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1. Überblick

Der Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) ist eine häufige Erkrankung der Wirbelsäule, die vorwiegend bei männlichen Jugendlichen auftritt.

Typisch für Morbus Scheuermann ist ein sich im Bereich der Brustwirbelsäule ausbildender Rundrücken: Die gesunde Wirbelsäule weist im Brustbereich eine nur gering ausgeprägte, nach hinten gerichtete Krümmung – eine sogenannte Kyphose (griech. kyphos = gekrümmt, gebückt) – auf. Bei der Scheuermann-Krankheit ist diese Kyphose – bedingt durch Wachstumsstörungen der Wirbelkörper und die Bildung von Keilwirbeln – oft stärker ausgeprägt als normal. Morbus Scheuermann kann aber auch (in selteneren Fällen) durch eine krankhafte Kyphose im Bereich der Lendenwirbelsäule zu einem ausgeprägten Flachrücken führen. Da sich die Folgen der Wachstumsstörung der Wirbelsäule in der Regel zwischen Pubertät und Erwachsenenalter zeigen, bezeichnet man den Morbus Scheuermann auch als Adoleszentenkyphose (Adolenszenz = späterer Abschnitt des Jugendalters) beziehungsweise juvenile Kyphose (juvenil = jugendlich, für junge Menschen typisch).

Morbus Scheuermann hat vielfältige Ursachen, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken können. Man unterscheidet dabei zwischen inneren (endogenen) Faktoren, wie etwa erblich bedingte Faktoren oder hormonelle Veränderungen, und äusseren (exogenen) Faktoren, wie beispielsweise eine falsche Haltung und Fehlbelastungen der Wirbelsäule.

Meist treten erst im fortgeschrittenen Stadium von Morbus Scheuermann Symptome, besonders Schmerzen, auf; Betroffene mit einem Flachrücken können jedoch schon in der Pubertät ausgeprägte Beschwerden entwickeln. Der Verdacht auf die Scheuermann-Krankheit entsteht hauptsächlich aufgrund der Ausbildung eines Rundrückens oder scheinbar grundloser starker Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule bei Jugendlichen. Diagnostizieren lässt sich der Morbus Scheuermann anhand einer ärztlichen Untersuchung sowie über eine Röntgenaufnahme der Wirbelsäule.

Die bei Morbus Scheuermann wirksame Therapie reicht von krankengymnastischen Übungen über die Anwendung von Stützkorsetts bis hin zur Operation, die allerdings selten zur Behandlung nötig ist. Die Prognose des Morbus Scheuermann ist insgesamt gut; Spätfolgen in Form vermehrter Rückenschmerzen oder gar einer Beeinträchtigung der Lungenfunktion treten nur bei stark ausgeprägten Wirbelsäulenverkrümmungen auf.

2. Definition

Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) ist per Definition eine vorwiegend bei männlichen Jugendlichen vorkommende Wachstumsstörung der Wirbelsäule, die zur Bildung von Keilwirbeln, Verschmälerung der Bandscheiben und Wirbelsäulenverkrümmung führt:

Die Brustwirbelsäule weist eine normalerweise nur gering ausgeprägte, nach hinten gerichtete Krümmung auf: eine sogenannte Kyphose (griech. kyphos = gekrümmt, gebückt). Die nach vorne gerichtete Krümmung der Hals- und Lendenwirbelsäule bezeichnet man als Lordose (griech. lordos = vorwärts gekrümmt). Typisch für Morbus Scheuermann ist eine krankhaft verstärkte Kyphose im Bereich der Brustwirbelsäule beziehungsweise ein Rundrücken. Eine Abflachung der Lordose, also eine Kyphose im Lendenbereich, die zu einem ausgeprägten Flachrücken führen kann, tritt bei der Scheuermann-Krankheit dagegen sehr viel seltener auf.

Weil der Morbus Scheuermann überwiegend in der Zeit zwischen Pubertät und Erwachsenenalter (d.h. im späteren Abschnitt des Jugendalters = sog. Adolenszenz) auftritt, bezeichnet man die Erkrankung auch als Adoleszentenkyphose oder juvenile Kyphose (juvenil = jugendlich, für junge Menschen charakteristisch). Bei Frauen liegt die Adoleszenz zwischen dem zwölften und dem 21. Lebensjahr, bei Männern zwischen dem 14. und 25. Lebensjahr. Die Bezeichnung Morbus Scheuermann geht auf den dänischen Röntgenologen H. W. Scheuermann (1877-1960) zurück.

Häufigkeit

Der Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) ist die häufigste Wirbelsäulenveränderung bei Jugendlichen. Die Angaben zur Häufigkeit schwanken stark, da es schwierig ist, die normale (physiologische) Krümmung der Brustwirbelsäule nach hinten (Kyphose) von der krankhaften (pathologischen) Kyphose zu unterscheiden und der Morbus Scheuermann nicht unbedingt zu Schmerzen führt. Schätzungsweise sind bis zu 15 Prozent der Bevölkerung betroffen, wobei Jungen häufiger vertreten sind als Mädchen.

3. Ursachen

Den für Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) typischen Verkrümmungen der Wirbelsäule liegen als Ursachen Wachstumsstörungen der knorpeligen Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper zugrunde: Beim Morbus Scheuermann bleibt das Wachstum im Bereich der Wirbelkörpervorderkante gegenüber der Hinterkante zurück, so dass der Wirbelkörper eine Keilform entwickelt. Typischerweise entwickelt sich infolge der Keilwirbelbildung, die immer mehrere Wirbelkörper gleichzeitig betrifft, im Bereich der Brustwirbelsäule ein Rundrücken. Ist die Lendenwirbelsäule von der Scheuermann-Krankheit betroffen, kann sich dagegen ein ausgeprägter Flachrücken ausbilden. Neben der Wirbelsäulenverkrümmung kommt es im Bereich der Grund- und Deckplatten zum Einbruch von Bandscheibengewebe in den Wirbelkörper. Die dadurch im Wirbelkörper entstehenden Regionen bezeichnet man als Schmorl-Knötchen. Die Zwischenwirbelräume verschmälern sich, da sich das Bandscheibengewebe verlagert.

Der Morbus Scheuermann hat vielfältige Ursachen, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken können. Bei der Entstehung der Scheuermann-Krankheit lassen sich innere (endogene) und äussere (exogene) Faktoren unterscheiden.

Endogene Faktoren

Für Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) kommen als Ursachen verschiedene innere (endogene) Faktoren infrage. Zu den wichtigsten inneren Einflüssen bei der Entstehung der Wirbelsäulenerkrankung gehören erblich bedingte Veränderungen sowie kollagene Stoffwechselstörungen. Kollagen ist ein Eiweiss, das unter anderem in Knochen, Knorpeln und Sehnen vorkommt. Da der Morbus Scheuermann bevorzugt in der Pubertät auftritt, scheinen hormonelle Veränderungen ebenfalls eine Rolle zu spielen.

Exogene Faktoren

Unter den einem Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) zugrunde liegenden Ursachen spielen äussere (exogene) Faktoren eine wichtige Rolle: Vor allem äussere Einflüsse wie starke mechanische Beanspruchungen der Wirbelsäule bei Leistungssportlern, etwa bei Turnern, sowie einseitige Be- beziehungsweise Überlastungen können die Entstehung eines Morbus Scheuermann fördern. Ausserdem begünstigt eine falsche Körperhaltung bei Kindern die Entstehung der Scheuermann-Krankheit.

4. Symptome

Der Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) äussert sich in der Regel zwischen Pubertät und Erwachsenenalter durch erste Symptome, weshalb die Erkrankung der Wirbelsäule auch als Adoleszentenkyphose (Adolenszenz = späterer Abschnitt des Jugendalters) beziehungsweise juvenile Kyphose (juvenil = jugendlich, für junge Menschen typisch) bezeichnet. Wann welche Symptome auftreten, hängt in hohem Masse davon ab, welche Bereiche der Wirbelsäule vom Morbus Scheuermann betroffen sind: Wachstumsstörungen im Bereich der Brustwirbelsäule verursachen – anders als im Bereich der Lendenwirbelsäule – eine deutlich sichtbare Wirbelsäulenverkrümmung, führen aber kaum zu Beschwerden.

Anhand seiner Symptome lässt sich der Morbus Scheuermann in drei Stadien einteilen: das Anfangsstadium, das aktive (floride) Stadium und das Endstadium.

Anfangsstadium

Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) zeigt meist erst im fortgeschrittenen Stadium deutlichere Symptome; im Anfangsstadium bleibt die Erkrankung der Wirbelsäule oft unbemerkt. Nur selten kommt es im Anfangsstadium von Morbus Scheuermann zu Schmerzen; gelegentlich treten Bewegungseinschränkungen oder eine schnelle körperliche Ermüdung auf.

Florides Stadium

Wenn Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) neben den nun häufiger als im Anfangsstadium auftretenden Schmerzen Symptome der Wirbelsäulenverkrümmung zeigt, hat die Erkrankung ihr aktives (florides) Stadium erreicht. Wachstumsstörungen im Bereich der Brustwirbelsäule führen zu einem Rundrücken. Um diesen auszugleichen, wölbt sich häufig auch gleichzeitig die Lendenwirbelsäule vor, so dass das Bild eines Hohlrundrückens entsteht. Betrifft der Morbus Scheuermann die Lendenwirbelsäule, flacht sich die normale Vorwärtskrümmung der Wirbelsäule (Lordose) ab und es entsteht ein Flachrücken.

Endstadium

Sobald Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) durch Symptome der sich aus der Deformierung der Wirbelsäule ergebenden Fehlbelastungen und Abnutzungserscheinungen geprägt ist, hat die Erkrankung das Endstadium erreicht. Morbus Scheuermann verläuft dann häufiger schmerzhaft als in den vorherigen Stadien. Die Schmerzen sind dabei sowohl auf die Veränderungen an der Wirbelsäule selbst als auch auf Veränderungen der Muskulatur, der Bänder sowie der Gelenke infolge der ungünstigen Statik zurückzuführen.

5. Diagnose

Beim Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) erfolgt die Diagnose anhand einer Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule. Der Verdacht auf ein mögliches Vorliegen der Scheuermann-Krankheit ergibt sich zum Beispiel bei einem Rundrücken oder durch scheinbar grundlose starke Rückenschmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule bei Jugendlichen.

Einen ersten Hinweis auf einen Morbus Scheuermann kann eine einfache Untersuchung, der sogenannte Rutschtest, bieten: Dazu knien sich die Betroffenen auf den Boden und rutschen mit den Händen so weit nach vorn, bis Arme und Wirbelsäule eine Gerade bilden. Liegt bereits ein Rundrücken vor, kann keine gerade Linie entstehen. Die endgültige Diagnose der Scheuermann-Krankheit gelingt anhand einer seitlichen Röntgenaufnahme der Wirbelsäule. Hierauf ist typischerweise Folgendes erkennbar:

 

  • unregelmässig begrenzte Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper
  • Keilwirbel
  • Einbrüche von Bandscheibengewebe in die Wirbelkörper, sogenannte Schmorl-Knötchen
  • Verschmälerung der Zwischenwirbelräume

6. Therapie

Beim Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) stehen grundsätzlich verschiedene Massnahmen zur Therapie zur Verfügung: krankengymnastische Übungen (Physiotherapie), das regelmässige Tragen eines Korsetts und eine Operation. Welche Behandlung für Sie oder Ihr Kind am besten geeignet ist, hängt vor allem davon ab, wie stark die Wirbelsäule verkrümmt ist und welcher Bereich der Wirbelsäule vom Morbus Scheuermann betroffen ist.

Die Physiotherapie ist bei einem leicht ausgeprägten Morbus Scheuermann als alleinige Therapie oder bei einer stärker ausgeprägten Wirbelsäulenverkrümmung zusätzlich zur Korsettbehandlung sinnvoll. Das Ziel der Übungen besteht darin, den Rücken aufzurichten. Dies ist so lange möglich, bis das Wachstum abgeschlossen ist. Die Aufrichtung kann aktiv durch gezieltes Muskeltraining, beispielsweise der Bauch- und Rückenmuskulatur, erfolgen.

Solange das Wachstum nicht abgeschlossen ist, ist bei einem mittelstark ausgeprägten Morbus Scheuermann im Bereich der Brustwirbelsäule eine Korsettbehandlung geeignet. Auch bei einem Morbus Scheuermann im Bereich der Lendenwirbelsäule kommt eine Therapie mit Korsetts oder speziellen Gipsanfertigungen in Betracht. Die Korsettbehandlung zielt ebenso wie die Physiotherapie darauf ab, den durch Morbus Scheuermann verkrümmten Rücken aufzurichten. Anders als krankengymnastische Übungen wirken Korsetts hierbei passiv. Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung der Scheuermann-Krankheit ist allerdings, dass Sie das Korsett auch wirklich regelmässig tragen.

Neben den Massnahmen, die aktiv oder passiv auf die Aufrichtung der Wirbelsäule abzielen, sind bei einem Morbus Scheuermann als unterstützende Behandlung Veränderungen im Alltag ratsam. Dazu gehört vor allem bei Kindern eine der Körpergrösse angepasste Höhe von Schreibtisch und Stühlen. Eine geneigte Schreibtischplatte ist für die Haltung ebenfalls günstiger als eine flache.

Morbus Scheuermann macht nur in seltenen Fällen eine Operation zur Therapie nötig: Dies kann vor allem bei einer stark ausgeprägten Kyphose (nach hinten gerichtete Krümmung) im Bereich der Lendenwirbelsäule der Fall sein. Auch im Erwachsenenalter – nach Abschluss des Wachstums – ist die Korrektur der Wirbelsäulenverkrümmung meist nur noch operativ möglich. Ob eine Operation bei der Scheuermann-Krankheit notwendig und sinnvoll ist, ist in jedem Einzelfall sorgfältig zu überprüfen, da der operative Eingriff eine Vielzahl von Risiken birgt.

7. Verlauf

Der Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) nimmt in vielen Fällen einen beschwerdefreien Verlauf und bleibt daher oft unbemerkt. Die Prognose ist insgesamt gut: Auch bei einer dauerhaften Verkrümmung der Wirbelsäule ist eine Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit eher die Ausnahme.

Eine schlechtere Prognose ergibt sich, je tiefer die für Morbus Scheuermann typische Wirbelsäulenverkrümmung liegt, beispielsweise im Bereich der Lendenwirbelsäule, bei ausgeprägtem Flachrücken sowie bei einer zusätzlich vorhandenen Skoliose, also einer seitlichen Verbiegung der Wirbelsäule mit Drehung der einzelnen Wirbelkörper. Komplikationen im Verlauf der Scheuermann-Krankheit, wie zum Beispiel eine massive Kyphose der Brustwirbelsäule und eine unter Umständen damit einhergehende Beeinträchtigung der Lungenfunktion, sind extrem selten.

8. Vorbeugen

Einem Morbus Scheuermann (Scheuermann-Krankheit) lässt sich mithilfe von Massnahmen vorbeugen, die die Körperhaltung im Kindes- und Jugendalter günstig beeinflussen, wie:

 

  • regelmässiges Training der Bauch- und Rückenmuskulatur
  • Schwimmen
  • Vermeidung von Leistungssport
  • kein Tragen und Heben schwerer Lasten
  • Lesen in Bauchlage
  • angemessene Höhe und Neigung der Schreibtischplatte