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1. Überblick

Der Mausarm (RSI-Syndrom, Repetitive Strain Injury) ist eine schmerzhafte Störung in den Unterarmen und Händen, die auf eine Überlastung durch jahrelange immer gleiche Tätigkeiten, zum Beispiel an Tastaturen – vor allem Computertastaturen – zurückzuführen ist.

Der Mausarm kann Nerven, Sehnen, Muskeln, Gelenke und Bindegewebe betreffen. Er äussert sich in Form von dauerhaften Schmerzen, Kraftverlust und Missempfindungen. Schätzungsweise etwa drei bis vier Prozent der berufstätigen Bevölkerung sind vom RSI-Syndrom betroffen.

Um einen Mausarm beziehungsweise ein RSI-Syndrom diagnostizieren zu können, sind genaue Informationen zu den Arbeits- und Freizeitbelastungen der Betroffenen beziehungsweise verschiedene Kraft- und Bewegungstests hilfreich. Ein Mausarm ist in der Regel nur dauerhaft heilbar, indem sich die Bedingungen am Arbeitsplatz ändern und die Betroffenen neue Bewegungsstrategien erlernen.

2. Definition

Die umgangssprachliche Bezeichnung Mausarm steht für das RSI-Syndrom beziehungsweise die Repetitive Strain Injury (übersetzt Verletzung durch wiederholte Belastung). Hiermit sind per Definition Störungen gemeint, bei denen die Bewegungen der Unterarme und Hände überlastungsbedingt schmerzhaft eingeschränkt sind. Diese Bewegungseinschränkungen entstehen infolge jahrelanger, mehrere Stunden am Tag andauernder, immer gleicher Bewegungsabläufe. Gemeint ist dabei vor allem eine pausenlose Tätigkeit an Tastenschreibgeräten, speziell an Computern (daher Mausarm). Die vom RSI-Syndrom verursachten Beschwerden können abhängig von der jeweiligen Bewegungsanforderung am Arbeitsplatz und der individuellen Veranlagung verschiedene Gewebe wie Nerven, Sehnen, Muskeln, Gelenke oder das Bindegewebe betreffen.

Häufigkeit

Beim Mausarm (RSI-Syndrom, Repetitive Strain Injury) sind die Angaben zur Häufigkeit nur ungenau. Der Grund: Es liegen noch keine eindeutig definierten Kriterien vor, anhand deren das RSI-Syndrom beziehungsweise der Mausarm feststellbar ist. Die entsprechenden RSI-Symptome finden sich bei etwa drei bis vier Prozent der berufstätigen Bevölkerung. Bei Menschen, die während ihrer Arbeit bestimmte schnelle Bewegungen der Arme beziehungsweise Finger ständig wiederholen müssen (Computertätigkeit, Fliessbandarbeit), tritt der Mausarm mindestens doppelt so häufig auf wie bei anderen Berufstätigen.

3. Ursachen

Ein Mausarm (RSI-Syndrom, Repetitive Strain Injury) hat seine Ursachen vermutlich in sich ständig wiederholenden schnellen, gleichförmigen Bewegungen, die das betroffene Gewebe schädigen, wobei ungünstige Kraft- und Haltungsanforderungen bei diesen schädigenden Bewegungen noch verstärkend wirken (daher die Bezeichnung Repetitive Strain Injury, die übersetzt Verletzung durch wiederholte Belastung bedeutet). Die durch die Belastung auftretenden Verletzungen sind zunächst klein (Mikrotraumata). Da die Arbeitsunterbrechungen durch Freizeit nur wenige Stunden dauern, bleibt nicht genügend Zeit, um eine ausreichende Reparatur der Mikrotraumata zu ermöglichen. Nachfolgend entstehen grössere Schäden, die sich durch Schmerzen und Missempfindungen oder in Form von Kraftverlust äussern.

Ausserdem findet, wenn ein Mausarm entsteht, gleichzeitig eine Art unbewusster Lernprozess statt, bei dem die Betroffenen unterschwellige Schmerzen mit den zugehörigen Bewegungen verbinden, die den Schmerzen als Ursachen zugrunde liegen. Bei den zunächst durch die wiederholten Bewegungen entstehenden kleinen Verletzungen empfinden die Betroffenen in der Regel keine Schmerzen, da sie durch ihre Arbeitstätigkeit abgelenkt sind und die Schmerzschwelle, oberhalb derer sie Schmerzen empfinden, dadurch erhöht ist. Aufgrund der sogenannten unterschwelligen Schmerzen unterbrechen die Betroffenen ihre Tätigkeit nicht. Nachfolgend lernen die Betroffenen über (im Einzelnen noch unerforschte) Vorgänge im Gehirn eine Verbindung zwischen diesen Schmerzen und den zugehörigen Bewegungen. Klavierspieler oder Tastenschreiber haben, bevor sie die Taste anschlagen, neben dem richtigen Ton oder dem richtigen Buchstaben auch die notwendige Fingerbewegung und die entsprechende Bewegungsempfindung als eine Art Programm im Kopf. Bei Menschen mit Mausarm oder RSI-Syndrom scheint das Schmerzerlebnis dieses Programm zusätzlich zu ergänzen. Sind zum Beispiel Anschlagsbewegungen wiederholt von unterschwelligen Schmerzen begleitet, kann die gleiche Bewegung später erneut Schmerzen verursachen, auch wenn das Gewebe nun nicht mehr geschädigt ist.

Dieses Modell erklärt, weshalb Menschen mit Mausarm während eines längeren Urlaubs häufig völlig beschwerdefrei sind, die Symptome der Repetitive Strain Injury jedoch bereits wenige Stunden, nachdem die Betroffenen ihre Arbeitstätigkeit wieder aufnehmen, erneut auftreten. Darüber hinaus erklärt das Entstehungsmodell auch, weshalb in vielen Fällen bei Menschen mit starken RSI-Beschwerden nur geringe Gewebeschädigungen nachweisbar sind. Da der Mausarm ein noch relativ junges Krankheitsbild ist, sind die Ursachen seiner Entstehung jedoch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Verschiedene bereits seit Längerem bekannte orthopädische beziehungsweise neurologische Krankheiten wie Tennisarm oder Golferellenbogen (Epicondylitis humeri), Sehnenscheidenentzündung am Unterarm (Tendovaginitis) oder das Hand-Arm-Vibrationssyndrom (z.B. nach längeren Arbeiten mit Presslufthämmern) lassen sich mit den einem Mausarm zugrunde liegenden Entstehungsmechanismen in Zusammenhang bringen. In all diesen Fällen rufen bestimmte wiederholte Bewegungen ganz bestimmte Schädigungen hervor.

4. Symptome

Beim Mausarm (RSI-Syndrom, Repetitive Strain Injury) hängen die Symptome davon ab, welche Bewegungen der jeweilige Arbeitsplatz erfordert und wie die Betroffenen veranlagt sind. Die mit dem Mausarm verbundenen Beschwerden können verschiedene Gewebe wie Nerven, Sehnen, Muskeln, Gelenke oder das Bindegewebe betreffen. Je nach geschädigtem Gewebetyp entstehen daher Symptome wie

  • Muskelschmerzen (Myalgie),
  • Tendopathien (Schmerzzustände an den Sehnen),
  • Nervenkompressionssyndrome (Zustand nach Einklemmung eines Nervs) und Gelenkschmerzen,
  • aber auch Folgeerkrankungen in anderen Geweben, die letztlich kein einheitliches Krankheitsbild für das RSI-Syndrom ergeben.

Darüber hinaus gibt es viele Menschen mit Mausarm, bei denen wenig kennzeichnende und verstreute Schmerzen, Missempfindungen (Kribbeln, Ziehen, Einschlafen des Arms oder der Hand, Kältegefühl) und Kraftverlust im gesamten belasteten Unterarm zwischen Fingerspitzen und Ellenbogen auftreten. Ausserdem kann die Beweglichkeit der betroffenen Arme oder Hände durch den Mausarm eingeschränkt und deren Sensibilität gestört sein (Taubheitsgefühl). Seltener äussert sich ein RSI-Syndrom durch Muskelkrämpfe und Schwellungen. Die ersten Symptome der Repetitive Strain Injury zeigen sich im Anfangsstadium der Erkrankung meist, nachdem die Betroffenen länger – mehrere Minuten oder Stunden – ihre gewohnten Arbeitsbewegungen ausüben, und halten dann mitunter mehrere Stunden an. In Ruhe und bei passiven – das heisst nicht aus eigener Kraft erfolgenden – Bewegungen sind die Betroffenen dagegen häufig noch beschwerdefrei.

Bei einem Mausarm im fortgeschrittenen Stadium verursachen bereits geringe, sich wiederholende Handbewegungen in Alltagssituationen Beschwerden (z.B. Lenk- und Schaltbewegungen beim Autofahren, Bügeln). Einmalige Bewegungen bleiben meist folgenlos. Die durch die gleichförmigen Arbeitsbewegungen ausgelösten Schmerzen halten meist während des gesamten Arbeitstags an und schwächen sich in der nächtlichen Pause ab, ohne gänzlich zu verschwinden. Erst bei einer mehrwöchigen Unterbrechung der Arbeit klingen die mit dem Mausarm einhergehenden Beschwerden vollständig ab. Wenn die Betroffenen die berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen, treten die RSI-Symptome jedoch häufig innerhalb weniger Minuten bis Stunden erneut auf.

5. Diagnose

Beim Mausarm (RSI-Syndrom, Repetitive Strain Injury) ergibt sich die Diagnose in erster Linie aus dem Beschwerdebild. Treten erste Symptome des Mausarms wie Kraftverlust, Taubheitsgefühl, Missempfindungen und diffuse Schmerzen an Unterarm oder Hand auf, ist grundsätzlich in Betracht zu ziehen, dass die Erkrankung mit einer beruflichen Dauerbelastung zusammenhängen könnte. Aus diesem Grund sind ausführliche Angaben der Betroffenen zu ihren beruflichen und ausserberuflichen Tätigkeiten und Belastungen zur Diagnose wichtig. Als kritische Bewegungshäufigkeit gelten 10 Bewegungen pro Minute für den Ellenbogen und Unterarm und insgesamt 200 Bewegungen pro Minute für alle Finger zusammen, wobei fünf Jahre als Untergrenze für die Dauer dieser Belastung gelten.

Bei der körperlichen Untersuchung führen die Betroffenen meist einige Minuten lang typische Arbeitshaltungen und -bewegungen vor, wobei die dabei auftretenden Symptome wichtige Hinweise für die Diagnose liefern. Der Arzt (ein Orthopäde, Sport- oder Arbeitsmediziner) prüft bei Verdacht auf einen Mausarm auch beispielsweise Beweglichkeit, Griffstärke, Sensibilität, Durchblutungsverhältnisse und Temperaturempfinden des betroffenen Arms.

Allgemein ist es beim Mausarm beziehungsweise RSI-Syndrom nicht leicht, die Diagnose zu stellen, da die Labordiagnostik und die bildgebenden Verfahren wie Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung meist keine auffälligen Krankheitsbefunde zeigen. Abzugrenzen ist der Mausarm von rheumatischen Erkrankungen (wie rheumatische Polyarthritis), von Fibromyalgie (allgemein auftretende Muskelverhärtungen und Sehnenschmerzen, auch als generalisierte Tendomyopathie bezeichnet) und vom Zervikalsyndrom (Veränderungen der Halswirbelsäule mit Nervenwurzelreizung).

6. Therapie

Beim Mausarm (RSI-Syndrom, Repetitive Strain Injury) ist es zur Therapie nicht ratsam, die betroffene Gliedmasse ruhig zu stellen oder die Berufstätigkeit vollständig zu unterbrechen. Auch durch Medikamente (z.B. schmerzstillende Mittel, Antirheumatika, Kortisonspritzen) oder chirurgische Massnahmen lassen sich die RSI-Symptome in der Regel nur kurzfristig lindern. Diese künstlich geschaffene Beschwerdefreiheit kann dazu führen, dass Sie die belastende Tätigkeit trotz Mausarm unvermindert weiterführen und dadurch die anfänglichen Beschwerden chronisch verlaufen.

Das empfohlene Ziel der Therapie beim Mausarm oder RSI-Syndrom besteht darin, langfristig ein schmerzfreies, leistungsfähiges Tätigkeitsmuster zu entwickeln. Dazu ist es erforderlich, die gewohnten Bewegungen zu ändern, was nicht zwangsläufig mit einem Wechsel des Arbeitsplatzes verbunden ist. Grundsätzlich ist ein ergonomisch günstig gestalteter Arbeitsplatz ratsam. Dazu gehören zum Beispiel Auflagen für die Handballen und Unterarme, grifftechnisch günstige Tastaturen und die richtige Höhe von Bildschirmmonitoren. Ausserdem ist es beim Mausarm zur Behandlung wichtig, die konstanten Bewegungsmuster zu unterbrechen, indem Sie zum Beispiel einige Arbeitsgeräte wie Telefon, Drucker oder Handbücher weiter weg platzieren. Integrieren Sie in den üblichen Arbeitsablauf andere Tätigkeiten wie Dienstgänge. Und versuchen Sie, ungünstige Körperhaltungen oder Bewegungsabläufe weitgehend zu reduzieren. So können Sie beispielsweise lernen, auf einer anderen, bequemeren Tastatur zu schreiben. Haltungswinkel der Hand und Unterarme können Sie verändern, indem Sie die Sitz- oder Tischhöhe anpassen.

Unterstützend sind beim Mausarm physiotherapeutische Massnahmen zur Therapie geeignet: Zu den geeigneten Übungen gehören Berührungsübungen für Finger und Hand unter Wärme- oder Kältereizen beziehungsweise Bestrahlung (z.B. Rotlicht), Tastübungen, Dehnübungen oder allgemeine Gymnastik. Auch Bewegungsübungen, die das alte Bewegungsmuster verdrängen sollen, indem Sie neue variable Bewegungsmuster erlernen, können unter physiotherapeutischer Anleitung bei einem Mausarm oder RSI-Syndrom zur Behandlung hilfreich sein. Dabei steht ein langsamer Lerneffekt im Vordergrund, damit Sie nicht wieder in die alten Bewegungsmuster abgleiten. Zusätzlich können Sie Entspannungstechniken erlernen.

7. Verlauf

Beim Mausarm (RSI-Syndrom, Repetitive Strain Injury) hängt der Verlauf in hohem Mass vom Verhalten der Betroffenen ab: Sobald einmal ein Mausarm aufgetreten ist, ist es unumgänglich, die Arbeitsplatzbedingungen konsequent zu ändern, damit die Beschwerden dauerhaft abklingen. Häufig vergessen die Betroffenen jedoch nach einer gewissen beschwerdefreien Zeit, wie wichtig vorbeugende Massnahmen auch in der weiteren beruflichen Tätigkeit sind, wodurch es beim Mausarm immer wieder zu Rückfällen kommt.

Um den Mausarm beziehungsweise das RSI-Syndrom als Berufskrankheit anerkennen zu lassen, ist es notwendig, den Krankheitsverlauf genau zu dokumentieren. Oft ist es für die Betroffenen nicht einfach, für ihre RSI-Symptome eine Anerkennung als Berufserkrankung zu erhalten, da sich die subjektiven Beschwerden nicht immer eindeutigen Krankheitsbefunden zuordnen lassen.

8. Vorbeugen

Wenn Sie einem Mausarm (RSI-Syndrom, Repetitive Strain Injury) vorbeugen möchten, ist ein ergonomisch günstig gestalteter Arbeitsplatz unumgänglich. Dafür gelten bestimmte Richtlinien, die der Gesetzgeber und verschiedene Organisationen erlassen haben. Darüber hinaus ist es wichtig, dass sich jeder Arbeitnehmer seines eigenen Risikos für die Ausbildung eines Mausarms oder RSI-Syndroms bewusst ist und selbst Vorsichtsmassnahmen ergreift. Um selbst dazu beizutragen, einem Mausarm vorzubeugen, können Sie:

  • die monotone Arbeitstätigkeit unterbrechen, indem Sie bestimmte Arbeitsgeräte abwechselnd nutzen oder kurze Pausen einlegen,
  • am Arbeitsplatz eine schonende Körperhaltung einnehmen,
  • unterschiedliche Tastaturen verwenden (verschiedene Oberflächen, z.B. rau oder glatt),
  • Ihre Arme und Hände während der Arbeit warm halten,
  • Entspannungstechniken anwenden oder
  • sich in der Freizeit sportlich betätigen.