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Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Ein Oligodendrogliom ist ein Hirntumor und gehört, wie auch das Astrozytom und das Glioblastom, zur Gruppe der Gliome. Gliome entstehen aus Zellen, die im Gehirn das Stützgerüst – auch Glia genannt – bilden. Ein Oligodendrogliom kann als langsam wachsende Variante mit guter Prognose oder als schnell wachsender, bösartiger Tumor vorkommen.

Etwa zwei Prozent aller Gehirntumoren sind Oligodendrogliome. Sie treten am ehesten im mittleren Lebensalter (zwischen viertem und fünftem Lebensjahrzehnt) auf und betreffen Frauen und Männer gleich häufig. Wie andere Gliome können sie überall im Grosshirn vorkommen, befallen allerdings oft die Grosshirnhälften im Stirnbereich.

Bislang ist nicht genau entschlüsselt, was als Ursache dazu führt, dass ein Oligodendrogliom entsteht. Als Erstsymptome treten häufig Krampfanfälle (epileptische Anfälle) auf. Je nach Lage und Grösse des Tumors kommt es zu weiteren unterschiedlichen Beschwerden. Dazu gehören zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Bewusstseinsstörungen. Auch Gangunsicherheit oder Gedächtnisstörungen können als Symptome bei einem Oligodendrogliom auftreten.

Bei der Oligodendrogliom-Diagnose sind, wie bei allen anderen Hirntumoren, neben der ärztlichen Befragung auch spezielle Untersuchungen wichtig. Hat der Betroffene einen oder mehrere epileptische Anfälle erlitten, ist es zum Beispiel sinnvoll, die Hirnströme mittels einer Elektroenzephalographie – kurz EEG – zu messen. Besonders wichtig sind bei der Diagnose von Oligodendrogliomen die sogenannten bildgebenden Verfahren, hier vor allem die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT).

Die optimale Therapie – eine komplette Tumorentfernung – kann zu mehrjähriger Beschwerdefreiheit führen. Allerdings treten Oligodendrogliome in ungefähr der Hälfte der Fälle erneut auf (sog. Rezidiv). Auch lässt sich ein Oligodendrogliom nicht immer vollständig operativ entfernen. Strahlentherapie oder Chemotherapie werden dann notwendig.

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2. Definition und Ursachen

Ein Oligodendrogliom ist ein Tumor, der aus Zellen hervorgeht, die im Gehirn das Stützgerüst für die Nervenzellen bilden. Die entsprechenden Zellen heissen Oligodendrozyten. Das Stützgerüst besteht allerdings nicht nur aus Oligodendrozyten, auch andere Zelltypen (z.B. Astrozyten) kommen vor. Insgesamt bezeichnet man das Stützgewebe auch als Glia. Alle Tumoren, die aus diesem Gewebe hervorgehen, lassen sich daher unter dem Oberbegriff Gliome zusammenfassen. Der Name Oligodendrogliom leitet sich also aus der Zellbezeichnung und der Tumorgruppe ab.

Oligodendrogliome machen fünf bis acht Prozent aller Gliome des Gehirns aus. Sie treten am ehesten im mittleren Lebensalter (zwischen viertem und fünftem Lebensjahrzehnt) auf und betreffen Frauen und Männer gleich häufig. Wie andere Gliome können sie überall im Grosshirn vorkommen – oft befinden sich Oligodendrogliome allerdings in den Grosshirnhälften im Stirnbereich. Pilzförmig verbreitern sie sich dabei bis zur äusseren Hirnschicht, der Hirnrinde. Gelegentlich wachsen sie weiter und können die Hirnhäute befallen, die das Gehirn umhüllen. Oligodendrogliome neigen ausserdem zu Kalkablagerungen. Die Symptomatik dieser Tumoren richtet sich entsprechend nach ihrer Lage und Grösse.

Wenn Zellen unkontrolliert wachsen und entarten, ähneln die so entstandenen Tumorzellen den ursprünglichen, gesunden Zellen in unterschiedlichem Masse: Zellen von ausgeprägter Ähnlichkeit mit gesundem Gewebe bezeichnen Mediziner als «gut differenziert». «Schlecht differenzierte» Krebszellen ähneln kaum noch den Ursprungszellen. Diese Zellbeschaffenheit spielt eine wichtige Rolle bei der Einteilung der Gliome – und damit auch der Oligodendrogliome – in insgesamt vier Grade der WHO (Weltgesundheitsorganisation). Oligodendrogliome sind vorwiegend gut differenziert und wachsen eher langsam (WHO-Grad II). Nur etwa jedes zweite, differenzierte Oligodendrogliom kann sich dann zu der bösartigeren Variante, dem schnell wachsenden sogenannten anaplastischen Tumor entwickeln (WHO-Grad III-IV).

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3. Symptome

Bei einem Oligodendrogliom sind die ersten Symptome oft plötzliche Krampfanfälle (epileptische Anfälle). Es kommt zu diesen Anfällen, weil sich das Oligodendriogliom im Gehirn, wo es wie alle sogenannten Gliome aus dem Stützgewebe (Glia) entsteht, weiter ausbreitet. Je nach Lage und Grösse des Tumors treten weitere Beschwerden auf, zum Beispiel typische Hirndruckzeichen wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Sehstörungen und Bewusstseinsstörungen. Auch Gangunsicherheit oder Gedächtnisstörungen können vorkommen.

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4. Diagnose

Bei der Oligodendrogliom-Diagnose sind, wie bei allen anderen Hirntumoren, neben der ärztlichen Befragung auch spezielle Untersuchungen wichtig. Bei epileptischen Anfällen ist es zum Beispiel sinnvoll, die Hirnströme mittels einer Elektroenzephalographie (EEG) zu messen. Eine besonders grosse Rolle spielen jedoch die sogenannten bildgebenden Untersuchungen, hier vor allem die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT). Während im Röntgenbild des Schädels Verkalkungen des Tumors nur gelegentlich sichtbar sind, lassen sie sich mit der Computertomographie besser nachweisen. Eine genaue Einschätzung, Therapieplanung und Nachkontrolle erlaubt die Magnetresonanztomographie.

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5. Therapie

Leidet ein Patient an einem Oligodendrogliom, so ist oft die beste Therapie, diesen Hirntumor komplett zu entfernen. Oligodendrogliome zählen zu den sogenannten Gliomen und kommen in unterschiedlich bösartigen Varianten vor. Bei einem weniger bösartigen Oligodendrogliom gelingt die vollständige Operation meist gut, weil sich der Tumor häufig auf eine Hirnregion beschränkt. Höhergradige – also aggressivere – Oligodendrogliome wachsen jedoch häufig unkontrolliert «diffus») in das Hirngewebe hinein. Es ist dann schwierig bis unmöglich, einen solchen Tumor operativ zu beseitigen. Der Neurochirurg kann den Tumor dann nur zum Teil entfernen und so lediglich verkleinern. Oft schliesst sich – gerade bei den aggressiveren Oligodendrogliomen – eine Bestrahlung oder Chemotherapie an die Operation an. Diese Behandlungsansätze richten sich gegen möglicherweise im Schädel verbliebene Tumorreste und sollen ein Wiederauftreten des Tumors (sog. Rezidiv) verhindern oder hinauszögern, denn Rezidive treten bei Oligodendrogliomen gehäuft auf.

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6. Verlauf

Beim Oligodendrogliom hängen Verlauf und Prognose wesentlich davon ab, ob die Tumorzellen noch den gesunden Zellen ähneln (gut differenziertes, niedriggradiges Oligodendrogliom) oder ob der Tumor aus stark entarteten Zellen besteht (anaplastisches, höhergradiges Oligodendrogliom). Bei differenzierten, gut vom umgebenden Gewebe abgrenzbaren Tumoren ist die Prognose relativ günstig. So überleben nach geeigneter Therapie viele Patienten noch zehn Jahre oder länger. Im schwersten Stadium liegt die Überlebenszeit hingegen im Bereich von mehreren Monaten. Diese durchschnittlichen Angaben sagen aber – wie bei allen Krebserkrankungen – im Einzelfall wenig aus, haben doch Tumorgrösse und Tumorlage, Therapieverfahren sowie der Allgemeinzustand des Erkrankten einen wesentlichen Einfluss auf die Überlebenszeit.

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7. Vorbeugen

Allgemeine Massnahmen, die einem Oligodendrogliom vorbeugen, sind nicht bekannt. Generell empfiehlt es sich, unnötige Strahlung (v.a. bei Kindern) sowie Kontakt mit krebserregenden Chemikalien und Schadstoffen zu vermeiden. Eine gesunde Lebensweise, abwechslungsreiche, fettarme Ernährung, Verzicht auf Zigaretten und Alkohol sowie regelmässiger Sport unterstützen die Körperabwehr und können das allgemeine Krankheitsrisiko senken.

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