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Veröffentlicht am 17.11.2020

1. Überblick

Eine Muskelzerrung entsteht oft beim Sport, wenn ein Muskel plötzlich stark gedehnt wird. Besonders häufig tritt eine Zerrung in Wade oder Oberschenkel auf.

Die Muskelzerrung zählt, wie der Muskelfaserriss und der Muskelriss, zu den Dehnungsverletzungen. Es handelt sich bei der Zerrung um die leichteste dieser drei Muskelverletzungen, es werden dabei keine Muskelfasern beschädigt. Im Gegensatz zum Faserriss entwickeln sich die Schmerzen erst allmählich.

Ursache einer Muskelzerrung ist eine kurzfristige starke Dehnung eines Muskels. Besonders bei einem schnellen Belastungswechsel beim Sport ist die Gefahr dafür vorhanden. Wenn man sich nicht richtig aufgewärmt hat, die Muskeln übermüdet sind oder man bereits gesundheitlich angeschlagen ist, ist das Risiko erhöht. Auch das falsche Schuhwerk macht eine Muskelzerrung wahrscheinlicher.

Die Beschwerden zeigen sich erst nur leicht als unangenehmes und angespanntes Gefühl im Muskel. Die Symptome verschlimmern sich mit der Zeit bis hin zu krampfartigen Schmerzen. Oft lässt sich dann auch die betroffene Gliedmasse nicht mehr ohne Schmerzen bewegen.

Behandelt wird eine Muskelzerrung nach dem PECH-Schema: Besteht der Verdacht auf eine Zerrung, sollte man sofort eine Pause beim Sporttreiben einlegen, die Stelle mit Eis kühlen, wenn möglich einen Druckverband anlegen (Compression) und das betroffene Körperteil hochlagern.

Gutes Aufwärmen der Muskeln vor dem Sport hilft, das Zerrungsrisiko zu senken. Eine ausgewogene Ernährung und eine angemessene Ausrüstung tragen weiter dazu bei. Vorsicht ist bei durchblutungsfördernden Salben geboten: Diese können die Muskeln nicht vor Zerrungen schützen, geben aber unter Umständen ein falsches Gefühl der Sicherheit.

Zwei Fussballer wärmen sich vor dem Training auf.

Gutes Aufwärmen vor dem Sport trägt viel dazu bei, Muskelzerrungen zu vermeiden.

Quelle: Getty Images

2. Definition von Muskelzerrung

Die Muskelzerrung ist eine durch Dehnung bedingte Muskelverletzung ohne Schäden am Muskelgewebe. Typischerweise verhärtet der gezerrte Muskel und es entwickeln sich allmählich krampfartige Schmerzen.

Die Muskelzerrung zählt – wie der Muskelfaserriss und der Muskelriss – zu den Dehnungsverletzungen. Es nicht immer einfach, eine Zerrung von den beiden anderen Muskelverletzungen zu unterscheiden, denn im Grunde beruhen alle drei Verletzungen auf einer plötzlichen Überdehnung des Muskels. Nur das Ausmass der Sportverletzungen ist unterschiedlich:

  • Die Muskelzerrung ist die leichteste der drei genannten Verletzungsarten. Bei einer Zerrung werden die Muskelfasern nicht beschädigt. Vielmehr handelt es sich dabei um eine funktionelle Störung der Muskelspannung: Die Muskulatur zieht sich reflexartig zusammen, um schwerwiegendere Muskelverletzungen zu vermeiden.
  • Beim Muskelfaserriss zerreissen einzelne Muskelfasern bis hin zu ganzen Muskelfaserbündeln im Muskel.
  • Beim Muskelriss wird ein komplettes Muskelbündel durchtrennt. Es handelt sich um die schwerste der drei genannten Verletzungen.

Charakteristisch für eine Muskelzerrung ist, dass sich die Schmerzen allmählich entwickeln – bei einem Muskelfaserriss hingegen treten die Schmerzen in der Regel schlagartig auf. Dadurch kann man eine Zerrung von einem Muskelfaserriss unterscheiden.

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3. Ursachen von Muskelzerrung

Eine Muskelzerrung entsteht in der Regel durch eine plötzliche unkoordinierte Bewegung, wobei der Muskel kurzfristig sehr stark gedehnt wird. Geschädigt werden bei einer Muskelzerrung die Sarkomere, die kleinste funktionelle Einheit eines Muskels, welche durch die Überdehnung in ihrer Funktion beeinträchtigt werden können. Diese Überdehnung betrifft auch die Muskelspindeln, die in jedem Muskel vorkommen und zwischen den einzelnen Muskelfasern liegen.

Dabei handelt es sich um spezialisierte Muskelfasern, die die Länge des Muskels messen und regulieren. Im Gegensatz zu den normalen Muskelfasern enthalten Muskelspindeln jedoch keine kontraktilen Elemente – das heisst, sie können sich weder zusammenziehen noch dehnen.

Kommt es beim Sport zu einem schnellen Belastungswechsel, etwa durch einen scharfen Antritt beim Laufen, können die Muskelspindeln die plötzliche Muskeldehnung nicht mitmachen. Als Schutz vor einer Verletzung senden die Muskelspindeln Signale an das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), die dazu führen, dass sich der Muskel zusammenzieht.

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko einer Muskelzerrung erhöhen können. Besonders häufig tritt eine Zerrung auf, wenn

  • Sie sich vorm Sport nicht richtig aufwärmen,
  • Ihre Muskeln übermüdet sind,
  • Sie sich beim Sport überfordern,
  • Sie gesundheitlich angeschlagen sind (z.B. durch eine Erkältung),
  • Sie unpassendes Schuhwerk tragen oder
  • Sie bestimmte orthopädische Beschwerden haben (z.B. einen Senk-Spreiz-Fuss).
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4. Symptome von Muskelzerrung

Eine Muskelzerrung erkennt man daran, dass die Schmerzen in der betroffenen Muskulatur langsam und stetig zunehmen. Das unterscheidet sie von anderen Sportverletzungen wie dem Muskelfaserriss, der plötzlich und unvermittelt auftritt.

Die für eine Muskelzerrung typischen Symptome sind:

  • zunehmende Schmerzen,
  • eine eingeschränkte Muskelfunktion,
  • zusätzliche Muskelkrämpfe und
  • eine Verhärtung des Muskels.

Zunächst äussert sich eine Muskelzerrung durch leichte Beschwerden wie ein unangenehmes und angespanntes Gefühl im Muskel. Die Muskulatur ist zwar verhärtet, sämtliche Bewegungen lassen sich aber noch ausführen. Charakteristisch ist auch, dass die Betroffenen versuchen, die mit der Zerrung verbundene Verhärtung des Muskels zu lösen, indem Sie die Muskulatur massieren oder ausschütteln. In der Regel bleiben die Massnahmen jedoch erfolglos.

Im Laufe der Zeit verschlimmern sich die Symptome. Die Betroffenen verspüren

  • ein Ziehen im Muskel,
  • das schliesslich in krampfartige Schmerzen übergeht.

In vielen Fällen lässt sich dann die von der Muskelzerrung betroffene Gliedmasse nicht mehr schmerzfrei bewegen.

Im Gegensatz zu anderen Muskelverletzungen treten bei einer Muskelzerrung keine Blutungen im Bereich des betroffenen Muskels auf. Das liegt daran, dass bei einer Zerrung keine Schädigungen oder Risse an den Muskelfasern entstehen.

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5. Diagnose von Muskelzerrung

Bei Verdacht auf eine Muskelzerrung wird die behandelnde Ärztin den betroffenen Muskel auf Druckschmerz und Muskelhärte hin abtasten. Zusätzlich kann eine Funktionsanalyse zur Diagnose beitragen:

  • Wie schmerzhaft ist die aktive und passive Dehnung des betroffenen Muskels?
  • Ist die Belastung des Muskels schmerzhaft?
  • Wie hoch ist der Kraftverlust, der durch die Muskelzerrung verursacht wird?

Bildgebende Diagnoseverfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder eine Kernspintomographie kommen bei einer Muskelzerrung nur selten zum Einsatz. Der Grund: Bei einer Zerrung werden die Muskelfasern nicht strukturell beschädigt – daher ist eine Muskelzerrung mithilfe bildgebender Diagnoseverfahren nicht erkennbar.

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6. Therapie von Muskelzerrung

Bei Verdacht auf eine Muskelzerrung – etwa wenn Sie beim Sport auf einmal ein Ziehen und ein Gefühl der Verkrampfung im Oberschenkel oder in der Wade spüren – sollten Sie jegliche sportliche Aktivität sofort abrechen. Andernfalls riskieren Sie schlimmere Muskelverletzungen wie etwa einen Muskelfaserriss.

Kühlen oder wärmen?

Es ist wichtig, eine Muskelzerrung sofort zu behandeln, damit die Verletzung möglichst schnell heilen kann. Die richtige Reihenfolge der Erste-Hilfe-Massnahmen verrät das PECH-Schema:

  • P wie Pause
  • E wie Eis
  • C wie Compression
  • H wie Hochlagern

Pause: Auch wenn Sie beim Sport nur einen leichten Muskelschmerz oder ein Ziehen verspüren, sollten Sie umgehend pausieren. Um keine schlimmeren Verletzungen zu riskieren, müssen Sie den betroffenen Muskel ruhig stellen.

Eis: Kälte verringert die Schmerzen, die infolge der Muskelzerrung auftreten. Dazu eignen sich Kühlpackungen oder ein Beutel mit zerstossenen Eiswürfeln. Bitte beachten Sie: Das Eis sollte nicht direkt auf der Haut liegen – dies könnte zu lokalen Erfrierungen führen.

Compression (Kompression): Falls möglich, empfiehlt es sich, einen Druckverband anzulegen. Ein solcher Druckverband stabilisiert und schont den betroffenen Muskel. Achten Sie darauf, den Druckverband nicht zu eng anzubringen – sonst kann er Gefässe und Nerven schädigen. Besonders empfehlenswert ist eine Kombination aus Kühlung und Druckverband. Hierfür eignen sich beispielsweise spezielle Kühlmanschetten. Auch hier gilt die Regel: nicht zu kalt und nicht zu eng.

Hochlagern: Wenn Sie das verletzte Bein oder den verletzten Arm hochlagern, fliesst weniger Blut in den betroffenen Muskel. Dies wirkt dem Spannungsgefühl und Schmerzen entgegen.

Ist eine Muskelzerrung sehr schmerzhaft, so können Sie bei der Behandlung zusätzlich schmerzlindernde Medikamente einnehmen, wie etwa Ibuprofen. Zusätzlich kann der Arzt einen Verband mit einer Salbe angelegen, die zum Beispiel die Wirkstoffe Diclofenac oder Etofenamat enthält. Diese Substanzen sollen bei einer Muskelzerrung ebenfalls abschwellend und schmerzlindernd wirken.

Sportpause nach Muskelzerrung

Je nach Umfang und Ausmass der Muskelzerrung sollten Sie dem betroffenen Muskel eine Ruhepause von etwa vier bis sechs Tagen gönnen. Manchmal ist aber auch eine Sportpause von bis zu zwei Wochen notwendig.

Da sich die meisten Zerrungen in der Beinmuskulatur ereignen – ausgesprochen häufig ist eine Muskelzerrung in Oberschenkel, Wade sowie im Bereich der Adduktoren – kann es sinnvoll sein, den betroffenen Beinmuskel für die Dauer der Zerrung teilweise zu entlasten. Bei einer starken, schmerzhaften Muskelzerrung können Sie daher beim Gehen für einige Tage auf Unterarmgehstützen zurückgreifen.

Zusätzlich kann bei einer Muskelzerrung eine physikalische Behandlung in Form von Krankengymnastik sinnvoll sein. Sie trägt zur Entspannung des Muskels bei und fördert damit die Regenerationsfähigkeit. Ausserdem sorgt sie dafür, dass die Kraft des betroffenen Muskels erhalten bleibt.

Eine häufig in Zusammenhang mit einer Muskelzerrung angewendete Behandlung ist die Muscle-Release-Technik: Hierbei wird der Muskel im Wechsel angespannt und entspannt. Darüber hinaus eignen sich Disziplinen wie Aquajogging oder das Training mit dem Fahrradergometer, um schrittweise die ursprüngliche Leistungsfähigkeit des Muskels nach einer Zerrung wiederherzustellen.

Egal ob es sich um die Muscle-Release-Technik oder eine andere Übungsform handelt – für alle Übungen gilt: Sie sind nur dann sinnvoll, wenn sie keine Schmerzen verursachen. Das professionell begleitete Aufbautraining nach einer Zerrung kann dabei aus unterschiedlichen Elementen bestehen, wie zum Beispiel

  • belastungsfreien Übungen,
  • dynamischen Übungen,
  • Dehnungsübungen oder
  • Belastungstests durch die Sportärztin.
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7. Verlauf von Muskelzerrung

Der Verlauf einer Muskelzerrung hängt davon ab, wie schwer die Verletzung ist – also wie stark der Muskel überdehnt wurde. Meist braucht eine Muskelzerrung vier bis sechs Tage, bis sie vollständig ausgeheilt ist. Je nach Ausmass und Umfang kann die Heilung allerdings auch zwei bis drei Wochen dauern.

Die gute Nachricht: Bei einer Muskelzerrung können Sie die Dauer der Beschwerden bis zur vollständigen Heilung verkürzen.

Der Verlauf lässt sich positiv beeinflussen, indem Sie unmittelbar nach Auftreten der Muskelzerrung

  • die sportliche Aktivität unterbrechen,
  • den betroffenen Muskel kühlen und hochlagern und
  • erst dann wieder mit dem Sport beginnen, wenn Sie schmerzfrei sind.

Übermotivation ist bei Muskelzerrungen fehl am Platz und kann den Heilungsverlauf hinauszögern.

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8. Vorbeugen gegen Muskelzerrung

Einer Muskelzerrung können Sie vorbeugen, indem Sie sportliche Tätigkeiten stets mit einem leichten Aufwärmprogramm beginnen. Wie Ihr Warm-up genau aussieht, können Sie entscheiden. Von Joggen über Radfahren bis hin zu leichten Schlagübungen (vorm Badminton oder Tennis) – entscheidend ist, dass Sie die Bewegungen kontrolliert und nicht zu schnell ausführen.

Um auch bei kalten Witterungsbedingungen einer Muskelzerrung wirksam vorbeugen zu können, sollten Sie Ihre Muskulatur besonders sorgfältig aufwärmen. Planen Sie dafür eine Aufwärmzeit von mindestens 15 Minuten ein.

Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings nicht, dass die Gefahr einer Muskelzerrung bei warmer Witterung geringer ist. Zwar verringert die höhere Umgebungstemperatur das kältebedingte Risiko einer Muskelzerrung. Allerdings führt die Wärme dazu, dass der Körper verstärkt schwitzt und somit mehr Flüssigkeit und Elektrolyte verliert. Das wiederum erhöht das Risiko einer Zerrung. Es gilt also, die Verluste an Flüssigkeit und Elektrolyten regelmässig und vor allem rechtzeitig auszugleichen.

Entgegen vielen Meinungen schützt Dehnen nicht vor einer Muskelzerrung. Wenn Sie während Ihres Aufwärmprogramms dennoch das Bedürfnis haben, sich zu dehnen, sollten Sie auf sanfte und dynamische Dehnübungen, das heisst federnde kleine Dehnbewegungen, zurückgreifen.

Passende Sport-Ausrüstung wichtig

Zusätzlich trägt die Wahl der passenden Sport-Ausrüstung dazu bei, einer Muskelzerrung vorzubeugen. Man sollte sich also sportartgerechte Kleidung und passendes Schuhwerk zulegen. Bei orthopädischen Problemen wie zum Beispiel Plattfüssen können zusätzliche Einlagen für die Sportschuhe sinnvoll sein.

Durchblutungsfördernde Salben ungeeignet

Das Einreiben mit durchblutungsfördernden Salben, Cremes oder Lösungen kann das gezielte Aufwärmprogramm nicht ersetzen. Sie bewirken zwar eine verstärkte Durchblutung, allerdings ist die Eindringtiefe so gering, dass nur die oberen Hautschichten stärker durchblutet werden. Tiefer liegende Hautbereiche bleiben von der durchblutungsfördernden Wirkung ebenso unberührt wie die Muskulatur. Daher sind solche Präparate zur Vorbeugung einer Muskelzerrung ungeeignet. Sie vermitteln lediglich das vermeintliche Gefühl von guter Durchblutung und Erwärmung der behandelten Muskeln, während tatsächlich nur die Haut erwärmt wird.

Durch ein ausreichendes Aufwärmprogramm vor dem Sport, eine gesunde, ausgewogene Ernährung, einen guten Gesundheitszustand sowie eine sportliche Belastung, die dem jeweiligen Trainingszustand angemessen ist, lässt sich das Risiko einer Muskelzerrung zusätzlich senken.

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