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Mastitis puerperalis

(Brustentzündung in der Stillzeit)
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1. Überblick

Eine Mastitis ist eine Entzündung der Brustdrüse. Sie kann während der Stillzeit als Mastitis puerperalis oder zu einem anderen Zeitpunkt als Mastitis non-puerperalis auftreten.

Die Ursache einer Brustentzündung in der Stillzeit ist in 95 Prozent der Fälle das Bakterium Staphylococcus aureus, das während der Stillperiode leicht in die Brust eindringen kann.

Fieber kann in den ersten Wochen nach der Entbindung ein Anzeichen für eine Mastitis sein. Bei einer Brustentzündung ist die betroffene Brust gerötet, überwärmt und oft verhärtet. Betroffene Frauen haben Schmerzen und die Brust spannt. Meistens ist nur eine Brust entzündet.

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Während einer Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit) sollte die Brust ruhig gehalten werden, zum Beispiel mit einem gut sitzenden BH. Die Milch kann abgepumpt werden. Gleichzeitig lässt sich der Milcheinschuss durch Medikamente, die das Milchbildungshormon Prolaktin hemmen, vermindern. In schweren Fällen und wenn die anderen Behandlungsmassnahmen nicht ausreichend wirken, ist eine Antibiotikatherapie notwendig.

Auch mit einer leichten Mastitis puerperalis kann die Betroffene in der Regel weiter stillen. In den ersten ein bis zwei Tagen sollten Frauen aber sicherheitshalber darauf verzichten. Da durch die Entzündungen Schmerzen in der Brust auftreten, ist es aber manchmal nicht möglich, mit der betroffenen Brust weiter zu stillen.

Wird die Mastitis puerperalis behandelt, klingt sie in der Regel rasch ab. Eine gute Brustpflege kann dazu beitragen, einer Brustentzündung in der Stillzeit vorzubeugen. Dabei ist es vor allem wichtig, dass die Brust immer gut entleert wird, damit sich kein Milchstau bilden kann. Eine gute Hautpflege verhindert, dass die Haut rissig wird und Bakterien eindringen können.

2. Definition

Eine Mastitis ist eine Entzündung der Brustdrüse. Es gibt verschiedene Formen von Brustentzündungen: Die Mastitis puerperalis ist eine Brustentzündung in der Stillzeit. Ausserhalb der Stillzeit auftretende Entzündung der Brust nennt man Mastitis non-puerperalis.

Die Mastitis puerperalis tritt meist zwei bis vier Wochen nach der Entbindung auf. Es handelt sich um eine Entzündung der laktierenden, also milchproduzierenden Brust. Der Erreger ist zum Teil ein Spitalkeim und kommt auch auf Entbindungsstationen vor. Es handelt sich um eine akute Brustentzündung, die nur sehr selten in eine chronische (wiederkehrende) Form übergeht.

Formen der Mastitis puerperalis

Es gibt verschiedene Formen der Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit). Sie lassen sich anhand des Ausbreitungswegs unterscheiden. Die am häufigsten auftretende interstitielle Mastitis puerperalis breitet sich über die Lymphwege und das Blut im Brustgewebe aus. Bei der parenchymatösen Form der Brustentzündung in der Stillzeit gelangen die Erreger über die Milchgänge in die Brust.

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Im Verlauf können bei beiden Formen der Mastitis puerperalis Abszesse entstehen – Abszesse sind abgeschlossene Entzündungsherde, ähnlich einer Blase, die mit Eiter angefüllt sind. Diese Form der Brustentzündung in der Stillzeit heisst abszedierende Mastitis. Fachleute unterteilen die Abszesse entsprechend ihres Entstehungsorts in subareoläre (direkt hinter der Brustwarze gelegen), subkutane (unter der Haut gelegen), intramammäre (innerhalb der Brustdrüse gelegen) und retromammäre (hinter der Brust gelegen) Abszesse.

Häufigkeit

Etwa 1 von 100 Frauen bekommt nach der Geburt ihres Kindes in der Stillzeit eine Brustentzündung (Mastitis puerperalis). Meist ist die Brustentzündung in der Stillzeit einseitig, nur eine Brust ist betroffen.

3. Ursachen

Bei einer Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit) sind in der Regel Bakterien die Ursachen. Während der Stillperiode können sie leicht in die Brust eindringen kann. Dabei handelt es sich meist um einen penizillinresistenten Staphylococcus aureus. Penizillinresistent bedeutet, dass der Erreger nicht mit dem sonst bei Staphylokokken verwendeten Antibiotikum Penizillin behandelt werden kann.

Die Erreger der Brustentzündung stammen in der Stillzeit meist aus dem Mund des Kindes. Ausgehend von der Mutter oder dem Pflegepersonal gelangt der Keim in den Nasen-Rachen-Raum des Kindes. Kleine Einrisse der Haut, sogenannte Rhagaden, die sich in der Stillzeit leicht im Bereich der Brustwarze (Mamille) entwickeln, sind die Eintrittspforte der Keime. Die Erreger gelangen beim Saugen des Kindes an der Brustwarze in die Brust der Mutter, breiten sich dort aus und rufen die Mastitis puerperalis hervor. Seltener können auch Erreger, die normalerweise die Haut besiedeln, durch kleine Verletzungen in der Haut eindringen und zu einer bakteriellen Mastitis puerperalis führen.

Auch ein Milchstau, zum Beispiel weil die Milch nicht richtig abfliessen kann, das Kind nicht regelmässig gestillt wird oder die Brust nicht ausreichend geleert wird, kann bei der Brustentzündung in der Stillzeit zu den Ursachen gehören.

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4. Symptome

Bei einer Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit) sind die ersten Symptome im Allgemeinen gut erkennbar. Plötzlich auftretendes Fieber über 38° C am Anfang der Stillperiode ohne weitere Krankheitssymptome kann auf eine beginnende Mastitis puerperalis hinweisen.

Die Brustentzündung in der Stillzeit beginnt meist einseitig in einem aussen gelegenen Bereich der Brust. Anfangs ist die Brust schmerzhaft gespannt, wobei der Schmerz oft nicht genau zu lokalisieren ist. Die Lymphknoten in der gleichseitigen Achselhöhle sind vergrössert.

Im weiteren Verlauf konzentriert sich die Entzündung meist an einer bestimmten Stelle und in einem begrenzten Bereich treten

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  • Schmerzen,
  • Rötung,
  • Schwellung und
  • Überwärmung auf.

Die Mastitis puerperalis ist in der Regel gut als Verdickung tastbar. Teilweise fallen auch sichtbare Veränderungen auf, zum Beispiel eine Grössenzunahme der Brust oder Veränderungen der Brustoberfläche. Schreitet die Brustentzündung in der Stillzeit fort, kann sich ein Abszess bilden. Grosse Abszesse, die direkt unter der Haut liegen, lassen sich eventuell ertasten.

5. Diagnose

Meist kann der Frauenarzt bei einer Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit) die Diagnose schon durch die Beschwerden und den Tastbefund stellen. Ausdehnung und Lage von Abszessen kann er durch eine Ultraschalluntersuchung feststellen.

Um den Erreger der Mastitis puerperalis zu identifizieren beziehungsweise um ein geeignetes Antibiotikum zu finden, nimmt der Arzt vor Beginn der Therapie einen Abstrich: Tritt Sekret aus der Brustwarze (Mamille) aus oder ist die Milch mit Eiter durchsetzt, kann er einen Abstrich von der Brustwarze oder aus der Milch verwenden. Bei einem Abszess untersucht er die Flüssigkeit, die sich in der Eiterblase befindet.

6. Therapie

Bei einer Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit) verhindert eine rasche und konsequente Therapie die Bildung von Abszessen und ermöglicht, dass die erkrankten Frauen weiter stillen können. Wichtig ist, dass die Brust konsequent entleert wird, damit sich die Milch nicht anstaut. Eine medikamentöse Einschränkung der Milchbildung durch Gabe von sogenannten Prolaktin-Hemmern (z.B. Bromocriptin, Cabergolin) und physikalische Massnahmen sind weitere Bestandteile der Behandlung einer Mastitis puerperalis.

Bei einer Brustentzündung in der Stillzeit eignen sich zur Therapie auch physikalische Massnahmen, zum Beispiel die Kühlung der Brust mit Eisbeuteln, Quarkwickeln oder Umschlägen mit essigsaurer Tonerde. Führen diese Massnahmen nicht innerhalb von 24 Stunden zu einer deutlichen Besserung, verordnet der Arzt eine Antibiotikatherapie (z.B. mit Penizillin, Cephalosporinen, Erythromycin).

Um die Brust ruhig zu halten, hilft es, die Brust mit einem gut sitzenden BH hoch zu halten und zu stützen.

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Weiter Stillen

Bei einer leichten, das heisst beginnenden, örtlich begrenzten Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit) kann die Mutter weiter stillen. Sind beide Brüste von der Mastitis puerperalis betroffen, ist das Stillen allerdings teilweise schmerzbedingt nicht möglich.

Es ist wichtig, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bettruhe zu achten. Wenn nötig verschreibt der Arzt Schmerzmittel und/oder Antibiotika. Solange die Frau weiter stillt, muss gewährleistet sein, dass die Medikamente für den Säugling ungefährlich sind.

Abstillen

In schweren Fällen und bei einer fortgeschrittenen Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit) ist es in der Regel erforderlich abzustillen. Dazu pumpt die Frau die Milch ab und streicht die verbleibende Milchmenge aus der Brust aus. Anschliessend legt sie kühle Umschläge an und bindet die Brust mit einem gut sitzenden BH hoch. Bei starker Milchproduktion muss die Frau bei Brustentzündungen manchmal medikamentös Abstillen: Dazu eignen sich sogenannte Prolaktin-Hemmer (z.B. Bromocriptin, Cabergolin).

Behandlung von Abszessen

Bilden sich bei einer Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit) Abszesse, darf die Frau nicht mehr stillen. Um den Abszess zu behandeln, öffnet der Arzt die abgekapselte Entzündung mit einem kleinen Hautschnitt und entleert den Eiter. Anschliessend legt er eine Lasche in die Wundhöhle ein, die das Wundsekret aufsaugt und meist mit einer desinfizierenden Lösung getränkt ist. Alternativ legt er einen kleinen Plastikschlauch in die Abszesshöhle ein, über den Eiter und Wundsekret abfliessen können (sog. Saug-Spüldrainage). Eine tägliche Spülung hält die Wunde sauber. Bildet sich kein Eiter oder Sekret mehr und ist die Mastitis puerperalis abgeklungen, entfernt der Arzt die Lasche beziehungsweise den Schlauch damit sich die Wunde schliessen kann.

Bilden sich bei einer Brustentzündung in der Stillzeit nur kleine Abszesse, die direkt unter der Haut oder an der Brustwarze liegen, kann der Arzt diese eventuell mit einer Nadel anpunktieren und über eine Spritze entleeren.

7. Verlauf

Bei einer akuten Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit) ist der Verlauf meist gut: Die Mastitis puerperalis kann sich von selbst zurückbilden oder heilt bei Behandlung rasch aus. Manchmal bilden sich jedoch Abszesse: Das sind abgekapselte Eiteransammlungen. Damit sich keine Fisteln bilden, muss der Arzt den Abszess öffnen und den Eiter entleeren. Fisteln sind Verbindungsgänge zur Haut oder zum Milchgangsystem, die durch die Entzündung entstehen. Über sie können Bakterien leicht in das Brustgewebe eindringen. Eine Ausbreitung der Erreger über das Blut ist bei der Brustentzündung selten.

Bei Frauen, die bereits einmal eine Brustentzündung in der Stillzeit entwickelt haben, ist der Verlauf oft chronisch: Sie haben ein erhöhtes Risiko erneut an einer Brustentzündung zu erkranken.

8. Vorbeugen

Mit diesen Tipps können Sie einer Mastitis puerperalis (Brustentzündung in der Stillzeit) vorbeugen: Achten Sie darauf, dass die Haut Ihrer Brüste nicht austrocknet: Waschen Sie Ihre Brüste nur mit Wasser und lassen Sie die Milchreste auf der Brust nach dem Stillen einfach eintrocknen. Entstehen doch Risse in der Haut, empfiehlt es sich, sogenannte Stillhütchen zu verwenden. Ausserdem sollten Sie die Einrisse (Rhagaden) mit geeigneten Cremes (z.B. Wollfett) pflegen.

Um einen Milchstau zu verhindern, sollten Sie Ihr Kind regelmässig anlegen. Wenn Ihr Baby die Brust nicht vollständig entleert, pumpen Sie die restliche Milch ab oder streichen Sie sie aus.