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Veröffentlicht am 14.10.2021

1. Überblick

Typisch für eine Mittelohrentzündung sind stechende Ohrenschmerzen, Fieber und Hörminderung. Die Krankheit ist zwar schmerzvoll, bleibt aber meist harmlos.

Eine Mittelohrentzündung (Otitis media) ist eine akute Erkrankung des Ohrs, die meist durch Bakterien, aber auch durch Viren ausgelöst wird. Am häufigsten tritt sie bei Kindern im Säuglings- und Kleinkindalter auf. Die Symptome einer Otitis media sind Ohrenschmerzen, Hörminderung, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Im Verlauf der Mittelohrentzündung kann das Trommelfell des Ohrs einreissen (Perforation), wodurch die Schmerzen plötzlich nachlassen. Eiter entleert sich dann über den Gehörgang nach aussen. Wenn sich die Entzündung in den angrenzenden Knochen, den sogenannten Warzenfortsatz (Mastoid), ausbreitet, kann eine Mastoiditis entstehen. In solchen Fällen müssen die entzündeten Stellen umgehend mittels eines operativen Eingriffs aus dem Knochen entfernt werden. Auch eine chronische Mittelohrentzündung kann die Folge der Perforation sein.

Die Behandlung der akuten Mittelohrentzündung erfolgt häufig über Antibiotika, abschwellende Nasentropfen, Schmerzmittel und Wärmezufuhr direkt am Ohr (z.B. durch Rotlicht). Meistens heilt eine Otitis media aber innerhalb der ersten zwei bis drei Tage von selbst wieder ab.

Die Prognose der Mittelohrentzündung ist in der Regel gut – bleibende Schäden kommen nur selten vor. Vielmehr heilt die Otitis media meist folgenlos ab.

Ein junges Mädchen hält sich das schmerzende Ohr.

Kinder sind häufig von Mittelohrentzündungen betroffen: Zwei von drei Kindern erkranken in den ersten drei Lebensjahren.

Quelle: Getty Images

2. Definition von Mittelohrentzündung

Eine Mittelohrentzündung (Otitis media) ist eine plötzlich eintretende Erkrankung des Ohrs, die mit stechenden ein- oder beidseitigen Ohrenschmerzen, Klopfen im Ohr, Hörminderung und Fieber beginnt. In den meisten Fällen verursachen Bakterien die Mittelohrentzündung, manchmal lösen auch Viren die Erkrankung aus. Am häufigsten kommt eine Mittelohrentzündung bei Kindern und Säuglingen vor

Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Hohlraum. Es wird durch das Trommelfell vom äusseren Gehörgang abgetrennt. In ihm befinden sich die drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel), welche die Schallwellen in Richtung Innenohr übertragen.

Die Ohrtrompete (Tuba auditiva Eustachii) verbindet das Mittelohr mit dem hinteren Rachenraum belüftet dieses. Bei einer Erkältung können Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum über die Ohrtrompete ins Mittelohr aufsteigen und eine Mittelohrentzündung auslösen.

Eine Mittelohrentzündung ist bei Kindern eine häufige Ursache von Ohrenschmerzen. Innerhalb der ersten drei Lebensjahre erkranken etwa zwei von drei Kindern an einer Mittelohrentzündung. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders häufig betroffen, weil ihre Ohrtrompete noch sehr kurz ist.

3. Ursachen von Mittelohrentzündung

In den allermeisten Fällen geht der Mittelohrentzündung eine Infektion der oberen Atemwege voraus, zum Beispiel

 

Das bedeutet: Die eigentlichen Ursachen für eine Mittelohrentzündung sind Viren und/oder Bakterien, die vom Nasen-Rachen-Raum ins Mittelohr wandern und dort zu einer Entzündung führen. 

Häufig Auslöser einer Otitis media sind zum Beispiel

 

  • Grippeviren, 
  • Erkältungsviren (z.B. Rhinoviren, Respiratory-Syncytial-Viren, Coronaviren oder Adenoviren),
  • Pneumokokken,
  • A-Streptokokken,
  • Staphylokokken (vor allem bei Säuglingen) und
  • Haemophilus influenzae.

Seltener dringen die Keime bei einem Trommelfelldefekt oder einer Verletzung des Trommelfells direkt aus dem äusseren Gehörgang ein. Auch eine Verschleppung der Viren oder Bakterien über das Blut (hämatogene Streuung) im Rahmen einer Allgemeinerkrankung (z.B. Scharlach oder Masern) können eine Mittelohrentzündung verursachen.

Auch grosse Rachenmandeln (z.B. als Folge einer Mandelentzündung) oder oft auftretende Halsentzündungen können die Belüftung zwischen Mittelohr und Rachenraum stören und verhindern, dass Flüssigkeit abfliesst. Angeborene Veränderungen im Rachenraum (z.B. Gaumenspalten) können bei Kindern eine Mittelohrentzündung ebenfalls begünstigen.

Die Mittelohrentzündung selbst ist nicht ansteckend. Die Infektionskrankheit, die der Otitis media vorausgegangen ist, ist es aber unter Umständen schon. Ein Beispiel: Ist die Mittelohrentzündung im Rahmen einer Erkältung aufgetreten, so können die verantwortlichen Erkältungsviren beim Spielen oder Sprechen auf andere Kinder übertragen werden.

4. Symptome von Mittelohrentzündung

Bei der Mittelohrentzündung (Otitis media) zeigen sich bei akuter und chronischer Form unterschiedliche Symptome. Die akute Mittelohrentzündung beginnt meist plötzlich mit stechenden ein- oder beidseitigen Ohrenschmerzen, Klopfen im Ohr, gerötetem und vorgewölbten Trommelfell, Druckschmerz, Hörminderung, Fieber, Kopfschmerzen und einem allgemeinen Krankheitsgefühl.

Oft schwillt bei einer Mittelohrentzündung der Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Rachen, die Ohrtrompete, zu. In der Folge können Schleim und Flüssigkeit nicht mehr abfliessen und sammeln sich im Mittelohr. Wenn dadurch der Druck im Mittelohr zu gross wird, kann das Trommelfell reissen, so dass die Flüssigkeit nach aussen abfliesst und sich Eiter aus dem Ohr entleert. Die Schmerzen lassen dann schlagartig nach.

Bei Kleinkindern zeigen sich die Symptome einer Mittelohrentzündung meist an ihrem Verhalten: Betroffene Säuglinge sind häufig unruhig, weinerlich, trinken schlecht und greifen sich oft ans Ohr (Ohrzwang).

Eine chronische Mittelohrentzündung äussert sich durch Hörminderung, Ohrrauschen, anhaltende Flüssigkeitsausscheidung (Sekretion) aus dem Ohr und Wucherung von entzündlichem Gewebe (sog. Cholesteatom).

5. Diagnose von Mittelohrentzündung

Eine Mittelohrentzündung erfordert die genaue Diagnose durch einen Kinder- oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Artz). Der Verdacht auf eine Mittelohrentzündung (Otitis media) ergibt sich bereits durch die typischen Beschwerden. Die HNO-Ärztin bestätigt die Diagnose mithilfe einer Ohrenspiegelung (Otoskopie), bei welcher sie das Trommelfell durch einen Ohrtrichter begutachtet.

Ein gesundes Trommelfell ist grau, spiegelnd und leicht durchscheinend. Es hat eine glatte Oberfläche und ist gut beweglich. Entdeckt der HNO-Arzt im Rahmen der Otoskopie Anzeichen einer Entzündung, deutet dies auf eine Mittelohrentzündung hin. Typisch sind etwa eine Rötung und ein vorgewölbtes Trommelfell. Das Trommelfell kann ausserdem verdickt sein oder Blasen bilden. Manchmal ist auch ein Loch im Trommelfell (Perforationsstelle) mit austretender Flüssigkeit zu erkennen.

Bei einer Mittelohrentzündung prüft die Ärztin zur Diagnose manchmal zusätzlich die Eigenschaften von Trommelfell und Mittelohr mithilfe der sogenannten Tympanometrie. Bei dieser Untersuchung misst sie den Druck im Mittelohr und testet die Beweglichkeit des Trommelfells. Ein Hörtest zeigt ausserdem, ob Hörprobleme bestehen.

6. Therapie von Mittelohrentzündung

Wie bei einer Mittelohrentzündung die Behandlung genau aussieht, hängt unter anderem vom Alter des Patienten und vom Allgemeinzustand ab. Einige Ärzte behandeln eine Mittelohrentzündung stets mit Antibiotika, wobei dies nur in manchen Fällen sinnvoll ist. Meistens heilt eine Otitis media innerhalb der ersten zwei bis drei Tage von selbst wieder ab.

Ein Arztbesuch ist in jedem Fall notwendig, da der Arzt den Verlauf der Mittelohrentzündung beurteilen und entscheiden kann, welche Behandlung angemessen ist.

Grob gesagt lässt sich die Behandlung einer Mittelohrentzündung wie folgt strukturieren.

Schmerzlinderung

Im Mittelpunkt der Behandlung steht die schnelle Linderung der Ohrenschmerzen. Hierfür eignen sich die Wirkstoffe

  • Paracetamol und
  • Ibuprofen.

Beide Wirkstoffe sind bereits für Säuglinge zugelassen und können als Zäpfchen oder Saft verabreicht werden.

Krankheitsverlauf beobachten

Vor allem bei Kindern ab zwei Jahren und bei Erwachsenen empfiehlt es sich, den Verlauf der Mittelohrentzündung zunächst zu beobachten. 85 von 100 Patienten haben bereits nach 24 Stunden keine Ohrenschmerzen mehr, die vollständige Genesung dauert rund zwei Wochen. Hingegen sind Antibiotika häufig empfehlenswert,

  • wenn sich die Symptome verschlimmern, 
  • bei Kleinkindern unter zwei Jahren mit einer Entzündung beider Ohren oder
  • bei einer Mittelohrentzündung mit eitrigem Ausfluss aus dem Ohr.

Antibiotika

Antibiotika galten lange Zeit als Standardbehandlung bei einer Mittelohrentzündung. Heute weiss man jedoch, dass diese Therapiemassnahme nur in bestimmten Fällen sinnvoll ist.

Eine sofortige Behandlung mit Antibiotika empfiehlt sich bei

Als Mittel der ersten Wahl gilt der Wirkstoff Amoxicillin, alternativ können auch orale Cephalosporine zum Einsatz kommen.

Nasentropfen und Ohrentropfen

Abschwellende Nasentropfen fördern den Flüssigkeitsabfluss und die Belüftung des Mittelohrs. Ob dadurch die Mittelohrentzündung besser abheilt, ist jedoch nicht klar. Wenn das Kind auch eine verstopfte Nase hat, sorgen die Nasentropfen zumindest dafür, dass es einige Stunden lang besser durchatmen kann.

Dagegen sind bei einer Mittelohrentzündung Ohrentropfen (z.B. mit den Wirkstoffen Phenazon und Procain) nur wenig wirksam, da sie das Mittelohr nicht durch das Trommelfell hindurch erreichen.

Hausmittel

Bei einer Mittelohrentzündung können Hausmittel eine Behandlung ergänzen. Sie helfen oftmals, die Symptome zu lindern – sie sind aber kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung bei einer akuten oder chronischen Mittelohrentzündung. Als Hausmittel sind Kamille- oder Zwiebelsäckchen bekannt. Die mit Zwiebelstückchen oder Kamillenblüten befüllten dünnen Stoffsäckchen sollen dabei auf dem Ohr aufliegen.

Um die Beschwerden einer schmerzhaften Mittelohrentzündung zu lindern, wird als Hausmittel oftmals eine Wärmetherapie angewandt, zum Beispiel mit einer Rotlichtlampe. Führt eine Mittelohrentzündung zu starkem Fieber, kommen Wadenwickel als kurzfristiges Hausmittel zum Einsatz, um die Körpertemperatur zu senken. Bislang gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege, dass diese Hausmittel bei einer akuten Mittelohrentzündung tatsächlich helfen.

Operation

Eine Beschädigung des Trommelfells im Rahmen der akuten Mittelohrentzündung heilt meist spontan ohne operative Therapie ab. Eine chronische Mittelohrentzündung sowie eine daraus entstehende chronische Knocheneiterung, ein sogenanntes Cholesteatom, erfordern jedoch häufig eine Operation. Dabei verschliesst der Arzt die defekte Stelle des Trommelfells durch ein Gewebetransplantat (Trommelfellplastik).

Wenn sich das Trommelfell vorwölbt und spannt oder Komplikationen auftreten, muss die HNO-Ärztin es operativ öffnen (sog. Parazentese). Der Eingriff findet unter örtlicher Betäubung oder – bei Kindern – in Vollnarkose statt.

Hat sich die Entzündung bereits in den angrenzenden Knochen ausgebreitet (Mastoiditis), ist eine umgehende Operation erforderlich, um die entzündeten Stellen zu entfernen.

7. Verlauf von Mittelohrentzündung

Komplikationen

Eine Mittelohrentzündung kann in ihrem Verlauf zu Komplikationen führen. Meist heilt eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media) innerhalb von zwei Wochen vollständig ab. Ist dies nicht der Fall, besteht der Verdacht, dass sich die Entzündung auf den Knochen hinter dem Ohr, den sogenannten Warzenfortsatz (Mastoid) ausgebreitet hat (Mastoiditis).

Bei der Mastoiditis kann Eiter in die luftgefüllten Hohlräume des Knochenfortsatzes gelangen. Erfolgt keine entsprechende Behandlung, kann sich diese Entzündung in der Umgebung weiter ausbreiten. Als Komplikationen sind dann eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Entzündung des Innenohrs (Labyrinthitis) mit Drehschwindel oder Erbrechen möglich.

Im Verlauf einer Mittelohrentzündung kann ein Trommelfellriss (Perforation) eintreten. Es läuft Eiter aus dem Ohr (Ohrenlaufen) und die Ohrenschmerzen bessern sich schlagartig. Die Folge einer solchen Perforation kann eine andauernde Mittelohrentzündung sein. Ärzte sprechen dann von einer chronischen Otitis media.

Chronische Mittelohrenentzündung

Bei einer chronischen Mittelohrentzündung handelt es sich um eine dauerhafte oder immer wiederkehrende Entzündung des Mittelohres, die mit einem bleibenden Trommelfelldefekt (mehr als drei Monate) und eitrigem Ausfluss aus dem Ohr einhergeht. Je nachdem, wie weit sich die Entzündung im Mittelohr ausgedehnt hat, unterscheidet man bei der sogenannten Otitis media chronica zwischen einer chronischen Schleimhauteiterung und einer chronischen Knocheneiterung.

Normalerweise geht eine akute Mittelohrentzündung bei normalen Druckverhältnissen im Ohr nicht in eine chronische Mittelohrentzündung über. Die chronische Otitis media ist eine eigenständige Krankheit – sie entsteht häufig als Folge frühkindlicher Belüftungsstörungen des Mittelohrs, zum Beispiel durch vergrösserte Rachenmandeln. 

Vergrösserte Rachenmandeln können die Ohrtrompete verdecken, was dazu führt, dass die Belüftung nicht mehr gewährleistet ist. Im Mittelohr entsteht ein Unterdruck. Dies begünstigt, dass Krankheitserreger, die sich im Nasen-Rachen-Bereich befinden, über die Ohrtrompete in das Mittelohr gelangen. 

Anders als bei einer akuten Mittelohrentzündung muss eine chronischen Mittelohrentzündung in den meisten Fällen operiert werden.

8. Vorbeugen gegen Mittelohrentzündung

Egal ob im Kindergarten, in der Schule oder Zuhause in den eigenen vier Wänden: Kinder fangen sich schnell Infektionen ein. Und gerade bei Säuglingen und Kleinkindern kann sich daraus leicht eine Mittelohrentzündung entwickeln, weil ihre Ohrtrompete noch sehr kurz ist.

Sicher verhindern kann man eine Mittelohrentzündung zwar nicht – mit verschiedenen Massnahmen lässt sich das Risiko aber möglicherweise senken. 

  • Schnullergebrauch reduzieren: In mehreren Studien konnten Wissenschaftler feststellen, dass Babys, die ständig am Schnuller nuckeln, häufiger eine Mittelohrentzündung bekommen als andere.
  • Rauchfreie Umgebung: Passivrauchen schwächt die Immunabwehr und erhöht das Risiko für Infektion des Nasen-Rachen-Raums und im Bereich der Atemwege.
  • Stillen: Kinder, die sechs Monate lang gestillt wurden, erkranken in den ersten zwei Lebensjahren wesentlich seltener an einer Mittelohrentzündung als ungestillte Kinder. 
  • Xylit-Kaugummis kauen: Statistisch gesehen lässt sich mit Xylit-haltigen Kaugummis das Erkrankungsrisiko um 40 Prozent reduzieren. Der Haken: Man muss die Kaugummis mindestens fünfmal täglich über mehrere Monate kauen – andernfalls wirken sie nicht. 
  • Gegen Pneumokokken impfen lassen: Nach derzeitigen Forschungsstand geht man davon aus, dass eine Pneumokokken-Impfung mit dem 7-valenten Konjugatimpfstoff jüngere Kinder zumindest teilweise vor einer Mittelohrentzündung schützen kann. Bei älteren Kindern scheint sich keine protektive Wirkung zu entfalten. 
  • Gegen Grippe impfen lassen: Mehrere Studien mit insgesamt mehr als 17'000 Kindern haben gezeigt, dass die Grippeimpfung das Risiko für eine Mittelohrentzündung zumindest leicht senken kann. Eine generelle Impfempfehlung lässt sich hieraus allerdings noch nicht ableiten.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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