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1. Überblick

Bei einer Netzhautablösung (= Ablatio retinae) ist schnelles Handeln wichtig: Ist die Netzhaut zu lange von ihrem Untergrund gelöst, kann das betroffene Auge im schlimmsten Fall erblinden. Je schneller man die Ablösung operativ behebt, desto grösser ist die Chance, dass das Sehvermögen des betroffenen Auges erhalten bleibt.

Bei einer Netzhautablösung hebt sich die lichtempfindliche Schicht der Netzhaut (Photorezeptorschicht) von der darunter liegenden Aderhaut (Pigmentepithel) ab. Hierfür kommen verschiedene Ursachen infrage:

  • Riss: Eine rissbedingte (rhegmatogene) Netzhautablösung entsteht, wenn sich der Glaskörper abhebt, wobei er an den Anheftungsstellen einen Zug auf die Netzhaut ausübt, bis diese reisst. Jeder ist altersbedingt irgendwann von einer Glaskörperabhebung betroffen (kurzsichtige Menschen oft schon früher); der Glaskörper kann sich aber auch plötzlich durch äussere Einwirkungen (z.B. nach Prellung des Augapfels) abheben.
  • Zug: Eine zugbedingte (traktive) Netzhautablösung tritt auf, wenn sich die lichtempfindliche Schicht der Netzhaut durch Zug von der Aderhaut löst, ohne dass ein Riss entsteht.
  • Flüssigkeitseinlagerung: Eine durch Flüssigkeitseinlagerung bedingte (exsudative) Netzhautablösung entsteht, wenn sich Flüssigkeit aus Gefässen der Netzhaut oder der Aderhaut im Spalt zwischen lichtempfindlicher Schicht der Netzhaut und Aderhaut ansammelt.

Häufigster Auslöser für eine Netzhautablösung ist der Netzhautriss. Vor allem Kurzsichtigkeit, ein kürzlich operierter grauer Star (Katarakt), Diabetes mellitus und entzündliche Vorgänge oder Tumoren im Auge zählen zu den Risikofaktoren für eine Netzhautablösung.

Als Frühsymptome einer möglichen Netzhautablösung nehmen die Betroffenen Lichtblitze oder einen Schwarm schwarzer Punkte wahr. Schreitet die Erkrankung fort, ist das Gesichtsfeld wie durch einen dunklen Vorhang zunehmend eingeschränkt.

Da die Prognose vom Grad der Netzhautablösung abhängt, sind frühzeitige Diagnose und Behandlung entscheidend. Vorstufen der Netzhautablösung sind meist mit einem Laser behandelbar – ansonsten ist eine Operation erforderlich. Bei bekannten Risikofaktoren ist es ratsam, den Augenhintergrund regelmässig augenärztlich kontrollieren zu lassen, um Vorstufen einer Netzhautablösung rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

2. Definition

Bei einer Netzhautablösung (auch Ablatio retinae bzw. Amotio retinae) hebt sich die lichtempfindliche Schicht der Netzhaut – die Photorezeptorschicht – von der darunter liegenden Aderhaut (Pigmentepithel) ab. In der Folge kann sich in dem Spalt zwischen den Schichten Flüssigkeit ansammeln.

Die in der Netzhaut liegenden sogenannten Photorezeptoren ermöglichen das Sehen, indem sie Licht- und Farbreize aufnehmen (photo leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet Licht). Normalerweise erfolgt die Versorgung der Netzhaut durch die direkt darunterliegende Aderhaut. Sind die beiden Schichten durch eine Netzhautablösung voneinander getrennt, ist die Versorgung der Netzhaut unterbrochen. Dauert diese Unterbrechung länger an, kommt es zu einer Schädigung der Netzhautfunktion, die sich nicht mehr rückgängig machen lässt.

Bei der Netzhautablösung lassen sich – abhängig von den Ursachen – verschiedene Formen unterscheiden. Zu den Hauptformen zählen:

  • Rissbedingte (rhegmatogene) Netzhautablösung: Diese Form entsteht, wenn sich der Glaskörper abhebt. Dadurch übt er an den Anheftungsstellen einen Zug auf die Netzhaut aus, bis diese reisst. Eine Glaskörperabhebung geschieht bei allen Menschen im Alter (bei Kurzsichtigkeit auch früher) von selbst, kann aber auch die akute Folge äusserer Einwirkungen sein (traumatische Glaskörperabhebung z.B. nach Prellung des Augapfels).
  • Zugbedingte (traktive) Netzhautablösung: Hierzu kommt es, wenn die lichtempfindliche Schicht der Netzhaut von der Aderhaut weggezogen wird, ohne dass ein Riss entsteht.
  • Durch Flüssigkeitseinlagerung bedingte (exsudative) Netzhautablösung: Hierbei stammt die Flüssigkeit, die sich im Spalt zwischen lichtempfindlicher Schicht der Netzhaut und Aderhaut ansammelt, aus Gefässen der Netzhaut oder der Aderhaut.

Zu einer Kombination aus riss- und zugbedingter Netzhautablösung kann es kommen, wenn die Netzhaut durch Zug reisst.

Häufigkeit

Die rissbedingte (rhegmatogene) Netzhautablösung weist von allen Formen die grösste Häufigkeit auf. Insgesamt sind Netzhautablösungen jedoch selten und kommen etwa bei 1 von 10'000 Menschen vor. Ältere und stark kurzsichtige Menschen sind im Vergleich zu jüngeren beziehungsweise normalsichtigen Menschen öfter betroffen.

3. Ursachen

Einer Netzhautablösung können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Der häufigste Grund für eine Netzhautablösung ist ein Netzhautriss (sog. rissbedingte bzw. rhegmatogene Netzhautablösung). Ursache hierfür ist eine hintere Glaskörperabhebung: Hebt sich der Glaskörper des Auges hinten von seiner Unterlage ab, führt er an den Anheftungsstellen zu einem Zug an der Netzhaut, bis dort ein Riss entsteht. Die Glaskörperabhebung ist ein ganz normaler Vorgang im Leben: Hierzu kommt es bei allen Menschen irgendwann im Alter (bei Kurzsichtigkeit oft auch viel früher) ganz von selbst (spontan). Der Glaskörper kann sich aber auch akut durch äussere Gewalteinwirkungen abheben (sog. traumatische Glaskörperabhebung, verursacht z.B. durch Prellung des Augapfels). In dem Fall ist das Risiko für einen Netzhautriss besonders hoch. Zu den Risikofaktoren für eine rissbedingte Netzhautablösung zählen:

  • Kurzsichtigkeit
  • vorausgegangene Verletzungen des Augapfels
  • ein kürzlich operierter grauer Star (Katarakt)

Eine Netzhautablösung kann aber auch dadurch entstehen, dass durch eine geschädigte Aderhaut Flüssigkeit aus den Aderhautgefässen austritt und unter die Netzhaut gelangt (sog. durch Flüssigkeitseinlagerung bedingte bzw. exsudative Netzhautablösung). In diesen Fällen liegen die Ursachen zum Beispiel in entzündlichen Prozessen oder Tumoren.

Eine weitere Form der Netzhautablösung entsteht durch bestimmte Verwachsungen. Bei diesen Verwachsungen handelt es sich um Stränge von Binde- oder Narbengewebe, die an der Netzhaut angeheftet sind und sich mit der Zeit zusammenziehen. Sie üben an den Anheftungspunkten einen Zug auf die Netzhaut aus und heben diese von der darunter liegenden Schicht ab (sog. zugbedingte oder traktive Netzhautablösung). Zu den Ursachen solcher Verwachsungen zählen vor allem diabetische Netzhauterkrankungen – aber auch Netzhautveränderungen bei Frühgeborenen oder vorausgegangene Netzhautoperationen können die Auslöser von Verwachsungen sein.

4. Symptome

Eine Netzhautablösung äussert sich in der Regel durch Symptome, die das Gesichtsfeld einschränken: Die Betroffenen nehmen die Ablösung zum Beispiel als Schatten beziehungsweise dunkle Wand von unten oder als schwarzen Vorhang von oben oder von der Seite wahr. Der Gesichtsfeldausfall kann aber auch in jeder anderen Form auftreten – es gibt kein für eine Netzhautablösung typisches Muster. Allerdings treten die Beschwerden zumeist einseitig auf, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass sich die Netzhaut in beiden Augen gleichzeitig löst. In fortgeschrittenem Stadium kann durch die Netzhautablösung auch die zentrale Sehschärfe eingeschränkt sein. Schmerzen treten nicht auf.

Bei einer Netzhautablösung ist die Netzhaut von der direkt darunterliegende Aderhaut getrennt und somit ihre Versorgung unterbrochen. Dauert dieser Zustand so lange an, dass die Netzhaut einen nicht mehr rückgängig zu machenden Schaden nimmt, kann das betroffene Auge im schlimmsten Fall erblinden. Daher ist es wichtig, die frühen Anzeichen einer möglicherweise bevorstehenden Netzhautablösung zu kennen und so schnell wie möglich einen Augenarzt aufzusuchen, wenn die entsprechenden Symptome auftreten.

Frühe Symptome einer Netzhautablösung – beziehungsweise vorausgehende Ereignisse, die auf eine geschädigte Netzhaut hinweisen – können sein:

  • Lichtblitze, die vor allem bei ruckartigen Augenbewegungen auftreten und die ein an der Netzhaut ziehender Glaskörper auslöst; die Betroffenen nehmen diese Blitze vor allem nachts beziehungsweise im Dunkeln wahr.
  • Ein plötzlich auftretender Schwarm schwarzer Mücken, Punkte oder Schwebeteilchen (sog. Russregen), der durch eine kleine Blutung eines gerissenen Netzhautgefässes entstehen kann. Diese Symptome sind nicht zu verwechseln mit den halbdurchsichtigen, auch als fliegende Mücken (mouches volantes) bezeichneten Schlieren, die harmlose Zeichen einer Glaskörpertrübung sind.

5. Diagnose

Bei einer Netzhautablösung ist eine möglichst schnelle Diagnose besonders wichtig. Wer an sich entsprechende Symptome wahrnimmt, sucht daher am besten sofort einen Augenarzt auf.

Besteht der Verdacht auf eine Netzhautablösung, erfolgt bei der Diagnose eine Untersuchung beider Augen – auch wenn die Symptome nur einseitig auftreten: Häufig weist auch die Netzhaut des nicht betroffenen Auges Veränderungen auf, die eine Vorstufe zur Netzhautablösung sein können und vorbeugend mit dem Laser zu behandeln sind. Vor der eigentlichen Untersuchung ist es nötig, die Pupillen mithilfe von Augentropfen zu erweitern. Daher ist es ratsam, nicht selber mit dem Auto zum Augenarzt zu fahren, denn aufgrund der starr erweiterten Pupillen ist man direkt nach der Untersuchung nicht fahrtüchtig.

Durch die erweiterte Pupille lässt sich der Augenhintergrund untersuchen und die Netzhaut beurteilen. Dabei kommt eventuell ein sogenanntes Kontaktglas zum Einsatz – eine Art Lupe, die der Augenarzt direkt auf den Augapfel setzt. So kann er eine Netzhautablösung sowie gegebenenfalls die Ursache, zum Beispiel einen Riss, diagnostizieren. Falls die Sicht auf die Netzhaut durch Blutungen im Glaskörper eingeschränkt ist, kann eine Ultraschalluntersuchung dabei helfen, die Diagnose der Netzhautablösung zu stellen.

6. Therapie

Jede Netzhautablösung erfordert eine operative Therapie. Die Art der Operation richtet sich nach dem Schweregrad der Veränderungen und nach der Ursache. Davon hängt auch ab, ob die Operation unter örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose erfolgt. Bei Vorstufen der Netzhautablösung reicht meist eine Behandlung mit einem Laser aus – zum Beispiel bei Löchern, bei denen die Netzhaut noch eng an der darunter liegenden Schicht anliegt. Wenn sich Ihre Netzhaut einmal abgelöst hat, lässt sich dies jedoch nicht mit einem Laser beheben.

Hat ein Netzhautriss Ihre Netzhautablösung verursacht (sog. rhegmatogene Netzhautablösung), besteht die Therapie darin, das Auge an der Stelle einzudellen, an der sich das Loch in Ihrer Netzhaut befindet – und so die Aderhaut wieder an die Netzhaut anzunähern. Dies erfolgt mithilfe einer Ausstopfung (Tamponade) des Netzhautlochs: Dabei näht der Operateur von aussen eine Silikonplombe auf Ihr Auge oder legt rund (zirkulär) um das Auge ein Silikonband. Ausserdem löst der Arzt von aussen mit einer Kältesonde oder von innen mit Laserstrahlen an der Stelle des Lochs eine Entzündungsreaktion aus – dies führt dazu, dass die Aderhaut und die Netzhaut miteinander verkleben.

Bei einer komplizierten Netzhautablösung ist zur Therapie zusätzlich oder ausschliesslich ein chirurgischer Eingriff im Augeninneren nötig: Hierbei entfernt der Operateur den gesamten Glaskörper (sog. Vitrektomie: lat. vitrum = Glas; Ektomie = operative Entfernung). Anschliessend ersetzt er den Glaskörper durch Gas oder durchsichtiges Silikonöl. Diese Tamponade aus Gas oder Öl sorgt dafür, dass die Netzhaut wieder fest an ihrem Untergrund anliegt. Vitrektomie und nachfolgende Tamponade kommen vor allem bei der durch Zug verursachten (traktiven) Netzhautablösung zum Einsatz.

7. Verlauf

Bei einer Netzhautablösung ist der Verlauf stark von folgenden Fragen abhängig:

  • In welchem Ausmass hat sich die Netzhaut abgelöst?
  • Und wie lange bestand die Netzhautablösung schon, bevor sie operativ behandelt wurde?

Daher gilt für den Verlauf einer Netzhautablösung grundsätzlich, dass die Prognose für das Auge und das Sehen umso besser ist:

  • je kürzer eine Netzhautablösung besteht,
  • je weniger kompliziert der Ausgangsbefund ist und
  • je weniger Netzhautgewebe betroffen ist.

Bei einem günstigen Verlauf kann das Sehvermögen des betroffenen Auges erhalten bleiben. Im ungünstigsten Fall kann das Auge durch die Netzhautablösung erblinden. Daher ist es wichtig, bei jeglichem Anzeichen einer geschädigten Netzhaut und beim geringsten Verdacht auf eine Netzhautablösung den Augenarzt aufzusuchen.

8. Vorbeugen

Sie können eine Netzhautablösung wirksam vorbeugen, indem Sie bei den ersten Anzeichen für eine Netzhautschädigung der sofort zum Augenarzt gehen. Zu den Vorzeichen einer Ablösung der Netzhaut gehören Lichtblitze und plötzlich auftretende schwarze Punkte; Gesichtsfeldeinschränkungen deuten auf eine schon bestehende Ablösung hin.

Wenn Ihr Risiko für eine Ablösung der Netzhaut erhöht ist, ist es zudem ratsam, vorbeugend Ihren Augenhintergrund regelmässig untersuchen zu lassen. Zu den Menschen mit erhöhtem Risiko für eine Netzhautablösung gehören Sie zum Beispiel dann, wenn:

  • Sie stark kurzsichtig sind,
  • bei Ihnen ein grauer Star (Katarakt) erst kürzlich operiert wurde,
  • Sie bereits an einem Auge eine Netzhautablösung hatten.

Bei der Untersuchung des Augenhintergrunds kann der Augenarzt auch Entartungen feststellen, die zu Löchern und zu einer Netzhautablösung führen könnten. Solche Veränderungen können Sie dann gegebenenfalls vorbeugend lasern lassen.

Netzhautlöcher bilden eine Vorstufe der Netzhautablösung. Finden sich in Ihrer Netzhaut bereits Netzhautlöcher, kann der Augenarzt sie zur Vorbeugung mit einem Laser abriegeln, solange sich die Netzhaut an der Stelle noch nicht abgelöst hat. Dies bewirkt, dass sich nachfolgend an der gelaserten Stelle Narben bilden, die die Netzhaut mit der Aderhaut verschweissen – eine Netzhautablösung kann in diesem Bereich dann nicht mehr entstehen.