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Pilzvergiftung

(Myzetismus)
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1. Überblick

Pilze stehen bei vielen Menschen auf dem Speiseplan. Manche gehen eigens in den Wald, um selbst Pilze für die Pfanne zu sammeln. Gerät man aber hierbei an das falsche Pilzexemplar, kann eine Pilzvergiftung (Myzetismus) die unliebsame Folge sein.

Verantwortlich für eine Pilzvergiftung sind Pilzgifte, von denen manchmal bereits kleinste Mengen ausreichen, um schwere Vergiftungserscheinungen hervorzurufen.

Die Symptome einer Pilzvergiftung können innerhalb von Minuten bis Tagen eintreten und äussern sich meist durch

  • Herz-Kreislauf-Beschwerden.


Je nachdem, welches Pilzgift die Pilzvergiftung hervorruft, sind ausserdem Beschwerden wie Hautausschlag und Atembeschwerden möglich.

Sollten nach dem Verzehr von Pilzen Krankheitszeichen auftreten, muss es nicht immer eine Vergiftung sein. Eine Pilzunverträglichkeit oder eine Pilzallergie können ebenfalls Probleme wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hervorrufen. Klären Sie wenn möglich ab, ob bei Ihnen eine Allergie oder Unverträglichkeit gegen Pilze vorliegt, bevor Sie diese essen.

Vorsicht ist beim Sammeln von Pilzen im Wald geboten. Laien ist es oft nicht möglich, bekömmliche Speisepilze von giftigen Pilzen zu unterscheiden. Erkundigen Sie sich deshalb vor dem Verzehr beziehungsweise schon vor dem Sammeln von Pilzen, welche Pilze giftig und welche zum Verzehr geeignet sind. Viele giftige Pilze ähneln den verzehrbaren bis auf kleine Details, wie es zum Beispiel beim Champignon und dem sehr giftigen Knollenblätterpilz der Fall ist.

Sollten Sie sich nicht sicher sein, ob ein Pilz, den Sie gefunden haben, giftig ist oder nicht, verzehren Sie ihn besser nicht. Essen Sie nur bekannte Pilze oder suchen Sie eine Pilzberatungsstelle auf. Ebenfalls sollten Sie verdorbene und besonders junge Pilze stehen lassen.

Wenn Sie selbstgesammelte Pilze gegessen haben, achten Sie danach besonders auf mögliche Vergiftungssymptome. Sollten nach der Pilzmahlzeit Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme auftreten, sollten Sie eine Klinik aufsuchen oder eine Giftnotrufzentrale kontaktieren. Hier ist eine rasche erste Hilfe und eine unverzügliche ärztliche Behandlung wichtig, denn Pilzvergiftungen können tödlich enden.

2. Definition

Eine Pilzvergiftung ist eine durch Pilzgifte (Pilztoxine) verursachte Erkrankung (Myzetismus). Ungiftige Pilze sind oft schwer von giftigen zu unterscheiden und nicht jeder Pilz ist gleich giftig.

In Europa sind etwa 150 Giftpilze bekannt. Davon sind der grüne Knollenblätterpilz und der Nadelholzhäubling am giftigsten.

3. Ursachen

Zu einer Pilzvergiftung kommt es, wenn man Pilze verzehrt, die giftige Substanzen enthalten. Der Verzehr einiger Giftpilze, wie Fliegenpilzen und grünen Knollenblätterpilzen, kann sogar tödliche Folgen haben.

Rohe, verdorbene oder aufgewärmte Speisepilze können ebenfalls zu Symptomen führen, die einer Pilzvergiftung ähnlich sind – Ursachen der Beschwerden sind in diesen Fällen aber nicht Pilzgifte, sondern Lebensmittelvergiftungen.

Von «echten» Pilzvergiftungen abzugrenzen sind ausserdem Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten auf Speisepilze.

4. Symptome

Bei einer Pilzvergiftung (Myzetismus) können die ersten Symptome unterschiedlich schnell auftreten – innerhalb von einer halben Stunde oder auch erst nach bis zu zehn Tagen. Die späten Vergiftungserscheinungen können durch die damit einhergehenden Leber- und Nierenschädigungen lebensbedrohlich sein.

Die Beschwerden bei einer Pilzvergiftung sind vielfältig. Häufige Symptome sind unter anderem:

Bei einer Pilzvergiftung treten die Symptome meist innerhalb von 15 Minuten bis 4 Stunden nach dem Verzehr der Giftpilze auf. Schwere, mitunter lebensbedrohliche Pilzvergiftungen verursachen dagegen häufig erst nach 6 bis 8 Stunden, oft sogar erst nach 1 bis 2 Tagen oder noch später Beschwerden.

Spät einsetzende Pilzvergiftungen sind oft lebensbedrohlich. Bekannte Krankheitsbilder sind:

  • Amatoxin-Syndrom: 8 bis 12 Stunden, selten 24 Stunden nach dem Pilzverzehr kommt es zu heftigem Erbrechen und starkem Durchfall, der über einen längeren Zeitraum anhält. Nach einer kurzzeitigen Besserung entsteht nach 1 bis 2 Tagen ein Leberschaden, der im schlimmsten Fall zu einem Leberzerfall führt.

  • Gyromitra-Syndrom: Nach 6 bis 12 Stunden, selten auch erst nach rund 50 Stunden treten dabei bis zu zwei Tage lang krampfartige Blähungen mit Übelkeit und Erbrechen auf, zum Teil entstehen auch Schwindel und Krampfanfälle. Nach 24 Stunden kommt es zu Leberschäden und Nervenstörungen.

  • Orellanus-Syndrom: Bei diesem Krankheitsbild treten teilweise 1 Tag nach dem Pilzverzehr Frühsymptome wie Übelkeit und Erbrechen auf. Nach 36 Stunden bis 14 Tagen entsteht eine Nierenschädigung, die mit Rückenschmerzen einhergeht. Zudem findet sich Eiweiss im Blut und Urin. In schweren Fällen kommt es zum Nierenversagen.

5. Diagnose

Bei einer Pilzvergiftung (Myzetismus) stellt der Arzt die erste Diagnose anhand der Symptome kurz oder einige Zeit nach dem Genuss einer Pilzmahlzeit oder eines einzelnen Pilzes (z.B. im Wald). Es ist daher wichtig, dem Arzt zu erzählen, dass man Pilze zu sich genommen hat. So kann er die Beschwerden von anderen Krankheiten wie Lebensmittelvergiftungen und Magen-Darm-Erkrankungen abgrenzen.

Idealerweise bringen Sie Reste der Pilzmahlzeit oder eine Probe von erbrochenem Mageninhalt mit. Beides kann der Arzt auf giftige Pilzreste untersuchen und so bei einer Pilzvergiftung die Diagnose sichern.

6. Therapie

Eine Pilzvergiftung (Myzetismus) ist ein Notfall, der eine sofortige Therapie erfordert. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie eine Pilzvergiftung haben, sollten Sie daher sofort einen Arzt aufsuchen oder sich an eine Vergiftungszentrale wenden. Es ist sinnvoll, Erbrochenes und Pilzreste mit ins Spital zu nehmen, denn so lässt sich dort schneller feststellen, um welche Art von Pilzvergiftung es sich handelt. Zudem hat der Arzt so die Möglichkeit, rasch das richtige Mittel zur Therapie zu finden.

Die ärztliche Behandlung einer Pilzvergiftung richtet sich nach der Art der Vergiftung. In leichten Fällen reicht es oft aus, die Beschwerden zu lindern. Zur Kontrolle überprüft der Arzt regelmässig die Atmung, den Blutdruck und den Puls. In anderen Fällen einer Pilzvergiftung ist eine Magenspülung und die Gabe von Aktivkohle nötig, um das Pilzgift wieder aus dem Körper zu entfernen. Bei manchen Giftpilzen gibt es auch Gegengifte, die der Arzt verabreichen kann.

7. Verlauf

Bei einer Pilzvergiftung (Myzetismus) hängt der weitere Verlauf besonders von der Art der aufgenommen Giftpilze ab, aber auch von der Menge und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Betroffenen. Zudem ist eine schnelle Therapie der Vergiftung besonders wichtig.

Die Symptome einer Pilzvergiftung können innerhalb von Minuten bis Tagen eintreten und äussern sich meist unter anderem durch Übelkeit, Schwindel und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Leichte Pilzvergiftungen lassen sich durch rasche und adäquate ärztliche Massnahmen behandeln und heilen ohne Folgen aus.

Einige Pilze sind allerdings so giftig, dass die Pilzvergiftung im Verlauf zu lebensbedrohlichen Leber- und Nierenschädigungen führen und sogar tödlich enden kann.

8. Vorbeugen

Was Sie beim Pilzesammeln beachten müssen:

  • Sammeln Sie nur Pilze, die Sie sicher kennen! Im Zweifel lassen Sie unbekannte Pilze lieber stehen oder verzehren Sie diese nach dem Sortieren nicht.

  • Lassen Sie verdorbene, zu alte und madige Pilze stehen.

  • Kaufen Sie sich ein gutes Pilz-Bestimmungsbuch.

  • Wenn Sie nur wenig Erfahrung beim Pilze sammeln haben, sollten Sie für den Anfang nur Pilze mit einem sogenannten Schwamm unter dem Hut mitnehmen. Viele Speisepilze wie die Marone oder der Steinpilz gehören zum Beispiel zu dieser Familie der Röhrlinge. Aber Achtung! Auch bei den Röhrlingen gibt es giftige Exemplare – darum gilt auch hier: nur Pilze essen, die Sie sicher zuordnen können.

  • Garen Sie die Pilze ausreichend lange. Viele Pilzunverträglichkeiten resultieren aus zu kurzer Garzeit! Das absolute Minimum liegt bei 15 bis 20 Minuten Garzeit.

  • Pilze sind schwer verdaulich. Essen Sie deshalb keine zu grossen Mengen.