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1. Überblick

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist der krankhaft gesteigerte Rückfluss (Reflux) von Verdauungssäften in die Speiseröhre, der ein Risiko für organische Komplikationen darstellt und/oder die Lebensqualität der Betroffenen deutlich mindert.

Ursache für die Refluxkrankheit ist eine Funktionsstörung des unteren Schliessmuskels der Speiseröhre. Refluxsymptome gehören zu den häufigsten Magen-Darm-Beschwerden: Bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung der Industrieländer treten wöchentlich mehrmals Symptome der Refluxkrankheit auf. Die Betroffenen verspüren häufig Sodbrennen, das nach grösseren Mahlzeiten auftritt und sich im Liegen verstärkt. Auch unspezifische Schmerzen im Oberbauch sind ein häufiges Symptom. Eine Speiseröhrenentzündung infolge der Refluxkrankheit (Refluxösophagitis oder Erosive Reflux Disease = ERD) liegt jedoch nur bei schätzungsweise 40 Prozent der von Refluxsymptomen Betroffenen vor.

Eine dauerhafte Speiseröhrenentzündung infolge der Refluxkrankheit erhöht das Risiko, dass sich ein bösartiger Tumor ausbildet. Die gastroösophageale Refluxkrankheit kann sich auch auf die Atemwege auswirken: Es kann zu chronischem Husten, Asthma oder einer Kehlkopfentzündung kommen.

Diagnostizieren lässt sich die Refluxkrankheit unter anderem mit der 24-Stunden-pH-Metrie. Hierbei misst man den Säuregehalt (pH-Wert) der unteren Speiseröhre 24 Stunden lang ständig, um den Rückfluss von Mageninhalt nachzuweisen. Um die gastroösophageale Refluxkrankheit zu behandeln, sind Allgemeinmassnahmen (z.B. gezielte Umstellung der Ernährung) und Medikamente geeignet, die beispielsweise die Bildung von Magensäure hemmen. Die Prognose ist dabei recht gut. Eine Operation ist bei der Refluxkrankheit selten empfehlenswert, da die Komplikationsraten hoch und die Langzeitergebnisse unbefriedigend sind.

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2. Definition

Eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) liegt per Definition vor, wenn ein krankhaft gesteigerter Rückfluss (Reflux; lateinisch refluere = zurückfliessen) von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre stattfindet, der ein Risiko für organische Komplikationen darstellt und/oder die Lebensqualität der Betroffenen deutlich mindert. Der gelegentliche Rückfluss von Magensaft, der besonders tagsüber auftritt, ist eine normale Erscheinung. Erst ein häufiger Rückfluss vor allem im Liegen, bei dem der Mageninhalt über längere Zeit mit der Schleimhaut in Kontakt kommt, verursacht Beschwerden. Vor allem die im Magensaft enthaltene Salzsäure kann die Schleimhaut schädigen.

Die Refluxkrankheit kann verschiedene Formen annehmen:

  • Refluxösophagitis (ERD = Erosive Reflux Disease): Diese Form ist eine gastroösophageale Refluxkrankheit mit Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis), die infolge des Rückflusses entstanden ist.
  • Nicht-erosive Refluxkrankheit (NERD = Non-Erosive Reflux Disease): Hier liegt eine gastroösophageale Refluxkrankheit ohne Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) vor. Diese Form trifft auf schätzungsweise 60 Prozent aller Menschen mit Refluxkrankheit zu. Sie ist gekennzeichnet durch Beschwerden wie Sodbrennen und saures Aufstossen.
  • Barrett-Syndrom: Hierbei ist die Speiseröhrenschleimhaut infolge einer chronischen Speiseröhrenentzündung verändert.
  • Extraösophageale Manifestationen: In diesen Fällen wirkt sich die gastroösophageale Refluxkrankheit ausserhalb der Speiseröhre aus. Die Refluxkrankheit kann die Atemwege in Form von chronischem Husten, Asthma oder einer Kehlkopfentzündung in Mitleidenschaft ziehen.

Häufigkeit

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) ist recht häufig: Sie tritt in den westlichen Industrieländern bei mindestens zehn Prozent der Bevölkerung auf. Ein Zusammenhang zwischen Häufigkeit des Auftretens und Alter oder Geschlecht der Betroffenen war bisher nicht nachweisbar.

Die Refluxkrankheit mit Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) scheint bei Männern häufiger aufzutreten als bei Frauen. Auch vom Barrett-Syndrom sind Männer mit einem Anteil von 60 bis 70 Prozent häufiger betroffen. Bei der Häufigkeit, mit der sich die gastroösophageale Refluxkrankheit auf die Atemwege auswirkt, besteht kein Unterschied zwischen den Geschlechtern.

3. Ursachen

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) entsteht, wenn der untere Schliessmuskel der Speiseröhre nicht richtig funktioniert. Die genauen Ursachen hierfür sind nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise besteht eine Verbindung zwischen einem geschwächten Schliessmuskel dem Vorhandensein einer sogenannten Hiatushernie, einer Lücke im Zwerchfell (Zwerchfellbruch): Im Normalfall liegt die Speiseröhre oberhalb und der Magen unterhalb des Zwerchfells. Durch den Zwerchfellbruch rutschen Teile des Magens in den Brustraum und die Abdichtung zwischen Speiseröhre und Magen ist beeinträchtigt. Da jedoch nahezu alle Menschen mit Refluxkrankheit eine Hiatushernie haben, aber umgekehrt nur bei wenigen Menschen mit Hiatushernie eine Refluxkrankheit vorliegt, ist noch unklar, welche Rolle der Zwerchfellbruch als mögliche Ursache für die Refluxkrankheit spielt.

Ob der gesteigerte Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre (gastroösophagealer Reflux) die Schleimhaut schädigt oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im Normalfall reinigt sich die Speiseröhre durch ihre Eigenbewegung (Peristaltik) selbst, so dass der zurückgeflossene Magensaft mit der Schleimhaut nur kurz in Kontakt kommt. Eine herabgesetzte Beweglichkeit der Speiseröhre macht den Selbstreinigungsmechanismus unwirksam und verlängert die Kontaktdauer. Fetthaltige Nahrungsmittel (z.B. Schokolade), scharfe Gewürze, Pfefferminze, Kaffee, Alkohol und Nikotin können eine solche verminderte Beweglichkeit auslösen. Auch eine Schwangerschaft ist eine häufige Ursache für Refluxsymptome, da auch bestimmte Hormone die Beweglichkeit der Speiseröhre beeinflussen. Weitere Risikofaktoren für die gastroösophageale Refluxkrankheit sind: Übergewicht (Adipositas), Systemerkrankungen wie die systemische Sklerose oder Diabetes mellitus sowie bestimmte Medikamente (z.B. Nitrate, Acetylsalicylsäure).

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4. Symptome

Die für eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) typischen Symptome sind Sodbrennen und der hiermit verbundene Schmerz hinter dem Brustbein. Diese Anzeichen verstärken sich nach grösseren Mahlzeiten, beim Bücken und im Liegen.

Auch saures und nicht-saures Aufstossen (Regurgitation) sind häufige Symptome für die Refluxkrankheit: Besonders nachts strömt Mageninhalt in die Speiseröhre und unter Umständen bis in die Mundhöhle zurück. Gelangt der Magensaft versehentlich in die Luftröhre, führt dies zu starkem Hustenreiz und unter Umständen zu Atemnot. Ein häufiges, jedoch wenig charakteristisches Symptom der Refluxkrankheit ist ein schmerzender Oberbauch. Bei fortgeschrittener Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) fällt den Betroffenen das Schlucken besonders schwer, wenn sie feste Nahrung zu sich nehmen.

Wie stark die Symptome ausgebildet sind, sagt nichts darüber aus, wie schwerwiegend die Refluxkrankheit ist: Auch bei starken Beschwerden können die Schleimhautbefunde unauffällig sein.

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5. Diagnose

Bei Verdacht auf eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) erfolgt die Diagnose in erster Linie anhand des Hauptsymptoms: Wenn Sodbrennen bei den Betroffenen als Symptom überwiegt, liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von über 75 Prozent eine Refluxkrankheit vor. In diesem Fall kann eine Spiegelung (Endoskopie) der Speiseröhre, des Magens und des Zwölffingerdarms zum Einsatz kommen (Ösophago-Gastro-Duodendoskopie), um festzustellen, ob und in welchem Ausmass die Schleimhaut entzündet ist.

Die Diagnose der Refluxkrankheit lässt sich mit einer 24-Stunden-pH-Metrie sichern. Diese ermöglicht es, den Säuregehalt (pH-Wert) der unteren Speiseröhre 24 Stunden lang ständig zu messen. Mit dieser Untersuchung ist am besten nachweisbar, ob und wie viel Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfliesst. Das Verfahren kommt bereits bei Verdacht auf eine leichte gastroösophageale Refluxkrankheit zum Einsatz.

Ist aus medizinischen Gründen keine Speiseröhrenspiegelung möglich, ist mithilfe der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) feststellbar, ob die gastroösophageale Refluxkrankheit zu einer entzündlichen Veränderung der Speiseröhre geführt hat. Bei fortgeschrittener Erkrankung lassen sich Geschwüre und Verengungen durch die Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel diagnostizieren.

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6. Therapie

Gegen die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) kommen zur Therapie meist Medikamente zum Einsatz. Je nach Schweregrad dauert diese Behandlung mehrere Wochen bis Monate.

Im Frühstadium können Sie die Beschwerden der Refluxkrankheit schon durch eine Umstellung der Ernährung deutlich lindern. Dazu gehört in erster Linie, den Konsum von fetthaltigen Speisen, Schokolade, scharfen Gewürzen, Kaffee, Alkohol und Nikotin einzuschränken. Besonders vor dem Schlafengehen sollten Sie auf grössere Mahlzeiten verzichten. Beträgt die Zeitspanne zwischen Abendessen und Schlafengehen weniger als drei Stunden, ist das Risiko für eine gastroösophageale Refluxkrankheit deutlich erhöht. Bei gelegentlichem Sodbrennen helfen Brot und Haferflocken, die Symptome zu lindern. Um den Rückfluss des Magensafts zu erschweren, empfiehlt es sich, das Kopfende beim Schlafen hochzustellen.

Diese Allgemeinmassnahmen gegen die Refluxkrankheit sind auch mit einem Präparat kombinierbar, das die Beweglichkeit (Motilität) der Speiseröhre anregt (wie Domperidon). Bei leichter gastroösophagealer Refluxkrankheit ist diese Therapie oft ausreichend.

Erfordert die gastroösophageale Refluxkrankheit eine umfangreichere Therapie, zielt diese in der Regel darauf ab, die Bildung der Magensäure zu hemmen. Zum Einsatz kommen hierbei vor allem sogenannte Protonenpumpenhemmer, zum Beispiel Omeprazol, und H2-Rezeptorenblocker wie Ranitidin. Geeignet sind auch sogenannte Antazida, welche die bereits vorhandene Magensäure neutralisieren. Diese Antazida sollten Sie jedoch nicht längerfristig einnehmen, da der Magen nach einiger Zeit mit einer Steigerung der Säureproduktion auf sie reagiert.

Operation

Wenn die gastroösophageale Refluxkrankheit wiederholt zu einer entzündeten Speiseröhre führt und sich dadurch Vernarbungen bilden, die die Speiseröhre verengen (Ösophagusstenose), ist eine operative Therapie möglich. Ziel der Operation ist es, die Beweglichkeit der Speiseröhre zu unterstützen und die Schliessfunktion des unteren Endes der Speiseröhre zu verbessern. Allerdings erfolgt die Behandlung der Refluxkrankheit durch Operation wegen des relativ hohen Komplikationsrisikos und des unbefriedigenden Langzeitergebnisses nur in Einzelfällen.

7. Verlauf

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) zeigt unbehandelt meist einen gleichbleibenden Verlauf: Bei über 95 Prozent der Betroffenen nimmt ihr Ausmass über viele Jahre nicht zu.

Meistens hat die Refluxkrankheit eine günstige Prognose: Bei schätzungsweise 60 Prozent der von Refluxsymptomen Betroffenen liegt die nicht-erosive Form der Refluxkrankheit (Non-Erosive Reflux Disease = NERD) vor, die ohne Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) verläuft. Das Wohlbefinden ist allerdings durch die Refluxbeschwerden häufig stark gestört – unabhängig davon, wie stark die Symptome sind. Die Lebensqualität der Betroffenen ist somit erheblich gemindert. Solche belastenden Phasen können sich mit Phasen völliger Beschwerdefreiheit abwechseln. Unbehandelt verschwinden die Symptome der Refluxkrankheit sehr selten völlig und dauerhaft.

Wer seine Ernährung gezielt umstellt und die Refluxkrankheit vorübergehend medikamentös behandelt, kann im weiteren Verlauf die Entstehung einer dauerhaften Speiseröhrenentzündung mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindern.

Eine gastroösophageale Refluxkrankheit mit Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis) – also eine Refluxösophagitis oder Erosive Reflux Disease (ERD) – erfordert oft eine langwierige Behandlung. Je stärker die Schleimhaut geschädigt ist, desto geringer sind die Erfolgsaussichten einer medikamentösen oder chirurgischen Therapie.

Komplikationen

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) kann im weiteren Verlauf verschiedene Komplikationen nach sich ziehen. Fortbestehende Entzündungsreaktionen können dazu führen, dass sich Geschwüre (Ulzera) bilden und die Schleimhaut vernarbt. Langfristig verengt sich dadurch die Speiseröhre (Ösophagusstenose), was die Nahrungsaufnahme erschwert. Im extremen Spätstadium kann die Speiseröhre so stark verengt sein, dass die Betroffenen keine Nahrung mehr aufnehmen können.

In den durch die Refluxkrankheit geschädigten Bereichen der Schleimhaut kommt es zu Blutungen, die in den meisten Fällen unbemerkt bleiben. Gelegentlich führen sie zu Bluterbrechen (Hämatemesis). Häufige Blutungen können im weiteren Verlauf zu einer Blutarmut (Anämie) führen.

Verändert sich durch die chronische Schleimhautschädigung das Gewebe, entsteht die als Barrett-Syndrom bezeichnete Form der gastroösophagealen Refluxkrankheit. Hierbei ersetzt ein anderes, für die Speiseröhre untypisches Gewebe das ursprüngliche Schleimhautgewebe. Dadurch ist das Risiko, dass sich im Verlauf der Refluxkrankheit als Komplikation ein bösartiger Tumor – ein Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) – bildet, deutlich erhöht.

In seltenen Fällen kann die gastroösophageale Refluxkrankheit Komplikationen der Atemwege bewirken: Chronischer Husten, Asthma oder Kehlkopfentzündungen sind die möglichen Folgen. Der Zusammenhang zwischen der Refluxkrankheit und den Atemwegserkrankungen ist allerdings schwer feststellbar, da die Betroffenen manchmal keine typischen Refluxsymptome zeigen und neben der gastroösophagealen Refluxkrankheit weitere Ursachen zugrunde liegen können.

8. Vorbeugen

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) lässt sich nicht oder nur begrenzt verhindern. Es gibt allerdings ein paar wirksame Massnahmen zum Vorbeugen von Refluxsymptomen: So hilft es bereits, wenn Sie Ihren Nikotin- und Alkoholkonsum einschränken, vorhandenes Übergewicht senken, üppige Mahlzeiten vor dem Zu-Bett-Gehen vermeiden und magenschädlichere Medikamente mit viel Flüssigkeit einnehmen beziehungsweise ihren Gebrauch einschränken.

Durch eine konsequente Behandlung und die Einhaltung der empfohlenen Allgemeinmassnahmen lässt sich verhindern, dass die gastroösophageale Refluxkrankheit wiederkehrt.

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