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Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Plötzlicher Herztod ist in der Schweiz mit etwa 10'000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen. Öffentliche Beachtung findet ein plötzlicher Herztod jedoch vor allem, wenn er bei jungen Menschen auftritt, zum Beispiel im Sport.

Ein plötzlicher Herztod liegt vor, wenn ein Herzversagen unerwartet über eine plötzliche Bewusstlosigkeit spätestens 24 Stunden nach Beginn der akuten Beschwerden zu einem natürlichen Tod führt. Tritt der plötzliche Herztod augenblicklich ein, spricht man vom Sekundentod.

Plötzlicher Herztod ist die direkte Folge von Herzrhythmusstörungen – am häufigsten handelt es sich um Kammertachykardien, Kammerflattern und Kammerflimmern. Die Herzrhythmusstörungen verursachen einen unerwarteten Herz-Kreislauf-Stillstand, der bereits nach ein bis zwei Minuten zum Bewusstseinsverlust führt. Dabei kann ein plötzlicher Herztod verschiedene Ursachen haben. Welche das sind, hängt vor allem vom Alter der Betroffenen ab:

  • Bei Erwachsenen spielt die koronare Herzkrankheit die mit Abstand grösste Rolle (das Risiko ist besonders hoch, wenn sie bereits einen Herzinfarkt hatten), während
  • bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen überwiegend erbliche Faktoren, Herzmuskelentzündungen oder Veränderungen der Herzkranzgefässe für einen plötzlichen Herztod verantwortlich sind.

Ein plötzlicher Herztod kündigt sich – mit oder ohne Symptome von Herzproblemen – durch eine schnell eintretende Bewusstlosigkeit an. Der typische Ablauf ist:

  • Die Betroffenen fallen um oder sinken in sich zusammen und reagieren auf nichts,
  • sie haben keinen fühlbaren Puls;
  • nach spätestens einer Minute kommt es zum Atemstillstand,
  • die Pupillen sind erweitert,
  • die Haut verfärbt sich (zuerst an Fingernägeln und Schleimhäuten) aschgrau;
  • ohne Behandlung tritt der Sekundentod ein.

Droht ein plötzlicher Herztod, besteht neben der lebensverlängernden sofortigen Herz-Lungen-Wiederbelebung die einzig rettende Massnahme in der sogenannten Defibrillation: Hierbei soll ein als Defibrillator (kurz: Defi) bezeichnetes Gerät das Herz über Elektroschocks dazu bringen, wieder normal zu schlagen. Dabei ist schnelles Handeln sehr wichtig, da bereits nach drei bis vier Minuten bleibende Gehirnschäden entstehen können und dies ohne frühzeitiges Eingreifen in 90 Prozent der Fälle zum Tod führt.

Ein plötzlicher Herztod lässt sich – auch bei bestehender Herzerkrankung – weitgehend verhindern: Dazu ist es wichtig, dass sich die Betroffenen an eine auf sie zugeschnittene Therapie halten. Wenn diese Basistherapie allein nicht ausreicht, kann ein Herzschrittmacher (interner Defibrillator) weiterhelfen. Dieser bewahrt Betroffene mit grosser Sicherheit vor einem tödlichen Ausgang eines Kammerflimmerns.

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2. Definition

Ein plötzlicher Herztod (engl.: Sudden Cardiac Death, SCD) ist per Definition ein unerwarteter, natürlicher, durch das Herz verursachter Tod bei Menschen mit bekannter oder unbekannter Herzerkrankung, an dessen Anfang ein plötzlicher Bewusstseinsverlust steht und der innerhalb der ersten 24 Stunden nach Symptombeginn eintritt.

Ein plötzlicher Herztod ist die Folge einer Herzrhythmusstörung, also einer Störung in der Erregungsleitung des Herzens: Dabei erhält das Herz keine regelmässigen elektrischen Impulse mehr, die normalerweise den Herzmuskel dazu bringen, sich zusammenzuziehen (Kontraktion). Infolgedessen gerät das Herz aus seinem gewohnten Rhythmus: Seine Schlagzahl steigt in den meisten Fällen stark an – von gewöhnlich 60 bis 80 Schlägen auf teilweise über 500 Schläge pro Minute. Daraus entsteht ein Herzkammerflimmern – unkoordinierte Kontraktionen der einzelnen Herzmuskelfasern. Dies bedeutet Herzversagen – es ist keine einheitliche Kontraktion des Herzmuskels mehr möglich, so dass das Herz auch kein Blut mehr in das Kreislaufsystem pumpen kann. Das Kammerflimmern führt daher – ohne sofortige Behandlung – in Sekunden dazu, dass der Kreislauf zusammenbricht (Kreislaufstillstand). Die Betroffenen sind nach ein bis zwei Minuten bewusstlos. Mit bleibenden Schäden ist nach drei bis fünf Minuten zu rechnen, nach durchschnittlich zehn Minuten tritt der Hirntod ein.

Häufigkeit

Plötzlicher Herztod tritt in der Schweiz mit einer Häufigkeit von jährlich etwa 10'000 Fällen auf – meistens während oder direkt nach einer extremen körperlichen Belastung. Laut Statistik zählt plötzlicher Herztod somit noch vor Krebs und Schlaganfall zu den häufigsten Todesursachen. Dennoch scheint die Öffentlichkeit den plötzlichen Herztod im Vergleich zu anderen Todesursachen stark zu unterschätzen.

Plötzlicher Herztod nimmt mit steigendem Alter an Häufigkeit zu. Männer haben ein höheres Risiko als Frauen, besonders bei bereits bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung.

3. Ursachen

Ein plötzlicher Herztod kann verschiedene Ursachen haben, die über eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung zu Kreislaufversagen führen. Die für den plötzlichen Herztod direkt verantwortlichen Herzrhythmusstörungen sind in mehr als 80 Prozent der Fälle hochfrequente beziehungsweise tachykarde Herzrhythmusstörungen: Kammertachykardien, Kammerflattern und Kammerflimmern. Nur ein geringer Anteil entfällt auf niederfrequente oder bradykarde Herzrhythmusstörungen. Letztere können zum Beispiel entstehen, wenn der natürliche Schrittmacher des Herzens, der Sinusknoten, ausfällt oder wenn die Erregungsübertragung von den Vorhöfen auf die Kammern gestört ist und somit keine hinreichende Herzleistung mehr möglich ist. Schlägt das Herz nicht mehr, liegt eine sogenannte Asystolie vor.

Hauptursache für Herzrhythmusstörungen und somit für den plötzlichen Herztod oder Sekundentod ist eine koronare Herzkrankheit; seltener hat ein plötzlicher Herztod seine Ursachen in anderen Herzerkrankungen wie Herzmuskelentzündung oder Herzklappenfehler. Zu den Risikofaktoren, die einen plötzlichen Herztod begünstigen, zählen:

  • frühere Herzinfarkte
  • Zeichen einer Herzleistungsschwäche mit eingeschränkter Pumpfunktion, wie zum Beispiel Luftnot bereits in Ruhe oder unter Belastung
  • ein bereits einmal überlebter Herz-Kreislauf-Stillstand
  • eine ungünstige erbliche Veranlagung (plötzlicher Herztod bei Familienangehörigen)
  • bereits im Vorfeld bei einem Langzeit-EKG festgestellte Herzrhythmusstörungen
  • hohes Lebensalter
  • klassische herzschädigende Faktoren wie
    • Diabetes mellitus
    • Bluthochdruck
    • erhöhte Cholesterinwerte (Hyperlipoproteinämie, Hyperlipidämie)
    • Rauchen
    • starker Alkoholkonsum
    • mangelnde Bewegung

Dabei hat ein plötzlicher Herztod bei jungen Menschen meist andere Ursachen als bei älteren. Je nach Lebensalter stehen folgende Faktoren als Auslöser für einen plötzlichen Herztod im Vordergrund:

  • Bei Erwachsenen spielt die koronare Herzkrankheit die mit Abstand grösste Rolle. Das Risiko für einen plötzlichen Herztod im Erwachsenenalter ist besonders hoch, wenn infolge der Herzkrankheit bereits ein Herzinfarkt aufgetreten ist.
  • Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind überwiegend erbliche Faktoren, Herzmuskelentzündungen oder Veränderungen der Herzkranzgefässe für einen plötzlichen Herztod verantwortlich.

Obwohl regelmässige Bewegung nachweislich die Herzgesundheit fördert, kann – bei bestehenden Risikofaktoren – ein plötzlicher Herztod seine unmittelbaren Ursachen in einer sehr starken körperlichen Belastung (z.B. beim Sport) haben: In über 80 Prozent aller Fälle ereignet sich ein plötzlicher Herztod während oder direkt nach einer extremen körperlichen Belastung.

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4. Symptome

Ein plötzlicher Herztod ist durch deutliche Symptome gekennzeichnet:

  • Die Betroffenen fallen um oder sinken in sich zusammen und reagieren nicht auf Ansprache und Schmerzreize. Diese schnell eintretende Bewusstlosigkeit kann mit oder ohne vorausgehende Herzsymptomatik auftreten.
  • An der Halsschlagader ist kein Puls mehr zu ertasten.
  • Spätestens nach einer Minute kommt es auch zum Atemstillstand: Die Atembewegung des Brustkorbs setzt aus, aus Mund und Nase strömt keine Atemluft mehr.
  • Die Pupillen sind erweitert.
  • Die Haut verfärbt sich aschgrau, was zuerst an Fingernägeln und Schleimhäuten sichtbar ist.
  • Ohne Behandlung tritt der Sekundentod ein.

Ein plötzlicher Herztod tritt häufig ohne deutliche vorherige Symptome auf: In der Hälfte aller Fälle sind scheinbar herzgesunde Menschen betroffen. Doch auch wenn sich keine Anzeichen einer Herzkrankheit zeigen, sind die Herzkranzgefässe vieler Menschen bereits fortgeschritten durch Arteriosklerose verändert (koronare Herzkrankheit). Wenn diese Veränderungen erstmalig zu Beschwerden führen, kann es zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und nachfolgend zum plötzlichen Herztod kommen.

Umso wichtiger ist es, auf erste Symptome einer möglichen Herzkrankheit zu achten, durch die ein plötzlicher Herztod entstehen kann:

  • Zu diesen Symptomen zählen ein Engegefühl oder Schmerzen in der Brust, die in den linken Arm oder den Unterkiefer ausstrahlen. Die Beschwerden treten typischerweise nach Belastungen und überwiegend in den Morgenstunden auf.
  • Weitere häufige Anzeichen sind Atemnot und ein allgemeines Schwächegefühl – diese Symptomatik kann jedoch auch alleine auftreten und ist unbedingt weiter abzuklären.
  • Auch wiederholte Anfälle von Schwindel und Ohnmacht, bei denen das Bewusstsein innerhalb von Sekunden und Minuten von selbst wiederkehrt, müssen nicht, können aber erste Alarmzeichen für einen bevorstehenden plötzlichen Herztod darstellen.
  • Bei Menschen mit einem früheren Herzinfarkt oder einer bekannten Herzschwäche ist ein vorübergehendes spürbares Herzrasen besonders zu beachten.
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5. Diagnose

Ein plötzlicher Herztod geht mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand einher, dessen Diagnose anhand der typischen Symptome wie plötzliche Bewusstlosigkeit und fehlender Puls erfolgt. Der plötzliche Herztod ist ein hochgradig lebensbedrohlicher Notfall. Liegen entsprechende Anzeichen vor, ist die sofortige Reanimation erforderlich.

Wenn ein plötzlicher Herztod droht, steht in seltenen Fällen ein EKG-Gerät zur Verfügung, mit dem die Diagnose der zugrunde liegenden Herzrhythmusstörung möglich ist.

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6. Therapie

Droht ein plötzlicher Herztod, ist eine schnelle Therapie erforderlich: Nur durch geeignete Sofortmassnahmen lässt sich verhindern, dass ein schneller Tod (Sekundenherztod) eintritt.

Ein plötzlicher Herztod lässt sich bei Kammerflimmern unmittelbar nur durch eine lebensrettende Therapie aus frühestmöglicher Defibrillation und (wenn nötig) gleichzeitiger lebensverlängernder Herz-Lungen-Wiederbelebung abwenden:

  • Bei der Defibrillation verabreicht man den vom plötzlichen Herztod Betroffenen mit einem Elektroschockgerät (dem Defilbrillator, kurz: Defi) über Elektroden an der Brust einen starken Strom- beziehungsweise Spannungsimpuls. Dieser soll die elektrische Aktivität des Herzens neu ausrichten und so das Herz dazu bringen, wieder normal zu schlagen. Die für diese Sofortmassnahme nötigen Defibrillatoren stehen in allen Notarztwagen zur Verfügung.
  • Bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung erfolgt eine Herzdruckmassage, indem man kräftig Druck auf den Brustkorb des Bewusstlosen ausübt, so dass der Brustkorb mindestens fünf Zentimeter einsinkt. Dies geschieht 30-mal (in schnellem Rhythmus: mehr als 3-mal in 2 Sekunden drücken). Dann unterbricht man die Herzdruckmassage, um den Bewusstlosen 2-mal zu beatmen. Nach der Atemspende wieder 30-mal Herzdruckmassage, dann 2-mal Atemspende usw.

Lässt sich ein plötzlicher Herztod durch diese Sofortmassnahmen verhindern, hängt die weitere Therapie vom Einzelfall ab: Liegt eine Erkrankung vor, bei der ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod besteht, ist diese Grunderkrankung zu behandeln. Dabei können neben der medikamentösen Behandlung Gefässstützen (Stents) zum Einsatz kommen, die verengte Herzkranzarterien aufdehnen (Dilatation), oder eine Bypass-Operation.

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7. Verlauf

Droht ein plötzlicher Herztod, hängt der weitere Verlauf in hohem Masse davon ab, wie schnell lebensrettende Sofortmassnahmen erfolgen: In der Schweiz beträgt die Überlebensrate bei plötzlichem Herztod derzeit circa 5 Prozent. Diese Werte liegen weit hinter denen der USA zurück: Dort überleben landesweit etwa 15 Prozent der Betroffenen – mit örtlichen Spitzen von bis zu 60 Prozent. Die beste Prognose findet sich in Gegenden, wo man auf die sogenannte Public Access Defibrillation (PAD) setzt – mit öffentlich zugänglichen Defibrillatoren zum Beispiel in den Casinos in Las Vegas, wo das Sicherheitspersonal dank entsprechender Schulungen Wiederbelebungsmassnahmen beherrscht und automatische externe Defibrillatoren zur Verfügung stehen.

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8. Vorbeugen

Ein plötzlicher Herztod muss nicht sein: Durch geeignete Massnahmen zum Vorbeugen von Herzerkrankungen können Sie ihn weitgehend vermeiden. Die wichtigste Strategie zum Vorbeugen eines plötzlichen Herztods besteht darin, ein erhöhtes Risiko besonders frühzeitig zu erkennen, auch wenn noch keine Herzbeschwerden vorliegen. Dieses Risiko ist umso höher, je mehr der inzwischen als klassisch einzustufenden begünstigenden Faktoren vorliegen. Zu diesen klassischen Risikofaktoren gehören unter anderem:

Ein plötzlicher Herztod ist bei gesunder Lebensweise mit regelmässigem, gemässigtem Sport demnach unwahrscheinlicher.

Neben den klassischen Risikofaktoren führt ausserdem Folgendes dazu, dass ein plötzlicher Herztod eher eintritt:

  • früherer Herzinfarkt
  • Zeichen einer Herzleistungsschwäche
  • überlebter plötzlicher Herztod
  • ungünstige erbliche Veranlagung
  • bekannte Herzrhythmusstörungen

Nur einer dieser Faktoren reicht aus, um das Risiko für den plötzlichen Herztod zu erhöhen. Wenn Sie zur Risikogruppe gehören, sprechen Sie am besten mit ihrem Hausarzt oder mit einem Kardiologen über geeignete Massnahmen zur Prävention, damit ein möglicher plötzlicher Herztod nicht eintritt.

In erster Linie ist zur Vorbeugung eines plötzlichen Herztods die Grunderkrankung zu behandeln, wobei neben Medikamenten eine Aufdehung (Dilatation) verengter Herzkrankarterien mithilfe von Gefässstützen (Stents) oder eine Bypass-Operation infrage kommen können. Als vorbeugende Medikamente sind Beta-Blocker und Antiarrhythmika geeignet. Trotz der Vielfalt verfügbarer Medikamente und der erweiterten Kenntnisse in deren Wirkungsmechanismen bieten Medikamente allein jedoch keinen ausreichenden Schutz vor dem plötzlichen Herztod: Besonders wenn Sie schon einmal einen Herzstillstand beziehungsweise Kreislaufversagen erlebt haben, beträgt Ihr Risiko, innerhalb eines Jahres von einem erneuten Ereignis betroffen zu sein, 30 bis 50 Prozent.

Damit ein plötzlicher Herztod unwahrscheinlich bleibt, bieten sich in solchen Fällen ergänzende Behandlungsmethoden wie der implantierbare Defibrillator (ICD, implantierbarer Kardioverter/Defibrillator) an. Derartige Geräte stellen verkleinerte Elektroschockgeräte (Defibrillatoren) dar, die wie Schrittmacher zu implantieren sind und mit 98 Prozent den grösstmöglichen Schutz vor dem tödlichen Ausgang einer erneuten bedrohlichen Herzrhythmusstörung bieten können.

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