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1. Überblick

Prostatakrebs (Prostatakarzinom) ist in der Schweiz die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Wird Prostatakrebs in einem frühen, gut behandelbaren Stadium entdeckt, bestehen gute Heilungschancen. Meist kommt es erst im fortgeschrittenen Stadium zu Beschwerden, die aber nicht eindeutig für ein Prostatakarzinom sprechen, sondern auch bei anderen Erkrankungen auftreten können.

Da typische Symptome fehlen, spielt die Früherkennung von Prostatakrebs eine Schlüsselrolle und ist Grundlage für eine erfolgreiche Therapie.

Die Früherkennungs-Untersuchung auf Prostatakrebs umfasst die Tastuntersuchung, bei der der Arzt mit dem Finger die Prostata (Vorsteherdrüse) vom Darm aus abtastet. Ergibt sich der Verdacht auf ein Prostatakarzinom, werden in Absprache weitere Untersuchungen wie zum Beispiel ein PSA-Test gemacht, um den möglichen Befund zu bestätigen. Beispielsweise kann eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden.

Steht die Diagnose Prostatakrebs fest, muss der Betroffene nach eingehender Beratung mit seinem Arzt entscheiden, welche Behandlung für ihn infrage kommt. Es gibt mehrere Therapiemöglichkeiten bei einem Prostatakarzinom, die sich nach der Art und dem Stadium des Tumors sowie den individuellen Bedürfnissen und dem Alter des Betroffenen richten. Das Spektrum reicht von kontrolliertem Abwarten über eine reine Bestrahlungstherapie bis zur sogenannten Prostatektomie (Prostataentfernung), bei der die gesamte Vorsteherdrüse in einer Operation entfernt wird. Bei weiter fortgeschrittenen Fällen und im höheren Alter kommt häufig eine Hormontherapie zum Einsatz.

In den Fällen, wo der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnosestellung bereits in andere Organe gestreut hat (Metastasierung), ist der Prostatakrebs zwar nicht mehr heilbar, aber dennoch behandelbar. Eine weitere Ausbreitung des Prostatakarzinoms lässt sich somit bei vielen Männern verzögern.

2. Definition

Einen bösartigen Tumor der Prostata (Vorsteherdrüse) bezeichnet man als Prostatakrebs (Prostatakarzinom). Er ist in der Schweiz der häufigste Krebs beim Mann. Ungefähr 30 Prozent aller bei Männern jährlich neu auftretenden Krebserkrankungen betreffen die Prostata, pro Jahr kommt es zu rund 5'800 Neuerkrankungen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 70 Jahren. Vor dem 50. Lebensjahr tritt das Prostatakarzinom kaum auf.

Anatomie und Lage

Die Vorsteherdrüse, lateinisch Prostata, ist Teil der männlichen Fortpflanzungsorgane und zählt zu den inneren Geschlechtsorganen. Eine kurze anatomische Beschreibung hilft, sich die Lagebeziehungen der Prostata zu Darm und Harnblase vorstellen zu können. Entsprechend leichter versteht man, wie eine Veränderung der Grösse und Form der Prostata zu bestimmten Symptomen führt und welchen Einfluss dies auf Diagnose und Therapie des Prostatakrebses hat.

Die Prostata ist etwa so gross wie eine Kastanie und liegt unterhalb der Harnblase. Sie umschliesst dort den Anfangsteil der Harnröhre, die den Urin von der Blase durch den Penis bis zur Öffnung an der Eichelspitze transportiert. Hierdurch ergibt sich auch der Zusammenhang zu etwaigen Beschwerden beim Wasserlassen. Die Lage der Prostata vor dem Mastdarm (Rektum, ein Teil des Enddarms) ermöglicht dem Untersucher, mit dem durch den After eingeführten Finger durch die Darmwand hindurch die Prostata abzutasten. Dies ist für die Früherkennung von Prostatakrebs von grösster Bedeutung.

In ihrem Drüsengewebe produziert die Prostata ein spezielles Sekret, das einen wichtigen Bestandteil der Samenflüssigkeit ausmacht und die Beweglichkeit der Spermien stimuliert. Prostatakrebs bildet sich in den meisten Fällen in diesem Drüsengewebe. Auch Muskelgewebe, das für das Ausstossen des Sekrets sorgt, und Bindegewebe durchziehen die Prostata.

Stummes oder latentes Prostatakarzinom

Beim Prostatakrebs findet sich eine interessante Besonderheit: Untersuchungen an verstorbenen Männern haben ergeben, dass etwas 30 Prozent der Männer über 50 Jahren ein sogenanntes stummes Prostatakarzinom in sich tragen, bei dem zu Lebzeiten keinerlei Beschwerden auftreten. Bei dieser Art von Prostatakrebs bedarf es in der Regel auch keiner Behandlung.

3. Ursachen

Für Prostatakrebs (Prostatakarzinom) gibt es viele Ursachen. Diese sind bis heute nicht vollständig geklärt. Mehrere Risikofaktoren werden für ein gehäuftes Auftreten verantwortlich gemacht: Als gesichert gilt ein familiäres Risiko, wobei mittlerweile eine Veränderung des Erbguts identifiziert wurde, welche die Krankheitsentstehung begünstigt. Sind Vater oder Bruder an Prostatakrebs erkrankt, verdoppelt sich das Risiko, selbst ein Prostatakarzinom zu bekommen. Sind Vater und Bruder oder weitere Verwandte von einem Prostatakarzinom betroffen, steigt das Risiko für Prostatakrebs auf das Fünf- bis Elffache an. Männer mit erblicher Vorbelastung erkranken ausserdem in jüngerem Alter als der Durchschnitt an Prostatakrebs. Somit wird diesen Männern empfohlen, frühzeitig urologische Untersuchungen in Anspruch zu nehmen. Schätzungen zufolge sind genetische Faktoren bei etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle von Prostatakrebs die Ursachen.

Generell spielt das Alter eine sehr wichtige Rolle bei der Entstehung von Prostatakrebs. Ab dem 50. Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit, an einem Tumor der Vorsteherdrüse zu erkranken, steil an. Mehr als 80 Prozent der Männer mit Prostatakarzinom sind älter als 60 Jahre.

Auch Hormone sind bei Prostatakrebs mögliche Ursachen – vor allem das männliche Sexualhormon Testosteron. Ohne Testosteron kann kein Prostatakarzinom entstehen. Möglicherweise kommen auch weitere Hormone als Prostatakrebs-Ursachen infrage.

Inwiefern der Lebensstil und die Ernährung das Auftreten von Prostatakrebs beeinflussen, ist noch nicht vollständig geklärt. Bisher gibt es keine Beweise, dass einzelne Lebensmittel oder Nahrungsbestandteile, die das Risiko für ein Prostatakarzinom erhöhen oder senken. Vermutlich spielt aber Bewegungsmangel eine Rolle. Mediziner raten deshalb insgesamt zu einem gesunden Lebensstil mit ausreichend Bewegung und einer gesunden Ernährung mit wenig Fett und Fleisch, stattdessen viel Gemüse, Obst und Ballaststoffen.

Ob die im fortgeschrittenen Lebensalter häufig vorkommende, gutartige Vergrösserung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie, BPH) als Prostatakrebs-Ursache infrage kommt, ist ebenfalls noch nicht abschliessend geklärt.

4. Symptome

Solange der Prostatakrebs (Prostatakarzinom) noch klein ist, verursacht er meist keine Symptome – gibt also keine Warnsignale ab. Daher kann das Prostatakarzinom zu Beginn nur im Rahmen von Früherkennungs-Untersuchungen entdeckt werden. Ist der Krebs beim Abtasten der Prostata vom Mastdarm aus fühlbar, so ist er meist schon fortgeschritten. Selbst in dieser Zeit bestehen in der Regel noch keine Symptome. Sind aber bereits Absiedelungen (Metastasen) – zum Beispiel in den Knochen – vorhanden, haben Betroffene meist Schmerzen.

Die Prostatakrebs-Symptome treten erst relativ spät auf und sind oft wenig charakteristisch. Mögliche Anzeichen für ein Prostatakarzinom können sein:

  • Probleme beim Wasserlassen, vermehrter Harndrang
  • Schwierigkeiten, den Darm zu entleeren
  • Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit
  • Schmerzen beim Samenerguss
  • Schmerzen in der Prostata

Diese Beschwerden können auch bei anderen Erkrankungen wie einer gutartigen Prostatavergrösserung auftreten und sind keine eindeutigen Prostatakrebs-Symptome. Nur etwa jeder zehnte Mann mit diesen Beschwerden hat tatsächlich ein Prostatakarzinom.

Sind bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) in den Knochen vorhanden, können bei Prostatakrebs auch Symptome wie starke Schmerzen im unteren Rückenbereich, der Hüfte oder den Beinen auftreten.

5. Diagnose

Häufig wird die Diagnose Prostatakrebs (Prostatakarzinom) während einer Früherkennungs-Untersuchung gestellt. Manchen Männern macht dies Angst. Vergegenwärtigt man sich aber die Chance, den Prostatakrebs früh zu entdecken, wird der Nutzen der Früherkennung deutlich. Ist der Krebs noch auf die Prostata begrenzt, sind die Heilungsaussichten sehr gut. Oft finden sich bei der Untersuchung auch Befunde, die sich nach weiterer Abklärung als nicht bösartig erweisen.

Bei der Prostatakrebs-Diagnose befragt der Arzt den Patienten zunächst nach seinen Beschwerden und untersucht ihn. Eine wichtige Untersuchung bei der Prostatakarzinom-Diagnose ist die Tastuntersuchung mit dem Finger (digital-rektale Untersuchung). Dazu führt der Arzt (Urologe) den Zeigefinger in den Enddarm ein und kann so die Prostata durch die Darmwand hindurch abtasten und untersuchen. Er achtet dabei unter anderem auf die Grösse und Beschaffenheit der Prostata.

Nur mit der Tastuntersuchung kann der Arzt noch keine Prostatakrebs-Diagnose stellen. Deshalb führt der Arzt zusätzlich eine Blutuntersuchung – den sogenannten PSA-Test – durch: Er überprüft den Wert des sogenannten prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut. Dieser Wert wird in Nanogramm (ng) pro Milliliter (ml) gemessen. PSA ist ein Eiweiss, das nur die Prostata bildet. Bei einem Prostatakarzinom steigt der PSA-Wert stark an, allerdings auch bei anderen Erkrankungen der Vorsteherdrüse, zum Beispiel eine Prostataentzündung (Prostatitis). Er kann deshalb nur einen Hinweis auf Prostatakrebs geben und die Diagnose unterstützen. Ist der PSA-Wert erhöht, sollte er regelmässig kontrolliert werden:

  • PSA-Wert unter 2 ng/ml: Kontrolle alle 2 Jahre
  • PSA-Wert zwischen 2 und 4 ng/ml: jährliche Kontrolle

Liegt der PSA-Wert über 4 ng/ml, kann dies ein Hinweise für Prostatakrebs sein und der Arzt sollte zur weiteren Diagnose etwas Gewebe aus der Prostata entnehmen (Biopsie) und auf Krebszellen untersuchen. Eine Gewebeprobeentnahme ist auch dann sinnvoll, wenn der PSA-Wert im Verlauf der Kontrolluntersuchungen auffällig ansteigt.

Ein weiteres Untersuchungsverfahren beim Verdacht auf ein Prostatakarzinom ist der transrektale Ultraschall. Dabei führt der Arzt den Schallkopf in den Darm ein und untersucht über die Darmwand die Prostata. Da dieses Verfahren nicht genauer ist als die Tastuntersuchung, wird es nur ergänzend zur Prostatakrebs-Diagnose eingesetzt.

Gewebeentnahme (Biopsie)

Besteht nach der digital-rektalen Tastuntersuchung und dem PSA-Test der Verdacht auf Prostatakrebs (Prostatakarzinom), führt der Arzt für die genaue Diagnose eine Biopsie durch. Dazu entnimmt er mit einer dünnen Hohlnadel über den Darm etwa zehn bis zwölf Gewebeproben aus der Prostata, die anschliessend auf Krebszellen untersucht werden. Mit Ultraschall kontrolliert der Arzt die Position der Hohlnadel, damit er die Proben an den richtigen Stellen entnimmt. Die Biopsie erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung.

Vorgehen bei gesicherter Diagnose

Nach erfolgter Prostatakrebs-Diagnose bestimmt der Arzt, wie weit sich der Tumor bereits in der Prostata ausdehnt hat. Verfahren, mit denen der Arzt bestimmen kann, ob das Prostatakarzinom Tochtergeschwulste gebildet hat, sind zum Beispiel:

  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Computertomographie (CT)
  • Skelettszintigraphie
  • Röntgenuntersuchungen

Mit den Ergebnissen dieser Untersuchungen kann der Arzt die Therapie besser planen. Einen Hinweis darauf, ob bereits Metastasen vorliegen – ob der Tumor also bereits gestreut hat – gibt der PSA-Wert. Liegt er unter 10 ng/ml ist dies nur sehr selten der Fall und es sind keine weiteren Untersuchungsverfahren notwendig.

Stadium/Tumorklassifikation (Staging)

Nach der Prostatakrebs-Diagnose (Prostatakarzinom-Diagnose) ist es wichtig, zunächst festzustellen, um was für eine Art Tumor es sich handelt und wie weit er sich bereits ausgebreitet hat. Danach richtet sich auch die Therapie. Zur Bezeichnung der Tumorstadien wird die internationale TNM-Klassifikation verwendet. Drei Merkmale des Prostatakarzinoms sind darin zur Stadieneinteilung (sog. Staging) wichtig: Die Tumorgrösse, die Zahl der von Metastasen betroffenen Lymphknoten sowie möglicherweise vorhandene Tochtergeschwulste in anderen Organen (Fernmetastasen).

  • T beschreibt die Grösse des Primärtumors (zuerst entstandene Krebsgeschwulst) und seine örtliche Ausdehnung.
  • N gibt die Zahl und den Ort der befallenen Lymphknoten an.
  • M beschreibt das Vorhandensein (sowie den Ort) von Fernmetastasen

 

TNM-Klassifikation
T - Primärtumor
Tx – keine Beurteilung des Primärtumors möglich
T0 – kein Anhaltspunkt für Primärtumor
T1 – der Primärtumor ist nicht zu erkennen
T1a – in dem bei einer Prostataoperation wegen Schwierigkeiten beim Wasserlassen entfernten Drüsengewebe finden sich Krebsanteile von bis zu 5%
T1b – Krebsanteile im bei einer Prostataoperation entfernten Drüsengewebe von mehr als 5%
T1c – Tast- und Ultraschallbefund sind unauffällig, aber der PSA-Spiegel übersteigt den Schwellenwert von 4 ng/ml, so dass eine Biopsie durchgeführt wird, die Krebs nachweist
T2 – Tumor ist auf die Prostata begrenzt
T3 – Tumor hat sich über die Prostatakapsel hinaus ausgebreitet
T4 – Tumor befällt auch benachbartes Gewebe (Blasenhals, Blasenschliessmuskel, Beckenwand, Rektum, Beckenbodenmuskulatur)
N – Benachbarte (regionäre) Lymphknoten
Nx – keine Beurteilung der umgebenden Lymphknoten möglich
N0 – kein Anhaltspunkt für befallene Lymphknoten in der Umgebung des Tumors
N1 – Lymphknoten in der Umgebung sind vom Tumor befallen
M – Fernmetastasen
Mx – keine Beurteilung von Fernmetastasen möglich
M0 – kein Anhaltspunkt für Fernmetastasen
M1 – Fernmetastasen vorhanden

Gleason-Score

Eine weitere Gradeinteilung nach der Prostatakrebs-Diagnose (Prostatakarzinom-Diagnose) ist der sogenannte Gleason-Score. Er wurde von dem amerikanischen Arzt Donald Gleason entwickelt und ist für therapeutische Entscheidungen und die Prognose bei einem Prostatakarzinom wichtig. Der Gleason-Score beschreibt, wie stark sich die Krebszellen von normalen, gesunden Körperzellen unterscheiden. Dies gibt einen Hinweis darauf, wie schnell und aggressiv der Prostatakrebs wächst. Die in der Gewebeprobe entnommenen Zellen werden ihrem Aussehen nach in fünf verschiedene Gruppen (1-5) eingeteilt:

  • Grad 1: gut ausdifferenzierte und somit einer gesunden Zelle / gesundem Gewebe noch weitgehend ähnliche Zellen.
  • Grad 2-4: Übergangsformen zwischen Grad 1 und Grad 5
  • Grad 5: sehr wenig differenzierte und somit einer gesunden Zelle nicht mehr ähnliche Krebszellen.

Für den Verlauf der Erkrankung ist bedeutungsvoll, welchen Wert die meisten Proben erzielen – einzelne erhöhte Werte spielen eine geringere Rolle. Deshalb werden im Gleason-Score die beiden Punktwerte der am häufigsten vorkommenden Zellen zusammengezählt. Dieser Score beträgt dann mindestens 2 und maximal 10. 10 ist dabei der ungünstigste Wert und spricht für das Vorliegen von sehr bösartigen Zellen.

6. Therapie

Die Prostatakrebs- oder Prostatakarzinom-Therapie ist sehr vielschichtig. Sie stellt in der Medizin einen Sonderfall dar und richtet sich neben der Art und Ausbreitung des Tumors mindestens ebenso stark nach dem Alter des Patienten Arzt und Patient suchen gemeinsam den besten Weg und legen dann die Prostatakarzinom-Therapie fest. Deshalb gibt es nicht «das Verfahren», das allgemeingültig zur Therapie empfohlen und eingesetzt werden könnte.

Prinzipiell stehen bei Prostatakrebs folgende Möglichkeiten zur Therapie zur Verfügung:

  • aktives Beobachten / aktive Überwachung
  • Operation (radikale Prostatektomie = komplette Entfernung der Prostata)
  • Bestrahlung
  • Hormontherapie
  • Chemotherapie

PSA-Wert im Fokus

Bei Prostatakrebs (Prostatakarzinom) ist nicht immer sofort eine Therapie nötig – manchmal reich das aktive Beobachten des Tumors aus. Dies ist der Fall, wenn der Tumor früh entdeckt wurde, klein ist und nur sehr langsam wächst. Dabei wird der trotz Prostatakrebs beschwerdefreie Mann engmaschig überwacht und betreut. Vor allem für Betroffene über 75 Jahren und bei sehr kleinen Prostatakarzinomen kann das aktive Beobachten eine sinnvolle Therapie-Alternative sein. Dabei misst der Arzt regelmässig den PSA-Wert im Blut, tastet die Prostata ab (digital-rektale Untersuchung) und entnimmt Gewebeproben (Biopsie) aus der Vorsteherdrüse. Es wird zunächst also keine Operation, Bestrahlung oder sonstige Therapie vorgenommen. Schreitet der Prostatakrebs jedoch voran, wächst er also, beginnt der Betroffene eine Therapie, die den Tumor beseitigen soll. Diese Vorgehensweise wird auch als «watch and wait» oder «watchful waiting» bezeichnet.

Das Ziel des aktiven Beobachtens es, unnötige Belastungen durch eine sofortige Behandlung zu vermeiden. Dies spielt insbesondere bei älteren Patienten über 70 Jahren eine Rolle oder dann, wenn eine verbleibende Lebenserwartung von circa zehn Jahren angenommen werden kann. Das aktive Beobachten spielt im Vorfeld der Prostatakrebs-Therapie auch deshalb eine wichtige Rolle, weil durch die verbesserte Krebsfrüherkennung immer mehr Prostatakarzinome in einem sehr frühen Stadium entdeckt werden. Diese sind so klein, dass sie keinerlei Beschwerden verursachen. Da sie oft nur sehr langsam wachsen, bereiten sie dem Betroffenen teilweise ein Leben lang keine Schwierigkeiten, so dass er ohne die Früherkennungsuntersuchungen wahrscheinlich nicht von seiner Erkrankung erfahren hätte. In diesem Fall ist eine Prostatakrebs-Therapie oft nicht sinnvoll.

Prostatektomie (Prostatakrebs-Operation)

Eine Prostatektomie (Prostatakrebs-Operation) ist bei einer örtlich begrenzten Tumorausdehnung sinnvoll. Ziel der Operation ist, den Prostatakrebs vollständig zu entfernen und die Betroffenen damit zu heilen. Bei dem Eingriff wird die Prostata mitsamt der Samenbläschen entfernt (sog. radikale, d.h. umfassende, Prostatektomie). Wann immer möglich, versucht der operierende Arzt, die Nerven zu schonen und kann einer Impotenz dadurch unter Umständen vorbeugen. Neben der «offenen» Prostatektomie beim Prostatakarzinom, bei der der Zugang zur Prostata durch einen Schnitt im unteren Bauchbereich (Bauchschnitt) erfolgt, wird die Prostata heute auch laparoskopisch, das heisst in Schlüssellochtechnik, entfernt. Über einen kleinen Schnitt am Damm kann der Arzt die Prostata ebenfalls entnehmen.

Dank moderner Operationstechniken sind die Heilungschancen bei einem Prostatakarzinom heute gut. Trotzdem können nach einer Prostatektomie Komplikationen auftreten. Die häufigsten unerwünschten Folgen einer Prostatakrebs-Operation sind Erektionsschwierigkeiten (Impotenz) und Harninkontinenz. Gerade eine vorübergehende Harninkontinenz tritt relativ häufig auf. Sie bessert sich beispielsweise durch regelmässige Beckenbodengymnastik. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der operierten Männer bleiben dauerhaft inkontinent. Etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Betroffenen mit Prostatakarzinom sind nach der Prostatektomie weiterhin erektionsfähig.

Bestrahlung (Strahlentherapie)

Bei Prostatakrebs (Prostatakarzinom) ist die Strahlentherapie (Radiotherapie) eine anerkannte Therapie-Möglichkeit. Die Bestrahlung kann alternativ zur Operation erfolgen oder diese ergänzen. Die Heilungschancen der Bestrahlung sind bei einem örtlich begrenzten Prostatakarzinom gegenüber denen der Operation etwa gleichwertig. Bei manchen Betroffenen ist die Strahlentherapie eine sinnvolle Alternative, wenn ihr allgemeiner Gesundheitszustand für eine Operation zu schlecht ist oder wenn sie die Operationsrisiken vermeiden möchten. Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs, der sich bereits über die Prostata hinaus ausgebreitet hat, wird die Bestrahlung in Kombination mit einer Hormontherapie durchgeführt.

Bei einigen Patienten stellt sich nach der Operation heraus, dass das entfernte Prostatakarzinom nicht mit einem Rand aus gesundem Gewebe entfernt werden konnte – es besteht also die Möglichkeit, dass Krebsgewebe im Körper verblieben ist. In diesen Fällen wird die Strahlentherapie als zusätzliche Massnahme nach der Operation durchgeführt (sog. adjuvante Strahlentherapie). Damit soll das Risiko eines Wiederauftretens des Prostatakrebses (Rezidiv) vermindert werden.

Bei jeder Form der Bestrahlung eines Prostatakarzinoms ist eine sorgfältige Planung wichtig, um umliegende Gewebe wie Darm und Harnblase zu schonen und gute Therapieergebnisse erzielen zu können. In der Regel erfolgt die Strahlentherapie der Tumorregion «von aussen» (externe Bestrahlung) – die Strahlenquelle kann aber auch direkt an den Tumor gebracht werden (Kurzdistanzbestrahlung = Brachytherapie). Sie erfolgt dann sozusagen «von innen».

Bestrahlung von «aussen»

Perkutane oder externe Bestrahlung bei Prostatakrebs (Prostatakarzinom): Perkutan bedeutet «durch die Haut». Bei dieser Technik erfolgt die Bestrahlung in mehreren Terminen – die Strahlendosis wird sozusagen aufgeteilt (fraktioniert). Betroffene mit Prostatakarzinom werden dazu für etwa sieben bis neun Wochen von montags bis freitags für wenige Minuten bestrahlt. Oft kann die Strahlentherapie ambulant erfolgen, so dass die Betroffenen danach wieder nach Hause können. Die Bestrahlungen verursachen keinerlei Schmerzen. Dank moderner Techniken kann die Strahlendosis exakt in der Vorsteherdrüse platziert werden, ohne zu viel gesundes umliegendes Gewebe mit einzubeziehen.

Bestrahlung von «innen»

Brachytherapie mit Seed-Implantation (Prostata-Spickung): Seeds (engl. für Samen, Kerne) sind kleine titanverkapselte, radioaktive Strahler in Stiftform. Mit dünnen Nadeln werden die kleinen Stifte unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose vom Damm her in die Prostata eingeführt (implantiert). Dort geben sie über einen Zeitraum von bis zu drei Monaten ihre Strahlendosis ab. Die Seeds verbleiben in der Prostata und werden nicht wieder herausoperiert. Ihre Strahlung ist nur in direkter Umgebung der Stifte wirksam, so dass sie lediglich für die Krebszellen schädlich ist. Mediziner nennen dieses Verfahren auch LDR-Brachytherapie – diese Bezeichnung leitet sich von dem Begriff «low-dose rate» ab, was so viel bedeutet wie «niedrige Dosis».

Diese Seed-Implantation kommt bei Prostatakrebs dann zum Einsatz, wenn das Prostatakarzinom im Anfangsstadium ist und sich noch nicht über die Prostata hinaus ausgebreitet hat, der Gleason-Score sowie der PSA-Wertrelativ niedrig sind. Ob die LDR-Brachytherapie Vorteile gegenüber den anderen Bestrahlungsmethoden hat, ist bislang nicht abschliessend geklärt.

Brachytherapie mit Afterloading-Verfahren

Diese Form der Bestrahlung kommt bei weiter fortgeschrittenem Prostatakrebs (Prostatakarzinom) zum Tragen, bei dem noch keine Metastasen vorhanden sind. Bei der sogenannten HDR-Brachytherapie (HDR = high-dose rate: «hohe Dosis») oder Nachladetechnik (sog. Afterloading) wird eine Bestrahlung von aussen mit einer Strahlentherapie von innen kombiniert. In zwei bis vier Sitzungen werden in wöchentlichem Abstand radioaktive Strahler vom Damm her in die Prostata eingebracht. Diese Strahler werden wieder entfernt, wenn sie ihre Strahlung vollständig abgegeben haben.

Welche Folgen hat die Strahlentherapie?

Die Aussagen darüber, wie häufig unter einer Strahlentherapie bei einem Prostatakarzinom Nebenwirkungen auftreten, sind uneinheitlich. Grundsätzlich können akute Beschwerden und Langzeitfolgen auftreten. Zu den akuten Nebenwirkungen während einer Strahlentherapie bei Prostatakrebs gehören Darmprobleme (z.B. Durchfall) und Blasenbeschwerden (z.B. erhöhter Harndrang, Harnwegsentzündungen).

Mögliche Spätfolgen der Bestrahlung sind:

  • Erektionsstörungen (Impotenz)
  • Harninkontinenz
  • Darmbeschwerden, z.B. chronische Darmentzündungen, chronischer Durchfall

Welche Nebenwirkungen auftreten, hängt unter anderem von der Art und Dauer der gewählten Bestrahlung ab.

Hormontherapie

Die Tumorzellen wachsen bei Prostatakrebs (Prostatakarzinom) fast immer hormonabhängig – daher bietet sich eine Hormontherapie (genauer: eine Hormonentzugstherapie) zu Behandlung an. Dies gilt insbesondere bei fortgeschrittenem Prostatakrebs, der bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat. Hauptziel der Hormonbehandlung ist, das Tumorwachstum aufzuhalten und die Beschwerden zu lindern (palliative Therapie). Die Hormontherapie kann Prostatakrebs aber nicht heilen.

Durch die Hormontherapie entstehen weniger männliche Sexualhormone (Testosteron) – Prostatakarzinome wachsen dadurch langsamer. Ob die Therapie erfolgreich ist, kann der Arzt durch regelmässige Kontrollen des PSA-Werts überprüfen.

Es gibt bei Prostatakrebs folgende Möglichkeiten der Hormontherapie:

  • operative Kastration: Der Arzt schält dieHoden aus, d.h. er entfernt das hormonbildende Hodengewebe – es wird kaum noch Testosteron gebildet (geringe Mengen entstehen auch in den Nebennieren).
  • medikamentöse oder chemische Kastration: mit sogenannten LHRH-Analoga
  • Blockade der Wirkung von körpereigenen Geschlechtshormonen an den Tumorzellen durch die Gabe von Antiandrogenen.
  • Gabe von weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogenen), um dem männlichen Testosteron entgegenzuwirken. Da Nebenwirkungen wie Thrombosen mit dieser Therapie einhergehen können, erfolgt sie nur selten.

Zu den unterschiedlich stark ausgeprägten Nebenwirkungen einer Hormontherapie bei Prostatakarzinom zählen Libidoverlust, Erektionsschwierigkeiten, Hitzewallungen, geistige Beeinträchtigung, Antriebsverlust, nachlassender Bartwuchs, zum Teil schmerzhafte Brustschwellungen, eventuell Osteoporose (Verminderung der Knochenmasse).

Chemotherapie

Wenn der Prostatakrebs (Prostatakarzinom) nicht (mehr) für Hormone sensibel ist und die Hormontherapie daher keine Wirkung hat, kann eine Chemotherapie eine geeignete Behandlungsmöglichkeit darstellen. Dabei erhält der betroffene Mann Medikamente (Zytostatika), welche das Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen hemmen. Eine solche Chemotherapie erfordert eine sehr genau abgestimmte Therapieplanung und -überwachung und fällt damit in das Fachgebiet erfahrener Spezialisten. Trotz aller Sorgfalt lassen sich für die Dauer der Chemotherapie manche Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen nicht immer vermeiden – erfreulicherweise stehen heute aber sehr wirksame Medikamente gegen diese Symptome zur Verfügung. Eine weitere Nebenwirkung der Chemotherapie ist ein vorübergehender Haarausfall, da die Medikamente die Zellen der Haarwurzeln schädigen.

Weitere Therapieformen

Bei örtlich begrenztem Prostatakrebs – wenn das Prostatakarzinom also noch keine Tochtergeschwulste gebildet hat – stehen weitere Therapieformen zur Verfügung, deren Wirksamkeit noch nicht bewiesen ist:

  • lokale Vereisung (Kryotherapie)
  • hochintensiver, fokussierter Ultraschall (HIFU)
  • Radiofrequenzablation

7. Verlauf

Prognose

Wenn Prostatakrebs (Prostatakarzinom) früh erkannt wird, ist die Lebenserwartung und damit die Prognose gut. Sie hängt vom feingeweblichen Aufbau (Tumortyp) ab und davon, wie weit sich das Prostatakarzinom bereits ausgebreitet hat (Befall anderer Organe, Tumorgrösse). 83 bis 94 Prozent der erkrankten Männer leben fünf Jahre nach der Diagnosestellung noch. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Prostatakrebs lebensbedrohlich wird, sinkt danach immer weiter.

Nachsorge

Die Prostatakrebs-Nachsorge zielt darauf ab, ein Wiederauftreten der Erkrankung (sog. Rezidiv) möglichst rechtzeitig zu erkennen und gegebenenfalls zu behandeln. Der betreuende Arzt kann ausserdem eventuell eingetretene Nebenwirkungen und Folgen von Operation oder Bestrahlung behandeln. Nicht ausser Acht zu lassen sind seelische und soziale Aspekte beim Prostatakarzinom, die den Betroffenen eventuell belasten. In der Regel finden Nachsorgeuntersuchungen in den ersten zwei Jahren alle drei Monate statt. Danach sind nur noch seltener Nachsorgeuntersuchungen nötig: im dritten und vierten Jahr halbjährlich, ab dem fünften Jahr jährlich. Im Rahmen der Untersuchungen wird weiterhin auch der PSA-Wert bestimmt. Diese Termine sollten pünktlich wahrgenommen werden. Betroffene sollten ausserdem auf ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung achten, da sie die Erkrankung und den weiteren Verlauf positiv beeinflussen.

8. Vorbeugen

Prostatakrebs (Prostatakarzinom) können Sie nicht sicher vorbeugen. Es gibt aber ein paar Verhaltensmassnahmen, die Prostatakrebs und auch einem Wiederauftreten nach einer überstandenen Erkrankung wahrscheinlich vorbeugen. Regelmässige körperliche Bewegung, ein normales Körpergewicht und eine gesunde Ernährung (viel Obst und Gemüse, wenig tierisches Fett) zeigen einen möglicherweise positiven Effekt und spielen daher eine wichtige Rolle, wenn Sie Prostatakrebs vorbeugen möchten.

Auch Früherkennungs-Untersuchungen können einem Prostatakarzinom im eigentlichen Sinne nicht vorbeugen, aber sie können eine bereits entstandene Erkrankung bereits früh aufdecken. Das ist wichtig, weil die Heilungsaussichten bei Prostatakarzinomen sehr gut sind, wenn sie früh erkannt und behandelt werden. Mit Untersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs kann der Arzt die Erkrankung bereits feststellen, bevor die ersten Symptome auftreten.

Der PSA-Bluttest kann dem Arzt bereits einen Hinweis auf ein Prostatakarzinom im Frühstadium geben. In den USA wird ein solches PSA-Screening seit Ende der 1980er Jahre eingesetzt. Dort hat Mitte der 1990er Jahre die Sterblichkeit am Prostatakarzinom kontinuierlich bis heute um etwa ein Drittel abgenommen.

Es gibt eine anhaltende Diskussion über den Nutzen der PSA-Bestimmung als Screening-Methode auf Prostatakrebs. Grosse Studien erbrachten in einer Zwischenauswertung keine endgültige Antwort. Kritiker merken an, dass mit dem PSA-Test sogenannte stumme Prostatakarzinome entdeckt werden könnten. Dies könnte in der Folge für die Betroffenen psychische und mitunter auch körperliche negative Auswirkungen haben. Dann nämlich, wenn weitere Untersuchungen oder eine Therapie eingeleitet würden, die eigentlich nicht notwendig wären (sogenannte «Überdiagnose» und «Übertherapie»). Der stumme (latente) Prostatakrebs ist eine Form des Prostatakarzinoms, bei dem keinerlei Beschwerden auftreten und somit in der Regel auch keine Therapie erforderlich ist.

Befürworter des PSA-Tests halten dem entgegen, dass es unter Berücksichtigung der Untersuchungsbefunde und der Situation des Betroffenen möglich ist, individuell sehr genau zu entscheiden, welches Vorgehen für den Prostatakarzinom-Patienten das Beste ist. Somit liessen sich Fehluntersuchungen und -behandlungen zumeist vermeiden. Der grosse Vorteil der PSA-Bestimmung läge dann darin, diejenigen Männer zu entdecken, bei denen ein aggressives Prostatakarzinom vorliegt und die von der Entdeckung und der Möglichkeit einer Therapie sehr profitieren würden.

Letztlich sollte jeder Mann mit seinem Arzt besprechen, ob er den PSA-Test als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) machen möchte und welche möglichen Auswirkungen ein auffälliges Ergebnis haben könnte.