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1. Überblick

Das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) ist eine seltene Krebserkrankung des lymphatischen Gewebes. Obwohl jedes Non-Hodgkin-Lymphom ein bösartiger (maligner) Tumor ist, bilden Non-Hodgkin-Lymphome eine Gruppe verschiedener Erkrankungen, deren Therapie und Prognose sich stark unterscheiden.

Ein Non-Hodgkin-Lymphom kann sich aus jedem lymphatischen Gewebe – innerhalb und ausserhalb der Lymphknoten – und aus in ihrer Funktion unterschiedlichen Zellen entwickeln. Warum ein Non-Hodgkin-Lymphom entsteht, ist ungeklärt; allerdings sind mehrere Faktoren bekannt, die das Risiko für die Entstehung von Non-Hodgkin-Lymphomen nachweislich erhöhen. Zu diesen Risikofaktoren zählen:

  • bestimmte Virusinfektionen (Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus, HI-Virus oder humanen T-Zell-Leukämievirus)
  • chronische Magenschleimhautentzündung durch Infektion mit Helicobacter pylori
  • Schäden am Erbgut (z.B. durch radioaktive Strahlung)
  • chemische Substanzen (z.B. organische Lösungsmittel sowie Mittel zur Unkrautvernichtung, Insektenbekämpfung und Pilzvernichtung)
  • höheres Alter
  • Rauchen

Non-Hodgkin-Lymphome können verschiedene Symptome auslösen, die zunächst oft wenig kennzeichnend sind. Wie schnell ein Non-Hodgkin-Lymphom Symptome verursacht, hängt von seiner Bösartigkeit ab:

  • Ein indolentes oder niedrigmalignes (d.h. weniger bösartiges) Non-Hodgkin-Lymphom entwickelt sich eher schleichend,
  • ein aggressives oder hochmalignes (d.h. sehr bösartiges) Non-Hodgkin-Lymphom breitet sich dagegen sehr rasch aus und macht sich deutlich bemerkbar.

Wichtigstes Anzeichen für ein Non-Hodgkin-Lymphom ist die schmerzlose Lymphknotenschwellung. Daneben können zum Beispiel folgende allgemeine Beschwerden auftreten:

  • unklares Fieber
  • Nachtschweiss
  • Gewichtsverlust
  • Müdigkeit und Schwäche

Die Diagnose erfolgt beim Non-Hodgkin-Lymphom anhand einer Gewebeprobe aus einem vergrösserten Lymphknoten. Für die NHL-Therapie stehen neben der Chemotherapie und Strahlentherapie andere Massnahmen (z.B. Antikörpertherapie, Operation) zur Verfügung. Wie sich ein Non-Hodgkin-Lymphom die Lebenserwartung auswirkt, hängt in erster Linie von der jeweiligen Form und vom Krankheitsstadium ab. Allgemein gilt: Je früher bei einem Non-Hodgkin-Lymphom die Diagnose gelingt, desto höher sind die Heilungschancen.

2. Definition

Das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) gehört – wie der Morbus Hodgkin (Hodgkin-Lymphom) – zur Gruppe der bösartigen (malignen) Lymphome. Ein malignes Lymphom ist ein bösartiger Tumor, der seinen Ursprung im lymphatischen Gewebe hat. Per Definition gilt: Jedes maligne Lymphom, das kein Hodgkin-Lymphom ist, ist ein sogenanntes Non-Hodgkin-Lymphom. Das heisst: Alle bösartigen Lymphome, bei denen die typischen Hodgkin-Krebszellen nicht nachzuweisen sind, sind Non-Hodgkin-Lymphome. Eine Unterscheidung ist nur durch die feingewebliche (histologische) Untersuchung möglich.

Jedes Non-Hodgkin-Lymphom stammt ursprünglich von Zellen des lymphatischen Gewebes ab: den sogenannten Lymphozyten. Diese Zellen gehören zu den weissen Blutkörperchen und sind für die Immunabwehr verantwortlich. Es gibt zwei verschiedene Arten von Lymphozyten, die bei der Immunabwehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen: die B-Lymphozyten und die T-Lymphozyten. Lymphome unterteilt man entsprechend ihrer Abstammung in B-Zell-Lymphome und T-Zell-Lymphome. Ein Non-Hodgkin-Lymphom geht in 90 Prozent der Fälle von B-Lymphozyten aus, in 10 Prozent von T-Lymphozyten. Je nachdem, wie bösartig es ist (Malignitätsgrad), welche feingeweblichen Eigenschaften es aufweist und wie schnell es sich ausbreitet, ist das Non-Hodgkin-Lymphom ein niedrigmaligner oder hochmaligner Tumor.

Ein Non-Hodgkin-Lymphom kann sowohl von den Lymphknoten als auch von jedem anderen lymphatischen Gewebe des Körpers ausgehen. Dementsprechend teilt man die Non-Hodgkin-Lymphome in vom Lymphknoten ausgehende (nodale) und in nicht von Lymphknoten ausgehende (extranodale) Lymphome ein. Zwei Drittel aller Non-Hodgkin-Lymphome entstehen aus Lymphknoten. Dabei sind überwiegend die Lymphknoten am Hals, in der Schlüsselbeingrube, in der Achselhöhle, in der Bauchhöhle sowie in der Leistenregion, aber auch im Nasen-Rachen-Raum betroffen. Ein nicht von Lymphknoten ausgehendes Non-Hodgkin-Lymphom entstammt dem lymphatischen Gewebe wie beispielsweise dem Magen-Darm-Trakt oder dem Rachen. Ein NHL breitet sich in der direkten Umgebung des Ursprungsorts sowie durch Absiedlung der Tumorzellen auf dem Lymphweg und über die Blutbahn aus.

Die Einteilung erfolgt beim Non-Hodgkin-Lymphom vorwiegend nach der Kiel-Klassifikation, aber auch nach der REAL-Klassifikation (Revidierte Europäisch-Amerikanische Lymphom-Klassifikation).

B-Zell-Typ T-Zell-Typ
Niedrigmalignes Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)
  • chronische lymphatische Leukämie (CLL)
  • Haarzellleukämie
  • Immunozytom
  • Plasmozytom (multiples Myelom)
  • T-Zonen-Mycosis fungoides
  • Lymphogranulomatosis X
  • T-Zonen-Lymphom
Hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom (NHL)
  • grosszelliges B-Zell-Lymphom
  • Burkitt-Lymphom
  • Lymphoblastom

Stadien

Das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) zeigt verschiedene Krankheitsstadien. Die Einteilung in diese Stadien erfolgt wie beim Hodgkin-Lymphom entsprechend der Ann-Arbor-Klassifikation. Eine Ausnahme bildet die chronische lymphatische Leukämie, für die eine abweichende Einteilung üblich ist. Das klinische Stadium des Non-Hodgkin-Lymphoms gilt als Mass für den Ausbreitungsgrad der Krebserkrankung. Man unterscheidet beim Non-Hodgkin-Lymphom vier unterschiedliche und mit römischen Ziffern bezeichnete Stadien. Zusätzlich ist jedes Stadium durch den Buchstaben A oder B kategorisiert: B bedeutet das Vorhandensein der Symptome wie unklares Fieber über 38 Grad Celsius, Nachtschweiss und Gewichtsverlust, A kennzeichnet das Fehlen dieser Symptome.

Stadium I:

  • I: Befall einer einzelnen Lymphknotenregion
  • IE: Einzelner nicht-lymphatischer Herd

Stadium II:

  • II: Befall von mindestens zwei Lymphknotenregionen auf der gleichen Zwerchfellseite
  • IIE: Einzelner nicht-lymphatischer Herd neben mindestens einer Lymphknotenregion auf der gleichen Zwerchfellseite; die Milz kann bei Befall unterhalb des Zwerchfells mitbeteiligt sein

Stadium III:

  • III: Befall von Lymphknotenregionen auf beiden Zwerchfellseiten
  • IIIS: Milz ist ebenfalls befallen
  • IIIE: Nicht-lymphatischer Bezirk ist ebenfalls befallen
  • IIISE: Milz und nicht-lymphatischer Bezirk sind ebenfalls befallen

Stadium IV:

  • IV: Verstreuter oder örtlich begrenzter Befall von mindestens einem nicht-lymphatischen Gewebe (Lunge, Leber, Knochenmark) mit oder ohne Beteiligung von Lymphknoten

(E = extralymphatischer Herd, S = Milz)

Häufigkeit

Im Gegensatz zu anderen Tumorerkrankungen tritt das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) mit sehr geringer Häufigkeit auf. 

Ein Non-Hodgkin-Lymphom kann in jedem Alter auftreten, ist jedoch vor dem 3. Lebensjahr selten. Fast jedes im Kindesalter entstandene NHL ist sehr bösartig (hochmaligne). Männer entwickeln die Krebserkrankung des lymphatischen Gewebes durchschnittlich im Alter von 66 Jahren, Frauen im Alter von 70 Jahren.

3. Ursachen

Die einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) zugrunde liegenden Ursachen sind noch ungeklärt. Allerdings erhöhen mehrere Faktoren nachweislich das Risiko, ein Non-Hodgkin-Lymphom zu entwickeln. Risikofaktoren für Non-Hodgkin-Lymphome sind:

  • Bestimmte Virusinfektionen:
    • Epstein-Barr-Virus: Infektionen mit diesem Erreger können das als Burkitt-Lymphom bezeichnete hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphom verursachen, das vor allem in Afrika auftritt.
    • HI-Virus: Bei Menschen mit HIV-Infektionen ist in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien das Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome (v.a. für hochmaligne Lymphome, die auch das Zentralnervensystem befallen) deutlich erhöht.
    • Humanes T-Zell-Leukämievirus (HTLV-I): Bei Infektionen mit diesem Virus treten gehäuft T-Zell-Lymphome auf.
  • Infektion mit Helicobacter pylori: Wenn die Magenschleimhaut durch eine Infektion mit diesem Bakterium chronisch entzündet ist, besteht ein erhöhtes Risiko, ein malignes Lymphom der lymphatischen Gewebe in der Magenschleimhaut (MALT-Lymphom) zu entwickeln.
  • Schäden am Erbgut: Manche Non-Hodgkin-Lymphome sind auf einen Schaden am Erbgut zurückzuführen, der durch im Lauf des Lebens aufgetretene Veränderungen an den Erbgutträgern (Chromosomen) entstanden ist. Eine mögliche Ursache für Erbgutschäden ist zum Beispiel radioaktive Strahlung.
  • Chemische Substanzen: Verschiedene chemische Substanzen – wie Benzol und andere organische Lösungsmittel, manche Unkrautvernichtungsmittel (Pestizide), Insektenbekämpfungsmittel (Insektizide) und Pilzvernichtungsmittel – können ein Non-Hodgkin-Lymphom begünstigen.
  • Höheres Alter: Allgemein ist mit zunehmendem Alter das Risiko, ein Non-Hodgkin-Lymphom zu entwickeln, erhöht: Bei Männern beträgt das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Krebserkrankung 66 Jahre, bei Frauen 70 Jahre.
  • Rauchen: Wie für alle Krebsarten gilt auch für das Non-Hodgkin-Lymphom: Wer raucht, hat ein höheres Erkrankungsrisiko.

4. Symptome

Ein Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) kann verschiedene Symptome auslösen – je nachdem, wo sich das Lymphom befindet. Wie schnell es bei einem Non-Hodgkin-Lymphom zu Beschwerden kommt, hängt von seiner Bösartigkeit ab:

  • Ein indolentes (d.h. niedrigmalignes bzw. weniger bösartiges) Non-Hodgkin-Lymphom entwickelt sich eher schleichend,
  • während sich ein aggressives (d.h. hochmalignes bzw. sehr bösartiges) Non-Hodgkin-Lymphom sehr rasch ausbreitet und deutlich bemerkbar macht.

Leitsymptom für das Non-Hodgkin-Lymphom sind schmerzlos geschwollene Lymphknoten. Daneben können Non-Hodgkin-Lymphome abhängig von der betroffenen Körperregion folgende Symptome verursachen:

  • Beschwerden durch Verengung und Verlagerung der oberen Luftwege und Halsvenenstauungen,
  • Bauchschmerzen und Störungen des Magen-Darm-Trakts bei Lymphomen im Bauchraum,
  • Kopfschmerzen und Hirnnervenausfälle bei Befall des Zentralnervensystems (ZNS: Gehirn und Rückenmark).

Ausserdem können als Anzeichen für ein Non-Hodgkin-Lymphom Leber und Milz vergrössert sein. Darüber hinaus lösen Non-Hodgkin-Lymphome meist allgemeine Symptome aus, zum Beispiel:

  • unklares Fieber
  • Nachtschweiss
  • Gewichtsverlust
  • Müdigkeit und Schwäche

5. Diagnose

Bei einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) erfolgt die Diagnose anhand einer Gewebeprobe (Biopsie) aus einem vergrösserten Lymphknoten. Anschliessend bestimmt der Arzt das Stadium des Lymphoms nach festgelegten Kriterien. Vorliegende Beschwerden können möglicherweise darauf hinweisen, wo sich das Non-Hodgkin-Lymphom befindet.

Um das Non-Hodgkin-Lymphom im Rahmen der Diagnose einem Stadium zuordnen zu können, sind umfassende Untersuchungen erforderlich. Bei der körperlichen Untersuchung tastet der Arzt die Lymphknoten ab, bestimmt die Grösse von Leber und Milz, untersucht den Nasen-Rachen-Raum, prüft die Hirnnerven und untersucht beim Mann die Hoden.

Um das Non-Hodgkin-Lymphom richtig beurteilen zu können, ist ausserdem ein Ultraschall (Sonographie) von Hals, Achselhöhlen, Schlüsselbeingruben, Brustkorb, Bauchraum, Leistenregion und Hoden nötig. Ausserdem sind eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs, eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfs und eventuell weitere bildgebende Untersuchungen zur NHL-Diagnose sinnvoll.

Bei einem Non-Hodgkin-Lymphom trägt auch eine Blutuntersuchung zur Diagnose bei: Im Blutbild lassen sich die Standardparameter bestimmter Leberwerte und Nierenwerte überprüfen; ausserdem kann der Arzt nach bei einem Non-Hodgkin-Lymphom möglicherweise vorhandenen Viren oder anderen Erregern suchen und auf HIV testen lassen.

6. Therapie

Beim Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) hängt die Therapie davon ab, welche der unter diesem Begriff zusammengefassten Tumorerkrankungen vorliegt. Entscheidend für die Behandlung ist ausserdem, wie weit sich das Non-Hodgkin-Lymphom ausgebreitet hat, wie gross die Heilungschancen sind, wie alt die Betroffenen sind und welche Begleiterkrankungen bestehen.

Watch and wait

Bei einem nicht aggressiv verlaufenden und sehr langsam fortschreitenden Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) ohne Beschwerden ist es möglich, zunächst auf eine Therapie zu verzichten, da ein sofortiger Behandlungsbeginn keine Vorteile bringt. Diese Vorgehensweise nennt man Watch and wait, was bedeutet: beobachten und abwarten. Es ist genau zu prüfen, ob diese Strategie sinnvoll und möglich ist. Bedingung sind regelmässige und häufige Kontrollen. Wenn sich der Krankheitsverlauf ändert, kann es jederzeit erforderlich sein, mit der Therapie zu beginnen.

Antikörpertherapie

Bei einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) kommt unter Umständen zur Therapie eine sogenannte Antikörpertherapie infrage. Diese Behandlung beruht darauf, dass besondere Substanzen (der sog. monoklonale Antikörper Rituximab) in der Lage sind, bestimmte Strukturen (Antigene) auf der Oberfläche von Tumorzellen zu erkennen. Die Antikörper heften sich an die Tumorzelle und bewirken, dass das körpereigene Abwehrsystem die bösartigen Zellen zerstört. Voraussetzung für einen Behandlungserfolg ist, dass die Tumorzellen des Non-Hodgkin-Lymphoms die entsprechenden Oberflächen-Antigene besitzen. Ob dies der Fall ist, prüft der Arzt vor Beginn einer etwaigen Therapie, indem er die Zellen untersucht. In manchen Fällen kommt eine Antikörpertherapie zusammen mit einer Chemotherapie zum Einsatz.

Radioimmuntherapie

Bei einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) kann zur Therapie eine Radioimmuntherapie zum Einsatz kommen: Die Grundlage dieser Behandlung ist eine Antikörpertherapie, bei welcher der Antikörper mit einer radioaktiven Substanz verbunden ist. Der Antikörper dockt nach einem Schlüssel-Schloss-Prinzip an das Oberflächenantigen der Tumorzelle an, woraufhin die radioaktive Substanz die Zelle zerstört.

Chirurgische Therapie

Bei bestimmten Typen von Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) kommt eine chirurgische Therapie infrage: Dies ist der Fall, wenn es abhängig vom Krankheitsstadium möglich ist, ein kleines Lymphom operativ zu entfernen. Eine chirurgische Behandlung ist aber nur dann sinnvoll, wenn sich das Non-Hodgkin-Lymphom vollständig entfernen lässt. Teilentfernungen wirken sich nicht positiv auf den Verlauf der Krebserkrankung aus. Ist es nicht möglich, das Non-Hodgkin-Lymphom vollständig zu entfernen, kann eine anschliessende Chemotherapie die Heilungschancen erhöhen.

Strahlentherapie

Ein Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) ist strahlensensibel, spricht also auf eine Strahlentherapie (Radiotherapie) an. Diese Therapie ist jedoch nur örtlich wirksam: Sie wirkt nur in dem Bereich, der im Bestrahlungsfeld liegt. Da ein Non-Hodgkin-Lymphom aber nur selten begrenzt auftritt und sich bereits frühzeitig über den Blut- und Lymphweg ausbreitet, kann man es nur in wenigen Fällen durch eine alleinige Strahlenbehandlung heilen. Meistens kommt eine Strahlentherapie in Erwägung, wenn eine Chemotherapie nicht ausreichend wirksam war und örtlich begrenzte Restherde vorliegen, die für eine Bestrahlung zugänglich sind. Die Strahlentherapie kann auch zusammen mit einer Chemotherapie erfolgen.

Chemotherapie

Zur beim Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) eingesetzten Therapie gehört immer dann eine Chemotherapie, wenn ein ausgedehnter, nicht von Lymphknoten ausgehender (extranodaler) Befall vorliegt oder sich die Krebserkrankung bereits über den Blut- oder Lymphweg ausgebreitet hat. Bei der Wahl der Chemotherapie ist es wichtig zu wissen, ob das Non-Hodgkin-Lymphom ein niedrigmalignes (weniger bösartiges) oder hochmalignes (sehr bösartiges) Lymphom ist.

Niedrigmalignes Non-Hodgkin-Lymphom

Ein niedrigmalignes Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) – wie die Lymphogranulomatosis X, das Immunozytom, die Haarzellleukämie, die chronische lymphatische Leukämie oder das Plasmozytom – bereitet oft über Jahre hinweg kaum Beschwerden. In diesen Fällen würden die Nebenwirkungen einer Therapie mit Chemotherapeutika eine grössere Belastung darstellen als das Lymphom selbst. Dementsprechend kommt die Chemotherapie oft erst gegen ein niedrigmalignes Non-Hodgkin-Lymphom zum Einsatz, wenn es Beschwerden oder Komplikationen verursacht.

Hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom

Die gegen ein hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) eingesetzte Therapie verfolgt eine andere Strategie: Ein solches bösartiges Lymphom – wie das Lymphoblastom, das grosszellige B-Zell-Lymphom oder das Burkitt-Lymphom – kann man nur durch eine frühzeitig begonnene Chemotherapie heilen; unbehandelt enden hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome rasch tödlich. Bei der frühen Chemotherapie sind die Nebenwirkungen zugunsten der höheren Heilungschancen bewusst in Kauf zu nehmen.

Beim hochmalignen Non-Hodgkin-Lymphom besteht ein Problem der Chemotherapie darin, dass häufig (zu etwa 40%) das Gehirn befallen ist. Hier steht jedoch die Blut-Hirn-Schranke einer erfolgreichen Therapie im Weg: Die Chemotherapeutika sind nicht in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke in ausreichender Menge zu durchdringen. Um die Blut-Hirn-Schranke zu umgehen, gibt der Arzt das Medikament daher direkt in den Liquorraum (Hohlraumsystem im zentralen Nervensystem), der die Gehirnflüssigkeit enthält. Eine zusätzliche Bestrahlung des Gehirns ergänzt diese Behandlung. Trotz der aggressiven Chemotherapie sind Rückfälle (Rezidive) häufig. Da jedoch eine Vielzahl von Chemotherapeutika gegen ein hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom wirksam ist, besteht auch dann die Chance, die Erkrankung zu behandeln und zu heilen.

7. Verlauf

Prognose

Beim Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) hängen Verlauf und Prognose in hohem Mass von der Form der vorliegenden Krebserkrankung ab.

Niedrigmaligne (weniger bösartige) Non-Hodgkin-Lymphome können auch ohne Behandlung einen mehrere Jahre nur langsam fortschreitenden Verlauf zeigen, so dass man mit einer Therapie warten kann. Im Gegensatz dazu erfordert ein hochmalignes (sehr bösartiges) Non-Hodgkin-Lymphom einen raschen Therapiebeginn, da es ohne Behandlung eine ungünstigere Prognose hat, wobei die Lebenserwartung im ungünstigen Fall nur wenige Monate betragen kann. Trotz aggressiver Therapie neigen hochmaligne Lymphome dazu, erneut aufzutreten.

Es gibt mehrere Faktoren, die sich bei einem Non-Hodgkin-Lymphom ungünstig auf Verlauf und Prognose auswirken. Dazu gehören:

  • nicht von Lymphknoten ausgehender (extranodaler) Befall von mehr als einem Organ
  • ein Alter über 60 Jahre
  • ein schlechter Allgemeinzustand
  • die Erhöhung der LDH (Lactatdehydrogenase) im Blut

Allgemein gilt: Je früher bei einem Non-Hodgkin-Lymphom die Diagnose erfolgt, desto günstiger ist die Prognose.

Nachsorge

Bei einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) spielt für den weiteren Verlauf nach erfolgter Therapie die Nachsorge eine wichtige Rolle: Sie dient vor allem dazu, einen Rückfall (Rezidiv) und Folgeschäden rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Welche Kontrolluntersuchungen am besten in welchen zeitlichen Abständen erfolgen, hängt davon ab, welcher Typ von Non-Hodgkin-Lymphom vorlag. Allgemein besteht die Nachsorge darin, die Betroffenen körperlich zu untersuchen, verschiedene Blutwerte zu bestimmen und einige bildgebende Verfahren einzusetzen. Im Einzelfall kann weitere Diagnostik notwendig sein.

8. Vorbeugen

Es gibt keine speziellen Massnahmen, mit denen Sie einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) vorbeugen können. Wenn spezifische Symptome (vor allem schmerzlose Lymphknotenschwellungen) auftreten, lassen Sie die Ursachen am besten ärztlich abklären.