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1. Überblick

Bei einem Pleuraerguss hat sich Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand angesammelt. Diesem Zustand können die unterschiedlichsten körperlichen Störungen zugrunde liegen.

Die Lunge und die Innenseite des Brustkorbs sind von einer feinen Haut überzogen, dem Brustfell (griechisch: Pleura). Dieses Brustfell besteht aus zwei Blättern, zwischen denen sich ein gleitender Flüssigkeitsfilm befindet. Das Brustfell nimmt täglich ein wenig von dieser Flüssigkeit auf und bildet sie im selben Masse neu. Ist dieses Gleichgewicht gestört, entsteht ein Pleuraerguss.

Die häufigsten Ursachen für einen Pleuraerguss sind bösartige Tumoren (bes. Lungenkrebs) und bakterielle Lungenentzündungen oder Tuberkulose. Dabei ist der Pleuraerguss auch ein wichtiges Leitsymptom für Erkrankungen, die nicht unmittelbar die Lunge betreffen, wie Krebserkrankungen anderer Organe, Herz-, Nieren-, Leber- und rheumatische Erkrankungen. Eine feuchte Brustfellentzündung (Pleuritis exsudatia) geht stets mit einem Pleuraerguss einher.

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Je nachdem, wie die Flüssigkeitsansammlung bei einem Pleuraerguss beschaffen ist, unterscheidet man sogenannte transsudative und exsudative Pleuraergüsse:

  • Transsudativer Pleuraerguss: Die Flüssigkeit enthält nur wenig Eiweiss – man bezeichnet sie als Transsudat. Es entsteht durch ein gestörtes Gleichgewicht zwischen Bildung und Aufnahme der Pleuraflüssigkeit durch das Brustfell, wobei das Brustfell selbst jedoch nicht erkrankt oder geschädigt ist.
  • Exsudativer Pleuraerguss: Die Flüssigkeit enthält viel Eiweiss – man bezeichnet sie als Exsudat. Exsudate sind wegen des höheren Eiweissgehalts schwerer als Transsudate. Sie entstehen durch entzündliche Prozesse oder Tumoren, die eine erhöhte Durchlässigkeit des Brustfells oder eine Behinderung des Lymphabflusses aus dem Pleuraraum verursachen.

Ein Pleuraerguss kann sich – abhängig von der Menge der angesammelten Flüssigkeit – durch Atemnot, leicht erhöhte Körpertemperatur oder Fieber und abgeschwächte Atemgeräusche äussern. Diagnostizierbar sind Pleuraergüsse anhand einer Untersuchung der Atemwege (Abklopfen der Körperoberfläche, Abhören des Brustkorbs) und mit bildgebender Diagnostik (z.B. Sonographie). Durch eine sogenannte Pleurapunktion lässt sich eine Probe der Flüssigkeit gewinnen, um die Ursache für den Pleuraerguss zu ermitteln. Die Behandlung besteht vor allem darin, die Grunderkrankung zu beheben.

2. Definition

Ein Pleuraerguss ist eine Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustkorb. Die Lunge und die Innenseite des Brustkorbs sind von einer feinen Haut überzogen, dem Brustfell (griechisch: Pleura). Dieses Brustfell besteht aus:

  • Pleura pulmonalis (oder auch Pleura visceralis, Lungenfell), einer dünnen Gewebsschicht, die sich auf der Oberfläche beider Lungen befindet
  • Pleura parietalis (Brustfell im eigentlichen Sinn), einer dünnen Gewebsschicht, welche die Innenwände des Brustkorbs, die Oberseite des Zwerchfells und den Herzbeutel bedeckt – alles Berührungspunkte der Lungen im Brustkorb

Ist die Lunge normal ausgedehnt, liegen die beiden Blätter des Brustfells aufeinander. Dazwischen befindet sich ein gleitender Flüssigkeitsfilm von normalerweise etwa 15 Millilitern. Das Brustfell nimmt täglich zehn Milliliter von dieser Flüssigkeit auf und bildet sie im selben Masse neu. Ist dieses Gleichgewicht gestört, entsteht ein Pleuraerguss. Die überschüssige Flüssigkeit sammelt sich der Schwerkraft folgend stets an der tiefsten Stelle des Brustkorbs an.

Je nach Beschaffenheit unterteilt man die Flüssigkeit bei einem Pleuraerguss in zwei verschiedene Kategorien:

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  • Transsudat: Die Pleuraflüssigkeit ist durch einen geringen Eiweissgehalt gekennzeichnet. Ein transsudativer Pleuraerguss ist die Folge eines gestörten Gleichgewichts zwischen Bildung und Aufnahme der Pleuraflüssigkeit durch das Brustfell, wobei das Brustfell selbst jedoch nicht erkrankt oder geschädigt ist.
  • Exsudat: Die Flüssigkeit enthält viel Eiweiss und ist daher schwerer als Transsudate. Exsudative Pleuraergüsse entstehen durch entzündliche Prozesse oder Tumoren, welche die Durchlässigkeit des Brustfells erhöhen oder den Lymphabfluss aus dem Pleuraraum behindern.

3. Ursachen

Einem Pleuraerguss können als Ursachen viele verschiedene Erkrankungen zugrunde liegen, die nicht unmittelbar die Lunge betreffen müssen. Beispielsweise kann ein Pleuraerguss ein Leitsymptom für folgende Störungen sein:

  • bösartige Tumoren wie beispielsweise Lungenkrebs, Brustkrebs oder Eierstockkrebs, Pleuramesotheliom, Nierenzellkarzinom, bösartige Lymphome ( Non-Hodgkin-Lymphome oder Hodgkin-Lymphome)
  • Entzündungen: Lungenentzündung, Tuberkulose, Bauchspeicheldrüsenentzündung, rheumatische Erkrankungen
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Veränderung der Eiweisszusammensetzung im Blut (Hypalbuminämie) bei Leberzirrhose oder Nierenstörungen (nephrotisches Syndrom)

Pleuraergüsse, bei denen die Pleuraflüssigkeit ein sogenanntes Transsudat ist (d.h. wenig Eiweiss enthält), entstehen am häufigsten durch eine Herzinsuffizienz, eine Lungenembolie oder eine Leberzirrhose. Einem Pleuraerguss, bei dem die Pleuraflüssigkeit ein sogenanntes Exsudat ist (d.h. viel Eiweiss enthält), liegt als Ursache meistens eine Lungenentzündung, ein bösartiger Tumor oder ebenfalls eine Lungenembolie zugrunde. Insgesamt sind bösartige Tumoren die häufigsten Pleuraerguss-Ursachen: Sie sind für etwa die Hälfte aller Pleuraergüsse verantwortlich. Die bakterielle Lungenentzündung ist (mit etwa 30%) zweithäufigster Auslöser; eine Herzinsuffizienz liegt jedem 10. Pleuraerguss zugrunde.

4. Symptome

Ein Pleuraerguss, bei dem sich Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustwand angesammelt hat, kann sich durch verschiedene Symptome äussern. Zum einen kann ein Pleuraerguss zu Atemnot führen. Dieses Symptom tritt vor allem bei körperlicher Belastung auf. Zum anderen ist eine leicht erhöhte Temperatur oder Fieber möglich. Die Betroffenen können auch ein Engegefühl im Brustkorb verspüren.

Wie stark die mit dem Pleuraerguss verbundenen Symptome ausgeprägt sind, hängt von der Menge der zwischen Lunge und Brustwand angesammelten Flüssigkeit und von der Ursache für die Flüssigkeitsansammlung ab: Pleuraergüsse können im Rahmen unterschiedlichster körperlicher Störungen auftreten. Dabei ist ein Pleuraerguss auch ein wichtiges Anzeichen für Erkrankungen, die nicht unmittelbar die Lunge betreffen (wie z.B. Krebserkrankungen anderer Organe, Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen und rheumatische Erkrankungen). Daher stehen bei Menschen mit Pleuraergüssen oft andere Symptome im Vordergrund, die auf die zugrunde liegende Erkrankung zurückzuführen sind.

Ein Pleuraerguss selbst führt häufig nicht zu ausgeprägten Beschwerden und stört das Allgemeinbefinden kaum. Atmungsabhängige Schmerzen im Brustkorb, die typische Symptome für eine trockene Brustfellentzündung sind, bestehen bei einem Pleuraerguss nicht.

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Da der Pleuraerguss eine Flüssigkeitsansammlung ist, verändert er durch Atembewegungen seine Form. Diese Formveränderung beim Atmen lässt sich mithilfe einer Sonographie sichtbar machen: Wenn die Ultraschallwellen auf den Pleuraerguss treffen, reflektiert dieser sie nicht zurück (da er flüssig ist), was Mediziner als echofrei bezeichnen. Auf dem Ultraschallbild ist der Erguss als schwarzer Fleck sichtbar. Mithilfe der Sonographie lässt sich ein Pleuraerguss also gut nachweisen, auch wenn dieser ansonsten keine spürbaren Symptome auslöst.

5. Diagnose

Bei Verdacht auf einen Pleuraerguss erfolgt zur Diagnose zunächst eine körperliche Untersuchung. Hierbei beobachtet der Arzt vor allem die Atemwege, klopft die Körperoberfläche ab und hört den Brustkorb ab. Ein gedämpfter Klopfschall und verminderte Atemgeräusche können erste Hinweise auf einen Pleuraerguss sein. Um den eigentlichen Pleuraerguss nachzuweisen, kommt moderne Diagnostik zum Einsatz: Hierbei ist vor allem die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) geeignet; eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) und eine Computertomographie können auch hilfreich sein.

Liegt ein Pleuraerguss vor, ist es zur Diagnose seiner Ursachen erforderlich, über eine Punktion eine Probe des Ergusses zu entnehmen. Bei dieser sogenannten Pleurapunktion schiebt der Arzt unter sonographischer Kontrolle eine Nadel zwischen den unteren Rippen vor und entnimmt etwas Flüssigkeit. Aussehen und Beschaffenheit der Flüssigkeit liefern erste Hinweise auf die möglichen Ursachen. Durch die nachfolgende Messung von Eiweissgehalt, Gewicht und Zellgehalt (z.B. Entzündungszellen oder Tumorzellen) der Probe lässt sich möglicherweise weiter eingrenzen, wodurch der Pleuraerguss verursacht wurde.

Bleibt der Auslöser für den Pleuraerguss weiterhin unklar, ist zur Diagnose ein Endoskop nützlich, mit dem der Arzt das Brustfell direkt betrachten und Proben entnehmen kann. Diese als Thorakoskopie bezeichnete Untersuchung besteht darin, zunächst die Schichten des Brustfells mit einem neutralen Gas aufzuweiten und – ähnlich wie bei einer Bauchspiegelung – über einen Hautschnitt ein Sichtgerät in den Brustkorb einzuführen.

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6. Therapie

Bei einem Pleuraerguss zielt die Therapie in erster Linie auf die Grundkrankheit ab. Eine physikalische Behandlung – zum Beispiel durch Atemgymnastik, Wärmebestrahlung oder Brustwickel – kann dazu beitragen, Komplikationen zu vermeiden und Ihr Allgemeinbefinden zu bessern.

Bei einem ausgedehnten Pleuraerguss oder nicht behandelbaren Grundkrankheiten gibt es verschiedene Möglichkeiten der Therapie:

  • Therapeutische Pleurapunktion: Wenn ein ausgedehnter Pleuraerguss starke Beschwerden wie Atemnot verursacht, kann die therapeutische Punktion des Brustfells (Pleura) eine deutliche Erleichterung verschaffen. Wie bei der diagnostischen Pleurapunktion zieht der Arzt dabei mit einer Nadel Flüssigkeit aus dem Brustkorb heraus. Die bei jeder Punktion abgelassene Menge beträgt in der Regel 500 bis 1'000 Milliliter.
  • Thoraxsaugdrainage: Bildet sich ein Pleuraerguss nicht zurück oder besteht eine bakterielle Infektion, so dass sich Eiter ansammelt (Pleuraempyem), ist zur Therapie eine dauerhafte Drainage des Brustfells sinnvoll. Dazu führt der Arzt über eine Nadel ein Gummirohr im Bereich des Ergusses ein, das einige Tage im Brustkorb bleibt. Am äusseren Ende des Gummirohrs sorgt ein Ventil für ein stetiges Absaugen von Pleuraflüssigkeit und sonstigem Sekret. Bei einer Infektion ist es auch möglich, das Brustfell über diese Drainage zu spülen – zum Beispiel mit Antibiotika.
  • Pleurodese: Ist die Grundkrankheit, die zu einem belastenden Pleuraerguss führt, selbst nicht behandelbar, kann es hilfreich sein, die beiden Blätter des Brustfells gezielt miteinander zu verkleben. Dies erfolgt durch über eine Thoraxsaugdrainage eingebrachte Medikamente.
  • Therapeutische Thorakoskopie: Führt eine bakterielle Infektion zu einem Pleuraerguss mit ausgedehnten Vereiterungen (Pleuraempyem) oder Verwachsungen im Pleuraspalt, kann der Arzt diese operativ über ein Endoskop entfernen (Dekortation). Diese Therapie stellt die volle Entfaltung der Lunge wieder her, was zu Ihrer rascheren Erholung beiträgt.
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7. Verlauf

Bei einem Pleuraerguss hängt der Verlauf wesentlich von der zugrunde liegenden Ursache und deren erfolgreicher Behandlung ab.

Bei einem nicht behobenen Pleuraerguss können sich feine Membranen bilden, die zu einer sogenannten Kammerung des Pleuraergusses führen. Im weiteren Verlauf kann sich die angesammelte Flüssigkeit verfestigen und aufgrund ihrer raumfordernden Wirkung zu dauerhaften Atembeschwerden führen.

Wenn eine Lungenentzündung zu dem Pleuraerguss geführt hat, kann die Entzündung in ihrem Verlauf auf den Erguss übergreifen. Dann wirkt die durch eine Punktion aus dem Brustkorb gewonnene Flüssigkeit (sog. Pleurapunktion) typischerweise eitrig; die Symptome der Entzündung wie Fieber und Abgeschlagenheit verschlimmern sich deutlich. Ein eitriger Pleuraerguss ist ein sogenanntes Pleuraempyem. Eitrige Pleuraergüsse können auch entstehen, wenn Umweltkeime durch ärztliche Massnahmen wie eine Punktion oder Drainage in den Brustraum gelangen. Daher ist es hierbei wichtig, genau auf steriles Arbeiten zu achten.

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8. Vorbeugen

Ein Pleuraerguss kann die Folge verschiedenster Grunderkrankungen sein, weshalb Sie ihm nur eingeschränkt vorbeugen können. Da beispielsweise eine trockene Brustfellentzündung in eine feuchte Brustfellentzündung übergehen kann, die stets mit einem Pleuraerguss einhergeht, ist es bei atmungsbezogenen Schmerzen ratsam, möglichst rasch einen Facharzt aufzusuchen. Durch eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind kompliziertere Verlaufsformen bei einem Pleuraerguss vermeidbar.