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  4. Regelschmerzen (Dysmenorrhö)

Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Fast jede Frau leidet zeitweise oder regelmässig unter Regelschmerzen (Dysmenorrhö). Es gibt die sogenannten primären Regelschmerzen, die bereits mit der ersten Regelblutung einsetzen und keine Erkrankung als Ursache haben. Besonders junge Frauen sind häufig davon betroffen. Die sekundären Regelschmerzen treten erst später auf. Sie gehen auf gynäkologische Grunderkrankungen zurück und kommen vor allem bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren vor.

Regelschmerzen äussern sich vor allem durch kolikartige Unterleibs- und Rückenschmerzen. Betroffene Frauen fühlen sich allgemein unwohl und müde. Häufig treten weitere Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit oder Kopfschmerzen auf.

Eine allgemeingültige Strategie gegen Regelschmerzen gibt es bisher nicht, dennoch muss keine Frau die unangenehmen Begleiterscheinungen der Regelblutung einfach hinnehmen. Je nach Ursache der Regelschmerzen gibt es viele Möglichkeiten, diese zu behandeln. Liegt den Regelschmerzen keine Erkrankung zugrunde, können schmerzstillende Medikamente (wie Ibuprofen) oder krampflösende Wirkstoffe (wie Butylscopolamin) die Beschwerden lindern. Aber auch einfache Massnahmen wie Wärme können kurzfristig Abhilfe schaffen. Insbesondere bei primären Regelschmerzen helfen oft auch Hormone, zum Beispiel die Antibabypille.

Regelschmerzen entstehen normalerweise durch zu starke Muskelkontraktionen der Gebärmutter, hervorgerufen durch den körpereigenen Botenstoff Prostaglandin. Bei der Diagnose klärt der Arzt ab, ob es eventuell eine organische Ursache für die Regelschmerzen gibt, denn auch Erkrankungen im Unterleib zum Beispiel eine Endometriose können Regelschmerzen verursachen, benötigen jedoch eine andere Therapie. Bei sekundären Regelschmerzen richtet sich die Therapie nach der Grunderkrankung.

Regelschmerzen lassen sich nur bedingt vorbeugen. Ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und viel Bewegung wirken positiv. Auch Hormone, zum Beispiel die Antibabypille, können Regelschmerzen in gewissem Masse vorbeugen.

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2. Definition

Regelschmerzen (Dysmenorrhö) sind eines der häufigsten gynäkologischen Probleme. Einige Frauen leiden sogar unter so starken Regelschmerzen, dass sie zeitweise nicht zur Arbeit gehen oder alltägliche Tätigkeiten wie den Haushalt verrichten können.

Je nach Ursache lassen sich zwei Arten der Regelschmerzen unterscheiden:

  • Primäre Regelschmerzen: Sie treten ab der ersten Regelblutung auf und haben normalerweise keine Erkrankung zur Ursache
  • Sekundäre Regelschmerzen: Sie beginnen erst nach der ersten Regelblutung, Ursachen sind oft Grunderkrankungen wie eine Endometriose oder eine Gebärmutterentzündung

Der Menstruationszyklus

Der im Durchschnitt 28-tägige Menstruationszyklus entsteht durch das Wechselspiel verschiedener Hormone aus dem Gehirn (Gonadotropinen) und weiblicher Geschlechtshormone (Östrogene und Gestagene), die vor allem in den Eierstöcken produziert werden. Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) bildet die Gonadotropine und gibt sie ins Blut ab. Von dort gelangen sie in die Eierstöcke. Dort regen sie die Produktion der Eizellen an und sorgen dafür, dass während der Zyklusmitte der Eisprung stattfindet. Die Gebärmutterschleimhaut ist nach der Regelblutung dünn. Während des neuen Zyklus sorgen Östrogene und Gestagene dafür, dass sie zu einer dicken, gut durchbluteten Schicht heranwächst – ideale Bedingungen für eine befruchtete Eizelle, um sich einzunisten und damit für eine mögliche Schwangerschaft. Wird die Eizelle nicht befruchtet, produzieren die Eierstöcke weniger Östrogene und Gestagene. Dann löst sich die in der ersten Zyklushälfte in der Gebärmutter aufgebaute Schleimhaut ab und wird mit der Regelblutung ausgeschieden.

Häufigkeit

Einige Frauen leiden bereits ab dem Auftreten der ersten Regelblutung unter Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö) – insbesondere sehr junge sowie sehr schlanke Mädchen und Frauen sind betroffen. Auch während der Pubertät beziehungsweise vor der ersten Schwangerschaft kommen Regelschmerzen gehäuft vor. Insgesamt leiden zwischen 60 und 90 Prozent aller Mädchen und jungen Frauen unter Regelschmerzen, die sich jedoch bei vielen Frauen mit zunehmendem Alter zurückbilden.

3. Ursachen

Regelschmerzen (Dysmenorrhö) lassen sich in zwei Arten mit jeweils verschiedenen Ursachen einteilen:

  • Primäre Dysmenorrhö: Regelschmerzen, die bereits seit der ersten Regelblutung auftreten.
  • Sekundäre Dysmenorrhö: Regelschmerzen, die nach der ersten Regelblutung auftreten.

Primäre Regelschmerzen sind wahrscheinlich auf Hormone als Ursachen zurückzuführen. Sekundäre Regelschmerzen haben dagegen körperliche Grunderkrankungen als Ursachen.

Primäre Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö)

Bei primären Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö) sind im Allgemeinen keine körperlichen Erkrankungen die Ursachen. Vielmehr sind körpereigene Botenstoffe Auslöser der Regelschmerzen, die sogenannten Prostaglandine. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Arachidonsäure, eine Vorstufe der Prostaglandine. Sie entsteht in grösseren Mengen im Laufe des Menstruationszyklus. Dabei sorgen Östrogene und Gestagene dafür, dass die Schleimhaut der Gebärmutter dicker wird. Während der Regelblutung wird die Arachidonsäure in die Prostaglandine umgewandelt. Diese bewirken, dass sich die Gebärmuttermuskulatur zusammenzieht. Die Schleimhaut wird dadurch abgestossen. Durch das Zusammenziehen wird das Gewebe weniger durchblutet und dadurch schlechter mit Sauerstoff versorgt. Dadurch entstehen bei einigen Frauen die typischen Schmerzen.

Begünstigende Faktoren für primäre Regelschmerzen sind unter anderem:

  • frühe erste Regelblutung (Menarche): vor dem Ende des zwölften Lebensjahrs
  • Body-Mass-Index (BMI) unter 20 (d.h. ein relativ niedriges Körpergewicht)
  • lange Menstruationszyklen mit langer oder starker und unregelmässiger Blutungsdauer
  • Regelschmerzen bei Familienangehörigen
  • ungesunde Lebensweise (Rauchen, Alkohol)

Sekundäre Regelschmerzen (sekundäre Dysmenorrhö)

Sekundäre Regelschmerzen (sekundäre Dysmenorrhö) können bei krankhaften Veränderungen im Becken auftreten wie bei einer Gebärmutterentzündung oder bei Myomen (Gebärmuttergeschwulsten). Eine weitere häufige Ursache für Regelschmerzen ist die Endometriose. Etwa zehn Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter leiden an dieser Wucherung der Gebärmutterschleimhaut. In vielen Fällen wird sie nicht als Ursache für Regelschmerzen erkannt. Treten häufig oder regelmässig Menstruationsbeschwerden und -störungen auf, sollte daher stets eine Endometriose mittels ausreichender Diagnostik ausgeschlossen werden. Sekundäre Regelschmerzen können ausserdem Folge mechanischer Verhütungsmittel im Bereich des Gebärmutterhalses sein (z.B. durch eine Spirale).

4. Symptome

Primäre und sekundäre Regelschmerzen rufen jeweils unterschiedliche Symptome hervor.

Primäre Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö)

Regelschmerzen ohne krankhafte Ursache (primäre Dysmenorrhö) verursachen typische Symptome wie ziehende, kolikartige Unterleibs- und Rückenschmerzen, weil sich die Gebärmuttermuskulatur verstärkt zusammenzieht. Im Gegensatz zu den Kontraktionen einer normalen Menstruation können sie mehrere Minuten andauern und häufiger sowie unregelmässig auftreten. Dadurch entsteht ein Druck, der oftmals den des Blutflusses übersteigt. Das Gewebe wird dadurch weniger durchblutet und erhält weniger Sauerstoff. In der Folge reichern sich Stoffwechselprodukte an, die Schmerzrezeptoren aktivieren und die Regelschmerzen verursachen. Zusätzlich wirken Prostaglandine – Gewebshormone, die für das Zusammenziehen der Gebärmutter verantwortlich sind – ausserdem an anderen Organen wie den Bronchien, dem Magen-Darm-Trakt und an der Gefässmuskulatur. Dadurch können bei Regelschmerzen typische begleitende Symptome entstehen, vor allem Durchfall und Übelkeit.

Primäre Regelschmerzen treten nur in Zyklen auf, in denen ein Eisprung stattfindet. Die krampfartigen Schmerzen beginnen kurz vor oder mit Einsetzen der Blutung und halten über 12 bis 72 Stunden an. Die Unterleibskrämpfe variieren in ihrer Intensität. Ausserdem treten bei Regelschmerzen häufig Symptome wie Kopfschmerzen, Unwohlsein, Durchfall oder Müdigkeit auf. Die Leistungsfähigkeit sinkt insgesamt. In einigen Fällen sind die Beschwerden so stark, dass betroffene Frauen in ihrem Alltag erheblich eingeschränkt sind, zum Beispiel nicht zur Arbeit gehen können.

Sekundären Regelschmerzen (sekundäre Dysmenorrhö)

Bei den sekundären Regelschmerzen (sekundäre Dysmenorrhö) können ähnliche Symptome wie bei primären Regelschmerzen auftreten, je nach Grunderkrankung sind diese jedoch variabel. Häufig berichten betroffene Frauen zusätzlich über sehr starke und lang anhaltende Regelblutungen (z.B. bei Myomen oder Endometriose).

Regelschmerzen werden je nach Schweregrad und Art der Einschränkungen eingeteilt:

Schweregrad Arbeitsfähigkeit weitere Symptome Schmerzmittel
Grad 0: Menstruation ist nicht schmerzhaft unbeeinträchtigt keine nicht notwendig
Grad 1: Menstruation ist leicht schmerzhaft selten beeinträchtigt keine selten nötig
Grad 2: Menstruation schmerzhaft mässig beeinträchtigt möglich benötigt
Grad 3: Menstruation stark schmerzhaft stark beeinträchtigt Kopfschmerz, Müdigkeit, Erbrechen, Durchfall wenig wirksam

5. Diagnose

Bei Regelschmerzen (Dysmenorrhö) stellt der Arzt die Diagnose primäre Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö), wenn es keinen Anhalt für eine zugrunde liegende körperliche Erkrankung gibt und die Beschwerden schon seit der ersten Regelblutung auftreten. In einem ausführlichen Gespräch erfragt der Arzt bei der Betroffenen die Art und den Verlauf der Regelschmerzen, um die Diagnose zu stellen. Ausserdem führt er eine gynäkologische Untersuchung durch, bei der er Scheide, Gebärmutter und Eierstöcke abtastet.

Um die Ursache der Regelbeschwerden besser zu erkennen, empfiehlt es sich, vor dem Arztbesuch in einem Zykluskalender alle Beschwerden wie Schmerzen, Erkältungen oder die Einnahme von Medikamenten zu vermerken.

Bei Verdacht auf mögliche organische Ursachen der Regelschmerzen – also eine sekundäre Dysmenorrhö – führt der Arzt weitere Tests zur Diagnose durch, zum Beispiel Bluttests, Ultraschalluntersuchungen und gegebenenfalls eine Bauchspiegelung (Laparaskopie) mittels Endoskop. Dadurch kann er zum Beispiel eine Endometriose ausschliessen. Da etwa zehn Prozent der gebärfähigen Frauen von einer Endometriose betroffen sind, ist sie in vielen Fällen die eigentliche Ursache von Regelschmerzen.

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6. Therapie

Um Regelschmerzen zu behandeln, gibt es verschiedene Therapie-Optionen. Bei primären Regelschmerzen beschränkt sich die Therapie darauf, die Beschwerden zu lindern. Sekundäre Regelschmerzen bessern sich, wenn die Grunderkrankung angemessen behandelt wird.

Primäre Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö)

Primäre Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö) können mit einer Therapie nicht beseitigt werden, da sie im Allgemeinen keine Erkrankung als Ursache haben. Eine Heilung im eigentlichen Sinne ist deshalb nicht möglich. Bei primären Regelschmerzen beschränkt sich die Therapie deshalb darauf, die auftretenden Beschwerden zu lindern.

Medikamente können bei immer wiederkehrenden Regelschmerzen helfen An erster Stelle stehen dabei Schmerzmittel (nicht-steroidale Antirheumatika, NSAR) und hormonelle Verhütungsmittel (z.B. Antibabypille, hormonelle Spirale). Hormonelle Präparate sind meist nur sinnvoll, wenn die Betroffene nicht schwanger werden möchte. Bei Regelschmerzen stehen Wirkstoffe wie Ibuprofen, Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Naproxen zur Therapie zur Verfügung. NSAR sollten jedoch aufgrund ihrer Nebenwirkungen ohne ärztliche Anweisung nicht oft und nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Auch krampflösende Wirkstoffe wie Butylscopolamin können bei Unterleibskrämpfen wirken.

Liegt keine zusätzliche Erkrankung neben den Regelschmerzen vor, können einige schnelle Massnahmen dabei helfen, wieder leistungsfähig und fit für den Alltag zu sein:

  • Bewegungsübungen zur Muskelentspannung und zur Entkrampfung der Beckenregion
  • Übungen zur Stressbewältigung
  • Sport: Durch Bewegung wird das Becken besser durchblutet und Verkrampfungen können sich lösen.
  • Vitamin B6
  • krampflösende Tees mit Extrakten aus Gänsefingerkraut oder Johanniskraut bei Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Unruhe
  • Magnesium bei Bauchkrämpfen; ein hoher Gehalt an Magnesium findet sich z.B. in Nüssen, Weizenkeimen, getrockneten Hülsenfrüchten und ungeschältem Reis
  • Wärme: warme Entspannungsbäder, Wärmflasche auf dem Bauch, Saunagänge

Das eigene Wohlbefinden hängt auch von einer gesunden Ernährung ab, die Krankheiten und Schmerzen vorgebeugt. Ernähren Sie sich daher ausgewogenund ballaststoffreich. Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder schwarzer Tee sollten Sie nur in Massen geniessen. Wenn Sie in der zweiten Zyklushälfte an Gewicht zunehmen, kann dies auf grössere Wasseransammlungen (Ödeme) hindeuten. In diesem Fall ist eine salzarme Ernährung zu empfehlen.

Sekundäre Regelschmerzen (sekundäre Dysmenorrhö)

Bei sekundären Regelschmerzen (sekundäre Dysmenorrhö) richtet sich die Therapie nach der Ursache der Beschwerden. Liegt eine Erkrankung wie Endometriose vor, muss diese behandelt werden. Dazu verschreibt der Gynäkologe in leichteren Fällen Medikamente. Grosse Endometrioseherde entfernt er operativ, meist durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie).

7. Verlauf

Bei den meisten Frauen bessern sich die Beschwerden der primären Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhö) im Verlauf mit dem Alter von selbst. Vorübergehend können schmerzstillende Mittel helfen. Manche betroffenen Frauen sind durch ihre Regelschmerzen stark in ihrem Alltag eingeschränkt und können während der Menstruation kaum das Haus verlassen.

Bei sekundären Regelschmerzen (sekundäre Dysmenorrhö) hängt der Verlauf von der ursächlichen Erkrankung ab und kann daher variieren. Mit erfolgreicher Therapie gehen die Beschwerden normalerweise zurück.

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8. Vorbeugen

Regelschmerzen (Dysmenorrhö) können Sie nur bedingt vorbeugen. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und Lebensweise sowie auf ausreichend sportliche Betätigung. Die Antibabypille oder andere Hormone können Regelschmerzen oft ebenfalls vorbeugen. Besprechen Sie diese Massnahmen mit Ihrem Gynäkologen.

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