Von

1. Überblick

Bösartige Tumoren der Niere (Nierenkrebs) gehören in der Schweiz zu den eher seltenen Erkrankungen. Sie machen im Erwachsenenalter etwa zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus, wobei die häufigste Form das Nierenzellkarzinom (Hypernephrom) ist.

Die genauen Ursachen für Nierenkrebs sind derzeit noch nicht geklärt. Bekannt sind allerdings Risikofaktoren, die massgeblich zur Entstehung beitragen. Dazu zählen unter anderem Rauchen und Übergewicht. Da Symptome erst in einem späteren Stadium dieser Krebserkrankung auftreten, wird Nierenkrebs in vielen Fällen zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchs entdeckt. Wenn der Nierenkrebs Beschwerden macht, sind diese vielfältig und selten direkt einer Erkrankung der Niere zuzuordnen. Ein wichtiges Symptom, das unmittelbar von der Niere ausgeht, ist Blut im Urin.

Für die Erkennung von Nierenkrebs sind bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) von Bedeutung. Die Therapie besteht in der operativen Entfernung des Tumors, wobei die betroffene Niere meist vollständig entfernt wird. Hat der Nierentumor bereits in andere Organe gestreut, bieten eine Immuntherapie oder Bestrahlung zusätzliche Möglichkeiten der Behandlung. Je früher Nierenkrebs erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten.

2. Definition

Der Begriff «Nierenkrebs» fasst alle bösartigen (malignen) Tumoren zusammen, die vom Nierengewebe ausgehen. Im Erwachsenenalter handelt es sich dabei in 85 Prozent der Fälle um Nierenzellkarzinome (Hypernephrome). Seltenere Formen sind Nephroblastome (Wilms-Tumoren), Sarkome oder Lymphome der Niere. In den meisten Fällen betrifft Nierenkrebs nur eine der beiden Nieren.

Häufigkeit

Männer erkranken häufiger an Nierenkrebs als Frauen: Von gesamthaft rund 750 Nierenkrebserkrankungen pro Jahr sind zwei Drittel Männer und ein Drittel Frauen. Meist tritt der Krebs im höheren Alter auf: Zum Zeitpunkt der Diagnose sind 43% zwischen 50 und 69 Jahre alt, 46% sind älter als 70 Jahre alt oder älter.

3. Ursachen

Wie für die meisten anderen Krebsarten sind auch bei Nierenkrebs die Ursachen bisher nicht eindeutig geklärt. Es gibt jedoch ein paar Risikofaktoren, die begünstigen können, dass ein Nierenzellkarzinom entsteht, zum Beispiel:

  • Rauchen
  • bestimmte Schmerzmittel (v.a. phenacetinhaltige Schmerzmittel), die zu Nierenschäden führen können
  • chronische Nierenerkrankungen, z.B. Niereninsuffizienz
  • Übergewicht (v.a. bei Frauen)
  • Kontakt mit bestimmten Risikostoffen, z.B. Asbest, Cadmium, Lösungsmittel zur chemischen Reinigung, Treibstoff und anderen Petroleumprodukten
  • sog. von-Hippel-Lindau-Syndrom, eine Erkrankung, die die Entstehung von Tumoren z.B. an der Netzhaut im Auge, an den Nieren und der Leber begünstigt

Auch genetische Einflüsse spielen bei Nierenkrebs als Ursachen eine Rolle. Etwa ein Prozent der Nierenkrebs-Fälle geht auf veränderte Gene zurück. Genetisches Material geht am Chromosom 3 verloren. Möglicherweise befinden sich an dieser Stelle im Erbgut normalerweise sogenannte Tumor-Suppressorgene, die die Entstehung von Krebs hemmen. Durch die Veränderung am Chromosom 3 können diese «Krebs-Verhinderungsgene» nicht wirken und Tumoren können leichter entstehen.

4. Symptome

Meist machen sich bei Nierenkrebs erst spät Symptome bemerkbar. Frühzeichen der Erkrankung gibt es nur selten. Nierenkrebs wird deshalb oft zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchs entdeckt, die der Arzt beim Betroffenen aus einem ganz anderen Grund durchgeführt hat.

Häufig treten Symptome erst dann auf, wenn der Nierentumor bereits sehr gross ist oder in Lymphknoten beziehungsweise andere Organe gestreut – also Tochtergeschwulste (Metastasen) – gebildet hat. Die meisten Betroffenen haben dann allgemeine Beschwerden wie Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Rückenschmerzen.

Ein wichtiges Symptom, das direkt auf eine Erkrankung der Niere hindeutet, ist Blut im Urin. Auch eine allgemeine Blutarmut (Anämie) und Bluthochdruck oder ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) können auftreten. Hat sich der Tumor in andere Organe ausgebreitet, sind Knochenschmerzen möglich.

5. Diagnose

Die bildgebenden Verfahren spielen bei der Nierenkrebs-Diagnose eine entscheidende Rolle, da die körperliche Untersuchung und auch die Blutuntersuchung und Urinanalysen keine eindeutigen Befunde liefern. Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie), die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) können dagegen recht zuverlässig einen Tumor von anderen Nierenerkrankungen wie Nierensteinen oder einer Zyste unterscheiden. Auch eine Röntgenuntersuchung der Niere mit Kontrastmittel (Urographie) kann Hinweise auf Krebs liefern.

Um festzustellen, ob der Tumor in andere Organe gestreut hat, schliessen sich weitere Untersuchungen an, beispielsweise eine spezielle Untersuchung der Knochen mit radioaktiv markierten Substanzen (Knochenszintigraphie), eine Röntgenuntersuchung der Lunge und eine Ultraschalluntersuchung der Leber.

6. Therapie

Die Nierenkrebs-Therapie besteht zunächst in einer Operation. In den meisten Fällen wird dabei die betroffene Niere vollständig entfernt, um sicherzustellen, dass kein Tumorgewebe im Körper zurückbleibt. Die zweite, meist gesunde Niere kann die Funktion der fehlenden Niere vollständig ersetzen.

Hat sich der Tumor bereits in andere Organe ausgebreitet, kann im Anschluss an die Operation eine Strahlentherapie sinnvoll sein. Mit ihrer Hilfe werden zum Beispiel entfernt abgesiedelte Krebszellen (Metastasen) zerstört und am weiteren Wachstum gehindert. Darüber hinaus lindert die Bestrahlung als Nierenkrebs-Therapie auch Symptome wie Knochenschmerzen.

Auch eine zusätzliche Immuntherapie mit sogenannten Zytokinen (Interleukin-2, Interferon-Alpha, 5-Fluorouracil) ist möglich. Hierdurch soll das Immunsystem angeregt werden, seine Abwehr gegen das im Körper verbliebene Tumorgewebe zu richten. Die Wirkung der Immuntherapie bei Nierenkrebs ist derzeit allerdings noch umstritten, weshalb immer wieder neue Studien zur ihrer Erprobung durchgeführt werden.

Die meisten bei einer Chemotherapie eingesetzten Medikamente (Zytostatika) können die bösartig entarteten Nierenzellen nicht angreifen. Eine Chemotherapie ist bei Nierenkrebs daher in der Regel nicht wirksam.

7. Verlauf

Komplikationen

Im Verlauf der Erkrankung kann es bei Nierenkrebs zu Komplikationen kommen. Bösartige Nierentumoren neigen dazu, sich über die Lymph- und Blutgefässe im Körper auszubreiten und Tochtergeschwulste (Metastasen) vor allem in Lymphknoten, der Lunge und den Knochen, seltener in der Leber und im Gehirn zu bilden. In der Folge können lebensbedrohliche Komplikationen bei Nierenkrebs, wie die Verstopfung von Blutgefässen durch Gerinnsel (Embolien) oder eine Lungenentzündung entstehen. Daher ist eine frühzeitige und adäquate Behandlung sehr wichtig.

Prognose

Entscheidend für den weiteren Verlauf der Krankheit ist, wann der Nierenkrebs erkannt wird. Heilungsraten von 80 bis 90 Prozent sind in einem frühen Stadium möglich. Durch den inzwischen weit verbreiteten Einsatz von Ultraschall ist es heute möglich, viele der Tumoren zu erkennen, bevor sie in andere Organe streuen. Und das heisst: Man kann sie rechtzeitig behandeln.

Rehabilitation

Im Anschluss an die Behandlung von Nierenkrebs sind keine speziellen Rehabilitationsmassnahmen nötig. Die meisten Patienten können vier bis sechs Wochen nach der Operation ihre berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen.

Nachsorge

Regelmässige Nachsorgeuntersuchungen bei Nierenkrebs werden nach der operativen Entfernung des Nierentumors über einen Zeitraum von zehn Jahren durchgeführt. Sie erfolgen anfangs alle drei Monate, später ein- bis zweimal im Jahr. Neben einer gründlichen körperlichen Untersuchung und einer Blutentnahme sind eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs und regelmässige Röntgenuntersuchungen der Lunge notwendig. Wenn Beschwerden auftreten, empfiehlt es sich, auch zwischen den festgesetzten Nachsorgeterminen einen Arzt aufzusuchen.

8. Vorbeugen

Bei Nierenkrebs sind bisher keine gezielten Massnahmen zum Vorbeugen bekannt. Allerdings sollten Sie bestimmte Risikofaktoren wie fettreiche Ernährung oder Rauchen meiden. Die Einnahme von Schmerzmitteln ist häufig notwendig und angebracht – um eine unkontrollierte Verwendung dieser Medikamente und damit ein erhöhtes Risiko für Nierenkrebs zu vermeiden, empfiehlt es sich, bei wiederkehrenden Schmerzen (z.B. Migräneanfälle) einen Arzt aufzusuchen. Er kann Sie gezielt beraten.

Treten Beschwerden wie unklare Rückenschmerzen oder Blut im Urin auf, sollten Sie in jedem Fall ein Arzt aufsuchen, damit dieser die Ursache feststellt.