronischer Magenschleimhautentzündung (Gastritis) verantwortlich ist.

Ist zusätzlich die Funktion des Schliessmuskels am Mageneingang gestört, kann der saure Magensaft in die Speiseröhre aufsteigen und dort die Schleimhaut angreifen (Refluxkrankheit).

4. Symptome

Eine kurzzeitige Magenübersäuerung zeigt in der Regel keine Symptome und auch keine nennenswerten Folgen. Eine dauerhafte Veränderung der Säureproduktion kann jedoch die Schleimhaut des Magens und des Zwölffingerdarms schädigen.

Diese Schleimhautschäden durch Magenübersäuerung können bei den Betroffenen folgende Symptome hervorrufen:

Solche Symptome finden sich im Wesentlichen bei akuter Magenschleimhautentzündung (Gastritis), während eine chronische Magenschleimhautentzündung oft auch symptomlos abläuft. Ebenso können die Beschwerden ein Hinweis auf ein Zwölffingerdarmgeschwür sein.

5. Diagnose

Besteht der Verdacht auf eine Magenübersäuerung, ist eine genaue Diagnose durch den Arzt wichtig, denn: Eine fortwährende Magenübersäuerung (Hyperazidität) kann zu ernsthaften Schäden der Magenschleimhaut führen und/oder Ausdruck einer bestehenden Magenerkrankung sein.

Zunächst sind dafür eine genaue Anamnese, also die Erhebung der Krankengeschichte, und eine körperliche Untersuchung notwendig. Zur weiteren Abklärung bei länger bestehenden Beschwerden ist oft eine Magenspiegelung (Gastroskopie) sinnvoll. Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Arzt auch Gewebeteilchen der Magenschleimhaut (Biopsie) entnehmen, die Aufschluss darüber geben, ob der Untersuchte eine Gastritis oder ein Magengeschwür hat. Mit dem durch die Speiseröhre in den Magen eingeführten Endoskop kann der Arzt auch den Anfangsbereich des Zwölffingerdarms beurteilen und feststellen, ob ein Zwölffingerdarmgeschwür vorliegt.

Bei Magenübersäuerung können im Rahmen der Diagnose auch spezielle Tests zum Nachweis des Bakteriums Helicobacter pylori folgen, das an der Entstehung von Magenschleimhautschäden und Geschwüren im oberen Magen-Darm-Trakt beteiligt sein kann. Besteht der Verdacht auf eine Refluxkrankheit, kann als weitere diagnostische Massnahme eine Langzeit-pH-Metrie (Säuremessung) des Magens durchgeführt werden, welche die Produktion der Magensäure misst.

6. Therapie

Bei der Magenübersäuerung richtet sich die Therapie im Wesentlichen nach der zugrundeliegenden Erkrankung.

Zunächst sollten die Patienten alle magenreizenden Faktoren wie Alkohol, Kaffee, Rauchen, scharfes oder sehr fettiges Essen meiden. Nehmen die Betroffenen Medikamente ein, die den Magen belasten (z.B. nicht-steroidale Antiphlogistika wie Acetylsalicylsäure), sollten Arzt und Patient besprechen, ob die Möglichkeit besteht, die entsprechenden Präparate abzusetzen oder alternative Wirkstoffe einzunehmen.

Zum Abmildern der Magensäure beziehungsweise zur Hemmung der Magensäure-Bildung kommen verschiedene Medikamente infrage. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannten Säureblocker (z.B. Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol). Auch Wirkstoffe wie Cimetidin oder Ranitidin können bei Magenübersäuerung helfen. Eine Therapie mit Antazida, die die Magensäure neutralisieren, ist ebenfalls – zum Beispiel bei gelegentlichen Beschwerden einer Refluxkrankheit – möglich.

Die Behandlung der symptomatischen Helicobacter-pylori-Besiedelung besteht aus einer Kombination von Protonenpumpenhemmern und Antibiotika.

7. Verlauf

Eine kurzzeitige Magenübersäuerung (Hyperazidität) mit beschwerdefreiem Verlauf verursacht in der Regel keine nennenswerten Schäden. Die dauerhafte Störung der Magensäureproduktion kann hingegen ernsthafte Schäden der Schleimhaut des Magens und des Zwölffingerdarms verursachen. Somit kann die Magenübersäuerung sowohl Ausdruck als auch Auslöser für eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis), ein Zwölffingerdarmgeschwür oder Magengeschwür sowie eine Refluxkrankheit sein.

8. Vorbeugen

Wenn Sie einer Magenübersäuerung (Hyperazidität) vorbeugen möchten, sollten Sie folgende Faktoren vermeiden:

  • Kaffee
  • ungesundes Essverhalten (z.B. hastiges Essen sehr grosser und/oder sehr fettreicher Portionen)
  • Alkohol
  • Rauchen
  • psychische Einflussfaktoren wie Stress und Ärger

Nicht allen Ursachen, die zu einer Magenübersäuerung führen, kann man dadurch vorbeugen. In seltenen Fällen kann zum Beispiel eine Überproduktion des Hormons Gastrin die Säurebildung im Magen steigern (Zollinger-Ellison-Syndrom). Lassen Sie deshalb – besonders wenn die Beschwerden länger bestehen – Bauchschmerzen, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Sodbrennen, Übelkeit oder Erbrechen auch durch Ihren Arzt abklären.