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Meningitis

(Hirnhautentzündung)
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1.  Überblick

Eine Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhäute. Die häufigste Ursache einer Hirnhautentzündung ist eine Infektion durch Viren oder Bakterien. Aber auch Pilze oder Parasiten können eine Meningitis auslösen.

Daneben gibt es andere, seltenere Ursachen wie Krebs- und Autoimmunerkrankungen. Abhängig vom jeweiligen Erreger kann die Meningitis akut, chronisch oder wiederkehrend (rezidivierend) auftreten. Dieser Text behandelt nur die durch Bakterien verursachte Meningitis, die sogenannte bakterielle Meningitis. Sie grenzt sich deutlich von der durch Viren hervorgerufenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ab.

Bei der bakteriellen Meningitis verbreitet sich der Erreger über das Blut im Körper – in den meisten Fällen von einem Infektionsherd im Nasen-Rachen-Raum ausgehend. In der Folge kann die Infektion an verschiedenen Organen Entzündungen hervorrufen, so auch an den weichen Häuten des Gehirns und des Rückenmarks (den sogenannten Meningen).

Bei einer Meningitis kommt es in der Regel zu Symptomen wie:

In den westlichen Industrienationen sind bestimmte Bakterien die häufigsten Auslöser der Hirnhautentzündung: die Meningokokken (Neisseria meningitidis). Besonders Kinder und Jugendliche vor dem 20. Lebensjahr sind betroffen. Weitere wichtige Erreger der «klassischen», bakteriellen Meningitis sind Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) und die Bakterienart Haemophilus influenzae. Hirnhautentzündungen durch Haemophilus influenzae sind jedoch durch gezielte Impfprogramme in vielen Ländern deutlich zurückgegangen.

Die Meningitis stellt einen medizinischen Notfall dar, der schnellst möglich eine Behandlung erfordert. Bei rechtzeitiger Behandlung sind die Heilungsaussichten bei der Mehrheit der Erkrankten gut. Bei bis zu 20 Prozent der Fälle kann es zu Komplikationen kommen, die zu Folgeschäden wie Narben, Lähmungen oder Taubheit führen.

Einen gewissen Schutz vor einer bakteriellen Meningitis bietet die Impfung gegen Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae.

Bei einer Meningitis kommt es zu einer Entzündung der Hirnhäute. Die Erkrankung stellt immer eine Notfallsituation dar, da eine frühe Therapie für den Verlauf der Erkrankung entscheidend sein kann. Die «klassische» Hirnhautentzündung ist eine akute bakterielle Infektion, die typischerweise im Kleinkind- bis Jugendalter auftritt. Vor allem drei Bakterienarten können zu einer Meningitis führen:

  • Meningokokken (Neisseria meningitidis)
  • Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae)
  • Haemophilus influenzae

Anatomie

Das zentrale Nervensystem (ZNS) besteht aus Gehirn und Rückenmark. Es ist durch Knochen vor äusseren Einflüssen geschützt:

  • das Gehirn durch den Schädelknochen,
  • das Rückenmark durch die Wirbelsäule.

Zwischen Knochen und Hirn sowie Rückenmark befinden sich zusätzlich Schutzhüllen aus Bindegewebe, die man im Bereich des Gehirns als Hirnhäute und im Bereich des Rückenmarks als Rückenmarkshäute bezeichnet. Beide zusammen nennen Mediziner Meningen. Bei den Rückenmarkshäuten unterscheidet man

  • die dem Knochen anliegende äussere harte Hirnhaut (Dura mater) und
  • die innen gelegene weiche Hirnhaut (Leptomeninx).

Die weiche Hirnhaut besteht aus zwei miteinander verbundenen Anteilen:

  • der Spinngewebshaut (Arachnoidea) und
  • der unmittelbar dem ZNS anliegenden, blutgefässführenden Pia mater.

Die Spinngewebshaut besteht aus gefässlosem Bindegewebe und steht über Bindegewebsfasern mit der gefässreichen und daher gut durchbluteten Pia mater in Verbindung. Zwischen Spinngewebshaut und Pia mater befindet sich der Subarachnoidalraum, der mit der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) gefüllt ist.

Häufigkeit

An einer Meningokokken-Meningitis erkranken überwiegend Säuglinge und Kinder unter fünf Jahren. Auch Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren sind häufiger von Meningitis betroffen. Die Haemophilus-Meningitis tritt seit Einführung der Schutzimpfung gegen Haemophilus influenzae nur noch selten auf – davor war der Erreger der häufigste Auslöser für eitrige Hirnhautentzündungen bei Kindern. Bei den Meningokokken verursachen in Europa vor allem die Serogruppen B (ca. 70 bis 75 Prozent) und C (ca. 20 bis 25 Prozent) Erkrankungen. Der Anteil an Meningokokken-Infektionen durch Typ C ist bei Kleinkindern seitdem gesunken.

Etwa zehn Prozent der Bevölkerung tragen Meningokokken im Nasen-Rachen-Raum ohne irgendwelche Symptome zu bekommen. Aus unbekannten Gründen entwickelt nur ein kleiner Teil dieser Erregerträger auch Krankheitserscheinungen. Sie können den Erreger jedoch auf andere Menschen übertragen und dadurch Erkrankungen verursachen.

Im Unterschied zu anderen Meningitis-Erregern wie Haemophilus influenzae und Pneumokokken können Meningokokken zu ausgedehnten Epidemien führen. Die Meningokokken-Meningitis wurde erstmals im Frühjahr 1805 in Genf beschrieben, damals aufgrund des vorherrschenden Symptoms aber noch als Genickstarre-Epidemie bezeichnet. Während des 19. und 20. Jahrhunderts folgten in Europa sowie in Nordamerika mehrere Ausbrüche der Erkrankung.

Rechtliches

Die durch Meningokokken ausgelöste Hirnhautentzündung ist meldepflichtig.

Die häufigste Ursache der bakteriellen Meningitis (Hirnhautentzündung) ist eine Infektion mit bestimmten Bakterien, meist mit

  • Meningokokken (Neisseria meningitidis),
  • Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) oder
  • Haemophilus influenzae.

Diese Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel beim Niesen oder Husten, von Mensch zu Mensch übertragen. Sie verursachen meist eine unkomplizierte und harmlose Entzündung der oberen Atemwege. 

Einen Sonderfall stellen Meningitis-Erkrankungen bei Neugeborenen dar. Hier führen eher andere Erreger zu einer Hirnhautentzündung, vor allem:

  • Darmbakterien wie Escherichia coli
  • bestimmte Streptokokken (kommen häufig bei Gesunden auf der Haut vor, ohne gesundheitliche Probleme zu verursachen)
  • Listerien (Erreger der Listeriose)
  • Pseudomonaden (Erreger von Lungenentzündung u.a. Erkrankungen)

Meningokokken (Neisseria meningitidis)

Meningokokken (Neisseria meningitidis) findet man ausschliesslich beim Menschen. Die Bakterien siedeln sich vor allem in der Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raums und des Genitalbereichs an, ohne dort zwangsläufig Krankheitssymptome auszulösen. Meningokokken können neben einer Meningitis auch Krankheitsbilder mit milderen Symptomen wie leichtem Fieber und Gelenkschmerzen verursachen. Meningokokken-Infektionen treten weltweit auf. Neben dem Vorkommen im europäischen Raum treten sie besonders häufig im sogenannten Meningokokken-Gürtel oder Meningitis-Gürtel auf, der sich in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara von Burkina Faso im Westen über Nigeria und Tschad bis nach Äthiopien im Osten erstreckt.

Meningokokken sind von einer Kapsel umgeben. Auf dieser Kapsel befinden sich bestimmte Zuckerreste (sog. Polysaccharide). Die Zuckerreste der Kapsel bestimmen, welche Antikörper des Immunsystems an die einzelnen Erreger binden und sind so für die Einteilung der Meningokokken in verschiedene sogenannte Serogruppen verantwortlich. Als Serogruppen bezeichnet Wissenschaftler verschiedene Untergruppen einer Bakterienspezies. Die wichtigsten Serogruppen bei den Meningokokken sind die Gruppen A, B, C, W, X, Y und Z. Für Epidemien typisch sind die Serogruppen A, B und C. Innerhalb der Serogruppen unterscheidet man weitere Untergruppen anhand bestimmter Oberflächeneiweisse: die sogenannten Serotypen (z.B. Serotyp 2 der Serogruppe A).

Die verschiedenen Serogruppen sind besonders im Hinblick auf die Entwicklung wirksamer Impfstoffe von Bedeutung, da die Schutzimpfung immer nur für bestimmte Gruppen von Meningokokken wirksam ist. So gibt es sowohl eine Meningokokken-Impfung speziell für die gefährliche Gruppe C sowie eine kombinierte Impfungen gegen die Serogruppen A und C beziehungsweise A, C, W135 und Y.

Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae)

Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) sind wie die Meningokokken von einer Kapsel aus Polysacchariden (das sind bestimmte Zuckerreste) umgeben. Anhand der Kapselstruktur lassen sich mehr als 80 Serotypen unterscheiden. Pneumokokken leben auf der Schleimhaut der oberen Atemwege und werden normalerweise von einem intakten Immunsystem gut in Schach gehalten.

Pneumokokken lösen neben Hirnhautentzündung eine Reihe anderer Krankheiten aus, wie zum Beispiel:

Die Infektionen entstehen dabei in der Regel aus den Keimen, die normalerweise auf der Haut des Körpers leben. Auslöser ist meist ein geschwächtes Immunsystem.

Haemophilus influenzae

Haemophilus-influenzae-Bakterien sind von einer Kapsel aus bestimmten Zuckerresten (sog. Polysacchariden) umgeben, anhand derer man sechs Serotypen unterscheidet (A bis F); vor allem Serotyp B spielt als Krankheitserreger eine Rolle, da er zu Hirnhautentzündung und Blutvergiftung führen kann.

Der Erreger verbreitet sich über Tröpfchen- und Schmierinfektion und kommt ausschliesslich beim Menschen vor, wo er in erster Linie die Schleimhäute der oberen Atemwege besiedelt. Haemophilus influenzae löst normalerweise nur dann eine Erkrankung aus, wenn zusätzlich begünstigende Faktoren wie beispielsweise eine Immunschwäche vorhanden sind. Eine Ausnahme ist der Serotyp B, der vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern zu Meningitis (Hirnhautentzündung) oder akuter Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) führen kann.

Weitere mögliche Erkrankungen durch Haemophilus influenzae sind:

  • Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis),
  • Lungenentzündung (Pneumonie), Blutvergiftung (Sepsis),
  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis),
  • Mittelohrentzündung (Otitis media) sowie
  • akute Entzündungen von Rachen, Kehlkopf und Luftröhre (Pharyngitis, Laryngotracheitis)
  • sehr selten Entzündungen der Gelenke und des Herzens, wenn sich der Erreger über das Blut im Körper verbreitet

Übertragungswege

Meningokokken (Neisseria meningitidis) werden ebenso wie die anderen Erreger der klassischen bakteriellen Meningitis (Hirnhautentzündung) durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Übliche Übertragungswege sind zum Beispiel Husten und Niesen oder auch Küssen.

Die Bakterien werden vor allem dort übertragen, wo viele Menschen aufeinander treffen: In öffentlichen Verkehrsmitteln, am Arbeitsplatz oder in Geschäften, aber auch bei Freizeitvergnügungen wie Disko-, Party- oder Kinobesuchen. Besonders tückisch ist dabei die Tatsache, dass manche Menschen die Bakterien im Nasen-Rachen-Raum tragen, ohne selbst zu erkranken. Trotzdem sind sie eine Infektionsquelle für andere, bei denen die Keime möglicherweise durch die Schleimhäute in den Körper eindringen und schwere Erkrankungen auslösen können. Besonders leicht passiert dies, wenn die Schleimhäute bereits vorgeschädigt sind, wie bei Rauchern, Passivrauchern, Allergikern oder Menschen mit Erkältungskrankheiten.

Auch klimatische Einflüsse spielen für die Übertragungshäufigkeit und den Ausbruch von Meningitis-Epidemien eine Rolle. Während in der gemässigten Klimazone Erkrankungen vor allem am Ende des Winters im ersten Jahresquartal auftreten, ist das Risiko für Meningitis-Ausbrüche in tropischen Regionen meist während der Trockenzeit erhöht.

Eine Hirnhautentzündung kann auch durch eine sogenannte septisch-metastatische Absiedlung entstehen. Dabei wandern Erreger von einem bereits vorhandenen Entzündungsherd zu den Hirnhäuten. Solche Entzündungsherde können zum Beispiel bei Neugeborenen der Nabel und bei Erwachsenen die Herzklappen sein.

Von einer fortgeleiteten Meningitis spricht man, wenn Erreger der Hirnhautentzündung durch unfallbedingte Schädelfrakturen oder durch operative Eingriffe an Gehirn und Rückenmark in den Körper gelangen.

Eine Meningitis kann auch als Komplikation einer Nasennebenhöhlenentzündung oder einer Mittelohrentzündung entstehen, wenn die Entzündung über den Knochen (Osteomyelitis) auf die Hirnhaut übergreift. Eine häufige Ursache für diese Form der Meningitis sind Staphylokokken.

Zu Beginn einer Meningitis (Hirnhautentzündung) können allgemeine, grippeähnliche Symptome auftreten. Der eigentliche Beginn ist meist durch hohes Fieber, ein schweres, allgemeines Krankheitsgefühl und zunehmende, unerträgliche Kopfschmerzen gekennzeichnet. Im späteren Verlauf tritt eine ausgeprägte Nackensteifigkeit auf. Ausserdem kommt es zu einer starken Unruhe bis hin zur Bettflucht. Häufig erkennen Erkrankte die Umgebung dann nicht. Die Betroffenen sind oft benommen oder verlieren das Bewusstsein. Weitere mögliche Symptome sind:

  • Müdigkeit
  • Lichtscheu
  • Gelenkschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Krampfanfälle

Säuglinge

Säuglinge zeigen bei einer Meningitis (Hirnhautentzündung) etwas andere Symptome als Erwachsene. Sie leiden unter Fieber, das manchmal gepaart mit kalten Händen und Füssen auftritt, und Appetitlosigkeit. Auch Durchfall und Erbrechen können auftreten. Hinzu kommt oft ein hochtoniges, schrilles Weinen oder Jammern und ein Unwillen gegenüber Berührungen. Die kleinen Erkrankten nehmen einen teilnahmslosen Ausdruck an, reagieren nicht auf Reize und sind schwer zu wecken. Ein weiteres Symptom ist die rapide Verschlechterung des Zustands. Die bei älteren Kindern und Erwachsenen auftretende Nackensteifigkeit ist bei Babys oft nicht ausgeprägt und darüber hinaus auch nur sehr schwer festzustellen. Die Fontanelle (Knochenlücke am kindlichen Schädel, die von weichem Bindegewebe überdeckt ist) kann sich bei Meningitis leicht nach aussen wölben oder verhärten, während sie bei gesunden Kindern eher nach innen gewölbt ist. Spätestens wenn dieses Symptom auftritt, ist umgehend ein Arzt aufzusuchen.

Häufig sind die Symptome bei Säuglingen recht allgemein, darüber hinaus treten sie meist nicht alle auf. Suchen Sie deshalb schon bei ersten Anzeichen und dem vagen Verdacht einer Meningitis ärztliche Hilfe.

Senioren

Bei Senioren verschleiern häufig Begleiterkrankungen wie Durchblutungsstörungen oder Demenz eine Meningitis und erschweren es dem Arzt, sie zu erkennen. Oft wird eine Hirnhautentzündung als Schlaganfall oder fieberhafter Verwirrtheitszustand fehlinterpretiert.

Meningokokken-Sepsis

In etwa einem Prozent aller Meningokokken-Infektionen kommt es zu einer Blutvergiftung, einer sogenannten Meningokokken-Sepsis. Von diesen Fällen entwickeln 10 bis 15 Prozent eine schwere Form des septischen Schocks, das sogenannte Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom. Hierbei verursacht die Meningokokken-Sepsis verwaschene wirkende Hauterscheinungen. Kleine, stecknadelkopfartige rote oder braune Flecken (sog. septischer Hautausschlag) zeigen sich dabei oft schon im Frühstadium. Diese Flecken können sich rasch zu grösseren dunkelroten Flecken (ähnlich einem Bluterguss bzw. blauen Fleck) und Blutbläschen unter der Haut entwickeln. Die Haut und die Gliedmassen (Füsse und Zehen, Hände und Finger) sind besonders anfällig für eine Meningokokken-Sepsis.

Warnzeichen, die auf eine Meningokokken-Sepsis hinweisen, sind:

  • fleckige Haut
  • Blässe
  • bläuliche Haut
  • kalte Finger und Zehen
  • Schläfrigkeit oder Bewusstseinsverlust
  • Durchfall und/oder Magenkrämpfe
  • septischer Hautausschlag (kleine, stecknadelkopfartige rote oder braune Flecken)

Um bei Meningitis (Hirnhautentzündung) eine Diagnose zu stellen, untersucht der Arzt den Betroffenen. Hierbei hebt er den Kopf des Erkrankten in liegender Position leicht an. Tritt dabei ein schmerzbedingter Widerstand auf, spricht man von Nackensteifigkeit (Meningismus). Zieht der Erkrankte dabei die Beine an, das heisst beugt er die ausgestreckten Beine im Hüft- und Kniegelenk, ist das sogenannte Brudzinski-Zeichen positiv – ein weiterer Hinweis auf Meningitis. Wenn eine sitzende Person das Knie nicht gerade strecken kann, ist das sogenannte Kernig-Zeichen positiv – auch das spricht für eine Meningitis.

Bereits bei dem kleinsten Verdacht auf Meningitis erfolgt eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion). Bei bakterieller Meningitis ist die entnommene Hirnwasserprobe trüb. Weitere Untersuchungen des Hirnwassers geben Aufschluss über die Art des Erregers, in welcher Menge er vorliegt sowie über den Eiweiss- und Zuckergehalt der Probe und sichern somit die Diagnose. Unbedingt notwendig ist auch eine Blutuntersuchung.

Besteht ein Verdacht auf Komplikationen oder treten diese bereits auf, können bildgebende Verfahren, wie zum Beispiel die Computer- (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), zum Einsatz kommen.

Glas-Test

Beim sogenannten Glas-Test drückt man ein sauberes Trinkglas mit der Seite auf eine Stelle mit Hautausschlag. Bleibt der Hautausschlag trotz des Drucks sichtbar, ist das ein Hinweis auf Meningitis. Verschwindet der Ausschlag während des Drucks, ist die Ursache des Ausschlags vermutlich keine Meningitis.

Verschwinden die Flecken durch den Druck nicht, ist umgehend eine Klinik oder ein Arzt aufzusuchen. Bei dunkler Haut sollte man den Glas-Test auf helleren Hautflächen machen, wie zum Beispiel auf der Handinnenfläche oder der Fusssohle.

Bei einer Meningitis (Hirnhautentzündung) muss die Therapie sofort und ohne Verzögerung einsetzen, da die Erkrankung unbehandelt innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich wird. Bei Verdacht auf eine bakterielle Meningitis muss der behandelnde Arzt deshalb so rasch wie möglich Antibiotika (z.B. den Wirkstoff Penicillin G, Cefotaxim oder Ceftriaxon plus Ampicillin) verabreichen. Sobald das Ergebnis der Blutuntersuchung vorliegt, kann der Arzt das für den Erreger am besten wirkende Antibiotikum wählen und die Therapie anpassen. Abhängig davon, welcher Erreger die Meningitis verursacht hat und wie der Verlauf der Erkrankung ist, werden die Medikamente 7 bis 14 Tage verabreicht.

Breiten sich im Rahmen der Erkrankung Bakterien über den Blutkreislauf im Körper aus, kann es zu einer Blutvergiftung (Meningokokken-Sepsis) oder einem Schockzustand kommen. In solch einem lebensbedrohlichen Fall ist eine intensivmedizinische Behandlung im Spital notwendig. So lässt sich das Risiko für schwere Komplikationen und Folgeschäden am effektivsten verringern. Um für solche Fälle gewappnet zu sein und schnell eingreifen zu können, weist der Arzt einen Patienten mit Meningitis in der Regel immer ins Spital ein.

Verursachen nachweislich Meningokokken die Meningitis, behandeln Mediziner enge Kontaktpersonen eines Erkrankten oft ebenfalls mit Antibiotika. Dies soll verhindern, dass sich die Erreger weiter ausbreiten und eine Epidemie entsteht.

Prognose

Es ist es sehr wichtig, bereits bei einem Verdacht auf Meningitis (Hirnhautentzündung) so rasch wie möglich eine Therapie einzuleiten. So lässt sich das Risiko schwerer oder tödlicher Verläufe einer bakteriellen Meningitis verringern.

Die Prognose der Hirnhautentzündung ist dabei von mehreren Faktoren abhängig. Dazu zählen sowohl die Art der Erreger, als auch die individuelle Situation des Erkrankten (wie Lebensalter, allgemeiner Gesundheits- oder Ernährungszustand). Liegen keine erschwerten Bedingungen vor, sind die Heilungsaussichten bei sofortiger Therapie in der Regel gut. Nur in wenigen Fällen nimmt eine Meningitis hier einen tödlichen Verlauf. Kommt es im Rahmen der Meningitis zu Komplikationen, steigt jedoch das Risiko eines sehr ernsten Verlaufs.

Für Neugeborene und Senioren ist eine Meningitis immer eine lebensbedrohliche Erkrankung, da bei Neugeborenen das Immunsystem noch nicht richtig ausgebildet ist, während es im Alter nachlässt. Abhängig vom jeweiligen Meningitis-Erreger und der Behandlung endet die Erkrankung trotz der Therapieversuche bei ihnen in vielen Fällen tödlich.

Komplikationen

In etwa 10 bis 20 Prozent der Fälle kann es im Verlauf einer Meningitis (Hirnhautentzündung) zu Komplikationen kommen:

  • Meningoenzephalitis: Die Entzündung greift von der Hirnhaut auf das Gehirn über.
  • Meningoenzephalomyelitis: Die Entzündung betrifft Hirnhaut und Gehirn und greift auf das Rückenmark über. Als Folge kann es zu bleibenden neurologischen Schäden (wie Lähmungen oder Gehörverlust) und psychischen Schäden (z.B. geistiger Behinderung oder Verhaltensauffälligkeiten) kommen.
  • Hirnabszess: Eiteransammlung in einer entzündlich entstandenen Höhle
  • Störung der Hirnwasserzirkulation: Die beiden weichen Hirnhäute (Spinngewebshaut und Pia mater) verkleben durch die Entzündung und stören so den Fluss des Hirnwassers.
  • Gefässverschluss der Venen durch Blutgerinnsel (Sinusvenenthrombose)
  • Blutvergiftung (Sepsis): Vermehren sich die Meningitis-Erreger im Blut, besteht das Risiko einer Blutvergiftung (Sepsis). Dabei vergiften Giftstoffe (Toxine) und Abfallstoffe der Erreger das Blut. Die Sepsis ist in der Regel lebensbedrohlicher als die Hirnhautentzündung selbst, da die Bakterientoxine über die Blutbahn weitere Gewebe und Organe im Körper erreichen und schädigen können – schlimmstenfalls führt dies zu einem Schockzustand (sog. septischer Schock). Bei diesem kommt es zu einem akut einsetzenden Kreislaufversagen – Gewebe und Organe werden zunehmend schlechter durchblutet und nehmen dadurch Schaden. Dauert die verminderte Durchblutung länger an (vor allem in Armen und Beinen), kann der Blutfluss in diesen von der Körpermitte weiter entfernt gelegenen Gefässen versiegen, wodurch Blutgerinnsel (Thromben) entstehen. Im fortgeschrittenen Stadium des Schocks kann es zu Organversagen kommen. Eine Blutvergiftung oder ein septischer Schock erfordern immer eine sofortige intensivmedizinische Behandlung im Spital.

Einer bakteriellen Meningitis (Hirnhautentzündung) können Sie mit Schutzimpfungen grösstenteils vorbeugen.

Meningokokken-Impfung

Zum Schutz vor Meningokokken-Erkrankungen steht eine Meningokokken-Impfung zur Verfügung: Hier gibt es Impfstoffe gegen verschiedene Untergruppen (sog. Serogruppen) des Erregers. Zum einen gibt es speziell gegen die Serogruppe C der Meningokokken Impfstoffe. Ausserdem gibt es kombinierte Impfstoffe gegen die Serogruppen A und C sowie A, C, W135 und Y. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) empfiehlt eine Meningokokken-Impfung für alle Kinder vom 12. Lebensmonat bis zum 18. Lebensjahr. Ausserdem ist die Impfung unter anderem folgenden Personen zu empfehlen:

  • gesundheitlich gefährdeten Menschen (z.B. bei angeborenen oder erworbenen Immundefekten)
  • Schülern, Studenten und Au-pairs vor Langzeitaufenthalten in Ländern mit entsprechender Impfempfehlung
  • Personen, die in Länder mit Meningitis-Risiko reisen (z.B. in Länder des sog. Meningitisgürtels, also afrikanische Länder südlich der Sahara)
  • Personen, die engen Kontakt zu einem Meningitis-Patienten hatten

Impfung gegen Haemophilus influenzae

Die Impfung gegen die Bakterienart Haemophilus influenzae wird allen Säuglingen und Kleinkindern empfohlen. Durch diese Impfung erreicht man einen mehrere Jahre andauernden Schutz von etwa 90 Prozent. Auffrischimpfungen im Schulalter sind nicht notwendig, da schwere Haemophilus-influenzae-Erkrankungen einschliesslich der Meningitis nach dem siebten Lebensjahr nur selten auftreten. Dank Impfprogrammen mit der sog. Hib-Vakzine (Impfstoff gegen Haemophilus influenzae Serotyp B) sind Meningitis-Erkrankungen durch Haemophilus influenzae Typ B in Europa stark zurückgegangen. Typ B ist der gefährlichste Serotyp des Krankheitserregers.

Impfung gegen Pneumokokken

Für die Impfung gegen Pneumokokken steht ein sogenannter Konjugat-Impfstoff zur Verfügung, der einen Langzeitschutz gegen Pneumokokken-Meningitis bietet. Dieser Impfstoff wird Kindern unter zwei Jahren empfohlen. Ältere Menschen über 60 Jahre sollten sich dagegen mit einem sogenannten Polysaccharid-Impfstoff gegen eine Pneumokokken-Infektion impfen lassen.

Eine Pneumokokken-Impfung ist ausserdem Personen zu empfehlen, denen die Milz entfernt wurde. Besonders in den ersten zwei Jahren nach einer Milzentfernung besteht die Gefahr, an einer lebensbedrohlich verlaufenden Pneumokokken-Infektion zu erkranken.

Impfung ist auch Schutz für Ungeimpfte: «Herdenimmunität»

Eine Impfung schützt nicht nur die geimpfte Person vor dem Ausbruch einer Meningitis, sondern verhindert auch, dass ein Mensch unbemerkt Träger des Erregers wird und diesen an andere weitergibt. Durch eine Impfung erreicht man also über den Schutz des Einzelnen hinaus auch einen Schutz der nichtgeimpften Mitmenschen. Mediziner nennen dies Herdenimmunität. Der Schutz ist dabei umso grösser, je mehr Menschen geimpft sind, da diese kein Erregerreservoir mehr darstellen. Deshalb ist eine weitgehende «Durchimpfung» der Bevölkerung ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Krankheitserreger.

Chemoprophylaxe

Unter einer Chemoprophylaxe verstehen Mediziner die vorbeugende Gabe von Antibiotika an Kontaktpersonen von Erkrankten (z.B. Familienangehörige oder medizinisches Personal). Fachleute schätzen die Gefahr rasch tödlich verlaufender Formen von Meningokokken-Meningitis beziehungsweise Meningokokken-Sepsis für enge Kontaktpersonen 500- bis 1'000-mal höher ein als bei Nicht-Kontaktpersonen. Eine derartige Prophylaxe hat deshalb grosse Bedeutung.