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1. Überblick

Nagelpilz (Onychomykose) ist vor allem lästig – denn es dauert meist lange, ihn wieder loszuwerden. Dicke, verfärbte und unschön aussehende Finger- oder Zehennägel sind typische Anzeichen für einen Nagelpilz.

Grundsätzlich kann jeder einen Nagelpilz bekommen – wer aber zu enge Schuhe trägt, an Durchblutungsstörungen oder Diabetes mellitus leidet oder gerne barfuss im Schwimmbad unterwegs ist, gilt als besonders gefährdet. Oft entwickelt sich eine Onychomykose aus einem unbehandelten Fusspilz.

Ob im Schwimmbad oder in der Sauna: In einem feucht-warmen Milieu fühlen sich Hautpilze so richtig wohl. Leicht kann man sich dort anstecken. Kein Wunder, dass Nagelpilz die häufigste Erkrankung der Nägel ist.

In den meisten Fällen sind bestimmte Fadenpilze für den Nagelpilz verantwortlich: die sogenannten Dermatophyten, welche auch zu Fusspilz führen können. Seltener entsteht eine Onychomykose durch Hefepilze, Schimmelpilze oder auch durch eine Kombination mehrerer Pilzformen.
Nagelpilz bildet sich in der Regel nicht wieder von allein zurück, sondern muss behandelt werden!
Die Nagelpilz-Behandlung ist oft langwierig und erstreckt sich über mehrere Monate. Wie die Therapie aussieht, hängt davon ab, um welchen Pilz es sich handelt und wie stark und wo sich dieser bereits ausgebreitet hat.

In leichten Fällen reicht es aus, die betroffenen Nägel mithilfe von speziellen pilzabtötenden Nagellacken und Cremes zu behandeln und besonders auf eine gründliche Hygiene zu achten. Ist bereits die Nagelwurzel angegriffen oder sind viele Nägel infiziert, müssen Antipilzmittel (sog. Antimykotika) eingenommen werden, zum Beispiel in Tablettenform.

Nagelpilz können Sie vorbeugen, indem Sie beispielsweise im Schwimmbad Badeschuhe tragen und auf bequemes, atmungsaktives Schuhwerk achten. Füsse und Hände sollte man immer gründlich abtrocknen – vor allem in den Zwischenräumen der Zehen. Da kleine Verletzungen das Risiko für eine Onychomykose erhöhen, sollten Sie bei der Maniküre oder Pediküre besonders sorgfältig sein.

2. Definition

Bei einem Nagelpilz (Onychomykose) sind einzelne oder mehrere Nägel von Pilzen befallen. Durch die Infektion wird die Nagelplatte langsam zerstört.

Es können sowohl die Fingernägel als auch die Zehennägel von Pilzen befallen werden, wobei Zehennägel wesentlich häufiger betroffen sind.

Nagelpilz ist ansteckend. Meist sind bestimmte Fadenpilze, die sogenannten Dermatophyten, Auslöser eines Nagelpilzes. Sie sind auch die Ursache für Fusspilz (Tinea pedis).

Aber auch Hefepilze oder Schimmelpilze können zu einer Onychomykose führen. In der Regel liegt bei Betroffenen mit Nagelpilz gleichzeitig auch immer ein Pilzbefall der Hände oder Füsse vor.

Häufigkeit

Nagelpilz ist die häufigste Erkrankung der Nägel. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu: Während Kinder nur selten betroffen sind, leiden hierzulande schätzungsweise 20 bis 30 Prozent der über 40-Jährigen unter Onychomykose. In Naturvölkern tritt Nagelpilz so gut wie nie auf.

3. Ursachen

Nagelpilz (Onychomykose) entsteht in der Regel durch eine Infektion mit bestimmten Fadenpilzen, den sogenannten Dermatophyten. In den meisten Fällen ist die Dermatophyten-Art Trichophyton rubrum für die Erkrankung verantwortlich. Weitere mögliche, aber seltener vorkommende Erreger sind beispielsweise Trichophyton mentagrophytes und Epidermophyton floccosum. Dermatophyten können auch Fusspilz (Tinea pedis) verursachen – und in der Folge auf die Nägel übergreifen.

Seltener sind Hefepilze oder Schimmelpilze die Ursache für einen Nagelpilz. Daneben gibt es auch Mischformen, bei denen unterschiedliche Pilze beteiligt sind.

Manche Menschen bekommen eher Nagelpilz als andere. Begünstigende Faktoren für einen Nagelpilz sind: Begünstigende Faktoren für einen Nagelpilz sind:

  • wiederholte Verletzungen der Nägel, z.B. beim Sport oder bei der Pediküre, aber auch durch zu enges Schuhwerk
  • Fehlstellungen der Füsse
  • Durchblutungsstörungen der Beine oder Arme
  • Störungen des Nagelwachstums
  • Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus
  • ein geschwächtes Immunsystem
  • Veranlagung

In einem feucht-warmen Milieu können sich die Pilze besonders gut ausbreiten. Wer viel schwitzt und enge Schuhe trägt, kann sich daher leichter einen Nagelpilz zuziehen. Häufige Ansteckungsorte sind zum Beispiel:

  • Schwimmbäder
  • Saunen
  • Fitnessstudios
  • Umkleidekabinen und Duschen von Sporthallen

4. Symptome

Ein Nagelpilz (Onychomykose) macht sich durch typische Symptome bemerkbar, insbesondere durch Nagelverdickung und Nagelverfärbungen. Die Zehennägel sind häufig betroffen, vor allem die grossen und kleinen Zehen. Aber auch an den Fingernägeln tritt Nagelpilz auf. Oft sind nur einzelne Nägel befallen, während andere frei von Nagelpilz sind.

Die Infektion beginnt in der Regel am freien Rand eines Nagels. Die Pilze gelangen in die Hornschicht und weichen den Nagel nach und nach auf, so dass sich dieser langsam löst.

Man unterscheidet mehrere Formen von Nagelpilz, so zum Beispiel:

  • Distolaterale subunguale Onychomykose
    Dies ist die häufigste Form von Nagelpilz. Die Erreger dringen dabei über die Verbindung zwischen Nagel und Zehen- bzw. Fingerkuppe (sog. Hyponychium) in die Unterseite der Nagelplatte ein. Der Nagel wird brüchig und der Pilz kann nach und nach die gesamte Nagelplatte befallen. Der Nagel verfärbt sich gelblich.
  • Weisse superfizielle Onychomykose (Leukonychia trichophytica)
    Der Pilz (meist Trichophyton mentagrophytes) breitet sich nur auf den obersten Schichten der Nagelplatte aus, was zu einer weisslichen Verfärbung des Nagels führt.
  • Proximale subunguale Onychomykose
    Der Pilz dringt in den Nagelrücken ein und befällt die Nagelwurzel (Nagelmatrix), den Ort des eigentlichen Nagelwachstums. Der Nagel wird dadurch geschädigt. Diese Form des Nagelpilzes tritt relativ selten auf.

Darüber hinaus gibt es weitere Formen wie etwa eine Hefepilz-Onychomykose oder die Schimmelpilz-Onychomykose. Ist der gesamte Nagel inklusive Nagelwurzel befallen, spricht man auch von einer totalen Onychodystrophie. Hierbei ist die Nagelplatte vollständig zerstört.

5. Diagnose

Typische Symptome wie Nagelverdickung und Nagelverfärbung legen den Verdacht auf Nagelpilz (Onychomykose) nahe. Der Arzt wird erfragen, ob mögliche Risikofaktoren vorliegen, die Nagelpilz begünstigen.

Um genau herauszufinden, ob und von welchem Pilz der Nagel befallen ist, kann dieser im Labor genauer untersucht werden. Der Arzt schneidet hierfür einen Teil des Nagels ab und nimmt eventuell auch eine Probe der Haut und lässt diesen im Labor unter dem Mikroskop untersuchen.

Sind Pilzelemente erkennbar, kann anschliessend eine Pilzkultur aus dem Nagelmaterial gezüchtet werden, um festzustellen, um welchen Pilz es sich handelt. Somit kann der Arzt eine genaue Diagnose stellen und die Therapie anpassen.

6. Therapie

Ein Nagelpilz (Onychomykose) bildet sich ohne Behandlung nicht von allein zurück. Die Therapie mit Antipilzmitteln (sog. Antimykotika) ist langwierig und erstreckt sich oft über mehrere Monate.

Ziel der Nagelpilz-Behandlung ist es, die Nagelplatte vollständig vom Pilz zu befreien.

Die Behandlung richtet sich danach, wo und wie stark die Erreger die betroffenen Bereiche angegriffen haben und welcher Pilz die Onychomykose verursacht hat.

Es stehen zum einen Mittel zur Verfügung, die gezielt einen bestimmten Erreger bekämpfen. Zum anderen gibt es Produkte, welche gegen mehrere Erreger wirksam sind (sog. Breitbandmykotika).

Örtliche Behandlung

Bei leichten Nagelpilz-Formen können spezielle antimykotische Nagellacke und Cremes mit Wirkstoffen wie Ciclopirox oder Amorolfin gegen Nagelpilz helfen. Diese werden direkt auf die betroffenen Bereiche aufgetragen (sog. lokale oder topische Therapie). Diese örtliche Behandlung bietet sich an, wenn:

  • die Nagelwurzel (Nagelmatrix) nicht betroffen ist,
  • nur einzelne Nägel befallen sind und
  • der Nagel nicht vollständig befallen ist.

Die Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Sind mehrere Nägel von Nagelpilz befallen, können diese zusätzlich mithilfe einer speziellen Salbe (z.B. mit Harnstoff oder Kalium jodatum) aufgeweicht und aufgelöst werden (sog. Keratolyse). Anschliessend kann man den Nagel mit pilzabtötenden (antimykotischen) Lacken weiterbehandeln.

Auf die chirurgische Entfernung von Nägeln verzichtet man heute in der Regel, da sie nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch zu Verletzungen führen kann, was das Risiko für eine Infektion erhöht.

Systemische Behandlung

In schwereren Fällen von Nagelpilz (Onychomykose) reicht es nicht aus, die pilzabtötenden Wirkstoffe nur auf den Nagel aufzutragen, insbesondere, wenn die Nagelwurzel bereits angegriffen ist.

Der Betroffene muss in so einem Fall die Mittel gegen Nagelpilz (Antimykotika) als Tabletten oder Injektionen in den Körper aufnehmen, um alle Pilzsporen zu beseitigen (sog. systemische Behandlung).

Als pilzabtötende Mittel haben sich Wirkstoffe wie Terbinafin, Fluconazol (wenn Hefepilze beteiligt sind) oder Itroconazol (auch bei Befall durch Hefe- oder Schimmelpilze und bei Mischinfektionen) bewährt.

Es empfiehlt sich, auch bei der systemischen Behandlung zusätzlich lokal wirksame Lacke und Cremes zu verwenden, da dies zum Behandlungserfolg beiträgt. Auch das Auflösen des Nagels mit Salben kann die Heilung fördern.

Das können Sie tun

Bis der erkrankte Nagel wieder gesund nachwächst, dauert es mehrere Monate. Bleiben auch nur wenige Pilzsporen zurück, besteht die Gefahr, dass ein behandelter Nagelpilz erneut ausbreitet. Während und nach der Behandlung können Sie einiges tun, um die Ausbreitung beziehungsweise einen erneuten Ausbruch zu verhindern:

  • Desinfizieren Sie Ihre Schuhe und Strümpfe regelmässig. Schuhe können in einem geschlossenen Plastikmüllsack mit Formaldehydlösung über ein bis zwei Tage hinweg desinfiziert und anschliessend mehrere Tage lang draussen ausgelüftet werden.
  • Waschen Sie Ihre Strümpfe, Bettwäsche und Handtücher bei 60 bis 90 Grad Celsius.
  • Verzichten Sie auf einengendes Schuhwerk und meiden Sie luftundurchlässige Schuhe.
  • Meiden Sie ein feuchtes Milieu, z.B. beim Barfusslaufen im Schwimmbad oder in der Sauna.
  • Trocknen Sie Hände und Füsse gründlich ab.
  • Desinfizieren Sie Nagelfeile oder Nagelschere nach Gebrauch mit Desinfektionsmitteln oder 70-prozentigem Alkohol (in der Apotheke erhältlich). Betroffene sollten darauf achten, Nagelschere und -feile nicht mit anderen zu teilen.
  • Wenn andere Personen in Ihrem Haushalt ebenfalls infiziert sind, sollten sich diese behandeln lassen, da sonst die Gefahr besteht, dass Sie sich erneut anstecken.

7. Verlauf

Ein Nagelpilz (Onychomykose) nimmt unbehandelt einen chronischen Verlauf.Ohne Therapie bildet sich Nagelpilz nicht wieder von allein zurück, sondern schreitet langsam voran. Daher sollten Sie Nagelpilz in jedem Fall behandeln lassen.

Wichtig ist, die Therapie konsequent und lang genug durchzuführen: Wenn auch nur einige wenige Pilzreste zurückbleiben, besteht die Gefahr, dass sich der Nagelpilz erneut ausbreitet. Eine Nagelpilz-Behandlung dauert daher mehrere Monate.

Komplikationen

Wenn die Nagelplatte durch den Pilzbefall verformt wurde, kann der betroffene Nagel im weiteren Verlauf einwachsen. In der Folge kann sich der Hautbereich um den Nagel entzünden (sog. Paronychie). Zudem können die Erreger auch die Haut befallen.

8. Vorbeugen

Sie können Nagelpilz (Onychomykose) vorbeugen, wenn Sie Faktoren, die einen Pilz begünstigen, meiden beziehungsweise verringern:

  • Verzichten Sie auf zu enge Schuhe und achten Sie darauf, dass Schuhe und Strümpfe luftdurchlässig sind.
  • Da sich Pilze in feuchter Umgebung besonders gut ausbreiten, sollten Sie darauf achten, Hände und Füsse immer gründlich abzutrocknen, insbesondere in den Zehenzwischenräumen.
  • Kleine Verletzungen an den Nägeln können einen Nagelpilz begünstigen. Sie können vorbeugen, indem Sie zum Beispiel bei der Maniküre oder Pediküre sehr vorsichtig vorgehen.
  • Wer im Schwimmbad oder in der Sauna Badeschuhe trägt, senkt sein Risiko für Nagelpilz.
  • Damit Sie sich nicht bei anderen anstecken, sollten Sie keine gemeinsamen Handtücher benutzen.