1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Neurodermitis (Atopisches Ekzem, atopische Dermatitis, Dermatitis, atopische, Ekzem, atopisches)

Von

1. Überblick

Die Neurodermitis (bzw. atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis) ist eine der häufigsten Hautkrankheiten. Neurodermitis ist vor allem bei Kindern verbreitet: Oft zeigen sich bereits im Kleinkindalter erste Neurodermitis-Symptome.

Bei Neurodermitis kommt es zu einer Entzündungsreaktion der Haut, die chronisch besteht oder immer wieder schubweise auftritt. Die genauen Neurodermitis-Ursachen sind nicht bekannt; jedoch können sowohl erbliche Faktoren als auch weitere Auslösefaktoren ein atopisches Ekzem in seiner Entstehung begünstigen. Zahlreiche Stoffe aus der Umwelt, aber auch psychische Faktoren können dann neue Neurodermitis-Schübe auslösen oder verstärken (triggern).

Typische Neurodermitis-Symptome sind ein oft starker Juckreiz sowie schuppige und trockene Haut. Dabei ist die Stärke der Beschwerden nicht unbedingt ausschlaggebend für den Grad der Beeinträchtigung durch ein atopisches Ekzem: Auch eine leicht ausgeprägte Neurodermitis kann in Einzelfällen beeinträchtigend und seelisch stark belastend sein. Mögliche Folgen sind eine geminderte schulische oder berufliche Leistung, Schwierigkeiten im sozialen Umfeld und auch Depressionen.

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.

Die Neurodermitis-Behandlung besteht zum einen in sorgfältiger Hautpflege. Zum anderen ist bei Neurodermitis die Therapie der Hautentzündungen wichtig – das bedeutet: durch Medikamente wie Kortison oder andere Wirkstoffe gegen akute Hautveränderungen vorgehen und in problemarmen Phasen neuen Schüben vorbeugen. Ausserdem gilt es, mögliche Provokationsfaktoren, die neue Schübe triggern, zu vermeiden.

Dabei können als äusserliche (topische) Behandlung der Neurodermitis eine Salbe, Creme oder Emulsion und als innerliche (systemische) Behandlung zum Beispiel Tabletten oder Infusionen zum Einsatz kommen. Zusätzlich können zahlreiche begleitende Therapiemassnahmen (wie Entspannungstechniken, Klimatherapie, Lichttherapie) die Neurodermitis günstig beeinflussen. Alle Massnahmen zielen darauf ab, die Symptome der Neurodermitis zu lindern – eine Heilung der Hauterkrankung ist bislang nicht möglich.

Um einer Neurodermitis bei Kindern vorzubeugen oder das Auftreten der Neurodermitis zumindest hinauszuzögern, ist die Ernährung in den ersten Lebensmonaten zu beachten: Als empfehlenswerte Massnahme gegen Neurodermitis gilt es, das Baby mindestens in den ersten vier Lebensmonaten konsequent zu stillen, ohne Beikost zuzufüttern.

Wissenswertes

  • Neurodermitis ist eine der häufigsten Hautkrankheiten. Diese Entzündungsreaktion der Haut kommt häufig bei Kindern vor – aber auch viele Erwachsene sind betroffen. Die Erkrankung besteht chronisch oder verläuft in Schüben.

  • Typische Neurodermitis-Symptome sind ein starker Juckreiz sowie schuppige und trockene Haut. Ursache: Bei Neurodermitis fehlen der Haut bestimmte Hautfette, sodass sie weniger Feuchtigkeit speichern kann.

  • Eine Form der Neurodermitis sind Beugenekzeme – dies sind Hautveränderungen in den Beugefalten der Gelenke wie Ellenbeugen und Kniekehlen.

  • Von dieser Form der Neurodermitis sind auch die Hände, der Hals und der Nacken häufig betroffen.

  • Oft zeigen sich die Neurodermitis-Symptome bereits bei Säuglingen als sogenannter Milchschorf. Milchschorf ist die erste Ausprägung einer Neurodermitis.

  • Eine Sonderform der Neurodermitis nennt sich Prurigoform. Sie tritt vor allem bei Erwachsenen auf. Typische Symptome sind am ganzen Körper auftretende, stark zerkratzte Knoten.

  • Die für Neurodermitis charakteristische Hautentzündung hat ihre Ursachen in einer überschiessenden Abwehrreaktion des Körpers auf normalerweise harmlose Stoffe wie Nahrungsmittel (z.B. Nüsse, Milch, Weizen), Hausstaub und Blütenpollen.

  • Weitere auslösende Faktoren sind mechanische Reize der Haut wie der Kontakt mit Wolle oder Schwitzen.

  • Auch klimatische Bedingungen wie extreme Kälte und Schwüle zählen zu den sogenannten Triggerfaktoren einer Neurodermitis.

  • Auch leicht ausgeprägte Anzeichen einer Neurodermitis können die Betroffenen teilweise schwer beeinträchtigen und seelisch stark belasten. So können Leistungen in der Schule oder am Arbeitsplatz darunter leiden und es kann zu Schwierigkeiten im sozialen Umfeld kommen.

  • In schweren Fällen können Neurodermitis und die damit verbundenen Beschwerden auch Depressionen auslösen.

  • Die Therapie bei Neurodermitis setzt sich aus zwei Komponenten zusammen – die Basistherapie zielt auf die Rückfettung der Haut ab und besteht in einer regelmässigen Hautpflege.

  • Gegen die Hautentzündungen kommen Medikamente zum Einsatz. Man unterscheidet die äusserliche (topische) Behandlung der Neurodermitis mit einer Salbe, Creme oder Emulsion und die innerliche (systemische) Behandlung, meist in Form von Tabletten oder Infusionen.

  • Als weitere Therapiemassnahmen kommen Licht- und Klimatherapie infrage.

  • Auch Entspannungstechniken können zur Linderung der Neurodermitis beitragen.

  • Um einer Neurodermitis vorzubeugen, sollten Sie Ihr Baby über die ersten vier bis sechs Lebensmonate konsequent stillen, ohne Fremdeiweisse (z.B. Kuhmilch) zuzufüttern.

  • Es scheint, dass dies die Häufigkeit und Schwere von atopischen Erkrankungen wie der Neurodermitis bei Kleinkindern verringert.
Anzeige

2. Definition

Die Begriffe Neurodermitis, atopisches Ekzem und atopische Dermatitis bezeichnen dieselbe chronische oder chronisch immer wieder auftretende Hauterkrankung, die durch schuppige, trockene und meist stark juckende Haut gekennzeichnet ist. Neurodermitis ist nicht ansteckend.

Die Neurodermitis heisst auch atopisches Ekzem, da sie – ebenso wie Heuschnupfen und Asthma – eine sogenannte atopische Erkrankung ist: Bei atopischen Erkrankungen reagiert das Immunsystem mit heftiger Abwehr auf zunächst harmlose Stoffe aus der Umwelt (sog. Allergene – wie Nahrungsmittel oder Pollen). Atopisch bedeutet in diesem Zusammenhang so viel wie fehl am Platz: Dies drückt aus, dass die Erkrankungsschübe bei Neurodermitis auch ohne erkennbare äussere Ursache – scheinbar aus dem Nichts heraus – auftreten können.

Der Begriff Neurodermitis leitet sich aus dem Griechischen ab (neuron = Nerv, derma = Haut, -itis für Entzündung). Die Bezeichnung stammt aus dem 19. Jahrhundert, als noch eine Nervenentzündung als Ursache für die atopische Dermatitis galt.

Neben den sinnverwandten Begriffen atopisches Ekzem und atopische Dermatitis sind für die Neurodermitis auch folgende Bezeichnungen gebräuchlich:

  • Neurodermitis atopica

  • endogenes Ekzem

  • konstitutionelles Ekzem

Häufigkeit

Die Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen. Dabei betrifft die Neurodermitis überdurchschnittlich oft Kinder (auch schon im Säuglingsalter): 10 bis 15 Prozent der Vorschulkinder in Europa haben zumindest zeitweilig eine Neurodermitis. Im Erwachsenenalter ist die Neurodermitis seltener als bei Kindern: In der Schweiz sind gemäss dem Allergiezentrum Schweiz 15 bis 30 Prozent der Kinder von Neurodermitis betroffen. Bei den Erwachsenen leiden zwischen 2 und 10 Prozent an der Erkrankung.

In den letzten Jahren hat die Neurodermitis-Häufigkeit stark zugenommen: Während 1960 lediglich jedes 30. Kind im Vorschulalter ein atopisches Ekzem hatte, ist es heute fast jedes 6. Ein möglicher Grund für diesen sprunghaften Anstieg ist die Verbesserung der Lebensumstände und hygienischen Bedingungen: In einer sauberen Umgebung ist das Immunsystem nur wenig Keimen ausgesetzt, sodass es unter Umständen beginnt, auf harmlose Substanzen zu reagieren. Atopische Erkrankungen wie die atopische Dermatitis, Heuschnupfen und Asthma scheinen häufiger Stadtkinder aus sozial besser gestellten Schichten zu treffen.

Bei 50 bis 70 von 100 Kindern und Jugendlichen gehen die Beschwerden bis zum 15. Lebensjahr von selbst zurück, bei vielen treten die Symptome gar nicht mehr auf. Bei manchen kann es aber auch zu Rückfällen im Erwachsenenalter kommen, vor allem an den Händen. Bei Erwachsenen nimmt Neurodermitis oft schwere Formen an.

3. Ursachen

Worin eine Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) ihre Ursachen hat, ist nicht genau bekannt. Fest steht aber: Neurodermitis ist nicht ansteckend. Stattdessen ist vor allem die erbliche Veranlagung bei der Entstehung einer Neurodermitis von grosser Bedeutung: Tritt ein atopisches Ekzem bei Zwillingen auf, dann sind bei eineiigen Zwillingen in 75 Prozent der Fälle beide betroffen, während bei zweieiigen Zwillingen nur in 23 Prozent der Fälle beide betroffen sind. Wenn beide Elternteile eine Neurodermitis haben, entwickelt ihr Kind dieselbe Hauterkrankung mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 80 Prozent ebenfalls.

Die für Neurodermitis charakteristische Hautentzündung hat ihre Ursachen in einer überschiessenden Abwehrreaktion des Körpers auf zunächst harmlose Stoffe wie Nahrungsmittel, Hausstaub oder Blütenpollen. Diese Stoffe nennt man Allergene. Bei der Neurodermitis richten sich bestimmte weisse Blutkörperchen, die Lymphozyten, die eigentlich für die Bekämpfung schädlicher körperfremder Substanzen verantwortlich sind, gegen diese Allergene. Infolgedessen bildet der Körper grosse Mengen Abwehrstoffe (sog. Antikörper) gegen diese an sich ungefährlichen Allergene.

Ein wichtiger Abwehrstoff ist das Immunglobulin E (IgE). Im Zusammenspiel mit verschiedenen Botenstoffen des Immunsystems, den Zytokinen, bewirkt das IgE eine entzündliche Abwehrreaktion der Haut. Zytokine sind Bausteine des Immunsystems, die die Abwehr von Krankheitserregern steuern. Verschiedene weisse Blutkörperchen (vor allem die T-Lymphozyten) halten die Entzündungsreaktion in Gang. Zusätzlich schüttet der Körper den entzündungsfördernden Botenstoff Histamin aus. Dies verstärkt die Abwehrreaktion zusätzlich – und hierin hat der für Neurodermitis typische Juckreiz seine Ursachen.

Ob und wie stark sich ein atopisches Ekzem entwickelt, bestimmen in hohem Mass auch Umwelteinflüsse. Für einen Neurodermitis-Schub kommen folgende Ursachen infrage:

  • verschiedene Allergene (z.B. Pollen, Hausstaubmilben)

  • mechanische Reizung der Haut (z.B. durch Kontakt mit Wolle oder durch Schwitzen)

  • bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Nüsse, Milch, Weizen)

  • Infektionen

  • klimatische Bedingungen (z.B. extreme Kälte, Schwüle)



In vielen Fällen wirkt sich zudem psychischer Stress verstärkend auf Neurodermitis aus. Auch beim Kleinkind kann ein atopisches Ekzem stressbedingt sein. In jedem Einzelfall hat die Neurodermitis als Ursachen mehrere zusammenwirkende Umweltfaktoren.

4. Symptome

Die für Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) typischen Symptome betreffen in erster Linie die Haut: Diese ist trockener als normale Haut und kann weniger Feuchtigkeit speichern. Ausserdem fehlen der Haut bei Neurodermitis bestimmte Hautfette. Durch diesen Mangel ist sie zunehmend rau und schuppt leicht. Ausserdem verliert die Haut bei Neurodermitis ihre wichtige Funktion als Barriere gegen Umweltstoffe. Zusätzlich ist die Regulierung weiterer Hautfunktionen gestört – so zum Beispiel die Schweissbildung, die Hautdurchblutung und die Temperaturregelung.

Unsere Umwelt und auch unsere Haut sind mit einer Vielzahl von Bakterien und Pilzen besiedelt. Bei Menschen, die ein atopisches Ekzem haben, ist die Zusammensetzung dieser Keime verändert. Dies kann die Neurodermitis-Symptome verstärken.

Allgemein gilt für die Neurodermitis-Symptome, dass ihre Stärke nichts über den Grad der Beeinträchtigung durch die Hauterkrankung aussagt: Auch leicht ausgeprägte Neurodermitis-Anzeichen können die Betroffenen in Einzelfällen schwer beeinträchtigen und seelisch stark belasten. Daher kann ein atopisches Ekzem die Leistungen in der Schule oder am Arbeitsplatz mindern, zu Schwierigkeiten im sozialen Umfeld führen und auch Depressionen auslösen.

Juckreiz

Juckreiz ist in jeder Phase der Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) eines der wichtigsten Symptome: Der quälende Juckreiz nimmt für viele Menschen mit Neurodermitis die zentrale Stellung ein. Wer ihm nachgibt und die juckende Haut kratzt, kann so die Neurodermitis zusätzlich verstärken. In Bezug auf das Ausmass, in dem der Juckreiz die Lebensqualität beeinträchtigt, kann man ihn dem chronischen Schmerz gleichsetzen. Um den Juckreiz zu lindern beziehungsweise zu stillen, ist vor allem eine Behandlung der Hautentzündung geeignet.

Formen der Neurodermitis

Die von der Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) ausgelösten Symptome verändern sich im Lauf des Lebens. Anhand des Lebensalters der Betroffenen und der Körperstellen, an denen die Neurodermitis-Symptome auftreten, unterscheidet man drei Formen der Neurodermitis. Dabei kann es in jeder Phase zu Schüben kommen – ausgelöst zum Beispiel durch Umwelteinflüsse oder Stress. Die drei Formen der Neurodermitis sind:

  • Milchschorf
    Häufig zeigen sich die Neurodermitis-Symptome bereits bei Säuglingen als sogenannter Milchschorf. Der Name rührt von der Ähnlichkeit der Hautveränderungen mit verbrannter Milch her und hat nichts mit einer (oft als Milchallergie bezeichneten) Laktoseintoleranz zu tun. Bei Milchschorf handelt es sich um gelblich-weisse Krusten in Kombination mit nässenden Entzündungsreaktionen der Haut (Ekzeme), die sich flächenartig ausdehnen können. Meist befällt diese Form von Neurodermitis die Aussenseiten (Streckseiten) der Arme und Beine und das Gesicht. Häufig infizieren Viren und Bakterien die betroffenen Hautbereiche.

  • Beugenekzeme
    Beugenekzeme sind Hautveränderungen in den Beugefalten der Gelenke wie Kniekehlen und Ellenbeugen. Von dieser Form der Neurodermitis sind auch die Hände, der Hals und der Nacken häufig betroffen. Die Symptome treten ab dem Kindes- und Jugendalter auf. Während bei jungen Menschen die Haut durch die Entzündung oft gerötet ist, verursacht die atopische Dermatitis im Lauf der Jahre baumrindenartige Vergröberungen der trockenen und verdickten Haut. Diese Veränderung bezeichnet man als Flechtenbildung (Lichenifikation).

  • Prurigoform
    Das Wort Prurigo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Juckreiz. Die Prurigoform ist eine Sonderform der Neurodermitis, die vor allem bei Erwachsenen auftritt. Typische Symptome sind am ganzen Körper auftretende, stark zerkratzte Knoten. Diese Form der Neurodermitis kann auch schwächer ausgeprägt sein und Symptome beispielsweise nur an den Händen oder Ohrläppchen auslösen.
Anzeige

5. Diagnose

Bei der Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) erfolgt die Diagnose anhand der Krankengeschichte (sog. Anamnese) und einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Bei der Anamnese erkundigt sich der Arzt zum Beispiel danach, ob Verwandte Neurodermitis haben, ob psychosomatische oder ernährungsbedingte Auslösefaktoren infrage kommen oder ob Anzeichen für eine Allergie vorliegen. Bei der Untersuchung liefern oft die Körperstellen, an denen die Hautveränderungen auftreten, schon Hinweise darauf, ob es sich um eine Neurodermitis handelt oder nicht.

Ausserdem treten bestimmte körperliche Merkmale bei Neurodermitis verstärkt auf und können zur Diagnose beitragen: So haben Menschen mit Neurodermitis beispielsweise öfter unter den Augen Schatten (übernächtigtes Aussehen), vertiefte Handlinien (Ichthyosis-Hände) oder eine doppelte Falte am Augenunterlid (sog. Dennie-Morgan-Falte).

Zusätzlich können Hauttests und Blutuntersuchungen bei der Neurodermitis-Diagnose darüber Aufschluss geben, wie empfindlich die Betroffenen auf bestimmte Fremdstoffe reagieren:

Hauttests

Bei einer Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) bieten sich zur Diagnose Hauttests an: Diese Tests sollen Aufschluss darüber geben, ob der Körper auf bestimmte Substanzen mit einer überschiessenden Immunantwort reagiert. Dies ist bei Neurodermitis typischerweise der Fall.

Übliche Substanzen, auf die man bei Verdacht auf eine Neurodermitis testet, sind zum Beispiel Blütenpollen, Hausstaubmilben, Nahrungsmittel oder Tierhaare. Dabei bringt man Flüssigkeiten, in denen diese Allergene gelöst sind, durch kleine Kratzer in die Haut ein (sog. Prick-Test) oder befestigt sie mit Pflastern auf der Haut. Je nach Test steht das Ergebnis nach Minuten oder wenigen Tagen fest.

Blutuntersuchungen

Bei einer Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) können zur Diagnose auch Blutuntersuchungen zum Einsatz kommen: Ihr Zweck besteht darin, zu überprüfen, ob Abwehrstoffe (Immunglobuline) vorhanden sind, welche die Entzündungsreaktion der Haut hervorrufen. Durch bestimmte Laboruntersuchungen kann man die Menge an sogenanntem Bei einer Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) können zur Diagnose auch Blutuntersuchungen zum Einsatz kommen: Ihr Zweck besteht darin, zu überprüfen, ob Abwehrstoffe (Immunglobuline) vorhanden sind, welche die Entzündungsreaktion der Haut hervorrufen. Durch bestimmte Laboruntersuchungen kann man die Menge an sogenanntem Immunglobulin E (IgE) bestimmen, das bei Allergien und auch bei Neurodermitis erhöht ist. In einem weiteren Schritt ist es möglich, den Fremdstoff (sog. Allergen) zu identifizieren, gegen den das IgE gerichtet ist. (IgE) bestimmen, das bei Allergien und auch bei Neurodermitis erhöht ist. In einem weiteren Schritt ist es möglich, den Fremdstoff (sog. Allergen) zu identifizieren, gegen den das IgE gerichtet ist.

Anzeige

6. Therapie

Hilfe bei Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) bietet eine Therapie, die sich aus zwei Komponenten zusammensetzt – Basistherapie und Behandlung der Hautentzündungen:

  • Die Basistherapie der Neurodermitis zielt auf die Rückfettung der Haut ab und besteht in einer regelmässigen Hautpflege. Tragen Sie die Pflegepräparate grosszügig auf, um die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen und einzufetten.

  • Gegen die Hautentzündungen kommen Medikamente zum Einsatz – dabei richtet sich die Behandlung danach, wie die Neurodermitis verläuft und welche Körperstellen wie stark betroffen sind. Zum einen dient die medikamentöse Neurodermitis-Behandlung dem Zweck, akute Hautveränderungen zu behandeln. Zum anderen soll sie in problemarmen Phasen einem neuen Neurodermitis-Schub vorbeugen. Man unterscheidet:

  • die äusserliche (topische) Neurodermitis-Behandlung mit einer Salbe, Creme oder Emulsion und

  • die innerliche (systemische) Neurodermitis-Behandlung, meist in Form von Tabletten oder Infusionen.


Meistens reicht gegen eine leichte bis mittelschwere Neurodermitis eine äusserliche Behandlung aus, um die Beschwerden der Betroffenen ausreichend zu bessern. Zusätzlich können gut verträgliche Medikamente wie Antihistaminika gegen ein atopisches Ekzem zum Einsatz kommen. Nur in schweren Fällen ist die innerliche Neurodermitis-Therapie mit entzündungshemmenden Substanzen nötig.

Die Neurodermitis-Therapie sollte früh beginnen und intensiv sein, um die Erkrankung besser kontrollieren zu können und neue Schübe möglichst weit hinauszuzögern.

Äusserliche Behandlung

Bei Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) gelingt es mit einer Therapie durch äusserlich (topisch) angewendete Medikamente meistens, Schübe in den Griff zu bekommen. Für diese äusserliche Neurodermitis-Behandlung sind vor allem folgende Substanzen bedeutsam:

  • Kortisonpräparate, welche die überschüssige Immunreaktion des Körpers unterdrücken

  • Calcineurin-Hemmer, welche die an der Entzündung beteiligten weissen Blutkörperchen beeinflussen

Kortison

In der kurzzeitigen Neurodermitis-Therapie ist Kortison ein sehr wirksames Mittel. Gegen Neurodermitis im Gesicht und an empfindlichen Hautstellen (wie am Hals) ist für die äusserliche (topische) Behandlung allerdings nur eine schwache Kortisonsalbe ratsam – und auch nur kurzfristig. Kortison wirkt gegen ein atopisches Ekzem, indem es die Überreaktion des Immunsystems unterdrückt – die Entzündung geht zurück. Dies stabilisiert die Haut und lindert den für atopische Dermatitis typischen Juckreiz.

Kortisonsalben eignen sich nicht für eine lang andauernde äusserliche Neurodermitis-Behandlung, weil es dann zu einer Verdünnung (Atrophie) der Haut kommen kann, sodass diese zunehmend empfindlicher ist. Weitere mögliche Nebenwirkungen einer dauerhaft angewendeten Kortisonsalbe sind Dehnungsstreifen, kleinfleckige Kapillarblutungen in die Haut (Purpura) und die sogenannte Mundrose, eine Entzündung der Gesichtshaut. Ausserdem verliert Kortison bei einer Daueranwendung gegen atopische Dermatitis an Wirksamkeit..

Anzeige

Calcineurin-Hemmer

Für die äusserliche Neurodermitis-Therapie stehen auch sogenannte Calcineurin-Hemmer zur Verfügung. Die äusserliche Neurodermitis-Behandlung mit Calcineurin-Hemmern wirkt sich auf die Immunreaktion aus: Calcineurin-Hemmer blockieren die Ausschüttung von Botenstoffen (Zytokinen) in der Haut, sodass die Entzündungsreaktion zum Erliegen kommt. Das atopische Ekzem bildet sich zurück und der Juckreiz lässt nach.

Wenn Ihr Arzt Ihnen Salben oder Cremes mit Calcineurin-Hemmern wie Pimecrolimus oder Tacrolimus verschrieben hat, tragen Sie diese am besten auf, sobald die ersten Symptome der atopischen Dermatitis auftreten. Dies gilt auch für die ersten Anzeichen eines Rückfalls. Diese frühe äusserliche Neurodermitis-Behandlung mit einem Calcineurin-Hemmer ist sinnvoll, weil Sie so Krankheitsschübe abfangen können beziehungsweise die Schübe viel schwächer verlaufen.

Für die äusserliche Neurodermitis-Behandlung sind Calcineurin-Hemmer auch in empfindlichen Bereichen wie Gesicht und Hals geeignet. Am restlichen Körper kommen Calcineurin-Hemmer nur dann gegen ein ausgeprägtes atopisches Ekzem zur Kurzzeitbehandlung zum Einsatz, wenn Kortisonsalben nicht genügend wirken oder die Betroffenen sie nicht vertragen. Im Gegensatz zu Kortison, das bei dauerhafter Anwendung zu Nebenwirkungen führen kann, gelten die Wirkstoffe Pimecrolimus oder Tacrolimus auch als geeignet für die langfristige Neurodermitis-Therapie: Wenn Sie in der Langzeittherapie zeitweise oder stetig Pimecrolimus-Creme gegen die Neurodermitis einsetzen, kann dies die Anwendungsdauer von Kortisonsalben verkürzen. Bei der äusserlichen Neurodermitis-Behandlung mit Tacrolimus-Salbe können Sie womöglich ganz auf Kortisonsalben verzichten.

Allerdings sind Nutzen und Risiken der Neurodermitis-Therapie durch Calcineurin-Hemmer immer abzuwägen, denn: Es ist nicht auszuschliessen, dass die äusserliche Neurodermitis-Behandlung mit Tacrolimus und Pimecrolimus ein erhöhtes Risiko für Lymphome und womöglich auch für Hautkrebs darstellt. Darum ist es ratsam, Calcineurin-Hemmer nur gegen ein atopisches Ekzem anzuwenden, wenn dies medizinisch angezeigt ist (z.B. weil Kortison nicht infrage kommt oder nicht die gewünschte Wirkung zeigt) – und sich immer streng an die empfohlene Dosierung zu halten. Ganz abzuraten ist davon, eine Neurodermitis bei Kleinkindern unter zwei Jahren mit Calcineurin-Hemmern zu behandeln.

Wenn Sie Calcineurin-Hemmer über einen längeren Zeitraum als äusserliche Neurodermitis-Behandlung anwenden, lassen Sie sich am besten regelmässig auf verdächtige Hautveränderungen untersuchen. Ausserdem ist es ratsam, die mit Calcineurin-Hemmern behandelte Haut nicht dem natürlichen oder künstlichen Sonnenlicht auszusetzen – eine gleichzeitige Lichttherapie gegen die atopische Dermatitis ist daher nicht zu empfehlen.

Innerliche Behandlung

Nur wenn bei der Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) die äusserliche Therapie keine Besserung erzielt, kommt eine innerliche (systemische) Behandlung in Betracht.

Anzeige

Kortison, Zyklosporin A

Bei der Neurodermitis-Therapie ist die innerliche Gabe von Kortison oder Zyklosporin A nur in schweren Fällen angebracht und meistens vermeidbar. Die innerliche Neurodermitis-Behandlung mit beiden Substanzen wirkt gegen ein atopisches Ekzem, indem sie die überschiessende Immunreaktion dämpft.

Mittel gegen Allergie (Antiallergika)

Zur Neurodermitis-Therapie bieten sich auch Mittel an, die gegen eine Allergie helfen. Diese sogenannten Antiallergika (bzw. Antihistaminika) hemmen die allergische Reaktion in der Haut. Die innerliche Neurodermitis-Behandlung mit Antiallergika ist mit relativ geringen Nebenwirkungen verbunden und kann den Juckreiz mindern, der für ein atopisches Ekzem typisch ist.

Mittel gegen Mikroorganismen

Unter Umständen kann zur Neurodermitis-Therapie auch eine innerliche antimikrobielle Neurodermitis-Behandlung notwendig sein: In manchen Fällen besiedeln schädliche Pilze oder Bakterien die durch ein atopisches Ekzem geschädigte Haut. Dann kommen vorübergehend entsprechende Mittel gegen diese Mikroorganismen zum Einsatz: sogenannte Antimykotika gegen Pilze und Antibiotika gegen Bakterien.

Lichttherapie (Phototherapie)

Bei einer Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) ist zur Therapie auch der Einsatz von Licht hilfreich: Diese Lichttherapie (Phototherapie) soll bei Neurodermitis die Entzündungszellen in der Haut hemmen.

Zur Neurodermitis-Behandlung kommt nur Licht ganz bestimmter Wellenlängen zum Einsatz. In der Regel handelt es sich um ultraviolettes Licht – oft ist es eine Kombination aus UVA- und UVB-Strahlen. In besonders schweren Fällen von Neurodermitis erfolgt die sogenannte PUVA-Therapie: Hierbei nehmen die Betroffenen vor der Bestrahlung ein Medikament (Psoralen) ein, das die Wirkung der Strahlen in der Haut vervielfacht (Psoralen + UVA = PUVA).

Besonders nach der PUVA-Therapie ist die Haut sehr lichtempfindlich. Ein erhöhtes Krebsrisiko durch die UV-Strahlung ist nicht vollkommen auszuschliessen, weshalb diese Lichttherapie zur Neurodermitis-Behandlung vor allem bei Kindern nur sehr zurückhaltend Anwendung findet.

Weitere Massnahmen

Bei Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) bietet sich zur kurzfristigen Therapie zusätzlich die sogenannte Klimatherapie an: Durch Aufenthalte im Hochgebirge oder an der Nordsee können Sie die Neurodermitis-Symptome deutlich abschwächen.

Gegen eine Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) sind zur Therapie weitere Massnahmen wie Hautpflege und Entspannungstechniken geeignet:

Bei Neurodermitis ist die Haut empfindlicher als gesunde Haut. Daher ist es wichtig, dass Sie zur Pflege der Haut auf keinen Fall aggressive Seifen und Waschmittel verwenden. Stattdessen ist es empfehlenswert, der trockenen Haut Feuchtigkeit zuzuführen. Geeignet sind im Rahmen der Neurodermitis-Behandlung harnstoffhaltige Pflegeprodukte oder spezielle medizinische Ölbäder.

Der mit Neurodermitis einhergehende, oftmals quälende Juckreiz kann sich zu einem übermächtigen, die Lebensqualität beeinträchtigenden Problem entwickeln. Hier kann Entspannung Erleichterung bringen, weshalb autogenes Training eine weitere empfehlenswerte Massnahme zur Neurodermitis-Behandlung darstellt.

Anzeige

7. Verlauf

Die Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) zeigt einen wechselhaften Verlauf mit Krankheitsschüben, die unterschiedlich lang und schwer sein können. Oft setzt die Neurodermitis schon im Kindesalter ein: Bis zu 15 Prozent der Kinder im Vorschulalter zeigen (zumindest zeitweise) Neurodermitis-Anzeichen. Die Neurodermitis kann jederzeit von selbst (spontan) heilen. Doch mindestens 30 Prozent aller Kinder mit Neurodermitis bekommen auch im Erwachsenenalter atopische Ekzeme.

Wie schwer der Neurodermitis-Verlauf ist, bestimmt aber nicht unbedingt, in welchem Ausmass die Lebensqualität durch die Hauterkrankung beeinträchtigt ist: Auch ein nur leicht ausgeprägtes atopisches Ekzem kann für die Betroffenen eine starke Beeinträchtigung und seelisch grosse Belastung darstellen, die mit Leistungsminderungen und Schwierigkeiten im sozialen Umfeld bis hin zu Depressionen einhergehen kann.

Eine frühzeitige und intensive Therapie kann den Neurodermitis-Verlauf jedoch günstig beeinflussen. Obwohl es nicht möglich ist, ein atopisches Ekzem vollständig zu heilen, können viele Betroffene unter Beachtung der angebrachten Vorsichtsmassnahmen und dank der heute zur Verfügung stehenden Medikamente ein normales Leben führen.

8. Vorbeugen

Einer Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) können Sie nur bedingt vorbeugen. Bei Kindern ist es eventuell möglich, eine Neurodermitis durch entsprechende Ernährung in den ersten Lebensmonaten hinauszuzögern: Als empfehlenswerte Neurodermitis-Prophylaxemassnahme gilt es, ein Baby über die ersten vier bis sechs Lebensmonate konsequent zu stillen, ohne Fremdeiweisse (z.B. Kuhmilch) zuzufüttern. Es scheint, dass dies die Häufigkeit und Schwere von atopischen Erkrankungen wie der Neurodermitis bei Kleinkindern verringert.

Wenn bereits eine Neurodermitis besteht, können Sie neuen Schüben vorbeugen (sog. sekundäre Prophylaxe), indem Sie Folgendes beachten:

  • Es ist besonders wichtig, dass Sie mögliche auslösende Faktoren (sog. Trigger) erkennen und vermeiden. Für einen Neurodermitis-Schub kommen folgende Auslöser infrage:

  • verschiedene allergieauslösende Stoffe (sog. Allergene wie z.B. Pollen, Hausstaubmilben)

  • mechanische Reizung der Haut (z.B. durch Kontakt mit Wolle oder durch Schwitzen),

  • bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Nüsse, Milch, Weizen)

  • Infektionen

  • klimatische Bedingungen (z.B. extreme Kälte, Schwüle)

  • Sobald erste Anzeichen einer Neurodermitis beziehungsweise eines Rückfalls einsetzen, können Sie sie äusserlich mit Calcineurin-Hemmern behandeln: So ist es möglich, den Schub abzufangen oder zumindest abzuschwächen. Calcineurin-Hemmer wirken speziell auf die bei der Entzündung beteiligten weissen Blutkörperchen (T-Lymphozyten).

  • Der Kontakt mit Allergenen ist nach Möglichkeit zu vermeiden. Hierzu sind zum Beispiel besondere Bettbezüge geeignet, welche die Konzentration der Hausstaubmilbenallergene deutlich vermindern. Falls eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel wie Hühner- oder Kuhmilcheiweiss bekannt ist, sind diese unbedingt zu meiden. Wichtig ist es, dass Sie auch auf die Nahrungsmittel verzichten, in denen diese Eiweisse in versteckter Form vorkommen. Für Säuglinge steht spezielle allergenarme Nahrung zur Verfügung.

  • Wenn Sie überempfindlich auf Tierhaare reagieren, ist es ratsam, dass Sie den Kontakt mit Tieren möglichst einschränken.

  • Bei einer Neurodermitis spielt auch die richtige Wahl der Kleidung eine Rolle. Besonders Wolle kann zur Überempfindlichkeit führen. Tragen Sie diese daher besser nicht direkt auf der Haut.

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Haushalt rauchfrei ist – denn Zigarettenrauch ist ein wichtiger Verstärkungsfaktor (Triggerfaktor) für die Neurodermitis.