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1. Überblick

Muttermal (Naevus) und Leberfleck sind die wohl am häufigsten vorkommenden Geschwulste der Haut. Es handelt sich um gutartige Wucherungen der pigmentbildenden Zellen (Melanozyten).

Es gibt auch sogenannte Naevuszellnaevi, bei denen die sogenannten Naevuszellen wuchern. Sie ähneln den Melanozyten, die für die regelmässige Bräune der Haut verantwortlich sind. Auch Naevuszellen können den Hautfarbstoff bilden; daher erscheint ein Leberfleck oder Muttermal braun, dunkelbraun oder schwarz.

Fast jeder Mensch weist einen oder mehrere Leberflecken und Muttermale auf. Einige sind angeboren oder schon bei kleinen Kindern vorhanden. Mit steigendem Lebensalter nimmt ihre Anzahl zu. Man unterscheidet deshalb angeborene (Muttermal) von erworbenen Leberflecken. Häufig werden aber beide Begriffe synonym benutzt. Leberflecken und Muttermale variieren allgemein sehr stark in Form, Farbe und Grösse, können beispielsweise im Hautniveau liegen aber auch erhaben oder gestielt sein. Die Farbgebung der Leberflecken variiert von hautfarben über rötlich bis dunkelbraun. Manchmal ist ein Leberfleck behaart.

Normalerweise ist es nicht nötig, einen Leberfleck beziehungsweise ein Muttermal chirurgisch zu entfernen, doch spielen häufig kosmetische Gründe eine Rolle. Ist ein Muttermal oder Leberfleck jedoch auffällig verändert, wird der Hautarzt sie vollständig entfernen. So kann sich in seltenen Fällen hinter dem Leberfleck oder Muttermal ein malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs) oder eine Vorstufe davon verbergen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein normaler Leberfleck oder Muttermal bösartig entartet und daraus ein solches Melanom entsteht, ist allerdings gering.

Sonnenbrände, besonders im Kindesalter, erhöhen das Risiko einer späteren Krebsentstehung. Vor allem Hellhäutige und Menschen mit vielen Leberflecken sollten deshalb die Sonne meiden beziehungsweise für ausreichenden Sonnenschutz sorgen. Darüber hinaus sollten Pigmentmale regelmässig beobachtet werden. Auffälligkeiten oder Veränderungen in Farbe, Form und Grösse oder wenn ein Leberfleck beziehungsweise Muttermal juckt, blutet oder nässt ist dies verdächtig. In diesem Fall sollte ein Hautarzt den Naevus untersuchen, um Hautkrebs auszuschliessen.

2. Definition

Muttermal (Naevi) und Leberfleck kommen bei nahezu jedem Menschen vor und sind damit die wohl am häufigsten vorkommenden Geschwulste der Haut. Leberflecken und Muttermale bestehen aus herdförmigen Ansammlungen von pigmentbildenden Zellen, den sogenannten Melanozyten. Es gibt zudem Leberflecken und Muttermale, die aus Wucherungen von sogenannten Naevuszellen bestehen. Diese ähneln den pigmentbildenden Zellen der Haut (Melanozyten), sorgen jedoch nicht für eine gleichmässige Bräunung. Naevuszellen liegen in Nestern in der Haut vor, wo sie meist Hautfarbstoff produzieren. Dies ist als Leberfleck beziehungsweise Muttermal sichtbar. Mediziner sprechen dann von einem Naevuszellnaevi.

Man nimmt heute an, dass Naevuszellen aus genetisch veränderten Vorläufern der Melanozyten entstehen. Diese wandern entweder beim Fötus oder im Laufe des Lebens in die Haut ein, vermehren sich und bilden Hautherde. Ihre Farbe erhalten sie durch den Hautfarbstoff Melanin. Die meisten Leberflecken entstehen im Laufe des Lebens (über 98 Prozent). Sie können manchmal Form und Farbe ändern und bilden sich mit zunehmendem Alter häufig wieder zurück. Sie können aber als sogenanntes Muttermal auch schon bei der Geburt vorhanden sein. Meist benutzt man die Begriffe «Leberfleck» und «Muttermal» synonym – der Arzt spricht bei Pigmentflecken gewöhnlich von «Naevi». Je nachdem, ob Wucherungen der Melanozyten oder der Naevuszellen das Muttermal beziehungsweise den Leberfleck bilden, bezeichnen Mediziner die Flecken auch genauer als «echte melanozytäre Naevi» oder «Naevuszellnaevi».

Man unterscheidet zwei Hauptformen der Leberflecken beziehungsweise Muttermale (Naevi): die erworbenen und die angeborenen (kongenitalen) Leberflecken.

Erworbene Leberflecken (Naevi)

Bei erworbenen Leberflecken (Naevi) handelt es sich um eine Anhäufung von pigmentbildenden Zellen wie Melanozyten oder Naevuszellen in den oberen zwei Hautschichten. Bei Naevuszellnaevi liegen die Naevuszellen entweder in der Oberhaut (Epidermis), in der Lederhaut (Dermis, Korium) oder an der Grenze zwischen diesen Hautschichten (Junktion). Solche angeborenen Leberflecken können hell bis dunkelbraun erscheinen und von unterschiedlicher Form und Grösse sein. Einige der Leberflecken sind flach, andere erhaben. Bei Erwachsenen finden sich meist mehrere erworbene Leberflecken (Naevi). Durchschnittlich sind es bei Erwachsenen 20 bis 30 Pigmentflecken.

Eine Sonderform des (meist) erworbenen Leberflecks stellt der Spitz- oder Spindelzell-Naevus dar. Diese Naevus-Form kommt meist in der Kindheit und Jugend vor. Der Spindelzell-Naevus bildet sich meist im Gesicht und ist rund oder oval und bis zu zwei Zentimeter gross. Die Färbung ist hellrot bis braun. Das Aussehen dieser Naevus-Sonderform erinnert an Hautkrebs (malignes Melanom). Er ist aber harmlos und nicht bösartig. Bestehen Zweifel, ob es sich um einen Spindelzell-Naevus oder doch um ein Melanom handelt, entfernt der Hautarzt den Naevus sicherheitshalber.

Der Sutton- oder Halo-Naevus ist ein gutartiger, gefärbter Leberfleck mit weisslichem Rand. Mit der Zeit bildet sich die Pigmentierung zurück und es bleibt ein weisser Fleck zurück. Dieser verschwindet irgendwann vollständig. Beim Sutton-Naevus ist wahrscheinlich das Abwehrsystem (Immunsystem) an der Entfärbung beteiligt. Dabei zerstören Abwehrzellen die pigmentbildenden Hautzellen.

Eine weitere Besonderheit bildet der dysplastische Naevuszellnaevus. Dieser Leberfleck zeigt Auffälligkeiten wie eine unregelmässige Form und Pigmentierung oder Grössenzunahme. Mikroskopisch lassen sich Veränderungen der Zellkerne nachweisen. Dysplastische Leberflecken können familiär gehäuft auftreten und stellen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Melanoms (schwarzer Hautkrebs) dar. Es entwickelt sich jedoch nicht aus jedem dysplastischen Naevus ein Melanom. Bei einer grossen Anzahl von dysplastischen Leberflecken sprechen Mediziner vom atypischen oder dysplastischen Naevussyndrom.

Angeborene Leberflecken (kongenitale Naevi)

Angeborene (kongenitale), nicht erbliche Leberflecken – Muttermale – sind in ihrer Grösse sehr variabel. Sie kommen bei etwa einem Prozent der Neugeborenen vor.

Weder ein Leberfleck noch ein Muttermal stellt in der Regel ein gesundheitliches, manchmal jedoch ein kosmetisches Problem dar. Trotzdem ist es wichtig, sie gut zu beobachten und im Verlauf zu verfolgen, da sie ein mögliches Krebsrisiko darstellen. Dies bedeutet, dass sich aus den Pigmentierungen heraus schwarzer Hautkrebs bilden kann. Besonders Muttermale – also angeborene Pigmentflecken – und dysplastische Leberflecken bergen ein erhöhtes Risiko. Auch die Anzahl gewöhnlicher Leberflecken ist ein Marker für das Hautkrebsrisiko.

3. Ursachen

Ein Muttermal (Naevus) beziehungsweise Leberfleck hat verschiedene Ursachen. Die erworbenen Pigmentflecken entwickeln sich bei nahezu allen Menschen, vor allem während der Pubertät und in der Schwangerschaft (hormonelle Einflüsse). Licht-Einwirkung beziehungsweise UV-Strahlung fördert ebenfalls die Entstehung von Leberflecken und gehört damit zu den möglichen Ursachen von Pigmentflecken. Ist das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) unterdrückt, scheint dies die Bildung von Leberflecken und Muttermalen zu fördern (vermehrtes Auftreten nach Chemotherapie). Für einen angeborenen Leberfleck (Muttermal) sind die Ursachen noch nicht geklärt. Eine familiäre Veranlagung wird sowohl bei erworbenen wie angeborenen Pigmentflecken vermutet.

Sowohl angeborene als auch erworbene Leberflecken entstehen durch eine Anhäufung und Vermehrung von pigmentbildenden Zellen wie Melanozyten und Naevuszellen. Diese wandern in die Haut ein und vermehren sich dort. Schliesslich sammeln sich dort viele Pigmentzellen an. Da Naevuszellen und Melanozyten den Hautfarbstoff Melanin bilden können, erscheinen die Leberflecken bräunlich bis schwarz gefärbt. Sie sammeln sich zunächst an der Grenzschicht zwischen Ober- und Unterhaut. Man spricht dann von einem aktiven Pigmentzellnaevus oder Junktionsnaevus. Gelangen diese Zellen in die obere Lederhaut entsteht der sogenannte Compoundnaevus. Wandern die Zellen tiefer in die Lederhaut (intradermale Naevi) ein, verlieren sie ihre Fähigkeit zur Pigmentbildung. Es bilden sich dann keine Pigmentflecken. Stattdessen entsteht Narbengewebe.

4. Symptome

Ein Muttermal (Naevus) oder Leberfleck ruft in der Regel keine Symptome hervor. Die Hautveränderungen können unterschiedlich ausgeprägt sein.

Angeborene Leberflecken (Muttermale) zeigen sich in der Regel als braune Flecken unterschiedlicher Grösse. Ein Muttermal erscheint zunächst flach, später häufig erhaben, mit warzig fühlbarer Oberfläche. Manche Muttermale sind behaart.

Erworbene Leberflecken (Naevi) entwickeln sich über Jahre und Jahrzehnte und können daher in ihrem Escheinungsbild variieren und Veränderungen durchlaufen. Es finden sich auf dem menschlichen Körper viele verschiedene Ausführungen der Leberflecken, die sich in Form, Farbe und Grösse unterscheiden. Zunächst zeigt sich zu Beginn für gewöhnlich ein brauner Fleck (Junktionsnaevus). Mit der Zeit wölbt er sich auf (Compoundnävus). Im Alter bilden sich Leberflecken oft soweit zurück, dass die Haut zwar noch etwas erhaben, jedoch nicht mehr gefärbt ist (dermaler Naevus).

Man unterscheidet unterschiedliche Typen von erworbenen Leberflecken. Besonders wichtig ist es, normale von dysplastischen Naevi zu unterschieden. Gewöhnlich sind Leberflecken symmetrisch, glatt und scharf begrenzt, gleichmässig gefärbt und nicht sehr gross (etwa fünf Millimeter). Bereits Kinder haben erworbene Naevi, mit zunehmendem Alter kommen sie immer häufiger vor. Erwachsene haben durchschnittlich 20 bis 30 Leberflecken.

  • Der Spitz-Naevus bildet sich bei Kindern und Jugendlichen. Er ist eine Unterform des normalen erworbenen Leberflecks. Er tritt bevorzugt im Gesicht auf und hat eine rötlich-braune Färbung.
  • Beim Sutton-Nävus finden sich weisse Höfe um die Pigmentierungen.
  • Der dysplastische Leberfleck hat eine asymmetrische Form, unregelmässige Begrenzung und Pigmentierung und ein Grössenwachstum.

Ruft ein Leberfleck oder Muttermal Symptome wie Juckreiz, Rötungen, Schmerzen, Blutungen oder anderen Auffälligkeiten hervor, sollten Sie die Hautveränderungen von Ihrem Hautarzt untersuchen lassen.

5. Diagnose

Bei einem Muttermal (Naevus) oder Leberfleck ist eine genaue Diagnose wichtig, um normale, ungefährliche Hauterscheinungen von krankhaften Veränderungen abzugrenzen. Üblicherweise beurteilt ein Hautarzt (Dermatologe) die Leberflecken mittels eines speziellen Lupeninstruments (Dermatoskop). Dabei achtet er insbesondere auf die Farbe, Begrenzung und Grösse der Pigmentflecken. Diese Eigenschaften sind bei Leberflecken zur Diagnose besonders wichtig. Sie geben einen Hinweis darauf, ob es sich um einen normalen ungefährlichen Leberfleck handelt oder einen auffälligen (dysplastischen) Leberfleck. Mit der genauen Begutachtung erkennt der Hautarzt auch solche Leberflecken, die sich zu einem schwarzen Hautkrebs entwickelt haben. Gewissheit darüber, ob ein Muttermal oder Leberfleck gutartig oder bösartig ist, bringt allerdings nur die feingewebliche (histologische) Untersuchung (Biopsie).

6. Therapie

Ob ein Muttermal (Naevus) oder ein Leberfleck eine Therapie erforderlich macht, beurteilt in der Regel der Hautarzt. Hierbei stehen bei der Behandlung weniger kosmetische Aspekte als vielmehr das Risiko der Krebsentstehung im Vordergrund. In der Regel ist es nicht notwendig, ein Muttermal oder einen Leberfleck zu entfernen. Manche Menschen haben allerdings sehr viele Muttermale beziehungsweise Leberflecken und lassen dies entfernen, weil sie sie als störend empfinden. Sitzt der Naevus an einer ungünstigen Stelle, zum Beispiel direkt auf der Wirbelsäule, kann er durch mechanische Einwirkungen (etwa das Reiben der Kleidung) gereizt werden und sich entzünden. Dann kann es sinnvoll sein, auch einen einzelnen Leberfleck beziehungsweise ein Muttermal entfernen zu lassen.

Weist ein Leberfleck oder Muttermal Verdachtsmerkmale auf, die auf Hautkrebs hindeuten können, oder sind bereits Pigmentflecken mit Zellveränderungen (dysplastische Naevi) entfernt worden, wird der Hautarzt die verdächtige Hautveränderung vollständig chirurgisch entfernen. Auch wenn bei einem nahen Verwandten ein malignes Melanom festgestellt wurde, ist es sinnvoll, auffällige Leberflecken und Muttermale zu entfernen. Zur Therapie schneidet der Hautarzt die Naevi vollständig heraus (Exzision) und untersucht das Probenmaterial feingeweblich.

7. Verlauf

Ein Muttermal (Naevus) oder Leberfleck nimmt in der Regel einen guten Verlauf – meist verursachen Leberflecken oder Muttermale sie keine Beschwerden, und Komplikationen sind die Ausnahme. Bei Leberflecken und Muttermalen handelt es sich um gutartige Veränderungen, die sich vollständig und dauerhaft entfernen lassen. Medizinisch ist es aber meist nicht notwendig, einen Leberfleck beziehungsweise ein Muttermal zu entfernen. Manche Leberflecken bilden sich auch von selbst zurück.

In einigen Fällen weist ein entfernter Leberfleck Besonderheiten auf (dysplastischer Naevus), die der Hautarzt unter dem Mikroskop erkennt. Dann ist es wahrscheinlich, dass auch an anderen Körperstellen verdächtige Leberflecken vorkommen. Der Hautarzt wird solche Pigmentflecken besonders aufmerksam unter die Lupe nehmen und dazu raten, die Leberflecken am ganzen Körper regelmässig kontrollieren zu lassen. Menschen mit vielen dysplastischen Leberflecken haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im weiteren Verlauf schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) zu entwickeln. Andererseits entsteht nicht aus jedem dysplastischen Naevus auch ein Melanom.

Komplikationen

Ein Muttermal (Naevus) oder ein Leberfleck führt nur selten zu Komplikationen. In manchen Familien treten Leberflecken gehäuft auf, oft mit zahlreichen bis zu münzgrossen Pigmentflecken. Dann gehen die Leberflecken häufig auch mit einem erhöhten Risiko von Hautkrebs einher. Besonders nach häufiger intensiver Sonnenbestrahlung (UV-Strahlung) findet man in diesen Leberflecken auffällig wirkende Melanozyten oder Naevuszellen (dysplastische Naevi). Das Risiko der Krebsentstehung ist stark erhöht. Es ist daher empfehlenswert, diese Leberflecken beziehungsweise Muttermale so früh wie möglich entfernen zu lassen, um Komplikationen zu vermeiden.

8. Vorbeugen

Einem Muttermal (Naevus) oder Leberfleck können Sie nur bedingt vorbeugen, denn die Neigung zu Pigmentflecken ist in den Genen festgeschrieben. Ausserdem beeinflussen Hormone die Entwicklung von Naevi. Doch kann häufige und intensive UV-Bestrahlung das Vorkommen von auffälligen, dysplastischen Leberflecken und das Risiko von Hautkrebs erhöhen. Sonnenbrände, insbesondere im Kindesalter, erhöhen das Risiko einer späteren Melanomentwicklung erheblich. Achten Sie deshalb immer auf ausreichenden Sonnenschutz – dadurch können Sie Leberflecken begrenzt vorbeugen. Besonders hellhäutige Menschen mit vielen Leberflecken sollten sich eher selten und keinesfalls ungeschützt der Sonne aussetzen.

Ausserdem ist es wichtig, die Haut und vorhandene Leberflecken im Rahmen der Krebsvorsorge regelmässig beobachten zu lassen und auf Auffälligkeiten in Form und Farbe, unscharfe Begrenzung und mögliche Veränderungen sowie Symptome wie Rötung, Jucken und Nässen zu achten. Verändert sich ein Leberfleck oder bilden sich neue auffällige Flecken, ist unabhängig von der Krebsvorsorge-Untersuchung ein Besuch des Hautarztes sinnvoll.

Besonders hellhäutige Menschen mit vielen Leberflecken sollten die Muttermale im Auge behalten und regelmässig kontrollieren lassen, insbesondere wenn bei ihnen oder ihren Verwandten bereits ein oder mehrere dysplastische Naevi oder gar ein malignes Melanom diagnostiziert worden sind.