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1. Überblick

Ein PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom bzw. Ovarsyndrom) ist eine hormonelle Störung, die bei den betroffenen Frauen zu einer erhöhten Konzentration männlicher Hormone (Androgene) führt. Die Folgen sind Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit.

Die erste Beschreibung der für das PCO-Syndrom typischen Symptome stammt aus dem Jahr 1935: Demnach hatten die betroffenen Frauen Übergewicht (Adipositas), einen männlichen Behaarungstyp (Hirsutismus), vergrösserte Eierstöcke mit vielen kleinen Eibläschen (polyzystische Ovarien, PCO) und einen über 35 Tage verlängerten Menstruationszyklus (Oligomenorrhö). Nach den Verfassern dieser Beschreibung, Stein und Leventhal, bezeichnet man das PCO-Syndrom auch heute manchmal noch als Stein-Leventhal-Syndrom. Doch ausschliesslich beim klassischen Stein-Leventhal-Syndrom sind alle diese Anzeichen vorhanden. Viel häufiger ist ein polyzystisches Ovarialsyndrom nur mit einem Teil dieser Symptome verbunden.

Warum das PCO-Syndrom entsteht, ist nicht bekannt. Vermutlich spielen erbliche Faktoren und Umwelteinflüsse eine Rolle. Die Behandlung des PCO-Syndroms zielt darauf ab, die Zyklusstörungen und die Unfruchtbarkeit zu beheben und störende Behaarung zu mindern. Ausserdem soll die Therapie das Risiko für mögliche Folgen des PCOS (wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen) senken.

2. Definition

Das PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) ist eine häufige hormonelle Störung bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter. Per Definition liegt ein PCO-Syndrom vor, wenn zwei der drei folgenden Kriterien zutreffen:

 

  1. mindestens acht Zysten in den Eierstöcken (sogenannte polyzystische Ovarien)
  2. seltene Eisprünge oder ausbleibender Eisprung (Regelblutungen treten in längeren Zeitabständen oder überhaupt nicht auf)
  3. Anzeichen erhöhter männlicher Sexualhormone (Hyperandrogenismus)


Gleichzeitig sind andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome aufweisen wie das PCO-Syndrom (zum Beispiel Erkrankungen der Hirnanhangdrüse beziehungsweise Hypophyse, der Nebennieren und der Eierstöcke), auszuschliessen.

Das PCO-Syndrom oder PCOS (für engl. polycystic ovary syndrome), zu Deutsch polyzystisches Ovarialsyndrom oder polyzystisches Ovarsyndrom, bezeichnet man auch als Stein-Leventhal-Syndrom. Diese Bezeichnung geht auf Stein und Leventhal zurück, die das Syndrom ursprünglich mit Fettleibigkeit, polyzystischen vergrösserten Eierstöcken, männlichem Behaarungstyp (Hirsutismus) und ausbleibender Regelblutung beschrieben. In dieser Form findet sich das Syndrom heute allerdings recht selten. Häufiger zeigen sich verschiedene Störungen, die mit einem Teil der Symptome einhergehen, vor allem mit den vergrösserten Eierstöcken, die mehrere kleine Zysten aufweisen (polyzystische Ovarien, PCO), wobei die Hormonwerte verändert sein können.

Das PCO-Syndrom tritt recht häufig auf: In der Schweiz ist etwa jede fünfte bis zehnte Frau betroffen. Damit ist diese Hormonstörung eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit.

Männliche Hormone

Ein PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) ist mit einer erhöhten Konzentration der männlichen Hormone (Androgene) bei den betroffenen Frauen verbunden. Dass Frauen auch männliche Hormone besitzen, ist normal; ebenso haben Männer weibliche Hormone. Die männlichen Hormone bewirken bei der Frau, dass sich die nachgeordneten Geschlechtsmerkmale, wie zum Beispiel die Scham- und Achselbehaarung, ausbilden. Auch die normale Fortpflanzungsfunktion der Frau ist ohne männliche Hormone nicht möglich.

Liegen männliche Hormone jedoch in einer übermässig erhöhten Konzentration vor, kann ein PCO-Syndrom dahinterstecken. Hierbei sind Anatomie und Funktion der Eierstöcke verändert, weil die männlichen Hormone den normalen Zyklus der Eierstöcke und damit den Menstruationszyklus aufheben:

  • Die Eibläschen wachsen beim PCO-Syndrom zunächst weiter und gehen dann unter dem Einfluss der männlichen Hormone zugrunde, ohne dass eine befruchtungsfähige Eizelle ausreift.
  • Da das regelhafte Ausreifen des monatlichen Eibläschens ausbleibt, findet beim PCOS kein Eisprung (Ovulation) statt – die Betroffenen können nicht schwanger werden.
  • Wenn der Eisprung ausbleibt, entsteht auch kein Gelbkörper, der normalerweise den Menstruationszyklus in der zweiten Hälfte bestimmt. Dadurch kommt es zu den für das PCO-Syndrom typischen Zyklusstörungen: Die Abstände zwischen den Regelblutungen verlängern sich (Oligomenorrhö), manchmal bleibt die Blutung ganz aus (Amenorrhö).
  • Wenn die Eibläschen zugrunde gehen, entstehen viele kleine Narben im Eierstockgewebe. Auf Dauer führt dies zum bindegewebigen Umbau des Eierstocks, was den Eierstock in seiner Funktion als Hormonproduzent schädigt.

3. Ursachen

Das PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) geht mit Hormonstörungen einher, deren Ursachen und Entstehungsmechanismen nicht genau geklärt sind. Da das PCO-Syndrom familiär gehäuft auftritt, kommen erbliche Faktoren als Auslöser infrage. Daneben können auch Umwelteinflüsse eine Rolle spielen.

Die für das PCO-Syndrom (PCOS) typischen Hormonstörungen bedingen und verstärken sich gegenseitig:

  • Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) schüttet beim PCO-Syndrom vermehrt luteinisierendes Homon (LH) und weniger follikelstimulierendes Hormon (FSH) aus.
  • Dieses Ungleichgewicht regt im Eierstock die Bildung von männlichen Hormonen (Androgene) an. Diese wandeln sich im Fettgewebe zum Teil in weibliches Östrogen um.
  • Die dadurch erhöhte Östrogenkonzentration ist wiederum die Ursache dafür, dass der Körper beim PCO-Syndrom weniger FSH und mehr LH ausschüttet. Das regt die Bildung von männlichen Hormonen in den Eierstöcken an.
  • Der Überschuss an männlichen Hormonen in den Eierstöcken verhindert den normalen Menstruationszyklus: Der Zyklus ist beim PCO-Syndrom gestört oder die Regel bleibt ganz aus.


Das PCO-Syndrom geht auch mit einer erhöhten Ausschüttung von Insulin einher. Die dadurch erhöhte Insulinkonzentration ist eine weitere Ursache dafür, dass Frauen mit PCOS mehr männliche Hormone in den Eierstöcken bilden und vermehrt LH in der Hirnanhangdrüse ausschütten.

Die für das PCO-Syndrom typische erhöhte Konzentration männlicher Hormone im Blut (Hyperandrogenämie) kann verschiedene Ursachen haben, beispielsweise die vorzeitige oder überschiessende Bildung männlicher Hormone zu Beginn der Pubertät, dauerhafte Stresszustände, eine vermehrte Bildung des milchbildenden Hormons Prolaktin aus der Hirnanhangdrüse, eine Schilddrüsenunterfunktion oder Tumoren, die männliche Hormone bilden.

4. Symptome

Die für ein PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) typischen Symptome sind:

  • Zyklusstörungen:
    • bei etwa 50 Prozent der Frauen mit PCOS: seltene Regelblutung (Oligomenorrhö) mit einem verlängerten Zyklus von über 35 Tagen oder völlig ausbleibende Regelblutung (Amenorrhö)
    • bei etwa 30 Prozent: Schmierblutungen vor der eigentlichen Regelblutung sowie unregelmässige Zwischen- und Zusatzblutungen
       
  • männlicher Behaarungstyp (Hirsutismus) mit vermehrter Behaarung im Schamhaarbereich, das heisst Übergreifen der Haare auf die Oberschenkel, Wachstum bis an den Bauchnabel (bei etwa 70 Prozent)
  • Oberlippenbart, Haarausfall, fettige Haut und Akne; davon abzugrenzen ist die echte Vermännlichung mit Ausbildung männlicher Geschlechtsmerkmale wie einer dunkler werdenden Stimme und einer vergrösserten Klitoris
  • unterschiedlich stark ausgeprägtes Übergewicht (bei etwa 40 Prozent)
  • Unfruchtbarkeit (in 74 Prozent der Fälle)
  • Brustmilchausfluss (Galaktorrhö)
  • Diabetes mellitus
  • vermehrte Fehlgeburten


Dabei ist ein PCO-Syndrom (PCOS) nicht in jedem Fall mit all diesen Symptomen verbunden. Viel häufiger äussert sich ein polyzystisches Ovarialsyndrom nur durch einen Teil dieser Symptome. Manche sind seltener, andere häufiger zu beobachten.

5. Diagnose

Bei einem PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) liefern vor allem die Angaben der Betroffenen zu Zyklusstörungen, Pubertätsentwicklung und ungewollter Kinderlosigkeit wertvolle Hinweise für die Diagnose. Bei der körperlichen Untersuchung lässt sich feststellen, ob Anzeichen für ein PCO-Syndrom wie männlicher Behaarungstyp (Hirsutismus), Akne, Haarausfall und Übergewicht vorliegen. Anschliessend erfolgt eine gründliche gynäkologische Tastuntersuchung, um unter anderem die Grösse der Eierstöcke zu bestimmen.

Bei Verdacht auf ein PCO-Syndrom trägt unter Umständen eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke zur Diagnose bei. Diese Untersuchung kann das klassische Bild der polyzystischen Ovarien (PCO) zeigen: Im Randbereich der Eierstöcke liegen perlschnurartig aufgereiht viele kleine Eibläschen, die auch bei weiteren Ultraschalluntersuchungen im voranschreitenden Zyklus nicht wachsen.

Liegt ein polyzystisches Ovarialsyndrom vor, lassen sich bei einer Blutuntersuchung zu Beginn des Zyklus die typischen Veränderungen im Hormonmuster erkennen: So sind die Werte des Hirnanhangdrüsenhormons LH beim PCO-Syndrom stark erhöht, die des follikelstimulierenden Hormons (FSH) im Gegensatz dazu niedrig bis normal. Teilt man den LH-Wert durch den FSH-Wert, ist das Ergebnis grösser als zwei. Einzelne oder alle männlichen Hormone sind erhöht. Ausserdem ist beim PCO-Syndrom in manchen Fällen das milchbildende Hormon Prolaktin sowie in vielen Fällen das blutzuckerregulierende Insulin erhöht.

Erfolgt (zum Beispiel im Rahmen der Kinderwunschdiagnostik) eine Bauchspiegelung, zeigen sich bei einem PCO-Syndrom typische Veränderungen: Durch die vielen vorzeitig zugrunde gehenden Eibläschen bilden sich Narben, die auf Dauer den Rindenbereich des Eierstocks bindegewebig verdicken und verhärten. Die Oberfläche des Eierstocks erscheint dann glänzend weisslich und hat seine normale furchige Struktur verloren. Der Eierstock vergrössert sich. Wenn ein polyzystisches Ovarialsyndrom vorliegt, sind auch mithilfe einer feingeweblichen Untersuchung zahlreiche Veränderungen nachweisbar: Die unausgereiften Eibläschen haben sich auf das Doppelte vermehrt, ausserdem nimmt das Stützgewebe zu Ungunsten des hormonbildenden Funktionsgewebes zu.

6. Therapie

Beim PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) zielt die Therapie einerseits darauf ab, die bestehenden Symptome zu lindern. Anderseits soll die Therapie den Stoffwechsel der betroffenen Frauen normalisieren und so mögliche Spätfolgen verhindern (wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Dabei richten sich die eingesetzten Massnahmen nach Ihren Wünschen: Entscheidend für die PCOS-Behandlung ist die Frage, ob Sie einen Kinderwunsch haben oder nicht.

Wenn ein polyzystisches Ovarialsyndrom vorliegt, ist es in jedem Fall wichtig, zur Therapie zunächst ein bestehendes Übergewicht zu senken. Hat man bei Ihnen ein PCO-Syndrom (PCOS) festgestellt und möchten Sie abnehmen, ist es empfehlenswert, hierzu Ihre Ernährung umzustellen und sich ausreichend zu bewegen. Häufig lässt sich beim PCO-Syndrom schon alleine dadurch erreichen, dass sich der Zyklus reguliert und Eisprünge einsetzen.

Ohne Kinderwunsch

Die für das PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) typischen Hormonstörungen sind durch eine hormonelle Therapie behandelbar. Da hierzu in der Regel eine Antibabypille zum Einsatz kommt, die gleichzeitig eine verhütende Wirkung hat, ist diese Behandlung nur für Frauen ohne Kinderwunsch geeignet. Mithilfe der Hormonpräparate, deren Zusammensetzung gegen männliche Hormone wirkt, lässt sich der mit dem PCO-Syndrom verbundene hormonelle Teufelskreis durchbrechen. Gleichzeitig wirkt diese Therapie gegen unerwünschte PCOS-Folgeerscheinungen wie eine veränderte Behaarung und Hautprobleme.

Mit Kinderwunsch

Für Frauen mit PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom), die schwanger werden möchten, sind verhütend wirkende Hormone zur Therapie nicht geeignet. Daher bekommen Frauen mit Kinderwunsch Kortisonpräparate in niedriger Dosierung, um die Bildung männlicher Hormone in den Nebennieren zu unterdrücken. Ist bei Ihnen zu viel milchbildendes Hormon (Prolaktin) vorhanden, lässt sich seine Konzentration durch Medikamente senken. Wenn Sie neben dem PCO-Syndrom eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) haben, ist deren Behandlung ebenfalls ratsam – denn hinter einem unerfüllten Kinderwunsch kann auch eine Schilddrüsenunterfunktion stecken.

Wenn trotz dieser allgemeinen Massnahmen gegen das PCO-Syndrom kein normaler Zyklus einsetzt, besteht die Möglichkeit, den Eisprung (Ovulation) durch Antiöstrogene (zum Beispiel Clomifen) auszulösen. Wenn Ihr Blutzuckerspiegel erhöht ist (was beim PCO-Syndrom oft der Fall ist), lässt er sich durch eine Therapie mit dem Wirkstoff Metformin senken. Dieses Therapeutikum regt ebenso wie Clomifen den Eisprung und die Follikelbildung an. Bei erfolgloser Clomifen-Therapie kann Ihr Arzt Ihnen auch das follikelstimulierende Hormon (FSH) in niedriger Dosierung spritzen. Allerdings ist eine solche Behandlung mit einem erhöhten Risiko für eine plötzliche, übermässige Bildung von Eibläschen und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für höhergradige Mehrlingsschwangerschaften verbunden. Diese Therapie erfordert eine engmaschige, teilweise sogar tägliche Kontrolle. Lassen Sie sich so unbedingt nur von erfahrenen Frauenärzten, zum Beispiel mit der Zusatzbezeichnung Reproduktionsmediziner/in, behandeln.

In manchen Fällen kann es auch sinnvoll sein, ein PCO-Syndrom operativ zu behandeln. Bei dieser PCOS-Therapie punktiert der Operateur die überzähligen Zysten im Rahmen einer Bauchspiegelung (laparoskopisch) und zerstört sie mit Hitze oder einem Laser.

7. Verlauf

Die für ein PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) typischen Symptome sind von grosser Bedeutung für den Verlauf des Syndroms. Zu diesen Symptomen, die unabhängig voneinander auftreten und sich gegenseitig bedingen können, zählen Fettleibigkeit, hohe Insulinkonzentration im Blut und Überproduktion von männlichen Geschlechtshormonen. Unbehandelt stellen sie ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettstoffwechselstörungen und einen Diabetes mellitus dar. Daher ist es für eine günstige Prognose wichtig, ein PCO-Syndrom frühzeitig und angemessen zu therapieren.

8. Vorbeugen

Es ist noch nicht genau geklärt, wie ein PCO-Syndrom (PCOS, polyzystisches Ovarialsyndrom) entsteht. Demnach gibt es keine wirksamen Massnahmen zum Vorbeugen seiner Entstehung. Da jedoch die meisten Frauen mit PCO-Syndrom übergewichtig sind und schon eine leichte Gewichtsabnahme beim PCOS oft zu einer deutlichen Besserung der Symptome führt, ist es allgemein ratsam, vorbeugend Übergewicht zu vermeiden und sich ausreichend zu bewegen. Wenn Sie ein polyzystisches Ovarialsyndrom haben, können Sie ausserdem durch eine frühzeitige und konsequente Behandlung dazu beitragen, mögliche chronische Folgen der Hormon- und Stoffwechselstörungen zu verhindern.