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Nahrungsmittelunverträglichkeit

(Lebensmittelunverträglichkeit)
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1. Überblick

Unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (Lebensmittelunverträglichkeit) versteht man alle gesundheitlichen Beschwerden, die als Reaktion auf den Verzehr von Nahrungsmitteln auftreten.

Dabei unterscheidet man vor allem, ob die Nahrungsmittelunverträglichkeit durch allergische Reaktionen entsteht (Nahrungsmittelallergie) oder ob andere Mechanismen dahinter stecken (Nahrungsmittelintoleranz, z.B. Laktoseintoleranz). Ein anderer Begriff für die Nahrungsmittelunverträglichkeit lautet Nahrungsmittelhypersensitivität.

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit kann sich durch ganz unterschiedliche Symptome äussern. Die Bandbreite reicht dabei von Reaktionen der Haut (z.B. Juckreiz, Hautrötungen) über Magen-Darm-Beschwerden (wie Bauchschmerzen oder Durchfall) bis hin zu Kopfschmerzen oder Atembeschwerden. Treten solche Symptome nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln auf, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Um bei einer Lebensmittelunverträglichkeit die Diagnose zu stellen, versucht der Arzt in der Regel, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschliessen. Allergietests können dabei helfen, eine Nahrungsmittelallergie nachzuweisen. Auch die bisherige Krankengeschichte des Patienten ist für die Stellung einer Diagnose wichtig. Ein Symptom-Tagebuch, in dem der Betroffene festhält, was er isst und trinkt und wann die Beschwerden auftreten, kann zusätzlich Aufschluss darüber geben, was der Auslöser der Nahrungsmittelunverträglichkeit ist.

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit richtet sich die Therapie jeweils nach der Ursache. Die wichtigste Massnahme ist in der Regel, dass der Betroffene diejenigen Nahrungsmittel oder Inhaltsstoffe meidet, die die Beschwerden auslösen. Führt eine andere bestehende Erkrankung zu den Beschwerden, sollte diese behandelt werden.

Immer wieder entsteht über die Medien der Eindruck, dass eine Lebensmittelunverträglichkeit häufig auftritt. Tatsächlich sind echte Nahrungsmittelunverträglichkeiten jedoch relativ selten anzutreffen. Während beispielsweise etwa 15 Prozent aller Erwachsenen in der Schweiz von einer Pollenallergie betroffen sind, leiden nur circa 4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit.

2. Definition

Nahrungsmittelunverträglichkeit (Lebensmittelunverträglichkeit) ist der Überbegriff für alle Formen der Unverträglichkeitsreaktion auf Lebensmittel. Hierzu gehören alle gesundheitlichen Beschwerden, die in Zusammenhang mit dem Verzehr von Lebensmitteln beziehungsweise deren Inhaltsstoffen auftreten.

Je nachdem, auf welche Weise die Nahrungsmittelunverträglichkeit entsteht, unterscheidet man:

  • toxische Reaktionen, also Vergiftungserscheinungen wie z.B. Fischvergiftung oder Pilzvergiftung, Lebensmittelvergiftung durch verdorbene Speisen, und
  • nicht-toxische Reaktionen.

Nicht-toxische Reaktionen

Die nicht-toxischen Reaktionen unterteilten Mediziner in

  • allergische Reaktionen: Nahrungsmittelallergie und
  • nicht-allergische Reaktionen: sog. Nahrungsmittelintoleranz

auf Nahrungsmittel.

Nicht-allergische Reaktionen (Nahrungsmittelintoleranz)

Eine Nahrungsmittelintoleranz ordnet man je nachdem, welche Mechanismen ihr zugrunde liegen, in eine der folgenden Gruppen ein:

  • Enzymdefekte bzw. Enzymmangel (Enzymopathie): z.B. Laktoseintoleranz
  • pharmakologische Reaktionen (pharmakologische Intoleranzen): Reaktion auf Lebensmittel mit einem hohen Bestandteil an «pharmakologisch aktiven» Substanzen (z.B. Histamin)
  • pseudoallergische Reaktionen: lösen scheinbar allergischen Beschwerden aus, obwohl keine Allergie im eigentlichen Sinne vorliegt

Eine Sonderstellung hat die echte Histaminintoleranz, da sie von ihren Entstehungsmechanismen her zwischen der Enzymopathie und der pharmakologischen Intoleranz einzuordnen ist.

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit kann auch subjektiv empfunden werden, ohne dass diese objektiv erklärbar ist. Betroffene empfinden hierbei eine starke Aversion gegen bestimmte Nahrungsmittel. Solche subjektiven Unverträglichkeitsreaktionen haben unter Umständen psychosomatische Ursachen.

Häufigkeit

Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel (oder deren Inhaltsstoffe) sind deutlich seltener als weithin angenommen: Nur durchschnittlich 4 Prozent der schweizer Erwachsenen sind tatsächlich von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit betroffen. Eine Pollenallergie tritt im Vergleich viel häufiger auf – von ihr sind rund 15 Prozent aller Erwachsenen in der Schweiz betroffen.

3. Ursachen

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit (Lebensmittelunverträglichkeit) kann unterschiedliche Ursachen haben. Angeborene Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind eher selten – meist erwirbt man sie im Laufe des Lebens. Auslöser sind in der Regel bestimmte Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln, auf der der Körper mit Unverträglichkeitsreaktionen reagiert.

Mögliche Ursachen für eine Lebensmittelunverträglichkeit sind zum Beispiel:

  • eine Vergiftung durch ein Lebensmittel (z.B. Fischvergiftung, Pilzvergiftung, verdorbene Lebensmittel)
  • eine Nahrungsmittelallergie
  • ein Enzymdefekt bzw. Enzymmangel (z.B. Laktoseintoleranz, Fruktoseintoleranz, Zöliakie)
  • eine Reaktion auf Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an sog. «pharmakologisch aktiven Substanzen» (z.B. auf Histamin, das u.a. in verschiedenen Käsesorten, Schokolade, Erdbeeren, Tomaten, Schalentieren oder Rotwein in grossen Mengen vorkommt)
  • eine Histaminintoleranz
  • eine Pseudoallergie
  • eine persönliche Abneigung bzw. Aversion gegen bestimmte Lebensmittel

4. Symptome

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (Lebensmittelunverträglichkeit) kann es zu verschiedenen Symptomen kommen, wie zum Beispiel:

  • Juckreiz
  • Hautrötung (Flush, Erythem)
  • Nesselsucht (Urtikaria)
  • Haut- und Schleimhautschwellungen (Angioödem)
  • Schnupfen
  • Atembeschwerden
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Koliken
  • Durchfall
  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • anaphylaktischer Schock

Die Symptome einer Lebensmittelunverträglichkeit können individuell und je nach Ursache unterschiedlich stark auftreten. Um die Ursache der auftretenden Beschwerden festzustellen, ist ein Arztbesuch zu empfehlen.

5. Diagnose

Die Diagnose einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (Lebensmittelunverträglichkeit) stellt der Arzt in der Regel, indem er andere Ursachen für die Beschwerden ausschliesst. Dazu ist eine genaue Aufnahme der Krankengeschichte des Patienten (Anamnese) nötig. Der Arzt ermittelt, ob möglicherweise andere Erkrankungen (z.B. Laktoseintoleranz) vorliegen. Um herauszufinden, ob es sich bei der Nahrungsmittelunverträglichkeit eventuell um eine Nahrungsmittelallergie handelt, können Allergietests zum Einsatz kommen.

Für die Diagnose kann es zudem hilfreich sein, wenn der Betroffene eine Zeit lang in einem Tagebuch festhält, was er genau isst und trinkt, wann Beschwerden auftreten und welche Begleitumstände es jeweils gab.

6. Therapie

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (Lebensmittelunverträglichkeit) hängt die Therapie letztendlich von der jeweiligen Ursache der Beschwerden ab. Sowohl bei einer Nahrungsmittelallergie als auch bei Nahrungsmittelintoleranzen wie der Laktoseintoleranz oder Fruktoseintoleranz besteht die Therapie im Grunde vor allem darin, diejenigen Nahrungsmittel oder Inhaltsstoffe zu meiden, die die Beschwerden auslösen.

Ist eine andere Erkrankung die Ursache für die Nahrungsmittelunverträglichkeit (z.B. Malabsorptionssyndrom bei Gallensteinen), muss diese behandelt werden.

7. Verlauf

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit (Lebensmittelunverträglichkeit) kann je nach Ursache sehr unterschiedliche Ausmasse annehmen. Liegt zum Beispiel eine Nahrungsmittelallergie vor, kann es nach Verzehr des auslösenden Lebensmittels unter Umständen zu schweren allergischen Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen. Daher ist es wichtig, die genaue Ursache der Nahrungsmittelunverträglichkeit herauszufinden und diese möglichst zu behandeln – oder das auslösende Nahrungsmittel zu ermitteln und zukünftig zu meiden.

8. Vorbeugen

Bislang gibt es keine Massnahmen, mit der man einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (Lebensmittelunverträglichkeit) vorbeugen könnte. Ist die Nahrungsmittelunverträglichkeit bekannt, lassen sich jedoch die Auslöser vermeiden und Beschwerden so vorbeugen.