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  4. Neurodermitis (Atopisches Ekzem, atopische Dermatitis, Dermatitis, atopische, Ekzem, atopisches)

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Veröffentlicht am 16.12.2020

1. Überblick

Die Neurodermitis ist eine der häufigsten Hautkrankheiten. Sie ist vor allem bei Kindern verbreitet: Oft zeigen sich schon im Kleinkindalter erste Symptome.

Bei Neurodermitis kommt es zu einer Entzündungsreaktion der Haut, die chronisch besteht oder immer wieder schubweise auftritt. Die genauen Neurodermitis-Ursachen sind nicht bekannt; jedoch können sowohl erbliche Faktoren als auch weitere Auslösefaktoren ein atopisches Ekzem in seiner Entstehung begünstigen. Zahlreiche Stoffe aus der Umwelt, aber auch psychische Faktoren können dann neue Neurodermitis-Schübe auslösen oder verstärken (triggern).

Typische Neurodermitis-Symptome sind ein oft starker Juckreiz sowie schuppige und trockene Haut. Dabei ist die Stärke der Beschwerden nicht unbedingt ausschlaggebend für den Grad der Beeinträchtigung durch ein atopisches Ekzem: Auch eine leicht ausgeprägte Neurodermitis kann in Einzelfällen beeinträchtigend und psychisch stark belastend sein. Mögliche Folgen sind Schwierigkeiten im sozialen Umfeld und auch Depressionen.

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Die Neurodermitis-Behandlung besteht zum einen in sorgfältiger Hautpflege. Zum anderen ist bei Neurodermitis die Therapie der Hautentzündungen wichtig – das bedeutet: durch Medikamente wie Kortison oder andere Wirkstoffe gegen akute Hautveränderungen vorgehen und in problemarmen Phasen neuen Schüben vorbeugen. Ausserdem gilt es, mögliche Provokationsfaktoren, die neue Schübe triggern, zu vermeiden.

Dabei können als äusserliche (topische) Behandlung der Neurodermitis eine Salbe, Creme oder Emulsion und als innerliche (systemische) Behandlung zum Beispiel Tabletten oder Infusionen zum Einsatz kommen. Zusätzlich können zahlreiche begleitende Therapiemassnahmen (wie Entspannungstechniken, Klimatherapie, Lichttherapie) die Neurodermitis günstig beeinflussen. Alle Massnahmen zielen darauf ab, die Symptome der Neurodermitis zu lindern – eine Heilung der Hauterkrankung ist bislang nicht möglich.

Um einer Neurodermitis bei Kindern vorzubeugen oder das Auftreten der Neurodermitis zumindest hinauszuzögern, ist die Ernährung in den ersten Lebensmonaten zu beachten: Als empfehlenswerte Massnahme gegen Neurodermitis gilt es, das Baby mindestens in den ersten vier Lebensmonaten konsequent zu stillen, ohne Beikost zuzufüttern.

 

Wissenswertes

 

  • Neurodermitis ist eine der häufigsten Hautkrankheiten. Diese Entzündungsreaktion der Haut kommt häufig bei Kindern vor – aber auch viele Erwachsene sind betroffen. Die Erkrankung besteht chronisch oder verläuft in Schüben.
     
  • Typische Neurodermitis-Symptome sind ein starker Juckreiz sowie schuppige und trockene Haut. Ursache: Bei Neurodermitis fehlen der Haut bestimmte Hautfette, sodass sie weniger Feuchtigkeit speichern kann.
     
  • Eine Form der Neurodermitis sind Beugenekzeme – dies sind Hautveränderungen in den Beugefalten der Gelenke wie Ellenbeugen und Kniekehlen.Von dieser Form der Neurodermitis sind auch die Hände, der Hals und der Nacken häufig betroffen.
     
  • Oft zeigen sich die Neurodermitis-Symptome bereits bei Säuglingen als sogenannter Milchschorf. Milchschorf ist die erste Ausprägung einer Neurodermitis.
     
  • Eine Sonderform der Neurodermitis nennt sich Prurigoform. Sie tritt vor allem bei Erwachsenen auf. Typische Symptome sind am ganzen Körper auftretende, stark zerkratzte Knoten.
     
  • Die für Neurodermitis charakteristische Hautentzündung hat ihre Ursachen in einer überschiessenden Abwehrreaktion des Körpers auf normalerweise harmlose Stoffe wie Nahrungsmittel (z.B. Nüsse, Milch, Weizen), Hausstaub und Blütenpollen.
     
  • Weitere auslösende Faktoren sind mechanische Reize der Haut wie der Kontakt mit Wolle oder Schwitzen. Auch klimatische Bedingungen wie extreme Kälte und Schwüle zählen zu den sogenannten Triggerfaktoren einer Neurodermitis.
     
  • Auch leicht ausgeprägte Anzeichen einer Neurodermitis können die Betroffenen teilweise schwer beeinträchtigen und psychisch stark belasten. So können Leistungen in der Schule oder am Arbeitsplatz darunter leiden und es kann zu Schwierigkeiten im sozialen Umfeld kommen. In schweren Fällen können Neurodermitis und die damit verbundenen Beschwerden auch Depressionen auslösen.
     
  • Die Therapie bei Neurodermitis setzt sich aus zwei Komponenten zusammen – die Basistherapie zielt auf die Rückfettung der Haut ab und besteht in einer regelmässigen Hautpflege.
     
  • Gegen die Hautentzündungen kommen Medikamente zum Einsatz. Man unterscheidet die äusserliche (topische) Behandlung der Neurodermitis mit einer Salbe, Creme oder Emulsion und die innerliche (systemische) Behandlung, meist in Form von Tabletten oder Infusionen.
     
  • Als weitere Therapiemassnahmen kommen Licht- und Klimatherapie infrage. Auch Entspannungstechniken können zur Linderung der Neurodermitis beitragen.
     
  • Um einer Neurodermitis vorzubeugen, sollten Sie Ihr Baby über die ersten vier bis sechs Lebensmonate konsequent stillen, ohne Fremdeiweisse (z.B. Kuhmilch) zuzufüttern. Es scheint, dass dies die Häufigkeit und Schwere von atopischen Erkrankungen wie der Neurodermitis bei Kleinkindern verringert.
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Ein Mädchen hat Hautausschlag am Nacken und Rücken.

Etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz machen Erfahrungen mit den Beschwerden einer Neurodermitis.

Quelle: Getty Images

2. Definition von Neurodermitis

Die Begriffe Neurodermitis, atopisches Ekzem und atopische Dermatitis bezeichnen dieselbe chronische oder immer wieder schubartig auftretende Hauterkrankung, die durch schuppige, trockene und meist stark juckende Haut gekennzeichnet ist. Neurodermitis ist nicht ansteckend.

Die Neurodermitis heisst auch atopisches Ekzem, da sie – ebenso wie Heuschnupfen und Asthma – eine sogenannte atopische Erkrankung ist: Bei atopischen Erkrankungen reagiert das Immunsystem mit heftiger Abwehr auf zunächst harmlose Stoffe aus der Umwelt (sog. Allergene – wie Nahrungsmittel oder Pollen). Atopisch bedeutet in diesem Zusammenhang so viel wie fehl am Platz: Dies drückt aus, dass die Erkrankungsschübe bei Neurodermitis auch ohne erkennbare äussere Ursache – scheinbar aus dem Nichts heraus – auftreten können.

Der Begriff Neurodermitis leitet sich aus dem Griechischen ab (neuron = Nerv, derma = Haut, -itis für Entzündung). Die Bezeichnung stammt aus dem 19. Jahrhundert, als noch eine Nervenentzündung als Ursache für die atopische Dermatitis galt.

Neben den sinnverwandten Begriffen atopisches Ekzem und atopische Dermatitis sind für die Neurodermitis auch folgende Bezeichnungen gebräuchlich:

 

  • Neurodermitis atopica
     
  • endogenes Ekzem
     
  • konstitutionelles Ekzem

Häufigkeit

Die Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen. Dabei betrifft die Neurodermitis überdurchschnittlich oft Kinder (auch schon im Säuglingsalter): Etwa 15 Prozent der Vorschulkinder in Europa haben zumindest zeitweilig eine Neurodermitis. In der Schweiz sind gemäss dem Allergiezentrum Schweiz ca. 20 Prozent der Kinder von Neurodermitis betroffen. Im Erwachsenenalter ist die Neurodermitis seltener als bei Kindern: Bei den Erwachsenen leiden geschätzte vier bis fünf Prozent an der Erkrankung.

In den letzten Jahrzehnten hat die Neurodermitis-Häufigkeit deutlich zugenommen. Die Ursachen für diese Entwicklung sind noch unklar. Ein möglicher Grund für den sprunghaften Anstieg ist die Verbesserung der hygienischen Bedingungen: In einer sauberen Umgebung ist das Immunsystem nur wenig Keimen ausgesetzt, sodass es unter Umständen beginnt, auf harmlose Substanzen zu reagieren.

Bei den meisten Kindern und Jugendlichen gehen die Beschwerden nach einigen Jahren von selbst zurück, bei vielen treten die Symptome gar nicht mehr auf. Die meisten Erwachsenen, die an Neurodermitis leiden, hatten allerdings bereits als Kind Beschwerden.

3. Ursachen von Neurodermitis

Worin eine Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) ihre Ursachen hat, ist nicht genau bekannt. Fest steht aber: Neurodermitis ist nicht ansteckend. Stattdessen ist vor allem die erbliche Veranlagung bei der Entstehung einer Neurodermitis von grosser Bedeutung: Tritt ein atopisches Ekzem bei Zwillingen auf, dann sind bei eineiigen Zwillingen in 75 Prozent der Fälle beide betroffen, während bei zweieiigen Zwillingen nur in 23 Prozent der Fälle beide betroffen sind. Wenn beide Elternteile eine Neurodermitis haben, entwickelt ihr Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 80 Prozent ebenfalls ein atopisches Ekzem, Heuschnupfen oder allergisches Asthma.

Gestörte Hautbarriere

Die Haut ist ein Sinnesorgan, das gleich mehrere Funktionen erfüllt. Zum einen schützt sie den Körper vor äusseren Einflüssen. Zum anderen reguliert sie unter anderem die Temperatur, die Schweissbildung und die Durchblutung.

Bei einer Neurodermitis ist die natürliche Barrierefunktion der Haut gestört. Die ständigen Entzündungen führen dazu, dass Krankheitserreger und reizende Stoffe leichter eindringen können. Dies wiederum führt zu weiteren Schäden und Entzündungen.

Für die gestörte Hauptbarriere bei Neurodermitis ist unter anderem eine Genmutation verantwortlich, die die Produktion eines bestimmten Eiweisses hemmt: des Filaggrin. Filaggrin trägt wesentlich zur schützenden Hautbarriere bei. Bei einem Filaggrin-Mangel verändert sich die Beschaffenheit der Hautfette. Die Haut wird trockener und anfälliger für Störungen. Kommen weitere Faktoren hinzu – etwa häufiges Waschen mit Seife –, kann dies die Anfälligkeit zusätzlich erhöhen.

Überreaktion des Immunsystems

Ist die Haut geschädigt, können Fremdstoffe (Allergene) besonders leicht eindringen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Immunsystem zunehmend sensibler auf diese Allergene reagiert und eine allergische Form der Neurodermitis begünstigt.

Stuft das Immunsystem ein Allergen als gefährlich ein, bildet es Abwehrstoffe, die Antikörper. Ein wichtiger Abwehrstoff ist das Immunglobulin E (IgE). Im Zusammenspiel mit verschiedenen Botenstoffen des Immunsystems, den Zytokinen, bekämpft IgE das Allergen und reagiert mit einer entzündlichen Abwehrreaktion der Haut. Verschiedene weisse Blutkörperchen (vor allem die T-Lymphozyten) halten die Entzündungsreaktion in Gang.

Schätzungen zufolge leiden 3 bis 4 von 10 Neurodermitiker an einer solchen allergischen Form der atopischen Dermatitis. Ihr Immunsystem reagiert zum Beispiel auf Allergene wie Pollen, Hausstaubmilchen, Nüsse, Eier, Milch und Fisch. Die Antikörper, die das Immunsystem gegen diese Stoffe bildet, kann der Arzt im Blut nachweisen.

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Begünstigende Faktoren

Neben den Allergenen gibt es weitere Faktoren, die einen Neurodermitis-Schub begünstigen können. Dazu zählen zum Beispiel

  • der Kontakt mit rauen Textilien wie z.B. grober Wolle
  • Zigarettenrauch
  • Infektionen
  • bestimmte Lebensmittel
  • extreme klimatische Bedingungen (z.B. Kälte, Schwüle, Hitze)

Auch psychischer Stress kann eine Neurodermitis verstärken.

Von Person zu Person kann es ganz verschieden sein, welche Faktoren einen Schub begünstigen.

4. Symptome von Neurodermitis

Die für Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) typischen Symptome betreffen in erster Linie die Haut: Diese ist trockener als normale Haut und kann weniger Feuchtigkeit speichern. Ausserdem fehlen der Haut bei Neurodermitis bestimmte Hautfette. Durch diesen Mangel ist sie zunehmend rau, rissig und schuppt leicht. Auch können sich Hautbläschen oder Knötchen bilden.

Wie ausgeprägt die Symptome der Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) sind und welche Körperstellen betroffen sind, kann ganz unterschiedlich sein. Zudem verändert sich das Erscheinungsbild im Laufe des Lebens.

In den meisten Fällen verläuft eine Neurodermitis in Schüben: Mal sind die Symptome stärker, mal schwächer – und manchmal bilden sie sich zurück. Manche Neurodermitiker haben permanent Beschwerden, andere nur sporadisch.

Der quälende Juckreiz ist für die meisten das Symptom, das besonders belastend ist. Das Jucken kann die Lebensqualität ähnlich stark beeinträchtigen wie ein chronischer Schmerz.

Wer dem Juckreiz nachgibt und sich kratzt, kann die Neurodermitis verstärken. Keime können leicht in die aufgekratzten Stellen eindringen und sich dort ausbreiten.

Ein Säugling hat Hautausschlag im Gesicht.

Bei Säuglingen tritt Neurodermitis typischerweise als sogenannter Milchschorf im Gesicht auf.

Quelle: Getty Images

Formen der Neurodermitis

Die von der Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) ausgelösten Symptome verändern sich im Lauf des Lebens. Anhand des Lebensalters der Betroffenen und der Körperstellen, an denen die Neurodermitis-Symptome auftreten, unterscheidet man drei Formen der Neurodermitis:
 

 

  • Milchschorf
    Häufig zeigen sich die Neurodermitis-Symptome bereits bei Säuglingen als sogenannter Milchschorf. Der Name rührt von der Ähnlichkeit der Hautveränderungen mit verbrannter Milch her und hat nichts mit einer (oft als Milchallergie bezeichneten) Laktoseintoleranz zu tun. Bei Milchschorf handelt es sich um gelblich-weisse Krusten in Kombination mit nässenden Entzündungsreaktionen der Haut (Ekzeme), die sich flächenartig ausdehnen können. Meist befällt diese Form von Neurodermitis die Aussenseiten (Streckseiten) der Arme und Beine, die Kopfhaut und das Gesicht (vor allem Stirn und Wangen). Häufig infizieren Viren und Bakterien die betroffenen Hautbereiche.
     
  • Beugenekzeme
    Beugenekzeme sind Hautveränderungen in den Beugefalten der Gelenke wie Kniekehlen und Ellenbeugen. Von dieser Form der Neurodermitis sind auch die Hände, der Hals und der Nacken häufig betroffen, das Gesicht hingegen nur selten. Die Symptome treten ab dem Kindes- und Jugendalter auf. Im Gegensatz zu Babys ist die Haut bei Kindern und Jugendlichen mit Neurodermitis trockener und neigt eher zur Schuppenbildung. Mit zunehmendem Alter verursacht die atopische Dermatitis baumrindenartige Vergröberungen der trockenen und verdickten Haut. Diese Veränderung bezeichnet man als Flechtenbildung (Lichenifikation).
     
  • Prurigoform
    Das Wort Prurigo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Juckreiz. Die Prurigoform ist eine Sonderform der Neurodermitis, die vor allem bei Erwachsenen auftritt. Typische Symptome sind am ganzen Körper auftretende, stark juckende Knoten. Ansonsten zeigt sich Neurodermitis bei Erwachsenen vor allem durch flächige Entzündungsherde an den Beugeseiten der Extremitäten. Auch an Gesicht, Hals und an den Händen können die entzündlichen Stellen zu sehen sein.
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5. Diagnose von Neurodermitis

Der massive Juckreiz und die typischen, immer wiederkehrenden Hautveränderungen geben der Hautärztin bereits erste Hinweise darauf, dass es sich um eine Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) handeln könnte.

Bestimmte körperliche Merkmale können zur Diagnose beitragen: Menschen mit Neurodermitis haben beispielsweise öfter Schatten unter den Augen (übernächtigtes Aussehen), vertiefte Handlinien (Ichthyosis-Hände) oder eine doppelte Falte am Augenunterlid (sog. Dennie-Morgan-Falte).

Im Gespräch wird die Ärztin einige Fragen zur Krankheitsgeschichte stellen, zum Beispiel:

  • Seit wann haben Sie die Beschwerden?
  • Haben Verwandte von Ihnen Neurodermitis?
  • Reagieren Sie auf bestimmte Stoffe allergisch?
  • Gibt es Auslöser, welche die Symptome begünstigen (z.B. Stress, Ernährung)?

Anschliessend wird die Ärztin ihre Patienten körperlich untersuchen und sich die gesamte Haut genau anschauen. Wichtig ist, dass sie andere Erkrankungen ausschliesst, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen. Dazu zählen zum Beispiel Schuppenflechte oder ein Kontaktekzem. Gegebenenfalls wird die Ärztin dafür eine Gewebeprobe entnehmen (Biopsie).

Weitere Untersuchungen

Bei vielen Neurodermitikern reagiert das Immunsystem auf bestimmte Stoffe mit einer Abwehrreaktion. Um eine solche allergische Form von Neurodermitis nachzuweisen, kann der Arzt ergänzend verschiedene Untersuchungen veranlassen:

  • Hauttests: Verschiedene Hauttests können darüber hinaus Aufschluss darüber geben, wie empfindlich die Person auf bestimmte Fremdstoffe reagiert. Dies können zum Beispiel Blütenpollen, Hausstaubmilben, Nahrungsmittel oder Tierhaare sein. Ein häufig verwendeter Allergietest ist der Prick-Test: Der Arzt bringt Flüssigkeiten, in denen Allergene gelöst sind, durch kleine Kratzer in die Haut ein oder befestigt sie mit Pflastern auf der Haut. Je nach Test steht das Ergebnis nach Minuten oder wenigen Tagen fest.
  • Laboruntersuchungen: Durch eine Blutuntersuchung kann der Arzt feststellen, ob sich im Blut Abwehrstoffe (Immunglobuline) befinden, welche die Entzündungsreaktion der Haut hervorrufen. Zum Beispiel kann die Konzentration von Immunglobulin E bei Menschen mit Neurodermitis erhöht sein.
  • Provokationstest: Haben die Untersuchungen ergeben, dass das Immunsystem tatsächlich überempfindlich reagiert, sagt dies noch nichts darüber aus, ob und wie sehr sich das tatsächlich auf die Neurodermitis auswirkt. Aufschluss kann ein Provokationstest geben: Der Patient nimmt beispielsweise ein bestimmtes, allergieauslösendes Nahrungsmittel zu sich. Anschliessend beobachtet der Arzt, ob die Haut darauf reagiert.
  • Eliminationsdiät: Der Patient verzichtet gezielt für eine Weile auf bestimmte Nahrungsmittel. Bessern sich die Beschwerden, deutet dies darauf hin, dass eine Nahrungsmittelunverträglichkeit die Neurodermitis-Schübe begünstigt.

6. Therapie von Neurodermitis

Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) erfordert oft eine langfristige Behandlung. Wie genau die Therapie aussieht, ist immer vom Einzelfall abhängig.

Basistherapie: Körperpflege ist das A & O

Die Haut ist bei Neurodermitis besonders empfindlich. Ziel der Basistherapie ist es, die Haut ausreichend mit Feuchtigkeit zu versorgen. Besonders wichtig ist dabei die sorgfältige und regelmässige Hautpflege mir rückfettenden Substanzen.

Tipps zur Basistherapie:

  • Verwenden Sie bei trockener Haut rückfettende Salben, z.B. mit Harnstoff.
  • Ist die Haut weniger trocken, können Sie auf Öl-in-Wasser-Emulsionen zurückgreifen.
  • Zur Reinigung der Haut bieten sich rückfettendes Duschöl oder Ölbäder an.
  • Verwenden Sie möglichst keine aggressiven Seifen und Desinfektionsmittel.
  • Meiden Sie einen zu häufigen Kontakt mit Wasser.

Äusserliche Behandlung

Bei Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) gelingt es mit einer Therapie durch äusserlich (topisch) angewendete Medikamente meistens, die Beschwerden der Betroffenen zu lindern. Für diese äusserliche Neurodermitis-Behandlung sind vor allem folgende Substanzen bedeutsam:
 

 

  • Glukokortikosteroide (Kortisonpräparate), welche die überschüssige Immunreaktion des Körpers unterdrücken

 

  • Calcineurin-Hemmer, welche die an der Entzündung beteiligten weissen Blutkörperchen beeinflussen
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In der kurzzeitigen Neurodermitis-Therapie ist Kortison ein sehr wirksames Mittel. Kortison hemmt die Entzündung und lindert den Juckreiz. Gegen Neurodermitis im Gesicht und an empfindlichen Hautstellen (wie am Hals) ist für die äusserliche (topische) Behandlung allerdings nur eine schwache Kortisonsalbe ratsam – und auch nur kurzfristig.

Kortisonsalben eignen sich nicht für eine lang andauernde äusserliche Neurodermitis-Behandlung, weil es dann zu einer Verdünnung (Atrophie) der Haut kommen kann, sodass diese zunehmend empfindlicher ist. Studien zufolge gibt es jedoch keine Anzeichen dafür, dass dieser Effekt von Dauer ist – sofern das Kortison nicht zu lange, zu häufig oder in zu starker Dosis genommen wurde.

Weitere Nebenwirkungen durch eine lange Behandlung mit Kortison sind

  • Teleangiektasien, kleine erweiterte Adern auf der Haut
  • Infektionen der Haut
  • Mundrose, eine Entzündung der Gesichtshaut
  • Rosacea, eine entzündliche Hauterkrankung
  • Dehnungsstreifen
  • Kontaktallergie

Auch kann es passieren, dass das Kortison nach längerer Anwendungszeit nicht mehr so gut wirkt.

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Für die äusserliche Neurodermitis-Therapie stehen auch sogenannte Calcineurin-Hemmer zur Verfügung. Die äusserliche Neurodermitis-Behandlung mit Calcineurin-Hemmern wirkt sich auf die Immunreaktion aus: Calcineurin-Hemmer blockieren die Ausschüttung von Botenstoffen (Zytokinen) in der Haut, sodass die Entzündungsreaktion zum Erliegen kommt.

Wenn Ihr Arzt Ihnen Salben oder Cremes mit Calcineurin-Hemmern wie Pimecrolimus oder Tacrolimus verschrieben hat, tragen Sie diese am besten auf, sobald die ersten Symptome der atopischen Dermatitis auftreten. Dies gilt auch für die ersten Anzeichen eines Rückfalls. Diese frühe äusserliche Neurodermitis-Behandlung mit einem Calcineurin-Hemmer ist sinnvoll, weil Sie so Krankheitsschübe abfangen können beziehungsweise die Schübe viel schwächer verlaufen.

Für die äusserliche Neurodermitis-Behandlung sind Calcineurin-Hemmer auch in empfindlichen Bereichen wie Gesicht und Hals geeignet.

Im Gegensatz zu Kortison, das bei dauerhafter Anwendung zu Nebenwirkungen führen kann, gelten die Wirkstoffe Pimecrolimus oder Tacrolimus auch als geeignet für die langfristige Neurodermitis-Therapie. Wenn Sie in der Langzeittherapie zeitweise oder stetig Pimecrolimus-Creme gegen die Neurodermitis einsetzen, ist unter Umständen weniger Kortison nötig. Bei der äusserlichen Neurodermitis-Behandlung mit Tacrolimus-Salbe können Sie womöglich ganz auf Kortisonsalben verzichten.

Zu möglichen Nebenwirkungen von Calcineurin-Hemmern zählen

  • Juckreiz
  • Hautbrennen/Wärmegefühl auf der Haut
  • Hautrötung

Diese Nebenwirkungen klingen meist innerhalb der ersten Tage nach Behandlungsbeginn wieder ab.

Forscher diskutieren darüber, ob die äusserliche Behandlung mit Tacrolimus und Pimecrolimus das Risiko für Tumoren des Lymphgewebes und für Hautkrebs erhöht. Dieser Verdacht konnte jedoch bislang nicht eindeutig bestätigt werden.

Für Kinder unter zwei Jahren sind Calcineurin-Hemmer nur im Einzelfall geeignet.

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Lichttherapie

Wenn die Behandlung mit Salben oder Cremes nicht ausreicht, kann bei akuten Schüben zusätzlich eine Lichttherapie (Phototherapie) sinnvoll sein. Die betroffenen Bereiche werden mit ultraviolettem Licht (UV-Licht) in zunehmender Dosis bestrahlt. Dadurch wird die Entzündung gehemmt, und auch der Juckreiz kann sich zurückbilden.

Die Lichttherapie können Neurodermitiker entweder ambulant im Krankenhaus oder bei einem Hautarzt erhalten. Damit die Behandlung wirken kann, muss die Person mehrmals in der Woche bestrahlt werden.

Es gibt unterschiedliche Varianten von Lichttherapie. Oft bestrahlt der Arzt mit einer Kombination aus UVA- und UVB-Strahlen. In besonders schweren Fällen von Neurodermitis kann die sogenannte PUVA-Therapie helfen. Hierbei nehmen die Betroffenen vor der Bestrahlung das Medikament Psoralen ein. Psoralen verstärkt die Wirkung der Strahlen um ein Vielfaches (Psoralen + UVA = PUVA).

Besonders nach einer PUVA-Therapie ist die Haut sehr lichtempfindlich. Möglicherweise ist das Krebsrisiko durch die UV-Strahlung erhöht. Daher ist besonders es wichtig, dass Neurodermitiker während der Therapiephase auf ausreichenden Sonnenschutz achten.

Mögliche Nebenwirkungen der Lichttherapie sind:

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Innerliche Behandlung

Nur wenn bei der Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) die äusserliche Therapie keine Besserung erzielt, kommt eine innerliche (systemische) Behandlung in Betracht. Das bedeutet: Der Patient nimmt Medikamente ein, die auf den ganzen Körper wirken.

Häufig verwendete Medikamente zur innerlichen Therapie sind:

  • Kortisonpräparate (Glukokortikoide): Sie kommen vor allem bei einem akuten Schub für eine vorübergehende Stosstherapie zum Einsatz.
  • Ciclosporin A: Der Wirkstoff hemmt die überschiessende Immunreaktion und ist für die längerfristige Therapie der Neurodermitis geeignet.
  • Antihistaminika (Antiallergika): Bei starkem Juckreiz kann die Ärztin zusätzlich zu anderen Medikamenten Antihistaminika empfehlen. Inwieweit Antiallergika wie Cetirizin oder Loratadin das Jucken bei einer Neurodermitis tatsächlich stillen, ist jedoch unklar und von Person zu Person unterschiedlich.
  • Mittel gegen Mikroorganismen: Unter Umständen kann zur Neurodermitis-Therapie auch eine innerliche antimikrobielle Neurodermitis-Behandlung notwendig sein. In manchen Fällen besiedeln schädliche Pilze oder Bakterien die durch ein atopisches Ekzem geschädigte Haut. Dann kommen vorübergehend entsprechende Mittel gegen diese Mikroorganismen zum Einsatz: sogenannte Antimykotika gegen Pilze und Antibiotika gegen Bakterien.
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Weitere Massnahmen

Es gibt viele weitere Möglichkeiten, um die Symptome einer Neurodermitis zu lindern:

  • Entspannungstechniken: Der oftmals quälende Juckreiz kann sich zu einem übermächtigen, die Lebensqualität beeinträchtigenden Problem entwickeln. Hier kann gezielte Entspannung Erleichterung bringen, z.B. autogenes Training. 
  • Psychotherapie: Sie kann empfehlenswert sein, wenn der Leidensdruck sehr hoch ist oder wenn Stress bei der Person einen akuten Schub auslöst.
  • Schulungen: In speziellen Neurodermitis-Schulungen lernen die Betroffenen, mit der Erkrankung besser umzugehen.
  • Selbsthilfegruppen: Vielen Betroffenen hilft es, sich in einer Selbsthilfegruppe mit Gleichgesinnten auszutauschen.

7. Verlauf von Neurodermitis

Die Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) zeigt einen wechselhaften Verlauf mit Krankheitsschüben, die unterschiedlich lang und schwer sein können. Oft setzt die Neurodermitis schon im Kindesalter ein. Bei vielen Babys und Kindern klingt die Neurodermitis von selbst im Laufe der Zeit ab – insbesondere dann, wenn sie bei Erkrankungsbeginn jünger als ein Jahr waren.

Wie schwer der Neurodermitis-Verlauf ist, bestimmt aber nicht unbedingt, in welchem Ausmass die Lebensqualität durch die Hauterkrankung beeinträchtigt ist. Manche Menschen haben – zu Unrecht – Angst, sich anzustecken und grenzen Neurodermitiker aus. Auch ein nur leicht ausgeprägtes atopisches Ekzem kann für die Betroffenen eine starke Beeinträchtigung und psychisch grosse Belastung darstellen, die mit Leistungsminderungen und Schwierigkeiten im sozialen Umfeld bis hin zu Depressionen einhergehen kann.

Eine frühzeitige und intensive Therapie kann den Neurodermitis-Verlauf günstig beeinflussen. Obwohl es bislang nicht möglich ist, ein atopisches Ekzem vollständig zu heilen, können viele Betroffene dank der heute zur Verfügung stehenden Therapien ein normales Leben führen.

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8. Vorbeugen gegen Neurodermitis

Neurodermitis können Sie kaum vorbeugen.

Experten empfehlen, ein Baby über die ersten vier bis sechs Lebensmonate konsequent zu stillen, ohne Fremdeiweisse (z.B. Kuhmilch) zuzuführen. Eventuell kann dies die Häufigkeit und Schwere der Neurodermitis bei Kleinkindern verringern.

Möglicherweise zeigen Nahrungsmittel mit probiotischen Bakterien einen schützenden Effekt. Eindeutig erwiesen ist dieser bisher jedoch nicht.

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