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  4. Mittelohrentzündung (Otitis media)

Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Eine Mittelohrentzündung (Otitis media) ist eine akute Erkrankung des Ohrs, die meist durch Bakterien, aber auch durch Viren ausgelöst wird. Am häufigsten tritt sie bei Kindern im Säuglings- und Kleinkindalter auf. Die Symptome einer Otitis media sind Ohrenschmerzen, Hörminderung, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Im Verlauf der Mittelohrentzündung kann das Trommelfell des Ohrs einreissen (Perforation), wodurch die Schmerzen plötzlich nachlassen. Eiter entleert sich dann über den Gehörgang nach aussen. Wenn sich die Entzündung in den angrenzenden Knochen, den sogenannten Warzenfortsatz (Mastoid), ausbreitet, kann eine Mastoiditis entstehen. In solchen Fällen müssen häufig die entzündeten Stellen mittels eines operativen Eingriffs aus dem Knochen entfernt werden. Auch eine chronische Mittelohrentzündung kann die Folge der Perforation sein.

Die Behandlung der akuten Mittelohrentzündung erfolgt häufig über Antibiotika (vor allem bei Kindern unter zwei Jahren), abschwellende Nasentropfen, Schmerzmittel und Wärmezufuhr direkt am Ohr (z.B. durch Rotlicht). Diese Massnahmen führen in der Regel innerhalb weniger Tage dazu, dass die Beschwerden der Otitis media abklingen.

Die Prognose der Mittelohrentzündung ist in der Regel gut – bleibende Schäden kommen nur selten vor. Vielmehr heilt die Otitis media meist folgenlos ab.

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2. Definition

Eine Mittelohrentzündung (Otitis media) ist eine plötzlich eintretende Erkrankung des Ohrs, die mit stechenden ein- oder beidseitigen Ohrenschmerzen, Klopfen im Ohr, Schwindel und Fieber beginnt. In den meisten Fällen verursachen Bakterien die Mittelohrentzündung, manchmal lösen auch Viren die Erkrankung aus. Am häufigsten kommt eine Mittelohrentzündung bei Kindern und Säuglingen vor

Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Hohlraum. Es wird durch das Trommelfell vom äusseren Gehörgang abgetrennt. In ihm befinden sich die drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel), welche die Schallwellen in Richtung Innenohr übertragen.

Durch die Ohrtrompete (Tuba auditiva Eustachii) ist das Mittelohr mit dem hinteren Rachenraum verbunden und wird über diese belüftet. Bei einer Erkältung können Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum über die Ohrtrompete ins Mittelohr aufsteigen und eine Mittelohrentzündung auslösen.

Eine Mittelohrentzündung ist bei Kindern eine häufige Ursache von Ohrenschmerzen. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders häufig betroffen, weil ihre Ohrtrompete noch sehr kurz ist. Auch eine behinderte Nasenatmung, zum Beispiel durch gutartige Geschwulste der Schleimhaut (Polypen), erhöht das Risiko einer Mittelohrentzündung. In solchen Fällen funktioniert meist die Belüftung des Mittelohrs nicht ideal, sodass eine Infektion begünstigt wird.

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3. Ursachen

Eine Mittelohrentzündung (Otitis media) kann verschiedene Ursachen haben. Vor allem Bakterien lösen sie aus, seltener auch Viren. Bei den Viren handelt es sich um das Grippevirus sowie um sämtliche Viren, die Erkältungen verursachen. Die grössere Rolle spielen jedoch Bakterien (z.B. Pneumokokken, A-Streptokokken, Haemophilus influenzae). Vor allem bei Säuglingen können auch Bakterien der Gattung Staphylokokken als Ursache für eine Mittelohrentzündung infrage kommen.

In der Regel sind bei einer akuten Mittelohrentzündung als Ursachen eine Erkältung oder ein grippaler Infekt möglich. Dabei steigt die Infektion vom Nasen-Rachen-Raum auf. Seltener dringen die Keime bei einem Trommelfelldefekt oder einer Verletzung des Trommelfells direkt aus dem äusseren Gehörgang ein. Auch eine Verschleppung der Viren oder Bakterien über das Blut (hämatogene Streuung) im Rahmen einer Allgemeinerkrankung (z.B. Scharlach) sind bei einer Mittelohrentzündung als Ursachen möglich.

Auch grosse Rachenmandeln (z.B. als Folge einer Mandelentzündung) oder oft auftretende Halsentzündungen können die Belüftung zwischen Mittelohr und Rachenraum stören und verhindern, dass Flüssigkeit abfliesst. Angeborene Veränderungen im Rachenraum (z.B. Gaumenspalten) können bei Kindern eine Mittelohrentzündung ebenfalls begünstigen.

Eine chronische Mittelohrentzündung kann Folge einer behinderten Nasenatmung (z.B. durch Polypen) sein.

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4. Symptome

Bei der Mittelohrentzündung (Otitis media) zeigen sich bei akuter und chronischer Form unterschiedliche Symptome. Die akute Mittelohrentzündung beginnt meist plötzlich mit stechenden ein- oder beidseitigen Ohrenschmerzen, Klopfen im Ohr, Schwindel und Fieber.

Die Abwehrreaktion des Körpers gegen die Viren oder Bakterien äussert sich neben den Schmerzen auch in Rötung, Erwärmung und Schwellung der Haut oder Schleimhaut. Oft schwillt bei einer Mittelohrentzündung der Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Rachen, die Ohrtrompete, zu. In der Folge können Schleim und Flüssigkeit nicht mehr abfliessen und sammeln sich im Mittelohr. Wenn dadurch der Druck im Mittelohr zu gross wird, kann das Trommelfell reissen, so dass die Flüssigkeit nach aussen abfliesst und sich Eiter aus dem Ohr entleert. Die Schmerzen lassen dann schlagartig nach.

Bei einer Mittelohrentzündung kommen als weitere Symptome ein allgemeines Krankheitsgefühl, Hörminderung und Kopfschmerzen vor. Betroffene Säuglinge sind unruhig, weinerlich, trinken schlecht und greifen sich oft ans Ohr (Ohrzwang).

Eine chronische Mittelohrentzündung äussert sich durch Hörminderung, Ohrrauschen, anhaltende Flüssigkeitsausscheidung (Sekretion) aus dem Ohr und Wucherung von entzündlichem Gewebe (sog. Cholesteatom).

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5. Diagnose

Eine Mittelohrentzündung erfordert die genaue Diagnose durch einen Arzt. Der Verdacht auf eine Mittelohrentzündung (Otitis media) ergibt sich bereits durch die typischen Beschwerden. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) bestätigt die Diagnose mithilfe einer Ohrenspiegelung (Otoskopie), bei welcher er das Trommelfell durch einen Ohrtrichter begutachtet.

Ein gesundes Trommelfell ist grau, spiegelnd und leicht durchscheinend. Es hat eine glatte Oberfläche und ist gut beweglich. Entdeckt der HNO-Arzt im Rahmen der Otoskopie Anzeichen einer Entzündung, deutet dies auf eine Mittelohrentzündung hin. Die Diagnose ist sicher, wenn sich typische Zeichen für eine Entzündung zeigen, etwa eine Rötung und ein vorgewölbtes Trommelfell. Das Trommelfell kann ausserdem verdickt sein oder Blasen bilden. Manchmal ist auch ein Loch im Trommelfell (Perforationsstelle) mit austretender Flüssigkeit zu erkennen. Bei einer Mittelohrentzündung prüft der Arzt zur Diagnose manchmal zusätzlich die Eigenschaften von Trommelfell und Mittelohr mithilfe der sogenannten Tympanometrie. Ein Hörtest zeigt ausserdem, ob Hörprobleme bestehen.

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6. Therapie

Bei einer Mittelohrentzündung (Otitis media) erfolgt die Behandlung schon oftmals bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion mit Antibiotika. Antibiotika sind jedoch nicht in allen Fällen sinnvoll, da sie leichte Nebenwirkungen wie Durchfall hervorrufen können und Resistenzen von Bakterien begünstigen. Sind Bakterien gegen Antibiotika resistent, erschwert dies eine Behandlung. Der Arzt verschreibt Antibiotika daher vor allem bei Kindern, die jünger als zwei Jahre sind und bei denen entweder beide Ohren entzündet sind und/oder eitriger Ohrenausfluss vorliegt. Auch wenn sich die Entzündung weiter ausbreitet, empfiehlt sich die Gabe von Antibiotika.

In anderen Fällen von Mittelohrentzündung rät der Arzt häufig von einer antibiotischen Behandlung ab beziehungsweise er beobachtet zunächst, wie die Entzündung verläuft. So heilt eine Mittelohrentzündung meist spontan und ohne weiteren Komplikationen wieder aus. Ein Arztbesuch ist in jedem Fall notwendig, da der Arzt den Verlauf der Infektion beurteilen und entscheiden kann, welche Therapie angemessen ist.

Verschiedene Medikamente und Anwendungen sind bei einer Mittelohrentzündung zur Behandlung sinnvoll. Abschwellende Nasentropfen begünstigen den Flüssigkeitsabfluss und die Belüftung des Mittelohrs. Dagegen sind bei einer Mittelohrentzündung Ohrentropfen zur Behandlung wenig wirksam, da sie das Mittelohr nicht erreichen. Schmerzmittel und Wärmebehandlung (z.B. durch Rotlicht) lindern die Beschwerden.

Wenn sich das Trommelfell vorwölbt und spannt oder Komplikationen auftreten, muss es durch eine Operation geöffnet werden (sog. Parazentese). Der HNO-Arzt nimmt diesen Eingriff unter örtlicher Betäubung oder, bei Kindern, in Vollnarkose vor.

Eine Beschädigung des Trommelfells im Rahmen der akuten Mittelohrentzündung heilt meist spontan ab. Eine chronische Mittelohrentzündung sowie eine daraus entstehende chronische Knocheneiterung, ein sogenanntes Cholesteatom, erfordern häufig eine Operation. Dabei verschliesst der Arzt die defekte Stelle des Trommelfells durch ein Gewebetransplantat (Trommelfellplastik).

Hat sich die Entzündung bereits in den angrenzenden Knochen ausgebreitet (Mastoiditis), ist eine umgehende Operation erforderlich, um die entzündeten Stellen zu entfernen.

Hausmittel bei Mittelohrentzündung

Bei einer Mittelohrentzündung können Hausmittel eine Behandlung ergänzen. Sie helfen oftmals, die Symptome zu lindern – sie sind aber kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung bei einer akuten oder chronischen Mittelohrentzündung. Als Hausmittel sind Kamille- oder Zwiebelsäckchen bekannt. Die mit Zwiebelstückchen oder Kamillenblüten befüllten dünnen Stoffsäckchen sollen dabei auf dem Ohr aufliegen. Sie werden mit einem wärmenden Tuch oder einer Mütze befestigt.

Um die Beschwerden einer schmerzhaften Mittelohrentzündung zu lindern, eignet sich als Hausmittel oftmals die klassische Wärmetherapie, zum Beispiel mit einer Rotlichtlampe. Führt eine Mittelohrentzündung zu starkem Fieber, sind Wadenwickel als kurzfristiges Hausmittel geeignet, um die Körpertemperatur zu senken. In einem solchen Fall ist es aber unbedingt notwendig, den Rat des Arztes einzuholen. Jede Mittelohrentzündung erfordert die ärztliche Behandlung.

7. Verlauf

Komplikationen

Eine Mittelohrentzündung kann in ihrem Verlauf zu Komplikationen führen. Meist heilt eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media) innerhalb von zwei Wochen vollständig ab. Ist dies nicht der Fall, besteht der Verdacht, dass sich die Entzündung auf den Knochen hinter dem Ohr, den sogenannten Warzenfortsatz (Mastoid) ausgebreitet hat (Mastoiditis). Bei der Mastoiditis kann Eiter in die luftgefüllten Hohlräume des Knochenfortsatzes gelangen. Erfolgt keine entsprechende Behandlung, kann sich diese Entzündung in der Umgebung weiter ausbreiten. Als Komplikationen sind dann eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Entzündung des Innenohrs (Labyrinthitis) mit Drehschwindel oder Erbrechen möglich.

Im Verlauf einer Mittelohrentzündung kann ein Trommelfellriss (Perforation) eintreten. Es läuft Eiter aus dem Ohr (Ohrenlaufen) und die Ohrenschmerzen bessern sich schlagartig.

Prognose

Eine Mittelohrentzündung hat meist eine gute Prognose. Wichtig ist jedoch, bei Ohrenschmerzen oder anderen Anzeichen einen HNO-Arzt aufzusuchen. Bei frühzeitigem Behandlungsbeginn klingen die Beschwerden innerhalb weniger Tage ab und die akute Mittelohrentzündung (Otitis media) heilt in den meisten Fällen vollständig aus.

Veränderungen, die die Nasenatmung behindern und nicht rechtzeitig erkannt und behoben werden, können jedoch eine chronische Entzündung des Mittelohrs auslösen und zu Schwerhörigkeit und Ohrrauschen führen. In diesem Fall kann auch eine Operation notwendig werden. Die Mastoiditis ist eine gefährliche Komplikation, die jedoch bei rechtzeitiger Operation meist ohne Folgeschäden ausheilt.

8. Vorbeugen

Einer akuten Mittelohrentzündung (Otitis media) kann man kaum vorbeugen. Besonders Kinder sind anfällig für die Infektion. Doch ist es wichtig, bei Symptomen einer Mittelohrentzündung – zum Beispiel Ohrenschmerzen – einen Arzt aufzusuchen. Durch eine rechtzeitige Behandlung lässt sich meist einer chronischen Mittelohrentzündung und anderen Folgen vorbeugen.

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