1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit, Tabaksucht, Tabakabhängigkeit)

Von

1. Überblick

Menschen mit Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) verspüren ein zwanghaftes Bedürfnis, Nikotin zu konsumieren. Dies geschieht vor allem in Form von Tabak über Zigaretten (weshalb man die Sucht nach Nikotin auch als Zigarettensucht bezeichnet).

Nikotinsucht ist weit verbreitet: Fast 2 Millionen Schweizer rauchen. Dabei ist nicht die Menge dafür entscheidend, ob eine Nikotinabhängigkeit entsteht:
Auch wer weniger als sechs Zigaretten täglich raucht, kann eine Nikotinsucht entwickeln! Dies trifft vor allem auf Kinder und Jugendliche zu: Vier von fünf Jugendlichen, die höchstens fünf Zigaretten pro Tag rauchen, zeigen deutliche Anzeichen einer Nikotinabhängigkeit.

Die Nikotinsucht beziehungsweise das Rauchen ist extrem gesundheitsschädlich. Die Ursachen hierfür sind jedoch nicht nur im Nikotin zu finden, sondern auch darin, dass der Zigarettentabak weitere giftige Stoffe enthält. Zu den möglichen Folgen des Rauchens gehören:

Anzeige

Entsprechend sterben in der Schweiz Menschen an Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenerkrankungen, die auf das Rauchen beziehungsweise den Tabakkonsum zurückzuführen sind. Obwohl diese Risiken praktisch allen Menschen bekannt sind, nimmt die Zahl der Raucher nicht deutlich ab. Dabei stehen viele Methoden zur Verfügung, die Raucher dabei unterstützen können, ihre Nikotinsucht erfolgreich zu bekämpfen.

Die negativen gesundheitlichen Folgen von Nikotinsucht beziehungsweise Tabakkonsum haben dazu geführt, dass man zunehmend strengere Richtlinien für die Werbung, den Verkauf und Konsum von Zigaretten fordert und umsetzt:

  • So haben sich zum Beispiel die Preise für Tabak und Zigaretten in den letzten Jahren drastisch erhöht.
  • Zudem ist seit dem 1. Mai 2010 ist das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen (BG) in Kraft.
  • Des Weiteren haben bereits verschiedene Kantone ein gesetzliches Schutzalter von 16 oder 18 Jahren bezüglich Verkauf und Abgabe von Tabakwaren an Kinder und Jugendliche eingeführt.

2. Definition

Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) ist das zwanghafte Bedürfnis nach Nikotin. Der Nikotinkonsum kann durch Rauchen (Zigarette, Zigarre oder Pfeife) oder Schnupfen von Tabak erfolgen – die meisten Tabakkonsumenten rauchen Zigaretten. Daher spricht man auch von Zigarettensucht, Zigarettenabhängigkeit, Tabaksucht oder Tabakabhängigkeit. Nikotin ist eine giftige pflanzliche Stickstoffverbindung (ein sog. Alkaloid), die gezielt auf Nerven und Gehirn wirkt und eine Sucht hervorrufen kann. In reiner Form ist Nikotin hochgiftig: Bereits 0,05 Gramm sind für den Menschen tödlich. Vor allem Nachtschattengewächse, besonders die Tabakpflanze (Nicotiana tabacum L.), enthalten Nikotin. Sein natürlicher Nutzen besteht vermutlich darin, die Pflanzen für gefrässige Insekten oder andere Tiere ungeniessbar zu machen.

Nikotinabhängigkeit kann durch jede Form von Nikotinkonsum entstehen – durch Rauchen (Zigarette, Zigarre oder Pfeife) oder Schnupfen von Tabak. Die meisten Tabakkonsumenten rauchen Zigaretten. Daher ist anstelle von Nikotinsucht oft auch von Zigarettensucht die Rede. Die Betroffenen sind auf das Nikotin angewiesen – dabei kann sowohl eine seelische (psychische) als auch eine körperliche (physische) Abhängigkeit bestehen:

  • Seelische Abhängigkeit von Nikotin: Wer seelisch nikotinabhängig ist, verspürt ein übermächtiges inneres Verlangen, Nikotin immer wieder zu konsumieren (sog. Craving).
  • Körperliche Abhängigkeit von Nikotin: Wer körperlich nikotinsüchtig ist, zeigt zusätzlich körperliche Entzugserscheinungen beim Fehlen von Nikotin.

Eine Nikotinabhängigkeit wirkt sich bei jedem Raucher sehr unterschiedlich aus. Bei einer Raucherentwöhnung zeigt etwa ein Drittel der entwöhnten Raucher in den ersten Wochen starke körperliche Entzugserscheinungen. Ein weiteres Drittel erlebt einen milden körperlichen Entzug, während beim letzten Drittel die Nikotinsucht keine körperlichen, sondern ausschliesslich psychische Entzugserscheinungen auslöst.

Anzeige

Historisches

Benannt ist das für die Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) verantwortliche Nikotin nach dem französischen Diplomaten und Gelehrten Jean Nicot, der im 16. Jahrhundert den Tabak in Europa eingeführt haben soll.

Die Entdeckung des Nutzens der Tabakpflanze (Nicotiana tabacum L.) geht auf die amerikanischen Ureinwohner zurück. Innerhalb des Alltags und der Zeremonien einzelner Indianerstämme hielten die Indianer Rauchrituale ab. Dazu sammelten und mischten sie verschiedene Pflanzen. Tabak diente dabei als Trägersubstanz, die vor allem gewährleistete, dass die Rauchmischung gleichmässig abbrannte. Im Zug der europäischen Eroberung Nordamerikas gelangte die Tabakpflanze nach Europa.

Häufigkeit

Die Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) ist weit verbreitet: Fast 2 Millionen Schweizer rauchen, die Mehrheit von ihnen ist abhängig. Dabei ist die Häufigkeit des Tabakkonsums in der männlichen Bevölkerung grösser als in der weiblichen: 32 Prozent aller Männer und 23 Prozent aller Frauen rauchen gelegentlich bis regelmässig. Die meisten Raucher finden sich bei den jungen Erwachsenen in der Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen. Deutlich zurück gehen die Zahlen allerdings erst im höheren Lebensalter (ab 65).

Nikotinsucht beziehungsweise Zigarettensucht hat schwerwiegende gesundheitliche Folgen, was sich in der Häufigkeit der Todesfälle durch Rauchen widerspiegelt: Jedes Jahr sterben in der Schweiz mehr als 9'000 Menschen an durch Tabakkonsum verursachten Krankheiten. Je nach Rauchverhalten haben Raucher ein bis zu viermal höheres Krebsrisiko als Nichtraucher.

3. Ursachen

Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) kann sich schnell durch regelmässiges Rauchen ergeben. Dies hat seine Ursachen darin, dass Nikotin ein hochgiftiges Suchtmittel ist und – anders als viele andere körperfremde Stoffe – die sogenannte Blut-Hirn-Schranke durchdringen und so ins Gehirn gelangen kann:

  • Nach dem Inhalieren von Zigarettenrauch gelangt das Nikotin zunächst über die Lunge in die Blutbahn. Im Gehirn angekommen, erreicht das Nikotin die für die Reizwahrnehmung des Nervensystems verantwortlichen Sinneszellen (Rezeptoren) für einen bestimmten körpereigenen Botenstoff (Neurotransmitter), dem Nikotin in seiner Struktur ähnlich ist: Acetylcholin. Aufgrund der ähnlichen Struktur kann das Nikotin an den Bindungstellen (Rezeptoren) von Acetylcholin andocken. Diese Fähigkeit ist eine Ursache für die Entstehung der Nikotinsucht: Dockt Nikotin an den Acetylcholin-Rezeptor an, löst dies die Ausschüttung anderer unterschiedlicher Botenstoffe aus: zum Beispiel Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und Endorphine. Das Ergebnis dieser Ausschüttung ist, dass sich der Körper anspannt: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Durchblutung der inneren Organe und der Arme und Beine ist vermindert, die Körpertemperatur sinkt. Diese Form der Anspannung ist der typischen instinktiven Reaktion auf eine Bedrohung ähnlich, bei der sich der Körper auf eine Flucht oder einen Angriff vorbereitet.
  • Nach einer Weile beginnt der Gehalt der Botenstoffe wieder zu sinken, die Rezeptoren sind nicht mehr angeregt. Der Körper zeigt Entzugssymptome und fordert mehr Nikotin. Kommen die Betroffenen dieser Forderung nach und rauchen, schliesst sich der Suchtkreislauf – es kann eine Nikotinsucht entstehen. Bei regelmässigem Tabakkonsum bilden sich nach und nach immer mehr Nikotinrezeptoren, die gleichzeitig zunehmend unempfindlicher für Nikotin sind. Dies hat zur Folge, dass die Betroffenen immer mehr Nikotin zuführen müssen, um eine vermeintlich entspannende Wirkung hervorzurufen.

Eine Nikotinsucht beziehungsweise Zigarettensucht muss ihre Ursachen aber nicht ausschliesslich im Nikotin haben: Unter den mehr als 600 Zusatzstoffen, welche die Zigarettenhersteller dem Tabak beimischen, sind vermutlich weitere Suchtstoffe zu finden, die eine Tabaksucht begünstigen.

Für die Entstehung der Nikotinsucht reichen als Ursachen schon weniger als sechs Zigaretten pro Tag aus! Kinder und Jugendliche haben ein besonders hohes Risiko, schon durch einen geringen Konsum von Nikotin eine Sucht zu entwickeln: Bei 80 Prozent der Jugendlichen, die bis zu fünf Zigaretten täglich rauchen, treten Anzeichen für eine Nikotinabhängigkeit auf.

Anzeige

Die entspannende Wirkung des Nikotins

An der Entstehung von Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) sind mehrere Faktoren beteiligt – eine der Ursachen ist die entspannende Wirkung des Nikotins:

Ein Zug an einer Zigarette bringt den Körper in einen regelrechten Alarmzustand. Dennoch empfinden die meisten Raucher die Wirkung einer Zigarette als entspannend, da sich Nikotin besonders auf das Belohnungszentrum im Gehirn auswirkt – genauer auf den sogenannten Nucleus accumbens. Daneben entsteht beim Nikotinabbau im Körper Nikotinsäure, ein Vitamin des Vitamin-B-Komplexes, das gefässerweiternd wirkt und die geistige Leistungsfähigkeit steigert. Während bei einem Nichtraucher die belohnende und entspannende Wirkung des Nikotins etwa 120 Minuten anhält, dauert sie bei starken Rauchern mit ausgeprägter Nikotinsucht nur noch etwa 30 Minuten an. Dies ist eine der Ursachen für das Verlangen, erneut eine Zigarette zu rauchen.

In sieben Sekunden im Gehirn

Die für eine Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) verantwortlichen Ursachen sind nicht nur im Stoff selbst zu finden, sondern in der Art, wie man ihn aufnimmt: Die meisten Raucher inhalieren den Zigarettenrauch – so ist das Nikotin in höchstens sieben Sekunden im Gehirn angelangt. Jeder Zigarettenzug verursacht einen fast explosiven Anschub des Gehirnstoffwechsels – einen regelrechten Kick. Obwohl beim Rauchentzug als Nikotinersatz dienende Nikotinpflaster oder Nikotinkaugummi die gleiche Menge Nikotin wie Zigaretten abgeben, lässt sich dies bei kaum einem Raucher mit dem Gefühl der Nikotinaufnahme über die Lunge vergleichen. Der plötzliche Kick nach einem tiefen Lungenzug bewirkt ein kurzes Gefühl der Entspannung und Belohnung, das bald wieder vergeht und eine stille Unzufriedenheit hinterlässt – und vor allem den Wunsch nach mehr.

4. Symptome

Die mit Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) verbundenen Symptome betreffen nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche (Seele). Die verschiedenen körperlichen und seelischen Anzeichen der Zigarettensucht sind sowohl bei der Aufnahme von Nikotin als auch beim Entzug von Nikotin zu beobachten.

Nikotinaufnahme

Nikotin ruft sowohl bei Menschen mit Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) als auch bei Menschen, die nur gelegentlich rauchen, Symptome hervor. Die Nikotinaufnahme regt an und hemmt, stresst und entspannt den Körper zugleich.

  • Unter der Wirkung von Nikotin schlägt das Herz schneller, der Blutdruck steigt, die Durchblutung ist vermindert und die Körpertemperatur sinkt.
  • Baut der Körper Nikotin ab, entsteht Nikotinsäure, ein Vitamin des Vitamin-B-Komplexes, das die Gefässe erweitert und die psychomotorische Leistungsfähigkeit stärkt.

Nikotinentzug

Bei Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) löst ein Entzug von Nikotin Symptome aus, die man als Entzugserscheinungen bezeichnet: Typische Anzeichen für einen Nikotinentzug sind Nervosität, Reizbarkeit, mürrische oder depressive Stimmung, Aggressivität, Angst, Konzentrationsstörungen, Unruhe, Schlafstörungen, Hungergefühl und ein starkes Rauchverlangen. Diese überwiegend körperlichen Entzugssymptome bei Nikotinsucht verschwinden meist nach einer Dauer von drei bis vier Wochen.

Anzeige

Länger bleibt bei einem Nikotinentzug häufig die psychische Nikotinabhängigkeit bestehen, denn: Die meisten regelmässigen Tabakkonsumenten rauchen über viele Jahre in bestimmten Situationen. So gewöhnen sie sich an, mit dem Rauchen Ärger und Stress zu begegnen, Geselligkeit zu geniessen oder sich geistig anzuregen. Bei einer Nikotinsucht ruft eine Nikotinentwöhnung in diesen Situationen im ersten Moment eine ungewohnte Leere hervor, mit der die Betroffenen neu umgehen müssen.

Auch der Stoffwechsel muss sich beim Nikotinentzug umstellen. Bei einer Nikotinsucht verarbeitet der Körper Fette und Kohlenhydrate ohne das gewohnte Nikotin langsamer. Weil zusätzlich viele Ex-Raucher die fehlende Zigarette mit Süssigkeiten und anderem Essen ersetzen, kommt es in der ersten Zeit der Tabakentwöhnung oft zu einer Gewichtszunahme. Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, ohne zuzunehmen, achtet daher bei der Raucherentwöhnung am besten auf eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung.

5. Diagnose

Bei einer Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) ergibt sich die Diagnose aus den charakteristischen Symptomen sowie aus den Verhaltensweisen und Gewohnheiten der Betroffenen (Anamnese). Raucher gelten als nikotinabhängig, wenn mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Es ist zunehmend mehr Nikotin nötig, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
  • Bei zu geringem oder fehlendem Konsum von Nikotin treten körperliche Entzugserscheinungen auf.
  • Es besteht ein starker Drang, zu rauchen.
  • Die Betroffenen haben keine vollständige Kontrolle über Beginn, Beendigung und Menge des Nikotinkonsums.
  • Durch das Rauchen kommt es zunehmend zu einer Vernachlässigung andere Aktivitäten.
  • Die Betroffenen konsumieren weiterhin Nikotin, obwohl sie sich der schädlichen Wirkung des Rauchens bewusst sind.

Es stehen spezielle Fragebögen zur Verfügung, um bei Verdacht auf eine Nikotinsucht die Diagnose zu bestätigen. So eignet sich zum Beispiel der sogenannte Fagerström-Test zur Untersuchung einer Nikotinsucht: Dieser Test ermöglicht es, den Grad der Nikotinabhängigkeit zu ermitteln.

Zudem ist bei Nikotinsucht eine körperliche Untersuchung zur Diagnose hilfreich: Sie zeigt, ob typische Beschwerdebilder vorliegen, die bei Nikotinabhängigkeit häufig auftreten: wie zum Beispiel Raucherhusten, braun gefärbte Finger oder Unruhezustände nach längerem Verzicht auf Nikotin.

Anzeige

6. Therapie

Bei einer Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) zielt die Therapie darauf ab, mit dem Rauchen aufzuhören und sich so von der Nikotinsucht zu befreien.

Da Nikotin körperlich und psychisch abhängig macht, ist die reine Willenskraft manchmal nicht ausreichend, um die Nikotinsucht erfolgreich zu bekämpfen. Wenn der Rauchausstieg auf eigene Faust nicht direkt beim ersten Mal klappt, ist es daher wichtig, dies auf keinen Fall als Charakterschwäche auszulegen. Den grössten Erfolg verspricht eine Therapie bei Nikotinabhängigkeit, bei der Folgendes miteinander kombiniert ist:

  • Eigenmotivation
  • ärztliche und medikamentöse Unterstützung zur Milderung der körperlichen Entzugssymptome
  • Verhaltenstherapie

Unabhängig von der gewählten Therapie können Sie jedoch nur dann erfolgreich Schluss mit der Nikotinsucht machen, wenn Sie ernsthaft mit dem Rauchen aufhören möchten. Daher ist es wichtig, dass Sie sich mit dem Rauchen beschäftigen und das eigene Rauchverhalten bewusst betrachten. Erster Ansprechpartner für einen Rauchausstieg ist am besten Ihr Hausarzt. Er kann Sie während der Rauchentwöhnung beraten und begleiten.

Anzeige

Medikamente

Bei einer Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) können zur Therapie sogenannte Anti-Raucher-Pillen hilfreich sein. Diese verschreibungspflichtigen Medikamente enthalten Wirkstoffe (z.B. Vareniclin oder Bupropion), welche die Entzugserscheinungen mildern und Ihnen den Rauchausstieg erleichtern können.

Auch beim Einsatz der Anti-Raucher-Pille zur Therapie der Nikotinsucht gilt: Die Erfolgschancen sind dann am besten, wenn Sie neben der Einnahme der Medikamente psychische Unterstützung erhalten und das Rauchen ernsthaft aufgeben möchten.

Vareniclin

Zur Nikotinsucht-Therapie sind Medikamente mit verschiedenen Wirkstoffen verfügbar. Einer dieser Wirkstoffe heisst Vareniclin: Er verringert die Entzugssymptome und das Verlangen nach einer Zigarette. Im Allgemeinen nimmt man Vareniclin zur Behandlung der Nikotinsucht zwölf Wochen lang ein. Dies überbrückt den Zeitraum des sogenannten Cravings, das in der Regel nach einer Dauer von etwa zehn Wochen endet. Als Craving bezeichnet man das starke Verlangen nach einem Suchtmittel (in dem Fall Nikotin) bei Abhängigen.

Während der Nikotinsucht-Therapie mit Vareniclin kann es zu Nebenwirkungen kommen, wie zum Beispiel:

Eine Nikotinsucht-Therapie mit Vareniclin ist vor allem für Rauchausstiegwillige zu empfehlen, die keine psychiatrische Vorgeschichte haben. Wenn Sie eine psychische Erkrankung haben, ist es wichtig, dass Sie Vareniclin nur unter enger Betreuung des verschreibenden Arztes einnehmen, da in diesem Zusammenhang in seltenen Fällen Verhaltens- oder Stimmungsveränderungen und vereinzelt Selbstmordgedanken auftreten können. Wenn Sie solche Veränderungen im Rahmen der Behandlung bemerken, ist eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt unbedingt zu empfehlen.

Bupropion

Der inzwischen ebenfalls zur Nikotinsucht-Therapie verwendete Wirkstoff Bupropion kam ursprünglich bei der Behandlung von Depressionen zum Einsatz. Dabei stellte sich heraus, dass Menschen, die nikotinsüchtig waren und Bupropion-haltige Medikamente einnahmen, bei der Rauchentwöhnung weniger Verlangen nach Zigaretten und auch weniger Entzugserscheinungen hatten.

Mögliche Nebenwirkungen der Nikotinsucht-Therapie mit Bupropion sind:

Wenn es bei der Therapie einer Nikotinsucht mit Bupropion Nebenwirkungen kommt, lassen diese im Laufe der Einnahme nach. In seltenen Fällen können Krampfanfälle auftreten. Das Suchtpotenzial von Bupropion gilt als sehr gering.

Anzeige

Auch Bupropion-haltige Medikamente dürfen Sie bei bestehender psychischer Erkrankung nur unter enger Betreuung durch Ihren Arzt zur Behandlung einer Nikotinsucht einnehmen, da hier ebenfalls Verhaltens- oder Stimmungsveränderungen bis hin zu Selbstmordgedanken auftreten können.

7. Verlauf

Komplikationen

Bei einer Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) kommt es im weiteren Verlauf häufig zu Komplikationen, da Nikotin extrem gesundheitsschädlich ist: Es verengt die Blutgefässe, schädigt die Nerven und das Gehirn.

Ausserdem ist bei einer Nikotinsucht das Krebsrisiko hoch: Nikotin selbst hat zwar keine krebserregende Wirkung, beeinflusst aber biologische Prozesse, die das Wachstum von Tumoren begünstigen können. Ausserdem finden sich in Tabak neben Nikotin weitere giftige Substanzen: Das Verbrennen einer Zigarette setzt mehr als 4'800 chemische Stoffe frei. Über 90 davon sind hochgiftig und krebserregend oder stehen unter dem Verdacht, Krebs zu erregen. Zu den möglichen Folgen von Nikotinabhängigkeit beziehungsweise Rauchen gehören:

Wie schwerwiegend die möglichen Komplikationen der Nikotinsucht beziehungsweise Zigarettensucht sind, zeigt sich an deren oft tödlichem Verlauf: Jährlich sterben in der Schweiz bis zu 9'000 Menschen an Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lungenerkrankungen, die auf das Rauchen beziehungsweise den Tabakkonsum zurückzuführen sind.

Anzeige

8. Vorbeugen

Einer Nikotinsucht (Nikotinabhängigkeit) können Sie nur auf einem Weg sicher vorbeugen: indem Sie gar nicht erst mit dem Rauchen anfangen.

Um nach Möglichkeit zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche mit dem Rauchen beginnen, ist es wichtig, dass Eltern sowie andere Vertrauenspersonen ein gutes Vorbild sind. Klären Sie Ihre Kinder frühzeitig über die Risiken des Rauchens und auch darüber auf, dass Rauchen keinesfalls «cool» oder «erwachsen» ist. Aufklärende und verhaltenstherapeutische Programme an Schulen und gemeinnützigen Zentren können dies unterstützen.