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1. Überblick

MRSA ist die Abkürzung für «methicillinresistenter Staphylococcus aureus», inzwischen häufig auch «multiresistenter Staphylococcus aureus» genannt.

Man bezeichnet damit einen bestimmten Bakterienstamm von Staphylococcus aureus (Staphylokokken). Staphylokokken sind häufig vorkommende Keime. Die Besonderheit von MRSA-Bakterien ist, dass gegen sie die meisten Breitband-Antibiotika nicht wirken – sie sind also multiresistent. Für gesunde Menschen mit einer starken Immunabwehr sind MRSA-Bakterien in der Regel harmlos. Ist die Abwehrkraft geschwächt, kann es jedoch zu einer Ansteckung kommen. Infektionen mit MRSA sind vor allem in Spitälern und Altenheimen ein häufiges Problem. Aber auch ausserhalb von solchen Einrichtungen kann es zu Infektionen mit MRSA kommen.

Je nach Spital ist ein grosser Anteil der Infektionen, die hier erworben werden (sog. Nosokomialinfektionen), auf MRSA zurückzuführen.

Genau wie andere Stämme von Staphylococcus aureus kommt der Krankheitserreger MRSA auf der Haut und den Schleimhäuten der oberen Atemwege vor. Einige Menschen tragen den Bakterienstamm ständig, erkranken aber nicht daran (Besiedlung bzw. Kolonisation). Häufig handelt es sich dabei um Personen, die vorher in einem Spital behandelt wurden oder dort arbeiten. Solche Personen können MRSA übertragen, ohne etwas davon zu wissen, und dadurch ungewollt zur Verbreitung von MRSA-Infektionen beitragen. Gerade für Spital- und Pflegepersonal ist dies ein wichtiger Faktor. Gesunde erkranken jedoch selten an MRSA.

Wichtig ist, dass vor allem in Spitälern und ähnlichen Einrichtungen einfache Hygienemassnahmen eingehalten werden, welche die MRSA-Ausbreitung verhindern. Zudem verringern Desinfektion von Händen und Gegenständen sowie der Gebrauch von Einmalhandschuhen die Weiterverbreitung der MRSA-Bakterien.

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2. Definition

MRSA ist die Abkürzung für «methicillinresistenter Staphylococcus aureus», inzwischen häufig auch «multiresistenter Staphylococcus aureus» genannt. Es handelt sich um Bakterien, die als Staphylococcus aureus bezeichnet werden. Anders als andere Staphylokokken sind MRSA-Keime gegen die meisten Antibiotika (Breitbandantibiotika) resistent. Solche Breitbandantibiotika werden weltweit gegen Infektionen eingesetzt. Es kann dabei zu Resistenzen kommen, so dass einige Antibiotika gegen bestimmte Bakterien wirkungslos bleiben. MRSA-Keime verfügen über Mechanismen, die sie gegen eine Vielzahl von Antibiotika widerstandsfähig machen.

Weltweit nehmen die Infektionen mit dem MRSA zu. Besondere Bedeutung hat der Keim in Spitälern und Pflegeeinrichtungen. Dort kommen Infektionen durch MRSA-Keime besonders häufig vor (als sogenannte Nosokomialinfektion). Aber auch ausserhalb von solchen Einrichtungen kann es zu Infektionen mit MRSA kommen.

Deshalb unterteilt man MRSA-Infektionen mittlerweile in zwei Gruppen:

  1. MRSA in Spitälern (engl.: hospital acquired MRSA): Vor allem alte Menschen sind gefährdet, sich mit MRSA anzustecken und an der Infektion zu erkranken. Ebenso zählen Spitalpatienten, die bereits durch eine andere Erkrankung ein geschwächtes Immunsystem haben, zum Personenkreis mit erhöhtem Infektionsrisiko.
  2. MRSA ausserhalb von Spitälern (engl.: community acquired MRSA, «c-MRSA»): Der Kontakt mit MRSA-Keimen ist nahezu überall möglich. Meist ist eine Ansteckung in diesem Sinne harmlos. Nur wenn die Bakterien in den Körper gelangen – etwa über Wunden– und gleichzeitig das Abwehrsystem geschwächt ist, kommt es zu einer Infektion. Diese Form der MRSA-Erkrankung kommt vergleichsweise selten vor.
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3. Ursachen

Erreger

Der methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA) ist – wie der «normale» Staphylococcus aureus – ein weit verbreiteter Keim, der auf der Haut sowie den Schleimhäuten der oberen Atemwege bei Menschen und Tieren siedelt.

MRSA-Bakterien sind von ihrem Erscheinungsbild nicht von anderen Staphylokokken zu unterscheiden. Auch in ihren Eigenschaften gleichen sie anderen Staphylococcus aureus-Keimen. Der einzige Unterschied ist die Fähigkeit der MRSA-Erreger, vielen Antibiotika stand zu halten, also resistent zu sein. Antibiotika sind Wirkstoffe, die Bakterien abtöten oder in ihrem Wachstum hemmen.

Gegen MRSA-Bakterien sind bestimmte Antibiotika – die sogenannten Beta-Laktam-Antibiotika – meist unwirksam. Die MRSA-Bakterien stellen dabei ein bestimmtes Eiweiss her, das sie vor der Wirkung des Antibiotikums schützt. Häufig ist ein MRSA-Keim gleichzeitig gegen verschiedene Antibiotika resistent (Multiresistenz). MRSA-Infektionen sind deswegen meist sehr schwierig zu behandeln.

Übertragungsweg

Häufig werden die multiresistenten MRSA-Bakterien durch den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, zum Beispiel durch die Hände von MRSA-besiedelten Personen – häufig durch Pflegepersonal. Aber auch kontaminierte Gegenstände (wie Katheter, Atemschläuche, Versorgungsschläuche von medizinischen Geräten, Badetücher) oder Flüssigkeiten (Leitungswasser) können MRSA übertragen, da die Bakterien verschiedenen Oberflächen sehr gut anhaften.

Inkubationszeit

Ungefähr vier bis zehn Tage nach einer Infektion mit MRSA treten die ersten Symptome auf. Bei Personen, die von MRSA besiedelt sind (Kolonisation) muss es nicht zu Beschwerden kommen. Teilweise leben die Keime dauerhaft auf Haut und Schleimhäuten, ohne Symptome hervorzurufen. Unter Umständen – etwa wenn das Immunsystem geschwächt ist – können MRSA-Keime jedoch später noch zu einer Infektion und zu Symptomen führen.

Ansteckungsgefahr

Eine Ansteckungsgefahr durch MRSA-infizierte Personen besteht vor allem, wenn bereits Symptome einer MRSA-Infektion ausgebrochen sind. Aber auch Menschen, die MRSA-Bakterien tragen, ohne Symptome zu zeigen, können andere Menschen mit dem Erreger infizieren.

4. Symptome

Durch MRSA-Bakterien können die gleichen Erkrankungen – und damit verbundenen Symptome – wie durch andere Stämme von Staphylococcus aureus entstehen. Unter anderem kann es zu eitrigen Infektionen der Haut (z.B. Furunkel), Lebensmittelvergiftungen mit Durchfall und Erbrechen, Entzündungen von Organen oder einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen.

Dringt MRSA bei einer Infektion ins Gewebe ein (invasive Infektion), ist die Ansteckung mit MRSA nicht gefährlicher als mit einem «normalen» Staphylococcus aureus. Durch die vorhandenen Antibiotika-Resistenzen sind solche MRSA-Infektionen (insbesondere bei Blutvergiftung) jedoch sehr viel schwieriger mit Medikamenten zu behandeln, sodass die Erkrankung lebensgefährlich verlaufen kann.

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5. Diagnose

Die Diagnose einer Infektion mit MRSA ( methicillinresistenter Staphylococcus aureus) stellt der Arzt anhand von Laborergebnissen. Spezielle molekular- und mikrobiologische Nachweisverfahren stehen zur Verfügung, um eine genaue Keimbestimmung zu ermöglichen. Die Tests zeigen ausserdem, gegen die Antibiotika Resistenzen vorliegen – das heisst, der Arzt kann an diesem sogenannten Antibiogramm erkennen, welche Medikamente nicht mehr gegen das Bakterium wirken und welche noch für eine Behandlung der MRSA-Infektion geeignet sind. Für die Tests macht der Arzt im Allgemeinen Abstriche von Nasenvorhof, Rachen, Achseln und Leiste beziehungsweise entnimmt Eiter, Wundsekret und ähnliche Körpersubstanzen.

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6. Therapie

Die Therapie einer Infektion mit MRSA (methicillinresistenter Staphylococcus aureus) besteht meist aus einer speziellen Kombination verschiedener Antibiotika. Dabei wählt der Arzt genau jene Antibiotika aus, die sich im Test auf Antibiotika-Resistenzen des Erregers im Labor (Antibiogramm) als wirkungsvoll erwiesen haben. Sogenannte Beta-Laktam-Antibiotika sind ungeeignet, denn gegen diese Wirkstoffe ist MRSA gewappnet.

Normalerweise verordnet der Arzt für eine MRSA-Therapie Kombinationen aus bestimmten antibiotischen Wirkstoffen, wie etwa Glykopeptid-Antibiotika zusammen mit Rifampicin, Clindamycin oder Gentamicin – je nachdem wie das Ergebnis des Antibiogramms ausgefallen ist. Bei der MRSA-Therapie sind aber auch Kombinationen mit Fosfomycin und Fusidinsäure möglich. Entscheidet sich der behandelnde Arzt für eine MRSA-Therapie mit nur einem einzelnen Antibiotikum, kann er auch auf den Wirkstoff Linezolid zurückgreifen.

Liegt eine nachweisliche Besiedlung (Kolonisation) vor, sind also Personen Träger von MRSA, ohne selbst erkrankt zu sein, müssen die Bakterien entfernt werden. Je nach Ort der Besiedelung kommen für diese Sanierung unterschiedliche Massnahmen zum Einsatz:

  • Nasenraum: Standardmässig wird Mupirocin-Nasensalbe verwendet.
  • Rachenraum: Hier setzt man desinfizierende Mundspülungen ein.
  • Haut: Bei intakter Haut muss der Betroffene den ganzen Körper einschliesslich der Haare mit antiseptischen Seifen und Lösungen waschen, deren Wirksamkeit nachgewiesen ist.

Um den Erfolg zu kontrollieren, entnimmt der Arzt frühestens drei Tage nach der Sanierung Abstriche (z.B. aus Nase, Rachen, Achseln, Leiste, falls vorhanden Wunde, Zugang zentraler Venenkatheter und vom ursprünglichen Nachweisort).

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7. Verlauf

Ungefähr vier bis zehn Tage nach der Infektion mit methicillinresistentem Staphylococcus aureus (MRSA) treten im Verlauf der Erkrankung die ersten Symptome auf. Sie hängen davon ab, welche Art der Erkrankung durch MRSA vorliegt. Die entstehenden Krankheiten und ihr Verlauf gleichen den Erkrankungen durch Staphylococcus aureus. Der Unterschied liegt hauptsächlich darin, dass MRSA-Infektionen schwieriger zu behandeln sind. So stehen nur wenige Antibiotika für eine Behandlung zur Verfügung, gegen die MRSA noch keine Resistenzen entwickelt hat.

Gefährdet sind vor allem Personen mit einer geschwächten Immunabwehr. Bei gesunden Menschen kommt es dagegen selten zu einer MRSA-Erkrankung.

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8. Vorbeugen

Spitäler und ähnliche Einrichtungen können einer MRSA-Ausbreitung grösstenteils vorbeugen, indem sie bestimmte Hygienemassnahmen einhalten. Desinfektion von Händen und Gegenständen sowie der Gebrauch von Einmalhandschuhen verringern die Weiterverbreitung der MRSA-Bakterien.

Nach einer behandelten Infektion durch den methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA) werden im Spital liegende Personen im Allgemeinen nach Hause entlassen. Häufig liegt zu diesem Zeitpunkt noch eine Besiedelung mit MRSA vor, die aber ohne Symptome bleibt.

Familienmitglieder müssen sich in diesem Fall keine Sorgen machen, sich anzustecken und durch MRSA zu erkranken. Die Ansteckungsgefahr ist für gesunde Menschen sehr niedrig. Durch Küssen oder enge Körperkontakte kann es aber zu einer vorübergehenden Besiedlung der Familienmitglieder kommen, die meist ohne Symptome vorübergeht.

Allerdings sollten Familienmitglieder mit offenen Wunden oder Verletzungen der Haut Vorsichtsmassnahmen einhalten. Das gilt auch für Personen, die anfällig für Infektionen mit Staphylococcus aureus sind, wie zum Beispiel Diabetiker oder dialysepflichtige Personen. In solchen Fällen sollte der behandelte MRSA-Erkrankte bis zu seiner vollständigen MRSA-Sanierung räumlich von anderen getrennt bleiben.

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