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Veröffentlicht am 05.12.2019

1. Überblick

Migräne ist ein Kopfschmerz, der oft mit Symptomen wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit einhergeht. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer.

Bei Migräne handelt es sich um eine Art von Kopfschmerz, die meist einseitig auftritt und pulsiert. Häufig begleiten weitere Beschwerden wie Licht- und Lärmscheu (Photo- /Phonophobie), Übelkeit sowie Sehstörungen und neurologische Ausfälle einen Migräneanfall.

Etwa 6 bis 8 Prozent der Männer und ungefähr 12 bis 14 Prozent der Frauen haben wiederholte Migräneanfälle. Bei rund jeder dritten Frau tritt im Laufe ihres Lebens einmal Migräne auf. Auch Kinder können schon Migräne haben: Vor der Pubertät sind etwa 5 Prozent von dieser Art von Kopfschmerzen betroffen.

Nach der internationalen Klassifikation unterscheiden Mediziner verschiedene Formen der Migräne. Die wichtigsten Formen sind die Migräne ohne Aura und die Migräne mit Aura. Am häufigsten ist die Migräne ohne Aura. Eine Aura – also neurologische Symptome, vor allem Sehstörungen – tritt nur bei etwa 10 bis 15 Prozent der Personen mit Migräne auf.

Die genaue Ursache von Migräne ist noch nicht endgültig geklärt. Wahrscheinlich sind erbliche Faktoren, da oft mehrere Mitglieder einer Familie betroffen sind. Widerlegt ist hingegen die Theorie, nach welcher die Erkrankung durch eine mangelhafte Durchblutung des Gehirns entstehen.

Hormonelle Einflüsse können Auslöser eines Migräneanfalls sein. Möglicherweise beeinflussen auch bestimmte Nahrungsmittel, ein gestörter Schlafrhythmus und Stress Migräne. Die auslösenden Faktoren sind aber individuell sehr unterschiedlich.

Die Diagnose erfolgt durch die Krankengeschichte (Anamnese) und vor allem durch die Beschreibung der Kopfschmerzen und möglicher weiterer Beschwerden. Bei neu aufgetretenen Kopfschmerzen schliesst der Arzt andere Ursachen mittels Elektroenzephalogramm (EEG), Computertomographie (CT) und/oder Magnetresonanztomographie (MRT) aus.

Bei der Behandlung der Migräne kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Bei akuten Anfällen helfen Medikamente gegen Kopfschmerzen und weitere Symptome. Verschiedene nicht-medikamentöse Verfahren können die Behandlung ergänzen, zum Beispiel Sport, Entspannungsverfahren oder Stressbewältigungstraining.

2. Definition

Migräne ist laut Definition eine bestimmte Form von Kopfschmerzen. Der Begriff Migräne ist von dem französischen Wort la migraine (der Kopfschmerz) abgeleitet. Da die Schmerzen meist nur auf der einen Seite des Kopfs auftreten, verwenden Ärzte manchmal auch die griechische Bezeichnung Hemikranie (Kopfschmerz in einer Kopfhälfte).

Migräne-Kopfschmerzen sind anfallsartig auftretende, periodisch wiederkehrende Kopfschmerzen, die meistens nur eine Kopfhälfte betreffen. Gleichzeitig treten oft weitere Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen auf. Seltener treten diese Kopfschmerzen zusammen mit einer sogenannten Aura auf. Darunter versteht man verschiedene Wahrnehmungsstörungen, wie zum Beispiel Flimmern oder Schwarzwerden vor den Augen, falsche Geschmacks- oder Geruchsempfindungen, Lähmungserscheinungen (Paresen), Sprachstörungen (Aphasie) oder Geräuschwahrnehmungen, ohne dass ein entsprechender äusserer Reiz vorhanden ist.

Eine Migräneattacke kann in verschiedenen Phasen verlaufen. Allerdings müssen nicht bei jedem Betroffenen alle Phasen tatsächlich auftreten – manche durchlaufen alle Phasen, andere nur zwei oder drei. Die vier Phasen der Migräne sind:

 

  1. Vorphase (Prodromalphase): In der Vorphase kann sich eine Migräne durch sogenannte «Plus-Faktoren» ankündigen. Dabei handelt es sich um eine erhöhte Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Anfälle von Heisshunger, Hyperaktivität und eine Überempfindlichkeit der Sinneseindrücke als erste Zeichen einer nahenden Migräneattacke. Ihnen stehen entsprechende «Minus-Faktoren» gegenüber, unter denen Mediziner Müdigkeit, Erschöpfung und Verstopfung (Obstipation) zusammenfassen.
  2. Aura: Die Migräne-Aura tritt bei 10 bis 15 Prozent der Betroffenen auf und entwickelt sich für gewöhnlich innerhalb von 5 bis 20 Minuten vollständig. Nach spätestens 60 Minuten sind die Symptome wieder verschwunden – noch bevor der Kopfschmerz einsetzt. Teilweise überschneidet sich die Aura aber auch zeitlich mit den Schmerzen oder tritt erst nach deren Beginn auf.
  3. Kopfschmerzphase: Die für Migräne typischen Kopfschmerzen (stechend, pochend oder pulsierend) nehmen meist langsam über Stunden zu. Der Schmerz tritt meistens nur einseitig auf – allerdings kann die Seite während des akuten Migräneanfalls wechseln. Die Kopfschmerzphase bei Migräne geht häufig einher mit Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmüberempfindlichkeit. Bei Bewegungen bzw. Anstrengung werden die Beschwerden stärker. Aufgrund dieser Begleiterscheinungen ist es für die Betroffenen häufig angenehm, in abgedunkelten und stillen Räumen zur Ruhe zu kommen. Die Dauer der Kopfschmerzphase liegt normalerweise zwischen 4 und 72 Stunden, bei Kindern auch kürzer.
  4. Rückbildungsphase: Die Migräne-Symptome nehmen ab, die Betroffenen fühlen sich müde und erschöpft. Ausserdem treten häufig Symptome auf, die denen der Vorphase entgegenstehen, zum Beispiel Appetitlosigkeit.

Häufigkeit

Es gibt für die Migräne keine genauen Zahlen zur Häufigkeit. Schätzungsweise beträgt der Anteil der insgesamt erkrankten Männer etwa 6 bis 8 Prozent, bei den Frauen sind es etwa 12 bis 14 Prozent. Bei Frauen zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr kommt die Migräne am häufigsten vor. In dieser Altersgruppe sind Frauen dreimal häufiger betroffen als Männer. Insgesamt bekommt durchschnittlich jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens einmal einen Migräneanfall.

Auch Kinder können bereits Migräne haben: Vor der Pubertät tritt sie bei etwa 5 Prozent der Kinder auf. In diesem Alter sind Mädchen und Jungen etwa gleich häufig betroffen.

Eine Frau hält sich den schmerzenden Kopf und bedeckt die Augen.

Migräne betrifft Frauen besonders. Jede Dritte leidet mindestens einmal im Leben an den Symptomen.

Quelle: Getty Images
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3. Ursachen

Die genauen Migräne-Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt. Genetische Faktoren scheinen dabei eine Rolle zu spielen, da oft mehrere Mitglieder einer Familie von dieser Krankheit betroffen sind. Es wird vermutet, dass bestimmte Genveränderungen einen Einfluss auf die Nervenerregbarkeit haben. Eine Theorie der mangelhaften Durchblutung (Ischämie) des Gehirns gilt inzwischen als widerlegt.

Triggerfaktoren

Neben den eigentlichen Migräne-Ursachen spielen die Auslöser, die sogenannten Triggerfaktoren (engl.: trigger = Auslöser), eine wichtige Rolle. Trigger sind verschiedenartige Auslöser, die eine Migräneattacke bewirken können. Betroffene verwechseln häufig diese Triggerfaktoren mit den biologischen Migräne-Ursachen. Es sind verschiedene auslösende Faktoren für Migräne-Anfälle bekannt, zum Beispiel hormonelle Einflüsse, Stress oder bestimmte Nahrungsmittel. Meist spielen aber weniger einzelne Faktoren eine Rolle bei der Migräne, sonder mehr das Zusammentreffen verschiedener Auslöser.

Stress

Typischerweise treten Migräneattacken nicht dann auf, wenn der Stress am grössten ist, sondern entweder in der Erwartung von kommendem Stress oder in der Phase des Entspannens. Die sogenannten «Wochenend-Migränen» treten also genau dann auf, wenn nach einer anstrengenden Woche die ersehnte Erholung am Wochenende folgt.

Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus

Der Auslöser einer Migräneattacke kann ausserdem ein Wechsel im Schlaf-Wach-Rhythmus sein. Folgende Situationen sind dafür typisch: Die Nacht ist plötzlich kürzer als gewöhnlich, ein unvorhergesehenes «Schläfchen» am Tag oder das Ausschlafen am Wochenende bringen den gewohnten Rhythmus durcheinander.

Hormonelle Einflüsse

Als Auslöser von Migräne sind ausserdem hormonelle Einflüsse bekannt. Solche hormonelle Schwankungen sind besonders bei Frauen gegeben: Sie sind bei Frauen typische Migräne-Auslöser. So leiden viele Betroffene gerade während der Periode oder des Eisprungs unter Migräne. Auch hormonelle Kontrazeptiva wie die Pille oder Hormonpräparate zur Behandlung von Beschwerden in den Wechseljahren können Migräne-Anfälle auslösen. Andererseits bleiben während der Schwangerschaft die Anfälle bei mehr als jeder zweiten Betroffenen völlig aus oder können in den Wechseljahren (Klimakterium) in ihrer Häufigkeit abnehmen.

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Nahrungsmittel

Manche Menschen reagieren auch empfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade oder Käse. Dabei ist aber noch nicht klar, ob diese tatsächlich eine Migräneattacke auslösen können. Auch Alkohol (insbesondere Rotwein), aus der asiatischen Küche bekannte Geschmacksverstärker (z.B. Glutamat) sowie Schwankungen des Koffeinspiegels kommen als mögliche Migräne-Ursachen in Frage. Die Auslöser (Trigger) einer Migräne sind jedoch individuell sehr unterschiedlich.

Kombination

Meist kommen mehrere Triggerfaktoren zusammen, die zu einer Migräneattacke führen. Dies erklärt auch, warum ein Faktor allein nicht jedes Mal als Migräne-Auslöser erkennbar ist. Es gibt aber auch Migräneanfälle, die sich ohne erkennbare oder erklärbare äussere Einflüsse bemerkbar machen.

4. Symptome

Bei einer Migräne treten unterschiedliche Symptome auf. Wie sich ein Migräneanfall äussert, ist je nach Form der Migräne verschieden. Es gibt unter anderem folgende Arten

 

  • Migräne ohne Aura
  • Migräne mit Aura
  • ophthalmoplegische Migräne
  • retinale Migräne
  • Migräne bei Kindern (sog. periodische Syndrome als Vorläufer einer Migräne)

Migräne ohne Aura

Die Migräne ohne Aura, die früher auch als «einfache Migräne» bezeichnet wurde, ist die am häufigsten auftretende Form. Symptome sind allmählich zunehmende, meist einseitige Kopfschmerzen, die im Allgemeinen 4 bis 72 Stunden anhalten. Die Kopfschmerzen sind häufig von Übelkeit begleitet, die Betroffenen sind geräusch- und lichtüberempfindlich und halten sich deshalb bevorzugt in ruhigen, abgedunkelten Räumen auf.

Diagnostische Kriterien der Migräne ohne Aura:

 

  • Dauer der Kopfschmerzattacke 4 bis 72 Stunden
  • Mindestens 2 der folgenden 4 Kriterien sind erfüllt:
    • Schmerz einseitig (Seitenwechsel während und zwischen den Attacken möglich)
    • pulsierender Schmerz
    • mittlere bis hohe Schmerzintensität, die Betroffene in ihrem Alltag belastet
    • Schmerz nimmt bei Belastung zu (z.B. beim Treppensteigen)
  • Zusätzlich mindestens ein Begleitsymptom wie:
    Übelkeit oder Erbrechen
    Licht- oder Geräuschüberempfindlichkeit
  • Mindestens 5 Attacken, bei denen diese Kriterien zutreffen

Migräne mit Aura

Eine Migräne mit Aura unterscheidet sich von der Migräne ohne Aura durch neurologische Symptome, die als Aura bezeichnet werden. Sie wird auch als «klassische» oder «begleitete» Migräne (migraine accompagnée) bezeichnet. Bei einer Migräne mit Aura können beispielsweise folgende zusätzliche Symptome auftreten :

 

  • Sehstörungen, z.B. blendende, flimmernde Lichterscheinungen (Flimmerskotom), bis vollständiger Gesichtsfeldausfall, grelle Lichtblitze, Halluzinationen
  • Geräuschwahrnehmungen ohne entsprechende äussere Reize
  • falsche Geschmacks- oder Geruchswahrnehmungen
  • Sprachstörungen
  • Lähmungen oder Empfindungsstörungen: Sie treten typischerweise einseitig auf der dem Kopfschmerz gegenüberliegenden Seite auf. Empfindungsstörungen äussern sich z.B. durch Kribbeln in den Händen oder Füssen.

Diese besonderen Migräne-Symptome dauern in der Regel nicht länger als 60 Minuten. Sie können jedoch vereinzelt auch länger auftreten. Ein Sonderfall wäre in diesem Zusammenhang das Auftreten einer Aura ohne Kopfschmerzen (migraine sans migraine), bei der sich die Migräne nur durch Symptome der Aura bemerkbar macht.

Eine weitere Sonderform ist die Migräne mit Hirnstammaura, früher Basilarismigräne genannt. Zusätzlich zu Kopfschmerzen im Hinterkopf sowie Sehstörungen leiden die Betroffenen unter Gangunsicherheit, Ohrgeräuschen (Tinnitus), Hörminderung, Schwindel und Sprechstörungen.

Migräne mit Augenmuskellähmung (ophthalmoplegische Migräne)

Die ophthalmoplegische Migräne leitet ihren Namen ab von Ophthalmoplegie (Augenmuskellähmung). Die Symptome entstehen durch Lähmungen der Hirnnerven, die für die Beweglichkeit der Augen verantwortlich sind. So treten bei der ophthalmoplegischen Migräne Symptome wie das Sehen von Doppelbildern auf. Diese seltene Form der Migräne muss in jedem Fall sofort von einem Arzt untersucht werden, da sich hinter einer gelähmten Augenmuskulatur auch ernste Erkrankungen verbergen können, zum Beispiel Durchblutungsstörungen oder eine Hirnblutung.

Migräne mit Netzhautbeteiligung (retinale Migräne)

Die retinale Migräne äussert sich ebenfalls durch Symptome, die mit dem Auge zusammenhängen. Anders als die ophthalmoplegische Migräne betrifft die retinale Migräne die Netzhaut (Retina). Sie zeigt sich neben den typischen Migräne-Symptomen in wiederholtem Auftreten von Gesichtsfeldausfällen oder Flimmersehen – im Gegensatz zu Migränen ohne Netzhautbeteiligung aber nur auf einem Auge. Gelegentlich erblinden Betroffene auf dem beeinträchtigten Auge vorübergehend.

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Migräne bei Kindern

Migräne tritt schon bei Kindern auf – ungefähr fünf Prozent der Kinder vor der Pubertät haben bereits Migräne. Die Symptome ähneln denen der Erwachsenen. Als Unterschied treten die Kopfschmerzen häufig beidseitig auf. Weniger stark ausgeprägt sind die Begleitsymptome und die Länge des Anfalls, diese nehmen aber mit dem Alter zu. Migräne bei Kindern geht mit kürzeren Attacken einher als bei Erwachsenen, sie dauern aber mindestens eine Stunde. Typische Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen sind meist weniger stark ausgeprägt als bei Erwachsenen. Stattdessen führt die Migräne zu Symptomen wie geröteter Bindehaut, tränenden Augen, laufender Nase und geschwollenen Augenlidern. Die Symptome können in manchen Fällen als Nasennebenhöhlenentzündung fehlgedeutet werden. Auch bei Kindern kann es vor einer Attacke zu neurologischen Ausfällen – also einer Aura – kommen.

Migräne und Kopfschmerzen bei Kindern bewirken oft, dass sich die Kinder anders verhalten als sonst. Die Kinder unterbrechen gewohnte Tätigkeiten, ziehen sich zurück und suchen Ruhe. Oft lassen die Symptome nach, wenn das Kind ein wenig schläft.

5. Diagnose

Bei Verdacht auf Migräne stellt der Arzt die Diagnose anhand:

 

  1. Anamnese (Erhebung der Krankheitsgeschichte)
  2. Beschreibung der Kopfschmerzattacke
  3. Körperlich-neurologische Untersuchungen

Beschreibung der Kopfschmerzattacke

Um bei Migräne eine genaue Diagnose zu stellen zu können, benötigt der Arzt im Anschluss an die Anamnese eine genaue Beschreibung der Beschwerden, die bei einer Kopfschmerzattacke auftreten. Eine Checkliste mit notierten Symptomen und möglichen Fragen dient hier als gute Orientierung, um sich auf das Arztgespräch vorzubereiten. Zusammen mit dem Arzt können die einzelnen Punkte besprochen werden. Der Arzt kann die Migräne-Diagnose dann anhand der verschiedenen Kriterien stellen.

Körperlich-neurologische Untersuchungen

Bei Migräne zieht der Arzt ausserdem körperliche neurologische Untersuchungen heran, um die Diagnose zu sichern. Dabei achtet er zum Beispiel darauf, ob die Hirnnerven richtig funktionieren, ob die Sehfähigkeit ungewöhnlich eingeschränkt ist oder ob das Schmerz- und Berührungsempfinden gestört ist. Ausserdem prüft er, ob der Betroffene Probleme mit der Halswirbelsäule, den Zähnen oder dem Kiefer hat – denn auch sie können Kopfschmerzen verursachen. Im Zusammenhang mit dem Beschwerdebild sind zur Migräne-Diagnose meist keine weiteren Untersuchungen erforderlich.

Kann der Arzt die Migräne-Diagnose noch nicht sicher stellen, veranlasst er weitere Untersuchungen, um andere Erkrankungen auszuschliessen. Ein Elektroenzephalogramm (EEG) kann bei Personen mit Migräne die erhöhte Reizbarkeit der Nerven aufzeigen.

Bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) zeigen in der Regel bei der Migräne keine Auffälligkeiten. Diese Untersuchungen setzt der Arzt teilweise dann ein, wenn Kopfschmerzen erstmalig auftreten oder sich die bisherige Kopfschmerz-Symptomatik wesentlich ändert. Da neu aufgetretene Kopfschmerzen vielfältige Ursachen haben können, ist es wichtig, die Auslöser zu erkennen.

Andere Kopfschmerzformen wie Spannungskopfschmerz, Kombinationskopfschmerz (tägliche Kopfschmerzen vom Spannungstyp, die von Migräneattacken überlagert werden), Medikamenten-Kopfschmerz oder Cluster-Kopfschmerz grenzt der Arzt bei der Diagnose von einer Migräne ab. Auch schliesst er symptomatische Kopfschmerz-Ursachen aus, wie beispielsweise Tumoren, Blutungen, Entzündungen oder Verletzungen im Kopfbereich.

6. Therapie

Besteht eine Migräne über Jahre, ist eine erfolgreiche Therapie meist nicht in kurzer Zeit zu erreichen. Langfristig verspricht eine Kombination von medikamentösen und nicht-medikamentösen Massnahmen am ehesten Erfolg. Die Art der Therapie richtet sich nach dem Ausmass der Migräne. Eine vollständige Heilung ist aber nicht möglich. Bei der Migräne-Therapie geht es letztlich darum, die Symptome zu lindern und weitere Migräneanfälle zu vermeiden.

Bei einer Migräneattacke helfen kalte Kompressen (z.B. Migränebrille), ein erholsamer Schlaf sowie der Rückzug in einen abgedunkelten, ruhigen Raum, um optische oder akustische Reize weitestgehend auszuschliessen. Langfristig kann man versuchen, die persönlichen Triggerfaktoren zu meiden: Je nach den individuellen Auslösern kann das zum Beispiel ein Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel wie Käse, Schokolade, Alkohol und Glutamat, ebenso wie ein regelmässiger Schlaf-Wach-Rhythmus sowie das Training bestimmter Methoden der Stressbewältigung sein.

Bei der Therapie der Migräne lässt sich zwischen der Therapie des Migräneanfalls und der Migräne-Prophylaxe, also einer vorbeugenden Behandlung im sogenannten krankheitsfreien Intervall unterscheiden.

Selbstmedikation bei leichten bis mittelschweren Migräne-Kopfschmerzen

Eine Selbstmedikation empfiehlt sich bei leichter bis mittelschwerer Migräne. Verschiedene Schmerzmittel (sog. Analgetika) sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Ibuprofen. Schneller und stärker wirksam ist ein Kombinationspräparat aus Paracetamol und Koffein. Schmerzmittel sollten nicht über längere Zeit ohne ärztliche Kontrolle eingenommen werden.

Treten neben Kopfschmerzen weitere Symptome auf, kann ein Arzt Medikamente dagegen verschreiben. Bei Schwindel und Übelkeit beispielsweise hilft ein sogenanntes Antiemetikum. Dieses bewirkt auch, dass die Analgetika, also die eigentlichen Schmerzmittel, besser vom Körper aufgenommen werden und besser wirken können. Zum einen fördern Antiemetika, dass die Medikamente schneller aus dem Magen in den Darm gelangen, wo sie aufgenommen werden und damit wirken können. Zum anderen vermeiden sie, dass die Schmerzmittel erbrochen werden. Die Schmerzmittel sollten Betroffene deshalb etwa 15 bis 20 Minuten nach dem Antiemetikum einnehmen.

Triptane

Bei schwerer Migräne kommen teils sogenannte Triptane zur Therapie zum Einsatz. Triptane sind sogenannte selektiv wirksame Serotonin-Agonisten. Das sind Wirkstoffe mit der gleichen Wirkung wie der körpereigene Botenstoff Serotonin. Triptane, die sich zur Migräne-Therapie eigenen, sind zum Beispiel Sumatriptan und Naratriptan.

Triptane sind die Substanzen mit der besten Wirksamkeit bei einer akuten Migräneattacke. Sie wirken zu jedem Zeitpunkt innerhalb der Attacke – sie müssen also nicht notwendigerweise zu Beginn eines Anfalls eingenommen werden. Sie wirken aber umso besser, je früher sie eingesetzt werden. Triptane in der Migräne-Therapie helfen auch gegen die typischen Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen. Bei lang andauernden Attacken können die Kopfschmerzen trotz Einnahme von Triptanen wieder auftreten (sog. headache recurrence) – dann schafft eine zweite Dosis meistens Abhilfe.

Bei einer Migräne mit Aura sollten Triptane erst eingenommen werden, wenn die Aurasymptome vorüber sind. Nicht angewendet werden sollten Triptane bei Erkrankungen der Herzkranzgefässe, bei Durchblutungsstörungen der Hände (Raynaud-Syndrom) oder der Hirngefässe sowie bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion. Ausserdem sind Triptane nicht geeignet zur Migräne-Therapie bei Kindern und Personen über 65 Jahren sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit.

Triptane können Nebenwirkungen hervorrufen wie Druck- beziehungsweise Engegefühl im Brust- und Halsraum, Kribbeln in Händen und Füssen oder Herzrhythmusstörungen sowie ein Hitze- oder Kältegefühl.

Es empfiehlt sich, vor allem bei Erstauftreten der Migräne, mit einem Arzt zu sprechen, bevor man Triptane einnimmt. Nur so lassen sich mögliche andere Ursachen der Kopfschmerzen ausschliessen.

 

Achtung: Nehmen Sie Triptane niemals gleichzeitig mit Ergotaminen ein! Die Wartezeit nach der Gabe von Ergotaminen beträgt 24 Stunden. Es ist wichtig, sich bei Medikamenten immer an die Dosierung und empfohlene Anwendung zu richten. Sollten sich die Kopfschmerzen trotz Einnahme eines Medikaments nicht bessern, ist es notwendig, einen Arzt aufzusuchen.
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Ergotamine

Tritt bei der Migräne keine Besserung ein, so kann der Arzt als zweite oder dritte Wahl nach den Triptanen die sogenannten Mutterkornalkaloide verschreiben, zum Beispiel Ergotamin. Heute werden Mutterkornalkaloide nicht mehr empfohlen, höchstens noch bei sehr langen Migräneattacken oder wenn die Kopfschmerzen wiederholt hintereinander auftreten (multiplen «recurrences»). Wer allerdings bislang erfolgreich damit behandelt wurde und sie gut verträgt, sollte sie nicht absetzen.

 

Nehmen Sie Schmerzmittel (Analgetika) nicht längere Zeit ohne ärztliche Kontrolle ein. Wenn Sie häufig Kopfschmerzen haben, lassen sie die Ursachen von einem Arzt abklären. Für alle Präparate (Analgetika, Triptane, Ergotamine) gilt: Die Einnahme darf nicht häufiger als zehnmal im Monat oder an mehr als drei Tagen hintereinander erfolgen, sonst besteht die Gefahr eines durch Medikamente ausgelösten Kopfschmerzes.

 

Weder die genannten Schmerzmittel noch die Mutterkornalkaloide eignen sich für eine Therapie im krankheitsfreien Intervall, da eine Dauereinnahme zum Dauerkopfschmerz sowie zu Magenunverträglichkeiten führen kann. Wer Mutterkornalkaloide länger oder dauerhaft einnimmt, setzt sich ausserdem der Gefahr des Ergotismus aus. Dabei handelt es sich um eine Vergiftung mit Mutterkornalkaloiden, die unter anderem zu Durchblutungsstörungen bis hin zum Gefässverschluss und damit verbundenen Taubheitsgefühlen in den Armen und Beinen führt.

Nicht medikamentöse Therapie

Neben der medikamentösen Therapie gibt es noch andere, nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne, die die Migräne-Therapie sinnvoll ergänzen können.

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Bei einem akuten Migräneanfall hilft es vielen Betroffenen, sich in einem abgedunkelten Raum aufzuhalten, Reize von aussen zu vermeiden, zu schlafen und sich auszuruhen. Um den Schmerz zu lindern, können kalte Kompressen (z.B. Migränebrille) angewendet werden. Als sinnvolle Ergänzungen zu Medikamenten gelten zudem Sport, Entspannungstechniken und Stressbewältigungstraining.

7. Verlauf

Bisher gibt es keine sicheren Erkenntnisse zum Migräne-Verlauf. Mit einer angemessenen Behandlung und vorbeugenden Massnahmen lässt sich der Migräne-Verlauf positiv beeinflussen – heilbar ist Migräne aber nicht, so dass immer wieder Migräneanfälle auftreten können. Bei den meisten Betroffenen treten diese episodisch, also in mehr oder weniger regelmässigen Abständen, auf. Nur bei unter 2 Prozent der Betroffenen ist die Migräne chronisch, tritt also über mehr als drei Monate hinweg an mindestens 8 Tagen pro Monat auf.

Komplikationen

Im Migräne-Verlauf kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen, zum Beispiel dem sogenannten Status migraenosus oder einem migränösen Infarkt.

Vom Status migraenosus spricht man, wenn trotz angemessener Therapie ein Migräneanfall länger als 72 Stunden andauert. Wegen des anhaltenden Erbrechens sind die Betroffenen oft dehydriert (ausgetrocknet), so dass ihr Kreislauf zusammenbricht. In diesem Fall ist eine stationärere Behandlung notwendig. Ein Status migraenosus tritt in der Regel erst nach jahrelanger Migräne mit medikamentöser Behandlung auf. Der jahrelange Medikamentengebrauch könnte ein Grund sein für den Status migraenosus.

Der migränöse Infarkt kann bei einer Migräne mit Aura auftreten. Gehen die Aura-Symptome nicht innerhalb von sieben Tagen vollständig zurück, kann dies ein Anzeichen für einen Schlaganfall (ischämischer Insult) sein. Ein migränöser Infarkt kommt aber nur selten vor.

Kopfschmerztagebuch

Um mit der Migräne im Verlauf besser zurechtzukommen, kann ein Kopfschmerztagebuch sinnvoll sein. Darin erfassen Betroffene alle Symptome, mögliche Auslöser (Trigger) und die Behandlung. Ein Kopfschmerztagebuch hilft bei Migräne nicht nur bei der Diagnose, sondern auch, persönliche Triggerfaktoren zu erkennen. Je besser die Auslöser bekannt sind, desto eher lassen sie sich vermeiden.

Sie können sich ein Kopfschmerztagebuch einfach selber erstellen. Tragen Sie dazu über mehrere Wochen folgende Angaben in einen Kalender ein:

 

  • Schweregrad, Dauer und Lokalisation des Kopfschmerzes
  • Begleitsymptome (z.B. Augenflimmern, Übelkeit)
  • besondere, nicht alltägliche Vorkommnisse (z.B. Stress, Aufregung, Diät, Veränderung der Schlafzeiten)
  • Genuss bestimmter Nahrungsmittel, z.B. Käse, Alkohol, Koffein, Schokolade, Speisen mit Glutamatzusatz, Würstchen
  • Art und Menge der eingenommenen Medikamente beziehungsweise andere eingesetzte Massnahmen

8. Vorbeugen

Migräne lässt sich teilweise mit bestimmten Mitteln vorbeugen. Um für einen Migräneanfall weniger anfällig zu sein, kann es während der beschwerdefreien Zeiten in bestimmten Fällen sinnvoll sein, vorbeugende Medikamente einzunehmen. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn die Migräneattacken öfter als dreimal pro Monat auftreten und auf Akutbehandlungen nicht ausreichend ansprechen oder wenn die Nebenwirkungen für den Behandelten nicht tolerierbar sind. Auch Migräneattacken, die länger als 72 Stunden dauern, sollten durch vorbeugende Massnahmen vermeiden werden, ebenso wie solche, die Betroffene subjektiv als unerträglich empfinden. Auch Migräneattacken mit lang anhaltenden Aura-Symptomen bedürfen einer zusätzlichen medikamentösen Vorbeugung.

Die Prophylaxe kann die Häufigkeit, Schwere und Dauer der Migräneattacken im Idealfall spürbar reduzieren und zugleich einem medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz vorbeugen. Häufig verwendete Medikamente, die Migräne vorbeugen, sind die Betablocker Metoprolol und Propranolol sowie der Kalziumantagonist Flunarizin. Auch Valproinsäure, Topiramat und Amitriptylin können Migräne vorbeugen.

Verhaltenstherapeutische Techniken

Auch verhaltenstherapeutische Techniken können helfen, einer Migräne vorzubeugen. Sie dienen dazu, bestimmte Verhaltensmuster, die man im Laufe seines Lebens erlernt hat, im positiven Sinn zu verändern. Migräne-Erkrankte sollen vor allem solche Verhaltensmuster überwinden lernen, die einen Triggerfaktor – also einen Auslöser der Migräne – begünstigen. Geeignete Verfahren sind zum Beispiel kognitive Techniken, die progressive Muskelentspannung, Biofeedback, Stressbewältigungstraining und Ausdauersport.

Weitere Verfahren sind Akupunktur, Autogenes Training oder Hypnose. Die Wirksamkeit der letzten beiden ist allerdings umstritten. Homöopathische Mittel zeigten in Studien keinen therapeutischen Effekt.

Weitere nützliche Massnahmen zur Vorbeugung

 

  • Halten Sie einen regelmässigen Schlaf-Wach-Rhythmus ein.
  • Entspannen Sie sich regelmässig.
  • Hüten Sie sich vor grossem Lärm.
  • Gehen Sie starken Klimaschwankungen aus dem Weg.
  • Mit Ausdauersport können Sie Migräne vorbeugen.
  • Vermeiden Sie Druck und Stress: keine Überforderung der eigenen Persönlichkeit.
  • Geniessen Sie das Leben nach Ihrem Rhythmus.