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1. Überblick

Eine Radiusfraktur (Speichenbruch) entsteht häufig, wenn man versucht, sich bei einem Sturz mit der Hand abzufangen. Meistens bricht die Speiche (Radius) nahe am Handgelenk. Diese sogenannte distale Radiusfraktur ist die häufigste Fraktur des Menschen überhaupt.

Eine proximale Radiusfraktur – also ein Speichenbruch nahe am Ellenbogen – ist selten. Die distale Radiusfraktur kann je nach Unfallhergang verschiedene Formen annehmen. Am häufigsten sind:

  • Die Colles-Fraktur entsteht durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand. Diese auch als Extensionsfraktur bezeichnete distale Radiusfraktur stellt mit einem Anteil von fast 90 Prozent die typische Bruchstelle (= loco typico) bei Radiusfrakturen dar.
  • Die seltenere Smith-Fraktur entsteht durch einen Sturz auf die gebeugte Hand. Diese Form von Speichenbruch nennt man auch Flexionsfraktur.

Vor allem Kinder und ältere Menschen ziehen sich häufig eine Radiusfraktur zu. Dabei herrschen unterschiedliche Ursachen vor: Bei Kindern entsteht schnell ein Unterarmbruch, wenn sie beim Spielen und Herumtoben stürzen. Bei älteren Menschen hingegen führt eher die verminderte Knochenstabilität bei einem Sturz schneller zu einem Speichenbruch. Zusätzlich begünstigende Faktoren sind Osteoporose (Knochenschwund) sowie Herzrhythmusstörungen oder Störungen der Gehirndurchblutung, die über Schwindel leicht zu Stürzen und damit zu Radiusfrakturen führen können.

Als Folge einer Radiusfraktur treten meist Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Haltungsveränderungen auf. Mitunter treten begleitend zum Speichenbruch Sensibilitätsstörungen der Hand oder der Finger auf. Nach einer schweren Gewalteinwirkung können auch Haut und Muskulatur der Hand durch herausragende Knochenenden verletzt sein.

Die Diagnose der Radiusfraktur erfolgt anhand eines Röntgenbilds. Die Therapie hat zum Ziel, die normale Beweglichkeit der Hand wiederherzustellen. Ist durch den Bruch eine Fehlstellung der Knochenenden (Dislokation) entstanden, richtet der Arzt die Speiche unter Röntgenkontrolle. Um den gebrochenen Arm beziehungsweise die Radiusfraktur ruhig zu stellen, erhalten die Betroffenen einen Gipsverband. In vielen Fällen ist auch eine Operation erforderlich, um den Bruch zu stabilisieren. Die Prognose der Radiusfraktur ist in der Regel gut, hängt jedoch vom Ausmass der Verletzungen ab.

2. Definition

Die Radiusfraktur (Speichenbruch) ist ein Unterarmbruch, der nur einen der beiden Knochen im Unterarm betrifft: die Speiche (Radius). Der zweite Unterarmknochen ist die Elle (Ulna). Elle und Speiche bilden die knöcherne Verbindung zwischen Hand- und Ellenbogengelenk. Dabei liegt die Elle an der Aussenseite des Unterarms und übernimmt dessen Führung im Ellenbogengelenk. Die Speiche dagegen liegt an der Innenseite (Daumenseite) und trägt die Hand einschliesslich der Handwurzelknochen.

Typischerweise bricht die Speiche nahe am Handgelenk. Diese sogenannte distale Radiusfraktur ist die häufigste Fraktur des Menschen überhaupt. Dabei können je nach Unfallhergang verschiedene Frakturformen entstehen; dabei sind zwei besonders wichtig:

  • In der Regel ist die distale Radiusfraktur die Folge eines Sturzes auf die ausgestreckte Hand. Diese Form von Radiusfraktur mit typischer Bruchstelle (= loco typico) bezeichnet man als Extensionsfraktur oder – nach dem Chirurgen Abraham Colles (Dublin, 1773-1843) – als Colles-Fraktur.
  • Seltener entsteht die distale Radiusfraktur durch einen Sturz auf die gebeugte Hand. Diese Form von Speichenbruch nennt man Flexionsfraktur oder – nach dem Chirurgen Sir Robert W. Smith (Dublin, 1807-1873) – Smith-Fraktur.

Bei Kindern tritt die Radiusfraktur häufig in Form einer sogenannten Grünholzfraktur auf, das heisst der Knochen ist zwar gebrochen, die Knochenhaut jedoch intakt. Tritt ein Speichenbruch zusammen mit einer Gelenkverrenkung der Elle am Handgelenk auf, spricht man von der Galeazzi-Fraktur.

Häufigkeit

Die Radiusfraktur (Speichenbruch) tritt mit grosser Häufigkeit auf: Etwa ein Viertel aller Knochenbrüche beim Menschen sind Radiusfrakturen. Dabei bricht die Speiche zu 90 Prozent nahe am Handgelenk. Meist sind Kinder zwischen 6 und 10 Jahren von einem Speichenbruch betroffen, da sie öfter stürzen. Ein weiterer Häufigkeitsgipfel liegt im Alter zwischen 60 und 70 Jahren. Der Grund: Im höheren Alter oder bei einer durch Osteoporose veränderten Knochstruktur ist die Knochenstabilität vermindert. Dann ist das Risiko einer Radiusfraktur bei jedem Sturz wesentlich erhöht.

Die proximale Radiusfraktur – also ein Speichenbruch nahe am Ellenbogen – weist nur eine geringe Häufigkeit auf.

3. Ursachen

Eine Radiusfraktur (Speichenbruch) hat ihre Ursachen in der Regel in einem Sturz auf den Arm. Meistens bricht die Speiche (Radius) nahe am Handgelenk. Diese sogenannte distale Radiusfraktur tritt – je nach Entstehungsmechanismus – in verschiedenen Formen auf. Die zwei Hauptformen sind die Colles- und die Smith-Fraktur:

  • Die Colles-Fraktur ist mit einem Anteil von fast 90 Prozent die häufigere Form von distaler Radiusfraktur. Sie hat ihre Ursachen in einem Sturz auf die ausgestreckte Handinnenfläche. Daher bezeichnet man sie auch als Extensionsfraktur (Extension = Streckung).
  • Die Smith-Fraktur entsteht durch einen Sturz auf die gebeugte Hand. Es handelt sich als um eine sogenannte Flexionsfraktur (Flexion = Beugung). Eine distale Radiusfraktur vom Typ Smith ist meist instabil.

Radiusfrakturen sind vor allem bei Kindern und bei älteren Menschen häufig. Dabei sind unterschiedliche Ursachen vorherrschend: Kinder brechen sich vor allem deswegen öfters den Unterarm, weil sie beim Spielen häufiger stürzen. Ältere Menschen hingegen haben eine verminderte Knochenstabilität, so dass es bei einem Sturz schneller zu einer Radiusfraktur kommt. Die im höheren Lebensalter verbreitete Osteoporose (Knochenschwund) begünstigt dies zusätzlich. Ausserdem liegen gerade bei älteren Menschen häufig weitere Risikofaktoren vor: So können zum Beispiel Herzrhythmusstörungen oder Störungen der Gehirndurchblutung Schwindelanfälle und damit vermehrt Stürze auslösen.

4. Symptome

Eine Radiusfraktur (Speichenbruch) verursacht in der Regel zwei wesentliche Symptome:

  • eine schmerzhafte Schwellung und
  • eine Verbreiterung oder Fehlstellung des Handgelenks.

Die sichtbaren Radiusfraktur-Symptome hängen auch von der Form des Bruchs ab: Ist zum Beispiel durch einen Sturz auf die ausgestreckte Handinnenfläche eine distale Radiusfraktur – also ein Speichenbruch nahe am Handgelenk – entstanden, zeigt die Hand normalerweise eine Fehlstellung mit nach unten geneigtem Handgelenk. Diese als Colles-Fraktur bezeichnete Form von Unterarmbruch ist mit Abstand am häufigsten.

In der Regel können Menschen mit einer Radiusfraktur das Handgelenk nur sehr eingeschränkt und unter grossen Schmerzen bewegen. Mitunter treten begleitend zum Speichenbruch Symptome einer Sensibilitätsstörung der Hand oder der Finger auf. Nach einer schweren Gewalteinwirkung können ausserdem die Haut und die Muskulatur der Hand durch herausragende Knochenenden verletzt sein. Solche Radiusfrakturen bezeichnet man je nach Ausmass des Weichteilschadens als erst- bis drittgradig offene Brüche.

Ist die Speiche gebrochen, weisen die Beschwerden und Veränderungen aber nicht immer deutlich auf einen Speichenbruch hin: Wenn sich die Knochen noch immer in der richtigen Position befinden, verursacht die Radiusfraktur lediglich zwei Symptome – Schwellung und Druckschmerzhaftigkeit.

5. Diagnose

Bei Verdacht auf eine Radiusfraktur (Speichenbruch) ist es zur Diagnose zunächst notwendig, durch eine umfassende ärztliche Untersuchung das Ausmass der sichtbaren Schäden zu klären. Dazu gehören mögliche Hautverletzungen, aber auch Schädigungen von Nerven und Gefässen. Dabei untersucht der Arzt auch die angrenzenden Gelenke, um zu prüfen, ob womöglich eine begleitende Verrenkung (Luxation) vorliegt. Auch eine Beschreibung des Unfallhergangs kann darauf hinweisen, mit welcher Frakturform am ehesten zu rechnen ist.

Zur weiteren Radiusfraktur-Diagnose kommt dann eine Röntgenuntersuchung zum Einsatz, bei der man das Handgelenk in zwei Ebenen aufnimmt – von oben und von der Seite: So kann der Arzt beurteilen, welche Art von Speichenbruch vorliegt.

Um die geeignete Therapie festlegen zu können, ist bei der Radiusfraktur-Diagnose außerdem zu klären, ob der Bruch stabil ist (d.h. es liegen keine Bänderverletzungen vor) oder ob er instabil ist. Um den Speichenbruch einzuordnen, stehen verschiedene Klassifizierungssysteme zur Verfügung, die neben der Stellung der Hand beim Sturz (Colles- bzw. Smith-Fraktur) auch das Ausmass der Beteiligung des Handgelenks an der Fraktur berücksichtigen. Ein Beispiel ist die AO-Klassifikation der Radiusfraktur:

AO-Klassifikation

Für die Therapie einer Radiusfraktur (Speichenbruch) ist bei der Diagnose zu klären, in welchem Ausmass das Gelenk zwischen der Speiche (Radius) und der Mittelhand geschädigt ist. Daher ordnet der Arzt die Fraktur mithilfe eines Klassifizierungsschemas ein. Vor allem im deutschsprachigen Raum ist die sogenannte AO-Klassifikation für handgelenksnahe (distale) Radiusfrakturen üblich (die Abkürzung steht für: Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthese). Bei der AO-Klassifikation der Radiusfraktur unterscheidet man folgende Frakturtypen anhand der jeweiligen Beteiligung des Handgelenks:

  • Typ A, extraartikuläre Fraktur: Eine distale Radiusfraktur vom Typ A reicht nicht in das Handgelenk. Die Knochenbruchstücke sind jedoch häufig (v.a. bei älteren Menschen) durch den Druck beim Sturz so zusammengestaucht, dass die Speiche verkürzt ist.
  • Typ B, partiell intraartikuläre Fraktur: Bei einer Radiusfraktur vom Typ B ist das Handgelenk teilweise betroffen oder der sogenannte Griffelfortsatz, der sich am Radiusknochen in der Nähe des Gelenks befindet (Processus styloideus radii), ist abgebrochen. Die Speiche trägt am Übergang zur Mittelhand sogenannte Gelenklippen. In seltenen Fällen können diese Gelenklippen entweder auf der Seite des Handrückens (dorsal) oder auf der Seite der Hohlhand (volar) abgebrochen sein.
  • Typ C, totale intraartikuläre Fraktur: Eine distale Radiusfraktur vom Typ C betrifft das ganze Handgelenk. Häufig ist der dabei entstandene Bruchspalt Y- oder T-förmig.

6. Therapie

Bei der Radiusfraktur (Speichenbruch) zielt die Therapie darauf ab, die normale Beweglichkeit der Hand wiederherzustellen. Voraussetzung dafür ist, dass man die Knochenenden in ihre ursprüngliche Stellung bringt. Eine solche Reposition (lat. reponere = wieder hinsetzen) kann bei der Radiusfraktur sowohl konservativ (d.h. nicht-operativ) als auch mithilfe einer Operation erfolgen.

Konservative Therapie

Wenn Sie eine einfache Radiusfraktur (Speichenbruch) haben, bei der das Handgelenk nicht betroffen ist, reichen zur Therapie nicht-operative Massnahmen. Die konservative Therapie besteht darin, den Bruch durch manuelle Reposition (reponieren = wieder zurück in die normale Lage bringen) zu stabilisieren. In der Regel kommt bei diesem Verfahren der sogenannte Mädchenfänger zum Einsatz: Das heisst: Man hängt Ihren Arm unter Narkose an drei Fingern (Daumen, Zeige- und Mittelfinger) auf und befestigt ein Gewicht von drei Kilogramm am Oberarm. Dann bringt der Arzt die Knochenenden durch Druck in die richtige Position. Um das Repositionsergebnis der Radiusfraktur während der Behandlung kontrollieren und gegebenenfalls sofort korrigieren zu können, kommt zusätzlich ein Röntgendurchleuchtungsgerät zum Einsatz. Wenn die Gelenkstellung achsgerecht und anatomisch korrekt wiederhergestellt ist, bekommen Sie einen Gipsverband, um den Arm ruhig zu stellen, damit die Knochen problemlos zusammenwachsen können.

Auch bei einer Radiusfraktur, bei der Knochen zwar gebrochen, die Knochenhaut jedoch intakt geblieben ist und so die Knochenbruchstücke stabilisiert (sog. Grünholzfraktur), ist eine konservative Therapie geeignet. Diese Art von Speichenbruch tritt vor allem bei Kindern auf, da ihr Knochenmantel noch weich und auf diese Weise vor einem Bruch geschützt ist.

Auch wenn der Unterarm durch einen Gipsverband ruhig gestellt ist, ist es bei einer Radiusfraktur ratsam, schon frühzeitig mit Bewegungsübungen der Finger, des Ellenbogens und der Schulter zu beginnen.

Operation

Eine instabile Radiusfraktur (Speichenbruch) macht zur Therapie eine Operation nötig, denn: Bei einer instabilen Radiusfraktur ist zu erwarten, dass sich die Knochenbruchstücke wieder verschieben, nachdem man sie in ihre ursprüngliche Stellung gebracht hat. Ein Gipsverband reicht bei einem instabilen Radiusbruch also nicht aus. In der Regel trifft dies auf alle Radiusfrakturen mit Gelenkbeteiligung zu. Auch ein Trümmerbruch oder eine offene Radiusfraktur erfordern eine operative Behandlung.

Die operative Radiusfraktur-Therapie erfolgt unter Narkose oder örtlicher Betäubung: Sobald diese wirkt, schiebt der Arzt die Knochenbruchstücke in ihre natürliche Stellung zurück (sog. manuelle Reposition der Radiusfraktur). Bei der anschliessenden Operation stabilisiert der Arzt die reponierten Knochenbruchstücke. Wie diese Stabilisierung geschieht, ist je nach Art der Speichenfraktur unterschiedlich:

Bei der Radiusfraktur (Speichenbruch) kann zur operativen Therapie eine Drahtfixierung zum Einsatz kommen: Bei der Operation setzt der Arzt über der Speiche einen kleinen Hautschnitt, durch den er sogenannte Kirschner-Drähte einbohrt, welche die Knochenbruchstücke fixieren. Anschliessend bekommen Sie einen Gipsverband, um den Unterarm ruhig zu stellen. Nach etwa vier Wochen kommt der Gips wieder weg; die Drahtfixierung bleibt aber zunächst weiter bestehen. Erst nach zwei weiteren Wochen entfernt der Arzt die Drähte zur Stabilisierung des Knochens (dazu erhalten Sie eine örtliche Betäubung).

Externer Fixateur

Liegen bei einer Radiusfraktur (Speichenbruch) mehrere Knochenbruchstücke vor, die eine Stabilisierung erfordern (z.B. bei sog. Trümmerbrüchen), ist zur Therapie ein externer Fixateur geeignet, der die Knochenbruchstücke wie ein Gerüst von aussen festhält. Dazu bohrt der Arzt bei der Operation Metallstifte in den Mittelhandknochen des Zeigefingers und in den Radius oberhalb des Handgelenks. Ein solcher externer Fixateur gewährleistet in der Regel eine sichere Stabilisierung der gerichteten Radiusfraktur. Das Gestell müssen Sie etwa vier Wochen lang tragen, bevor der Arzt es (unter örtlicher Betäubung) entfernt.

Wenn bei einer Radiusfraktur (Speichenbruch) der Griffelfortsatz der Speiche abgebrochen ist, verschraubt der Arzt die Knochenbruchstücke bei der Operation oft miteinander. Zusätzlich zu dieser Verschraubung (Schraubenosteosynthese) führt der Operateur meist einen Draht zur Fixierung ein, der über längere Zeit an Ort und Stelle bleibt. Etwa eine Woche lang müssen Sie dann eine Gipsschiene tragen. Danach können Sie sofort mit der Physiotherapie für den gebrochenen Unterarm beginnen. Die Schrauben entfernt der Arzt wiederum nach etwa vier Wochen unter örtlicher Betäubung.

Metallplatten-Implantation (Plattenosteosynthese)

Unter bestimmten Umständen kann nur eine metallene Abstützplatte eine Radiusfraktur (Speichenbruch) exakt fixieren. Dies ist oft der Fall, wenn bereits eine Therapie zur Stabilisierung der Fraktur erfolgt ist und sich die Knochenbruchstücke nach der Operation in eine unnatürliche Stellung zurückgeschoben haben (sekundäre Dislokation). Bei der Metallplatten-Implantation (Plattenosteosynthese) versucht der Operateur, die bei der Radiusfraktur häufig eingestauchten Gelenkflächen wieder aufzurichten. Dafür ist meist zusätzliches Knochengewebe, sogenannte Spongiosa, erforderlich. Diese Spongiosa entnimmt der Operateur aus dem Beckenkamm über einen kleinen Hautschnitt. Wenn die Abstützplatte ins Handgelenk eingelegt ist, erhalten Sie eine Gipsschiene, die Sie tragen, bis sich die Schwellung um die distale Radiusfraktur zurückgebildet hat (1-2 Wochen). Danach können Sie mit der Physiotherapie beginnen.

7. Verlauf

Prognose

Bei einer Radiusfraktur (Speichenbruch) hängt der Verlauf der Heilung unter anderem vom Ausmass der Fraktur ab. Bei Kindern ist die Prognose in der Regel gut: Sie zeigen bei Radiusfrakturen eine sehr gute Spontanheilung, weshalb die konservative (d.h. nicht-operative) Behandlung meist problemlos abläuft.

Bei fachgerechter Therapie der Radiusfraktur und intensiver physiotherapeutischer Nachbehandlung ist (je nach Schwere der Fraktur) in der Regel mit der vollständigen Wiederherstellung der Handgelenksfunktion zu rechnen. Meist ist es vier bis sechs Wochen nach dem Speichenbruch wieder möglich, mit der Hand einfache Greiftätigkeiten auszuüben. Allerdings sind eine übermässige Beanspruchung und schnelle, ungedämpfte Bewegungen anfangs zu vermeiden. Bei einer komplizierten Radiusfraktur kann die Heilungsdauer ein halbes Jahr und länger betragen.

Auch eine behandelte Radiusfraktur (Speichenbruch) kann im weiteren Verlauf noch zu Komplikationen führen: Trotz Gipsverband neigen die Knochenteile bei einer Radiusfraktur durch unwillkürliche Muskelanspannungen dazu, sich erneut zu verschieben. Daher sind im Heilungsverlauf regelmässige Röntgenkontrollen erforderlich. Stellt der Arzt bei einer dieser Kontrollen eine erneute Fehlstellung fest, ist eine operative Behandlung der Radiusfraktur häufig unumgänglich. In der Regel ist es nach einer Woche nötig, den Gips zu wechseln, da sich die Schwellung um die Radiusfraktur zurückgebildet hat und der bestehende Gipsverband dann zu locker sitzt.

Bei konservativ behandelten Radiusfrakturen sind nachträgliche Verschiebungen (sekundäre Dislokationen) der Knochenbruchstücke mit bis zu 50 Prozent relativ häufig. Eine Komplikation, die vor allem dann wahrscheinlich ist, wenn bei einer Radiusfraktur solche sekundären Verschiebungen mehrfach hintereinander auftreten, ist die sogenannte Sudeck-Dystrophie: Hierbei sind allgemein Durchblutung und Stoffwechsel der Weichteile und Knochen gestört. Die Sudeck-Dystrophie kann nach Unfällen, Operationen, Infektionen und Nervenschädigungen auftreten. Besonders Frauen im höheren Alter entwickeln nach einer Radiusfraktur im weiteren Verlauf häufiger eine Sudeck-Dystrophie.

Wenn sich bei einem Speichenbruch die Knochenbruchstücke wiederholt in krankhafte Stellungen verschieben, sind dabei die Blutgefässe und Nerven des Knochens und der anliegenden Weichteile (Muskulatur, Haut) in Mitleidenschaft gezogen. Eine unterbrechungsfreie Versorgung des Knochens und der Weichteile der Hand ist nicht mehr gewährleistet, im weiteren Verlauf kommt es zu Schädigungen und Funktionsstörungen. Die Veränderungen zeigen sich zunächst über eine Verfärbung der Haut und über anhaltende Schmerzen bei Bewegungen der Hand. Im Endstadium der Sudeck-Dystrophie liegt ein generalisierter Schwund (Atrophie) der Haut, der Muskulatur und des Knochens vor. Das Handgelenk ist versteift und es kommt zu Sensibilitätsstörungen der Hand. Allerdings können eine gezielte Schmerztherapie und Physiotherapie das Fortschreiten der Erkrankung in dieses Stadium verhindern.

Für die operativen Behandlungsmethoden der Radiusfraktur gelten die gleichen allgemeinen Risiken wie für alle operativen Eingriffe. Zu den möglichen Komplikationen nach einem operativen Eingriff am Handgelenk gehören Infektionen, die zu einer bleibenden Bewegungseinschränkung des Gelenks führen können. Bei schweren Schädigungen der Weichteile durch die Radiusfraktur ist eine verzögerter Verlauf der Wundheilung nach der Operation möglich. Weitere, eher seltene Komplikationen sind Sehnenverletzungen, eine fortgesetzte Fehlstellung der Hand und Material- beziehungsweise Metallbrüche der Fixationsdrähte und -schrauben. Darüber hinaus können eine länger andauernde Ruhigstellung der Hand nach einer Radiusfraktur oder eine unzureichende Physiotherapie zu einer degenerativen Veränderung des Gelenks (sog. Gelenksarthrose) führen.

Bei der Radiusfraktur bei Kindern besteht eine mögliche Komplikation darin, dass der Speichenbruch die Wachstumsfuge anregt, wodurch sich die Speiche (Radius) verlängern kann. Im weiteren Wachstum gleicht sich dies jedoch wieder aus. Auch leichte Schiefstellungen sind bis zu einem gewissen Maß akzeptabel und normalisieren sich wieder.

8. Vorbeugen

Einer Radiusfraktur (Speichenbruch) können Sie nur vorbeugen, indem Sie nach Möglichkeit Stürze vermeiden beziehungsweise bei risikoreichen Sportarten, wie beispielsweise dem Inline-Skaten, entsprechende Schutzkleidung tragen. Ausserdem ist es wichtig, eine gegebenenfalls bestehende Osteoporose frühzeitig zu erkennen und nach Möglichkeit behandeln zu lassen.