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1. Überblick

Nasenpolypen sind gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut. Wenn sie die Nasenatmung behindern, können sie unbehandelt zu einer Reihe von Folgeerkrankungen führen.

Meistens sind chronische Nasenschleimhaut- und Nasennebenhöhlenentzündungen die Auslöser für Nasenpolypen. Häufig finden sich die Nasenschleimhautwucherungen auch bei Menschen mit Allergien oder einer Schmerzmittelunverträglichkeit. In der Regel sind Nasenpolypen leicht zu diagnostizieren.

Nach der Diagnose lässt sich durch eine frühzeitige Behandlung möglichen Folgeerkrankungen vorbeugen. Vor allem ein kleiner Nasenpolyp ist durch Kortisonpräparate behandelbar. Wenn diese medikamentöse Therapie nicht ausreichend wirksam ist oder die Nasenpolypen grösser sind, erfolgt eine Operation. Ausserdem ist es ratsam, mögliche Begleiterkrankungen zu therapieren. In einigen Fällen bilden sich Nasenpolypen kurz nach ihrer operativen Entfernung erneut.

2. Definition

Nasenpolypen sind gutartige geschwulstähnliche Wucherungen der Nasenschleimhaut, die meist beidseitig auftreten. Sie wachsen aus den Nasennebenhöhlen (hauptsächlich Siebbein und Kieferhöhle) in die Nasenhaupthöhle ein und bestehen aus den gleichen Zellen wie der Rest der Nasenschleimhaut. Die Wucherung kommt dadurch zustande, dass sich vermehrt Gewebsflüssigkeit einlagert. In den Nasenpolypen finden sich ausserdem häufig viele für Immunreaktionen verantwortliche (sog. immunkompetente) Zellen.

Häufigkeit

Nasenpolypen können in jedem Lebensalter auftreten, entstehen jedoch mit grösster Häufigkeit nach dem 30. Lebensjahr. Bei Kindern sind Nasenpolypen selten. Männer sind etwa doppelt so häufig wie Frauen betroffen.

3. Ursachen

Warum manche Menschen Nasenpolypen bekommen und andere nicht, ist nicht genau bekannt. Als Ursachen für Nasenpolypen kommen reizende Einflüsse infrage, die eine Schleimhautreaktion hervorrufen. So gelten beispielsweise gehäufter chronischer Schnupfen und chronische Nasennebenhöhlen-Entzündungen (Sinusitis) oder eine Pilzbesiedelung der Schleimhaut als mögliche Gründe für die Entstehung solcher Wucherungen der Nasenschleimhaut. Auch Allergien können Auslöser von Nasenpolypen sein.

Insgesamt haben etwa vierzig Prozent aller Menschen mit Nasenpolypen ein Asthma bronchiale. Ausserdem treten Nasenpolypen vermehrt bei Menschen auf, die bestimmte Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure nicht vertragen, bei denen also eine sogenannte Schmerzmittelunverträglichkeit (Analgetikaintoleranz) vorliegt.

Bei Kindern treten Nasenpolypen fast ausschliesslich zusammen mit Mukoviszidose (einer erblichen Stoffwechselerkrankung) auf. Umgekehrt hat ein Drittel der Kinder mit Mukoviszidose gleichzeitig Nasenpolypen.

4. Symptome

Bei Nasenpolypen hängt das Ausmass der Symptome davon ab, wie gross die Nasenpolypen sind und wo genau sie liegen.

Wachsende Nasenpolypen behindern zunehmend die Nasenatmung. Durch die verschlossene Nase bekommen die Betroffenen eine näselnde Stimme. Im weiteren Verlauf häufen sich Symptome wie Schnarchen, wiederkehrende Entzündungen der Nasennebenhöhlen und der oberen Luftwege sowie Mittelohrentzündungen und Kopfschmerzen. Ausserdem kommt es durch die Wucherungen der Nasenschleimhaut zu einer vermehrten Schleimsekretion aus der Nase. Die Betroffenen nehmen Düfte nicht mehr richtig wahr, da ihr Riechvermögen durch die Nasenpolypen eingeschränkt ist.

In schweren Fällen führen unbehandelte Nasenpolypen über Jahre zu einer Auftreibung des Nasengerüsts (Verdickung der Nase) und einer Vergrösserung des Augenabstands (Hypertelorismus). Diese ausgeprägten Anzeichen sind aber heutzutage selten zu finden.

5. Diagnose

Bei Nasenpolypen besteht der erste Schritt zur Diagnose darin, die Nasenhöhlen von vorne (durch die Nasenlöcher) und von hinten (durch den Mund) zu untersuchen. Grosse Nasenpolypen der Nase lassen sich meist schon mit blossem Auge als glasig-glänzende Gebilde erkennen. Kleinere Nasenpolypen sind erst durch ein Endoskop sichtbar. Mithilfe einer Röntgenaufnahme oder einer Computertomographie (CT) sind auch kleine Nasenpolypen erkennbar, die sich innerhalb der Nebenhöhlen befinden.

Liegt neben den Nasenpolypen gleichzeitig eine Nasennebenhöhlen-Entzündung (Sinusitis) vor, erfolgt im Rahmen der Diagnose ausserdem ein Sekretabstrich: Mit diesem lassen sich die Erreger bestimmen.

6. Therapie

Bei Nasenpolypen zielt die Therapie darauf ab, sowohl die Wucherungen der Nasenschleimhaut selbst als auch die Grunderkrankung zu behandeln.

Sind Ihre Nasenpolypen klein und örtlich begrenzt, lässt sich ihr Wachstum oft durch eine Behandlung mit kortisonhaltigen Medikamenten zurückdrängen: Wenn Sie kortikoidhaltige Nasensprays oder -tropfen als örtlich wirkende Mittel gegen die Nasenpolypen bekommen, verspüren Sie deren volle Wirkung möglicherweise erst nach einigen Wochen. Achten Sie daher darauf, diese Medikamente regelmässig einzunehmen. Kortison in Tablettenform kann schneller wirken, aber auch mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden sein.

Gegebenenfalls erhalten Sie zusätzlich ein Antihistaminikum (Antiallergikum), um die medikamentöse Therapie der Nasenpolypen zu unterstützen.

Operation

Bereiten Nasenpolypen zunehmend Beschwerden oder finden sich viele Nasenpolypen an mehreren Stellen, besteht die Therapie in der Regel darin, sie operativ zu entfernen. Die Operation zielt vor allem darauf ab, die Nasenatmung zu verbessern.

Ein einzelner grosser Nasenpolyp lässt sich ambulant unter örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) operieren. Die Nasenpolypen-Operation erfolgt mit speziellen Werkzeugen (Nasenpolypenschlinge) oder durch Lasern. Zeigen Nasenpolypen ein starkes Wachstum mit Beteiligung der Nasennebenhöhlen, ist zur Behandlung eine Nasennebenhöhlen-Operation notwendig. Anschliessend erfolgt eine Untersuchung der entfernten Nasenpolypen, um einen bösartigen Prozess auszuschliessen.

Nach der operativen Entfernung der Nasenpolypen erfolgt eine intensive Nachbehandlung mit regelmässiger Nasenpflege und kortikoidhaltigen Nasensprays. Dies soll vor allem verhindern, dass die Nasenpolypen erneut auftreten. Zur Therapie begleitender Nasennebenhöhlen-Entzündungen kommen ein Antibiotikum sowie schleimlösende und abschwellende Medikamente zum Einsatz. Dampfbäder oder eine Mikrowellen-Therapie können die Ausheilung unterstützen.

7. Verlauf

Prognose

Bei Nasenpolypen hängt der Verlauf stark von einer angemessenen Behandlung ab: Behandelte Nasenpolypen haben in der Regel eine gute Prognose. Begleitende Symptome, wie behinderte Nasenatmung oder Kopfschmerzen, verschwinden durch die Therapie oft vollständig. Auch das Riechvermögen bessert sich in den meisten Fällen.

Entfernt man die Nasenpolypen im Rahmen einer Nasennebenhöhlen-Operation, zeigt sich jedoch nicht immer der gewünschte Erfolg: In einigen Fällen können sich erneut Nasenpolypen ausbilden. Liegt neben den Nasenpolypen eine Allergie, eine bestimmte Schmerzmittelunverträglichkeit oder eine Mukoviszidose vor, ist das Risiko für ein Wiederauftreten der Nasenpolypen (Rezidiv) nach erfolgreicher Behandlung deutlich erhöht.

Komplikationen

Bleiben die Nasenpolypen unbehandelt, führt dies im weiteren Verlauf zu einer Verlegung der Nasennebenhöhlen, die dann nicht mehr ausreichend belüftet sind. Dadurch entwickeln sich verstärkt Nasennebenhöhlen-Entzündungen und deren mögliche Komplikationen:

Die Aufgabe der Nase besteht unter anderem darin, die Atemluft zu befeuchten, zu erwärmen und zu reinigen. Ist die Nasenatmung durch Nasenpolypen behindert, kann die Nase diese Funktionen nicht mehr ausreichend erfüllen. Die Betroffenen atmen verstärkt durch den Mund, was die Schlund- und Bronchialschleimhaut belastet. So können als Komplikationen Halsentzündungen und Bronchitis entstehen. Da eine ausreichende Nasenatmung auch Voraussetzung für die Belüftung der Ohren ist, können Hörprobleme und Ohrentzündungen auftreten.

Eine im Verlauf mehrerer Jahre durch den Druck der Nasenpolypen aufgetriebene Nase findet sich heutzutage kaum noch als Komplikation. Und nur in seltenen Fällen verbirgt sich hinter Nasenpolypen eine bösartige Geschwulst.

8. Vorbeugen

Es sind keine Massnahmen bekannt, mit denen Sie Nasenpolypen wirksam vorbeugen könnten. Jedoch ist es grundsätzlich ratsam, mögliche Grunderkrankungen wie Allergien oder Asthma ausreichend zu therapieren. Wenn Sie von einer Schmerzmittelunverträglichkeit betroffen sind, sollten Sie ausserdem die entsprechenden Medikamente meiden. Wenn Sie dennoch Nasenpolypen entwickeln, ist eine frühzeitig Therapie wichtig, um möglichen Folgeerkrankungen vorzubeugen.