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Nierenentzündung

(Glomerulonephritis)

Überblick

von Onmeda-Ärzteteam

Unter dem Begriff Nierenentzündung (Glomerulonephritis) versteht man eine Reihe verschiedener Nierenerkrankungen, bei denen sich Teile des Nierengewebes – die sogenannte Nierenrinde – entzünden. Ursache dieser insgesamt seltenen Erkrankungen ist in den meisten Fällen eine Reaktion des Immunsystems, die sich gegen körpereigene Strukturen richtet. Bei einer solchen Autoimmunreaktion greift das Immunsystem Teile der Niere an.

Man kann bei der Nierenentzündung fünf Formen unterscheiden, die sich unter anderem in ihrem zeitlichen Ablauf unterscheiden:

  1. die akute Glomerulonephritis
  2. die rasch progrediente (fortschreitende ) Glomerulonephritis (RPGN)
  3. das nephrotische Syndrom (tritt auch bei anderen Erkrankungen auf)
  4. die chronische Glomerulonephritis
  5. die asymptomatische Proteinurie (Eiweiss im Urin)/Hämaturie (Blut im Urin)

Abhängig davon, welche Form vorliegt, unterscheiden sich auch die auftretenden Symptome und Therapiemöglichkeiten. Während bestimmte Formen der Nierenentzündung die Nierenfunktion kaum beeinträchtigen, können andere in schweren Fällen zu einer Niereninsuffizienz, also einer Nierenschwäche, führen. Bei ausgeprägter Nierenschwäche ist unter Umständen eine Blutwäsche (Dialyse) nötig. Sie dient dazu, Produkte des Stoffwechsels aus dem Blut zu entfernen, die die Niere aufgrund der Entzündung nicht mehr ausscheiden kann. In manchen Fällen stellt auf lange Sicht eine Nierentransplantation die einzige Behandlungsmöglichkeit bei einer Nierenentzündung dar. Eine Glomerulonephritis ist nach der diabetesbedingten Nierenschwäche die zweithäufigste Ursache für eine Niereninsuffizienz.

Wichtige Hinweise auf eine Nierenentzündung erhält der Arzt durch ein Gespräch, in dem er die Beschwerden des Betroffenen erfragt, durch eine körperliche Untersuchung und durch eine Blutdruckmessung. Eine Urinuntersuchung und eine Blutuntersuchung geben weitere wichtige Hinweise, auch eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und anderer Bauchorgane kann hilfreich sein.

Nicht zu verwechseln ist die Nierenentzündung mit der Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), die durch Bakterien verursacht wird und wie auch die Blasenentzündung zu den Harnwegsinfekten zählt. Typisch für eine Nierenbeckenentzündung sind Schmerzen im Bereich der Flanke, Fieber und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl.

Definition

Unter einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) versteht man eine Reihe unterschiedlicher Erkrankungen der Niere. Ihnen gemeinsam ist eine Entzündung bestimmter Strukturen der äusseren Nierenschicht (Nierenrinde): der Gefässknäuel der Nierenkörperchen (Malpighi-Körperchen). Die Gefässknäuel bezeichnen Mediziner auch als Glomeruli (Einzahl: Glomerulus). Die Entzündungen sind nicht eitrig (wie z.B. manche Entzündung mit Bakterien) und befallen die Nierenkörperchen in beiden Nieren.

Einteilung

Es gibt fünf verschiedene Formen der Nierenentzündung:

  1. die akute Glomerulonephritis
  2. die rasch progrediente (fortschreitende ) Glomerulonephritis (RPGN)
  3. das nephrotische Syndrom
  4. die chronische Glomerulonephritis
  5. die asymptomatische Proteinurie (Eiweiss im Urin)/Hämaturie (Blut im Urin)

Akute Glomerulonephritis

Die akute Glomerulonephritis bricht sehr plötzlich aus und tritt häufig nach Infektionen mit bestimmten Bakterien (Streptokokken) auf. Diese Form der Nierenentzündung ist auch unter den Namen «akutes nephritisches Syndrom» und «postinfektiöse Glomerulonephritis» bekannt.

Rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN)

Die rasch progrediente (= fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN) ist relativ selten und kann ohne Therapie zu einem raschen Versagen der Nierenfunktion führen. Eine andere Bezeichnung für diese Form der Nierenentzündung ist «rapid progressive Glomerulonephritis».

Nephrotisches Syndrom

Beim nephrotischen Syndrom treten mehrere Beschwerden auf: Der Betroffene verliert Eiweiss über den Urin (Proteinurie), bei ihm sammelt sich Wasser im Gewebe an (Ödeme) und die Blutfettwerte steigen. Das nephrotische Syndrom kann die Niere dauerhaft schädigen.

Chronische Glomerulonephritis

Eine chronische Glomerulonephritis ist eine Nierenentzündung, die sich über Jahre oder Jahrzehnte entwickelt beziehungsweise besteht. In der Folge kann es schliesslich zu einem Nierenversagen kommen. Die chronische Glomerulonephritis ist auch unter den Bezeichnungen «chronisches nephritisches Syndrom» und «proteinurisches Syndrom» bekannt.

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiss im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Eine asymptomatische Proteinurie beziehungsweise Hämaturie liegt vor, wenn sich im Urin Eiweiss (Proteinurie) und / oder Blut (Hämaturie) nachweisen lässt, ohne dass die Betroffenen dabei weitere Beschwerden haben. Meistens stellt der Arzt diese Befunde zufällig bei Urinuntersuchungen fest.

Ursachen

Bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) liegen als Ursachen meist Vorgänge zugrunde, die mit dem Immunsystem zusammenhängen. In aller Regel handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper Teile der eigenen Nieren angreift und dadurch zu entzündlichen Veränderungen an den Nieren führt.

Weitere mögliche Ursachen für eine Nierenentzündung sind zum Beispiel:

  • Diabetes mellitus
  • eine krankhafte Ablagerung von Eiweiss im Gewebe (Amyloidose)
  • das hämolytisch-urämische Syndrom (dabei kommt es zu Schädigungen der Blutzellen, Blutgefässe und Nieren)

Akute Glomerulonephritis

Ursache einer akuten Glomerulonephritis ist meist eine vorhergehende bakterielle Infektion, zum Beispiel eine Halsentzündung, Kehlkopfentzündung oder Mandelentzündung mit Bakterien namens Streptokokken. Manchmal tritt diese Form der Nierenentzündung jedoch auch im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen auf.

Rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN)

Die rasch progrediente (= fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN) hat ihre Ursache in Autoimmunprozessen, welche die Nierenfunktion beeinträchtigen.

Nephrotisches Syndrom

Das nephrotische Syndrom kann verschiedene Ursachen haben, so zum Beispiel:

  • entzündliche Prozesse in den Nieren
  • langjähriger Medikamentenmissbrauch (v.a. Schmerzmittel, Mittel gegen Rheuma)
  • Metallvergiftung (z.B. durch Quecksilber)
  • Drogen (z.B. Heroin)
  • eine Grunderkrankung (wie Diabetes mellitus, HIV-Infektion)

Chronische Glomerulonephritis

Die genauen Ursachen einer chronischen Glomerulonephritis sind nicht bekannt. Wahrscheinlich liegt die Ursache jedoch auch bei dieser Form der Nierenentzündung in einer Autoimmunreaktion.

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiss im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Ursache für eine asymptomatische Proteinurie (Eiweiss im Urin) beziehungsweise Hämaturie (Blut im Urin) sind in der Regel entzündliche Prozesse der Nieren.

Symptome

Bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) hängen die Symptome von der vorliegenden Form ab. Zum Teil dauert es Jahre, bis die Betroffenen erste Symptome bemerken, denn im Unterschied zu einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) verläuft sie meist schmerzfrei. Am ehesten zeigt sich eine Nierenentzündung durch eine Veränderung des Urins. Ein trüber Urin weist darauf hin, dass Eiweiss ausgeschieden wird. Dies bezeichnet man als Proteinurie. Wird nur sehr wenig Eiweiss ausgeschieden, ist dies unter Umständen mit blossem Auge jedoch nicht erkennbar.

Ist der Urin dunkel gefärbt, kann beigemengtes Blut die Ursache sein – Mediziner sprechen hier von einer Hämaturie. Die Blutmenge im Urin kann jedoch auch so gering sein, dass sie nicht mit blossem Auge sichtbar ist, sondern sich nur durch eine mikroskopische Urinuntersuchung nachweisen lässt. Dies bezeichnet man als Mikrohämaturie.

In manchen Fällen lagert sich bei einer Nierenentzündung auch Wasser im Gewebe ein (Ödeme) und lässt dieses anschwellen. Bei manchen Betroffenen entwickelt sich durch die Nierenentzündung ein Bluthochdruck, Symptome wie Kopfschmerzen und Sehstörungen können die Folge sein.

Akute Glomerulonephritis

Bei einer akuten Glomerulonephritis treten meist Symptome auf wie:

  • Blut im Urin (Hämaturie)
  • Wasseransammlung im Gewebe (Ödeme)
  • verminderte Urinausscheidung (nur 0,5 Liter oder weniger statt normalerweise ca. 1,5 Liter pro Tag)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen

Häufig geht einer akuten Glomerulonephritis eine bakterielle Hals-, Kehlkopf- oder Mandelentzündung voraus (meist durch Bakterien namens Streptokokken verursacht). Bei dieser Form der Nierenentzündung treten die Symptome meist nur sehr schwach auf.

Rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN)

Die rasch progrediente (= fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN) äussert sich unter anderem durch Beschwerden wie:

  • Fieber
  • Abgeschlagenheit
  • in der Regel Blut im Urin (Hämaturie)
  • zum Teil durch Wasseransammlung im Gewebe (Ödeme)

Nephrotisches Syndrom

Beim nephrotischen Syndrom kommt es zu Symptomen wie:

  • Eiweiss im Urin (Proteinurie)
  • Abgeschlagenheit
  • Bauchschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe (Ödeme): anfangs an den Augenlidern, dann an den Beinen
  • manchmal Muskelschwund

Bei längerem Verlauf kann es ausserdem zu folgenden Beschwerden kommen:

Chronische Glomerulonephritis

Eine chronische Glomerulonephritis verläuft häufig viele Jahre lang unbemerkt und beschwerdefrei. Erst, wenn diese Form der Nierenentzündung weit fortgeschritten ist, entwickeln sich Symptome, die sich auf eine Nierenschwäche zurückführen lassen:

  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Übelkeit
  • Müdigkeit
  • erhöhter Blutdruck
  • Eiweiss im Urin (Proteinurie)

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiss im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Bei einer asymptomatischen Proteinurie beziehungsweise Hämaturie scheidet der Körper Eiweiss beziehungsweise Blut mit dem Urin aus, ohne dass weitere Beschwerden auftreten. Das Eiweiss oder Blut im Urin ist nicht immer mit blossem Auge zu erkennen. Meist stellt der Arzt dies daher bei einer Urinuntersuchung als Zufallsbefund fest. Bei einer höheren Eiweissausscheidung im Urin trübt sich dieser, bei Blutausscheidung färbt er sich rötlich. Nicht selten findet sich Eiweiss oder Blut im Urin, ohne dass weitere Beschwerden auftreten.

Diagnose

Um bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) eine Diagnose zu stellen, untersucht der Arzt eine Urinprobe des Betroffenen daraufhin, ob sie Eiweiss oder Blut enthält. Mitunter werden grosse Mengen Blut oder Eiweiss im Urin ausgeschieden, die bereits mit blossem Auge an ihrer Rotfärbung (Hämaturie) beziehungsweise Trübung (Proteinurie) zu erkennen sind. Manchmal sind die im Rahmen einer Glomerulonephritis ausgeschiedenen Mengen jedoch so gering, dass man sie nicht ohne Hilfsmittel erkennen kann. Auch Ansammlungen von Gewebewasser (Ödeme) im Gesicht oder in den Beinen sowie ein hoher Blutdruck können erste Hinweise auf eine Nierenentzündung sein.

Auch eine Blutuntersuchung kann zur Diagnose einer Nierenentzündung führen: Häufig weist ein Anstieg des Nierenwerts Kreatinin im Blut auf eine Funktionsschwäche der Nieren hin. Chronische Verlaufsformen der Nierenentzündung, welche die Nierenfunktion einschränken, können sich durch Symptome des Nierenversagens äussern, wie zum Beispiel:

  • Blutarmut
  • Leistungsminderung
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Magenschmerzen
  • Knochenschmerzen
  • verminderte Urinausscheidung
  • Atemnot

Besteht der Verdacht auf eine Nierenentzündung, nimmt der Arzt in der Regel weitere Untersuchungen vor, wie:

  • eine Nierensonographie (Ultraschalluntersuchung der Niere)
  • eine Nierenpunktion (Nierenbiopsie)
  • Nierenfunktionstests

Therapie

Bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) hängt die Therapie davon ab, welche Ursache ihr zugrunde liegt. Die Behandlung richtet sich also danach, welche Form von Nierenentzündung besteht und ob diese akut oder chronisch verläuft.

Akute Glomerulonephritis

Rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN)

Die Therapie der rasch progredienten (= fortschreitenden) Glomerulonephritis (RPGN) richtet sich im Wesentlichen danach, welche Grunderkrankung vorliegt und welchen Befund die Nierenbiopsie erbringt. Abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung kommen bei dieser Form der Nierenentzündung folgende Therapieverfahren einzeln oder kombiniert zum Einsatz:

  • der entzündungshemmende Wirkstoff Methylprednisolon in hohen Dosen über mehrere Tage (sog. Stosstherapie)
  • die zusätzliche Gabe des Wirkstoffs Cylclophosphamid (unterdrückt das Immunsystem)
  • die Blutfilterung (Plasmapherese, Plasmaseparation)

Diese Therapiemassnahmen sollen gegen die Niere gerichtete Antikörper sowie Entzündungsbotenstoffe, die sich im Blutkreislauf befinden, herausfiltern und deren Neubildung unterdrücken.

Nephrotisches Syndrom

Ganz allgemein kommen für die Therapie des nephrotischen Syndroms folgende Behandlungsmassnahmen zum Einsatz:

  • Therapie der Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe): mit entwässernden Medikamenten (Diuretika), Umstellung der Ernährung auf salzarme Kost
  • Therapie der Proteinurie: eiweisshaltige Nahrung nur in Massen
  • Behandlung des Bluthochdrucks mit bestimmten Blutdrucksenkern (Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der ACE-Hemmer)
  • Therapie der erhöhten Blutfettwerte (Hyperlipidämie): Eine Hyperlipidämie verschwindet normalerweise während der Behandlung des nephrotischen Syndroms von selbst. Der Arzt kann gegebenenfalls jedoch auch Medikamente zur Senkung der Blutfettwerte (Lipidsenker, sog. Statine) verschreiben.
  • Behandlung der erhöhten Thromboseneigung: mit Blutgerinnungshemmern wie dem Wirkstoff Heparin
  • Behandlung von Infektionen

In bestimmten Fällen des nephrotischen Syndroms ist eine Therapie mit entzündungshemmenden Wirkstoffen (sog. Steroide, «Cortison») und Wirkstoffen, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsuppressiva), erforderlich.

Ist die Ursache dieser Form der Nierenentzündung ein Drogen- oder Medikamentenmissbrauch, muss der Betroffene professionelle Hilfe suchen und einen Entzug durchlaufen.

Chronische Glomerulonephritis

Bei einer chronischen Glomerulonephritis behandelt der Arzt vor allem die auftretenden Beschwerden. Ist die Funktion der Niere eingeschränkt, umfasst die Therapie bei dieser Form der Nierenentzündung etwa Massnahmen wie:

  • Behandlung des Bluthochdrucks
  • angepasste Flüssigkeitszufuhr
  • eiweissarme Ernährung

Ist die Erkrankung weit fortgeschritten und hat ein Nierenversagen zur Folge, stellen Dialyse (Blutwäsche) und Nierentransplantation eine Therapiemöglichkeit dar.

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiss im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Wenn sich im Urin nur geringe Mengen Blut (Hämaturie) und Eiweiss (Proteinurie) befinden und die Nierenfunktion sowie der Blutdruck normal sind, ist eine Therapie meist nicht erforderlich. Lassen Sie Ihre Urinwerte in diesem Fall jedoch regelmässig kontrollieren.

Verlauf

Bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist der Verlauf sehr verschieden, abhängig davon, um welche Form es sich handelt. Die akuten Formen der Nierenentzündung sind meist nur mit geringen Beschwerden verbunden und führen – wenn sie frühzeitig behandelt werden – nicht zu dauerhaften Schädigungen der Nieren. Chronische Verlaufsformen der Nierenentzündung sind dagegen oft behandelbar, aber nicht heilbar. Im Laufe der Zeit können die Nieren so stark geschädigt werden, dass eine dauerhafte Dialyse-Behandlung erforderlich sein kann.

Akute Glomerulonephritis

Bei einer akuten Glomerulonephritis dauert es meist ein bis vier Wochen, bis die ersten Symptome auftreten und diese sind meist auch nur schwach ausgeprägt. Sie beginnen in der Regel mit allgemeinem Krankheitsgefühl und Kopfschmerzen. Häufig kommen bei dieser Form der Nierenentzündung Schmerzen im Lendenbereich hinzu. Die akute Glomerulonephritis heilt oft von alleine aus. Liegt gleichzeitig eine bakterielle Infektion vor, kann der Arzt Antibiotika verordnen.

Rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN)

Bei der rasch progredienten (fortschreitenden) Glomerulonephritis (RPGN) können neben Fieber und Abgeschlagenheit auch Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme) auftreten. Im Urin lässt sich wahrscheinlich Blut nachweisen. Je früher eine rasch fortschreitende Glomerulonephritis behandelt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Ohne Behandlung verschlechtert sich bei dieser Form der Nierenentzündung die Nierenfunktion schnell (innerhalb von Tagen bis Monaten) und macht ein Nierenversagen wahrscheinlich. Eine regelmässige Blutwäsche (Dialyse) kann dann die Aufgaben der Niere übernehmen.

Nephrotisches Syndrom

Das nephrotische Syndrom zeichnet sich dadurch aus, dass verschiedene Symptome gleichzeitig auftreten, wie zum Beispiel:

  • Eiweiss im Urin (Proteinurie)
  • erhöhte Blutfettwerte
  • Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), vor allem an den Augenlidern und im Gesicht, im weiteren Verlauf auch an den Beinen

Häufig ist das nephrotische Syndrom die Folge anderer Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus) oder gesundheitlicher Probleme (z.B. unnötige übermässige Einnahme von Medikamenten). Ohne Therapie entwickelt sich bei 90 Prozent der Patienten eine Nierenschwäche. Ein frühzeitiger Therapiebeginn ist bei dieser Form der Nierenentzündung deshalb sehr wichtig.

Chronische Glomerulonephritis

Eine chronische Glomerulonephritis verläuft häufig über Jahre unbemerkt, da lange Zeit keine Symptome auftreten. Die Nierenfunktion lässt dabei immer mehr nach und versagt häufig sogar ganz, so dass als einzige Behandlungsmöglichkeit im fortgeschrittenen Stadium eine Dialyse beziehungsweise eine Nierentransplantation infrage kommt.

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiss im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Bei einer asymptomatischen Proteinurie (Eiweiss im Urin) und / oder Hämaturie (Blut im Urin) ist die Prognose langfristig gut und eine Therapie meist nicht notwendig. Eine regelmässige Kontrolle der Urinwerte ist jedoch zu empfehlen, damit mögliche Veränderungen der Nierenfunktion rechtzeitig erkannt und behandelt werden können.

Vorbeugen

Eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist meist durch Laboruntersuchungen nachweisbar, bevor es zu körperlichen Beschwerden kommt. Mit regelmässigen Urinuntersuchungen können Sie eine Nierenentzündung daher zwar nicht verhindern – sie kann so jedoch frühzeitig erkannt und behandelt werden. Indirekt lässt sich einer Nierenschwäche auf diese Weise vorbeugen.

Damit Sie einer fortgeschrittenen Nierenschwäche langfristig vorbeugen können, sollten Sie Erkrankungen (wie Infekte oder Diabetes mellitus) möglichst frühzeitig behandeln lassen sowie die mitunter schädigende Wirkung von Medikamenten rechtzeitig bedenken, um einen Missbrauch zu vermeiden.

Ganz allgemein können Sie manchen Nierenerkrankungen vorbeugen, indem Sie die Nieren und Harnwege gut durchspülen – also für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen – und auf das Rauchen verzichten.