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1. Überblick

Wer von einer Reise träumt, stellt sich meistens Sommer, Sonne und Erholung vor. An unliebsame Überraschungen wie zum Beispiel Reisedurchfall (Reisediarrhö) denkt dabei niemand gern. Doch vor allem bei Reisen in Tropenländern ist Reisedurchfall keine Seltenheit. Viele Faktoren können eine Reisediarrhö begünstigen: Ungewohnte Nahrungsmittel, schlechte Hygienebedingungen und Stress durch Reisevorbereitungen, Klimawechsel und Zeitumstellung führen bei mach einem Abenteurer zu Durchfall. Reisedurchfall kann während, aber auch kurz nach einer Reise auftreten. Auslöser sind meist Infektionen durch Bakterien oder Viren.

Der Reisende nimmt die Krankheitserreger mit der Nahrung oder dem Trinkwasser auf. Die Folgen zeigen sich innerhalb weniger Stunden oder erst nach mehreren Tagen: Der Stuhl wird ungeformt bis flüssig und tritt meist ungewohnt häufig pro Tag auf (häufiger als dreimal täglich). In schweren Fällen können auch Beschwerden wie Bauchschmerzen, Erbrechen, Fieber sowie Schleim oder Blut im Stuhl eine Reisediarrhö begleiten.

Von Reisedurchfall sind abhängig von Region und Art der Reise etwa 10 bis 90 Prozent aller Reisenden betroffen. In Asien, Afrika, Mexiko, Süd- und Mittelamerika ist das Durchfallrisiko besonders hoch.

Wer von Reisedurchfall betroffen ist, fühlt sich kraftlos und niedergeschlagen. Dieser Zustand wird durch den Verlust von Wasser und Salzen (Elektrolyte) hervorgerufen, der sich auf alle Organe auswirkt. Wichtigste Gegenmassnahme ist es, den Wasser- und Salzverlust wieder auszugleichen. Eine besondere Ernährung müssen Betroffene bei einer Reisdiarrhö nicht einhalten – sie sollten auf jeden Fall vermehrt trinken (z.B. leicht gesüssten Tee) und normal weiteressen. Fette, schwere und belastende Mahlzeiten sind allerdings bei einer Reisediarrhö nicht empfehlenswert.

Bei schwereren Durchfällen kann der Flüssigkeitsverlust auch mit einer zuckerhaltigen Elektrolytlösung zur «oralen Rehydratation» ausgeglichen werden. Je nach Ursache können zur Behandlung von Reisedurchfall auch Medikamente zum Einsatz kommen.

2. Definition

Von Reisedurchfall (Reisediarrhö) spricht man, wenn ein Reisender häufiger als dreimal pro Tag Stuhlgang hat und der Stuhl ungeformt und breiig bis wässrig ist. Der Durchfall ist keine eigene Erkrankung, sondern das Symptom einer Infektion des Magen-Darm-Trakts durch Viren, Bakterien oder in seltenen Fällen auch Parasiten oder Würmern.

Die Krankheitserreger gelangen mit verunreinigten Lebensmitteln oder Trinkwasser in das Verdauungssystem des Reisenden. Tritt daraufhin der Durchfall als einzige Beschwerde auf, gilt er als harmlos und lässt sich in der Regel mit einfachen Mitteln wie vermehrte Flüssigkeitsaufnahme (z.B. durch leicht gesüssten Tee) und Zwieback bekämpfen. Ernster sind Reisedurchfälle, die krampfartige Schmerzen in Magen und Darm verursachen. In diesen Fällen sollten die Betroffenen sofort einen Arzt aufsuchen. Dasselbe gilt bei Erbrechen, Fieber sowie schleimigem oder blutigem Stuhl.

Häufigkeit

Je nach Region und Reiseart sind 10 bis 90 Prozent aller Reisenden von Reisedurchfall betroffen. Kinder und ältere Personen, chronisch Kranke und Schwangere sind besonders anfällig für eine Durchfallerkrankung, da ihr Immunsystem die Krankheitserreger weniger gut bekämpfen kann. Auch Rucksackreisende, die sich in entlegenen Gebieten mit geringem Hygiene-Standard aufhalten, sind häufiger von Reisedurchfall betroffen.

Vorkommen

Das Risiko, als Reisender Durchfall zu bekommen, hängt vor allem vom besuchten Land ab. In Nord- und Zentraleuropa, in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland ist die Gefahr eines Reisedurchfalls gering. In wärmeren Ländern steigt die Wahrscheinlichkeit, von Durchfällen betroffen zu sein. Besonders häufig leiden Reisende in Mittel- und Südamerika, Afrika und Südostasien daran.

3. Ursachen

Reisedurch (Reisediarrhö) kann verschiedene Ursachen haben. Meist wird Reisedurchfall durch Bakterien (vornehmlich Kolibakterien) ausgelöst, aber auch Viren (z.B. Norovirus) und Parasiten wie Amöben (Erreger der Amöbenruhr) kommen als Ursachen infrage.

Die Keime gelangen mit der Nahrung oder dem Trinkwasser in den Körper. Häufig sind in vielen Reiseländern Leitungswasser, ungekochtes Gemüse sowie ungeschältes Obst verunreinigt.

Im Magen-Darm-Trakt angekommen, können die Krankheitserreger eine Infektion mit Durchfällen auslösen. Der Reisedurchfall tritt, je nach Erreger, wenige Stunden oder mehrere Tage nach dem Kontakt mit den Erregern auf. Die Wahrscheinlichkeit mit den Ursachen der Reisediarrhö in Berührung zu kommen, ist in Entwicklungs- und Schwellenländern wesentlich grösser als in westlichen Industriestaaten. Auch bei Reisen mit geringem Hygiene-Standard (z.B. bei Rucksackreisen) oder in Gruppen erhöht das Infektionsrisiko für eine Durchfallerkrankung.

4. Symptome

Personen, die unter Reisedurchfall (Reisediarrhö) leiden, haben häufiger als dreimal täglich Stuhlgang. Der Stuhl ist weich und ungeformt bis flüssig. Er riecht sehr unangenehm.

Aber auch andere Symptome, wie Blähungen und Appetitlosigkeit können bei einer Reisediarrhö auftreten. In schweren Fällen oder bei andauerndem Reisedurchfall, kommen weitere Beschwerden hinzu: krampfartige Bauchschmerzen, Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Mitunter zeigt sich Schleim oder Blut im Stuhl.

Bei leichtem Reisedurchfall bleiben die Stuhlveränderungen in der Regel die einzigen Symptome.

5. Diagnose

Hält der Reisedurchfall (Reisediarrhö) länger als zwei bis drei Tage an oder zeigen sich ernsthafte Beschwerden, ist es empfehlenswert, einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann anhand einer Stuhlprobe die Diagnose stellen und den Krankheitserreger bestimmen. Der Erregernachweis gelingt umso besser, je frischer der Stuhl ist. Daher ist es am besten, für die Stuhlprobe, die Labortoilette zu benutzen.

Bei Aufenthalten in den Tropen, also in Ländern entlang des Äquators, ist zudem eine Blutuntersuchung ratsam. Durch sie kann ausgeschlossen werden, dass der Reisende an einer ernsthaften Krankheit wie Cholera oder Typhus leidet. Ist die Blutanalyse nicht vor Ort möglich, kann man die Diagnose nach der Reise zu Hause nachholen. Liegt dem Durchfall eine ernsthafte Erkrankung zugrunde, muss diese behandelt werden.

6. Therapie

Durchfall entzieht dem Körper Flüssigkeit und Mineralstoffe. Bei Reisedurchfall (Reisediarrhö) sollten Sie daher umgehend Gegenmassnahmen ergreifen. Besonders Kindern, abwehrgeschwächten oder älteren Menschen drohen, ohne eine sofortige Therapie, ernsthafte Kreislaufprobleme.

Elektrolytersatz

In harmlosen Fällen lässt sich der Flüssigkeitsverlust durch Elektrolyt-Pulver oder fertige Elektrolyt-Lösungen aus der Apotheke ausgleichen (Wirkstoff Dinatriumhydrogencitrat). Sie enthalten unter anderem Glukose (Traubenzucker), Natriumchlorid (Kochsalz) und Kaliumchlorid. Das Pulver kann in abgekochtem Wasser aufgelöst werden. Jede Stunde sollte ein Viertel Liter der Lösung getrunken werden. Ein heller Urin weist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hin. Trinkt der Erkrankte zu wenig, ist der Urin tief gelb gefärbt.

Gibt es im Reiseland keine Elektrolyt-Pulver zu kaufen, lässt sich eine Lösung auch selbst herstellen. Dabei kommen auf einen Liter abgekochtes Wasser:

  • fünf gestrichene Esslöffel Zucker
  • ein bis zwei gestrichene Esslöffel Salz und
  • ein Glas Orangensaft

Leicht verdauliche Speisen

Da fettige schwere Speisen den Durchfall verschlimmern können, ist auf eine bekömmliche Diät zu achten. In den ersten zwei Tagen sollte sich der Reisende mit dünnen Brühen, Salzstangen, geriebenen Äpfeln und Zwieback begnügen. Am dritten Tag können auch Reis oder Kartoffeln auf dem Speiseplan stehen. Ab Tag vier ist ein langsamer Übergang zu normaler Kost möglich. Kinder unter zwei Jahren sollten während des Durchfalls spezielle Nahrung aus der Apotheke oder Drogerie bekommen.

Arzneimittel

Medikamente, die den Durchfall stoppen, sind nur kurzfristig einzusetzen, etwa um eine Busfahrt zu überstehen. Die Loperamid enthaltenden Mittel unterdrücken zwar vorübergehend den Durchfall, indem sie die Darmbewegung verlangsamen. Dadurch können sich jedoch die verursachenden Krankheitserreger im Darm vermehren, was bei längerer Einnahme die Beschwerden verschlimmern kann. Medizinische Kohle und pektinhaltige Medikamente dagegen nehmen die Keime im Darm auf und helfen, diese schnell aus dem Körper zu befördern. Pektin ist auch in geriebenen Äpfeln enthalten.

Tritt trotz der genannten Massnahmen nach zwei bis drei Tagen keine Besserung ein, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei Bakterieninfektionen wird er ein Antibiotikum verschreiben.

7. Verlauf

In den meisten Fällen nimmt ein Reisedurchfall (Reisediarrhö) einen milden Verlauf: nach etwa drei bis vier Tagen gibt er sich von selbst. Je nachdem welcher Krankheitserreger für den Reisedurchfall verantwortlich ist, kann sich jedoch im weiteren Verlauf auch eine ernstere Durchfallerkrankung (z.B. bakterielle Ruhr, Amöbenruhr, Cholera) entwickeln.

Tritt nach zwei bis drei Tagen keine merkliche Besserung ein, beziehungsweise tritt zusätzlich Fieber auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Das gleiche gilt für den Fall, dass der Reisedurchfall blutig oder schleimig ist.

8. Vorbeugen

Der einfachste Leitfaden, wie Sie einen Reisedurchfall (Reisediarrhö) vorbeugen, ist der Merkspruch für Tropenreisende: «Cook it, peel it or forget it!», was sinngemäss so viel wie «Abkochen, schälen oder bleiben lassen!» bedeutet. Abkochen gilt besonders für Leistungswasser. Aber auch auf Eiswürfel in Getränken sollten Sie in tropischen Ländern verzichten. Da beim Zähneputzen unbeabsichtigt Wasser geschluckt wird, sollte man nur abgekochtes Wasser oder Wasser aus Flaschen benutzen. Bei Gemüse ist unbedingt darauf zu achten, dass es gar ist.

Bei Obst halten Sie sich auf Reisen am besten an Schalenfrüchte wie Orangen und Bananen. Früchte wie Äpfel oder Mangos sollten Sie vor dem Verzehr schälen.

Ausserdem ist es sehr wichtig, die gängigen Hygienemassnahmen, wie Händewaschen nach dem Gang auf die Toilette, einzuhalten.

Gegen die häufigsten Erreger von Durchfallerkrankungen gibt es eine Impfung: Die Schluckimpfung gegen Cholera. In manchen Fällen kann eine solche Impfung sinnvoll sein – so zum Beispiel für Patienten mit fehlender Magensäurebarriere oder für Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Auch wenn schwere Verläufe einer Reisediarrhö drohen, wie zum Beispiel bei chronischen Darmerkrankungen, kann man mit einer Impfung vorbeugen.